Jinai: Hast du dein geistiges Dilemma jetzt mit sternenhagels Hilfe gelöst?
Raffael: Wenigstens kann man bei mir noch was lösen. Dein Gehirn ist schon ganz verknotet, möchte ich wetten.
Jinai: So sprichst du also über den Ort deiner Geburt. Wo ist nur die gute Erziehung hin?
Raffael: Die ist schon vor Jahren ausgewandert.
sternenhagel: KÖKSÖ! *draufstürz* und Sauerkraut *-* damit geht doch alles gleich viel leichter von der Hand, äh, den Tippfingern. Ich gebe zu, ich habe mit dem Gedanken gespielt, aber wer erledigt dann Skin? Kanda ist die nicht zu unterschätzende griesgrämige Unterstützung, die keiner haben will und jeder braucht. Und wenn man nachrechnet, sind mehr Exorzisten zurückgeblieben als mitgegangen - die brauchen Kanda in jedem Fall. Und was einen nicht umbringt, macht einen stärker, ich behaupte also einfach mal, dass sich das auch in der Beziehung von Kanda und Jinai so abspielen wird. Ich bin die Schreiberin, ich darf das. Oh je, Probleme, meine Gedankengänge zu verfolgen o.o Schreib ich zu kompliziert? Sag, ich bin immer auf der Suche nach konstruktiver Kritik.
Psychomantium: Also nein, also ja, also nein, Moment mal o.o ICH weiß, wie das ganze endet, und ich darfs nicht verraten. Aber nochmal lass ich keinen von beiden sterben - sie haben über 50 Kapitel gebraucht, um so weit zu kommen, da schieß ich mir doch nicht selbst ins Knie und lass die ganze Arbeit umsonst sein. Nein, sie werden vielleicht ein bisschen demoliert, vielleicht auch ein bisschen gequält, aber ... ich lass Kanda nicht sterben o.o Hoshino-sensei hat zwar geschrieben, dass Mugen von einer rostigen Substanz überzogen war, was ein Hinweis darauf sein soll, dass sein Kompatibler tot ist, aber solange ich hier schreibe, bleibt Mugen rostfrei imprägniert und poliert. Ich will ja auch was davon haben. Dankeschön für das Kompliment *-* Ich geb mir auch immer Mühe. Was den Flügel angeht, war der ein paar Wochen nicht in Betrieb, dafür geschient und halt noch ... empfindlich und nicht besonders belastbar, aber der Bruch ist teilweise verheilt ... hoffen wir mal, dass das hält. Sowas heilt nicht wieder mit Hansaplast und Bepanthen o.O Wie weit ist denn deine Wenigkeit mit ihrer Geschichte? :D
Yunaria: Siehst du? Siehst du? Reviews bringen mich nur auf dumme Gedanken. Erst bilde ich mir was auf mein Geschreibsel ein und jetzt überlege ich sogar schon, euch noch weiter damit zu quälen und noch ein Sequel zu schreiben. Du hast mir mit deinem letzten Review richtig zu denken gegeben *Cola schlürf* Jaa, Jinai ist so, da greif ich mir manchmal auch an den Kopf, aber sie hat ein Eigenleben entwickelt ... hör mal, die muss ja mit Kanda mithalten, da kann sie nicht mal eben an den Rand des Spielfelds treten und um eine Pause bitten :D
Rated: T
Disclaimer: Alles gehört Katsura Hoshino. Meine Erschafferin borgt sich ihre Charaktere nur ein wenig aus, beschädigt sie nicht allzu schlimm und gibt sie dann zurück. Geld verdient sie daran selbstverständlich nicht, sonst könnte sie sich Kleber kaufen.
15. Die Hinterbliebenen
Was hatte es mit Jinais Flügeln auf sich?
Zuerst erschienen sie ganz nett. Damit konnte sie fliegen und hatte den meisten Exorzisten etwas voraus. Sah man von Lavis und Linalis ähnlichen Fähigkeiten ab. Aber war die Fähigkeit zu fliegen von so großer offensiver Bedeutung in einem Kampf? Eindeutig nicht. Man brauchte eine Waffe, denn was nutzte es, wenn man agil und wenig war, wenn man nicht angreifen konnte? Darauf zu hoffen, dass der Gegner eine Feder ins Auge bekam, geblendet über seine eigenen Füße stolperte und sich dabei das Genick brach, wäre vermessen.
