Raffael: Langsam entwickelst du eine Zuverlässigkeit, die mir gefällt.

Jinai: Gewöhn dich lieber nicht dran.

Raffael: Sagt mir da mein Instinkt, dass das nicht anhalten wird?

Jinai: Oh, die Kapitel für diese Story lade ich noch schön regelmäßig hoch, keine Sorge.

Raffael: Aber?

Jinai: Aber ... ich hab vergessen, einzukaufen. Du wirst heute hungrig in den Schrank gehen müssen.

Raffael: Ich wusste, dass es zu gut war, um wahr zu sein.

sternenhagel: Das ist mal ein Kompliment, das das Autorenherz freut *-* Man will die Leser ja bei der Stange halten. Ja, die Noah-Arche war auch im Manga. Ich habe diesen Band halb zerlegt, um jedes noch so winzige Detail herauszuholen, damit mir auch ja nichts entgeht ... Künstlerische Freiheit ist schön und gut, aber ich will ja auch nichts falsch machen. Was mit Jeremy ist ... ähm ... muhaha. Ich verrate nichts und Raffael ist unbestechlich. Marillenknödel sind lecker *-* Vielleicht kriegt Raffael ja doch noch sein Abendessen ... das heißt, falls ich teile. Du könntest ja großzügig sein und ihm den Holler überlassen, wenn ich mir den Heidelbeerschnaps genehmigen darf?

Psychomantium: Für Jubel ist es, glaube ich, noch ein bisschen zu früh. Jeden Moment, ääh ... weißt du manchmal verläuft die Zeit langsamer *schwitz* zumindest kommt es einem so vor und dann können viele Dinge schneller passieren, als sie es sonst täten *hüstel* und wie Cross sagte, zwischen den Dimensionen ist nicht gleich tot und äh ... lass mir ein wenig künstlerische Freiheit. Die ist plotwichtig und dafür darf es auch mal ein wenig länger dauern. Bitte. Ich überlege auch immer ernsthafter, das Sequel zu schreiben, reicht das als Bestechung, damit du und die Logik ein Auge zudrückt? Ja, Beschreibungen sind halt nicht so toll, aber sieh es so: Sie sind eine gute Gedächtnisstütze und falls du nochmal bei Hev vorbeikommst, hast du wenigstens schon mal alles niedergeschrieben und kannst im Notfall nachschauen, was du da geschrieben hast.

Yunaria: Naja, möglich wäre es schon, aber nicht sinnvoll. Und was OCs angeht, es wäre schön, wenn sie wenigstens ab und zu tun würden, was man sagt ... schaff dir nie zu sture Charas an, das ist ein Schuss ins Knie. Wenn ich daran denke, mich noch ein Sequel lang mit Jinai rumzuschlagen ... dafür brauch ich definitiv mehr Zucker :D Das Sequel hat sich nämlich wirklich fest in meinem Kopf festgesetzt, aber ich feile noch daran. Hurra, Raffaels Abendbrot ist gerettet! Raffaööööl, schau maaaal, Yuna hat dir einen Keeeeeks mitgebraaaacht!

Rated: T

Disclaimer: -Man is the lawfully rightful property of Katsura Hoshino. All our respect for creating this goes to her. And the biscuit to Yuna.


16. Emotionslos

Von dem Moment an, in dem Mari gesagt hatte, dass die anderen Exorzisten noch in der sich auflösenden Arche wären, hatte sich ein glühend heißer Schmerz in Jinais Magengegend ausgebreitet. Sie fürchtete genauso wie die anderen um Allen, Linali, Chao Zhi, Krory und Lavi, aber der Schmerz hatte einen anderen Grund. Das waren ihre Freunde, die sie im Begriff zu verlieren stand, doch noch viel schmerzhafter war die Vorstellung, wie ein gewisser schweigsamer, langhaariger, jähzorniger, japanischer Exorzist aus dieser Welt und damit aus ihrem Leben verschwinden würde.

Ihre Stimme hatte sich mit Gewalt einen Weg durch ihre schreckerstarrte Kehle gebahnt und nach ihm gerufen. Sie hatte gedacht, mit Verlustängsten wäre sie durch, aber in Leharein hatte sie gewusst, dass sie ihn irgendwie retten und fortschicken könnte – dass es irgendeinen Weg gäbe, wie sie das in Ordnung bringen könne, was sie angerichtet hatte. Das hier, das war vollkommen anders. Sie war machtlos und musste mit ansehen, wie derjenige, der ihr am meisten bedeutete und wegen dem sie in diese Welt zurückgekehrt war, aus eben dieser verschwand. Jinai hatte sich damit abgefunden, ohne ihn zu sterben, aber nicht damit, ohne ihn zu leben.

