Mir gehören weder die Charaktere noch die Handlung, ich übersetze nur.

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Es war seltsam, dachte Snape, wie eine Position, die so ungemütlich und unbequem sein konnte, wenn man in Gestalt eines Menschen war, so gemütlich und erholsam sein konnte, wenn man die Form einer Fledermaus angenommen hat. Aber das war Teil davon, Animagus zu sein – während die Klarheit des Denkens, das einzigartig menschlich verblieb (wenngleich auch in einer leicht veränderten, weniger komplexeren Form), waren die körperlichen Bedürfnisse, Instinkte, Schwächen und Stärken der Tiergestalt vorhanden. Dementsprechend machte es sich Snape total bequem während er sich kopfüber, mit seinen Hinterkrallen sicher in das Dach des Hasendrahtes, den Potter eingebaut hatte, eingehängt zur Ruhe begab.

Snape hatte vollständig erwartet, dass Potter ihn schlagen würde oder ihn vielleicht packen und aus dem Fenster schmeißen würde, als Snape ihn gebissen hatte. Rückblickend dachte er, dass es nicht… zivilisiert war, den Jungen zu beißen. Hätte Potter so reagiert, wie Snape es erwartet hätte, hätte er Snape noch mehr verletzten oder ihn sogar umbringen können. Snapes Gefühle waren als Fledermaus viel schneller und näher an der Oberfläche und er schwor sich, achtsamer zu sein, sie zu schützen.

Dennoch war alles gut ausgegangen. Der Junge hatte ein bemerkenswertes Niveau an Zurückhaltung an den Tag gelegt. Snape musste sich eingestehen, dass er selbst nicht annähernd so geduldig gewesen wäre. Er fragte sich mit einem düsteren Vergnügen, wie Potters Reaktion ausgefallen wäre, wenn er genau gewusste hätte, wer ihn da gebissen hatte. Wie dem auch sei war Snape leicht beschämt für sein kindisches Temperament, sowohl für das Beißen des Jungen, als auch für das Zerstören des Bettes, das Potter ihn so sorgfältig gemacht hatte.

Das Tuch, das Potter dafür verwendet hatte, den Eulenkäfig zu verhüllen, passte nicht richtig; die Spitze, die um das spitz zulaufende obere Ende des Käfigs befestigt war, ging ohne Schwierigkeiten zusammen, aber das untere Ende passte nicht genau, so dass es einen kleinen Spalt von etwa zwei Zentimetern ab der Mitte des Käfigs offen ließ – genug, um das meiste Licht abzuschirmen, es ihn aber trotzdem noch erlaubte, nach außen zu blicken. Der durchschimmernden Sonne nach zu schließen vermutete Snape, dass es vormittags sein musste. Der Junge kam einmal wieder, sein Haar nass vom Duschen. Er hatte Snape nicht angesprochen, dachte offenbar, dass sein neues Haustier schlief, sondern zog sich nur an und verließ das Zimmer wieder.

Snape schaukelte sanft in der müde machenden Wärme und der Stille des verlassenen Zimmers und genoss die Schmerzlinderung, die ihm durch die liebevolle Fürsorge des Jungen zuteil geworden war. Er fand seine Gedanken immer wieder bei den Umständen, in denen er Potter gefunden hatte – so anders als das, was er erwartet hatte.

Gingen so normale Familien miteinander um?

Snape hatte keine Ahnung. Seine eigene Familie war weit weg vom Normalsein.

Während er seine Flügel bequemer um sich herumzog fühlte er ein leichtes Ziehen in der Schulter, die Potter in Murtlapessenz gebadet hatte. Der Junge war zart und hatte seine Arbeit gut gemacht, musste Snape zugeben. Und ein verwundetes Tier aufsammeln, um es zu pflegen… das war etwas, das Lily gemacht hätte.

Snape fühlte Harry Potter gegenüber Feindseligkeit, lange bevor er ihn überhaupt kannte. Genau wie Snape war Harry ein weiteres unabsichtliches Instrument im Tod seiner Mutter. Wenn es ihn nicht gäbe, wäre Lily immer noch am Leben.

