Jinai: Im Vergleich zum letzten Update bin ich diesmal sehr schnell.

Raffael: Alles ist relativ.

Jinai: Relativ wozu?

Raffael: *mund aufklapp**zuklapp**nochmal aufklapp**wieder zuklapp*

Jinai: Hätte ich vor drei fanfiktions schon gewusst, was ich heute weiß, wäre es mir viel leichter gefallen, ihn zum Schweigen zu bringen. Damt.

Sternenhagel: In der Kürze liegt die Würze, ich hoffe, es hat gemundet xD Ich hoffe, du wirst auch diesmal nicht enttäuscht werden xD

Psychomantium: Also die Story hat höchstens 20 Kapitel, wenn ich das so veranschlagen kann. Wirklich, die beiden mussten so viel durchmachen, gönnt ihnen eine Pause xD Das mit der Suchtstory hast du aber schön gesagt 3 Und ich würde wirklich wirklich wirklich gerne alles ignorieren, was in den späteren Chaps des Mangas passiert, aber ... ich bin ein Kleingeist. Meine Zeitspur hat schon drei große Schleifen gedreht in der kurzen Zeit, die sie eigentlich von Krorys Heimat nach Japan gebraucht haben, und wenn ich nich bald lande, geht mir der Sprit aus. Oder so. Weißt du, wo ich billig während des Fluges tanken kann? "Allen Froi Kanda", ich schmeiß mich weg *lachanfall* Ich hab den review ungefähr 20x gelesen und muss immer noch jedes Mal über die Stelle lachen xD Ich glaube allerdings, dass Kanda keinem seiner Kinder den Namen eines anderen Exorzisten geben würde. Er kann sie sowieso nicht leiden (und ich weiß nicht mal, ob er aufgrund seiner *ähem*Entstehung*ähem* überhaupt zeugungsfähig wäre o.o Muss ich mal Jinai fragen) Schaltest du wohl die Kristallkugel aus! Pfui! Spielverderber, ich wollte dich doch überraschen, jetzt ist das Kapitel überhaupt keine Überraschung mehr *ganz schön blöd aus der Wäsche schau*

Yunaria: Schön, sich nach so langer Zeit mal wieder zu lesen, vor allem, da ich ja nicht die treueste Updaterin bin *verlegen Kreise auf den Boden mal* Ja, wir steuern dem Ende entgegen und über ein Sequel ließe sich nachdenken *hüstel* Mit viel Zeit und ein wenig Entgegenkommen von den treuesten Lesern ... aber nichts Zuckerfreies, bitte, das ist mein Treibstoff xD

Rated: T

Disclaimer: Siehe Kapitel 1-13. (dh: Raffael denkt noch über das relativistisch-philosophische Problem nach und ist in Gedanken ganz woanders *ärmel hochkrempel*). 'Pledge' ist ein Song der fantastischen Band The GazettE, die ich mehr als verehre und der ich selbstverständlich nichts streitig machen will.


14. Pledge

Lavi hatte einen Unterstand für sie gefunden, die Überreste einer alten Brücke. Anna hatte recht behalten, die Ebene war irgendwo zu Ende gewesen; die seltsame Attacke des Grafen hatte weit gereicht und Lavi hatte sehr weit fliegen müssen, bevor er das Ende schließlich erreicht hatte.

Für die anderen war es noch weiter gewesen. Lavi war zwar ständig in der Luft geblieben und hatte einen nach dem anderen hinübergeholt, aber sie waren ihm entgegen gekommen, so gut es eben ging. Zuerst hatte er Noise hinüber gebracht, bevor er Linali und Allen mitgenommen hatte; so wartete bereits jemand auf die beiden und konnte Wache halten, während Allen die immer noch bewusstlose Linali stützen und versorgen konnte. Miranda war bei der Gruppe geblieben, um möglichst viele Leute mit ihrem Innocence zu schützen, während Lavi nacheinander Mao Sa, Chao Zhie, Kie, Miranda, Tiedoll, Jeremy, Marie und Anna zu der zerstörten Brücke gebracht hatte.

