Er war so unerhört bereit, dass er hoffte, er hätte seine Sinne noch soweit beisammen, es Chase schön zu machen, auf ihn Acht zu geben. Sein trotz der Heißblütigkeit verletzlicher Ausdruck und die sich hebenden, von der Sonne ein wenig ausgebleichten Brauen verrieten glühende Leidenschaft, sowie er sich ihm zuwandte und schließlich zu ihm aufschauend auf die Pritsche sank, begehrenswert und unschätzbar wertvoll in seiner Fähigkeit, sich ganz zu geben, zu vertrauen und bedingungslos zu lieben. Der perfekt proportionierte Körper, sein Aussehen, taten ein Übriges und hatten geholfen, House' Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, aber er wusste, dass er ihn auch unter einer anderen, weniger attraktiven Fassade aufgespürt hätte – den liebebedürftigen, ausgehungerten kleinen Robert hinter dem tadellosen, adretten, immer den Schein wahrenden Dr. Chase.
Von adrett konnte im Augenblick keine Rede mehr sein, zumindest nicht im direkten Vergleich mit Chase im Laborkittel und Krawatte.
Schweiß perlte auf der glatten Stirn und den erhitzten Wangen, staute sich in der Wölbung der Oberlippe, dem heimlichen Wohnort seiner Zunge. Erwartungsvoll öffnete sich sein verschwenderisch großer Mund, um ihn zu schmecken, ein dunkles Lachen vibrierte in seiner Kehle. Er war wundervoll, und wundervoll war es zu sehen, wie heiß er auf ihn war. Gespannt wie ein Bogen, innen und außen, und nach Liebe riechend, jetzt schon. Zum Aufessen, wie auf einer silbernen Schale serviert. Eingehüllt in eine Schwüle aus Moschus und dem Duft körperlicher Erregung schälte er ihm das Unterhemd vom Leib, woraufhin Chase sich schwer atmend auf die Seite legte und ihn aus großen Augen anschaute. Ihre jeweiligen Bereiche waren klar abgesteckt. House übernahm den aktiven Part. Sobald er ihm einen Rollentausch anbot, wurde er ängstlich, annähernd panisch. Sie würden es auf gewohnte Weise vollziehen. Doch in diesem Moment hegte er berechtigte Zweifel, ob er verstand, denn er war mental nicht ganz bei ihm, auch wenn er es ihm versichert hatte.
Kann ich es? Darf ich es? Dir zeigen, dass du mir mehr bedeutest als allen deinen treulosen Verwandten? Ich möchte dir nicht wehtun. Ich will es nicht, aber ich weiß, dass es schmerzt und du so tapfer bist. Nicht nur im Hinblick auf das, was du von mir forderst, was dir zusteht. Aber ich kann es dir nicht sagen.
Ermutigend streckte Chase die Hand nach seiner aus, und mit einer Kraft, die ihn schaudern machte, weil sie nicht mehr der eines kleinen Jungen würdig war, zog er ihn auf sich, auf seine wohltuend kühle, glatte, unter ihm schlüpfrig werdende Haut. Fühlte, wie er ihn einlud, wie die straffen Muskeln unter seinen weich wurden und ihn in ihren ab jetzt ruhelosen Bewegungen wogten wie ein Boot auf stürmischer See. Sein Atem und der Herzschlag beschleunigten sich, verbanden sich mit denen des Jungen, aber er schaffte ein Lächeln. Schüchtern wurde es von Chase repliziert, während House mit dem Finger sein Profil nachzeichnete, an seinen Lippen zupfte und ihnen in der Vereinigung mit seinen ein süßes, saftiges Geräusch entlockte.
Neben seinen Seiten strampelte Chase auf einmal, und House fiel jetzt erst auf, dass er die Shorts noch anhatte. Er spannte die Armmuskulatur an, um den Oberkörper hoch zu hieven, und wartete. Ganz von ihm herunter konnte er nicht, das wäre Folter. Ein unmerkliches Nicken verdeutlichte ihm, dass er bereit war wie er. Äußerlich bedacht, aber innerlich tobsüchtig, befreite er ihn komplett vom letzten Kleidungsstück, drehte ihn unter sich auf den Bauch und öffnete den Gürtel und die Hosen.
