Jinai: Nach langer Pause ... erst mal auf die reviews antworten.

Raffael: Falls du deine treuesten reviewer nicht schon verjagt hast mit deiner UNZUVERLÄSSIGKEIT.

Jinai: Mach mir keine Schuldgefühle. Die Geschichte neigt sich ihrem baldigen Ende zu, viele Kapitel sind es nicht mehr ... Seltsam, aber doch, ich will nicht, dass es vorbei ist -schnief-

Raffael: -chrm- Wenn du noch weiter dem Manga folgst, musst du deiner OC-Jinai erklären, wer Alma ist, und das wird ihr nicht gefallen.

Jinai: Gnyaaaah -mit den Armen fuchtel- In die Zwickmühle will ich Kanda wirklich nicht bringen. Nein, die Geschichte hat lange gewährt und solange war sie schön. Alles hat ein Ende, nur die Wurscht hat zwei. Um auf die reviews zurückzukommen xD

Psychomantium: Das war kein Fehler, das war volle Absicht -grins- Weil Jinai zu einer Zeit verletzt wurde, als Allen noch bei der Gruppe war, und ich mich da äääätwas stärker an die schöne Szene zwischen den beiden anlehne, wo Linali ihren Alptraum hatte und Allen sie beruhigt. Ja, da waren die beiden zu sehr miteinander beschäftigt, um Ticky, den bösen Katzenentführer, auf dem Dach zu entdecken. Und Lavi und Konsorten verschlafen das ganze. So viel zu der Zuverlässigkeit des sechsten oder siebten oder achten oder der-wie-vielte-der-Gefahrensinn-auch-ist-Sinns der Exorzisten, pah. Zu der äh, Einsatzfähigkeit der Flügel komm ich später noch, die sollen ja schon ganz praktisch sein, sonst hat Kanda am Ende eine Ente a lá Jinai. Grübeln wir lieber nicht zu lange darüber nach, was das dann für ihn und Alma bedeuten könnte. Das böse Wort 'frei Bahn' hat hier jetzt keiner in den Mund genommen, klar? Und ja, wir folgen der Storyline des Mangas, obwohl ... ähäh ... dann dürfte Jinai eigentlich gar nicht mit von der Partie sein. Und dann wärs ja keine fanfiktion mehr, sondern Plagiat. Aber weil wir wissen, was wir meinen, wissen wir, was wir meinen xD

Sternenhagel: Tikanda, brr. Nichts gegen Ticky-Kanda-Fans, aber dann doch lieber den plappernden Rotschopf als den schweigenden Sauertopf an Tickys Seite. Wenn ich schon Ticky mit irgendjemandem lese, dann sollte wenigstens einer von beiden was sagen -flöt- Aber ich füüürchte, du wirst mich nach Ende dieses Kapitels gleich viel weniger mögen ... es ist höchstwahrscheinlich das letzte Mal, dass Ticky vorkommt. Ähm. Bitte nicht schlagen. -duck- Dafür kommt Kanda weiterhin vor? -hoffnungsvoll blinzel-

Rated: T

Disclaimer: Es. Gehört. Ihr. Nicht. Nur ihre OCs, die ich an einer Hand abzählen kann.


13. Edo

Das von Cross Marian umgewandelte Akuma war keinem von ihnen ganz geheuer, aber da es sie so schnell nach Japan gebracht hatte, konnte keiner von ihnen Einwände erheben.

Im strömenden Regen standen sie an Deck, die Gruppe von Exorzisten, Anita, Mahoja und ein paar von den Matrosen.

„Äh… Wo sind die Matrosen?", fragte Krory und sah sich um.

„Oh! Das stimmt", fiel nun auch Lavi auf. „Wo sind sie…"

Linali zuckte zusammen. „Sie sind doch nicht…"

„Enschuldigt", sagte Anita. „Ich habe der übrigen Mannschaft gesagt, dass sie sich nicht von euch zu verabschieden brauchen."

„Sie halten unter Deck einen Umtrunk ab", fügte einer der verbliebenen Matrosen hinzu.

„Bitte lasst ihnen die Freude", bat Anita, „Ich wollte ihnen ein letztes Mal die Gelegenheit zum gemeinsamem Feiern geben."

„Ihr seid also die einzigen…", fragte Linali und Tränen rannen über ihre Wangen, „…Überlebenden?"

