Rafael: So, wir kommen zum letzten Kapitel - dieses Teils der Geschichte.
Jinai: Ist es wirklich schon wieder so weit? Hach, das geht so schnell.
Raffael: Ja, selbst schuld, wenn du immer so viel schreibst.
Jinai: Was soll ich machen ... diese Geschichte ist ein Selbstläufer ö.ö Und für Lysslass sogar 20 Minuten vor Sonntag :D
Psychomantium: Bitte sei nicht böse, weder mit Jinai noch mit Kanda. Es ist eben eine ganz schöne ... Veränderung. Wenn du wütend auf jemanden sein willst ... sei auf mich wütend o.o Mir würde es ja nichts ausmachen, ich schwebe auf einer Welle von Glückshormonen dahin, die seit dem Erscheinen des neuen Chaps nicht nachgelassen hat xD
sternenhagel: sternchen, du tust mir Unrecht o.o Ich würde Jinai und Kanda doch niiiiiieeeee trennen :D Ooooh, Erdnüsse *-*
Yunaria: Ohje ö.ö Krank sein ist furchtbar ._. Gehst dir schon wieder besser? *tee rüberschieb*
Lysslass: *quietsch* Du hast mir ja einen review geschrieben :ava: Du willst aber nicht WIRKLICH ERNSTHAFT alles nochmal lesen? :o Das ist doch so viel *mir auf die vieltipp-finger hau* Danke für das Kompliment *-* Ich foltere sie nicht :o Ich quäl sie nur ein ganz, ganz kleines bisschen und tu nichts, was sie mir nicht auch antun würden :D Sie sind Exorzisten, sie müssen das abkönnen xDD
Rated: T
Disclaimer: Alles geht an Katsura Hoshino. Ich kann das hier nur schreiben, weil sie ein so wunderbares Universum erfunden hat.
20. Die Gründe und Folgen
In Jeremys Krankenzimmer standen mehr Betten, als benötigt wurden. Nun befanden sich nur noch Jeremy und Krory unter der Aufsicht der Ärzte, nachdem die anderen Exorzisten entlassen worden waren, aber während Krory noch selig zu schlummern schien, saß Jeremy hellwach in seinem Bett, umringt von genau den Exorzisten, die heute den Krankenflügel verlassen hatten, und noch einigen mehr. Auch die Marschälle waren anwesend – sogar Cross hatte man erlaubt, dabei zu sein, was für die Wichtigkeit und Dringlichkeit von Jeremys Anliegen sprach – und natürlich Komui. Alle warteten nur noch auf die Ankunft der beiden letzten Exorzisten, die der schwarzhaarige Junge, der nach seiner langen Ohnmacht noch ein wenig blass um die Nasenspitze war, zu sehen verlangt hatte.
Wenig überraschend kamen Jinai und Kanda zusammen herein und gesellten sich wortlos zu den anderen. Ihren Mienen war nichts anzumerken, was Lavis natürliche Neugier weckte. Für ihn standen die Signale auf 'Ärger im Anmarsch', wenn beide so aussahen, aber jetzt war wohl kaum der richtige Zeitpunkt, um darüber zu diskutieren. Jeremy hatte sie aus einem anderen Grund herbestellt.
„Nun sind wir vollzählig", sagte Komui. „Jeremy, könntest du jetzt beginnen?"
Der Junge nickte. Er schien beinahe zu verschwinden zwischen den weißen Laken; das mussten die letzten Wochen der Mangelernährung sein, da er während seiner Ohnmacht ja nichts zu sich nehmen hatte können. „Ich muss euch erzählen, was in Edo passiert ist, nachdem ich ohnmächtig wurde."
Diejenigen, die in Edo zurückgeblieben waren, tauschten überraschte Blicke. Wenn jemand keine Erinnerung an die Geschehnisse haben sollte, dann derjenige, der den Rest der Zeit in tiefem Schlaf verbracht hatte. Was wollte ausgerechnet Jeremy ihnen erzählen, das sie noch nicht wussten?
