Jenny wird erst am späten Nachmittag wach. Müde reibt sie ihre Augen, ehe ihr wieder bewusst wird, was kürzlich geschehen ist. Augenblicklich krallt sie sich ihre Bettdecke und wickelt sich darin ein. Schock geweitete Augen fixieren die gegenüberliegende Wand. Peinlich berührt geht ihr jedes einzelne Ereignis durch den Kopf.
Suchend blickt sie sich im Zimmer um, doch von Pain ist keine Spur. Erleichtert ausatmend sammelt sie ihre Kleidung und huscht ins Bad, um erst mal ausgiebig zu duschen. Mit einem Seufzen lässt sie das angenehm kühle Nass über ihre Haut gleiten. Gerade als sie sich vollkommen von den Erinnerungen gelöst hat, fällt es ihr wie Schuppen von den Augen. Ängstlich wandern ihre Augen von rechts nach links, sie fühlt sich ein klein wenig hilflos. Allein. Wem sollte sie das Ganze beichten und vor allem, die Tatsache nicht auszulassen, dass sie kein Kondom benutzt haben. Sie selbst beruhigend, macht sie sich die Hoffnung, dass wohl nichts passiert ist. Wie oft hört man solche Nachrichten schließlich schon im Fernsehen, dass manche Leute nicht schwanger werden. Die Tatsache, dass auch viele ungewollt schwanger werden, lässt sie gekonnt außen vor.
Nachdem sie sich wieder komplett angezogen hat, macht sie sich auf den Weg, um Pain zu suchen. Und sie findet ihn schließlich auch im Garten wieder. Die Augen halb geschlossen lehnt er, im Schatten, an dem großen Obstbaum. Etwas unsicher macht sich die Schwarzhaarige auf in seine Richtung. Unschlüssig steht sie an der Tür, als hätte sie Angst irgendeine falsche Bewegung zu machen.
Schließlich überwindet sie sich, einige Schritte heraus zu gehen und steht nun gute fünf Meter von ihm entfernt. Pain bemerkt zwar die Anwesenheit des Mädchens, doch er hält es nicht für nötig ihr das auch mitzuteilen. Dementsprechend rührt er sich keinen Zentimeter, wenn sie etwas wollte, dann solle sie sich melden. Andernfalls könne sie auch einfach wieder gehen, ihm ist es gleich.
Nur zögernd beginnt Jenny zu sprechen, weiß sie schließlich nicht wie er darauf reagieren würde. „Kann es sein, dass wir …?", ausatmend versucht sie ihre Gedanken zumindest ansatzweise zu ordnen. „Also, ich meine, ohne ...?", schließlich bricht sie ab und läuft zurück ins Haus. Sie ist im Moment einfach viel zu durcheinander, als das sie ihn darauf ansprechen könnte.
Pain hat weiterhin seine Augen geschlossen. Ihm ist es ganz Recht, das sind ihre Probleme. Er kann seine Tage schon zählen, die er noch hier bleiben muss. Und er weiß auch, dass, wenn der Tag gekommen ist, auch in Jennys Leben eine entscheidende Veränderung stattfinden wird. Doch das haben sie alles schon so oft besprochen, kein Grund darüber jetzt zu spekulieren. Alles läuft nach Plan.
Auch den Rest dieses Tages bleiben die beiden unter sich.
Am nächsten Morgen hat Jenny das Gespräch schon fast wieder vergessen. Mehr oder weniger gut gelaunt macht sie sich auf in die Küche um zu frühstücken. Sie stellt auch einen Teller für Pain raus, nur für den Fall. In diesem Moment klingelt das Telefon und die Schwarzhaarige stürmt wie von der Tarantel gestochen zu diesem.
Ein erleichterter Ausdruck macht sich auf ihrem Gesicht breit, als sie eine, ihr vertraute, Stimme auf der anderen Seite der Leitung vernimmt. Es ist Marlene.