Sie rief, immer und immer wieder, die Augen wie gebannt auf den Himmel gerichtet, in ihrem Magen brannte es, in ihrer Kehle brannte es, in ihren Augen brannte es, ihre Stimme verkam zu einem heiseren, gequälten Schluchzen, Tränen liefen über ihre Wangen und bedeckten den Boden, aber der Zerfall der Arche ging unaufhaltsam weiter. Waren ihre Tränen, ihr Schmerz und ihre Qualen denn nichts wert? Wo war die höhere Macht dieser Welt, die diesen Tribut annahm und ihr dafür etwas zurückgab?

Es hieß immer, die Zeit bieb stehen, wenn etwas Schlimmes passierte. Aber das stimmte nicht. Sie lief noch schneller, wie Sand durch die Finger, je mehr man versuchte, sie festzuhalten, um das schreckliche Ende nicht sehen kommen zu müssen, und wenn es vorbei war … verharrte man selbst in der Zeit. Rund um einen selbst ging das Leben weiter, drehte sich die Welt weiter – nur man selbst kam nicht voran.

Es entpuppte sich als fataler Fehler für die Exorzisten, sich von ihrem Entsetzen so lähmen zu lassen. Das nächste, was sie spürten, war noch mehr Schmerz, der diesmal eine weitaus physischere Ursache hatte.

Mit einem Schmerzensschrei landete Jinai im Sand, atmete prompt etwas davon ein und begann zu husten. Ihre Augen tränten bereits, aber von der Anstrengung, mit der sie versuchte, nicht zu ersticken, wurden die Tränen noch mehr.

Anna neben ihr schien es nicht gerade besser zu gehen. Auch sie hustete aus Leibeskräften, aber bei ihr bahnte sich ein dünner Blutstropfen seine rote Bahn aus ihrem Mund über ihre Wange, wie Jinai entsetzt feststellen musste. Er verschwand zuverlässig durch Mirandas Innocence, das die deutsche Exorzisten wie durch ein Wunder geistesgegenwärtig aktiviert gehalten haben musste, aber wenn alles vorbei und Anna dann noch nicht tot wäre, dann …

Anna schien zu spüren, wohin Jinais Gedanken wanderten, und lächelte dünn. „Keine Sorge", sagte sie mit rauer Stimme, sobald sie zu sprechen vermochte. „Ich bin zäher, als ich aussehe. Unkraut vergeht nicht." Sie leckte sich über die mit Sand beschmutzten Lippen und spuckte Sand und Blut aus.

Sie hatten einen Moment, nur einen einzigen Moment lang Ruhe. Bei dem Angriff der Akuma waren sie in alle Himmelsrichtungen verstreut worden und noch nicht von diesen entdeckt worden. Jetzt aber gerieten die beiden Exorzistinnen, die durch puren Zufall nebeneinander gelandet waren, in das Blickfeld eines der riesigen Akuma und schon erschien hinter ihm die große leuchtende Scheibe, die einen neuen explosiven Angriff ankündigte.

Es war keine Zeit zu trauern. Sie mussten Verlust und Schmerz in Kraft und Stärke verwandeln, wenn sie überleben wollten. Jinai breitete ihre Flügel über sie beide aus, als die Explosionen begannen, und biss die Zähne zusammen. Irgendwie hielten ihre blutroten Schwingen dem Angriff stand, aber … auch nur irgendwie. Sie stand kurz vor dem Zusammenbruch, das war ihr unterschwellig bewusst, und ihr gebrochener Flügel war noch lange nicht so weit, dieser schon seit Stunden andauernden Belastung ausgesetzt zu werden. Es half alles nichts, sie mussten irgendwie überleben.

„Wo sind die anderen?", schrie Anna über das Bombardement von Akumageschossen.

Obwohl sie direkt neben ihr lag, konnte Jinai sie kaum verstehen. „Ich weiß es nicht!", brüllte sie zurück. „Aber wir müssen sie finden!"