„Eine Weile lang war ich ohnmächtig, das stimmt. Aber ich bin kurz aufgewacht, ohne dass ihr etwas davon mitbekommen habt. Also … ich war nicht richtig wach. Mir war nur bewusst, dass ich auf dem Boden lag und dass rund um mich gekämpft wurde, aber bewegen, die Augen öffnen oder etwas sagen konnte ich nicht. Ich hatte keine Kontrolle über meinen Körper", sagte der junge Exorzist und seine Hände verkrampften sich um die Bettdecke, die rechte mit den zwei fehlenden Fingern in einen dicken Verband gewickelt. Man konnte erkennen, dass ihm die Erinnerung nicht gefiel. Schlagartig musste Jinai daran denken, was Marie gesagt hatte. Du liegst da, kannst dich nicht rühren, kannst nicht sprechen, niemanden auf dich aufmerksam machen … du bist in deinem eigenen Körper gefangen. Nein, das war sicher keine angenehme Erinnerung, die Jeremy da durchlebte.
„Eigentlich wollte ich nichts sagen", fuhr Jeremy zusammenhanglos fort und verwirrte seine Zuhörer damit. „Aber ich denke, dass das auch dazugehörte, also … Mir ging es schon eine ganze Weile nicht gut. Vor Marschall Cloud konnte ich es verbergen, aber dann sollte ich nach Edo gehen und da wurde es schlimmer. Jedes Mal, wenn ich mein Innocence einsetzen musste, zehrte das an meinen Kräften. Ich hatte das Gefühl, mich durch Wasser bewegen zu müssen, so … schwerfällig waren meine Bewegungen." Ob Jeremy noch wusste, dass alle wie gebannt an seinen Lippen hingen, konnte keiner sagen. Er schien das alles nur für sich zu erzählen. „Mein ganzer Körper glühte wie im Fieber und schmerzte unaufhörlich, solange ich kämpfte. Jede Bewegung war eine Qual und erst, wenn ich aufhören durfte, hörten die Schmerzen auf. Danach war ich jedes Mal todmüde und wäre auf der Stelle eingeschlafen, aber in Edo ging das nicht. Ich schätze, darum habe ich das Bewusstsein verloren; weil es schlicht und einfach zu viel wurde."
Jeremy stockte in seiner Erzählung und die versammelte Runde hielt den Atem an. Seine Erzählung beunruhigte wie bestürzte sie gleichermaßen; dass es einem Exorzisten Schmerzen zufügte, sein Innocence einzusetzen, hatte noch niemand von ihnen gehört. Und Jeremy war noch nicht einmal ein Parasitentyp.
„Als ich wieder aufwachte, wusste ich, dass irgendetwas nicht stimmte. Mit mir. Die Hitze war noch schlimmer als sonst und irgendetwas hinderte mich daran, meinen Körper zu kontrollieren. Und die Hitze wurde immer noch größer; ich hatte das Gefühl, mir würde das Fleisch von den Knochen schmelzen. Irgendwann war es dann schlagartig vorbei damit – die Hitze war weg, wie aus meinem Körper geblasen, dafür war es so hell, dass ich es sogar durch meine geschlossenen Lider erkennen konnte. Als das Licht erlosch, erwartete ich, dass mir wieder heiß werden würde, aber es fühlte sich nur in meiner rechten Hand heiß an. Und das ist das letzte, woran ich mich erinnern kann, denn als nächstes wachte ich hier auf. Aber", schloss Jeremy entschieden, „ich bin mir sicher, dass ich das Licht verursacht habe, von dem ihr alle Komui zufolge erzählt habt. Ich weiß nur nicht, wie."
„Wir müssen noch weitere Untersuchungen anstellen", lenkte der Abteilungsleiter die Aufmerksamkeit auf sich. „Doch ich denke, dass du Recht damit hast. Zeig ihnen deine Hand."
Jeremy warf Komui einen unsicheren Blick zu, aber eine Krankenschwester trat schon ans Bett, schob sich an der Gruppe der versammelten Exorzisten vorbei und half ihm, den Verband abzuwickeln. Zum Vorschein kam die unnatürlich schmal wirkende Hand mit den drei verbliebenen Fingern – Daumen, Zeigefinger und Mittelfinger. Das einzig ungewöhnliche daran offenbarte sich erst, als Jeremy seine Handfläche nach oben drehte.