Auch Miranda weinte. Anita legte ihr sanft die Hände auf die Schultern. „Es ist gut. Wir sind Teil des Ordens geworden, weil wir unsere Familien durch Akuma verloren haben. Nur der Wunsch nach Rache gibt unserem Leben Sinn. Davon sind wir alle erfüllt. Niemand von uns hat etwas zu bereuen."

Mahoja lächelte. „Ihr wollt nach Edo! Ihr habt gesagt, dass ihr nicht umkehren wollt, weil wir zusammen diesen Weg gefunden haben. Damit habt ihr uns glücklich gemacht."

BITTE GEHT UND SIEGT, EXORZISTEN!", schallte es plötzlich über die Lautsprecher. Es waren die Stimmen der Matrosen. „Siegt für uns! Schreitet voran, immer weiter! Gebt unserem Tod einen Sinn! Für eine bessere Zukunft! Kämpft für unsere Freunde, die noch am Leben sind! Wir wollen, dass ihr lebt, für unseren Traum, für eine Zukunft in Frieden! Dafür sollt ihr leben! BITTE KÄMPFT UND SIEGT, EXORZISTEN!"

Jinai biss sich fest auf die Unterlippe. Wie die Hohepriester von Leharein, die gewusst hatten, dass ihr Tod unausweichlich war, und sich dafür geopfert hatten, damit sie überlebte. Eine einzelne Träne rollte über ihre Wange, aber mehr erlaubte sie sich nicht.

Das Akuma Nener hielt eines der verbliebenen intakten Rettungsboote für sie hoch. „Bis nach Edo ist es noch weit", sagte es, während sie einstiegen, „Deswegen bringe ich euch erst mal nach Ito. Das ist näher, ne?"

„Vorsicht beim Einsteigen", sagte einer der Matrosen, als er Jinai die Hand reichte, um ihr sicher in das Boot zu helfen. Sie erkannte die stimme und lächelte Kie traurig zu; ein Lächeln, das er ebenso traurig erwiderte.

Linali streckte die Hand nach Anita aus, aber die Frau ergriff sie nicht. „Deine Haare…" Sie strich über Linalis kurze, verbrannte Haare. „Lass sie dir wieder lang wachsen. Du hast so schöne Haare. Du darfst nicht zulassen, dass der Krieg dir so mitspielt."

Nener hob das Boot hoch.

„Lebt wohl."

Das Schiff wurde in der Entfernung kleiner und schließlich waren sie weit genug weg, dass Miranda ihr Innocence deaktivieren konnte. Nicht nur sie weinte dabei: Linali schrie ihre Trauer und ihren Schmerz hinaus, während alle entstandenen Schäden an dem Schiff wieder auftauchten und es krachend und donnernd in den Fluten des Meeres versank.

Jinai musste an sich halten, sich nicht zu übergeben, als sie an all die Menschen dachte, die sich auf dem Schiff befunden hatte. Ihr Magen rebellierte und nur mit eisernster Willenskraft bewahrte sie Haltung. Ihr Schmerz war ihr deutlich anzusehen, wie allen anderen, aber es lag in ihrer Natur, nie alles zu zeigen und stattdessen Sicherheit und Trost zu geben. Sie musste den anderen Kraft und Trost spenden und das Gefühl geben, dass noch nicht alles verloren war. Das war als Königin nicht anders als als Exorzistin.

Ihre Ankunft in Edo geschah im Dunkel der Nacht, dem Deckmantel der Diebe und Gesetzlosen. Doch diese Gesetze galten hier längst nicht mehr, wie die Begegnung mit über einander herfallenden Akuma bewies.

Die Nachricht des Grafen traf nicht nur Nener wie ein Blitzschlag. „IN DER REICHWEITE DIESER NACHRICHT RUFT DER MILLENIUM-GRAF ALLE AKUMA JAPANS ZUSAMMEN!"

Die Stimme klang rau und unwirklich und überhaupt nicht wie Nener. Der Schrei, der sich daraufhin seine Bahn brach, schon eher; das Akuma brach kraftlos zusammen und hielt sich den Kopf, als fürchtete es, er würde zerspringen. Alle scharten sich um das Akuma und redeten entsetzt auf Nener ein.

„I… Ich bin ein Akuma", krächzte Nener. „… Marian hat mich umgewandelt … sodass ich auch ohne die Befehle des Grafen handeln konnte, ne. Aber … die Übertragung des Grafen ist zu stark, ne. … Zu … stark."

