Jenny sieht Pain weiterhin bittend an, doch dieser wendet seinen Blick zu ihrer Freundin. Neugierig mustert er diese von oben bis unten, diese muss darauf schlucken und bewegt sich keinen Millimeter. Jetzt ist klar, warum Jenny die ganze Zeit so zurückhaltend war. Um ehrlich zu sein, will Marlene gar nicht wissen, was dieser Kerl oder die anderen Mitglieder von Akatsuki ihrer Freundin schon angetan haben. Sie müssen sie ziemlich untergebuttert haben, denn normalerweise lässt sie sich von niemandem etwas sagen.

Pains Blick gleitet weiter zur Tür. Jenny meint für einen kurzen Moment ein minimales Grinsen auf seinem Gesicht gesehen zu haben und ihr ist auch klar, dass es wegen Naruto sein muss. Ein Jinchuuriki, der dieser Organisation auf jeden Fall noch fehlt. Auch sie sieht zu dem Chaosninja, wie er auch oft genannt wird. Zwar kann sie Naruto im Manga, und im Anime nicht mehr so wirklich leiden, da er so unbezwingbar wirkt, dass selbst der Leader sich für die Konoha-Shinobi opfert. Zähneknirschend beobachtet sie diese Spektakel weiter, doch zu ihrem Glück wendet Pain seinen Blick wieder ab.

„Das wäre eine äußerst reizvolle Gelegenheit.", meint dieser noch leise murmelnd und beobachtet Jennys Reaktion aus den Augenwinkeln. Die Schwarzhaarige reißt die Augen erschrocken auf und reibt sie schweißnassen Hände. „Pain-sama bitte!", flüstert sie schon beinahe um ihn auf sein Versprechen aufmerksam zu machen. Erneut muss der Leader innerlich grinsen, diese ergreift wieder das Wort, dieses Mal ist es jedoch an ihre Freundin gerichtet.

„Ich glaube ihr solltet gehen!", dabei sieht sie den Orangehaarigen weiterhin an. Marlene sieht zwischen den beiden hin und her, und antwortet ihrer Freundin leise. „Kommst du klar?" Normalerweise hätte Jenny jetzt laut angefangen zu lachen, was hat sich Marlene dabei gedacht? Natürlich kommt sie damit klar, beziehungsweise es bleibt ihr nichts anderes übrig und sie ihre Freundin in Sicherheit wiegen. Selbst wenn sie bleiben würde, könnte sie Jenny auch nicht helfen, sie wären beide machtlos dieser einen Person ausgeliefert. Zudem bestände die Möglichkeit, dass auch Naruto davon erfahren würde, dass sich Pain im Haus befindet. Jedoch möchte Jenny auch einen Kampf verhindern, zumal dieser in ihrem Haus stattfinden würde, und zum Zweiten, da Naruto sowieso verlieren würde. Schließlich ist er gerade erst von seiner Trainingsreise zurück gekommen.

Entschlossen nickt sie dieser zu, Marlene geht vorsichtig hinter Jenny vorbei. Pain behält sie währenddessen stets im Auge, doch der scheint sich dafür kaum zu interessieren. Die Schwarzhaarige ist froh, dass ihre Freundin mal auf sie hört und das Weite sucht. Innerlich erleichtert ausatmend entspannt sie sich etwas, während sie den Blick von Pain abwendet und ins Nichts starrt.

Marlene ist unterdessen wieder bei Naruto angekommen und versucht diesem unauffällig klar zu machen, dass sie jetzt gehen müssten. „Naruto-kun, wir müssen jetzt gehen. Jenny hat noch etwas Wichtiges zu tun, komm bitte." Doch dieser verschränkt trotzig die Arme vor der Brust. „Wir sind gerade erst angekommen, und wenn wir gehen, dann will ich mich auch noch von Jen-chan verabschieden!", dabei schließt er die Augen, um sein Missfallen deutlicher zu machen. Hilfesuchend blickt Marlene in die Dunkelheit des Zimmers, aus dem sie gerade gekommen ist.

Pain formt in einer immensen Geschwindigkeit einige seltsame Fingerzeichen und schon verschwindet er aus dem Raum, Jenny blickt verwirrt an die Stelle, an dem dieser gerade noch gestanden hat. Stirnrunzelnd sieht sie zu ihrer Freundin und entschließt sich, sich von Naruto zu verabschieden. Jetzt, da Pain nicht in ihrer unmittelbaren Nähe ist.