Anna nickte nur, denn eine weitere Antwort wäre vermutlich nicht mehr zu hören gewesen. Sie zog ihren Bumerang und das dunkle Holz begann zu leuchten. Die Exorzistin hielt drei Finger hoch und begann herunterzuzählen.

Als sie den dritten Finger einzog und die Hand zur Faust ballte, zog Jinai ihre Flügel zurück und die beiden rappelten sich blitzartig auf, huschten hinter den nächsten Felsen, den die Explosionen wie einen Baum mitten in die Landschaft gestellt hatten, und gingen in Deckung.

Es passierte nichts.

„Es muss uns aus den Augen verloren haben", wisperte Jinai.

Anna spähte vorsichtig um den Felsen herum, der auf der ihnen abgewandten Seite komplett glatt poliert war, was darauf hindeutete, dass das die Oberseite dieses Bodenbruchstücks war. Rasch zog sie den Kopf zurück. „Es ist noch da, aber ich kann die anderen nicht sehen", flüsterte sie zurück.

„Dann erledigen wir das Akuma und kümmern uns dann um die anderen", erwiderte Jinai und versuchte nun ebenfalls, an dem Felsen vorbeizusehen. Viele Akuma waren es nicht mehr. Kaum zu glauben, aber wahr: Bei dem Angriff, den sie alle gleichzeitig auf die erstarrten Exorzisten gestartet hatten, hatten sie sich gegenseitig stark dezimiert. Die riesigen Trümmer von zerstörten Akuma waren vorher noch nicht dagewesen, da war sich Jinai sicher.

Es konnte für sie nur von Vorteil sein, wenn sie weniger Gegner hatten. Auf eine stumme Absprache hin schoss Jinai hinter dem Stein hervor, erhob sich in die Luft und hielt direkt auf das Riesenakuma zu, das sie angegriffen hatte. Jetzt fasste dieses sie wieder ins Auge und streckte einen deformierten und viel zu langen Arm aus, um sie wie eine Fliege in der Luft zu erschlagen, aber Jinai wich aus. Ihr Rücken brannte und ihre Flügel dankten es ihr nicht gerade, als sie einen halsbrecherischen Salto schlug, unter der Hand des Akumas wegtauchte und damit aus seiner Reichweite verschwand, abe da war Anna längst zur Stelle. Präzise trennte der Bumerang dem Akuma genau die Hand ab, die nach der Exorzisten geschlagen hatte, kehrte zu seiner Besitzerin zurück und wurde gleich noch einmal geworfen.

Aus irgendeinem Grund behielt Anna einen Bumerang in der Hand, während gleichzeitig ein identischer auf das Akuma zuflog. Selbst Jinai sah verblüfft erst von dem Akuma zu Anna und war sich nicht sicher, welche von den beiden Waffen jetzt echt war, da steckte die geschleuderte Waffe schon im Kopf des Akumas.

Und detonierte mit einer Wucht, die auch Jinai zurückwarf. Sie fing sich wieder, aber das Akuma sank zu Boden, von seinem Kopf war nichts mehr zu sehen, der Rest war unbrauchbar geworden.

„Nette Spielerei", meinte Jinai, als sie vor Anna landete.

Die Exorzistin grinste nur und behielt den immer noch aktivierten Bumerang in der Hand, bereit für den nächsten Angriff. Damit deutete sie auf eine Stelle hinter der anderen Exorzisten. „Sieh mal", sagte sie erleichtert.

Als Jinai sich umdrehte, konnte sie mit verfolgen, wie eine weiße Gestalt, so groß wie die riesigen Akuma selbst, eines davon zu Boden warf. Sie erkannte diese Gestalt ebenfalls und atmete erleichert auf. Marschall Tiedolls Maker of Eden war unverkennbar.

Bevor sie sich allerdings entschließen konnten, wie sie weiter handeln würden, griff Jinai abrupt nach Annas Arm und deutete ihrerseits in den Himmel. „Sie ist weg", sagte sie tonlos.

Ihre Freundin folgte ihrem Blick und sah gerade noch etwas in der Ferne verschwinden. Ein kleiner weißer Funke, den sie beinahe mit einer Sternschnuppe verwechselt hätte. Jetzt hing nur noch der Mond am Himmel und die Schwärze der Nacht wurde nur von seinem fahlen weißen Licht durchbrochen. „Die schwarze Arche ist auch weg", stellte Anna emotionslos fest. Das war es gewesen, was sie zuerst für eine Sternschnuppe gehalten hatte.