„Hi, Jenny. Na wie geht's dir?", fragt sie vorsichtig, mit einer Spur von Neugier. „Hey Marlene. Mir geht's soweit ganz gut und wie sieht es bei dir aus?", antwortet sie darauf. „Ja, mir geht's gut. Und wie funktioniert das so mit deinem Besuch?" - „Ach, es ist ok. Wenn man sich etwas an seinen eigenartigen und kalten Charakter gewöhnt hat. Caro und meine Mutter sind auch derzeit nicht da. Sie sind vor zwei Tagen gefahren und sollten Morgen wieder kommen.", erzählt sie ihr ruhig und versucht dabei sich nichts anmerken zu lassen. „Moment! Ihr seid alleine? Deine Mutter hat dich mit dem alleine gelassen?", fragt Marlene völlig entgeistert. „Ja, aber es ist schon okay. Sag' mal, wie sieht es eigentlich so mit Naruto aus?", ein wenig neugierig ist Jenny ja schon, wie ihre Freundin so mit dem Chaot klar kommt. „Er ist total lustig. Wir machen echt viel Unsinn, aber manchmal ist er auch etwas anstrengend!", den letzten Teil flüstert sie nur leise in den Hörer, als hätte sie die Befürchtung, das Naruto es hören könne. Ein Grinsen kann sich die Schwarzhaarige nun doch nicht verkneifen. Doch bevor sie etwas sagen kann, meldet sich Marlene erneut zu Wort. „Was hältst du davon, wenn wir uns noch mal treffen? Alleine, ohne die beiden!" Jenny überlegt, ob sie darauf eingehen soll, aber warum auch nicht. Sie würde gerne wieder mehr Zeit mit ihrer Freundin verbringen und wenn sie Pain für diese Zeit nicht sehen muss, kommt ihr das gerade Recht. „Wieso nicht? Wie wär es mit 15.00 Uhr auf dem Spielplatz?", antwortet und fragt sie ihre Freundin zugleich. „Klar, ich freu mich schon. Bis dann!", mit diesen Worten legt sie auf und der einzige Ton, der in Jennys Ohren zu hören ist, ist der monotone Freiton.
Einige Zeit später sieht sie Pain in der Küche, als er gerade damit fertig wird, sein Brot zu essen. Schluckend sieht sie ihn an. Wie soll sie reagieren? Wie steht er überhaupt zu der ganzen Situation? Ihm scheint es kaum etwas auszumachen! Mit sich ringend, versucht sie sich abzulenken, indem sie damit anfängt das Geschirr zu spülen.
Schließlich fasst sie doch den Mut und versucht dabei ernst zu klingen. „Ich treffe mich heute Nachmittag alleine mit Marlene an unserem Treffpunkt, wenn das okay ist.", sie wendet ihren Blick kurz von dem Teller in ihrer Hand ab und sieht zu ihm hinüber. Dieser erwidert den Blick ohne die kleinste Gefühlsregung. „Von mir aus.", sind die einzigen Worte, die er dazu sagt, ehe er den Raum verlässt.
Aus Pains Sicht ist es bei dem Versuch ‚ernst zu klingen' geblieben. Aber es soll ihm Recht sein. So kann er zu dem finalen Treffpunkt gehen und ebenfalls ein paar Vorkehrungen treffen. Zumal er sich bei Konan erkundigen konnte, wie die bisherigen Planungen verlaufen. Das einzige das ihm nicht so ganz passt, ist die Tatsache, dass er die Zeit nicht schneller drehen kann.
Pünktlich trifft Jenny am Spielplatz ein. Marlene hat sich schon einen Platz gesucht. Freudig springt sie auf und rennt auf ihre Freundin zu. Sie umarmt sie stürmisch und zieht sie schließlich mit zu ein paar morschen Balken, die zumindest halbwegs halten.
„Jenny, du hast doch irgendetwas auf dem Herzen. Das spür ich doch, los raus damit. Ich bin doch deine Freundin!", redet Marlene auf sie ein. Seufzend stütz die Schwarzhaarige ihre Ellenbogen auf ihren Knien ab, gedankenverloren blickt sie in das hohe Gras unter sich und beobachtet einen kleinen Marienkäfer. Dieser versucht sich gerade einen langen Grashalm mit größter Anstrengung zu erklimmen.
