Was geht es mich an

Kapitel 3 -Schneewittchen und die Sieben Zwerge-

.

~Draco~

„Das wird dir noch leid tun, du mieses, wertloses, kleines Schlammblut! Glaub es mir – das zahl ich dir heim!"

Eindringlich und bedeutungsschwer hallten die Worte nach, während Draco in fassungsloser Empörung in die zornsprühenden braunen Augen Hermione Grangers starrte.

Sie hatte es tatsächlich gewagt ihn zu schlagen! Und das nicht zum ersten Mal! Schon einmal hatte sie sich erdreistet– damals im dritten Jahr. Und nun – wieder...

Abgelenkt durch den Anblick von Weasleys heulender Schwester in Potters Armen, hatte Draco zunächst gar nicht bemerkt, dass Granger ausgeholt hatte um ihm eine schallende, gepfefferte Ohrfeige zu verpassen.

Erst der scharfe, durchdringende Schmerz, der auf seiner linken Wange brannte, hatte ihn realisieren lassen was...

Dass sie es tatsächlich gewagt hatte...

„Es sollte wohl ausreichend Gelegenheit dazu geben," fügte er mit mühsam kontrollierter Empörung hinzu, während er noch immer gegen den Impuls ankämpfte, seine brennende Wange zu berühren.

Dies wiederum rief Potter und Weasley auf den Plan. „Lass sie bloß in Ruhe," fuhr Weasley auf und zog theatralisch seinen Zauberstab. „Du widerwärtiger, bösartiger..."

„Lass nur, Ron!" bremste Granger das überschäumende Temperament des Rotschopfs, „lass gut sein! Malfoy – ist die Mühe nicht wert. Ganz sicher nicht."

Langsam und geringschätzig – als wäre er weniger wert als Nichts – ließ sie ihren Blick dann über seine zugegebenermaßen aufgewühlte Erscheinung wandern, bevor sie sich mit einem Ausdruck abgrundtiefer Verachtung, abwandte – so vernichtend, dass Draco es in diesem Moment beinahe bedauerte, überhaupt Streit gesucht zu haben.

~Hermione~

Nachdem sie bereits wusste, dass Malfoy tatsächlich zum diesjährigen Schulsprecher ernannt worden war, bedeutete Dumbledores Ankündigung keine ganz so große Überraschung mehr für Hermione. Das Willkommensfest verlief in der üblichen fröhliche Stimmung und ohne weitere Zwischenfälle und so machte sich Hermione zunächst keine weiteren Gedanken um die leidige Tatsache, dass sie durch ihre neue Position zur Zusammenarbeit mit Malfoy gezwungen sein würde. Dies änderte sich jedoch, als die allgemeine Aufregung und das fröhliche Geplauder allmählich verebbten.

Angenehm gesättigt von einem wie immer üppigen Festmahl und erschöpft von den Aufregungen des Tages wurden die meisten Schüler jetzt von einer gewissen Trägheit befallen und so kehrte allmählich Ruhe ein, an den langen Haustischen.

Und als die Vertrauensschüler schließlich begannen, die neuen Schüler um sich zu scharen um sie in ihre jeweiligen Häuser zu geleiten, beschlich Hermione ein Gefühl der Wehmut. Volle zwei Jahre lang war sie die Vertrauensschülerin Gryffindors gewesen und es fühlte es sich seltsam an, nun andere ihre ehemaligen Aufgaben erfüllen zu sehen.

Zudem rief es ihr abermals die einschneidenden Veränderungen, die dieses letzte und besondere Schuljahr mit sich bringen würde, in Erinnerung. Überdeutlich wurde ihr auf einmal die volle Tragweite dieser Veränderungen bewusst. Allein die Tatsache, dass sie ihre Nächte von nun an nicht länger in dem ihr so vertauten Himmelbett im Turm der Gryffindors, sondern in gänzlich neuer Umgebung zubringen würde, erfüllte sie mit einer Mischung aus Wehmut und Begeisterung.

Als Schulsprecherin war sie nun nicht mehr nur für die Belange der Mitglieder ihres eigenen Hauses zuständig. Daher würde sie auch neue Räumlichkeiten in einem neutralen Teil der Schule erhalten, wo es den Schülern aller vier Häuser möglich war, ihre Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Wenn es nur nicht ausgerechnet Malfoy gewesen wäre, der die Räume neben ihren beziehen würde. Ohne ihn wäre es so viel leichter gewesen, sich in die neue Situation einzufinden.

Automatisch wanderte ihr Blick zum Haustisch der Slytherins hinüber. Malfoy jedoch musste die Große Halle bereits verlassen haben. Die Vorstellung, er könne bereits Pläne schmieden, wie er es im Zug angekündigt hatte, ließ sie erschaudern. Vor diesem Hintergrund erschien ihr die Aussicht, fortan ohne den Schutz ihrer Freunde, direkt neben ihm in einem ansonsten unbewohnten Korridor zu wohnen, noch sehr viel weniger erstrebenswert. Unbehagen erfüllte sie, als sie sich ausmalte, wie unangenehm eine derartige Situation für sie sein mochte.

Bevor sie sich allerdings ernsthafte Sorgen darüber machen konnte, riss sie eine Berührung ihres Armes aus ihren Gedanken.

„Hermione," fragte Harry und tippte sie wieder an, „He, Hermione, hörst du denn gar nicht?"