Sie war komplett schwarz.
Da waren keine Adern mehr zu erkennen, keine Venen, nicht einmal die Falten, die jeder Mensch hatte und aus denen man mit Chiromantie angeblich das Schicksal eines Menschen ablesen konnte. Die Hand war glatt wie geschliffener Stein, den jemand auf Hochglanz poliert hatte, der Übergang zwischen der normalen Haut und der schwarzen Haut deutlich an der Handkante erkennbar. Wenn Jeremy die Hand bewegte, traten die Linien zum Vorschein, aber wenn er die Finger ausstreckte, verschwanden sie wieder. Bei genauerem Betrachten hätte er vermutlich nicht einmal mehr Fingerabdrücke gehabt.
„Wir vermuten, dass sein Innocence jetzt diese Form angenommen hat", sagte Komui. „Wie er es einsetzen kann, wissen wir aber noch nicht."
„Und das werden Sie auch nicht so bald herausfinden", mischte sich die Oberschwester ein und baute sich hinter dem Chinesen auf wie ein bösartiger Raubvogel. „Ich habe Ihnen bereits gesagt, dass er erst wieder gesund werden muss. Nicht nur diese mysteriöse Krankheit, sondern auch die letzten Wochen haben seine Kräfte zu sehr geschwächt, als dass ich es erlauben könnte, ihn auch nur aufstehen zu lassen."
„Und ich hatte Sie schon beim ersten Mal verstanden", entgegnete Komui scharf. „ich setze seine Gesundheit sicher nicht aufs Spiel, nur um herauszufinden, was sein Innocence tun kann. Wenn Sie mich aussprechen lassen hätten, wüssten Sie das."
„Nii-chan?", fragte Linali, was den Abteilungsleiter sofort wieder zur Räson brachte. „Du erzähst uns das doch nicht einfach so, oder? Dafür gibt es sicher einen Grund."
„Es war Jeremys Wunsch, dass ihr es erfahrt", antwortete ihr Bruder. „Aber ja, es gibt einen weiteren Grund. Abgesehen von den Marschällen seid ihr die letzten Exorzisten, die wir noch haben." Seine Miene wurde todernst und die Stimmung im Krankenzimmer veränderte sich. „Es sieht nicht gut für uns aus. Wir haben viele gute Finder und Exorzisten unwiederbringlich verloren, Krory ist noch immer nicht aufgewacht, Linalis Innocence ist nicht einsatzfähig, Marschall Cross steht unter Hausarrest, Jeremy wird noch einige Zeit mit seiner Rekonvaleszenz beschäftigt sein, wir haben noch nicht alle eure Waffen reparieren können, weil ein Großteil unserer Leute zur Erforschung der Arche abgestellt wurden und Allen … du kannst dir denken, dass sie dir jetzt noch weniger vertrauen als vorher."
Die Augen des weißhaarigen Jungen weiteten sich betroffen, dann senkte er den Kopf. Natürlich hatte er das gewusst. Nicht nur Cross stand unter Bewachung.
„Uns bleiben weniger als eine Handvoll Exorzisten, die für den sofortigen Einsatz bereit sind, und leider ist die Zeit seit eurem Kampf in Edo nicht stehen geblieben. Wir haben … große Verluste gemacht", sagte Komui mit schwerer Stimme. „Umso wichtiger ist, dass euch im Bewusstsein bleibt, dass ihr nicht unverwundbar seid. Unsere Zahlen sind stark dezimiert worden und wir brauchen jetzt jeden einzelnen von euch." Er holte tief Luft, wie um sich Mut zu machen, und fuhr dann fort: „Wir haben die anstehenden Missionen nach ihrer Dringlichkeitsstufe und dem Grad der Gefahr geordnet . Ein paar können noch ein wenig länger warten, aber ein oder zwei dulden keinen Aufschub. Kanda, da du mit Verletzungen die wenigsten Probleme haben wirst, haben wir Mugen besondere Priorität bei der Reparatur eingeräumt. Sobald es wieder intakt ist, wirst du deine Mission antreten, die Details dazu bekommst du noch. Wir stellen dir einen Finder zur Seite-"
„Ich will mit."