Das musste sich auch das Innocence gedacht haben. Jinai ging davon aus, dass es ein eigenes Bewusstsein hatte, sonst könnte es nicht genau die Form annehmen, die sie brauchte. Die Bloody Wings waren mehr als nur eine Zierde sie waren Waffe und Schutzschild zugleich. Noch kein Akuma hatte es geschafft, sie zu zerstören, und Jinai war dahinter optimal geschützt. Und auch wenn sich herausgestellt hatte, dass ein Noah sie sehr wohl verletzen konnte, minderte das nicht den Wert der Flügel. Das geschah einzig und alleine dadurch, wie man sie handhabte – und Jinai hatte mehr als genug Gelegenheit gehabt, sie auszuprobieren, bevor sie im Orden angekommen war. Jeremy war ihr dabei eine große Hilfe gewesen.
Auch wenn die Schmerzen gerade noch so zu ertragen waren, kostete es Jinai große Mühe, sich jetzt noch einmal in die Luft zu erheben. Die Akuma waren schon sehr nahe, zu nahe, näher als sie sie an Miranda und die Matrosen unter der Brücke heranlassen hätten sollen, aber sie waren zu wenig Exorzisten, um jedes einzelne davon aufzuhalten. Die Akuma, die nicht in einen Kampf verwickelt waren, trotteten mit abgestumpftem Blick weiter, sodass man ihnen kaum zugetraut hätte, dass sich in diesen Köpfen so etwas ähnliches wie Bewusstsein befinden könnte. Und sei es auch nur eine Empfängerstation für die Befehle seines Meisters.
Keiner von ihnen hatte Zeit, sie alle aufzuhalten, auch wenn sie sich redliche Mühe gaben. Jinai war gerade mit einem einzigen Schlag einer riesenhaften Hand aus dem Himmel gefegt worden, hatte sich mehrmals um die eigene Achse gedreht, war dann auf dem Boden aufgeschlagen, wo sie sich noch ein paar Mal überschlagen hatte und hatte dann noch geistesgegenwärtig derselben Hand ausweichen müssen, die versuchte, sie zu zerquetschen wie eine Fliege. Um ihre Flügel effektiv einzusetzen, müsste sie sich wieder in der Luft befinden, und aus diesem Grund kämpfte sie sich gerade wieder auf Flughöhe.
Das Akuma hatte sie aus den Augen verloren und sie es ebenfalls. Sie sahen alle gleich aus; im Moment unterschieden sie sich nur dadurch, welche von ihnen in Kämpfe verstrickt waren und welche nicht. Die meisten wurden von Exorzisten umkreist wie von Zwergen, was einen geradezu grotesken Eindruck erweckte. Andererseits, Marschall Tiedolls Maker of Eden, der genauso groß war wie die Akuma, machte einen ebenso befremdlichen Eindruck. Keine der beiden Größen – Riesen-Akuma oder Zergen-Menschen – schien richtig zu sein, aber ein Mittelmaß gab es nicht.
Der Marschall führte das Kommando im Moment alleine, denn der Bookman hatte sich für kurze Zeit zu Miranda in die Höhle zurückgezogen. Jedem von ihnen war erlaubt, sich eine kurze Pause zu gönnen, um ein wenig zu Kräften zu kommen, denn sie alle waren müde, abgekämpft und erschöpft. Die Jüngsten unter ihnen mit der wenigsten Kampferfahrung bekamen das am härtesten zu spüren, aber auch die erfahreren Kämpfer wie Noise oder der Bookman fügten sich widerspruchslos, wenn sie für kurze Zeit hinter die Angriffslinie zurückkehren mussten, die sie im Moment noch hartnäckig verteidigten.
Jinai befand sich nun wieder auf der richtigen Höhe für einen weiteren Angriff und hatte ein anderes Akuma ins Visier genommen. Vielleicht war es auch das gleiche wie vorher, wer wusste das schon. Auf jeden Fall brachte ein gezielter Flügelschlag dutzende ihrer Federn zum Flattern, die sich lösten, zielgerichtet wie rote Pfeile auf das Akuma zusausten und in seiner Haut stecken blieben. Eine Sekunde später detonierten sie alle gleichzeitig, sprengten das Bein in Stücke, das Jinai ins Auge gefasst hatte, und brachten das Monster dazu, einen ohrenbetäubenden, verzerrten Schmerzensschrei auszustoßen. Anscheinend konnten sie Schmerzen empfinden, auch wenn se tot waren.