Überrascht blickte sie auf. „Doch. Doch, doch, Harry, aber sicher…"

Sie bemerkte Ron und Lavender, die auf der gegenüberliegenden Seite des Tisches miteinander flüsterten. Das Gemurmel unzähliger Stimmen erfüllte die Luft als die Schüler nun in kleinen und größeren Gruppen aus der Halle strömten.

„Hier ist ein Geist, der dich zu deinen neuen Räumen bringen will, Hermione," sagte Harry dann und erst jetzt bemerkte Hermione den ehemaligen Bibliothekar, der durchscheinend und mit bläulichem Schimmer neben ihm schwebte.

„Oh, Guten Abend, Mr. Axis," begrüßte Hermione den freundlichen Geist, welcher 'Magische Karten der Zauberwelt' bewohnte, erfreut.

Als ehemaliger Bibliothekar hatte er sein Ende hier in Hogwarts gefunden, indem er plötzlich und überaus unbeabsichtigt den Fall eines herabstürzenden, dicken Wälzers gebremst und sich unglücklicherweise dabei das Genick gebrochen hatte. Er war überaus erfreut gewesen die Bekanntschaft der eifrigen Gryffindor Schülerin zu machen, da er zugegebenermaßen nicht oft Besuch erhielt. Denn 'Magische Karten der Zauberwelt', eben jener Wälzer, der ihm das Genick gebrochen und ihn damit auf so schnöde Weise in sein jetziges Geisterdasein befördert hatte und in dem er infolge dessen Quartier bezogen hatte, wurde nicht sonderlich oft konsultiert.

„Ich habe gar nicht bemerkt, das Sie auf mich warten, verzeihen Sie bitte."

Der Geist strahlte über sein ganzes bläulich-weiß schimmerndes Gesicht, als er sie anlächelte. „Ahh – kein Grund zur Aufregung, Miss Granger. Ich habe alle Zeit der Welt – Ewigkeiten, wie ich betonen möchte. Aber der junge Mr. Malfoy wartet bereits in der Eingangshalle auf uns."

Diese Information löste bei Hermione wieder ein Gefühl des Unbehagens aus. Fest entschlossen sich von dem blonden Slytherin nichts gefallen zu lassen, erhob sie sich von ihrem Platz an der langen Tafel, doch wieder hielt Harry sie zurück.

„Hey, nun warte doch mal. Hast du dir schon ein Passwort überlegt?"

„Nein, noch nicht abschließend," antwortete Hermione, nachdenklich und zog dabei die Unterlippe zwischen die Zähne. „Ich dachte an so etwas wie –"

„Wie wär's mit Schnatz?" schlug er grinsend vor.

Hermione rollte entnervt die Augen. „Oh Harry! Hast du wirklich gar nichts anderes mehr im Kopf? Nein, ich dachte eher –"

„Naja, schon –" unterbrach Harry ihre Ausführungen mit vielsagendem Lächeln, „ich glaube allerdings nicht, dass sich dass als Passwort eignen würde…"

„Miss Granger," rief der geisterhafte Bibliothekar, der bereits ein Stück in Richtung der Großen Eingangstür vorrausgeschwebt war, nun leise.

„Ich muss gehen, Harry," erklärte Hermione daher hastig, als sie sich nun ebenfalls umwandte.

Abermals hielt Harry sie zurück. „Was ist denn nun mit dem Passwort, Hermione? Weist du, ich wollte nachher noch mal auf einen ‚Sprung' vorbei schauen." flüsterte er dann mit einem vielsagenden Augenzwinkern.

„Ja. Ja, meinetwegen. Ist gut Harry," versicherte Hermione mit einem nun sichtlich entnervten Aufseufzen.

Als sie die Eingangshalle erreichten, bemerkte sie Malfoy, der, die Arme vor der Brust verschränkt, lässig an das Geländer gelehnt, bereits am Fuß der großen Marmortreppe auf sie wartete. Mit einem Ausdruck, gelangweilter Arroganz blickte er ihnen entgegen.

„Wurde aber auch langsam Zeit, Granger," bemerkte er herablassend. „Wir konnten uns wohl nicht vom Wunderknaben trennen, was?"

„Ja genau. Ich wusste allerdings nicht, dass ‚wir' das gemeinsam haben," erklärte Hermione mit scharfer Zunge.

Der Ausdruck auf Malfoys Gesicht entschädigte sie für Manches an diesem Tag und trug sehr dazu bei, dass sich ihre Stimmung besserte. Ausnahmsweise einmal sagte er gar nichts und blickte sie nur finster an.

Doch während sie beide ihrem geisterhaften Begleiter zu ihren neuen Räumlichkeiten folgten, konnte Hermione nicht anders, als Malfoy den ein oder anderen verstohlenen Blick zu zuwerfen. Er hingegen ignorierte ihre Anwesenheit vollkommen. Er war dabei, wie es schien, vollkommen in Gedanken versunken.

Auf den ersten Blick, waren seine große, schlanke Gestalt, die aristokratischen Gesichtzüge und das weich fallende, weißblonde Haar tatsächlich mehr als ansprechend; doch ein einziger Blick seiner kalten, blass-grauen Augen ruinierte diesen Eindruck gleich wieder. In der Tat, schien manchmal etwas beinahe böses und unheilvolles in seinem Blick zu liegen und so war es wirklich nicht verwunderlich, dass sich Hermione bei der Aussicht, mit ihm zusammenarbeiten zu müssen, mehr als unbehaglich fühlte.