Die Ansicht, die sich ihm bot, nahm ihm den Atem, um den er ohnehin rang wie ein Ertrinkender. Golden leuchtete der Flaum auf dem braunen, starken und doch noch jugendlich geformten Rücken, auf dem eine Schweißspur vom Nacken über die Wirbelsäule in die Furche des rosig-weißen Pos lief, dessen samtartige Beschaffenheit an einen Pfirsich erinnerte. Lustvoll und trotzdem ohne Hast ließ er sich auf seinen persönlichen Himmel sinken, spürte die Geschmeidigkeit, mit der er gefügig seinem Gewicht unterlag. Aufgeregt wandte Chase den Kopf zur Seite, um ihn ansehen zu können, wobei er keuchte und bei jeder seiner Vorwärtsbewegungen kurze, ekstatische, unartikulierte Laute von sich gab, die sich schließlich zu einem enthemmten Aufschrei steigerten, als er in ihn drang. Er hatte vorsichtig sein wollen, aber es ging nicht, es war praktisch undenkbar. Andererseits würde er sterben, so sehr machte es ihn an. Chase' Muskeln verkrampften unter dem Schock, wurden hart und eng, aber er blieb bei ihm, dachte nicht daran, sich ihm zu entziehen, obwohl er zitterte und ächzte und House damit in noch wildere Gewässer schiffte.
Als er dennoch bedauernd zurückwich, weil er ihm keine weiteren Schmerzen zufügen wollte, kam er ihm nach. Schwer stützte er sich auf den Ellenbogen, während er mit der anderen Hand hinter sich griff. Den Kopf hielt er gesenkt. Lange Ponysträhnen berührten die Felddecke der Pritsche, die viel zu kratzig war für die zarte Haut der Glieder auf ihr. „Komm ...", flehte er keuchend. „Bitte."
Trotz seiner Besorgnis glitt er wieder höher, tiefer in ihn, über die Feuchtigkeit ihrer aneinander gleitenden Körper, liebkoste seinen zuckenden Kopfwender und die Schläfe, um ihn durch Zärtlichkeiten und Anerkennung vom Schmerz wegzuführen.
Er biss sich auf die Lippen, als ihn weitere innere Muskelkontraktionen den Gestaden des Paradieses entgegen wogten, die sich mit Chase' allmählich seinem Takt angleichenden Beckenbewegungen auf wundersame Weise verlängerten, ihn fest umringten mit wild pulsierender Glückseligkeit.
Keuchend verlangte er mehr, und Chase enttäuschte ihn nicht. Nicht dass er es je getan hätte, doch House hatte nie geahnt, dass er ihn so gründlich spüren konnte, dass so etwas überhaupt möglich war. Für einen Mann sah er so fragil, fast zierlich aus.
Vor Erregung war er kurz davor, den Verstand zu verlieren oder bewusstlos zu werden und wurde die erste Heftigkeit mit einer ruckartigen Erschütterung los, die Chase unsanft gegen die Wand drängte und ihn einen Laut hören ließ, den er unheimlich inspirierend fand. Süß und scharf und wonnevoll. Über ihnen auf dem aus Brettern zusammengenagelten Board klirrte Glas an Glas. Ein paar Sekunden nur dauerte das bedrohliche Geräusch an, bis er den erregten Chase mit einer Geistesgegenwart, die er sich selbst nicht mehr zugetraut hätte, sicherheitshalber ein wenig zurückzog. Wieder verspürte er ihn umfassender, aber nicht mehr so ungestüm, eher sanft wie ein erfrischender Sommerregen, dessen Tropfen in schillernden Farben auf ihn niedergingen. Im schwingenden, schwindelerregenden Wechsel von Anspannung und Lockerung fanden sie ihren Rhythmus, bog sich der Jüngere ihm entgegen und stöhnte nicht mehr aus Furcht oder Qual. Endlich waren sie sicher, und er selbst fühlte sich ein bisschen nüchterner, wenn auch weiterhin beglückend euphorisch. Dennoch zügelte er sich für Chase, der noch nicht soweit war, ihn jedoch mit seinem Körpereinsatz an einen Punkt führte, der ihm ein überraschtes Stöhnen entlockte.
Ihn weiter stimulierend, trieb er Chase sachte und doch fordernd bestimmt dem Gipfel entgegen. Seine Finger krallten sich in die Decke, bevor sie House' Handgelenke eisern umschlossen. Diesmal erschauderte er kurz nach ihm, aber nicht weniger intensiv, riss ihn dabei mit sich, in seine geschmeidigen, einmaligen Bewegungen und den Konvulsionen seiner strammen Sehnen. An der unglaublichen Vielfalt der wimmernden Seufzer, die sich zuweilen zu einem wonnevollen Grunzen steigerten, konnte er die Freude hören und ließ sich mit einem seligen Lächeln ganz von ihr durchdringen.