Das Akuma strauchelte und verlor das Gleichgewicht, zwang Jinai damit, rasch das Weite zu suchen, bevor sie von ihm zerdrückt wurde, da es genau in ihre Richtung fiel. Ein glücklicher Zufall wollte es, dass es dabei ein anderes Akuma mit sich umwarf und die beiden zusammen zu Boden fielen. Das würde zwei von ihnen für den Moment außer Gefecht setzen, bis sie ihre Gliedmaßen wieder soweit unter Kontrolle hatten, dass sie aufstehen konnte. Bevor es soweit war, mussten sie sich um sie kümmern.
Tiedoll hatte ihre jeweiligen Fähigkeiten so verteilt, dass sie einander helfen konnten. Noise hatte die gleiche Aufgabe wie sie; sein Noel Organon umfing die Beine der Akuma, zerschnitt sie im besten Fall sogar, brachte sie aber auf jeden Fall zum Sturz. Froi Tiedoll nahm sich so viele Akum einzeln vor, wie er konnte, aber die Aufgabe der weniger erfahrenen Exorzisten war es, den Akuma den Garaus zu machen, solange sie noch am Boden lagen. Das war die vielleicht gefährlichste Aufgabe, denn so nahe wie sie musste niemand von ihnen an die Maschinen heran.
Marie, Jeremy und Anna schlugen sich tapfer. Zu dritt näherten sie sich dem Akuma, geschützt durch Mirandas Time-Out, und attackierten die verletzlichen Stellen der riesigen Maschine, die sie nach den ersten paar Versuchen an den ersten paar Akuma sehr schnell herausgefunden hatten. Die Gefahr, dass ihnen dabei das Akuma um die Ohren flog, wenn es bemerkte, dass sich Exorzisten in seiner Nähe befanden, bevor sie es unschädlich machen konnte, bestand weiterhin, aber wenn sie schnell genug handelten, nämlich genau dann, wenn das Akuma gerade gestürzt war, war die Chance, dass sie es erledigen konnten, hoch genug. Diese Taktik hatte sich im Laufe der Zeit, die sie nun schon gegen diese Riesen-Akuma kämpften, als die effektivste herausgestellt.
Alles, was Jinai und Noise sonst zu tun hatten, war, die anderen Akuma auf Abstand zu der eingestürzten Brücke zu halten, bevor sie eines davon heraussuchten, das sie zum Stürzen bringen konnten. Jetzt waren aber zwei auf dem Boden gelandet und so gut das auch sein mochte, weil es dadurch zwei Akuma weniger gab, die weiter voran schritten, desto mehr Schwierigkeiten bedeutete das, wenn es darum ging, sie auszuschalten. Sowohl Jinai als auch Noise hatten diese Gefahr erkannt und kamen den anderen Exorzisten nun zu Hilfe.
Eine Explosion erschütterte den Boden, der inzwischen nicht mehr spiegelglatt war, sondern aufgebrochen und teilweise zu Sand zermahlen. Die Erschütterung wurde auch durch die Luft weitergetragen und die Druckwelle warf Jinai noch einmal zurück. Sie wurde hochgeschleudert und schlug, ungeachtet des Schmerzes, heftig mit den Flügeln, um die Kontrolle über ihre Flugrichtung wiederzugewinnen, bevor sie ein zweites Mal abstürzte.
Das liegende Akuma hatte sie angegriffen, bevor sie es erreicht hatten. Dabei hatte es das zweite Akuma mit dem kaputten Bein auch zerstört, was seinem Befehlshaber vermutlich als ein notwendiges Opfer erschienen war, wenn er dadurch auch die Exorzisten in der Nähe erwischen konnte. Und das hatte er: Anna lag auf dem Boden, halb unter dem aufgewirbelten Sand begraben und wurde gerade durch das Recovery von einer Wunde geheilt, die Jinai nicht sehen konnte. Marie hatte mit ihrem Innocence die größte Wucht der Explosion abfangen können, aber auch sie hatte oberflächliche Verletzungen davongetragen, die nun heilten, und Jeremy … Jeremy.