In den vergangenen zwei Jahren waren sie, als Vertauensschüler ihrer jeweiligen Häuser, mehr oder weniger gezwungen gewesen sich zu einem gewissen Grad miteinander zu arrangieren. Wirkliche Zusammenarbeit war jedoch nicht gefordert gewesen. Das würde sich nun ändern.

Derart abgelenkt von ihren Gedanken über Malfoy und all seine Unzulänglichkeiten, zuckte Hermione erschreckt zusammen als er plötzlich zu sprechen begann.

„Atlas?" wandte er sich an den ihnen vorranschwebenden Geist. „Wie ist das denn jetzt eigentlich mit meinem Passwort?"

Als der Angesprochene nicht sofort reagierte, versuchte er es erneut: „Atlas? He du, Atlas!" wiedeholte er, diesmal lauter und fordernder.

An dieser Stelle brach sich Hermiones aufgestaute Verärgerung erneut Bahn:

„Wirklich, Malfoy! Achtest du so wenig auf andere, dass du dich nicht einmal an den Namen einer Person erinnerst, die sich dir nur wenige Minuten zuvor vorgestellt hat?!" bemerkte sie abfällig und bedachte ihn mit einem weiteren, abfälligen Blick, „aber worüber wundere ich mich eigentlich? Ich hätte es wissen müssen. Es ist so typisch für dich! Wirklich!"

~Draco~

Draco glaubte seinen Ohren nicht zu trauen. Mitten auf der Treppe blieb er stehen. Er konnte einfach nicht glauben, dass Granger es – schon wieder – wagte ihn maßregeln zu müssen. Nach dem, was sie sich erst heute Morgen, in Zug herausgenommen hatte, täte sie wirklich besser daran ihm aus dem Weg zu gehen. Aber nein – sie musste sich natürlich weiter wichtig machen.

Und dann auch noch über einen solch kompletten Blödsinn... Tatsächlich lag sie mehr als falsch mit ihrer Annahme, denn die Dinge lagen ganz anders:

Schon als Kind hatte Draco es geliebt, die vielen großen und kleinen Land- und Sternenkarten zu betrachten, denn auch in der Bibliothek Malfoy Manors gab es eine Ausgabe des großen Buches. Stundenlang hatte er auf dem Boden vor dem Kamin gelegen und darin herum geblättert.

Als er dann nach Hogwarts gekommen war, hatte er sich – wie vermutlich alle Erstklässler – manchmal nach Hause zurückgewünscht. Was lag näher, als dazu eine Kopie des vertrauten Buches in der Bücherei von Hogwarts zu suchen. Auf diesem Wege hatte Draco den geisterhaften Bewohner der Hogwartsausgabe bereits in den ersten Wochen seines Ersten Schuljahres getroffen und da er auch später immer wieder einmal gern hineingesehen hatte, hatten sie einander gut genug kennen gelernt um sich gegenseitig mit Vornamen anzureden.

Doch Granger, die blöde Kuh, musste ihn natürlich sofort verurteilen, selbst wenn sie nicht die geringste Ahnung hatte.

„Ich würde eher sagen; es ist so typisch für – dich, Granger, deine Umgebung ununterbrochen mit deiner unerträglichen Besserwisserei zu nerven," gab Malfoy bissig zur Antwort. „Noch nie in Erwägung gezogen, dass sogar du mal daneben liegen könntest!?"

An dieser Stelle drehte sich ihnen vorrausschwebende Geist schließlich um.

„Aber, Draco, hältst du solche Worte einer Dame gegenüber für angemessen?" tadelte der Geist, begütigend. „Du solltest dich vielleicht auf deine Erziehung besinnen, meinst du nicht auch?"

~Hermione~

Bevor Malfoy auch nur die Chance hatte zu antworten, hatte sich ihr geisterhafter Begleiter bereits mit einem Lächeln ihr zugewandt.

„Sehen Sie, Miss Granger, da Mr. Malfoy und ich einander nun schon eine ganze Weile kennen, sind wir dazu übergegangen einander mit Vornamen anzusprechen. Das ist der Grund dafür, dass er mich ‚Atlas' nennt."

„Zu deiner Frage, Draco," rief er dann über die Schulter zurück, „es steht euch beiden frei, jedwedes Passwort zu wählen. Ich rate jedoch zur Umsicht, denn... Nun, ihr solltet unbedingt bedenken, dass ihr diese Passworte – einmal gewählt – für den Rest eurer Zeit hier, nicht mehr werdet verändern können."

Verstohlen spähte Hermione wieder zu Malfoy hinüber, welcher, den Blick noch immer stur geradeaus gerichtet, seinen Weg fortsetzte, ohne sich auch nur im Geringsten zu beklagen. Sie hätte nicht erwartet, das er die Kritik des Geistes so gut aufnehmen würde.

Als sie das vierte Stockwerk erreichten, verließ Atlas Axis das große Treppenhaus und schwebte um zwei Ecken in einen kurzen Gang zu ihrer Rechten hinein.

Auf der rechten Seite dieses Ganges lagen zwei hohe, schmale Bogen-Fenster, deren rautenförmiges bläuliches Glas den Gang in dämmriges, bläulich schimmerndes Licht tauchte, der diesem Ort eine angenehme, beinahe traumartige Atmosphäre verlieh.

Am anderen Ende dieses Korridors konnte Hermione eine schmale, weißen Marmortreppe erkennen, die in den Bereich des Schlosses führen musste, wo die Gemeinschaftsräume der Häuser Ravenclaw and Hufflepuff lagen. Die einzigen Türen hier waren zwei schwere aus Ebenholz gefertigte, spitzbogige Portale zu ihrer Linken.