Zuletzt waren nur noch Jinai und Kanda übrig geblieben, die weiterhin unermüdlich über die glatte Ebene spazierten. Lavi hatte ihnen schon vorher angeboten, sie mitzunehmen, aber beide hatten wortlos abgewinkt und den anderen den Vortritt gelassen. Als Miranda nach den drei Seeleuten verschwunden war, weil sich nun alle Verletzten bei der Brücke befanden, war auch die Wirkung des Time-Outs verblasst. Erschöpfung machte sich bemerkbar, aber Jinai versuchte zumindest, sie sich nicht anmerken zu lassen.

Lavi war bei ihnen geblieben. Es war absurd, die ganze Distanz zu Fuß überwinden zu wollen, und der rothaarige Exorzist war sich sicher, dass die beiden früher oder später sein Angebot annehmen würden. Er konnte verstehen, dass sie jetzt lieber alleine miteinander wären, aber in der Endlosigkeit der Ebene würde er sie vermutlich nie wieder finden, wenn er sie jetzt alleine ließe. Also marschierte er voraus und tat so, als bemerke er sie nicht, während die beiden das gleiche taten.

Wie an dem Morgen, an dem Jinai aus dem Hauptquartier des Schwarzen Ordens aufgebrochen war, gingen sie nebeneinander her, ohne sich richtig zu berühren. Sie sprachen auch nicht miteinander; es war eine seltsame Atmosphäre, die zwischen ihnen herrschte. Monatelang hatten sie sich nach dem jeweils anderen gesehnt und es schien, als hätten sie nun das stillschweigende Übereinkommen getroffen, nicht zu sprechen, bis sie sich ganz sicher waren, dass es nicht bloß Einbildung war.

Der Himmel verdunkelte sich mit jedem Schritt mehr und die Nacht senkte sich über die Ebene; das einzige Licht, das jetzt noch leuchtete, war das Lagerfeuer, das die anderen bei der Brücke entzündet hatten. Es diente ihnen als Orientierungshilfe in der Dunkelheit.

„Du hättest fliegen können", sagte Kanda schließlich leise zu der Schwärze der Nacht.

„Mein Flügel ist gebrochen", kam es ebenso leise von Jinai.

„Wieso?"

„Ticky. Ohne richtige Versorgung kann er nicht heilen."

„Du wirst bis zu unserer Rückkehr flügellahm bleiben?"

„Sieht so aus."

„Dann kannst du nicht kämpfen."

„Sieht so aus."

Ein paar Sekunden lang sagte keiner von beiden etwas und das einzige Geräusch war das Pfeifen von Lavi, der weit voraus war und sie nicht hörte, weil sie praktisch geflüstert hatten.

„Warum bist du dann mitgekommen?"

Eigentlich war die Frage müßig, denn Kanda kannte die Antwort darauf. Jinai hätte sich nie davon abhalten lassen, egal, wie aussichtslos die Lage für sie schien. Ihren Märtyrerkomplex war sie auch dadurch nicht losgeworden, dass sie schon einmal gestorben war.

„Warum bist du hier?", antwortete Jinai mit einer Gegenfrage. Seine Frage bedurfte keiner Antwort.

„Ich folge Tiedoll."

„Und warum ist Tiedoll hier?"

„Er lässt sich auch durch Marschall Yeegars Tod nicht davon abhalten, neue Kompatible zu suchen."

Nach diesem kurzen Wortwechsel trat wieder eine lange Stille ein. Irgendwann, es konnten Minuten oder nur Sekunden vergangen sein, griff Jinai schließlich blind nach seiner Hand und kam ein wenig näher. Sie hatte gedacht, nach den Monaten, in denen sie sich nicht gesehen hatten und in denen sie ihn so sehr vermisst hatte, könnte sie nicht genug davon bekommen, ihm nahe zu sein, und würde ihn am liebsten gar nicht mehr loslassen, aber jetzt beruhigte sie schon das Gefühl seiner Hand in ihrer. Die simple Geste überzeugte sie davon, dass er noch da war.

Kanda zog kurz an ihrer Hand, damit sie noch näher kam, und lehnte sich vor, um ihr einen Kuss auf die Schläfe zu geben, bevor er wieder nach vorne blickte, zu dem Lagerfeuer, das noch kein Stück näher gekommen war. Sie war verletzt und sie würde nicht kämpfen können, falls sie angegriffen wurden, aber sie war da, direkt neben ihm. Allein dieser Umstand erleichterte und beruhigte den Exorzisten schon.