Jinai brachte ihre Flügel mit Gewalt wieder unter ihre Kontrolle, ging in den Sturzflug über und wirbelte noch mehr Sand auf, als sie hart auf dem Boden landete. Diesmal wenigstens auf den Füßen. Sie beugte sich über den jungen Exorzisten, den Mirandas Innocence bereits heilte, der aber das Bewusstsein verloren hatte, und griff nach seiner Schulter. „Jeremy! Jeremy, hörst du mich?", wiederholte sie immer wieder, während sie versuchte, zu ihm durchzudringen, aber der Junge hörte sie nicht. Jinai unterdrückte einen Fluch und sah auf. „Mari!", rief sie. „Ich bringe ihn zu Miranda!"
Der große dunkelhäutige Exorzist taxierte Jeremy mit einem raschen Blick, dann nickte er und drehte sich wieder um, damit beschäftigt, ein Akuma festzuhalten, das sich in seinen Saiten verfangen hatte. Wenn er nicht gerade andere Akuma zu Fall brachte, fing er sie gleich selbst und brachte mit den Schwingungen seiner Saiten die Maschinen zur Selbstzerstörung.
Jinai legte sich Jeremys Arm um die Schultern und hievte den schwereren Exorzisten hoch, um ihn zu den Überresten der Brücke hinüberzuschleifen. Diese sah noch ramponierter aus als vor dem Angriff der Akuma, weil sie inzwischen noch einiges mehr abbekommen hatte, aber sie stand. Noch.
Kie und Mao Sa kamen ihr schon entgegen, als sie in den Sichtbereich der Höhle unter dem Brückenbogen kam, und halfen ihr, Jeremy hineinzutragen und hinzulegen. „Wieso wacht er nicht auf?", fragte Jinai Miranda. Die Exorzistin sah genauso müde und ausgelaugt aus, wie sie sich fühlte, aber sie kämpfte auch. Mirnadas Beitrag zum Kampf, der draußen weiterlief, war vielleicht wichtiger als jeder Beitrag, den die anderen Exorzisten leisten konnten, und nicht nur für die Exorzisten, die noch hier waren. Sie trug auch Allens, Linalis, Lavis, Kandas und Chao Zhis Leben mit sich und wachte die ganze Zeit darüber. Jinai presste die Lippen aufeinander. Sie durfte jetzt nicht darüber nachdenken, was wohl gerade mit den anderen Exorzisten passierte, welchen Gefahren sie sich stellen mussten, sonst würde das ihren Kampfeswillen beeinträchtigen und sie ablenken.
Miranda beugte sich vor und sah auf Jeremys blasses Gesicht hinab. „Es tut mir leid, ich bin keine Ärztin", erwiderte sie in ihrer üblichen schüchternen Art. „Ich kann es dir nicht sagen. Das Recovery hat alle seine anderen Wunden geheilt, also sollte er eigentlich wach sein."
„Gönn ihm die Pause", mischte sich der Bookman ein und stand auf. „Es wird die Erschöpfung sein. Wahrscheinlich ist er keine Kämpfe gewöhnt, die sich über so lange Zeit ziehen und ihm so viel Einsatz abverlangen. Und du solltest auch gleich hierbleiben, so wie du aussiehst."
Jinai schüttelte den Kopf. „Ich gehe auch wieder hinaus." Sie hatte die Absicht des alten Mannes erkannt; seine Pause hatte lange genug gedauert, er würde sich wieder in den Kampf einmischen. Sie würde nicht hinter ihm zurückstehen. Und hier drinnen zu sitzen und sich den Kopf zu zermartern würde auch nicht besser sein, als sich im Kampf gegen die Akuma vollkommen zu verausgaben. Allein der Gedanke, hier herumzusitzen, ihren eigenen Gedanken nicht entfliehen zu können und sich damit selbst zu deprimieren … Jinai hätte sich am liebsten geschüttelt bei der Vorstellung.
Sie stand auf und folgte dem Bookman nach draußen, ließ Jeremy damit in Mao Sas und Kies Pflege. Hoffentlich würde der junge Exorzist bald wieder aufwachen; sie brauchten jede Hilfe, die sie bekommen konnten. Und Jeremy hatte bisher immer sehr großes Geschick im Umgang mit seinem Bogen und eine ausgezeichnete Treffsicherheit gezeigt, auf die sie nicht lange verzichten konnten. Ein einzelner seiner Pfeile mochte nicht ausreichen, um eines dieser großen Akuma zu töten, aber das hieß nicht, dass sie seine Pfeile nicht brauchten.