~Draco~

„Da wären wir, also," sagte Atlas und blieb stehen.

„Entschuldigen Sie, Miss Granger, aber das sind Mr. Malfoys Räumlichkeiten," erklärte er, als sich diese unwillkürlich der linken dieser beiden Türen zu wandte. Mit einem Nicken deutete er daraufhin zu rechten Tür hinüber und fügte erklärend hinzu: „Grundsätzlich wäre es ja egal, doch ihre Sachen wurden bereits heraufgebracht. Daher... Dies hier sind Ihre Zimmer, Miss Granger."

Draco hätte beinahe laut aufgelacht, beim Anblick Grangers, die bei dieser Erklärung wie von der Tarantel gestochen und mit einem Ausdruck puren Entsetzens, von seiner Tür zurück wich.

„Ich werde ihnen jetzt die Passworte des vergangenen Jahres mitteilen um die Türen zu öffnen. Sobald sie eintreten, legen Sie bitte das neue Passwort für ihre Räumlichkeiten fest. Es wird automatisch aktiviert, sobald die Tür ins Schloss fällt und muss fortan jeweils zum Öffnen und Schließen derselben laut ausgesprochen werden. Ich möchte Sie beide an dieser Stelle nochmals darauf hinweisen, ihre Wahl mit äußerster Bedacht zu treffen, da..."

„Ja, ich weiß schon. Komm jetzt, Atlas, mach mir bitte einfach die Tür auf, ja?" bat Draco mit einem vielsagenden Seitenblick auf Granger. „Ich hab nun wirklich mehr als genug von ihr, für einen Tag."

„Kleines Schneewittchen," bemerkte Atlas in eben diesem Augenblick, schmunzelnd und für einen Moment hatte Draco die bizarre Vorstellung sein geisterhafter Freund beziehe dies auf Granger, die ein paar Schritte entfernt mit dem Rücken gegen eine der beiden Fensterbrüstungen gelehnt dastand und sie beobachtete.

Als im nächsten Augenblick jedoch die linke der schweren Ebenholz-Türen aufschwang ihm Einlass zu gewähren, begriff Draco, dass es sich um das Passwort des ehemaligen Schulsprechers handelte. Nun, er war schon immer der Meinung, dass dieser ein lustiger Vogel gewesen war.

Natürlich musste Granger – die blöde Schnepfe – wiedereinmal ungefragt irgendetwas dazu von sich geben und wenn es auch kein Kommentar, sondern nur – wie in diesem Fall – ein dezentes Hüsteln war, es reichte vollkommen aus, ihn in Rage zu versetzen. Bemüht sich auf gar keinen Fall anmerken zu lassen wie sehr ihn ihre herablassende Haltung ärgerte, drehte er sich um.

„Wette, deins sind: ‚Die sieben Zwerge', oder so was! Wart's nur ab," bemerkte er betont lässig, auch wenn ihn ihre selbstgefällige Haltung und dieses Hüsteln schier zur Raserei brachten. "Solltest mal besser nicht lachen, bevor du deins gehört hast, Granger."

Sie warf ihm einen weiteren ihrer vernichtend arroganten Blicke zu, bevor sie sich ohne ein weiteres Wort umwandte und ihn einfach stehen ließ. Abermals schnappte Draco vor Empörung nach Luft, sagte aber vorerst nichts mehr.

Zu neugierig um einfach in seinem Zimmer zu verschwinden, lehnte er sich einfach in den Türrahmen und wartete darauf, dass Atlas nun auch Cho Changs ehemaliges Passwort preisgab.

„Harry Potter", rief Atlas daraufhin leise und Draco wandte instinktiv den Kopf dem Treppenabsatz zu.

Doch –

Da war niemand.

Dann hörte er eine Tür aufschwingen und erst jetzt begriff Draco, dass es sich um das ehemalige Passwort zu Grangers neuen Räumen handeln musste.

Ihrem verwirrten Gesichtsausdruck nach zu urteilen, war sie ebenfalls überrascht und so nutzte er die willkommene Gelegenheit, sie zu verspotten.

„Tja, Granger," höhnte er mit sichtlich belustigtem Grinsen, „sieht ganz so aus, als wären ‚Die Sieben Zwerge' doch die bessere Option gewesen. Aber na ja, vielleicht solltest du's dabei belassen, weist du? Selbst Potter sollte in der Lage sein, sich seinen eigenen Namen zu merken, was?"

Mit einem Blick purer Verachtung durchschritt er dann das Portal zu seinen eigenen Räumlichkeiten.

„Schlammblut!" murmelte er mit tiefempfundener Herablassung, genau in dem Moment, da die Tür ins Schloss fiel.

~Hermione~

Ein amüsiertes Lächeln zuckte um Hermiones Lippen, als sie ihre eigenen Räume betrat. Sie war zunächst tatsächlich versucht gewesen Cho's ‚Harry Potter', einfach zu behalten, doch nachdem Malfoy die Worte nun einmal gehört hatte, kam das natürlich nicht mehr in Frage.

Sie konnte sich schwerlich vorstellen, das er es beim ‚Kleinen Schneewittchen', belassen würde.

Es war so ein Spaß gewesen zu sehen, wie unangenehm ihm das ehemalige Passwort gewesen war.