Abrupt richtete sich das umgewandelte Akuma auf. „Es tut mir leid, Lavi", sagte es mit monotoner Stimme. „Ich muss zum Grafen …"

„Warte!", rief Linali entsetzt. „Zum Grafen…?"

„In die Reichshauptstadt Edo … Dort hält sich der Millenium-Graf auf, ne …"

Die Exorzisten und ihre Begleiter erbleichten.

„Der Mi…" „Der …" „Der Graf ist …?"

„Der Graf … ist in Edo …", wisperte Linali.

Das Übel dieser Welt ist so nah. Jinai starrte in den Himmel hinauf, wo der Halbmond leuchtete, aber die Schwärze der Nacht nicht durchbrechen konnte. Ein Windstoß kam auf, wirbelte Blätter auf und erschreckte ein paar Vögel, vermutlich Raben, die daraufhin losflogen und in der Schwärze des Himmels verschwanden.

„Gehen wir nach Edo?", fragte sie nüchtern, sobald sich der Wind wieder gelegt hatte.

Ihr Flügel war noch nicht ganz verheilt. Noch konnte sie nicht fliegen. Aber ihr Innocence wäre nutzlos, wenn es sich nur darauf beschränken würde.

Und um ehrlich zu sein, war sie ganz froh über diese Tatsache, als sie dem Millenium-Grafen von Angesicht zu Angesicht gegenüberstanden. Er war nicht so, wie sie ihn sich vorgestellt hatten; er sah aus wie ein Clown-Luftballon, den jemand zu fest aufgeblasen hatte, mit einem Gesicht, mit dem man kleine Kinder erschreckte und dafür sorgte, dass sie vor Einbruch der Dunkelheit nach Hause kamen. Aber sein Aussehen täuschte nicht darüber hinweg, dass er ein ernst zu nehmender Gegner war. Jinai kannte diese Aura, dieses Gefühl purer Bösartigkeit und ungebändigten Hasses, das er verströmte. Es erinnerte sie nur zu gut an den Moment, in dem sie Ceathan zum ersten Mal wirklich gegenübergestanden hatte.

Ihr entging auch nicht Tickys Grinsen, als er sie sah. Sie wusste, dass er trotz aller Worte noch nicht mit ihr fertig war.

Lavi und Krory waren die ersten, die in die Offensive gingen, und entsetzt musste sie feststellen, dass ausgerechnet Ticky sich ihnen in den Weg stellte. Nicht nur der Noah, der sie beinahe getötet hätte, damals in Ungarn, und ihr vor kurzem den Flügel gebrochen hatte, nein, er hatte auch noch Allen auf dem Gewissen. Lavis Zorn und Hass mussten unbändig sein und sie trübten sein Urteilsvermögen. Ticky wusste das ebenso gut wie sie und er wusste auch, dass der Exorzist ihr viel bedeutete. Vielleicht war es das, was den Ausschlag dazu gab, dass er diesen Kampf zu einem Kampf zwischen ihm und dem rothaarigen Exorzisten machte.

Sie wäre nur zu gerne dazwischen gegangen, aber sie hatte weder die Kraft noch die Gelegenheit dazu. Gerade formierten sich die Akuma nämlich zu einem riesigen Akuma und griffen den Rest der Exorzisten an.

Jinai hatte sich noch nie so machtlos gefühlt. Miranda konnte mit ihrem Time-Out die Häuser vor der Zerstörung schützen und Nener konnte den Bookman und Krory zum Kopf des Riesen-Akuma bringen, aber ihr, Linali und den drei Matrosen blieb nichts anderes übrig, als in Deckung zu gehen und Schutz zu suchen.

Sie hasste es, so nutzlos zu sein. Die Wut trieb ihr fast die Tränen in die Augen. Einst war sie Königin gewesen, hatte über die vier Elemente geboten –und nun blieb ihr nichts anderes übrig, als sich wie ein gewöhnlicher Sterblicher zu verkriechen?

Linali griff nach ihrem Arm. „Wir können im Moment nichts tun", sagte sie und Jinai hörte in ihrer Stimme die gleiche Wut über die eigene Hilflosigkeit, die auch sie ergriffen hatte. Ihr stieg bitter die Galle hoch, aber sie zwang sich, zu nicken.