Jinai wandte sich an den Bookman, aber er war bereits weitergeeilt, zu den anderen, die in der Zwischenzeit ihre Abwesenheit gutmachen hatten müssen. Das machte die Exorzistin zumindest ein wenig stutzig, aber sie beschloss, dass es nur der Kampf und die Erschöpfung sein musste, die an ihnen allen zehrte. Und was Miranda anging, in deren Augen sie Tränen gesehen hatte … die ältere Exorzistin war bekannt dafür, nahe am Wasser gebaut zu sein.
Es war bestimmt nichts von Bedeutung.
„Sollten wir es ihnen nicht sagen? Der Bookman weiß es auch."
„Nein, es würde sie nur ablenken. Es ist besser, sie wissen es nicht."
Miranda sah die beiden Matrosen aus müden Augen an. Das Time-Out zehrte an ihren Kräften, das Recovery der Exorzisten zehrte an ihren Kräften, die ständige Abwesenheit von Schlaf in den letzten Tagen zehrte an ihren Kräften. Sie gab nicht nach, sie kämpfte weiterhin darum, stark zu sein und wach zu bleiben und ihr Innocence aktiv zu halten, um die anderen zu beschützen. Das war ihre Aufgabe.
Darum sagte sie ihnen auch nicht, dass die Zeit einer der Exorzisten in der Arche verschwunden war. Sie hatte von Mao Sa und Kie das gleiche verlangt und auch wenn der Bookman dabei gewesen war und es sich nicht verhindern hatte lassen, dass er es mitbekam, die anderen sollten auf keinen Fall davon erfahren. Sie mussten sich auf den Feind vor ihnen konzentrieren und durften sich nicht noch mehr Sorgen um die anderen Exorzisten machen, als sie es ohnehin schon mit Sicherheit taten. Auch darin bestand eine Art von Schutz, für den Miranda sich verantwortlich fühlte.
Wen hatte es getroffen? Die Frage ging ihr nicht aus dem Kopf. Wessen Zeit war verschwunden, und beduetete das Verschwinden seiner Zeit, dass er oder sie … tot war? Es quälte Miranda, sich das vorstellen zu müssen und aus genau diesem Grund wusste sie einfach, dass sie es den anderen nicht sagen durfte. Wenn sie erfuhren, dass Allen oder Linali oder Lavi oder Kanda oder Chao Zie etwas passiert war, dann würden sie den gleichen Schmerz und die gleiche Unwissenheit spüren, die sie spürte.
Die sie in Kies und Mao Sas Augen sah. Die beiden Matrosen marterten sich ebenfalls mit der schmerzhaften Vorstellung, dass es ihren Freund getroffen haben könnte, dass, was auch immer das Verschwinden seinerr Zeit für Chao Zie bedeutete, höchstwahrscheinlich auch bedeutete, dass sie ihn nicht wiedersehen würden. Die Verzweiflung der beiden und ihre Angst um ihren Freund hatte nicht unerheblich dazu beigetragen, dass sie sie davon überzeugen konnte, es für sich zu behalten.
So war es auch dem Bookman gegangen. Miranda wusste, dass er sich unter seinem stoischen, faltigen Gesichtsausdruck die gleichen Sorgen um Lavi machte, aber er war ein alter Kämpfer und nicht so leicht dadurch aus dem Gleichgewicht zu bringen – und wenn er es doch war, dann verstand er sich wenigstens darauf, das gut zu kaschieren. Wohingegen man ihr, Miranda, alle ihre Sorgen und Ängste buchstäblich an ihrem Gesicht ablesen konnte. Darum war sie froh gewesen, dass Jinai gleich wieder gegangen war, denn die jüngere Exorzistin hätte sonst über kurz oder lang entdeckt, was los war.
Sie würde es vermutlich ohnehin noch früh genug. Das Verschwinden der Zeit eines ihrer Freunde beunruhigte Miranda. Es war kein gutes Zeichen – sie fürchtete, dass das erste nicht das einzige Mal bleiben würde, dass so etwas passierte. Ihre Freunde in der Arche kämpften auch um ihr Überleben.