Jinai schloss für einen Moment die Augen bei dem kurzen Kontakt. Es machte nicht viel Unterschied, ob sie die Augen offen oder geschlossen hatte, denn sie konnte auch mit offenen Augen nichts erkennen außer den schwachen Schein des winzigen Pünktchens, das das Lagerfeuer der anderen darstellte. Aber sie genoss das Gefühl seiner Lippen und seines Atems auf ihrer Haut und die Geste mochte vielleicht noch so unbedeutend wirken, sie war es nicht.

Nach ein oder zwei weiteren Minuten drehte sich Lavi zu ihnen um und blieb stehen. Als sie zu ihm aufgeschlossen hatten, meinte der rothaarige Exorzist: „Also, seid ihr jetzt bereit, mit mir zu fliegen?"

„Du willst nur nicht mehr gehen", entgegnete Kanda gelassen.

„Das auch", gab Lavi unumwunden zu. „Aber ich habe auch keine Lust mehr, hier noch länger wie auf dem Präsentierteller herumzulaufen. In diesem dunklen Himmel", sagte er und deutete mit der behandschuhten Hand nach oben, „könnten sich Unmengen von Akuma verstecken."

„Und sie haben uns nur noch nicht angegriffen, weil es ihnen so viel Spaß macht, uns dabei zuzusehen, wie wir hier durch die Einöde marschieren", kommentierte Jinai mit einem Anflug ihres üblichen trockenen Humors. Lavis Miene verdüsterte sich beleidigt, aber die Exorzistin seufzte und fügte hinzu: „Schon gut, wenn du möchtest, fliegen wir." Sie sah zu Kanda hinüber und drückte leicht seine Hand, um ihn dazu aufzufordern, auch etwas dazu zu sagen.

„Meinetwegen."

Lavi, der den versteckten Kanda-Code hinter diesem einen Wort verstand und in 'Ja, wir fliegen' übersetzte, hielt ihnen den Stiel des Hammers hin. „Alles aufsteigen, bitte", grinste der Bookman junior.

Das Lagerfeuer unter der Brücke hatte gerade lange genug gereicht, um ihnen den Weg dorthin zu erhellen. In der schwarzen Einöde fand sich kaum etwas, das als Feuerholz dienen konnte, und jenseits davon war das Land zwar nicht spiegelglatt und schwarz, aber auch ziemlich dürftig mit Brennmaterialien ausgestattet. Im Moment kam das einzige Licht von Miranda, die die Verletzungen rückgängig machte, die jeder von ihnen sich während des Kampfes zugezogen hatte. Die Exorzistin versuchte offenbar, sich nichts anmerken zu lassen, aber sie schien bereits ziemlich erschöpft; es wäre einfacher für sie, wenn sie die Wunden ganz heilen könnte. Stattdessen musste sie ihr Innocence die ganze Zeit aktiviert halten, damit sie nicht zurückkehrten, und das zehrte an ihren Kräften.

Die einzigen, die sich nicht verletzt hatten, waren Marie, Anna, Jeremy und Noise Mari, die ersten drei, weil sie unter dem Schutz von Froi Tiedolls Innocence gestanden hatten, und Noise, weil er anscheinend entweder das Glück gepachtet zu haben schien oder sein hünenhafter Körper nicht so leicht kaputtzukriegen war wie die der anderen. Er hielt gerade Wache an einem Ende der Brücke, Mao Sa am anderen Ende. Der hintere Teil der Brücke war eingestürzt, sodass der Raum zwischen den zwei Brückenpfeilern wie eine Art Höhle aussah und nur von einer Seite aus eingesehen werden konnte. Dort standen Mao Sa und Noise und blickten jeweils in eine Richtung und dort saßen auch Kanda und Jinai, Rücken an Rücken.