Verblüfft wechselte Komuis Blick von Kanda zu Jinai. „Was?"
„Ich will mit."
„Du bist noch nicht wieder ganz gesund."
„Das ist mir egal, ich gehe mit", beharrte die Exorzistin stur.
„Nein."
„Komui", wurde Jinais Ton unerwartet sanft. „Ich bin schon einmal gestorben. Ein zweites Mal passiert mir das nicht."
Daran hatte der Chinese erst einmal zu kauen. Allen, die damals dabei gewesen waren, wurde durch ihre Worte die Narbe in Erinnerung gerufen, die Jinai von ihrem vermeintlichen Tod in Leharein davongetragen hatte. Es war ein schlagkräftiges Argument, dass sie der Tod schon einmal geholt hatte. Er würde vermutlich kein Interesse daran haben, sich die Arbeit in naher Zukunft ein weiteres Mal zu machen.
Man sah Komui an, dass er bereits in seiner Entschlossenheit wankte. Wahrscheinlich wog er gerade die Risiken gegen den Erfolg ab, den diese Mission mit einem weiteren Exorzisten bringen könnte. „Ich muss es mir noch überlegen", sagte er schließlich, was für Jinai so viel bedeutete wie Na schön, meinetwegen.
Sie hatte darauf bestanden, ohne nachzudenken. Es nagte noch immer an ihr, was Kanda ihr vorhin erzählt hatte, und sie war sich sicher, dass sie ihn zumindest in der nächsten Zeit nicht mehr mit den gleichen Augen sehen könnte, aber sich noch einmal von ihm trennen lassen? Nein, das kam für sie nicht in Frage. Ihre Berufung als Exorzisten mochte das noch oft genug von ihnen verlangen, aber das musste sich die Berufung für die nächste Mission aufheben.
„Also, weiter im Text. Wo war ich? Ach ja. Anna und Marie, nachdem euer Innocence in Edo so gut wie keinen Schaden davongetragen hat und ihr so gut wie genesen seid, halte ich es für unbedenklich, euch eine eigene Mission zuzuteilen. Ihr bekommt die Details dazu ebenfalls noch."
„Komui, wieso überlasst du die Missionen nicht uns?", mischte sich zum ersten Mal einer der Marschälle ein. Cloud Nine, eine berückend schöne Frau, deren Ausstrahlung die Narben in ihrem Gesicht etwas Erfahrenes und Wildes verliehen, kraulte geistesabwesend den Kopf des Äffchens auf ihrer Schulter, während sie Komui ansah.
„Leider darf ich auch euch nicht auf Missionen gehen lassen", erwiderte der Abteilungsleiter. „Zumindest solange nicht, bis die Angelegenheit der Arche geklärt ist."
„Du meinst, bis sie entschieden haben, ob sie mich und Allen lieber köpfen oder vierteilen wollen?", meinte Cross mit einem gelassenen Grinsen, was ihm einen wütenden Blick von Komui einhandelte. Auf einmal hatte Cross die Aufmerksamkeit aller im Raum Anwesenden.
„Das werden sie nicht tun", widersprach Komui überzeugt. Jinai konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, dass seine Überzeugung größtenteils daher rührte, dass er das selbst nicht zulassen wollte.
„Verzeihung, aber wenn das alles ist, das der Marschall hören sollte, dann müssen wir ihn jetzt zurückbringen." Die beiden Wachen hinter Cross, die einander nicht nur aufgrund ihrer Uniformen zum Verwechseln ähnlich sahen, hatten die ganze Zeit noch kein Wort von sich gegeben. Ihre bloße Anwesenheit sprach aber schon für sich. Cross war kein Gast im Hauptquartier, eher ein Gefangener mit besonderen Privilegien.
Marschälle und Exorzisten unter Verdacht, dachte Jinai bei sich. Als hätte der Orden nicht schon genug Probleme.
Die Dinge werden kompliziert hier, schaltete sich ihr Unterbewusstsein überraschend nachdenklich ein. Je eher diese Mission beginnt, desto besser. Missionen sind einfach, im Gegensatz zu diesem Chaos hier.
