Immer noch steht eine breit grinsende Marlene vor der Haustür. Ihre rotbraunen Locken hängen ihr locker über die Schulter und verdecken ein wenig ihr Gesicht, jedoch keines ihrer saphirblauen Augen. Sie trägt eine weiße dreiviertel Hose und ein braunes, luftiges T-Shirt. An ihrem linken Handgelenk ist eine große schwarze Digitaluhr, da sie so ihre Probleme mit den Zeigern hat.
Stetig wippt sie mit ihren schwarzen Sandalen von den Zehenspitzen zum Ballen und verschränkt die Arme auf ihrem Rücken. Dabei grinst sie ihre Freundin immer noch unentwegt an, zu sehr ist sie über ihren verwirrten Gesichtsausdruck amüsiert. Ihre Begleitung mustert Jenny neugierig, lächelt sie aber ebenfalls freundlich an, dann streckt er ihr freudig die rechte Hand entgegen.
„Ah, du musst Jen-chan sein! Mar-chan ha mir viel von dir erzählt und das du auch so viel über uns weißt." Ein wenig verwirrt über diese Art und Weise nimmt sie nur geistesabwesend die Begrüßung entgegen. Dabei mustert sie ihr Gegenüber genauer. Er trägt, wie auch im Anime seinen üblichen Trainingsanzug und schwarzen Ninja-Sandalen, dazu das typische Stirnband und das übliche freundliche und gleichzeitig freche Grinsen. Doch dann fängt er erneut an zu erzählen.
„Ich stell mich trotzdem mal vor. Also, mein Name ist Uzumaki Naruto, der coolste Ninja in Konoha und der zukünftige Hokage. Es freut mich dich kennen zu lernen, echt jetzt!"
Jetzt kann sich Marlene nicht mehr vor Lachen halten, sie krümmt sich und hält sie nach Luft schnappend am Bauch. „Jenny, du müsstest dein Gesicht sehen. Das ist urkomisch!", lacht sie darauf los, doch der Angesprochenen ist es im Moment nicht nach Lachen.
„Lasst uns doch erst ein Mal reingehen!", meint Marlene, nachdem sie sich wieder einigermaßen erholt hat und schiebt sich an ihrer Freundin vorbei in die kühle Wohnung. Immerhin sind es draußen 28°C und da zieht man sich eine kühle Wohnung doch schon mal vor.
Klare Gedanken fassend atmet Jenny tief durch und folgt den beiden in ihr Wohnzimmer. Dort hat sich ihre Freundin schon auf der zwei-sitzer Couch breit gemacht hat. Naruto setzt sich nach kurzem umsehen daneben, nur Jenny steht noch im Türrahmen.
„Wollt ihr etwas drinken?", fragt sie schließlich und erhält von Naruto auch schon gleich eine Antwort. „Klar, ich hätte gern ein Wasser!" Marlene hält er ihr nur zwei Fingern entgegen und die Schwarzhaarige weiß Bescheid.
Mit drei Gläsern und einer Flasche Wasser kommt sie kurze Zeit später aus anliegender Küche wieder. Jenny setzt sich auf den Sessel gegenüber und schenkt jedem ein. Sie nimmt einen großen Schluck aus ihrem Glas und versucht damit ihre Sorgen zumindest für einen kurzen Moment herunter zu schlucken. Geräuschvoll stellt sie das Glas wieder auf den Marmortisch und sieht ihre Freundin und dann Naruto an.
„Sag mal Naruto, kannst du auch die Schattendoppelgänger erschaffen?", fragt sie geradewegs und lehnt sich in den gemütlichen beigen Sessel zurück, der Angesprochene grinst daraufhin nur an. „Klar!", gerade als er das Fingerzeichen formt, wirft Marlene noch einen Kommentar ein. „Aber nur zwei oder drei Doppelgänger Naruto, sonst ist die Bude voll!", kurz muss sie auflachen, während Naruto einen zweiten Versuch startet.
„Kage Bunshin no Jutsu!", ruft er laut aus und schon stehen drei waschechte Naruto-Doppelgänger in dem Wohnzimmer.
Nun muss Jenny doch lächeln, Naruto hat wirklich eine ganz eigene Art, die Leute in seiner Umgebung aufzumuntern. Kurz darauf verschwinden die Klone wieder in einer weißen Rauchwolke und wieder muss Marlene ihre Freundin angrinsen.