Kanda hielt den Kopf gesenkt, allem Anschein nach tief in Gedanken, aber Jinai hatte den Kopf auf seine Schulter gelegt und starrte zum Nachthimmel hinauf. Was sie zuvor für einen pechschwarzen Himmel gehalten hatten, waren Wolken aus Asche gewesen, die den gesamten Himmel bedeckt hatten. Kein Licht war durch sie gedrungen, aber jetzt lichteten sie sich langsam und der Mond nahm seine einsame Wache am Himmel auf, groß, bleich und bedrückend.

Das war das Bild, das sich den Exorzisten bot, und das war auch der Tonfall, in dem sie ihr leises Gespräch führten. Während Tiedoll dafür plädierte, dass die Exorzisten so rasch wie möglich ins Hauptquartier zurückkehrten, anstatt weiter nach Cross Marian zu suchen, und versuchte, den Bookman davon zu überzeugen, saßen Allen und Lavi an dem behelfsmäßigen Lager, das man aus den Mänteln für Linali errichtet hatte, und warteten darauf, dass sie wieder zu sich kam.

Nichts von alledem bekam Jinai mit. Obwohl nichts, wirklich gar nichts in dieser toten Ebene auch nur einen Funken Licht von sich gab und Mirandas Heilprozedur auch nur einen schwachen Schimmer von sich gab, der gerade ausreichte, um das Innere der höhlenartigen Zuflucht matt zu erhellen, konnte man keinen einzigen Stern am Himmel sehen. Es gab nichts, das hier hell genug leuchtete, um ihr Licht zu verdecken, aber trotzdem ließen sich die Sterne heute Nacht nicht über Edo blicken. Nur der Mond, in seiner Erscheinung so unangenehm wie der Millenium Graf. Sogar ihre Form ähnelt sich, überlegte Jinai.

Die Exorzistin fühlte sich irgendwie seltsam. Apathisch mochte man es beinahe nennen. Sie wusste, dass sie sich eigentlich Gedanken darüber machen sollte, was nun passieren und wie sie weiter vorgehen würden. Immerhin waren sie nur knapp entkommen – falsch. Sie waren verschont worden. Der Millenium Graf hatte einfach beschlossen, zu verschwinden, und seine Bande von Noahs gleich mitgenommen. Wenn ihm der Sinn danach stand, könnte er jederzeit wieder auftauchen und sie hätten ihm nichts entgegenzusetzen. Jinai sowieso nicht, mit ihrem gebrochenen Flügel. Sie konnte sich maximal hinter ihren Flügeln verstecken und hoffen, dass er sie nicht mit einer Hand zu Staub zerreiben würde.

Ihr Haarband war während des Kampfes zerrissen und verloren gegangen. Jetzt flossen ihre Haare wie flüssige Seide über Kandas Schulter, als sie leicht den Kopf drehte und durch den Spalt zwischen seinem Nacken und seinem eigenen Zopf hindurch sah, dass Linali wieder aufgewacht war. Wenigstens eine gute Nachricht, dachte sie pessimistisch.

Die glatten Haare des Japaners lagen auf ihrer eigenen Schulter und glänzten im fahlen Mondlicht; als Kanda ebenfalls den Kopf wandte, um zu den anderen Exorzisten hinüberzusehen und dann wieder den Blick abzuwenden, strich sein Zopf über ihre Nase und kitzelte sie. Jinai schloss die Augen und zog leicht die Nase kraus, um den Niesreiz zu unterdrücken.

Sie hörte erst das Geräusch und sah erst, als sie die Augen überrascht öffnete, dass Linali im Boden versank. Als hätte sich ein grell leuchtender Abgrund aufgetan, um sie zu verschlingen.

Im ersten Moment waren sie alle wie erstarrt, aber Allens Schrei löste die Starre. Jinai und Kanda waren sofort auf den Beinen, als der weißhaarige Exorzist nach ihrer Hand griff und selbst hineingezogen wurde und Lavi dann nach ihm griff. Was in Jinais Erinnerung später immer wieder in Zeitlupe ablaufen würde, dauerte in Wirklichkeit nur Sekundenbruchteile. Und in dem Moment, in dem Lavi verschwand und sie selbst nach vorne stürzen wollte, wurde sie zurückgestoßen und landete unsanft auf dem harten Boden.