Die Versammlung war in Auflösung begriffen und Jeremy, dem der Verband um seine Hand wieder angelegt worden war, nahm ihre Besserungswünsche dankbar an, ehe sie das Krankenzimmer verließen. Corss wurde in eine andere Richtung geführt; obwohl er keine Handschellen oder ähnliches trug, war das Bild eines Gefangenen in Ketten nicht abzuschütteln. Er fügte sich so verblüffend widerstandslos, als ob er Ketten trüge.
Allen war blass, fast so blass wie sein Haar, als er Cross nachblickte, doch Komui stand ihm da in nichts nach. Draußen auf dem Gang blieb er stehen und Linali trat an ihren Bruder heran. Ihre Hand, die seine sanft umschloss, schien eine innere Sperre bei dem Chinesen zu durchbrechen, die weitere bisher ungesagte Worte zurückhielt. „Es ist nur unsere Schuld", sagte er leise.
Man merkte, wer Jeremy persönlich verbunden war und wer nicht. Diejenigen, die es waren, blieben stehen und sahen Komui fragend an, diejenigen, die sich davon nicht betroffen fühlten, gingen weiter. Jinai, Allen, Lavi, Marie, Anna, Miranda, Linali und auch Kanda und Mari blieben. Sogar Cloud Nine blieb stehen.
Es war vollkommen still auf dem Gang und sie dachten schon, dass Komui gar nichts mehr sagen würde, bis er irgendwann zu sprechen begann. Offenbar fiel auch ihm schwer, was er zu sagen hatte. „Wir hätten die Anzeichen erkennen können. Hätten sie erkennen müssen. Das, was Jeremy passiert ist, hätte vorhersehbar sein können." Der Chinese blickte auf und fixierte Anna und Marie. „Bevor ihr auf eure Mission geht, will ich, dass ihr euch noch einmal von Hevlaska untersuchen lasst. Noch einmal sollten wir das Risiko nicht eingehen, dass wir etwas übersehen könnten."
„Was habt ihr übersehen?", fragte Linali mit dünner Stimme.
„Nachdem ihr gen Osten aufgebrochen seid, haben wir natürlich Jeremys Innocence von Hevlaska untersuchen lassen, um herauszufinden, wie groß seine Synchronisationsrate ist. Die gleiche Prozedur wie bei jedem anderen Exorzisten und alles war in Ordnung. Und da Jeremy erzählt hat, dass er sein Innocence schon benutzt hat, bevor er zu uns gekommen ist, sind wir davon ausgegangen, dass damit alles in Ordnung ist."
„Aber das war es nicht. Sein Innocence hat ihm das angetan", schlussfolgerte Marie. „Die Schwächeanfälle, die Hitze, die Schmerzen."
„Für gewöhnlich entwickeln sich Waffen-Typ-Innocence nicht", entgegnete Komui niedergeschlagen. „Wir gingen davon aus, dass der Bogen, den Jeremy mitbrachte, bereits die Form angenommen hatte, die er haben sollte. Aber es war eben nur ein Bogen, in dem Innocence steckte, und keine Waffe. Dass es Jeremy so viel abverlangte, ihn einzusetzen, liegt daran, dass das Innocence nicht in einer Waffe gebunden war, die es ihm erlaubte, es problemlos zu kontrollieren."
„Also hat er jedes Mal, wenn er gegen Akuma gekämpft hat, zusätzlich auch noch gegen sein eigenes Innocence gekämpft?", hakte Jinai nach, die ahnte, worauf das hinauslief.
„Man könnte es so ausdrücken."
„Komui!"
„Ja. Grob ausgedrückt, ja. Es kostete ihn mehr Kraft, das Innocence zu bändigen, als es sollte, und das führte auch schlussendlich zu seiner Ohnmacht."
„Und das Licht? Jeremy ist sich sicher, dass er es verursacht hat", warf Lavi ein.
„Und diese … diese schwarze Hand? Du hast gesagt, dass das jetzt sein Innocence ist", ergänzte Linali.