„Ah, Naruto. Es tut mir Leid, ich wollte mich noch von dir verabschieden und es tut mir Leid, dass ihr nicht so lange bleiben könnt. Vielleicht ein ander Mal!" Beim letzten Satz wirft sie einen kurzen Blick zu Marlene, die darauf nur unsicher lächeln kann. Freudig verabschiedet sich nun auch Naruto von Jennifer. „Ist schon ok. Aber ich spüre irgendein starkes Chakra, sag mal ist hier noch jemand?", fragt er und hält seinen Kopf leicht schief. Ertappt beißt sich Jenny auf der Unterlippe herum und muss nun von der Rothaarigen gerettet werden.

„Hey, Naruto ich glaube da draußen ist gerade Sasuke gewesen. Komm beeil dich, vielleicht kommt er wieder mit nach Konoha, wenn ihr zurückgeht.", ruft sie schon beinahe euphorisch und die Schwarzhaarige ist erstaunt, wie gut ihre Freundin schauspielern kann.

Neugierig blickt der Konoha-Nin zu Marlene. „Echt jetzt? Los mach schon, Mar-chan! Ciao, Jen-chan bis dann mal!" Und schon packt er die Rothaarige am Arm und zerrt sie in einem hektischen Lauf aus der Wohnung, dabei vergisst er sogar die Tür zu schließen. Seufzend schließt Jenny die Augen und kehrt für wenige Sekunden in sich. Das ist gerade noch mal gut gegangen! Danke Marlene., dankt sie gedanklich ihrer langjährigen Freundin.

Dann öffnet sie wieder die Augen und geht zur Tür, um diese zu schließen. Geräuschvoll fällt diese ins Schloss und nun bemerkt die Schwarzhaarige, dass sie schon wieder mit dem Massenmörder allein im Haus ist. Das beruhigt sie nicht ein Mal ansatzweise, im Gegenteil, sie kann nur hoffen, dass er bald wieder gehen würde. Aber wollte sie das überhaupt? So suspekt das auch klingt, aber es gefällt ihr, dass er hier ist, doch es tut sich ein weiteres Problem auf. Was ist, wenn ihre Schwester und ihre Mutter wieder auftauchen? Ihre Schwester ist sowieso schon misstrauisch, aber ihre Mutter ist auch nicht gerade jemand, die bereitwillig, ihr Fremde Leute im Haus übernachten lässt. Und dann auch noch auf eine ungewisse Zeit lang.

Den Gedanken vorerst abschüttelnd geht sie wieder ins Wohnzimmer, um die Gläser in die Küche zu bringen. Schnell ist auch diese Arbeit getan und Jenny ist ernsthaft am Überlegen, was sie als nächstes tun könnte. Schließlich macht sie sich doch Gedanken darüber, wie sie das Ganze ihrer Schwester und ihrer Mutter beibringen kann. Wahrscheinlich wird sie die klassische Methode mit dem Mitschüler wählen, er ist dann halt aus einer anderen Klasse. Das lässt sie sich spontan genau einfallen, aber Jenny kann nur hoffen, dass Pain auch das Ganze mitspielen wird. Ansonsten könnte ihre Mutter misstrauisch werden und das wäre ganz schlecht, denn der Leader würde darauf bestehen, dass er bleiben kann und das würde wiederum meiner Mutter nicht passen. Verständlich. Jedenfalls würde es definitiv eskalieren, also bleibt der Schwarzhaarigen nur noch das Hoffen.

Nach weiteren zehn Minuten entschließt sie sich nach Pain zu sehen, auch wenn ihr das nicht gerade gefällt. Schließlich stapft sie wieder die braune Holztreppe hinauf, bis hin zum letzten Zimmer. Dort angekommen wirft sie einen kurzen Blick hinein und erkennt, dass der Orangehaarige bereits alles durchgelesen haben muss. Ein kritischer Punkt, so findet Jenny, denn nun weiß er, was sie weiß. Ob ihr dieses Wissen zum Verhängnis wird?

Unschlüssig und gedanklich schon wieder abgedriftet steht sie im Türrahmen. Pain lehnt an der Wand und sieht nachdenklich aus dem Fenster, dennoch hat er genau gemerkt, wie Jenny wieder das Zimmer betreten hat. Bei einer Sache ist er sich sicher, Jenny würde ihn nicht einfach so gehen lassen. Bereits jetzt sucht sie ihn schon freiwillig auf, wenn er ehrlich ist, hat er es sich doch um einiges schwieriger vorgestellt. Aber es soll nicht zu seinem Nachtteil sein, im Gegenteil.