Ihre eigenen Räumlichkeiten stellten eine angenehme Überraschung dar. Drei riesige, vom Boden bis zur Decke reichende Spitzbogenfenster beherrschten die gegenüberliegende Wand und erlaubten es den letzten rotglühenden Strahlen der Abendsonne den großen Wohn- und Arbeitsraum mit dem ganz besonderen Zauber späten Tageslichts zu fluten. Die Wände waren aus den gleichen großen, schweren, blassgelben Sandsteinblöcken gefügt wie überall im Schloss. Die Wand rund um die Eingangstür bestand aus einer langen Reihe deckenhoher Bücherregale.

Ein riesiger, wunderschöner orientalischer Teppich mit saphirblauen und beigen Ornamenten bedeckte einen großen Teil der schweren Eichendielen und die zarten, ebenfalls dunkelblauen, Vorhänge bewegten sich leicht im Wind, da zwei der riesigen hohen Fenster offenbar nur angelehnt waren.

Hermione nahm an, dass Cho die Einrichtung den Farben Ravenclaws angepasst hatte und für einen kurzen Moment zog sie in Erwägung, die Farben der Vorhänge und des Teppichs zu rot und gold zu verwandeln, entschied sich dann jedoch dagegen.

Tatsächlich war das leuchtende blau eine überaus gute Wahl, die hervorragend mit den schweren, dunklen Möbelstücken harmonierte.

Ein riesiger, wuchtiger Schreibtisch aus Ebenholz stand vor diesen Fenstern, frei im Raum, so dass man bequem darum herum gehen konnte um die Landschaft zu betrachten.

Rechts der Eingangstür standen zwei große, hell beige Couchen mit vielen zusätzlichen Kissen darin einander gegenüber, die zu langen gemütlichen Gesprächen geradezu einzuladen schienen. Auf dem schmalen Tisch dazwischen waren unzählige Kornblumen in einer kugelrunden Vase drapiert.

An der Wand ganz rechts stand ein Sideboard aus ebenfalls tiefschwarzem Holz. Hier, so beschloss Hermione spontan, würde sie ihre Fotos aufstellen. Erinnerungen der magischen, wie der Mugglewelt – beide – sollten hier Platz finden.

Darüber hinaus gab es ein hübsches Bad in elfenbeinfarbenem Design und einen kleinen Arbeitbereich mit einem Kessel um Tee zu bereiten oder eventuell notwendige Tränke zu brauen. Die Wände dieser Räume ragten in den hintern Teil des großen Wohn- und Arbeitszimmers hinein, so dass dieser ein L zu bilden schien, mit dem riesigen, vor den Fenstern platzierten Schreibtisch an dessen Endpunkt.

Die linke Wand wurde von einem riesigen, Kamin mit crème-weißer Esse beinahe vollständig dominiert. Daneben führte eine Tür in Hermiones neues Schlafzimmer in dem ein großes wunderschönes Himmelbett mit ebenfalls blauen Vorhängen stand. Eine große Kommode, ein Nachttisch und ein großer Spiegel, allesamt aus dem gleichen, wunderschönen dunklen Holz gearbeitet, vervollständigten die Einrichtung.

Am Fußende des großen Himmelbettes stand ihr Koffer. Er war bereits ausgepackt. Lediglich eine Reihe persönlicher Gegenstände, wie Fotos und einige Bücher waren von den Hauselfen auf dem Deckel des Koffers zurückgelassen worden, so dass Hermione diese nach ihren eigenen Vorstellungen arrangieren konnte.

Zunächst jedoch trat sie an die beiden hohen, schmalen Fenster, die auch in diesem Zimmer die gesamte Höhe des Raumes einnahmen und blickte hinaus. Es dämmerte nun bereits stark. Der goldene Glanz der Abendsonne, der vorhin noch durch die Fenster des Nebenraumes hereingeflutet war, war verschwunden und lange Schatten fielen über die weite Rasenfläche.

Lächelnd beobachtete Hermione, wie einige Fledermäuse unter den Dachschindeln von Hagrids Hütte hervorschlüpften, flatternd aufstiegen und im letzten Licht des Tages in Richtung des verbotenen Waldes davonflogen.

Es wurde Nacht. Die Erste in ihrem neuen Quartier. Die Erste in diesem letzten, so überaus wichtigen Jahr hier in Hogwarts. Was würde es bringen? Auf welche Erlebnisse und Erfahrungen mochte sie zurückblicken, wenn sie am Ende dieses Schuljahres, an ihrem letzten Abend in diesen Räumen, wieder aus eben diesem Fenster schauen würde? Sie freute sich darauf es herauszufinden. Wäre es nicht ausgerechnet Malfoy gewesen, der nun die Räume neben ihren bewohnte, so hätte sie wahrhaft zufrieden sie können.

Ein halbe Sunde später, während Hermione noch damit beschäftigt war, sich einzurichten, schwang die schwere Eingangstür plötzlich auf. Mit bedeutungsvollem Blick, schlüpfte Harry ins Zimmer…

~Draco~

Gerade als Draco die letzten seiner persönlichen Dinge in seinen neuen Räumen an ihren Platz stellte, hörte er die Stimmen zum ersten Mal.

Es dauerte einen Moment, bis er begriff, dass das Grangers Stimme war – hinter der Wand und – dass sie nicht allein sein konnte. Ganz eindeutig war da eine zweite Stimme zu vernehmen – tiefer und weniger melodisch als ihre. Potter!