Ein Lichtblitz, ein lautes Geräusch und eine Böe, als wäre etwas explodiert, dann war alles still. Und Jinai lag auf dem Boden, vereinzelte Strähnen im Gesicht, und versuchte zu begreifen, was gerade passiert war. Jemand hatte sie zurückgestoßen, als sie losstürzen hatte wollen, und nur eine Person war nahe genug dafür gewesen. Sie hörte die Rufe der anderen und verstand auch, was sie bedeuteten, aber sie reagierte nicht darauf.

Linali, Allen, Lavi, Chao Zhi, Krory und Kanda waren verschwunden. Kanda hatte sie auf ihren Platz zurückgestoßen und war an ihrer Stelle gegangen – wohin auch immer. Jinai schloss die Augen und fühlte überraschend Tränen über ihre Schläfen laufen und in ihren Haaren verschwinden. Zwar wusste sie, woher sie kamen, aber nahe am Wasser gebaut war sie nun wirklich nicht.

„Alles in Ordnung?", fragte eine Stimme über ihr, die sie als die von Noise identifizierte. Er hatte so eine sanfte Stimme, in der jetzt ein Hauch von Sorge mitschwang.

Jinai biss sich auf die Unterlippe und nickte bemüht. Es war alles in Ordnung, zumindest rein körperlich. Aber sie war wütend auf Kanda – zuerst regte er sich ständig über ihren Märtyrerkomplex auf und dann war er selbst nicht besser. Und sie war traurig, weil sie nach so vielen Wochen nur so wenig Zeit miteinander verbringen hatten können. Sie fühlte sich schuldig, weil sie nicht schneller reagiert hatte und ihm zuvorgekommen war. Doch am stärksten war die Angst um den Exorzisten. Was auch immer hinter diesem Portal wartete, es war sicher nichts gutes.

Sie spürte eine kleine, kalte, aber weiche Hand, die die Tränenspuren von ihrem Gesicht wischte. Die Geste erinnerte sie an Elaine. Aber die Hand war eine andere; Jinai öffnete die Augen und sah Maries Gesicht, gezeichnet von einem mitleidigen Ausdruck. Das wollte sie nicht sehen, dieses Mitleid; entschlossen setzte sich die Exorzistin auf.

Das war der Moment, in dem Kie auf den Himmel deutete. „Was ist das?"

Der Ruf erregte die Aufmerksamkeit aller Exorzisten.

„Da ist was Komisches am Himmel!"

Ob verletzt oder nicht, sie alle eilten zu Kie, folgten mit Blicken seiner Hand, die in den leeren, schwarzen Himmel deutete … nur dass er jetzt weder leer noch schwarz war. Ein geisterhaftes Licht bedeckte ihn, ohne Ursprung, es seit denn, man sah den Himmel als eine Art Schild, der nun in seine Einzelteile zerbrach und enthüllte, was er zuvor verdeckt hatte. Dahinter oder darin oder darüber kam etwas zum Vorschein, das gar nicht da sein konnte und doch da war: Ein riesiger schwebender Würfel aus gegeneinander versetzten, verschobenenen einzelnen Würfeln, jeder von ihnen unermesslich groß, von dem das Licht ausging, das den zerbrechenden Himmel erhellte. Wie groß das Gebilde wirklich war, vermochte wohl niemand zu sagen, aber es schien größer als ein Berg zu sein. Und aus irgendeinem Grund schwebte es, dieses Ding, das nicht von dieser Welt sein konnte.

Wortlos starrten die Exorzisten zu ihm hinauf, verstummt bei dem Anblick. Der einstürzende Himmel sollte eigentlich großes Getöse veranstalten, zumindest erwartete man das, aber es war so still, dass das Zerbrechen der schwarzen Scheibe, die einst der Himmel gewesen war, nur noch umso unheimlicher erschien. Unterbrochen wurde die gespenstige Stille schließlich von einer alten Stimme, die als die des Bookmans zu identifizieren war, aber was er sagte, konnte keiner von ihnen verstehen. Die Sprache, die seine Worte formten, war niemandem bekannt. Alles, was sie daraus herauslesen konnten, war, dass er über das Ding sprach, das am Himmel erschienen war. Er beendete seinen Monolog, ohne zu erklären, was er gesagt hatte.

„Das muss die Arche sein", sagte Froi Tiedoll dann. „Allmächtiger."