Wie aufs Stichwort wurde der Boden erneut von einer schweren Explosion erschüttert. Wie viele davon sollten noch aufeinander folgen, wie viele Akuma waren denn noch da draußen? Miranda konnte sich nicht lange mit dieser Frage beschäftigen, denn über ihrem Kopf ertönte ein beunruhigendes Knacken. Staub rieselte von der Decke, die der Brückenbogen bildete, und sie blickte unwillkürlich auf. Ihr Time-Out erstreckte sich auch auf ihren Unterschlupf, damit dieser standhielt und ihnen ein Rückzugsort blieb, aber wie es aussah …
„Raus hier", sagte sie mit dünner Stimme. „Nehmt Jeremy und geht ins Freie. Schnell." Mao Sa und Kie schienen verblüfft, reagierten aber unverzüglich. Eine weitere Erschütterung brachte die beiden Matrosen mit ihrer kostbaren Last beinahe ins Stolpern, doch dann waren sie draußen und Miranda folgte ihnen rasch.
Hinter ihnen brach die Brücke erst mit einem ergebenen Seufzen, dann mit lautem Getöse in sich zusammen. Verglichen mit dem Lärm, den die Akuma machten, nichts, aber laut genug. Das Einstürzen des letzten unversehrten Brückenteils verursachte nicht mehr als ein leichtes Vibrieren des Bodens.
„Wir sollten trotzdem Deckung suchen", sagte Kie mit einem Blick auf die Akuma und die Exorzisten, die versuchten, ihnen den Weg zu versperren. „Es gibt keinen Grund, hier wie auf dem Präsentierteller herumzusitzen und ihnen zu zeigen, dass sie noch mehr von uns töten können, wenn sie wollen."
Miranda ging flüchtig durch den Kopf, wie viel die beiden Seeleute in so kurzer Zeit aus erster Hand über Akuma gelernt haben mussten, um das beurteilen zu können. Sie nickte und zu dritt suchten sie hinter einem der größeren Trümmer Schutz, um Jeremy wieder ablegen zu können. Der Exorzist hatte sich auch durch die wiederholten Explosionen und Erschütterungen noch nicht wecken lassen.
Nun konnte Miranda zum ersten Mal ungehindert das ganze Ausmaß der Schlacht sehen, die schon gefühlte Stunden dauerte. Wie der Boden, der vorher noch so glatt und undurchdringlich wie polierter Diamant ausgesehen hatte, aufgebrochen, zerschlagen und an vielen Stellen geradezu pulverisiert worden war. Wie über allem die Arche thronte, furchteinflößend, groß wie ein zweiter Mond am Himmel und genauso unerreichbar. Wie die Akuma, die schon bedrohlich ausgesehen hatten, als sie nur mit so vielen davon zu tun gehabt hatten, wie man sie an einer Hand abzählen konnte, nun in Dutzenden auf sie zuwankten und eine Seite des Horizonts komplett einnahmen. Sie waren allem Anschein nach noch nicht auf die Idee gekommen, sie einzukreisen, aber das würde vermutlich auch nur eine Frage der Zeit sein. Wenn die Exorzisten ihre Zahl schneller dezimieren konnten als die Akuma diese Idee haben würden, würde es vielleicht nicht dazu kommen.
Noch standen die anderen Exorzisten zwischen ihnen und den Akuma, aber das konnte sich schnell ändern. Auf Mao Sa und Kie aufzupassen würde jetzt, im Freien, schwierig werden, wenn sie entdeckt würden, aber mit einem Bewusstlosen im Schlepptau? Geradezu unmöglich. Sie konnten nur darauf hoffen, dass keines der Akuma sie gesehen hatte, als sie unter der Brücke hervorgekommen waren und sich hinter den Felsbrocken zurückgezogen hatten.
Dieser ermüdende Kampf zog sich eindeutig schon viel zu lange hin, ohne dass eine der beiden Seiten einen nennenswerten Sieg errungen hatte. Die Akuma rückten unbeirrt vor, die Exorzisten hielten sie unbeirrt zurück. Für jeden Schritt vorwärts, den die Exorzisten verhindern konnten, machten sie selbst zwei zurück. Es war eine kluge Entscheidung gewesen, die Akuma weit draußen in der Ebene anzugreifen, aber eine zermürbende. Wenn nicht bald etwas geschah, verloren sie aus reiner Erschöpfung.
Miranda verfluchte den Gedanken im gleichen Moment, in dem er ihr gekommen war. Sich zu wünschen, dass etwas geschah, war das schlimmste, das sie nur tun hatte können. Schließlich musste die Wendung der Ereignisse nicht unbedingt zu ihren Gunsten ausfallen.
Akuma wie Exorzisten gleichermaßen schienen innezuhalten, als ein Geräusch zu fühlen, ein Beben im Himmel zu sehen und ein Leuchten zu hören war. Keines der Dinge konnte man beschwören, richtig wahrgenommen zu haben, aber etwas war unzweifelhaft geschehen.