Nicht, dass die schwarze Arche ihnen irgendeine Art von Trost versprochen hätte. Aber jetzt war der Himmel wirklich leer.

„Wir müssen die anderen finden", erinnerte Anna Jinai und griff nun ihrerseits nach deren Arm, um sie mit sich zu ziehen. Anna wusste, dass die Exorzistin mehr verloren hatte als jeder andere von ihnen, aber noch brauchten sie ihre Flügel. So herzlos das auch klang, aber sie durfte erst zusammenbrechen, wenn die Akuma alle vernichtet waren. Tat sie es vorher, war sie tot.

Jinai riss ihren Blick vom Himmel los und nickte. Gemeinsam stolperten sie durch die zerstörte Landschaft auf Marschall Tiedolls Innocence zu, das unter den Akuma wütete wie ein verletzter Stier. Sie blieben zusammen, um einander beschützen zu können, aber die Akuma schienen sich jetzt mehr für den großen weißen Gegner zu interessieren, der leichter zu treffen war, als für die winzigen Exorzisten, die ihnen immer so flink auswichen. Unbehelligt kamen die beiden Exorzistinnen bis auf Rufweite an Tiedoll heran.

Bei ihm waren auch Mari und Miranda und zum Glück auch der immer noch bewusstlose Jeremy und die beiden Finder. Irgendwie hatten Froi Tiedoll und Mari es geschafft, die vier um sich zu scharen und gegen die Akuma zu verteidigen, aber von Marie und dem Bookman fehlte noch immer jede Spur.

Um nicht doch noch die ungebetene Aufmerksamkeit der Akuma zu erregen, riefen Jinau und Anna nicht nach den anderen Exorzisten, während sie auf sie zuliefen, aber diese entdeckten sie auch so. Kaum bei ihnen angekommen, fanden sich auch Jinai und Anna im Fokus der Akumaangriffe wieder, denn die Akuma versuchten, an Tiedolls Innocence vorbei zu kommen und die leckere menschliche Beute zu erreichen, die sich dahinter verschanzt hatte.

„Wo sind Marie und der Bookman?", wandte sich Anna an Miranda, aber die ältere Exorzistin schüttelte nur den Kopf.

„Wir haben sie noch nicht gesehen", entgegnete die Deutsche, „aber mein Recovery funktioniert noch für sie, also müssen sie irgendwo hier sein."

„Und sie sind nicht unser einziges Problem", mischte sich Mao Sa überraschend ein. „Irgendetwas stimmt nicht mit Gray-san." Er deutete auf den bewusstlos am Boden liegenden Exorzisten, dem Kie seinen Mantel als Kissen unter den Kopf geschoben hat.

Anna und Jinai nahmen sich die wenige Zeit, die sie hatten, und knieten neben dem Exorzisten nieder. Anna legte ihm eine Hand auf die Stirn und zuckte zurück. „Er glüht förmlich vor Fieber", sagte sie entsetzt. „Woher kommt das? Miranda ...", wandte sie sich hilfesuchend an die andere Exorzistin, doch wieder konnte diese nur den Kopf schütteln.

„Wenn es von einer Verletzung herrühren würde, könnte ich es im Nu beheben", sagte sie leise. „Es muss von innen herkommen."

Jinais Finger strichen dem Bewusstlosen zärtlich die feuchten schwarzen Strähnen aus der Stirn, die der Schweiß an seine Haut klebte. Kie beobachtete sie dabei und versuchte einen Blick auf ihr Gesicht zu erhaschen, aber was auch immer ihr durch den Kopf ging, sie verbarg es gut hinter einem leeren Blick. Dann presste sie die Lippen fest aufeinander und er erkannte, dass sie sich die Schuld daran gab. Aber weswegen?

Wortlos streifte die Exorzistin den langen schwarzen Mantel ab, der sie als Exorzistin kennzeichnete, und deckte Jeremy damit zu. Er sollte doch bei Cloud oder Winters sein. Stattdessen hatte sie ihn da mit reingezogen, obwohl das ganz und gar nicht sein Kampf war. Der Junge hatte doch gar nicht die nötige Erfahrung, die er brauchte, um das durchzustehen. Bisher hatte er sich gut geschlagen, aber jetzt war das eingetreten, was sie unwillkürlich sofort befürchtet hatte, als sie ihn bei Tiedoll gesehen hatte. Jeremy hatte sich zu viel aufgebürdet.