Linali fing Miranda auf, als sie, schwach vor Erschöpfung, in sich zusammenbrach. Bevor Jinai auch nur mit der Wimper zucken konnte, war auf einmal Ticky hinter der Chinesin aufgetaucht.

„Ist deine Energie aufgebraucht?", wisperte er süßlich und zog Linali mit sich hoch.

Jinai breitete ihre Flügel aus und wollte angreifen, aber eines der Riesen-Akuma –die schossen anscheinend plötzlich überall aus dem Boden wie Schneeglöckchen im Frühling- machte einen Schritt zurück und fegte sie vom Dach wie eine Fliege. Obwohl jede Bewegung sich anfühlte wie tausend glühendheiße Klingen, schaffte sie es, mit den Flügeln zu schlagen und sich abzufangen, bevor sie auf dem Boden aufschlug. Rasch fuhr sie herum, um zu sehen, was Ticky tat, aber auf dem Dach brach gerade die Hölle aus und rund um sie sah es auch nicht viel besser aus. Obwohl die Exorzisten auf dem Dach ihre größte Sorge war, musste sie sich nun einem der Riesen-Akuma stellen, ebenjenem, dass sie gerade vom Dach geworfen hatte. Es hatte sie bemerkt und begutachtete sie nun wie ein Stück Fleisch beim Metzger.

Dann bäumte sich das Riesen-Akuma mit einem schrillen, ohrenbetäubendem Schrei auf und explodierte mit der Wucht eines mittleren Erdbebens. Eine Sekunde später zerbrach auch ein weiteres Riesen-Akuma sauber in zwei Hälften. Nun war nur noch eines übrig.

Ein helles, feines Klingeln durchbrach die einsetzende Stille; ein Ton, so rein und klar und trotzdem so durchsetzt von Bösartigkeit, dass es ihr kalt den Rücken hinunterlief und sich alle Muskeln in ihrem Körper anspannten. Sie fuhr herum.

Der Millenium-Graf schwebte, an seinem Schirm hängend, vor dem Schloss von Edo. Um ihn herum hatte sich eine schwarze Kugel gebildet, die alles Licht in sich aufzusaugen schien.

Jinai konnte den Blick nicht davon losreißen, auch nicht, als sie größer und größer wurde und in Windeseile ganz Edo einnahm. Als sie selbst von der Schwärze erfasst wurde, wurden für einen Moment alle ihre Sinne taub und kamen dann verstärkt zurück. Einen Wimpernschlag lang verspürte sie unbeschreiblichen Schmerz, der jede Faser ihres Seins durchdrang, dann verschwand er so plötzlich, wie er gekommen war, obwohl die Finsternis sie immer noch umgab. Er konnte ihr nichts anhaben.

Sie war schon einmal gestorben.

Dann löste sich die Finsternis auf und wurde durch Leere ersetzt. Dort, wo die Häuser von Edo hätten sein sollten, befand sich nichts mehr. Nur weite, endlose Leere; eine spiegelglatte Fläche von Nichts.

Hektisch sah sie sich um. Wo waren die anderen? Was war mit ihnen passiert? Sie konnte nichts sehen durch den feinen Nebelstaub, der die Fläche überzog, aber langsam lichtete er sich und sie konnte Krory und Bookman erkennen, die beide am Boden lagen, allem Anschein nach bewusstlos.

Von den anderen war nichts zu sehen.

Entsetzt stellte sie fest, dass sie sich nicht bewegen konnte. Sie wollte aufstehen, aber ihre Muskeln versagten ihr den Dienst. Sie hörte Stimmen im Nebel, konnte aber nicht verstehen, was sie sagten, und nicht hören, wer sprach. Am liebsten hätte sie sich müde der Erschöpfung hingegeben, aber sie konnte jetzt nicht einfach ohnmächtig werden, sie durfte es nicht! Nicht, solange sie nicht wusste, was mit Lavi, Linali, Miranda und den drei Matrosen vom Schiff passiert war.

Verzerrt hörte sie Linalis Stimme in ihrem Kopf. Sie klang, als ob sie von ganz weit weg kam, aber sie nahm nicht den Umweg über ihre Ohren und schlich sich direkt in ihr Gehirn. Alle … Al…le… Alle…

Irgendetwas stimmte da ganz und gar nicht. Jinai schaffte es, sich gerade so weit aufzurappeln, dass sie die Knie anziehen und sich auf die Ellbogen stützen konnte.

