Mit ruhigen Schritten geht das Mädchen die Treppe hinauf, den Flur entlang, bis hin zur letzten Tür auf der rechten Seite. Die braune Holztür ist bereits geöffnet, und so erkennt Jenny auch, dass niemand in ihrem Zimmer ist. Innerlich erleichtert ausatmend geht sie hinein und fährt ihren silbernen Laptop, der auf ihrem metallenen Tisch steht, hoch. Sie nimmt auf dem davorstehenden, lehnenlosen Drehstuhl platz und trommelt nervös mit ihren Fingern auf ihren Oberschenkeln.
Nichts ist im Haus zu hören, lässt jeden Außenstehenden vermuten, dass niemand zu hause wäre und doch sind dort Personen zu finden. Selbst Jennifer kann nichts, keine Schritte oder sonstiges auf dem Flur hören, was sie nur noch nervöser macht. Immer wieder huscht ihr Blick vom Bildschirm ihres Laptops zur Tür.
Dann endlich ist ihr tragbarer Computer hochgefahren und sie kann das Internet, den Freund und Helfer, öffnen. Schnell hat sie ihre Informationsseite über Naruto geöffnet, dort sucht sie schon gleich die Links zu den ganzen Akatsuki-Mitgliedern heraus. Zehn Tabs über die Charakter und ein Tab über die allgemeine Geschichte der Organisation sind geöffnet. Mit ernster Miene beginnt sie die ersten Informationen in sich aufzusaugen, wobei sie wiederum bedrückt bemerken muss, dass sie eigentlich schon das Meiste davon weiß.
Wieder mal ist sie zu sehr auf eine Sache konzentriert, als dass sie merken würde, wie Pain an ihrem Zimmer ankommt. Die Arme vor der Brust verschränkt, lehnt er sich gegen den Türrahmen und beobachtet sie eine Zeit lang bei ihrem Tun.
Nachdenklich kratzt sich die Schwarzhaarige am Kopf, sie hat bei dem ersten Beitrag nichts Neues erfahren. Doch dann merkt sie eine Präsenz und reflexartig wendet sie sich zur Tür, die sie, während der Zeit des Lesens, außer Acht gelassen hat. Erschrocken darüber, dass Pain an der Tür steht, zuckt sie merklich zusammen. Dieser mustert sie jedoch weiter, dann gleitet sein Blick weiter zu dem Laptop auf dem immer noch die diversen Tabs geöffnet sind. Eine Zeit lang verweilt er dort, dann sieht er wieder zu Jenny.
„Was liest du da?", fragt er auch sogleich nach und sieht ihr dabei in die Augen. Nervös gilt ihr Blick kurz den Internetseiten, sie kaut sich auf der Unterlippe herum. „Ich habe etwas für … die Schule nachgesehen!", antwortet sie ihm schnell. Vielleicht etwas zu schnell, augenblicklich bemerkt er, dass sie lügt.
„Letzte Chance.", gibt er ihr nur immer noch genauso ruhig wie vorher zurück. Das macht sie nur noch unsicherer, besonders als er sich von dem Rahmen abdrückt und mit langsamen Schritten auf sie zu geht. Seufzend antwortet sie ihm wahrheitsgemäß. „Das sind Informationen über … Akatsuki!"
Nur ein kurzer Blick gilt er Jenny, dann wendet er sich wieder dem Laptop zu. Pain steht direkt neben der Schwarzhaarigen, diese steht ebenfalls schnell auf. Fühlt sie sich so um einiges sicherer, als wenn sie sitzt.
„Zeig mir, was du gelesen hast!", fordert der Leader sie schließlich barsch auf und setzt sich auf den frei gewordenen Platz. Nervös fährt Jenny mit der Maus, die per USB-Anschluss an den Laptop angehangen wurde, wieder zum ersten Tab. Dieser enthält die allgemeinen Informationen über die Organisation.