„Kannst du wirklich nichts tun?", fragte Anna gerade Miranda in verzweifeltem Ton und machte es der anderen Exorzistin damit nicht gerade einfacher, selbst die Fassung zu wahren.

Da stand Jinai wieder auf, jetzt nur noch in Hemd und Hose, wodurch sie seltsam zerbrechlich aussah. Ohne den Exorzistenmantel, die Uniform, die ihnen allen Halt gab, mutete sie so … menschlich an. „Ich suche Marie und den Bookman", verkündete sie emotionslos und breitete die roten Schwingen aus, die durch die Schlitze in ihrem Hemdrücken schossen. Gewöhnliches Aussehen oder nicht, die Kleider waren individuell auf die Bedürfnisse der Exorzisten zugeschnitten. Und mit ihrem Innocence sah Jinai nun nicht mehr ganz so zerbrechlich aus.

Im nächsten Moment verließ sie den schützenden Kreis der anderen Exorzisten und Tiedolls Maker of Eden, der zwischen ihnen und den Akuma stand, und stieg hoch hinauf. Je höher sie flog, desto weniger würden die Akuma in der Lage sein, sie zu erreichen, und wenn sie nicht nach oben blickten, konnte sie sich zwischen ihen durchschmuggeln und tiefer fliegen, um die beiden Vermissten zu suchen.

Jinai konzentrierte sich vollkommen darauf, mit den Augen den Boden abzusuchen. Eine Aufgabe nach der anderen, die ihr gesamtes Bewusstsein beschäftigen und ihre komplette Aufmerksamkeit fesseln musste, sonst drifteten ihre Gedanken ab und die Schwäche und der Schmerz würden sie übermannen. Alle Trauer musste warten, bis sie in Sicherheit waren – dessen war sie sich bewusst, ebenso wie der besorgten Blicke der anderen. Sogar die sonst so vorlaute Stimme ihres Unterbewusstseins schwieg seit Stunden und meldete sich nicht zu Wort. In ihrem Kopf herrschte völlige Leere, nur die Aufgabe, die vor ihr lag, befand sich darin.

Sie verbot sich, an etwas anderes zu denken, sondern fixierte ihren Blick weiterhin auf den aufgebrochenen und aufgewühlen Grund, achtete darauf, nicht von den Akuma gesehen zu werden. Wie sie die beiden Exorzisten hier finden sollte, war ihr ein Rätsel. Das war die sprichwörtliche Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Aber sie hatte immer noch bessere Chancen aus der Luft, als die anderen sie vom Boden hatten.

Aber die beiden waren Kämpfer, redete sie sich ein. Sie hatte Marie selbst ausgebildet, das Mädchen würde nicht aufgeben. Und der Bookman war zäh wie Leder und zu versuchen, ihn zu töten, wäre, als würde man versuchen, einen Stein umzubringen. Sie würden nicht aufgeben.

Und Miranda hatte gesagt, dass das Recovery der beiden noch intakt war, also hatte sie ihre Verletzungen heilen können. Die Verletzungen von Toten konnte sie nicht heilen. Irgendwo mussten sie sein.

Ein heller Streifen zwischen zwei Felsentrümmern gab Jinai dann den ersten Hinweis. Erst glaubte sie, sie hätte sich das nur eingebildet, aber dann blitzte etwas in diesem Spalt auf, das das Mondlicht reflektierte, und damit war ihre Entscheidung gefällt. Keinen Steinwurf von einem Akuma entfernt schraubte sie sich so rasch zu Boden, dass das Akuma sie nicht bemerken konnte, und landete gut geschützt durch einen weiteren Felsbrocken zwischen sich und dem Akuma.

Rund um sie herum war alles Trümmerlandschaft, durch das vereinzelte Akuma auf den Punkt zusteuerten, an dem sich die anderen Exorzisten befanden. Sie hätte jetzt locker ein oder zwei davon erledigen können, damit aber nur unerwünschte Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Vorerst musste sie das Vernichten der Akuma den anderen überlassen.

