Noch immer vollkommen fasziniert starrt Jenny durch das Loch in der Hecke, jedoch bleibt es ihr vollkommen unbemerkt, dass Deidara eine seiner Hände in die Tontasche steckt. Dort kaut sein Mund in der Handfläche auf einem Klumpen Ton herum, spuckt ihn schließlich wieder aus und nach einer kurzen Zeit des Knetens klettert ein Tausendfüßler an ihm hinab ins Gras. Das Mädchen ist weiterhin von dem Gespräch gefesselt, sodass ihr diese Gestik nicht auffällt, ebenso wenig, dass die Personen vor ihr, sich unauffällig Zeichen geben.
Der Ton-Tausendfüßler sucht seinen Weg durch das hohe Gras, durch die Hecke hindurch direkt neben das Mädchen, während die beiden Akatsuki sich weiter streiten. Ein leises Rascheln lässt Jenny einen Blick zu ihrer Linken werfen, erschrocken reißt sie die Augen auf, doch in diesem Moment lässt der Blonde das kleine Tierchen explodieren. Die, ungewöhnlich große, Druckwelle und auch ihr Instinkt verleiten sie dazu, einen Schritt, heraus aus ihrem Versteck, direkt zum Eingang zu machen. Unmittelbar in das Blickfeld der beiden Akatsuki.
Sie stolpert, kann sich jedoch gerade noch so halten und blickt nun mehr als schockiert zu den beiden. Deidara sieht mit einem leichten, triumphierenden Grinsen zu ihr herüber, Sasori dagegen scheint wenig beeindruckt. Während der Blonde seine Hände wieder sinken lässt, die er zuvor für das Zeichen zum Explodieren seines Tons gefaltet hatte, kommt Jenny ein Gedanke in den Sinn.
Wie konnte er den Tausendfüßler explodieren lassen? Und wie ist der überhaupt dahin gekommen? Irgendetwas kann doch hier nicht stimmen. Ein wenig ängstlich sieht sie zu den beiden herüber, ein erneutes Rascheln zieht ihre Aufmerksamkeit auf sich, doch sie ist nicht im Stande sich danach umzusehen. Ihr Körper ist vollkommen gelähmt, reagiert in keinster Weise auf ihre Befehle und macht auch nicht den Anschein, dass in nächster Zeit zu tun.
Erneut rast ihr Herz, hämmert wieder wie wild und ihr Atem ist unruhig. Angstgezeichnete Augen blicken wieder zu den beiden Mantelträgern, da erkennt sie auch die Ursache für ihre Unfähigkeit sich zu bewegen. Sasori lässt seinen Marionetten-Künsten freien Lauf, seine Hände sind in ihre Richtung gehalten und dünne bläuliche Fäden gehen von ihnen aus. Direkt zu ihrem Körper, befestigt an Armen, Beinen, dem Rücken und dem Kopf. Unweigerlich muss sie schlucken, für sie ist das alles ein riesiges Mysterium, so etwas sollte eigentlich überhaupt nicht möglich sein.
Plötzlich bemerkt sie, dass eine weitere Person zu ihnen gestoßen ist, Schritte lassen sie dies vermuten. Die Angst, die sich in ihren Augen widerspiegelt scheint sowohl Sasori als auch Deidara zu gefallen. Auf ein Mal merkt sie, dass ihr Körper ihr wieder vollkommen hold ist, sie wankt zwar noch etwas, fasst sich jedoch schnell wieder.
Jennys nächster Blick lässt sie umfahren, was sie dort sieht lässt sie schon an ihrem letzten bisschen Verstand zweifeln. Sie gibt zu, dass sie sich extra auf den Weg gemacht hat, um einen Naruto-Cosplayer zu sehen, jedoch hat sie sich das alles etwas anders vorgestellt. Bekanntschaft wollte sie auch nicht unbedingt machen, und dann hätte sie bestimmt nicht gedacht, dass dieser sogenannte Cosplayer Tonbomben explodieren lassen kann. Gibt es einen Fernzünder und sie hat sich das andere nur eingebildet? Vielleicht mit Fernsteuerung, sodass er auch laufen kann. Ok, das wäre noch möglich, aber wie lässt sich das erklären, was Sasori mit ihr veranstaltet hat? Eine Schockstarre kann es unmöglich sein, das wäre anders gelaufen und vor allem wären da nicht diese bläulichen Fäden, wie sie sie auch aus dem Anime kennt. Also, wie ist das möglich, und dann auch noch das, was sie jetzt sieht!