Das war die Arche? Jinai blickte immer noch wie gebannt zu dem schimmernden, strahlenden Würfel hinauf. Es war definitiv nicht, was sie sich vorgestellt hatte. Was auch immer sie erwartet hatte, dieses monströse Gebilde sah nicht wie eine Arche aus. Eher wie das Spielzeug eines Riesenbabys, das es in einem Wutanfall von sich geschleudert und damit die Himmelsscheibe zerbrochen hatte. Gleich würde eine große Hand danach greifen und es aus der Schwerelosigkeit pflücken.

Jinai kam ein anderer Gedanke. „Sie sind da drin, oder nicht?" Ihr forschender Blick fiel auf das Gesicht des Bookman und las darin alles, was sie wissen musste. Kanda, Allen und die anderen, sie waren alle da drin. Außerhalb ihrer Reichweite und trotzdem praktisch direkt unter ihrer Nase; sie konnten sie sehen, aber nicht erreichen. „Er verspottet uns."

Die Erde erbebte.

Einmal. Zweimal. Immer wieder.

„Da ist was", sagte der Bookman, den Blick nun nicht mehr auf die Arche über ihren Köpfen gerichtet, sondern auf den fernen Horizont, der gerade eben noch als Abstufung zwischen zwei unterschiedlichen Farbtönen der Dunkelheit zu erkennen war.

„Mari! Kannst du etwas hören?", wandte sich Froi Tiedoll an seinen Schüler.

Es dauerte einen Moment, bis Mari antwortete, ein Moment, in dem er intensiv auf die Geräusche horchte, die das sachte Beben der Erde unter ihren Füßen begleitete. „Diese Geräusche … Das sind zwanzig oder dreißig Stück", sagte er schließlich. „Alle vom Typ dieser gigantischen Akuma."

Nun, da sie wussten, was sie hörten, was die Erschütterungen verursachte, waren die Umrisse der Akuma am Horizont langsam auszumachen. Sie kamen näher, wussten genau, wo sie ihre Beute finden würden. Weit entfernt waren sie noch, aber mit jedem Schritt überwanden sie große Distanzen und kamen unbeirrbar näher. Lange würde es nicht dauern, bis sie die große Ebene überwunden hatten, und bis dahin musste ihnen etwas einfallen, wie sie mit ihnen verfahren sollten.

„Wir können keinen Funkkontakt zu ihnen aufnehmen", sagte der Bookman und meinte damit die verschleppten Exorzisten in der Arche. „Was sollen wir tun?"

Froi Tiedoll schwieg.

Wenn schon so erfahrene Exorzisten wie Tiedoll, der immerhin ein Marschall war, und der Bookman nicht wussten, was nun zu tun war, dann förderte das nicht gerade den Mut und das Selbstvertrauen der blutjungen Exorzisten, die sie begleiteten. Bevor einer von ihnen jedoch seiner Angst Ausdruck verleihen konnte, erschallte ein Piepton aus Tiedolls Mantel.

Er hob den Arm, strich den Umhang beiseite und und enthüllte so das Leuchten, das aus seiner Tasche kam.

„Was ist das, Marschall?", fragte der Bookman, aber der Marschall ignorierte die Frage, starrte stattdessen auf das leuchtende Objekt in seiner Hand, das er aus der Tasche geholt hatte.

„Ja. Geh zu ihnen", sagte er zu dem gleißend hellen Ball aus Licht, als würde dieser Leben, einen eigenen Willen besitzen; und tatsächlich, kaum hatte Tiedoll das gesagt, schoss das Licht davon, weg von ihnen, in den Himmel hinein und war bald nur noch ein winziger Funke, den sie alle rasch aus den Augen verloren.

Sie hatten immer noch keine Antwort von Tiedoll erhalten. „Marschall … ?", wandte sich der Bookman noch einmal an ihn, kam aber nicht weit.

„Also … Jetzt können wir nichts mehr tun", meinte Tiedoll und schob seine Brille hinauf. Entsetztes Schweigen ringsum machte ihm die Lage seiner Begleiter scheinbar wieder bewusst, denn er fügte hinzu: „Wer kämpfen kann, kämpft. Miranda, ich weiß, es ist viel verlangt, aber du musst uns die Kräfte deines Innocence noch ein wenig länger leihen, damit wir kämpfen können. Mao Sa, Kie, ihr bleibt besser bei Miranda. Hier draußen könnt ihr ohne Innocence nichts ausrichten."

