Kapitel 1

-Der Eindringling-

„Hermione?"

Die leise Stimme im Flur draußen und ein Klopfen an der Tür ließen das Paar auf dem Bett erschreckt zusammenfahren, gerade als Hermione das Kondom abzurollen begann. Mit weit aufgerissenen Augen starrte sie ihren Freund an, der ähnlich erschreckt dreinblickte, ganz und gar nicht erfreut über die Störung.

„Wer zum Teufel ist das?" fragte er beunruhigt, angelte seine Kleidung vom Boden und begann eilig wieder in T-Shirt und Boxershorts zu schlüpfen.

„Woher soll ich das denn wissen?!" zischte Hermione leicht gereizt zurück. „Ich hab Wahrsagen in der dritten Klasse abgewählt. Schon vergessen?"

Damit glitt sie vom Bett und hob ihr ärmelloses, himmelblaues Nachthemd vom Boden auf. „Ich will mal bloß hoffen, dass es nicht Mrs. Weasley auf dem Kriegspfad ist," ergänzte sie, während sie sich hastig das Nachthemd über den Kopf zog.

Laut rief sie dann: „Ja! Ich bin hier. Wer ist denn da?!"

„Ich bin es, Ginny," erklang die zaghafte, tränenerstickte Stimme vom Flur aus. „Oh Hermione, darf ich reinkommen? Ich weiß es ist schrecklich spät, aber ich," ein weiteres ersticktes Aufschluchzen, „ich kann einfach nicht schlafen und ich – Ach bitte..."

Nach einem erleichterten Blickwechsel mit Harry rief Hermione: „Aber sicher doch, Gin! Warte, ich mach dir auf!"

Sie eilte zur Tür um ihre Freundin hereinzulassen. Mit gesenktem Kopf, die langen Locken zerzaust, schlich der in ein schlichtes weißes, ärmelloses Nachthemd gehüllte, Rotschopf ins Zimmer. Sie sah aus als habe sie schon eine ganze Weile geweint, doch als ihr Blick auf Harry fiel weiteten sich ihre Augen und eine flammende Röte schoss in ihre Wangen. „Oh – Harry! Was machst du denn hier?!"

Verwirrt blickte sie sich um. "Wo ist denn Lavender?" fragte sie mit einem Blick auf das verlassene Bett am Fenster in dem eigentlich Rons Freundin hätte liegen sollen.

Harry zuckte die Achseln. "Ist sie nicht da? Oh jeh, dann wird sie wohl schon wieder im Garten schlafwandeln!"

Hermione verdrehte die Augen. An Ginny gewandt erklärte sie lächelnd: „Hör nicht auf ihn, Gin. Er ist ein Idiot. Lavender ist oben, bei Ron."

"Sie ist – O-oh –" entgegnete das jüngere Mädchen errötend. Sie wurde sogar noch mehr rot als sie plötzlich bemerkte, dass Hermione ihr Nachthemd auf links trug und dass Harry nur in T-shirt und Boxershorts und ohne seine Brille mitten in deren Bett saß.

"Ich hab euch doch nicht irgendwie gestört, oder so?" stammelte sie "Ich meine... ich wusste ja nicht – ich – Soll ich euch nicht besser alleine lassen?"

"Ach was! Nein, jetzt kannst du auch hier bleiben, Gin," bemerkte Harry trocken. "Macht jetzt auch keinen Unterschied mehr."

Verwirrt wandte Ginny den Kopf. Ihre großen, reh-braunen Augen suchten Bestätigung im Gesicht ihrer Freundin. „Es tut mir leid, Hermione."

Sobald Harry seine Enttäuschung überwunden hatte, zwang auch er sich zu einem aufmunternden Lächeln. „Ist schon OK, ehrlich, Gin."

Mit einem Blick zu Hermione fragte er: „Soll ich euch zwei dann mal allein lassen, damit ihr reden könnt?"

"Und wo genau willst du hingehen, mhm?" fragte sie lächelnd zurück. "Ich kann mir wirklich nicht vorstellen, dass Ron und Lavender besonders begeistert sein werden, wenn du ausgerechnet jetzt in dein Bett zurückwillst."

Er warf ihr ein gezwungenes Lächeln zu. "Das ist wohl wahr."

Damit wandten sie beide wieder ihrem unerwarteten Gast ihre Aufmerksamkeit zu. Einladend, klopfte Harry mit der Hand aufs Bett. „Komm her, Ginny, setz dich doch."

Langsam und zögerlich folgte Ginny der Einladung und setzte sich neben ihn auf das Bett, wobei sie die Füße unter ihren Körper zog. Hermione gesellte sich zu ihnen und nahm auf der anderen Seite des Mädchens Platz. Wie die Beiden, lehnte auch sie sich mit dem Rücken gegen die Wand.

„Was ist denn los, Ginny?" fragte sie sanft. „Worüber wolltest du mit mir sprechen? Es macht dir doch nichts aus, dass Harry dabei ist, oder?"

Das jüngere Mädchen schüttelte den Kopf. „Nein, nein. Ach was, gar nicht! Ich – hab nur so furchtbar schlecht geträumt und ich dachte – Ach, ich hab's einfach nicht mehr alleine ausgehalten, da oben in meinem Zimmer– wisst ihr?"

Wieder fing sie an zu weinen. Ihre Stimme klang nun ganz zaghaft und tränenerstickt.

"Oh, war es wieder wegen Fred?" fragte Harry behutsam und legte den Arm um sie.

Bei dieser unerwarteten, tröstenden Berührung brach Ginny vollends zusammen. Sie nickte nur noch und vergrub das Gesicht schluchzend an seiner Brust.