Neugierig geworden, trat Draco ein wenig näher an das wuchtige Sideboard aus Ebenholz heran, auf dem er einige Fotografien aufgestellt hatte. Den Kopf zur Seite geneigt, hörte er ein wenig genauer hin, konnte jedoch nicht verstehen, was gesprochen wurde.

Doch eigentlich war er mehr als überrascht, dass durch die dicken Sandsteinwände überhaupt irgendetwas zu hören war, aber vielleicht hatte es einst eine Verbindungs-Tür oder dergleichen gegeben, die es möglich machte. Er konnte nicht verstehen was gesagt wurde – wollte es auch gar nicht – doch es war mehr als eindeutig, das Granger kein Selbstgespräch führte. Er war jedoch mehr als nur ein wenig überrascht, dass ausgerechnet Granger – die sich so sehr bemühte allen – auch den unsinnigsten – Schulvorschriften gerecht zu werden und somit praktisch jedermanns gutes Vorbild war, es wagte ihren Freund in ihren Räumen zu ‚treffen'.

Sofern Grangers Räumlichkeiten den seinen entsprachen, so musste hinter dieser Wand hier ihr Schlafzimmer liegen. Es war nicht gern gesehen, die Nächte irgendwo sonst als in den eigenen Schlafsälen zu verbringen und sollte bekannt werden, dass Potter dennoch die Nacht in ihrem Bett verbracht hatte, so wäre das für Grangers Reputation im besten Falle – ungünstig, und könnte sich äußerst negativ auf ihre Position als Schulsprecherin auswirken.

Während sich andere Schüler nur darum sorgen mussten Hauspunkte zu verlieren, stand für die Schulsprecherin, wohl mehr auf dem Spiel. Ganz offensichtlich jedoch schien Granger dieses Risiko einzugehen.

Seine Vermutung wurde dadurch bestätigt, das kurz nachdem er die beiden Stimmen vernommen hatte, Potters unmissverständliche Gestöhne an sein Ohr drang.

Angewidert von der Vorstellung, dass er gerade mitanhörte, wie Potter mit seinem Schlammblut herummachte, trat er von der Wand zurück.

Die alarmierende Kürze des Gerangels, entlockte ihm jedoch ein Grinsen. Wie es aussah hatte Potter nicht sonderlich lange durchgehalten. Auch hatte er rein gar nichts von Granger gehört. Ganz offensichtlich war Potter – auf diesem Gebiet – alles andere als ein Wunderknabe.

Zu seinem Entsetzen wiederholte sich das Ganze noch zwei mal im Verlauf der Nacht – und es war jedes Mal nur Potters albernes Gestöhne, das er dabei vernahm, von Granger hingegen hörte er auch jetzt – nichts.

Armes Schlammblut', dachte er mit boshaftem Lachen und nachdem er den ersten Schock über seine Entdeckung verdaut hatte, fragte er sich, ob er aus diesem Wissen nicht vielleicht sogar irgendeinen Vorteil ziehen konnte.

~Hermione~

Das Leben in Hogwarts begann recht strapaziös für Hermione.

Die Zusammenarbeit mit Malfoy erwies sich als genauso unerfreulich, wie sie es vorrausgesehen hatte und bereits am Ende der ersten Woche, war sie restlos entnervt. Bisher war noch keine wirkliche Zusammenarbeit von ihnen gefordert worden, doch die eine Schulkonferenz, an der auch sie beide hatten teilnehmen müssen, hatte sich bereits gezeigt, dass es alles andere als einfach werden würde. Sie war sich beinahe sicher, dass – sobald wirkliche Zusammenarbeit von ihnen gefordert wurde – die Fetzen fliegen würden.

Sie war schon froh darüber, dass er zumindest davon abgesehen hatte, sie vor den jüngeren Schülern in Frage zu stellen. Mehr Positives vermochte sie der Situation allerdings beim besten Willen nicht abzugewinnen. Natürlich war auch das nur dem Amt der Schulsprecher geschuldet, denn als solche hatten sie natürlich das Gesicht zu wahren. Doch war nur eine Frage der Zeit, wie lange dieser falsche Frieden andauern mochte. Es war in etwa so, als würde sie beständig um einen rauchenden Vulkan herumtanzen und diese Vorstellung gefiel ihr ganz und gar nicht.

Als Harry an diesem Abend kam um sie zu sehen, konnte sich Hermione nicht so recht entspannen. Wie lähmend, lasteten die Anstrengungen des Tages auf ihr und am liebsten hätte sie sich einfach nur mit einem guten Buch und einer heißen Tasse Tee auf die Couch oder in ihr gemütliches Himmelbett gekuschelt und den Tag ausklingen lassen.

Der Stress all ihrer neuen Verpflichtungen schien ihr mehr zu zusetzen als sie gedacht hätte. Erwartungsgemäß hatte Harry allerdings wenig Verständnis für all die Dinge, die sie beschäftigten. Auch nahm er es nicht sonderlich gut auf, wenn sie gedanklich entweder zu abgelenkt oder schlicht und einfach zu erschöpft war und daher keinen Sinn für Sex hatte.

Dies wiederum trug noch weiter dazu bei, dass sie sich gestresst fühlte. Ein paar mal war sie, um weitere Unstimmigkeiten zu vermeiden, auf seine Annäherungen eingegangen, obwohl ihr rein gar nicht der Sinn danach stand. Doch sie hätte sich wirklich eine weniger sexuell geprägte Ausrichtung ihrer Beziehung gewünscht.

