Zunächst ist nur das Klappern der Messer auf den Tellern zu hören. Bedrücktes Schweigen herrscht in dem kleinen Raum, der sich Küche nennt. An dem einen Kopfende sitzt Jenny, an dem Anderen ihre Mutter, zur Linken der Schwarzhaarigen sitzt Pain und auf der Anderen ihre Schwester Caroline.

Unauffällig sieht die Mutter immer wieder zu dem vermeintlichen Schüler, eine Zeit lang lässt sich Pain das sogar gefallen. Jenny versucht ihrer Mutter Zeichen zu geben, dass sie das lassen solle, doch die bemerkt davon nichts. Auch Caro sieht ab und an zu ihrem Gegenüber, doch bei weitem seltener als ihre Mutter. Vermutlich liegt es einfach an den sogenannten Piercings, die die Ältere einfach nicht ausstehen kann und von denen er zufälligerweise, ihrer Meinung nach, extrem viel trägt.

Eine ganze Zeit lang geht das Spiel so weiter, während die Anwesenden nebenbei essen. Gegen Ende wird es dem Orangehaarigen dann doch langsam zu bunt, auch wenn ihm klar war, dass er sich verstellen und sich einiges antun müsse, so lässt er noch lange nicht alles mit sich machen. Dieses angaffen geht schon über eine viertel Stunde so und nun reißt ihm allmählich der Geduldsfaden. Geräuschvoll legt er sein Messer auf den Teller und blickt auf. Sein Blick gilt direkt der Mutter von Jenny und Caro, die den Blickkontakt eine Zeit lang hält. Doch sie wird von Jennys dringlichen Worten aus den Gedanken gerissen und dazu gebracht ihren Blick abzuwenden und zu ihrer Tochter zu sehen. Auch Pain sieht Jenny nun abwartend an.

„Mum, ich müsste mal mit dir kurz reden. Unter vier Augen!", mit ihrem Kopf deutet sie in dem benachbarten Esszimmer, der eigentlich nur zu größeren Festen seinen eigentlichen Zweck erfüllt. Die Angesprochene nickt ihr zu und steht auf. „Caro, könntest du bitte den Tisch abräumen?", fragt sie dabei ihre älteste Tochter. „Klar.", ist das erste Wort, das man seit langem Mal wieder von ihr zu hören bekommt. Nun steht Jenny auch auf und wartet auf ihre Mutter, die zuerst den Raum verlässt. Einen kurzen Blick wirft Jenny zu Pain und ihr wird unmissverständlich klar, dass es klappen muss. Dieser Augenkontakt bleibt auch von Caro nicht unbeobachtet, stirnrunzelnd blickt sie zwischen den beiden hin und her.

Jenny verlässt die Küche in Richtung Esszimmer, in dem ihre Mutter schon wartet und setzt sich gemütlich neben sie auf einen der dunkelbraunen Stühle. Abwartende Blicke ruhen auf Jenny, die merklich nach Worten ringt, sie weiß zwar schon, wie sie es ihrer Mutter beibringen würde, doch sie die Praxis ganz anders aus als die Theorie. „Was ist los Jenny? Was ist denn so wichtig, du kannst es mir ruhig sagen!", Mut zusprechende Worte, die Jenny dennoch kein Stück weiter bringen. Dennoch fängt sie an zu reden.

„Also, es geht um Pain.", beginnt sie ihre Rede. Ihre Mutter hört ihr genauestens zu und das weiß Jenny auch. „Darüber wollte ich auch noch mit dir reden.", meint sie milde dazu. Seufzend lehnt sich Jenny an die Lehne. „Was willst du wissen?", fragt Jenny um ihre Rede etwas nach hinten zu schieben.

„Na eigentlich alles. Wie alt ist er? Wo wohnt er? Was macht er so? Und wie steht er zu dir?", fragt sie gerade heraus. Gedanklich hat die Schwarzhaarige die Antworten schon parat. Zu alt für mich! Ame-Gakure no Sato, das Dorf versteckt im Regen! Leader der Organisation Akatsuki, Oberhaupt des Dorfes und Gott! Doch so konnte sie es bestimmt nicht sagen, also anders. „Er ist ein Jahr älter als ich und dass er in meine Parallel-Klasse geht hab ich schon erwähnt! Er hilft mir ein wenig in Sachen Lernen.", antwortet sie schlicht auf die Frage, sie ist bewusst nicht darauf eingegangen zu sagen, wo er wohnt. Ein wenig überrascht ist sie über die Selbstbeherrschung, die ihr nun so perfekt gelingt.

„Es gibt da noch etwas, dass ich dir sagen muss.", meint Jenny schließlich noch. „Es geht darum, dass du ihn nicht so ansehen solltest. Er ist nicht ohne Grund hier und ich bitte dass du das etwas akzeptierst.", geduldig wartet sie die Reaktion ihrer Mutter ab, die nun ganz hellhörig geworden ist. Ein Glück hat sie ja schon, weder ihre Mutter noch ihre Schwester können auch nur ein Wort Englisch, sonst würden sie die Schwarzhaarige schon über den ‚komischen' Namen des Orangehaarigen ausquetschen. Aber mal sehen, ob ihr auch diese, nun wirklich sehr drastische, Lüge abgenommen wird. Aber etwas Besseres ist ihr nicht eingefallen.