Harry und Hermione wechselten daraufhin einen vielsagenden Blick über Ginnys Kopf hinweg. Das war nichts Neues. Es lag nun schon mehr als ein Jahr zurück – seit dem Ende der fünften Klasse – etwa der Zeit seit sie beide zusammen waren – dass sich der schreckliche ‚Unfall' ereignet hatte.

OO

Death Eater hatten Hogsmeade am helllichten Tag überfallen, um die Einwohner der kleinen Siedlung in Angst und Schrecken zu versetzen und ihnen einen Eindruck der wachsende Macht des Dunklen Lords zu verschaffen. Es war das letzte Hogsmeade Wochenende des Schuljahres gewesen und mehrere Schüler waren bei dem Überfall ums Leben gekommen.

Ginny and Ron hatten das Geschäft ihrer Brüder besucht um ein witziges Geburtstagsgeschenk für Harry auszusuchen. Ron und George waren durch die zersplitterten Holzteile und einige Balken der einstürzenden Decke ernsthaft verletzt worden, doch Ginny war mit einem bloßen Kratzer davongekommen. Das war allein Fred zu verdanken, der sie in eine Ecke gestoßen und sich vor sie gestellt hatte, als einer der drei in schwarze Roben gehüllten Männer mit ihren silbrig-weißen Masken, die den Laden zerstört hatten, seinen Zauberstab auf sie gerichtet hatte.

Ihr Bruder war von dem Todesfluch getroffen worden und es war sein lebloser Körper gewesen, der sie vor weiteren Angriffen geschützt hatte bis die drei Death Eater beim ersten Anzeichen der herannahenden Auroren geflohen waren.

Die gesamte Weasley Familie war davon tief erschüttert worden. Ginny aber hatte es am schwersten genommen. Sie hatte den Tod ihres Bruders mit ansehen müssen und während sich die übrigen Familienmitglieder nach und nach bemühten den Verlust anzunehmen und so normal wir eben möglich weiterzuleben, konnte Ginny die Schrecken des Angriffs und das Gefühl von Schuld und Verzweiflung, das sie bei der Erinnerung an Fred – der sich vor sie gestellt hatte um sie mit seinem Körper zu schützen und an ihrer Stelle gestorben war – nicht wirklich überwinden.

‚Ich hätte es sein sollen,' waren ihre ersten Worte gewesen, nachdem sie beinahe eine ganze Woche nach dem Angriff geschwiegen hatte.

Sie fühlte sich für seinen Tod verantwortlich und konnte das Gefühl der Schuld nicht überwinden. Zwar hatten sie alle ihr unzählige Male versichert, dass es nicht ihre Schuld gewesen war – dass es nichts anderes als Freds eigene Entscheidung gewesen war seine kleine Schwester beschützen zu wollen, und doch hatte es nicht das Geringste geändert.

Sie sagte nur, dass sie ihn im Leben nie richtig wertschätzt habe und sich immer nur über seine Späße und die Streiche die er ihr gespielt habe aufgeregt habe. Sie sagte sie wünsche, sie könne nur noch ein einziges mal über Froschlaich-Seife oder das dazupassende Shampoo, das er so oft in der Dusche platziert habe, oder über den Wirbel, den einer seiner Spaß-Zauberstäbe verursacht habe, lachen. Nur ein einziges Mal noch...

OO

Langsam verwandelten sich ihre herzerreißenden Schluchzer in leises Schniefen und verebbten schließlich ganz. Als Hermione sich hinüberbeugte um nach dem Rotschopf zu sehen, stellte sie fest, dass sich diese buchstäblich in den Schlaf geweint hatte. Ihr Kopf lag dabei noch immer in Harrys Halsbeuge.

Ganz vorsichtig, um sie nur ja nicht aufzuwecken, legte er das schlafende Mädchen auf das Bett und Hermione legte ihr die Bettdecke um die Schultern.

Ihre gemeinsame Freundin hatte die Ruhe ganz sicher verdient und weder Harry noch Hermione hatten das Herz sie zu stören. Mit einem leicht frustrierten Aufseufzen löschten sie das Licht und schlichen aus dem Zimmer um den Rest der Nacht in Ginnys Bett zu verbringen.

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A/N: Auch wenn Ihr es vielleicht nicht glauben mögt – das wird tatsächlich eine Draco/Hermione Geschichte. Versprochen!

Ich habe die 'Death Eater' hier nicht als ‚Todesser' bezeichnet, da ich mich damit irgendwie so gar nicht anfreunden kann. Es ist auch extrem ungewohnt ‚Hermine' zu schreiben, weil ich die Bücher in Englisch gelesen habe und sie für mich wohl immer 'Hermione' sein wird. Ich hoffe, Ihr könnt mir das verzeihen. ;)

Die Geschichte ist übrigens lange vor dem ‚Orden des Phoenix', dem ‚Halbblutprinzen' und ‚Den Heiligtümern des Todes' entstanden. Die Handlung ist also diesbezüglich definitiv AU. Also bitte nicht wundern, dass Snape und Dumbledore am Leben sind und alle im siebten Jahr zur Schule gehen. Fred ist da ein echt ‚lustiger' Zufall. Ich hatte mir einfach einen der Zwillinge zum ‚Sterben' ausgesucht. Irgendwie witzig, wenn es nicht so traurig wäre.

Ich hoffe es gefällt Euch, auch wenn es noch ein paar Kapitel dauern wird bis es romantisch wird mit Hermione und Draco.

Liebe Grüße, Serpentina