Wenn es mich nicht gäbe, wäre Lily immer noch am Leben, dachte Snape. Das sagte er in regelmäßigen Abständen zu sich selbst, als eine Art Selbstquälerei. Der Schmerz davon war nach all diesen Jahren so frisch, wie in der Nacht, in der es passierte. Es war sogar irgendwie schlimmer, da er sich in der Nacht unmittelbar nach Lilys Mord nur taub gefühlt hatte.

Harry Potter war eine kontinuierliche Mahnung an Snape und seinen eigenen Verrat. Er beschützte den Jungen um Lilys Willen und hasste ihn wegen James'. Wenn er vielleicht Lily ähnlicher gesehen hätte… andererseits brachte es Snape so viel Schmerz, in die grünen Augen des Jungen zu blicken, dass es schwer zu sagen war. Harry anzusehen verwirrte ihn, da gab es keine Zweifel, einerseits sehnte er sich nach dem Schmerz, den diese Augen hervorriefen, selbst wenn er davor zurückwich, andererseits hasste er es, dass der Junge seinen Vater in so vielen anderen Arten so sehr ähnelte, sein unordentliches schwarzes Haar, dünn gebaut und die Brille als kontinuierliche Erinnerung an den Tyrann, der seine Schultage zur Hölle machte.

Lily hatte ihn immer gesagt, dass er viele Schwierigkeiten vermeiden könnte, würde er Dinge nicht so ernst nehmen, wenn er weniger dünnhäutig sein würde. Es stimmte, dass er ein sehr abwehrender, mürrischer Junge war – war tatsächlich ein abwehrender Mann, skeptisch der Aufrichtigkeit der meisten Menschen gegenüber. Aber als Junge hatte er jedes neue Gesicht als potentiellen Feind angesehen; jedes Lachen war ein möglicher Witz auf seine Kosten. Außer Lily hatte er jeden, von Dumbledore bis zum jüngsten Erstklässler, mit Argwohn und Misstrauen betrachtet. Lily war die Einzige, die ihn unbeschwert necken konnte und damit durchkommen konnte, wie ein Freund.

Sogar seine Todesserkollegen waren keine Freunde.

Es gab nur drei Menschen in der Welt, die Snape je geliebt hatte und zwei davon waren tot. Lily Evans und seine Mutter. Seinen Vater hatte er nicht geliebt. Er hasste Tobias Snape für seine Trunkenheit, seine Trägheit und seine Grausamkeit. Er schämte sich seiner wegen seiner Grobheit, Intoleranz und Ignoranz. Er fürchtete die hässliche Wut des Mannes, die sich immer und immer wieder sich selbst und seiner Mutter in grausamen Worten und brutalen Schlägen zeigte. Sein Vater, Tobias Snape, war der erste Tyrann, den Severus je gekannt hatte.

In der ganzen Zeit, in der er in Hogwarts war, hatte Snape alles getan, um sich von seinem Vater zu distanzieren. Aus Angst, dass er so werden würde wie er, stürzte er sich dahingehend, das Gegenteil dieses Mannes zu werden. Tobias Snape war ignorant und sprach grob; sein Sohn widmete sich seinen Studien, sprach sanft, wenn er überhaupt sprach und arbeitete daran, seine Sprache weiterzuentwickeln und seinen Wortschatz zu erweitern. Tobias Snape hatte primitive Manieren und zog sich schlampig an; sein Sohn benahm sich mit einer sorgfältigen Korrektheit und hielt seine Kleidung düster und makellos. Tobias Snape war ein brutaler Mann, der Stolz auf seine körperliche Fähigkeiten war; sein Sohn verachtete Athletik, perfektionierte stattdessen Duelliertechniken, erweiterte seinen Geist mithilfe von Büchern und verachtete Schläge (allerdings hatte er keine Gewissensbisse, seine Opfer verbal in Stücke zu schneiden).