Die beiden Chinesen schluckten bei diesen Worten, nickten aber steif. Der Marschall hatte recht – sie wären nur im Weg, sobald diese Akuma sie erreichten. Starben sie hier draußen, wäre niemandem damit gedient. Miranda, die versicherte, dass sie ihr Time-Out noch über Stunden aufrecht erhalten könne, wurde von den beiden in den Schutz der behelfsmäßigen Höhle zurückgebracht, wo die Akuma sie fürs Erste hoffentlich nicht entdecken würden. Jinai, Jeremy, Anna, Noise und Marie blieben draußen bei Tiedoll und dem Bookman; Jinai erntete dafür einen ernsten Blick von Tiedoll.

„Ich sagte, wer kämpfen kann, kämpft. Dein Innocence ist nicht einsatzfähig, Jinai. Du wärst besser beraten, in der Höhle zu bleiben", meinte er nicht ohne Mitgefühl, aber sie schüttelte stur den Kopf.

„Ich kann und werde kämpfen", erklärte sie mit einer Endgültigkeit, die an ihre Zeit als Königin erinnerte. „Wer mich davon abhalten will, verschwendet seinen Atem." Es war für sie bereits entschiedene Sache, dass sie sich nicht unter der Brücke verstecken würde, nur weil einer ihrer Flügel gebrochen und noch nicht wieder ganz geheilt war. „Marie, nimm mir den Verband ab."

Marie war in der Zeit, in der sie in ihre Rolle als Exorzistin hineingewachsen war, auch in ihrer Persönlichkeit gereift. Trotz ihres jungen Alters und ihrer Unerfahrenheit war sie ein vollwertiges Mitglied des Ordens und nicht mehr das kleine Dienstmädchen von früher – aber im Tonfall einer Herrscherin angesprochen zu werden, die keine Weigerung dulden würde, das weckte in ihr den plötzlichen Impuls, dem Befehl Folge zu leisten. Ehe sie es richtig realisierte, dass sie in ihre alte Rolle zurückgefallen war, hatte sie sich schon an dem Verband über Jinais Flügel zu schaffen gemacht und angefangen, ihn zu lösen. „Du bist verwundet", sagte sie und ihre Finger hielten inne. „Bist du sicher, dass du das tun solltest?"

„Nimm mir den Verband ab", wiederholte Jinai mit schneidender Stimme ihren Befehl und warf ihr über die Schulter hinweg einen finsteren Blick zu. Auf diese Art daran erinnert, dass Jinai ihr einen Befehl erteilt hatte, machte Marie sofort wieder mit ihrer Arbeit weiter „Es geht nicht an, dass ich mich verkrieche, ohne irgendetwas beitragen zu können", wandte sich Jinai inzwischen an die anderen Exorzisten. „Ich kann euch nicht beschützen wie Miranda es tut und ich werde nicht die Hände in den Schoß legen und tatenlos zusehen. Versucht nicht, mir weiszumachen, dass ihr nicht jeden Exorzisten braucht, den ihr kriegen könnt."

Froi Tiedoll und der Bookman, aufgrund von Alter und Erfahrung in die Rolle der Anführer versetzt, tauschten besorgte Blicke. Jinai würde sich nicht befehlen lassen, zu Miranda und den beiden Matrosen zu gehen; sie war daran gewöhnt, Befehle selbst zu geben, nicht, sie zu befolgen. Zwingen konnten sie sie erst recht nicht, dazu hatten sie weder die Mittel noch die Zeit. Wohl oder übel mussten sie ihr erlauben zu bleiben.

„Geh kein unnötiges Risiko ein", warnte Tiedoll sie eindringlich, obwohl es vermutlich an ihr verschwendet war. Das Mädchen hatte eine Überzeugung, an der man Stahl biegen konnte, so viel wusste er inzwischen über sie.