„Also gut!", gibt sich Jenny schließlich seufzend geschlagen. „Soll ich gleich auf den Punkt kommen?", fragt sie sicherheitshalber nach, den Blick weiterhin gen Boden. „Ja~.", quengelt ihre Freundin regelrecht. „Wie du willst.", meint sie nur. „Ich habe gestern mit Pain geschlafen!" Stille. Das einzige Geräusch, das derzeit zu vernehmen ist, das leise Rascheln der Blätter, die sich anmutig in einer milden Sommerbrise hin und her wiegen. Seitlich blick die Schwarzhaarige zu ihrer Freundin. Das Bild das sich ihr bietet ist für sie einfach zu amüsant. Vor allem die Tatsache, ihre Freundin ein Mal sprachlos zu erleben. Ein leises Lachen kann sie dabei nicht unterdrücken, schließlich richtet sie sich wieder auf.
„Du wolltest es ja unbedingt wissen!", rechtfertigt sich die Schwarzhaarige. Und endlich scheint sich Marlene wieder zu fassen. „Wow …!", bringt sie immer noch ein wenig schockiert heraus. „Ich habe viel erwartet, aber doch nicht so etwas!" Wieder herrscht eine kurze Stille, die die Rothaarige erneut bricht. „Was sagt deine Mutter dazu?", fragt sie sachlich nach. „Nun ja, sie weiß noch nichts davon.", antwortet Jenny darauf. „Aber ihr habt doch wenigstens …", doch bevor Marlene ihre Frage beantworten kann, wird sie von Jenny unterbrochen, die sogleich auch ihre Frage beantwortet. „Nein!"
Fast wäre Marlene rücklings von dem Holzbalken gefallen. „Oh mein Gott!", entflieht es ihren Lippen. Tief durchatmend sieht sie zu ihrer Freundin. „Sag mir bitte, wie ist es dazu gekommen?" Und so beginnt Jenny langsam zu erzählen.
Währenddessen ist Pain schon längst an dem Treffpunkt angekommen. Auch Konan ist anwesend und gemeinsam inspizieren sie den Vorhof des ehemaligen Schlosses genauestens. Es ist derselbe Ort, an dem er sich mit den Projektionen seiner Mitglieder getroffen hat. Jeder Winkel wird untersucht, mögliche Lücken in der Wand, die Schließfähigkeit des Tores und viele weitere Einzelheiten.
Nach einiger Zeit beginnt Konan zu erzählen. „Kann es sein, das bei dem Jutsu irgendetwas schief gelaufen ist?" Fragend sieht der Leader zu seiner Partnerin und diese fährt fort. „Na ja, ich meine weil hier noch andere Personen aufgetaucht sind. Ich habe Leute aus Konoha, Suna und Iwa-Gakure gesehen." – „Ja, das ist mir auch schon aufgefallen, der Kyuubi ist auch da!", bestätigt er die Erzählung der Blauhaarigen. „Sollen wir das Problem auf unsere Weise lösen, oder es erst mal so weiter laufen lassen?", fragt sie gerade heraus, als sie hinter einem halb zusammengefallen Schuppen nachsieht.
„Wir lassen erst mal alles seinen gewohnten Gang gehen. Ich habe einige nützliche Informationen erhalten. Mit deren Hilfe können wir unserem Ziel einige Schritte näher kommen!", meint er nur ruhig auf die Frage. „Gut, ich werde dafür sorgen, dass wir das hier ordentlich beenden können und alles darauf vorbereiten und auch neue Informationen zusammen suchen! Ich hoffe, dass die anderen sich an den Zeitplan halten.", meint sie seufzend und geht zu ihrem Partner in der Mitte des Platzes. „Da sehe ich keine Probleme, vielleicht können wir auch schon früher wieder zurück."
Wenig später verabschieden sich die beiden und der Orangehaarige macht sich auf den Weg zurück zu dem Haus, in dem er noch einige Zeit leben wird. Auch Jenny ist schon wieder zu Hause, als Pain eintrifft. Der jedoch braucht erst mal seine Ruhe und verschwindet in dem, ihm zugewiesenen Zimmer.
Ähnlich vergehen die nächsten Wochen. Als die Schule wieder anfängt, macht sich Jenny normal auf zu dieser und Pain bereitet weiter den Abschluss der Mission vor. Selbst als Caro und ihre Mutter wieder angekommen sind, erzählt Jenny nichts von dem Geschehnis. Doch nach über zwei Monaten macht sie sich beachtliche Sorgen! Denn irgendetwas stimmt mit ihrem Körper ganz und gar nicht. Ängstlich sucht sie das Gespräch mit Pain.