Dann tauchte ein leuchtendes weißes Rechteck auf, daneben ein weiteres und noch eines und in schwindelerregender Folge durchbrach ein Kreis aus weißen Rechtecken den Nachthimmel. Wie gebannt starrten alle zum Himmel, der Kampf für eine Minute vergessen. Darin schien sich etwas zu materialisieren, Formen wurden auf einmal erkennbar, wo bis vor einer Sekunde noch keine gewesen waren, gewannen an Gestalt und Deutlichkeit und schließlich … hatte sich ein Gebilde herauskristallisiert, das ein genaues Abbild der Arche am Himmel zu sein schien.
Es war die Arche. Ihr Spiegelbild, in jeder Hinsicht, sogar farblich – das komplette Gegenteil. Eine schwarze Arche leuchtete düster und unheilverkündend, unheimlich in ihrer Vollkommenheit, während die weiße Arche zusehends an Glanz und Licht verlor. Das Loch im Himmel, durch das sie buchstäblich gefallen war, holte sie sich zurück – Baustein für Baustein.
Sprachlos sahen sie zu, wie die weiße Arche in ihre Einzelteile zerfiel und im Himmel verschwand. Noch nicht einmal ein Drittel davon war in das Loch im Himmel eingesaugt worden und damit aus ihrem Blickfeld verschwunden, als Maris Stimme die gespenstische Stille durchbrach.
„Bookman, Kanda und die anderen sind doch noch da drin." Er klang alles andere als gefasst, eher alarmiert, und der Blick der anderen, der für einen Moment auf ihn gefallen war, irrte nun ruckartig zu der zerfallenden Arche zurück, als ihnen bewusst wurde, was das bedeutete.
Aus den Augen, aus dem Sinn. Aus den Augen … aus der Welt.
Verschwand die Arche, würden ihre Freunde mit ihr verschwinden. Wohin, wusste niemand, aber sicher nicht an einen Ort, an den sie ihnen folgen konnten.
Nun wurden Stimmen laut, als das Entsetzen der Exorzisten um sich griff. Aus verschiedenen Kehlen wurden Namen gerufen, Bitten, Flehen, Ängste wurden herausgeschrien, ohne dass es auch nur den geringsten Einfluss auf das unabänderliche Auflösen der Arche hätte.
„Lavi!" „Allen!" „Krory!" „Linali!" „Chao Zhi!" „Kanda!"
Der Chor wiederholte sich immer und immer wieder, durchsetzt von flehentlichen Bitten, dass nicht passieren würde, was sie befürchteten, unterbrochen von Mirandas Versuchen, ihr Innocence einzusetzen, um Einfluss auf das Geschehen am Himmel zu nehmen. Die Deutsche war nun nicht mehr die Einzige, die weinte, andere taten es ihr gleich, aber der Himmel ließ sich von ihren Tränen nicht erweichen. Unerbittlich nahm er die Arche in sich auf, nahm ihnen ihre Freunde weg, schloss sich vor ihren von Tränen getrübten Augen, und dann … war sie weg. War die Arche weg und mit ihr alle, die sich darauf befunden hatten.
Und mit einem Mal kam wieder Leben in die verbliebenen Akuma, die bis zu diesem Zeitpunkt nur wie gebannt in den Himmel gestarrt hatten. Sie griffen die zu Salzsäulen erstarrten Exorzisten an.
Raffael: Exorzistenmatsch?
Jinai: Iiiih, nein. Pfui. Was du schon wieder denkst.
Raffael: Na, wenn du so vieldeutige Cliffis einbaust.
Jinai: Und? Sind bei mir schon mal Charaktere gestorben?
Raffael: ... Ceathan.
Jinai: Also, DER zählt ja wohl wirklich nicht.
Raffael: ... Jinai?
Jinai: *nach Luft schnapp* Nur augenscheinlich! Sie hat überlebt!
Raffael: Dann ... fällt mir keiner mehr ein.
Jinai: Siehst du? Exorzistenmatsch, pah. Nicht mit Miranda und ihrem Pattafix-Innocence in der Nähe. *an die Leser wende* Mit dem nächsten Kapitel könnt ihr in Bälde rechnen ... sehr bald.
Raffael: Dun-dun-daaaaah.
Jinai: Lass den Schwachsinn!