„Es geht um seine Eltern.", sie legt eine kurze Pause ein. „Seine Mutter ist schon früh verstorben, er hat sie kaum gekannt. Und sein Vater erlag gestern einer langwierigen Krankheit. Er war seit über drei Monaten im Krankenhaus, und hat sich die ganzen Jahre vorher allein um Pain gekümmert.", erzählt sie gespielt bedrückt. Ihr wiederstrebt es einerseits zutiefst diese Lügen zu erzählen, und dann auch noch ihrer Mutter und ihre Schwester wird sie auch anlügen müssen. Nur zu gut, dass sie sich nie für den Manga interessiert haben, das würde der Schwarzhaarigen jetzt zum Verhängnis werden.

Mit vor Entsetzen weit geöffneten Mund sieht Jennys Mutter zur ihrer Tochter. Sie hat mit vielem gerechnet, aber doch nicht damit, dass sein Vater erst gestern verstorben ist. Ihr tut der Junge schon Leid und dann hat sie ihn vorhin noch so unhöflich angestarrt.

„Das ist ja wirklich schrecklich.", bricht sie das Schweigen, das bis vor Kurzem zwischen ihr und Jenny geherrscht hat. „Ist er deswegen hier? Wo wohnt er denn jetzt, gibt es noch jemandem, bei dem er unterkommt.", fragt sie besorgt weiter. Innerlich vollführt Jenny einen Jubeltanz und fühlt sich, als hätte sie einen Sechser im Lotto. Das Glück scheint auf ihrer Seite, als ihre Mutter genau den Knackpunkt anspricht und ihr die Geschichte auch wirklich abkauft. Zunächst muss sich Jenny aber noch zusammenreißen.

„Ja, er hat halt jemanden gebraucht, bei den er erst ein Mal gehen kann. In seinem Haus ist niemand mehr, er hat praktisch alle Verwandten verloren und allein kann er als Schüler niemals in einem Haus wohnen. Er wird vermutlich in ein Heim kommen, ich finde das echt tragisch, vor allem weil ich mich echt gut mit ihm verstehe.", schließt Jenny ihre mitreißende Rede ab. Sie wirkt äußerst glaubhaft und ihr Blick geht betrübt zu Boden, während ihre Mutter scheinbar mit ihren Gedanken ringt.

„Wie hast du ihn noch Mal kennen gelernt. Ich meine, er sieht jetzt nicht gerade", doch sie kommt nicht weiter. „Ich weiß ja, dass du keine Piercings magst und er nun Mal sehr viele davon hat, aber er hat im Moment ehrlich gesagt andere Probleme und ich finde es echt nicht nett, sich jetzt über sein Aussehen aufzuregen.", und schon wieder könnte Jenny sich selbst ohrfeigen. Erneut hat sie zuerst gesprochen und dann nachgedacht, sie konnte nur noch hoffen, dass ihre Mutter ihren Ausraster für ernsthaft hält.

„Es tut mir Leid, du hast Recht!", gesteht die Angesprochene betrübt. Fragend schießt der Kopf der Schwarzhaarigen zu ihrer Mutter, hat sie sich gerade verhört? Sie gibt zu, dass sie falsch gelegen hat? Innerlich ausatmend, betrachtet sie weiterhin ihre Mutter, die sich seltsamerweise auf der Unterlippe herum kaut. Und das kommt nur äußerst selten vor.

„Du willst doch bestimmt fragen, ob er hier bleiben darf, oder?", fragend zieht die Frau eine Augenbraue in die Höhe. Ertappt sieht Jenny zur Seite. Nun ist es doch aufgefallen, was sollte sie nur machen? Gerade als sie ihrer Mutter eine Antwort hervor stammeln will, ergreift diese erneut das Wort. „Auch wenn ich eine etwas andere Vorstellung von einem vernünftigen Aussehen habe, kann er vorerst bleiben. Er scheint dir ja ziemlich wichtig zu sein, oder?", ein zaghaftes Lächeln zeichnet sich auf ihrem Gesicht ab und Jenny starrt sie nur ungläubig an, ehe sie realisiert, was ihre Mutter gerade gesagt hat. Freudig springt sie auf und fällt in die Arme ihrer Mutter. „Ja, ich denke schon.", antwortet sie nach einiger Zeit auf die Frage und löst sich wieder. Sie murmelt noch ein leises „Danke!", ehe sie sich kurz in Richtung Küche umdreht.

Ein leises Lachen dringt aus der Kehle von Jennys Mutter, als sie ihre Tochter so glücklich sieht. Sie weiß genau, warum ihre Tochter so froh darüber ist, das hat sie gleich bemerkt, als sie nur zu dem Thema gekommen sind. Aber sie hatte dennoch die Hoffnung, dass dieser junge Kerl nicht ihr Schwiegersohn werden würde, nicht mit diesem Aussehen! Da legt die Frau großen Wert darauf.