Snape lernte früh, alles Hässliche in seinem Vater mit Muggeln zu assoziieren. Dass er nach Slytherin sortiert wurde, war vielleicht unvermeidlich: sein Vater war ein Muggel, seine Mutter eine reinblütige Hexe. Er hasste den einen und liebte die andere; deshalb war es besser, ein reinblütiger Zauberer als ein Muggel zu sein. Er wuchs arm und misshandelt in einer Muggelnachbarschaft auf, wo die Muggelkinder ihn drangsalierten und verachteten; als einen Verteidigungsmechanismus hatte er gelernt, sich auf seine Magie zu verlassen, als Beweis dafür, dass er besonders war; nein, eigentlich, sich vom Sohn eines Taugenichts abzusetzen, weil er der Sohn einer reinblütigen Hexe war.

Zu der Zeit, in der der junge Snape in die Muggel-Grundschule eingeschult war, hatte er das Benehmen eines geschlagenen Köters, der nichts außer grausame Tricks und Schläge erwartet und reagierte auf jede Freundlichkeit mit Misstrauen. Außer natürlich von Lily. Lily, mit ihrer Schönheit, ihrem Feuer, ihrem Mut und Mitgefühl schien für Snape immer wie ein Engel zu sein, ein idealisiertes Sein über allen anderen Sterblichen Seine Gefühle für sie waren eine Mischung aus Ehrfurcht und Besessenheit, Zärtlichkeit und Eifersucht. Es war Liebe, ganz recht, aber keine jungenhafte Liebe, oder selbst Liebe, die viele Erwachsene teilten. Snapes Liebe war auf sehr wenige Ventile geteilt und wo er ihr zu fließen erlaubte, flutete sie über.

Letztendlich hatte jedoch nicht einmal die Liebe für Lily die Macht über ihn, wie es das Verlangen nach Stärke und Macht hatte – ein Verlangen, das aus der Schwäche, die er vor seinem Vater fühlte, geboren worden war. Lily konnte ihn viele Sachen machen lassen, aber sie konnte ihn nicht dazu bringen, die Todesser zu verlassen, und trotz ihrer vergebenden Natur kam der Tag, an dem sie auch nicht länger seine Zugehörigkeit zu ihnen hinnehmen konnte. Ihre Freundschaft war am Ende und Snape wusste, dass es seine Schuld war. Ob sie seine Liebe auf die Art, die er sich gewünscht hätte, erwidert hätte, hätte er einen anderen Weg eingeschlagen, würde er niemals wissen, und auch das quälte ihn…der Gedanken, dass er sie unabsichtlich in Potters Arme getrieben hätte.

Und ein Todesser zu sein, gab Snape kein Gefühl von Zugehörigkeit, nach dem er sich immer sehnte. Sie waren von Anfang an verschieden: während er es genoss, an seinen früheren Peinigern Rache zu üben (Potter und Black, beispielsweise), genoss er nie, andere in der sadistischen Art zu verletzen, in der es seine Gefolgsleute taten. Die Schreie der Opfer erinnerten ihn zu sehr an die Schreie des misshandelten Jungen, der er gewesen war und während er sie nicht wirklich bemitleidete, nahm er an solchen dunklen Sportivitäten so wenig teil, wie er sich traute. Auch sehnte er sich nicht nach Macht nur um des Machtes Willen: sein Verlangen nach Macht hörte da auf, wo er niemanden hatte, der ihn beherrschen konnte, wie es sein Vater einst tat.

Das Paradoxe war, dass jetzt jemand Macht über ihn hatte – und es war nicht Voldemort, immerhin gab Snape vor, ein Verbündeter zu sein. Selbst als er ein wirklicher Todesser war, hatte Snape nie wirklich zu Voldemort gehört. Er hatte den Dunklen Lord bewundert, schaute zu ihm auf wie zu einem Symbol aus Freiheit und Stärke, fürchtete ihn, aber schwänzelte nie um ihn herum, wie es die anderen taten. Er hatte ihn nie geliebt.