„Mit so etwas hast du nicht gerechnet, oder?", fragt sie sie immer noch mit einem breiten Grinsen. „Na ja …", bringt Jenny nur heraus, sie hat zwar nicht mit Naruto gerechnet, aber es ist ja nicht so, dass sie heute nicht schon etwas Ähnliches erlebt hat. Aber wenn sie jetzt sagen würde, dass ein Mitglied der Akatsuki, beziehungsweise sogar der Leader bei ihr im Haus ist, wäre Naruto mit Sicherheit nicht mehr zu stoppen. Das Haus müsste wahrscheinlich auch darunter leiden, denn das würde nicht wirklich freundlich bleiben, aber Jenny ist sich auch nicht sicher, wie weit sie in die Shippuuden-Zeit hineingetaucht sind. Naruto ist schließlich schon ziemlich gewachsen und benimmt sich auch nicht so kindisch, wie im ersten Teil, zumal er den neuen Trainingsanzug und das neue, schwarze Konoha-Stirnband trägt. Außerdem hat sie bei ihrem Treffen mit Akatsuki auch Sasori gesehen und Deidara hatte beide Arme, also müsste es noch ziemlich am Anfang sein. Da müsste sie wohl indirekt nachfragen.
„Wie hast du ihn eigentlich gefunden?", richtet Jenny ihre erste Frage an Marlene. Diese nimmt noch einen großen Schluck aus ihrem Glas und legt sich halbwegs entspannt auf die Couch.
„Also, dass war so: Ich habe heute morgen diese Nachricht über die Personen gehört und wollte welche sehen. So, dann bin ich meine Straße lang gelaufen und? Nichts! Also die nächste Straße, und? Wieder nichts! Mit der Zeit hat mein Kopf sich nur noch nach links und rechts gedreht, sodass ich nicht mehr nach vorne geschaut habe. Und dann hat es ziemlich gekracht. Natürlich bin ich gleich auf dem Boden gelandet und dann hat mir dieser junge Knabe ganz Gentleman-like aufgeholfen. Ja, und da er nicht wusste wohin, hab ich ihn einfach mit zu mir genommen. Meine Mutter fand ihn auch von Anfang an symphatisch und dann hat das also alles gepasst.", schließt sie ihre Rede, die sie mit einigen Gesten untermalt hat, ab. Eine Haarsträhne zwirbelt sie durch ihre Finger und blickt zu ihrer Freundin, während Naruto das ganze mit einem Nicken quittiert.
Jenny richtet ihre nächste Frage an Naruto. „Und du weißt nicht zufällig, wie du hier gelandet bist?", fragt sie vorsichtig, doch dieser kratzt sich verlegen am Hinterkopf. „Wenn ich das genau wüsste, aber weiß es wirklich nicht, echt jetzt!"
Seufzend nimmt die Schwarzhaarige das zur Kenntnis, woraufhin Marlene nachdenklich die Stirn runzelt. So langsam bemerkt sie die Besorgnis ihrer Freundin und macht sie Gedanken darüber, was sie bedrücken könnte.
„Und was hast du als Letztes getan?", fragt sie weiter und wendet ihren Blick gen Boden. Nachdenklich tippt sich Naruto mit seinem Zeigefinger auf sein Kinn. „Also ich bin vor kurzem erst nach Konoha von der Trainingsreise mit Jiraiya zurückgekehrt. Dann hab ich von Temari gehört, dass Gaara Kazekage geworden ist und dann kam auch schon der Kampf mit Sakura-chan gegen Kakashi-sensei! Aber mehr weiß ich auch nicht, auf ein Mal war ich dann hier und bin mit deiner Freundin zusammen gestoßen.", antwortet er und scheint wirklich über einen Grund nachzudenken, warum er in dieser Welt gelandet ist. „Ich glaube, dass auch noch andere Shinobi und Konoichi hier sind, sowohl von Konoha, als auch aus anderen Dörfern.", fügt er noch hinzu. Oder eben aus keinem Dorf mehr., beendet Jenny den Satz gedanklich.
Eine Zeit lang sitzen die Drei so da, und Jenny scheint auch für einen kurzen Moment vergessen zu haben, dass sie einen Massenmörder unter ihrem Dach zu sitzen hat. Doch die Stimme ihrer Freundin reißt sie aus ihren Gedanken.
„Jenny? Irgendetwas stimmt mit dir nicht, du bist doch sonst nicht so ruhig. Kann ich mal mit dir unter vier Augen reden?" Erneut seufzend stimmt diese nickend zu, steht auf und geht in das Esszimmer mit angrenzender Sitzmöglichkeit. Ihre Freundin folgt ihr, an der Türschwelle dreht diese sich noch ein Mal zu Naruto um, der ihr hinterher sieht. „Naruto! Du bleibst hier sitzen, rührst dich nicht vom Fleck und fasst, wenn möglich nichts an. Ok?", ertönt ihre ruhige Stimme und der Angesprochene grinst ihr entgegen. „Klar, Marlene-chan!"