Stimmen brüllten durcheinander, undeutlich und verzerrt in ihren Ohren. Die Geräusche, die entstanden, wenn Leute kämpften, erkannte sie aber sofort.

Ein gleißend helles Licht riss den Himmel entzwei und ein großes Tor schoss aus dem Boden, das aus mehreren, wabenartigen Flächen bestand. Jinai hatte Erfahrung mit Portalen und sie erkannte eines, wenn sie es vor sich hatte. Was auch immer nun aus diesem treten würde, es wäre entweder ihr Untergang oder ihre Rettung.

Sie lächelte, als sie weißes Haar sah, aber es verschwand, bevor sie ganz sicher sein konnte, es auch wirklich gesehen zu haben. Hatte sie es sich vielleicht nur eingebildet? War es nur Wunschdenken gewesen?

Eine erneute Explosion erschütterte die spiegelglatte Ebene und wieder schoss Nebelstaub über die endlose Weite, der sich nur langsam legte. Für ein paar Sekunden bestand Jinais Welt nur aus Grau und Braun und dem Schwarz unter ihr, dann löste sich der feine Nebel allmählich.

Erleichtert bemerkte sie, dass ihre Kräfte sie nicht ganz verlassen hatten und sie zumindest die Kraft hatte, aufzustehen. Sie ließ ihre Flügel verschwinden, die sie vor dem Schlimmsten beschützt hatten, dann sah sie sich taumelnd um. Wer auch immer vorhin geschrien hatte, er musste irgendwo sein.

Da. Schon wieder Schreie. Diesmal klangen sie aber nicht so, als würde jemand kämpfen, und sie verstummten auch rasch wieder. Dafür schienen Leute zu streiten.

Obwohl Streit nicht wünschenswert war, erleichterte er Jinai doch gewaltig. Streit hieß, dass sie wohlauf waren. Durch die sich lichtenden Nebel erkannte sie ein paar Schatten und Silber blinkte auf. Langsam schwankte sie auf die Schatten zu, aber sie konnte nicht nach ihnen rufen. Ihre Kehle war vollkommen ausgedörrt.

Was sie sah, als die Nebel sich vollständig auflösten, hätte sie um ein Haar stolpern lassen. Es konnte nur ein Trugbild sein, wenn auch ein sehr überzeugendes. Schließlich war Allen tot und Kanda auf der anderen Seite der Erde, und doch standen beide vor ihr und stritten sich –mal wieder.

Die Erleichterung trieb ihr die Tränen in die Augen. Wochen –Monatelang hatte sie von diesem Augenblick geträumt und ihn herbeigesehnt –nun, in ihren Träumen war sie zwar nicht flügellahm und sah aus wie ein Landstreicher, aber man konnte schließlich nicht alles haben- und nun war er eingetreten. Sie hatte ihn endlich wieder, ihren mürrischen, wortkargen Japaner.

Sie warf alle Vorsicht über Bord.

Kanda befand sich gerade in einem hitzigen Streitgespräch mit moyashi –eine seiner Lieblingsbeschäftigungen- als er plötzlich von den Füßen gerissen wurde. Im ersten Moment dachte er an einen Angriff, aber kein Akuma würde ihn zu Boden werfen und küssen. Und außerdem kannte er diese Lippen.

Jinai hatte beide Arme um seinen Nacken geschlungen und schien nicht willens, ihn je wieder loszulassen. Interessiert beobachteten die Exorzisten, wie der Japaner nun seinerseits seine Arme um ihre Mitte legte und sich herumrollte, damit er auf ihr zum Liegen kam, und seine Zunge zwischen ihre Lippen gleiten ließ. Noch interessanter wurde es, als die Exorzistin ihre Hände in seinen langen Haaren vergrub und sehnsüchtig seufzte.

„Ach ja, junge Liebe", zerstörte Marschall Tiedoll die Idylle, bevor die Exorzisten herausfinden konnten, wann sich die beiden wohl an ihre Zuschauer erinnert hätten.

Kanda beendete den Kuss und warf seinem Marschall einen Blick von der Sorte Tötet-binnen-Sekunden zu, bevor er sich aufsetzte und Jinai ebenfalls aufhalf.

