„Mama? Hast du Naruto irgendwo gesehen?", fragend läuft Marlene durch das Haus. Seit sie an diesem Tag aufgestanden ist hat sie ihn nicht mehr gesehen. Das Zimmer, das sie extra für Naruto hergerichtet hatten ist leer. Nur das hinterlassene Chaos weist auf ein ehemaliges Dasein des blonden Ninjas hin.
Jeden Raum hat das Mädchen durchforstet und keine Spur gefunden. Er meldet sich normalerweise immer ab bevor er geht. Das ist seltsam. Nun gelangt sie zurück in das Wohnzimmer.
Der Fernseher läuft noch und zeigt irgendeine alte Serie, in der sich gerade einige Leute herzhaft amüsieren. Der Raum ist sehr freundlich und angenehm gestaltet. Die Möbel sind aus hellem Holz und der Boden mit Laminat belegt, das hell-graue Sofa sticht aus dem braunen Untergrund zumindest ein bisschen heraus.
„Nein ich habe ihn nicht gesehen. Ist er denn nicht vielleicht draußen unterwegs?", kommt die Antwort von Marlenes Mutter aus der anliegenden Küche. „Kann nicht sein, er sagt doch immer Bescheid. Da stimmt doch was nicht, ich habe kein gutes Gefühl!", mein Marlene nur daraufhin und lässt sich auf der Couch nieder. „Nun sieh doch nicht alles so negativ! Er taucht schon wieder auf, du weißt doch wie vergesslich er manchmal ist!", versucht ihre Mutter sie zu beruhigen.
Auf der Unterlippe kauend sieht Marlene zu dem Bildschirm. Gerade als der Abspann der Serie durchgelaufen ist, beginnen auch schon die Nachrichten um 10.00 Uhr morgens.
Seufzend fährt sie sich durch die Haare ehe sie dem Geschehen auf dem Bildschirm ihre Aufmerksamkeit zuwendet.
„Heute Nacht hat uns eine schreckliche Nachricht ereilt! In der Nacht haben die Sirenen viele Leute aus ihren Betten geholt. Um den Grund dafür zu finden, hat sich unser Team gleich aufgemacht. Ihr Ziel: Das Schloss.
Kurz nach den Rettungskräften erreichte das Kamera-Team den Tatort und machte eine grauenvolle Entdeckung. Es wurden die teilweise verstümmelten Leichen von neun Jugendlichen gefunden. Die Mädchen lagen mitten im Hof umgeben von Flammen. Das seltsame daran ist jedoch, dass diese Flammen schwarz erscheinen. Die Feuerwehr kämpft noch immer gegen die Flammen an, während die Polizei versucht die Identitäten der Mädchen festzustellen.
Bisher gehen die Behörden von mehreren Tätern aus. Jegliche Hinweise, die zur Ermittlung der Täter führen, werden von der Polizei belohnt."
Während der Ansage der Nachrichtensprecherin werden verschiedene Bilder vom Tatort gezeigt. Bilder vom Hof, den Flammen, den bemühten Einsatzkräften und der Opfer.
Auf einmal weiten sich Marlenes Augen. Schockiert sieht zu auf den Bildschirm, völlig geistesabwesend und bewegungsunfähig. „Jenny?", flüstert sie ängstlich. „Mama, komm mal schnell!", mit zitternder Stimme ruft Marlene ihre Mutter, die auch sogleich aus der Küche kommt.
Mit einem Teller, den sie gerade mit einem Handtuch abtrocknet kommt die Mutter des Mädchens ins Wohnzimmer. „Was ist denn los Marlene?", fragt sie besorgt. Doch sie erhält keine Antwort. Das Mädchen streckt langsam ihren Arm nach vorne und deutet mit dem Finger auf den Fernseher. Die Augen ihrer Mutter folgen der Bewegung.
Klirrend fällt der Teller zu Boden und zerspringt in tausende kleiner Scherben. Auch Marlenes Mutter sieht fassungslos auf den Bildschirm. „Aber … aber das ist doch …", fragend sieht sie zu ihrer Tochter, die der Frage mit einem Blick begegnet, der mehr als eindeutig ist.
Die Polizei tappt weiterhin im Dunkeln, es deuten keine Hinweise auf die Täter. Der Schlosshof wird für weitere Besucher gesperrt.
Doch für Jennys Familie ist klar, dass sie ihre Tochter aufziehen werden. Mit all der Liebe, die die Schwarzhaarige nicht mehr aufbringen kann. Und von dem Vater der kleinen fehlt jegliche Spur. Das Einzige das die beiden noch lange an ihn erinnern, sind die seltsam grauen Augen des kleinen Mädchens.
Marlene macht sich noch weiterhin Vorwürfe, warum hat sie niemanden gesagt, mit wem sie es zu tun haben? Denn für sie ist es klar, wer dahinter steckt.
„Akatsuki", flüstert sie am Morgen der Beerdigung, während vor ihr die Sonne in einem glühenden Rot über den Horizont steigt.