Freudig geht Jenny zurück in Richtung Küche, der Tisch ist bereits vollkommen leer geräumt, Caro steht gerade noch an der Spüle um das letzte bisschen Geschirr abzutrocknen. Von Pain ist schon keine Spur mehr zu sehen. Fragend sieht die Schwarzhaarige zu ihrer Schwester, diese erwidert ihn jedoch nicht, sondern starrt auf das Handtuch in ihrer Hand.

„Er ist ja nicht gerade gesprächig. Er ist sowieso ein wenig eigenartig, aber das passt zu dir Kleine." Normalerweise regt sich Jenny immer darüber auf, wenn man als ‚klein' betitelt, doch im Moment hat sie andere Sorgen. Ein breites Grinsen schleicht sich auf Caros Gesicht, auch wenn sie ihre Schwester nicht ansieht, weiß sie ihre Stille zu deuten. „Ich hab es ja schon mal gesagt, du bist verknallt. Gestehe es dir doch endlich ein. Denk an meine Worte.", und damit legt sie das Handtuch beiseite, räumt das Geschirr ein und geht schnurstracks zum Esszimmer, in dem noch immer die Mutter sitzt. Nur noch kurz verweilt auch Jenny an ihrem Platz, ehe sie sich auf den Weg in ihr Zimmer macht. Immer wieder hallen ihr die Worte ihrer Schwester im Kopf herum. Denk an meine Worte!

Kurz darauf kommt sie an ihrem Zimmer an, leise öffnet sie die Tür und erkennt, dass Pain es sich auf ihrer kleinen Couch bequem gemacht hat. Sein Kopf dreht sich zu ihr hinüber. Die Schwarzhaarige schließt die Tür hinter sich und atmet ein Mal tief durch. „Es ist alles glatt gelaufen!", gesteht sie dem Leader und er nickt ihr zu. Er hatte aber auch nichts anderes von ihr erwartet.

Gerade als sich Jenny auf ihrem Bett niederlassen will hört sie den Ruf ihrer Mutter, aber er gilt nicht nur ihr, sondern sie ruft auch Pain zu sich. Stirnrunzelnd sieht sie zur Tür und macht sich schließlich auf den Weg dorthin. Der Orangehaarige folgt ihr stumm.

Am unteren Treppenabsatz angekommen werden die beiden auch schon von Jennys Mutter empfangen. Noch kurz mustert sie Pain, doch sie wendet schnell den Blick ab und setzt ihr freundliches Lächeln auf. „Ich wollte euch beiden nur mitteilen, dass Caroline und ich heute Abend weg fahren. Sie hat vorhin einen Anruf bekommen, sie muss zu einem Vorstellungstermin nach Bayern und da werde ich sie begleiten. Die Fahrt dauert ja allein schon über sechs Stunden und dann ist sie nicht ganz allein. Es wird vermutlich zwei bis drei Tage dauern. Ihr kommt soweit klar?", fragend sieht sie in die Runde. Pain rührt sich kein bisschen, was soll er auch dazu sagen, aber um ehrlich zu sein kommt ihm dieser kurzzeitige Ausflug der beiden äußerst gelegen. Jenny dagegen wird gerade wieder klar, dass sie dann rund drei Tage allein mit dem Leader wäre. Dennoch nickt sie auf die Frage hin.

Erneut lächelt die Mutter ihre Tochter an. „Schön, Caro ist schon am Packen und das werde ich auch machen. Wir brauchen ja nicht viel und ein Hotel finden wir da unten schon. Passt mir bloß auf das Haus auf.", endet sie schließlich und wendet sich von ihnen ab.

Jenny geht wieder nach oben, dicht gefolgt von Pain, der sich ein süffisantes Grinsen nun wirklich nicht mehr verkneifen kann. Dann könnte es also losgehen, sobald die beiden weg sind, hätte er praktisch freie Bahn.

Leise seufzend kommt Jenny wieder in ihrem Zimmer an. Es ist seltsam, normalerweise lässt ihre Mutter sowieso schon keine Fremden im Haus, warum also der plötzliche Sinneswandel? Und dann fährt sie auch noch kurzfristig für drei Tage weg und lässt Jenny mit dem ‚Fremden' allein im Haus. Da hat sie schon das nächste Problem am Hals, wo sollte er schlafen? Mit Sicherheit mal nicht bei ihr im Zimmer, aber vielleicht im Wohnbereich unten, aber irgendwie sehnt sie sich auch nach seiner Nähe, dieses Gefühl, das sie durchlebt hat, als er sie geküsst hat.

Unbewusst fährt sie völlig in Gedanken versunken mit dem Zeigefinger über ihre Lippen. Sie wird dieses atemberaubende Gefühl nicht los. Sie ist ja schon nahezu abhängig von ihm, ähnlich einer Droge. Aber sollte die Behauptung ihrer Schwester stimmen? Sollte sie sich wirklich verliebt haben? In ihn? Den Leader von Akatsuki?

Verwirrt lässt sie sich auf ihre Couch sinken, während Pain das innerliche Chaos von Jenny mit einem amüsierten Schmunzeln quittiert.