Jinai sah sich um und entdeckte die Felsformation wieder, bei der sie vorhin das Aufblitzen von Silber gesehen hatte. Ihre eigene Uniform würde auch so glänzen, denn sonst gab es hier nichts, das das Licht reflektieren könnte. Gut, dass sie sie bei den anderen zurückgelassen hatte, sonst hätten die Akuma sie viel leichter erkennen können. So war sie in ihren dunklen Kleidern fast unsichtbar gewesen.

Hinter den Felsen bewegte sich nichts, aber sie war sich sicher, dass das, was sie gesehen hatte, keine bloße Täuschung oder Wunschdenken gewesen war, also huschte sie bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit hinüber und suchte hinter den Felsen Schutz, genau dort, wo auch schon eine andere Person Schutz gesucht hatte. Im einen Moment starrte die Blondine sie noch überrascht an, im nächsten lag sie ihr schon in den Armen.

„Gott sei Dank", flüsterte Marie. „Ich wusste schon nicht mehr, wie wir hier rauskommen sollten."

'Wir' waren sowohl Marie als auch der Bookman, die sich beide hier verschanzt hatten. Der alte Mann sah ihrer Ankunft weitaus weniger enthusiastisch entgegen und nickte nur, obwohl sie in seiner Miene so etwas wie Erleichterung zu erkennen glaubte.

„Birngst du uns hier weg?", fragte Marie hoffnungsvoll und ließ Jinai los, um ihr in die Augen sehen zu können. „Wir sitzen hier ziemlich fest. Wenn wir uns näher heranwagen, sehen uns die Akuma, aber hier ist es auch nur eine Frage der Zeit, bis wir entdeckt werden."

Jinai sah unbehaglich in die erwartungsvollen dunkelblauen Augen der anderen Exorzistin und musste feststellen, dass sie keine Ahnung hatte, wie sie die beiden hier rausholen sollte. Irgendwie funktionierte ihr natürlicher Instinkt nicht mehr, der ihr immer sagte, was sie sagen oder tun musste, um den anderen Sicherheit und Halt zu geben. Bei den Göttern, Anna hatte sie vorhin fast mitschleifen müssen, sonst würde sie immer noch dastehen und der schwarzen Arche hinterhersehen. Und jetzt erwartete Marie etwas von ihr, das sie nicht leisten konnte.

Als keine Antwort von ihr kam, brachte der Bookman sich zum Glück in das einseitige Gespräch ein und schlug vor: „Wenn du Marie tragen kannst, könntest du sie zu den anderen hinüberfliegen. Danach kommst du wieder und holst mich ab. Schaffst du das?"

Jinai sah von einem zum anderen und nickte schließlich langsam. Sie hatte Marie schon einmal getragen und die Exorzistin war nicht so schwer. Der alte Mann war so klein, dass er sicher auch kein Problem darstellen würde. „Ich muss dann aber langsamer fliegen und bin nicht so wendig", gab sie zu bedenken. „Und falls wir angegriffen werden, kann ich euch nicht verteidigen."

„Das wird schon-"

Marie hätte ihren Satz wohl gerne zu Ende gebracht, aber in diesem Moment erschütterte eine Druckwelle die Erde und warf sie zu Boden. Unerklärlich in ihrer Art, vor allem, weil ihr kein Geräusch vorausgegangen war und stattdessen nur ein schwaches Licht durch den Spalt zwischen den beiden Felsen fiel, durch den Jinai vorhin die Silberbeschläge von Maries Uniform erkannt hatte. Mühsam setzte sich Jinai auf und spähte zwischen den Trümmern hindurch zu der Quelle des Lichts, das immer noch leuchtete. Sie sah nichts außer diesem Licht, das jetzt, da sie direkt hinsah, so hell war, dass es in den Augen stach.

Rasch wandte sie sich ab und versuchte, Marie oder den Bookman anzusehen, aber vor ihren Augen tanzten gleißend helle Sterne und sie konnte rein gar nichts erkennen. Es würde noch etwas dauern, bis das Negativ des Lichts verschwunden war, und gebracht hatte ihr der Blick rein gar nichts. Die ganze Ebene war von dem Licht erfüllt, Einzelheiten ließen sich nicht mehr ausmachen. Das einzige, was Jinai halbwegs sicher sagen konnte, war, dass das Licht aus der Richtung der anderen Exorzisten gekommen war. Aber ob sie dafür verantwortlich waren, ob das Licht hinter oder zwischen ihnen seinen Ursprung hatte – unmöglich festzustellen.

