Mir gehören weder die Charaktere noch die Handlung, ich übersetze nur.

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Es schien, als bräuchte Sirius eine Ewigkeit, zu fallen: sein Körper bog sich in einem eleganten Bogen, als er rückwärts durch den zerrissenen Vorhang fiel, der vom Bogen herunterhing. Harry sah den Blick aus vermischter Angst und Überraschung auf dem vergeudeten, einstmals attraktiven Gesicht seines Paten, als er durch den antiken Torbogen hinter den Vorhang fiel, der einen Moment lang stark wehte, um dann wieder zurückzufallen.

„SIRIUS!" schrie Harry. „SIRIUS, SIRIUS!"

Sirius war da, nur hinter dem Vorhang, er wusste es, er konnte ihn retten, er konnte… aber etwas hielt ihn zurück, etwas wirrte seine Beine ein… eine Schlange, eine riesige Schlange, sich zischend um seine Knöchel und Knie windend, ihn an seinen Bemühungen hindernd, zu seinem Paten zu rennen. Er musste wegkommen, er musste es – er musste Sirius retten!

„Sirius! Harry rief in einer Qual aus Trauer. Sirius, Sirius! Mit einem allmächtigen Ruck riss er sich von dem gewundenen Griff der Schlange frei und lief vorwärts und hinunter-

und landete hart auf dem blanken Fußboden seines Zimmers im Ligusterweg, die Bettdecke in seine Füße verwickelt.

Langsam setzte sich Harry auf. Er atmete in kurzen, schweren Keuchern, als ob er lang und schnell gerannt wäre. Sein Herz hämmerte in seinen Ohren und Schweiß tropfte sein Gesicht hinunter.

Merlin, Onkel Vernon! Dachte er. Wenn ich ihn aufgeweckt habe, bin ich tot-

Harry kraxelte auf seine Füße und eilte zu seiner Zimmertür. Er traute sich nicht, sie zu öffnen, er lehnte sich nur gegen den Türpfosten, und hörte genau hin.

Nach einem spannungsvollen Moment, beruhigte sich sein Herzklopfen genug, um ihn Onkel Vernons stetige Schnarcher zu hören.

Aus Erleichterung seufzend, ging Harry zurück zu seinem Bett und setzte sich hin. Der leichte Schweiß auf seinem Körper hatte zu Trocknen begonnen und er zitterte ein wenig. Er schaltete seine Nachttischlampe an und setzte seine Brille auf, langte zum Wasserglas auf seinem Nachttisch und trank es aus.

Ein leises, raschelndes Geräusch erhaschte seine Aufmerksamkeit und er drehte sich in Richtung Hedwigs Käfig.

Die Fledermaus, die er früher am Tag vom Garten gerettet hatte, war wach und beobachtete ihn teilnahmslos.

„Hey, Spartacus", sagte Harry leise.

Die Fledermaus starrte ihn nur an, nicht blinzelnd. Seine schwarzen Augen schimmerten im schwachen Licht der Lampe.

Harry schaute zuerst weg. Er blickte auf die Uhr auf dem Regal, die einmal Dudley gehört hatte, aber dann in diesen Raum abgeschoben wurde, nachdem Dudley ihn eines Morgens an die Wand geschmissen hat. Harry schaffte es, sie zu reparieren und es zeigte 2:30 Uhr.

Harry lehnte sich vorwärts, die Ellenbogen auf seinen Knien, das Gesicht in den Händen und schob seine Daumen unter seine Brille, um langsame Kreise über seine brennenden Augen zu reiben. Jede Nacht war es das Selbe – wenn es nicht Sirius war, war es Cedric. Wenn es nicht Cedric war, war es Voldemort. Die Albträume rissen ihn allnächtlich aus einem tiefen Schlaf, manchmal schrie er laut genug, um Vernon aufzuwecken, der dann den Flur hinunter stürmte und seinen Neffen mit Drohungen oder Schlägen belohnte. So oder so konnte er nicht mehr einschlafen. Dies war bis jetzt der früheste Zeitpunkt, zu dem ihn ein Albtraum aufgeweckt hatte. Er wusste nicht, wie er so weitermachen sollte. Er würde mit seinen Aufgaben nicht mehr fertig werden können und das würde Vernon Amok laufen lassen. Geschlagen werden war schlimm, aber, dass ihn die Dursleys beschimpfen und somit aus seiner Trauer herausreißen könnten, war noch schlimmer.