Keine zwei Meter vor ihr steht, mit völlig emotionslosem Blick, Uchiha Itachi. Seine Augen leuchten in einem rot, darin sind die drei schwarzen, tropfenartigen Muster zu sehen, das Sharingan. Wieder muss Jenny schlucken, deutlich nervöser macht ihr Blick weiter die Runde und mit jeder weiteren Person, die ihr nur allzu bekannt ist, wird sie zunehmend unruhiger, sie ist sich ziemlich sicher, dass sie ein großes Problem hat!
Hinter ihm sind noch Hidan, Kisame, Kakuzu, Zetsu, Tobi und Konan zu sehen. Keiner von ihnen wirkt ihr wirklich freundlich gesonnen, oder in anderer Weise positiv. Zudem behagt ihr diese Stille und Ungewissheit, die sich merklich in ihr breit macht, überhaupt nicht. Deidara und Sasori stehen noch immer hinter ihr auf dem Spielplatz, doch plötzlich vernimmt sie eine Stimme von genau diesem Ort.
„Wie ist dein Name?", keine Schwankungen, keine Wärme, nur ein kalter, herrischer Ton, der keine Widerrede oder Nichtbeachtung duldet. Diese Stimme jagt Jenny einen eiskalten Schauer über den Rücken, langsam dreht sie sich in die Richtung dieser Stimme um. Diese ist ihr irgendwie bekannt, und sie weiß ganz genau, wen sie gleich sehen wird. Dennoch seine Erscheinung verleiht ihm eine gewisse andere Ausstrahlung.
Immer noch schwer atmend sieht sie zu der Person. Den Blickkontakt kann sie nicht lange halten, sie sieht zu Boden und versucht sich erst ein Mal zu sammeln. Tief atmet sie noch ein Mal ein und aus. Schließlich antwortet sie ihm mit zittriger und unsicherer Stimmlage, den Blick weiterhin gen Boden.
„Mein … Name ist … Jennifer Stein.", nervös kaut sie auf ihrer Unterlippe herum, während sich wieder diese unheimliche Stille über die Gruppe legt. Am liebsten hätte Jenny jetzt ihre Beine in die Hände genommen und wäre los gelaufen, doch ihr Verstand macht ihr deutlich, dass dies keine gute Idee wäre. Immerhin weiß sie nicht, was mit diesen Personen nicht stimmt.
Die grauen Iriden mit dem Ringmuster, dem Rinnegan, blicken zu den anderen Akatsuki-Mitgliedern. Sehen sie bestimmend an, machen ihnen deutlich wie der nächste Schritt aussehen wird. Auch von Jenny bleibt das nicht unbemerkt, was sie nur noch unruhiger macht, halt suchend krallt sie sich in die Hecke hinter ihr. Nicht sehr hilfreich und vor allem ein wenig schmerzhaft, bei den Dornen, doch sie sieht sonst keinen Halt in ihrer Umgebung. Erneut ist es die Stimme des orangehaarigen Leaders, die Jennifer aus ihren Gedanken reißt und sie zwingt ein wenig auf zu sehen. Doch seine Worte sind nicht an Jenny gerichtet, sondern viel mehr an die übrigen Mitglieder.
„Ihr wisst Bescheid?!", prüfend sieht er jedes einzelne Mitglied an, woraufhin alle einstimmig nicken, dann fährt er fort. „Geht!", nicht ein Mal eine Sekunde später ist nichts mehr von den anderen neun Mitgliedern zu sehen. Nur noch Pain, der Leader steht an Ort und Stelle, sowie eine total verängstigte Jennifer.
„Du kennst uns!", stellt er mehr fest, als dass er sie fragt. Ertappt zuckt die Angesprochene unter den wachsamen Iriden des Leaders zusammen. Ein einfaches Nicken symbolisiert dem Fragenden, dass er damit recht hat, doch zur Verwunderung der Schwarzhaarigen fragt er nicht weiter. Lässt dieses Wissen einfach so im Raum stehen, ohne weiter darauf einzugehen, zumindest vorerst.
„Dann weißt du auch, dass man sich uns besser nicht wiedersetzen sollte!", wieder mal ist es mehr eine Feststellung und ein erneutes Nicken ist seitens Jennifers zu sehen. Pain nimmt es so hin. „Gut. Du wirst es auch hinnehmen müssen, dass ich mit zu dir kommen werde!", an seinen Gesichtszügen hat sich nichts geändert, doch Jennys haben sich zu einem völlig fassungslosen Ausdruck verändert. Unverständlich starrt sie ihn an, fasst sich jedoch wieder und schauert unter dem Blick des Leaders erneut zusammen.