Merkwürdig, doch ihn so zu erleben, befriedigte ihn in höherem Maß als seinen eigenen Lustgewinn, der mit Chase zweifellos unvergleichlich war.
oOo
Chloroformiert von der drückenden, dämpfigen Schwüle im Raum blieb er auf ihm liegen und brachte ihn unbeabsichtigt allein mit seinem Gewicht und seiner Nähe noch einmal auf, bis Chase sich beruhigte und ein wohliges Seufzen ausstieß, sich dann auf die Seite wälzte, um House Platz zu machen und ihn anzusehen. Es war eng für zwei Personen nebeneinander auf der schmalen Pritsche, und die Decke kratzte, aber er genoss es, Chase einzuatmen, den überwältigenden, fruchtig-herben Duft seines an der Haut klebenden Körpers, vermischt mit den scharfen Ausdünstungen seines eigenen. Den Blick aus großen Augen konnte er nicht deuten, was ihm auf einmal die Kehle zuschnürte. „Habe ich Sie - verwirrt? Sind Sie wund?"
Mit dem Finger strich Chase ihm verträumt über die Lippen, zwang sie ihm sachte auf und ließ ihn das Salz seiner Haut kosten.
„Nein", flüsterte er. Bald würde er eindösen; seine Lider wurden schwer und flatterten, während die Augäpfel zuckten. Er freute sich darauf, ihm beim Schlafen zuzusehen, obwohl er nicht wusste, was sie mit dem bärbeißigen Spanier machen würden, der sicher irgendwann antanzte, wahrscheinlich früher als ihnen lieb sein konnte, um das reparierte Netz zu lagern. Es war ungewöhnlich geworden, dass sie kurz nach ihrer Intimität darüber sprachen; meist schlief Chase schnell ein, wenn er sich an ihn gekuschelt hatte, und ihm – House - war ohnehin nicht mehr nach reden zumute.
„Es war schön. Es ist immer schön mit Ihnen."
„Ich habe Sie vermisst."
„Ich weiß. Sie haben es mir gerade gezeigt."
„Es ist nicht nur das", widersprach er brummelnd, während er Muster auf die braune Schulter zog und sich dann einen zarten Kuss abholte. „Ohne Sie mag ich nicht mehr sein. Ich könnte (eventuell) auf das hier verzichten, wenn ich Sie nur immer bei mir hätte."
Seine andere, über Chase liegende Hand durchkämmte kontemplativ den blonden Schopf, der daraufhin aufgewühlt gegen seine Achselhöhle gedrückt wurde. Das Wunder, in dem er steckte und allgemein Körper genannt wurde, fing heftig zu zittern an, so dass er fest den Arm um ihn legte und sie beide aufrichtete. Die Änderung ihrer Lage entlockte Chase ein gepeinigtes Wimmern. Erschrocken hielt House den Atem an. Er hatte ihn doch verletzt. Aber es war zu spät. Hoffentlich litt wenigstens sein Selbstwertgefühl nicht darunter.
„Chase. Was ist los? Was haben Sie? Warum sind Sie vor mir weggelaufen, vorhin? Was macht Sie so anders als vor drei Wochen?"
„House ..."
Er kämpfte mit sich und verlor; ein herzzerreißendes Schluchzen erfüllte die von einer nackten Glühbirne beleuchtete Kammer.
Oh Chase, dachte er. Sei doch nicht so stolz. Du darfst weinen, du darfst alles bei mir.
„Sind Sie noch ganz? –… meine Mutter hat sicher etwas im Haus – wenn wir zurückgehen ... oder Sie bleiben hier, und ich besorge etwas in der Apotheke und komme gleich wieder..."
Obwohl der Vorschlag dumm und albern klang, war er froh, ihn unterbreitet zu haben, denn er erheiterte den Jungen: in das etwas verzweifelte Lachen fiel House kurz mit ein. Doch der Moment war sofort wieder dahin, die Traurigkeit in seinem Blick stärker. Mit einem dumpfen Laut, der sich anhörte, als würde ihm die Luft ausgehen, klammerte er sich an ihn, die glatte Brust an seiner, blieb jedoch seltsam quirlig. Sein Atem fuhr heiß in seine Schulterbeuge. House kraulte seinen Nacken und raunte in sein Ohr, leise, behutsam.