„Er hat das Licht verursacht. Besser gesagt, sein Innocence hat es verursacht. Ich nehme an, es hat seine endgültige Gestalt jetzt in dieser Hand angenommen. Das muss in Edo passiert sein und das hat auch das Licht ausgelöst."
„Und alle Akuma getötet, die noch da waren", fügte Mari hinzu, was sich alle schon beinahe gedacht hatten.
„Die Asien-Zweigstelle will die Überreste von Edo untersuchen, sobald sie es wagen können, ihre Leute in das immer noch von Akuma verseuchte Land zu schicken. Das könnte uns erste Erkenntnisse darüber bringen, was Jeremys Innocence bewirkt."
„Und du willst, dass wir uns untersuchen lassen, damit uns nicht das gleiche passiert", schlussfolgerte Anna. „Weil wir auch Waffen-Innocence haben und das vielleicht auch nur eine Hülle sein könnte, die nicht unbedingt eine Waffe sein muss."
„Ja", sagte Komui und nickte. „Die Wahrscheinlichkeit ist gering, dass es einer von euch passieren könnte, denn ich gehe davon aus, dass ihr es ebenfalls spüren würdet, so wie Jeremy es gespürt hat."
„Aber, nii-san, er hat nichts gesagt, hat es für sich behalten, darum habt ihr es nicht bemerkt", schaltete sich Linali ein. Von allen, die das sagen hätten können, hätte er ihr das noch am ehesten geglaubt, und das wussten sie genauso gut, wie die Chinesin es wusste.
„Danke für deine Nachsicht, aber das ist keine Entschuldigung dafür, dass es erst soweit kommen musste, bevor wir die Möglichkeit zogen. Bevor ich die Möglichkeit in Betracht zog." Komui seufzte. „Jeremy weiß, dass es größtenteils meine Schuld war, und sogar er hat gesagt, das wäre es nicht."
„Es fühlt sich nur nicht so an, nicht wahr?", meinte Jinai mitfühlend. Das Gefühl kam ihr sehr bekannt vor.
„Nein", antwortete Komui und zum ersten Mal in diesem Gespräch lag so etwas wie ein Lächeln auf seinem Gesicht.
„Was ich nicht verstehe", sagte Lavi unvermittelt, „ist, was diese schwarze Hand sein soll. Es ist ja offensichtlich kein Waffen-Innocennce, sonst könnte er es ja abnehmen, oder? Das sieht eher aus wie ein Parasitentyp."
„Damit wird man doch geboren", warf Allen ein. Er musste es ja wissen, immerhin war er außer Jinai der einzige Parasitentyp in der Runde und die hatte ihres von Marschall Cross erhalten. Das schien ihm gerade auch aufzugehen, denn jetzt sah er die Exorzistin fragend an. „Oder?"
„Ich weiß es nicht", erwiderte Jinai. „Ich denke, normalerweise wird man damit geboren. In meinem Fall war es zwar ein wenig anders, aber ich würde das nicht als Normalfall behandeln."
„Wie hast du es denn bekommen? Das hast du nie erzählt", wandte Anna ein.
„Eigentlich habe ich es nicht einmal bekommen. Cross – Marschall Cross hat sich die ganze Zeit darüber beschwert, dass ich es ihm weggenommen hätte. Tatsache ist, als ich mitten in der Luft aufgetaucht und auf ihm gelandet bin, habe ich es unglücklicherweise verschluckt." Es sprach für die jetzt wesentlich gelöstere Stimmung, dass ein paar der Anwesenden zu grinsen begannen. „Ja, schaut nicht so, das kann passieren", sagte Jinai ein wenig betreten. „Auf jeden Fall befand es sich in meinem Körper. Vielleicht ist das die Voraussetzung dafür, es wie ein Parasiten-Innocence benutzen zu können."
„Bei Jeremy können wir das vorläufig noch nicht so genau sagen", meldete sich Komui wieder zu Wort. „Erst einmal muss er gesund werden und danach müssen wir einen Haufen Tests machen und dann kann er vielleicht anfangen, sein Innocence zu benutzen."