Harry wünschte sich, dass Hedwig hier wäre. Hedwig schien immer… schien immer zuzuhören, wenn er zu ihr sprach, und er brauchte dringend jemanden zum Sprechen.

Vielleicht sollte er Ron oder Hermine schreiben. Ohne Hedwig konnte er den Brief natürlich nicht sofort abschicken, aber er konnte ihn mit der nächsten Eule senden, die einen Brief von ihnen brachte. Sie waren wirklich tolle Freunde… jeder von ihnen hatte schon einmal geschrieben und er hatte sogar eine kleine Notiz von einem sehr abgelenkten Remus bekommen und sogar ein kleines Update (erholt sich gut) von Hagrid. Aber irgendwie wollte er seine Gedanken und Gefühle über Sirius in keinen Brief aufschreiben. Und auch nicht unbedingt seinen besten Freunden beichten, wie besorgt und ängstlich er sich fühlte (sie wussten noch nicht einmal von de Prophezeiung). Wie zerbrechlich und unsicher alles schien und wie schwach er sich fühlte.

Er vermisste Hedwig.

Mit einem Seufzen machte er die Lampe auf seinem Nachttisch aus und legte sich auf sein Kissen, die Brille immer noch aufgesetzt. Ein leichter Luftzug teilte die Vorhänge, so dass ein schwacher Lichtstrahl der Straßenlaterne von der Ecke in sein Zimmer schien und Hedwigs Käfig mit der Fledermaus beleuchtete.

Von seinem Bett aus, sah Harry eine Weile dabei zu, wie sich die Fledermaus ihre Krallen der linken Vorderpfote putze. Augenblicklich schien es den Blick zu spüren und schaute zu ihm hoch.

„Hey Spartacus", sagte Harry noch einmal, seine Stimme leise. „Ich hoffe, ich hab dir keine Angst eingejagt. Hedwig dreht manchmal bei meinen schlechten Träumen ganz schön durch.

Die Fledermaus schaute ihn nur an.

Harry seufzte und drehte seine Augen zur Decke. Nach einem Moment fügte er, in einer noch leideren Stimme hinzu: „ich hatte einen Albtraum."

Er wandte seinen Blick wieder zur Fledermaus. Sie schaute ihn immer noch an.

Harry setzte sich wieder auf und machte es sich in der wirren Bettdecke im Schneidersitz bequem. „Er war… der Traum, mein ich… über meinen Paten. Er ist tot. Er ist umgebracht worden." Harry zwang sich dazu, es zu sagen, während er dabei auf seine Knie starrte. Als er, nach einem langen Moment, aufschaute, blickte ihn Spartacus immer noch an. Der Ausdruck in seinen schwarzen Augen war unergründlich, aber trotzdem fühlte sich Harry seltsamerweise getröstet. Nicht wie Hedwig, die, dadurch dass sie ein Zauberergefährte war, eine viel größere Intelligenz wie eine normale Eule besaß, war diese Fledermaus nur ein dummes Tier… aber es war eine lebende Kreatur, die sein Zimmer teilte und, noch wichtiger, sie war kein Dursley.

Er traute sich nicht, im Haus zu bleiben, als er sie früher am Tag nach innen geschmuggelt hatte; wenn Tante Petunia ihn im Haus erwischt hätte, wenn er eigentlich draußen arbeiten sollte, würde er dafür büßen müssen. Harry war nur schnell nach oben gespurtet, während seine Tante unter der Dusche stand, legte die ohnmächtige Fledermaus auf den Boden von Hedwigs Käfig, schloss die Zimmertüre hinter ihm und ging wieder nach draußen. Eine halbe Stunde später, nachdem Petunia zum Einkaufen gegangen war, schlich er sich zurück nach oben, um die Kreatur näher anzusehen und um zu sehen, was er für sie tun konnte.