„Ist es wegen der Geschichte von gestern? Hat meine Mutter Sie bedrängt? Sie hätten es ihr nicht sagen müssen."
Eigenartig dabei war allerdings, dass er sich ihm trotz der Wiederbelebung des Traumas so phantastisch gegeben hatte, so verspielt und temperamentvoll, alles um sich herum vergessend. Inzwischen konnte er ihm nichts mehr vormachen. Seine Gefühle lotete er mit der Präzision eines Uhrwerks aus. Gerade eben war er mutig gewesen, leidenschaftlich und erregt, und das nicht aus Angst. Welchen anderen Grund sollte es sonst geben? Offenbar war Chase zu schüchtern, ihn zu verraten; vielleicht würde er House erzürnen.
Schlagartig wurde ihm klar, dass er womöglich eine Entscheidung getroffen hatte. Eine, die nicht zu seinen Gunsten ausfiel. Ein Klumpen fiel in seinen Magen und verursachte ein scheußliches Wühlen in den Eingeweiden.
Er wollte bei ihr bleiben, bei ihrer warmherzigen Weiblichkeit, selbstgebackenen Keksen und strahlendem Sonnenschein, und sie hatte natürlich nichts dagegen, da sie endlich den optimalen Sohn bemuttern durfte. Ein diesmal kalter, unangenehmer Schauer lief seinen Rücken herunter, als er Chase' schmales Gesicht anhob.
„Nimmt sie Sie mir weg?"
„Ich liebe Sie", brach es in der gesamten Pracht seines ozeanischen Akzents aus ihm heraus, als hätte er seine Frage überhaupt nicht gehört. „Oh, House, wenn Sie wüssten, wie ich Sie liebe ..."
„Nicht halb so sehr wie ich Sie", erwiderte er, als wären bombastische Liebesschwüre das Normalste auf der Welt. Aber es stimmte, und es war nicht falsch, dass er es ihn wissen ließ.
Chase drängte ihn an die Wand, bedeckte sein Gesicht mit unbändigen Küssen und dann den Hals. Seine Finger ziepten an seinem Brusthaar, und er bemüßigte sich, ihn mit zischenden Lauten ein wenig zu mäßigen. Der gewagte Körpereinsatz putschte ihn trotz seiner behaglichen Kraftlosigkeit auf; dennoch würde er nicht nachgeben. Er musste herausfinden, was ihn quälte.
„Wenn Sie hier bleiben möchten ... ich kann nichts dagegen sagen. Ich will, dass es Ihnen gut geht, nicht mehr. Ich werde Sie nie zu etwas zwingen." Die Worte kamen wie Blei von seinen Lippen.
„Nein ... ich will nicht. Ich gehöre zu Ihnen – wenn Sie mich lassen."
Beinahe wäre er erstickt, so sehr würgte es ihn angesichts seiner rührenden Beteuerung. „Was ist es dann?"
Er brauchte Zeit, die er ihm bereitwillig genehmigte. Unter seinen sachten Liebkosungen normalisierten sich Atem und Puls, wobei ihm Chase' Schläfrigkeit eine treue Verbündete war. Wie unter Hypnose nuschelte er in seine Schulter.
„Blythe ... Ihre Mutter ... sie ... sie war verlobt mit Ihrem Vater ... und sie war Anfang Zwanzig und es gab eine Gartenparty im Haus ihrer Eltern. Da war ein Freund der Familie, er war Pfarrer und hat zuviel getrunken und ... er hat sie ... er hat sie ..." Bebend schluchzte er auf. Aus seiner Nase lief Schleim in den zitternden Mund. „Er hat sie geschändet ... Ihre Mutter!"
Jetzt verlor er die Fassung und bohrte den Kopf an ihn; er keuchte so laut, dass House unwillkürlich das Zwerchfell stimulierte, während er über Chase geradeaus an die gegenüberliegende Wand starrte, ohne sie wahrzunehmen. Muskeln, Fasern und Denken versteinerten. Selbst Chase' Wärme an seiner Haut verwandelte sich zu einer Eisdecke. Der Junge war völlig fertig, aber er sagte nichts mehr. Auffordernd strich er über seinen Rücken, nachdem er zuvor die kratzige Decke um sie beide geschlungen hatte.