„Du weißt viel.", schlussfolgert er, dabei sieht er weiterhin aus dem Fenster. Jenny sieht nun wieder nervös zu ihm herüber. Was sollte sie ihm sagen? „Dann kennst du auch meine wahren Absichten.", fährt er mit seinen Erläuterungen fort. Die Schwarzhaarige muss daraufhin kurz schlucken und wendet den Blick ab, auch wenn er sie nicht ein Mal ansieht.

Kurzes Schweigen herrscht in dem Raum, während der Laptop in den Stand-By-Modus wechselt und viele rot-weiß-gestreifte Rohre schlängeln sich über den schwarzen Bildschirm, hinterlassen ein einziges Chaos. Ein Ebenbild zu Jennys derzeitiger Situation. Doch dieses Schweigen wird von Pain unterbrochen. „Wer lebt noch hier?", nun sieht er zu Jenny hinüber, die sich unbeabsichtigt in das Holz des Rahmens krallt.

„Meine Schwester und meine Mutter.", antwortet sie leise und kaum hörbar. Erneut spürt die Schwarzhaarige wie sie am Kragen gepackt wird und kraftvoll gegen die Flurwand gestoßen wird. „Du sollst antworten, sodass ich dich auch verstehen kann. Haben wir uns verstanden?", befiehlt er in einem energischen Ton. Jenny zuckt zusammen und versucht sich aus dem Griff zu lösen, doch vergebens. „J-ja!", stottert sie hervor, woraufhin sie zumindest wieder Boden unter den Füßen spürt. Dennoch spürt sie weiterhin den starken Griff des Leaders, der auch nicht vorhat so schnell loszulassen.

„Wer wohnt noch hier?", wiederholt er erneut und nun wesentlich bedrohlicher als zuvor. Jenny ist die Angst ins Gesicht geschrieben, sie könnte sich innerlich selbst ohrfeigen für ihr handeln. „Meine Mutter und meine Schwester.", gibt sie ihm nun etwas deutlicher und vor allem lauter zur Antwort. Sie hofft inständig, dass er mit dieser Aussage zufrieden ist. Ein kaum sichtbares Lächeln stiehlt sich auf Pains Gesicht und er kommt Jenny näher.

Wieder mal klopft ihr Herz heftig und schlägt hemmungslos gegen ihren Brustkorb, der sich schon durch ihre Atmung unregelmäßig hebt und senkt. Pain nähert sich ihr weiter, bis sein Kopf direkt neben ihrem ist, dort flüstert er ihr ins Ohr. „Braves Mädchen!" Sein Tonfall hat nichts mehr von dem Bedrohlichen, dass es vorher hatte, viel mehr scheint er triumphierend und süffisant.

Ein Stück weicht er wieder zurück, dennoch kann sie seinen Atem auf ihrer Haut spüren. Die Röte steigt ihr unmittelbar ins Gesicht und sie kann sich nicht mehr rühren, stocksteif steht sie da. Pain legt seine rechte Hand auf ihre Wange und verweilt dort eine ganze Zeit lang, während er sie durchdringlich ansieht. Schnell weicht die 16-jährige diesem Blick aus, in ihr macht sich wieder dieses unbekannte und doch so angenehme Gefühl breit. Wie sollte sie das deuten? Was war das? Und vor allem, wie konnte es angenehm sein, wenn er ihr doch so oft droht und sie herumkommandiert? Einst ist klar, Jenny wird darauf wohl nicht sehr schnell eine Antwort finden.

Pain lässt wieder von ihr ab, unterdessen macht er sich schon innerlich eine Notiz, über Jennys Verhalten. Er analysiert sie genaustens, damit sein Plan auch in Erfüllung gehen kann und da ist Pain sich sicher. Er wird in Erfüllung gehen!

Noch immer steht Jenny an der Wand, so wie Pain sie hat stehen lassen. Er dreht sich um und macht sich auf den Weg in ihr Zimmer, dort öffnet er das Fenster und macht es sich auf der Fensterbank gemütlich. Dass es im oberen Stockwerk liegt, scheint in nicht zu stören, ebenso wenig die erschrockenen Blicke der Leute, die auf dem Gehweg darunter vorübergehen. Nur langsam kommt Jenny wieder in die Realität zurück. Sie ist sich durchaus bewusst, dass sie wieder einen Fehler begangen hat und es dieses Mal noch glimpflich ausgegangen ist, doch wie wird es nächstes Mal sein? Und was bezweckt Pain mit seinem Tun?