„Dabei wäre ich ihm gerne behilflich", mischte sich Cloud Nine zum ersten Mal in die Unterhaltung ein. Bis jetzt hatte sie nur stumm zugehört, aber da sie Jeremy unter ihre Fittiche genommen hatte, schien sie sich zum Teil für ihn verantwortlich zu fühlen. Komui begrüßte das Angebot jedenfalls dankbar. Es schien ihm besser zu gehen, nachdem er seine Schuldgefühle offen ausgesprochen hatte, und die Gruppe war schon in Auflösung begriffen, als Lavi auf Jinai zutrat und ihr vertraulich einen Arm um die Schultern legte.
„Imouto, darf ich dich zum Essen einladen?"
„Wir bezahlen hier nicht."
„Lass mir die Illusion."
Jinais Blick wanderte über die verbliebenen Exorzisten, darunter auch Kanda, und sie zögerte einen Moment, bevor sie nickte. „Meinetwegen."
Lavi lotste sie direkt in den Speisesaal, wo sie rasch an einem der Tische Platz nehmen konnten. Auch hier machte sich der Verlust vieler Ordensmitglieder bemerkbar, denn so viel Platz gab es hier normalerweise nicht. Ständig schwirrten hier Finder auf Essenssuche herum …
„Also gut, was ist los?", fragte Lavi, nachdem Jinai die ersten zwei Minuten ihres Mahls schweigend überstanden hatte.
„Nichts. Was soll denn los sein?", fragte sie zwischen zwei Löffeln Tomatensuppe.
„Soll das ein Witz sein? Jetzt habt ihr euch über zwei Monate nicht gesehen, länger sogar, und eigentlich hatte ich erwartet, dass ich dich mit einem Stemmeisen von ihm losreißen muss, um mit dir zu reden. Stattdessen sitzt du hier, schweigst und frisst alles in dich hinein und damit meine ich nicht die Suppe. Ich kenne dich, Jinai, da ist doch etwas im Busch."
Jinai musste sich dazu durchringen, etwas zu erwidern, das sah er ihr an. Anscheinend lag einiges im Argen, aber was das war, konnte sich Lavi beim besten Willen nicht vorstellen. Sie hatten sich kaum voneinander losreißen können, als Jinai nach Osten aufgebrochen war, und er hatte so wie alle anderen auch gesehen, wie sie sich in Edo wieder getroffen hatten. Als sie mit der Arche hierher zurückgekehrt waren, schien auch noch alles in Ordnung zu sein. Was war seit ihrer Entlassung aus dem Krankenflügel vor ein paar Stunden passiert, das all das veränderte?
„Mag sein", gestand Jinai schließlich. „Aber das ist nicht dein Problem." Es fühlte sich ein wenig seltsam an, jetzt bewusst Kandas Nähe zu meiden, nachdem sie so lange darauf gewartet hatte, ihn wiederzusehen. Aber es fühlte sich auch seltsam in seiner Nähe an und die Exorzistin war ratlos, wie sie sich dann verhalten sollte. Andere Probleme konnte sie einfacher lösen als dieses. Sie waren sich einig, dass beide in Edo nur so gehandelt hatten, wie sie handeln konnten, und niemand hatte dem anderen etwas vorzuwerfen. Es würde wahrscheinlich auch nicht das letzte Mal sein. Was so an ihr nagte, war das, was er ihr noch erzählt hatte. Zu sagen, es hätte sie schockiert, war noch untertrieben. Natürlich konnte man es Kanda nicht anlasten, denn er konnte nichts für seine Herkunft, aber Jinai wusste nicht, ob sie so einfach darüber hinwegsehen konnte, jetzt, wo sie es wusste. Sollte sie überhaupt darüber hinwegsehen? Oder gab es eine angemessenere Art, damit umzugehen? Sie war ratlos. Wie oft erfuhr man schon, dass derjenige, den man liebte, das Ergebnis eines Experiments mit toten Exorzisten war?
„Was soll das heißen?", mischte sich Lavi in ihre Gedanken ein. „Du kannst mir doch alles erzählen."
„Darum geht es nicht", erwiderte sie und schüttelte den Kopf. „Ich habe mein Wort gegeben, es für mich zu behalten. Und ich stehe zu meinem Wort."