Sie versucht erneut die Stimme zu erheben, wieder mal leicht zittrig und unsicher. „Warum?", doch weiter kommt sie nicht. Pain steht plötzlich neben ihr, den Abstand von einst 15 Metern hat er innerhalb eines Lidschlages überwunden. Ohne großen Kraftaufwand packt er sie am Kragen, hebt sie ein wenig hoch und drückt sie in die Hecken, woraufhin die Dornen beginnen sich in die Haut Jennys zu bohren. Einen kurzen Aufschrei kann sie nicht verhindern, ihr Herz schlägt schneller denn je, der Atem stockt. Die Augen sind panisch auf den Leader gerichtet, der dem Blick mit nahezu gefrierender Kälte begegnet.
„Ich glaube nicht, dass du in der Situation bist, um Fragen zu stellen. Du wirst hinnehmen und tun, was man dir aufträgt, ohne nachzufragen. Ich kenne Mittel und Wege, um dir das klar zu machen, glaub mir das!", schneidend scharf dringen diese Wort zu Jenny durch. Mehr und mehr Panik macht sich in ihr breit. Hastig nickt sie soweit es ihr möglich ist und im nächsten Moment landet sie schon hart auf dem Boden. Pain geht schon ein Stück vor, während das Mädchen sich die schmerzende Stelle reibt, auf der sie gelandet ist.
„Komm!", fordert Pain sie auf. Ein erneuter Schauer jagt über den Rücken der Schwarzhaarigen, schnell steht sie auf und geht auf ihn zu. Ein Blick seinerseits und sie muss erneut schlucken, dann zeigt sie in die Richtung, in die sie gehen müssen. „Dort … in dieser Richtung … wohne ich.", gibt sie kleinlaut zu. Nun ist es Pain, der ihr zunickt und Jenny macht den ersten Schritt, vollkommen unsicher was sie hier überhaupt macht und wie sie in dieses Schlamassel geraten ist. Schnell kommt sie zu dem Schluss, dass es mal wieder ihr übertriebener Hang zu Neugier war.
Den ganzen Weg über schweigen die beiden und Jenny hängt ihren Gedanken nach. Sie muss an die ganzen Fanfiktions denken, in denen die Mitglieder der Akatsuki in ihrer Welt landen. Wie die Hauptcharaktere ihren Missmut laut äußern, die ‚Ankömmlinge' herumkommandieren und sich nichts sagen lassen. Und zu allem Übel, machen die Schwerverbrecher auch noch genau das und lassen sich auf der Nase rumtanzen.
Eigentlich ist Jenny auch ein solcher Typ, der immer seine Meinung sagt, doch nachdem was sie innerhalb der kurzen Zeit erlebt hat, überlegt sie sich zwei Mal, ob sie etwas sagt. Innerlich hat sie sich zwar immer gewünscht, dass sie einem dieser Mantelträger in real begegnet, doch sie hat sich niemals träumen lassen, dass es in dieser Hinsicht für sie ausgehen würde. Ehrlich gesagt ist sie sich nicht mal sicher, ob diese hier davor zurückschrecken würden, einen Menschen zu töten. Mittlerweile ist sie sich bei vielem nicht mehr sicher.
Kurze Zeit später erreichen sie die Haustür zu dem Haus, in dem Jenny wohnt. Sie sperrt die Wohnung auf, tritt ein und lässt auch den ungebetenen Gast hinein. Dann schließt sie die Tür und legt den Schlüssel auf den kleinen dunkelbraunen Schrank im Flur. Pain hingegen erkundet schon auf eigene Faust die Wohnung, und das Ganze zu Jennys wohlwollen, denn sie ist auch froh ihn erst ein Mal nicht zu sehen. Dass würde ihr noch in nächster Zeit noch oft genug blühen.
Ein wenig Panik kriecht auch in ihr hoch, als sie daran denkt, was Pain ihr auf dem Spielplatz gesagt hat. Was würde er machen, wenn sie etwas falsch machte? Sie hatte wirklich keine Ahnung, nicht ein Mal ansatzweise, welche ‚Mittel und Wege' das sein sollten. Am besten wäre es wohl, wenn sie sich noch ein Mal ausgiebig, über ihn und die Akatsuki informieren würde. Zwar kennt sie alle wichtigen Daten von den Mitgliedern auswendig, vielleicht hat sie aber auch ein zunächst unwichtig erscheinendes Detail übersehen?!