Gerade als er beginnt die Seite zu lesen, klingelt das Telefon. Damit hat das Mädchen nicht gerechnet, deshalb schreckt sie auch kurz auf. „Das ist das Telefon.", erklärt sie dem Leader, der allerdings dabei nicht aufsieht. Jenny ist sich jedoch nicht sicher, ob es in der Welt von ‚Naruto' Telefone gibt. Sonst könnte die Hokage ja auch einfach die Shinobi anrufen, wenn sie eine Mission zu erteilen hätte. Na ja, soll nicht ihr Problem sein, sie verlässt das Zimmer und geht ein Stück weit den Weg zurück.
Mittig im Flur, steht ein kleiner Schrank, auf dem eine schwarze Telefonanlage steht. Der Bildschirm blinkt auf und zeigt somit an, dass ein Anruf unmittelbar eingeht. Die Nummer ist jedoch unterdrückt, statt den Zahlen steht einfach vier Mal ein ‚X' da. Tief durchatmend hebt sie ab.
„Stein Jennifer?", fragt sie mit relativ ruhiger Stimme. „Konnichi wa Jenny, ich bin's Marlene.", meldet sich eine aufgeregte weibliche Stimme auf der anderen Seite der Leitung. „Hy, Marlene. Wie geht's dir?", fragt Jenny, um sich möglichst nichts anmerken zu lassen. „Ganz gut soweit. Aber ich muss dir unbedingt etwas zeigen, ich komme gleich vorbei!", antwortet Marlene nur noch aufgedrehter als zuvor.
Jenny geht, sich selbst beruhigend, den Flur auf und ab. „Marlene, das ist ganz schlecht glaub mir. Vielleicht wann anders?", versucht sie ihrer Freundin klar zu machen, dass sie im Moment nicht im Stande ist, Besuch zu empfangen. Doch diese geht gar nicht darauf ein. „Doch, doch! Es wird dir wirklich gefallen, das musst du mal sehen. Na ja, man kann eigentlich nicht ‚das' sagen."
Sich innerlich die Haare raufend, verbleibt Jenny schließlich am anderen Ende des Flures in der Ecke stehen. Dort lehnt sie sich an die Wand neben sich, den Blick gegen die Wand unmittelbar vor liegt. „Marlene bitte, du kannst jetzt nicht vorbei kommen. Das kommt wirklich ganz schlecht, ich habe im Moment ein kleines Problem." Doch ihre Freundin ist immer noch nicht einsichtig und scheint Jennys Sorge gar nicht wahrzunehmen. „Dann wird dich mein Besuch sicherlich aufheitern. Bis gleich dann, bye!" – „Marlene?", verzweifelt ruft sie den Namen ihrer Freundin in den Hörer, doch nur der bekannte Ton, signalisiert ihr, dass sie bereits aufgelegt hat. „Marlene?"; brüllt sie schon fast hinein, den Tränen nahe.
Was sollte sie nur machen? Marlene handelt mal wieder etwas unüberlegt und ist nun direkt auf dem Weg zu Jenny, um ihr irgendetwas zu zeigen. Der Weg ist nicht sehr weit, sie wohnen nur vier Straßen voneinander entfernt, also müsste sie in wenigen Minuten da sein. Jenny ist sich absolut nicht sicher, wie sie Marlene am besten dazu bringt, auf dem Absatz wieder kehrt zu machen.
Seufzend lässt sie ihren Kopf nach vorne gen Wand fallen. Sie drückt abwesend mit der Hand auf den roten Hörer des Telefons, um nun auch aufzulegen. Danach lässt sie ihre Hand wieder sinken, die Gedanken schwirren noch immer um Marlene und ihr sogenanntes Mitbringsel. Erneut muss sie seufzen.
Doch gerade als sie sich, wenn auch nicht ganz freiwillig, auf den Weg zurück in ihr Zimmer machen will, spürt sie wieder das dort jemand ist. Und wer konnte das schon sein, wenn niemand aus ihr und Pain im Haus ist?!
Immediat hinter ihr steht ihr ungebetener Gast und hindert sie so, einen Schritt nach hinten zu machen. Seine rechte Hand stützt sich genau an der Wand ab und lässt Jenny auch in diese Richtung keinen Ausweg. Zu seiner Linken ist die Wand, an die sich die Schwarzhaarige kürzlich erst gelehnt hat.