Auch am heutigen Abend hatte Harry ganz und gar kein Verständnis dafür, dass sie schlichtweg zu erschöpft war um auch nur an etwas wie sexuelles Verlangen zu denken.

„Du findest nun wirklich immer eine gute Ausrede mich zu vertrösten, was?!" schnappte er verärgert, „Zuerst hab ich ja noch gedacht, du machst das mit Absicht, nur um mich zu ärgern, aber allmählich hab ich den Eindruck, du bist wirklich einfach nur entsetzlich prüde, Hermione? Nie geht mal was von dir aus – und wenn du überhaupt mal mitmachst, dann muss ich dich erst endlos lange überreden!"

Wieder schnappte Hermione nach Luft.

„Nun, das mag vielleicht daran liegen, dass du noch nicht gemerkt zu haben scheinst, dass es nicht immer erstrebenswert ist den 'Schnatz' so schnell wie möglich zu fangen!" gab sie erbost zurück. „Hast du schon mal darüber nachgedacht?!"

„Was!?"

„Nun, es könnte manchmal tatsächlich besser sein, zur Abwechslung mal deiner 'Mitspielerin' den Vortritt zu lassen, weist du?" ergänzte sie mit süßlicher Stimme.

„Was soll das jetzt wieder heißen!?" schnappte Harry, zurück.

„Es heißt, dass du dich mal ein bisschen mehr dafür interessieren könntest, wie ich mich dabei fühle, wenn du mich 'beglückst'!" zischte Hermione nun ernsthaft frustriert.

„Ha – Erzähl mir mal nicht, dass du keinen Spaß daran hast!" gab er giftig zurück.

Das war genug.

Wütend sprang Hermione auf sie Füße. „Nein, hab ich nicht!" fauchte sie. „Um's mal genau zu nehmen, macht es mir überhaupt keinen Spaß, Harry!"

Bei ihrem Ausbruch war er ebenfalls aufgesprungen. "Ach ja!? Ist das so?"

„Ja. Zumindest nicht so," lenkte Hermione nun sichtlich erschöpft ein. Das alles nahm sie sehr mit.

„Bitte, Harry, ich will nicht – schon wieder – streiten. Ich hab so viel Stress im Moment und ich bin einfach nur hundemüde, ganz ehrlich und ich fühl mich irgendwie gar nicht gut... Ich weiß auch nicht. Können wir uns nicht erst mal ein bisschen zusammen kuscheln? Vielleicht ergibt sich dann ja auch später noch mehr – "

Mit diesem Vorschlag schien sie ihn in der gegenwärtigen Situation jedoch nur noch weiter zu reizen.

„Ach – bitte – " höhnte er gereizt, "komm mir nicht wieder mit deiner ewigen Kuschelei! Erwartest du ernsthaft, dass ich damit zufrieden bin?! Echt jetzt mal..."

„Nun, ich für meinen Teil, bin jedenfalls nicht damit zufrieden, mir lediglich in irgendwelchen dunklen Ecken den Rock hochschieben und mich von dir die Wände rauf vögeln zu lassen!" fauchte sie. „Das einzig Gute daran ist, dass es meistens nicht länger allzu lange dauert, bis du damit fertig bist!"

Fassungslos starrte Harry sie an.

„Na toll!" brüllte er dann zurück, „Toll! Geh ich eben wieder in meinen Schlafraum und mach's mir selbst! Daran bin ich ja nun langsam echt gewöhnt! Ich glaube jedenfalls nicht, dass es viel Sinn hat heute Nacht hier zubleiben!"

„Ja," bestätigte Hermione mit deutlicher Schärfe, "das sehe ich genauso! Viel Spaß dabei."

~o~

Nach ihrem hässlichen Streit verspürte Hermione das starke Bedürfnis zu weinen, sträubte sich jedoch dem Impuls nachzugeben. Nervös und angespannt, die Arme in einer defensiven Geste um sich selbst geschlungen, lief sie zwischen ihrem Schreibtisch und den dahinterliegenden hohen Fenstern auf und ab und blickte über die weitläufigen Ländereien der Schule hinaus, die sich bis zum Seeufer hinunter erstreckten.

Sie wollte nicht weinen. Nicht wegen eines so dummen, unnötigen Streits. Doch es war gar nicht so leicht, die Tränen zurückzudrängen, die heiß hinter ihren Lidern zu brennen begannen. Sie hasste es regelrecht, wie überempfindlich sie in letzte Zeit war, aber sie ärgerte sich so und war einfach nur entsetzlich gestresst von alledem.

Es war so ungerecht.

Sie hatte so hart für alles gearbeitet – die hervorragenden Noten, mit denen sie in dieses letzte und wichtigste Schuljahr gestartet war – das Amt der Schulsprecherin. Sie hatte sich so sehr auf all dies hier gefreut, sich alles so schön ausgemalt und nun, da sie es tatsächlich erreicht hatte, vermieste ihr dieser ganze blöde Mist die Freude daran...

Wieder und wieder schluckte sie gegen das plötzliche Engegefühl in ihrer Kehle an, schluckte die Tränen hinunter. Ihr war regelrecht elend zumute – richtig flau.

Vor lauter Wut darüber füllten sich ihre Augen nun doch mit Tränen. Wütend blinzelte sie dagegen an, biss die Zähne zusammen und blinzelte wieder.