Jetzt fing es an, schwächer zu werden, sowohl vor ihren Augen als auch hinter den Felsen. Es wurde wieder dunkler und in staunendem Schweigen sahen sie zu, wie der Lichtstrahl, der sich seinen Weg durch die Felsspalte gebahnt hatte, an Intensität verlor und schließlich ganz erlosch. Rund um sie herum herrschte dröhnende Stille.

„Was war das?", flüsterte Marie schließlich, als fürchte sie sich vor dem, was passieren könnte, wenn sie die Stimme erhob. Ratloses Achselzucken ringsum. „Dann … sollten wir vielleicht nachsehen, was meint ihr?" Nicken diesmal. Keiner von ihnen traute der Stille.

Langsam und vorsichtig erhoben sie sich und spähten hinter den Felsen hervor. Die Ebene war wieder in Dunkelheit gehüllt und das schwache Licht des Mondes war es definitiv nicht gewesen, was sie gesehen hatten. Zwischen Himmel und Erde war nichts auszumachen als die Schemen und Schatten des aufgebrochenen Untergrunds und wenn es nicht die vielen Bruchstücke gegeben hätte, die darauf hindeuteten, dass sich hier einmal etwas anderes befunden hatte, hätte man meinen können, in der Wüste zu sein.

Von Akuma weit und breit keine Spur.

Auch Froi Tiedolls Maker of Eden war nicht zu sehen.

„Wo sind die anderen?", fragte Marie überflüssigerweise. Als ob einer der beiden anderen ihr diese Frage beantworten hätte können.

„Zuletzt waren sie noch in dieser Richtung", sagte Jinai schließlich und deutete auf eine Stelle, die sich in nichts von den anderen unterschied. Nur Sand und Stein. Keine Exorzisten.

„Sie müssen hier irgendwo sein", sagte der Bookman entschieden. „Und wenn sie zuletzt dort waren, dann sehen wir auch dort nach." Entschlossen setzte er sich in Bewegung und die beiden Mädchen trabten ihm hinterher, froh darüber, das jemand die Entscheidung übernahm, was sie tun sollten.

Jinai ließ ihren Blick schweifen. Waren sie etwa ganz allein in Japan? Die Ebene sah so endlos und leer aus, sogar die Überreste der toten Akuma waren verschwunden. Es war geradezu unheimlich.

Sie stolperten nicht lange mehr schlecht als recht durch die Halbwüste, die einmal Edo gewesen war. Jinai war nicht sehr weit geflogen, bis sie Marie und den Bookman entdeckt hatte, und der Marsch zurück dauerte nicht lange. Als sie an der Stelle standen, von der die Exorzistin überzeugt war, dass es die Stelle war, wo die anderen sich befunden hatten, sahen sie sich ratlos um. Immer noch keine Spur von Miranda, Tiedoll, Mari, Jeremy, Anna oder den Matrosen.

„Vielleicht finde ich sie, wenn ich noch einmal losfliege", schlug Jinai vor. „Wir scheinen alleine zu sein, es sollte keine Gefahr mehr durch Akuma bestehen." Sie fühlte sich zwar komplett zerschlagen und würde sich lieber einfach im Sand ausstrecken und nicht mehr aufstehen, aber noch hatten sie eine Aufgabe.

Die Entscheidung wurde ihnen abgenommen. Wieder begann der Boden zu beben und die drei Exorzisten, die inzwischen gelernt hatten, auf diese in den letzten Stunden sehr häufig vorkommenden Ereignisse entsprechend zu reagieren, suchten sicheren Stand, indem sie sich hinsetzten. So fielen sie nicht ganz so tief, wie sie hätten fallen können, als der Boden unter ihnen sich auftat und sie verschluckte.


Raffael: Kannst du nicht einmal ein Kapitel beenden, in dem am Ende keine Fragen mehr offen sind?

Jinai: Doch. Es nennt sich ENDE. Sag mal, was sollte der Disclaimer?

Raffael: Darf ich Yuna nicht danken?

Jinai: Doch, aber hätte Deutsch nicht gereicht?

Raffael: Nein.

Jinai: Kindskopf.

Raffael: Wieso ist das wichtig?

Jinai: ... So halt.

Raffael: Kindskopf.

Jinai: Iss deinen Keks -.-