Jinai nickte ernst und entfaltete vorsichtig den verwundeten Flügel. Sie hatte ihn die ganze Zeit offen tragen müssen, außerhalb ihres Körpers, damit er ordnungsgemäß geschient werden konnte, und jetzt waren seine Federn zerzaust und zerdrückt, die Bewegung schmerzhaft und ungewohnt. Sie tat sich selbst keinen Gefallen, wenn sie die Angelegenheit überstürzte; stattdessen bewegte sie ihn vorsichtig hin und her, während die anderen mit ihren eigenen Vorbereitungen beschäftigt waren. Der Schmerz war dumpf, pochend, heiß in ihrem verwundeten Flügel, aber erträglich. Mehr konnte sie nicht verlangen – aber fliegen würde die Hölle sein. Nichtsdestotrotz musste sie kämpfen, es zumindest versuchen. Zum einen, weil sie ihre Freunde nicht im Stich lassen konnte, zum anderen …

Da war so viel Wut in ihr. So viel Schmerz, der keinen physischen Ursprung hatte. Sie musste nicht nur die Akuma bekämpfen, sondern auch das erdrückende Gefühl der Machtlosigkeit, das seine Krallen in ihren Körper gebohrt hatte, als Kanda sie zurückgestoßen hatte. Sie war nicht machtlos. Verwundet, ja, aber nicht besiegt. Noch stand sie, noch konnte sie zumindest einen kleinen Beitrag leisten.

Er liebte sie, das verstand sie. Er wollte sie beschützen, auch das verstand sie. Er hatte gewusst, dass sie nicht zögern würde, Allen und Linali zu folgen, das begriff sie. Er wollte sie nicht in Gefahr bringen, weil sie verletzt war, auch das begriff sie. Aber nichtsdestotrotz fühlte Jinai sich zurückgesetzt. Kanda hatte sie nicht an seiner Seite kämpfen lassen. Sie war in seinen Augen nicht dazu in der Lage und musste ihm beweisen, dass sie das sehr wohl war. Sie konnte kämpfen und sie würde kämpfen und die Akuma aufhalten, während er nicht da war.

Danach konnte er wütend sein, weil sie unvorsichtig gewesen war und nicht aufgepasst und sich stattdessen in Gefahr gebracht hatte, danach konnte er ihr Vorwürfe machen. Sie würde sie vielleicht sogar geduldig über sich ergehen lassen. Aber Jinai war eine Kriegerin, ob bei vollkommener körperlicher Gesundheit oder nicht, und sie ging keinem Kampf aus dem Weg.

Recht so, flüsterte ihr ihr Unterbewusstsein zu. Keine Stimme plädierte dafür, sich in den Schutz des Brückenbogens zurückzuziehen. In ihrem Kopf herrschte Einigkeit darüber, dass es keinen anderen Weg gab. Jinai hob den Kopf und sah den Akuma entgegen, die in der Zwischenzeit schon ein gutes Stück näher gekommen waren. Nach der langen Zeit, in der sie ihre Flügel nicht ganz entfaltet hatte, einen davon überhaupt nicht, war das Gefühl geradezu ungewohnt, den zweiten, heilen Flügel sprießen zu lassen und zu seiner vollen Länge zu entfalten. Ihre dunkelroten Schwingen hoben sich nur schwach von der umgebenden Dunkelheit ab, aber die schwache Brise, die über die leere Ebene fegte, fing sich in ihnen und brachte die Federn zum Rascheln.

Pass auf mein Herz auf, sagte Jinai zu ihrem Unterbewusstsein. Ich muss es später Kanda zurückgeben.


Raffael: Ich hab es gelöst.

Jinai: Lass hören.

Raffael: Wenn alles relativ ist und dafür ein Bezugspunkt nötig ist, ist alles zueinander relativ.

Jinai: Aber ist damit nicht eigentlich nichts relativ?

Raffael: *mund aufklapp**zuklapp**nochmal aufklapp**wieder zuklapp*

Jinai: Oh Mann, ich liebe es. *kicher* Ihr kriegt in Bälde ein neues Kapitel, versprochen. Und da wird dann alles besser. Und verwirrender. Und schrecklicher. Und sowieso und überhaupt - ihr kennt mich ja. Bleibt mir gewogen und denkt an den Bestechungszucker!