„Weiter", sagte er, die Achsel anhebend, um ihn aus seiner Trance zu reißen, in die er sich zu flüchten drohte. „Chase. Verstehen Sie mich? Ich will alles hören."
„Nein, bitte ..."
Es ging über seine Kräfte, mehr als über seine, weil er die Demütigung mit ihr teilte, sie nachempfinden konnte. Aber er wusste, dass das, was noch unausgesprochen war, mit ihm zu tun hatte.
Mit zwölf Jahren war er überzeugt davon gewesen, dass John House nicht sein biologischer Vater sein konnte. Er hatte so beharrlich darauf bestanden und seine Mutter mit der Frage nach dem richtigen gelöchert, dass sie irgendwann kapitulierend eingelenkt hatte. Die Identität des wahren Erzeugers hatte sie jedoch nie preisgegeben.
„Ich muss es wissen, ich bin nicht wie Sie."
Er ahnte es ohnehin schon. Sein Ton klang eindringlich, aber nicht schroff, während er den jungen Freund fest an sich drückte, um ihn die verräterisch quellenden Lider nicht sehen zu lassen. Natürlich wollte er Gewissheit haben, aber er hätte nicht gedacht, dass ihn der aufkeimende Verdacht auf so niederschmetternde Art beuteln würde. Chase schwieg, so dass er ihm ein wenig auf die Sprünge half. Dicht an seinem Ohr formulierte er die Frage als Feststellung, die auszusprechen ihn tatsächlich Überwindung kostete. „Sie wurde schwanger."
Verzagt nickte er, schob die herabhängenden Arme unter seine und fixierte ihn mit Händen und dem spitzen Kinn, nahm ihn mit in sachtes Geschaukel. Seine Art, ihn zu begütigen. Und irgendwie erschütterte sie ihn in ihrer Hilflosigkeit. Er barg das Gesicht an ihm, sog den vertrauten Duft ein und wurde von dem Drang befallen, ihn zu trösten, als er anfing zu weinen. Endlich. Endlich konnte er reagieren.
„Chase ... es ist gut. Ich bin da, und ich bin Ihnen oder meiner Mutter nicht böse dafür, dass sie Ihnen mehr erzählt hat als mir. Sie wird ihre Gründe haben. Und wir werden nie mehr darüber reden, wenn Sie jetzt ehrlich zu mir sind und mir alles sagen, was Sie wissen."
Den Namen des Geistlichen herauszufinden, dürfte kein Problem sein, aber er fürchtete sich schlagartig nach so langer Zeit davor, diesbezüglich Schritte zu unternehmen. Was wieder einmal bewies, welch unlogisches Wesen der Mensch war. Wenn ein lang gehegter Wunsch oder die Lösung eines lebenslangen Rätsels in Reichweite schien, dem er nun nicht mehr nachzujagen brauchte, zog er lieber den Schwanz ein und wandte sich ab.
Seine nachdrückliche Zusage schien die Unruhe ein wenig zu lindern; zumindest artikulierte sich Chase deutlicher als bei der Episode mit der Party.
„Sie wollte das Baby nicht ... aber Ihr Großvater – er war ... sehr streng und religiös. Eine Abtreibung kam nicht in Frage. Den Namen des Kindvaters hat sie aus Scham nie verraten. Ihr Vater – Mr. House - er hat sie trotzdem geheiratet. Bevor Sie geboren wurden."
Er drückte ihn mit einer Macht an sich, die ihm gut tat, die seine verkrampften Muskeln lockerte. Merkwürdigerweise fühlte er nicht den Wunsch, zu weinen. Chase tat es für ihn. Statt zu lamentieren über sein Schicksal als Unerwünschter war es besser, ihn zu halten, ihn dicht an sich zu spüren, in seinem Haar selbstvergessen gegen den Strich zu graben und zu wissen, dass er ihn nicht verließ, weil er ein Bastard war. Gezeugt von einem Mann der Kirche, er, der absolute Atheist. Das war beinahe ein Hohn.
Abermals schluchzte Chase auf. „Bitte sagen Sie ihr nichts. Sie wollte, dass Sie es unter keinen Umständen erfahren. Aber es ... es hat mir geholfen. Weil sie dasselbe durchgemacht-..."
Stumm unterbrach er ihn, bevor er weitere Tränen vergießen würde, indem er ihm methodisch und zärtlich Flüssigkeiten von Augen, Mund und Kiefer küsste. Chase schmiegte sich an ihn. Allmählich wurde er wieder er selbst.