Wieder verfällt Jenny in eine leichte Panik, sie spürt seinen Atem in ihrem Nacken, woraufhin sich die empfindlichen, kleinen Haare unwillkürlich aufstellen und eine Gänsehaut hinterlassen. „Mir scheint es, dass du nicht sehr erfreut über den Besuch bist?!", diagnostiziert er in seiner gewohnt kalten und unnahbaren Stimme. Die Angesprochene zuckt unter dem erneut aufkommenden kalten Schauer, der über ihren Rücken gleitet, zusammen. Sie kann es sich nicht erklären, aber irgendetwas gefällt ihr an seiner Art. Sie mag diese Kälte, die er ausstrahlt, ebenso wie seine gebieterische und mahnende Umgangsform.
Ein angenehmes Kribbeln durchfährt ihre Magengegend, als sie seine Worte aufnimmt. Gleichzeitig macht sie seine Nähe auch unglaublich nervös, doch sie antwortet ihm nicht, jedoch hat Pain auch keine Antwort erwartet. Viel mehr hat diese Frage einen rhetorischen Hintergedanken, schließlich wusste er selbst schon die Antwort auf seine, soeben gestellte, Frage.
„Ich könnte dir ein Angebot machen.", setzt er erneut an, weshalb Jenny ihren Kopf leicht nach rechts dreht, um ihm zu signalisieren, dass sie ihm zuhört. Innerlich muss Pain Grinsen, sie ist so leicht zu durchschauen und so leicht zu beeinflussen. Ihm ist sofort die Reaktion ihres Körpers aufgefallen, nachdem er sie direkt angesprochen hat. Schnell wird dem Leader klar, dass er bei ihr wohl ein leichtes Spiel haben wird, wenn er seinen Plan in die Tat umsetzen wird.
Ruhig fährt er fort, während er seine linke Hand auf ihre Schulter legt, von dort zu ihrem Hals fährt und sich eine schwarze Strähne durch die Finger gleiten lässt. Erschrocken, über sein Tun, zuckt Jenny kaum merklich zusammen. „Ich schlage dir vor, dass ich solange deine Besucher da sind, hier oben bleibe. Ich werde deinem Besuch nichts antun, oder sonst etwas tun. So als Gegenleistung dafür, dass du mich hier wohnen lässt."
Jennifer ist klar, dass keine Gegenleistung dafür wäre, dennoch willigt sie ein, was bleibt ihr auch anderes übrig, wenn sie ihre Freundin nicht ausliefern will. Sie nickt ihm zu, um zu zeigen, dass sie auf sein Angebot eingeht. Erneut muss sich Pain ein Grinsen verkneifen, als er ihr zaghaftes Nicken sieht und ihre Reaktion auf seine Berührung hin, verstärken nur noch seine Vermutung.
In diesem Moment klingelt es an der Tür und Pain lässt von der Schwarzhaarigen ab. „Gut!", sagt er nur noch, während er sich zurück auf den Weg in Jennifers Zimmer macht. Schluckend sieht diese ihm nach, schüttelt jedoch, nachdem er aus ihrem Sichtfeld verschwunden ist, den Kopf. Dann macht sie sich, die Gedanken erneut sortierend, auf den Weg zur Haustür. Ein zweites Klingelzeichen holt sie zurück in die Realität holt.
Ein Stimmengewirr lässt Jennifer die Stirn runzeln, schließlich hat sie nur ihre Freundin erwartet oder ist dieses ‚Mitbringsel' etwa eine Person? Etwas verärgert darüber keinen Türspion angebracht zu haben, drückt sie die Klinke hinunter und öffnet die Tür. Augenblicklich ist es still, ihr erster Blick gilt ihrer Freundin, diese lächelt sie an. Doch dann wendet sich der Blick der 16-jähreigen zu der zweiten Person, der Person, die Marlene mitgebracht hat. Mit einer Mischung aus Verzweiflung und Ungläubigkeit starrt sie diesen Jungen an, ihr schießt sofort ein Gedanke durch den Kopf. Nein, bitte nicht er! So ziemlich jeder andere, aber doch bitte nicht er! Warum?