Seufzend lehnte sich Hermione gegen die Kante ihres Schreibtischs zurück um tief, ganz tief durchzuatmen und ganz allmählich wurde es besser. Oh Mann! Sie musste wirklich fix und fertig sein, wenn sie das alles derart mitnahm.

Das plötzliche Aufschwingen der Tür lies sie herumfahren. Sie erwartete Harry zu sehen, der offenbar zur Einsicht gekommen und zurückgekehrt war um sich zu entschuldigen und die Erleichterung darüber lies ihr Herz zunächst höher schlagen. Dann jedoch weiteten sich ihre Augen vor Entsetzten.

Es war nicht Harry, wie sie feststellte.

Stattdessen fiel ihr Blick auf die schlanke, hochgewachsene Gestalt Draco Malfoys, der dort drüben im Türrahmen stand und sie angrinste. „Na, Ehekrach?" höhnte er mit aufreizender Genugtuung.

Hermione eilte, von Empörung getrieben, quer durch das Zimmer auf ihn zu. „Wie kannst du es wagen – " fuhr sie auf, hielt dann jedoch inne, bevor sie mit offensichtlichem Erstaunen hinzufügte, „und woher kennst du überhaupt das Passwort?"

„Ach weist du – das war jetzt nicht – so – furchtbar schwer. Ich wäre nicht sonderlich überrascht, wenn die halbe Schule ihn 'Schnatz', hätte brüllen hören, als er abgerauscht ist. Denn, mal ganz ehrlich, ‚Schatz' dürfte es wohl kaum gewesen sein, aus dem Gesamtkontext zu schließen..." witzelte er dann.

Neuerlich mit dem Passwort konfrontiert, schloss sich die Tür und Malfoy trat nun mit selbstzufriedenem Grinsen, vollends ins Zimmer.

Hermione bedachte ihn mit einem wütenden Blick. „Ich kann mich nicht erinnern, dich reingebeten zu haben, Malfoy! Mach das du rauskommst!"

„Na, na, Granger – jetzt enttäuscht du mich aber. Was sind denn das für Manieren? Deine arme, Hauself-Nanny wäre entsetzt. Ach warte – Stimmt! Du hattest ja gar keine! Na, das erklärt Manches..."

Hermiones Augen verengten sich zu Schlitzen. „Was willst du hier, Malfoy? Spuck's aus und verschwinde. Ich bin nicht in der Stimmung für dein dummes Gelaber oder irgendwelche Spielchen."

„Mmm, Ja, genau das scheint das Problem zu sein – nicht war? Wie es aussieht bist du offenbar nie – in Stimmung… für ‚irgendwelche Spielchen', habe ich nicht Recht?" fragte er dann, betont sanft.

„Du hast gelauscht!?" fuhr Hermione auf. „Das ist wirklich das Letzte! Erzähl du mir was von Manieren!"

„Sollte ich da etwa einen Nerv getroffen haben, Granger?" konterte er mit nonchalant. „Deines Herzens allerliebster – Super-Sucher – " hier machte er eine bedeutungsschwere Pause, deren Wirkung er bewusst auskostete ehe er fortfuhr, „ist nicht unbedingt auf den Mund gefallen, weist du! Und daher…"

Ein weiterer vielsagender Blick. „Nun, sagen wir mal; ich konnte nicht umhin Zeuge einiger eurer – ähh – Gespräche zu werden. Leider."

Hermione spürte wie eine flammende Röte in ihre Wangen stieg. Unglücklicherweise schien das auch Malfoy aufzufallen, denn er fügte nun mit einem kurzen, gehässigen Auflachen hinzu: „Ich sehe, wir verstehen uns, Granger," schmunzelte er. „Wie schön."

Voller innerlicher Anspannung straffte sich auch Hermiones äußere Haltung bei diesen Worten. „Ich fürchte, ich kann nicht ganz folgen, Malfoy," entgegnete sie, kurzangebunden.

Ihre offensichtliche Ablehnung ignorierend, ließ sich dieser gänzlich ungebeten auf einer der beiden Couchen nieder. Die Arme provozierend vor der Brust verschränkt, die Beine lang ausgestreckt und an den Knöcheln übereinandergeschlagen, lehnte er sich betont lässig in die weichen Polster zurück um sie anzusehen.

„Sie mal, Schlammblut," erklärte er herablassend, „du und ich werden ein Abkommen treffen."

A/N: Hier ist ein neues Kapitel für Euch. Ich hoffe Ihr habt Spaß daran. Es wäre wirklich sehr lieb, wenn Ihr mir ein paar Kommentare hinterlassen würdet. ;) Auf jeden Fall freue ich mich sehr, dass die Geschichte gelesen wird!

Die ersten beiden Wirbel der Halswirbelsäule werden anatomisch als Atlas and Axis bezeichnet. Da beiden Bezeichnungen gewissermaßen auch eine geographische Bedeutung zukommt, fand ich sie passend für einen Geist, dem von einem herunterstürzenden Atlas das Genick gebrochen wurde. Ist vielleicht nicht weiter wichtig, aber ich liebe Details und hatte einfach Spaß daran ihn zu konstruieren.

Um Verwirrung zu vermeiden: Ich gebrauche hier 'Schnatz' als Metapher für Höhepunkt im allgemeinen, nicht nur – für den weiblichen Teil. Da Harry ein außergewöhnlich schneller Sucher ist, fängt er seinen Schnatz üblicherweise bereits kurz nach Eröffnung des Spiels...

Ein schönes Halloween wünscht Euch allen – Serpentina