„Also Jenny, was ist los?", fragt sie ihre Freundin leise und diese lehnt sich die Wand neben sich. Von dort kann sie ins Wohnzimmer sehen und sieht somit auch, was Naruto anstellt, doch dieser noch an seinem Platz und nimmt den Raum ein wenig genauer unter die Lupe. „Na ja, du bist nicht die einzige, die heute Morgen die Nachrichten gesehen hat!", beginnt sie mit ihrer Erzählung, während ihre Freundin ihr aufmerksam folgt. Mit einem Nicken macht sie der Schwarzhaarigen deutlich, dass sie ihr zuhört.
„Du kennst mich ja, ich bin extrem neugierig und wollte unbedingt einen solchen Naruto-Cosplayer sehen, aber ich habe lange Zeit keinen gefunden. Irgendwann bin ich dann zu unserem Spielplatz gekommen.", das Mädchen macht eine kurze Pause und muss schlucken. „Da hab ich dann endlich welche getroffen. Wobei ich mir das ganze doch etwas anders vorgestellt habe, aber was habe ich auch erwartet?", wieder macht sie eine Pause. Die Rothaarige hakt nach. „Wen hast du gesehen?"
Die Gedanken ordnend schließt die Angesprochene kurz die Augen, nur um sie ruckartig wieder zu öffnen. Darüber zu reden fällt ihr verständlicherweise nicht gerade leicht. „Ich habe zwei, uns nur zu bekannte Leute, getroffen. Oder sagen wir, zuerst ein Mal beobachtet. Dabei war ich wieder so unvorsichtig, dass ich nicht gemerkt habe, dass sie mich bemerkt haben. Tja und wie sollte es anders, bei meinem Glück, sein? Ich wurde angegriffen, wenn auch nicht in dem Ausmaß, wie es hätte sein können." Wieder bildet sich ein großer Kloß im Hals der Grünäugigen. Ihr Blick gleitet wieder in Wohnzimmer, in dem Naruto die Einrichtung interessiert mustert und ab und an etwas trinkt.
„Mir wurde da unmissverständlich klar gemacht, dass ich einen von ihnen aufnehmen muss. Immerhin hieß es Eine gegen Zehn, wobei ich sowieso nicht mal gegen einen eine Chance hätte." Wieder legt sie eine Pause ein und erneut bricht Marlene dieses Schweigen.
„Zehn? Sind es die, die ich meine die es sind? … Jenny, wer ist noch hier?", fragt sie mit etwas nervöser und mitleidiger Stimme.
Doch ehe Jenny auch nur im Stande ist, eine Antwort zu geben, ertönt eine dunkle, gefrierend kalte Stimme aus der Dunkelheit der Sitzecke. Graue Augen starren Jenny und ihre Freundin eindringlich an. „Ich bin bei ihr untergekommen!", antwortet er in einem gewohnt ruhigen, aber befehlerischen Ton. Augenblicklich wird es Jenny heiß und kalt zugleich, langsam dreht sie sich in die Richtung aus der die Stimme kam und drückt sie gleichzeitig an die Wand. Ihre Freundin hingegen starrt Pain erschrocken und fassungslos an. Sie ist schon immer ein großer Fan der Akatsuki gewesen, genauso wie Jenny, die ja nur durch Marlenes zutun zu dem Manga gekommen ist. Aber sie hat nicht im Entferntesten daran gedacht, dass sich der Leader bei ihrer Freundin befinden würde. Vor allem weiß sie auch, dass Jenny ein absolut großer Fan von diesem ist und voll und ganz seine Ansichten, was Krieg und Frieden betrifft teilt. Ebenso hat sie sich sein Motto angeeignet.
Pain erhebt sich von dem Stuhl und geht auf die beiden zu, bis er nur noch circa zwei Meter von ihnen entfernt ist. Jedoch kann Naruto ihn so nicht sehen, der scheint auch mit anderen Dingen beschäftigt zu sein. Innerlich betet Jenny darum, dass Pain zumindest an seinen Worten festhält, dass er ihrem Besuch nichts antun würde. Aber kann man einem Nuke-Nin trauen? Andererseits ist er auch kein gewöhnlicher Abtrünniger, er ist ein Gott, so sagt er und kämpft aus anderen Gründen. Aber reicht das, um ihm zu trauen? Jenny starrt ihn mit einer Mischung aus Bitten und Angst an.