In Wahrheit hatte er halb erwartet, dass sie bei seiner Rückkehr nicht mehr leben würde. Er hatte als kleines Kind schon öfter versucht, für verletzte Vögel oder sogar ein oder zwei Eichhörnchen zu sorgen – und wenn es nur gewesen ist, um Dudley, der genauso grausam zu Tieren sein konnte, wie zu Allem, was schwächer und kleiner war, als er selbst, davon abzuhalten, sie weiter zu malträtieren. Er hatte aber selten Erfolg… besonders mit den Vögeln.

Als er aber zurück in sein Zimmer kam, war die Fledermaus immer noch am Leben, lag immer noch da, wie er sie auf den Boden von Hedwigs Käfig hingelegt hatte, ihre Zunge hing zwischen ihren Zähnen heraus.

Harry erfasste schnell, dass der blutige Schaum an der Schnauze daher kam, dass sich die Zähne der Kreatur durch ihre Zunge gestoßen haben, vielleicht als sie fiel. Es war keine ernste Wunde und überließ sie deshalb sich selbst.

Ernster war der Riss entlang des Gelenkes der rechten Schulter, ein Riss, der unter der Schuler weiterlief und sich entlang der Haut, die den Flügel bildete, ausdehnte. Harry starrte die Wunde eine lange Zeit an. Er konnte sich gar nicht vorstellen, was eine solche Verletzung verursacht haben könnte. Keine Zähne oder Krallen, sicher – sie war lang und hatte eine glatte Oberfläche, während der gerissene Muskel mit einer gezackten Klinge hätte geschnitten sein können. Die braunen Haare entlang den Seiten der Wunde schienen angesengt zu sein.

Harry gab es auf, herauszufinden, was der Grund für die Verletzungen war und machte sich an die Arbeit, sie zu versorgen. Er säuberte die Wunde sorgfältig mit einem Reinigungstrank, bestrich sie dann sorgfältig mit einer Salbe aus Fieberkraut und Birkenrinde. Er benutzte ein Muggel-Schmetterlingspflaster, um die klaffende Wunde geschlossen zu halten; dann wickelte er Verbandsmull um den Körper der Fledermaus, um damit einen sterilen Tupfer festzuhalten. Er sah sich seine Handarbeit an und war zufrieden mit dem Ergebnis, obwohl er unsicher war, ob die Fledermaus jemals wieder fliegen konnte.

Harry benutze eine Pipette, um dem ohnmächtigen Tier ein paar Tropfen Schmerzmittel einzuflößen und legte es dann in eine kleine Box, in der einmal Schokofrösche waren, aber jetzt mit Watte ausgelegt war. Er stellte den Karton auf seinen Tisch, während er Hedwigs Käfig sorgfältig putze und mit frischem Zeitungspapier auslegte. Er ließ Hedwigs Näpfe leer, aber stellte ein Paar kleinere Schüsseln auf den Boden des Käfigs, eine für Futter (die er mit Beeren auffüllte, die er vom Kühlschrank stibitzt hatte) und die andere mit Wasser. Ins Wasser fügte er ein paar Tropfen eines entspannenden Gebräus hinzu, das dafür gedacht war, die Kreatur gelassen zu halten und dafür zu sorgen, dass sie schlafen konnte.

Nachdem die Fledermaus im neuen Zuhause eingerichtet war, bedeckte Harry ihren Käfig. Weil Fledermäuse nachtaktive Tier waren, dachte er, dass er den Käfig tagsüber zugedeckt lassen und die Decke nachts abnehmen würde. Dies würde das Tier ermutigen, ihren normalen Schlafrhythmus beizubehalten, was nicht nur gesünder war, es würde es schwieriger machen, dass sie die Dursleys aus Versehen sehen würden.

Für die Fledermaus zu sorgen, dauerte etwa eineinhalb Stunden. Harry ließ das Mittagessen ausfallen (ein großes Opfer) und arbeitete mit ganzer Geschwindigkeit im Garten, bevor er die anderen Aufgaben erledigte. Zum Glück kam Petunia spät nach Hause und so wurde er von keinem seiner Vormunde aufgefunden, als er keine Arbeit machte. Sie belohnten diese Heldentat, indem sie ihm erlaubten, zu Abend zu essen, wenn es denn eins war (Dudley war wieder auf Diät, was bedeutet, Harry war es auch).