„Wem? Kanda?"
„Ja."
Lavi schwieg überrascht. Welches Geheimnis konnte Kanda Jinai anvertraut haben, das dafür sorgte, dass die beiden die Gesellschaft des jeweils anderen mieden? Schweißten Geheimnisse Leute nicht für gewöhnlich zusammen?
„Hör zu, ich weiß deine Fürsorge zu schätzen", sagte Jinai mit der Andeutung eines milden Lächelns, das trotzdem ein klein wenig kummervoll wirkte. „Aber in dieser Sache kannst du mir nicht helfen. Das muss ich mit mir selbst ausmachen … Ich muss eine Entscheidung treffen, das ist alles."
Lavi griff nach ihrer freien Hand. „Du weißt, dass ich hinter dir stehe, egal, worum es geht. Und egal, was Kanda getan hat, es ist es nicht wert, dass du deswegen traurig bist." Er hoffte zwar nicht, dass das die Beziehung der beiden zu sehr belasten würde, denn immerhin war der Japaner der Grund, warum Jinai in diese Welt zurückgekehrt war, aber wenn es zum Äußersten kommen sollte, würde er auch dann für sie da sein.
Das Lächeln auf dem Gesicht seiner Freundin wurde daraufhin noch trauriger. „Nein. Es ist nicht seine Schuld. Kanda hat gar nichts getan."
Leise, sehr leise klopfte es an Komuis Tür. „Herein", bat er überrascht. Er war es nicht gewohnt, dass hier irgendjemand klopfte.
Noch weniger, dass derjenige klopfte, der daraufhin eintrat.
„Kanda, was kann ich für dich tun?"
„Ich bin wegen den Details für die Mission hier."
„Ach ja, natürlich. Setz dich doch … wollte Jinai nicht mitkommen?"
Es herrschte ein paar Sekunden Schweigen, während Kanda näherkam und auf dem Sofa vor Komuis Schreibtisch Platz nahm. Erst als er saß, antwortete der Japaner nüchtern: „Ich denke, sie ist noch nicht soweit, wieder an einer Mission teilzunehmen. Sie braucht mehr Zeit, um sich zu erholen."
Komuis Augenbrauen wanderten verblüfft nach oben. So vehement, wie Jinai verlangt hatte, mitkommen zu dürfen, hatte er erwartet, dass der Exorzist die gleiche Meinung vertreten würde. Dass sie nicht einer Meinung waren, ließ ihn vorsichtig fragen: „Hattet ihr Streit?"
Der Blick, der ihn darauf traf, war mörderisch. Wenn Kandas Blicke tatsächlich die Kraft zu töten besessen hätten, würde er sich jetzt in den letzten Zuckungen am Boden winden. Ah ja. Kanda hatte also keinen Streit mit Jinai und wenn, ging es ihn überhaupt nichts an. Natürlich. Schon verstanden.
„Ich nehme an, sie weiß, dass sie nicht mitkommen wird?"
„Natürlich."
„Gut. Dann wollen wir mal."
„Wohin geht es?"
Komui zog eine dicke Mappe aus einem Stapel hervor, der bedrohlich wankte. Er konnte ihn gerade noch rechtzeitig wieder ausbalancieren. „Afrika."
Raffael: Dein Hang zu fiesen Cliffhangern, echt.
Jinai: Ja?
Raffael: Ach ... einfach zum Niederknien.
Jinai: Was wäre eine gute Geschichte ohne einen guten Cliffi?
Raffael: Zur Abwechslung mal schön zu lesen?
Jinai: Also, ICH finde, dass Cliffhanger sehr schön zu lesen sind. Hmpf.
Raffael: Du hast auch keinen Sinn für sowas. *zunge zeig*
Jinai: Sagt meine männliche Hälfte. *selbst zunge zeig* Also, Leute, das Sequel beginnt nächsten Sonntag, da lade ich das erste Chap hoch :D Ihr findet es dann unter dem Titel 'Breathe into me' ^-^
Raffael: Bleibt ihr trotzdem gewogen.
Jinai: Was heißt denn hier trotzdem? -.-