„Na Kanda, willst du uns deine kleine Freundin nicht vorstellen?", meinte Noise mit einem breiten Grinsen.

„Ach so, deswegen wolltest du, dass ich ihm den Brief gebe", meldete sich eine Stimme hinter Maris Rücken.

Jeremy trat hinter dem großen Mann hervor, gefolgt von Anna und Marie. Jinais Augen weiteten sich überrascht und sie ließ sich widerspruchslos von Kanda auf die Füße ziehen; dann rannte sie die drei Exorzisten fast um, als sie sie umarmte. Über ihre Anwesenheit freute sie sich fast so sehr wie darüber, Kanda wiederzusehen.

„Ich denke, es wäre besser, wenn wir uns zurückziehen", sagte der Bookman und schlagartig wurden alle Anwesenden wieder ernst. „Wir sitzen hier wie auf dem Präsentierteller."

„Aber sieh dich doch mal um", widersprach Lavi und breitete demonstrativ die Arme aus. Edo war sprichwörtlich dem Erdboden gleich gemacht worden; die blank polierte Ebene, die sie umgab, bot keinerlei Verstecke. Und der Boden war hart wie Granit. „Wohin sollen wir uns zurückziehen?"

„Der Himmel ist leer. Jedes Akuma, das sich uns nähert, können wir sofort sehen", meinte Allen, aber Tiedoll schüttelte den Kopf.

„Er hat Recht, wir sollten uns zurückziehen", sagte der Marschall. „Miranda kann uns nicht vor allem schützen, Linali ist-"

„Bewusstlos", warf Jeremy ein. Ihr Innocence war wieder zu dem Zustand zurückgekehrt, in dem es sich seit dem Überfall auf das Schiff befunden hatte, und war nutzlos. Die Exorzistin selbst hatte inzwischen das Bewusstsein verloren, wahrscheinlich weil das Innocence aus ihrer eigenen Kraft geschöpft hatte, um sie vor dem Angriff des Grafen zu schützen, der Edo zerstört hatte. Nun stützten Allen und Jeremy sie.

„Bewusstlos", wiederholte Tiedoll. „Wir brauchen einen Ort, an dem wir uns ausruhen können und an dem wir geschützt sind."

„Diese Ebene muss doch irgendwo zu Ende sein", sagte Anna. „Er kann unmöglich ganz Japan in eine spiegelglatte Fläche verwandelt haben." Doch wohin sie auch blickten, sie sahen nur Leere.

„Vielleicht nicht sichtbar", mischte sich zum ersten Mal einer der Seeleute ein. Es war Kie, der gesprochen hatte. „Aber außerhalb unserer Sichtweite gibt es vielleicht etwas, einen Ort, wohin wir uns zurückziehen können."

„Wenn das so ist, dann werde ich ihn finden", sagte Lavi entschieden. Ohne Linali mit ihren Dark Boots hatte er die größten Chancen von ihnen allen, möglichst schnell etwas zu finden.

„Aber du hast dich beim Kampf verletzt", wandte Miranda schüchtern ein. „Wenn du dich zu weit entfernst..."

„Ich habe schon einmal die Probe aufs Exempel gemacht", widersprach der Exorzist. „So schlimm ist es nicht und ich kann jederzeit zurückkehren." Ohne auf weitere Proteste zu hören, griff er nach dem Stiel seines Hammers und verschwand in der Schwärze des Himmels.


Jinai: Raffael! ... Raaaaffaaaeeeel! ... RAFFAEL!

Raffael: Hm? Was? Was hab ich verpasst?

Jinai: Wieso hab ich beim Hochladen auf einmal anstatt der netten Trennzeichen am Ende des Kapitels eine 8 da stehen?

Raffael: -blinzel- Öhm ... Woher soll ICH das denn wissen? Frag nicht mich, frag den Heini, der dafür verantwortlich ist!

Jinai: Den hab ich nicht in Würgegriffweite, also musst DU herhalten.

Raffael: Mach doch aus einer Mücke keinen Elefanten. Lösch die 8 und basta.

Jinai: -grummel & lösch- Ich wollts nur erwähnt haben.

Raffael: -augenroll-

Jinai: So -ärmel hochkrempel- Wäre doch gelacht, wenn ich die story nicht bis Ende des Sommers abgeschlossen habe.

Raffael: -lach-

Jinai: Musst du mich immer wörtlich nehmen? -.-