Als Harry an diesem Abend nach dem Abendessen in sein Zimmer zurückgehrt war, war er angenehm überrascht, dass er die Fledermaus nicht nur am Leben, sondern wach und, anscheinen, etwas aktiv vorfand. Er hatte leise mit ihr gesprochen, sich aber dann dazu entschlossen, ihr etwas Raum zu geben, um sich an ihre neue Umgebung gewöhnen zu können. Er war beeindruckt, wie ruhig sie schien – ein Teil von ihm war besorgt, dass sie sich zieren würde und ungewollte Aufmerksamkeit auf sein Zimmer ziehen könnte.

Jetzt, um fast drei Uhr nachts, beobachtete Harry, als sie Nektar von den Weintrauben nippte, die er früher mitgebracht hatte. Sie trank aus ihrem Napf und fing sich an sorgfältig zu putzen, fast katzengleich.

Als er wieder sprach, flackerten ihre Ohren, schaute aber nicht auf. Irgendwie ermutigte dies Harry, weiterzusprechen.

„Er wurde umgebracht… mein Pate mein ich", wiederholte Harry. Spartacus putze weiter seine Zehen. „Ich denken vielleicht… ich meine, ich weiß, dass es meine Schuld ist, dass er umgebracht wurde." Harry pausierte, dachte nach. Er legte sich auf seine Kissen.

„Manchmal denke ich… ich denke, ich war… nicht, was er in einem Patenkind gewollt hatte, Spartacus", Harry erzählte weiter. Die Fledermaus hielt in ihrem Putzen inne und schaute auf, aber Harry bemerkte dies zuerst gar nicht. „Es gab letztes Jahr Zeiten, an denen… also, er war… enttäuscht von mir, glaube ich. Weil er denkt – dachte meine ich – ich bin nicht wie mein Vater. Da fühlte ich mich ziemlich schlecht, weil ich wie mein Vater sein wollte."

Die Fledermaus nieste daraufhin etwas, ein Geräusch, das irgendwie spöttisch klang, und machte einen leisen, trällernden Ton. Harry blickte daraufhin auf.

„Es ist nicht so, dass ich noch wie mein Vater sein will", sagte er ihr. „Ich…fand letztes Jahr heraus, dass mein Vater nicht das war… jedenfalls nicht immer…was ich dachte… hoffte, dass er gewesen wäre. Es war… es war eine Enttäuschung, um ehrlich zu sein." Harry seufzte, setzte seine Brille ab und drehte sich auf die Seite. Seine Augen waren aber offen und er starrte mit leerem Blick an die Mauer.

Nach einer langen Zeit sagte fast im Flüsterton „Sirius war das engste, was ich an Familie hatte. Ich wollte, dass er – dass er stolz auf mich war." Er hatte beinahe gesagt mich liebte, aber änderte es im letzten Moment ab. Ich denke, Azkaban hat ihn ein bisschen… unstabil gelassen, weißt du, Spartacus?" Er blickte in Richtung Käfig; ohne Brille konnte er nicht viel sehen, aber es schien, dass sich Spartacus in sein Nest niedergelassen hatte und ihn aufmerksam beobachtete.

Harry fühlte sich ein bisschen besser, als ob etwas von dem großen Gewicht, das ihn oft zu erdrücken schien, etwas nachgelassen hat. Und, oh Wunder, er fühlte sich sehr müde – er dachte, er könnte vielleicht sogar wieder einschlafen.

Es fiel ihm plötzlich ein, dass, falls es Spartacus gut genug ging, um sich zu bewegen, sich vielleicht kopfüber schlafen legen wollen würde. Er nahm sich vor, morgen etwas im Käfig zurechtzubasteln, das genau dies erlauben würde. Harry schloss seine Augen und ließ jeden anderen bewussten Gedanken los.

„Nacht, Spartacus", murmelte er.

Lange nachdem er eingeschlafen war, saß die Fledermaus immer noch da und wachte starren Auges über ihn.