Nein, die einzige Person, die wirkliche Macht über Snape hatte, war Albus Dumbledore und Dumbledore war nur in dieser Position, weil er die dritte Person war, die Snape je geliebt hatte. In seiner frühen Jugend hatte der den älteren Zauberer bewundert und gefürchtet, sogar als er Voldemort bewundert und gefürchtet hatte. Nachdem er auf die gute Seite zurückgekehrt war, war er für die Akzeptanz und sein Eingreifen, das ihn vor Azkaban bewahrte, dankbar gewesen, aber er schrieb es dem zu, dass ihn Dumbledore noch brauchte. Als die Jahre vergingen realisierte er, dass in Wahrheit Dumbledores Integrität es nicht erlaubt hätte, dass der große Zauberer Snape eine Arbeit gab, ihn beschütze und sich auf ihn verließ, wenn er ihn gehasst und verachtet hätte. Er realisierte, dass der alte Mann ihn, Snape, liebte, als einen Sohn, genauso wie er war, mit all seinen Fehlern und Schwächen. Dieses Wissen entzündete Snapes Respekt zu einer heftigen Liebe eines Sohnes für einen Vater, den er bewunderte und idealisierte, einen Vater, mit dem er sich niemals würde messen können. Niemand außer Dumbledore konnte Snape wehtun, ihn beschämt fühlen lassen oder ihn tadeln und damit ungestraft davonkommen und der alte Zauberer wusste dies.

Dumbledore hatte die Macht, andere Menschen dazu zu bringen, ihn zu lieben. Und die Tatsache, dass der alte Mann diese Liebe nutzen würde, andere dazu zu bringen, was er wollte wie es ein gutartiger Diktator vermag, änderte nichts an der Tatsache, dass er diese Liebe den Menschen gegenüber erwiderte, die es ihm mit völliger Ehrlichkeit und sogar Enthusiasmus gaben. Snape wusste, dass Dumbledore ihn benutzte und während er es ihm manchmal etwas übelnahm, wusste er auch, dass ihn der Mann wirklich liebte und sich um ihn sorgte wie um einen Sohn, und das war genug, dass Snape alles und noch mehr machen wollte, um was ihn der alte Mann bat.

Dies war vielleicht ein Grund mehr – obwohl er es sich selbst niemals eingestehen würde – dass Snape Potter nicht leiden konnte: Eifersucht. Dumbledore liebte auch Potter, mit einer Ehrfurcht, die einer Ehrfurcht ähnelte, wie sie ein altertümlicher italienischer Seemann hatte, der ein Bild vom Jesuskind ansah, mit derselben liebevollen Intensität. Aus diesem Grund konnte Snape sich nicht davon abhalten, bei jeder Gelegenheit Dumbledore die Mängel des Jungen aufzuzählen. Er konnte sich nicht davon abhalten, es zu tun, auch wenn der ältere Zauberer sehen konnte, was es wirklich war – die hämische, geschwisterliche Rivalität eines älteren Bruders gegenüber eines neuen Mitglieds der Familie. Und es war so einfach, das Schlechteste von Potter zu denken – vom ersten Tag, an dem er Potter in seinem ersten Jahr begegnete, hatte er gesehen, was er als Reinkarnation von James glaubte: einen Jungen, der genauso wie sein drangsalierender Vater aussah und der jetzt schon von seinen Klassenkameraden für etwas, an das er sich nicht einmal erinnern konnte, als Held bejubelt wurde.

In Wahrheit aber erinnerte ihn Draco Malfoys Verhalten mehr an den älteren Potter, als es der eigene Sohn seines ehemaligen Peinigers je getan hat, abgesehen von der Reinblütigkeitsmanie. Harry selbst, trotz dass er Gryffindor war, bewahrte ein Zögern in seinem Benehmen, eine Art sehnsüchtiges Verlangen nach Anerkennung und Eifer, jemanden zufrieden zu stellen, das sein Vater nie gehabt hatte. Snape weigerte sich, diese Eigenschaften von Lily kommend zu sehen und wählte stattdessen den Gedanken, dass der Junge ein perfekter Schauspieler war. In der Tat waren seine Klassenzimmer-Verfolgungen teilweise das Resultat eines fast verzweifelten Verlangens in sich, dass er Potter so in die Ecke trieb, dass er Snapes Erwartungen erfüllte, dass er die Rolle annehmen sollte, die Snape ihn zu spielen bedachte.

Dieses Haus war jedoch…schwer zu ignorieren. Das spartanisch eingerichtete Zimmer, die scharfzüngige Tante, der mürrische Onkel, der tyrannische Cousin…nein, gar nichts entsprach dem, was er erwartet hatte. Gar nichts bekräftigte seine Überzeugung im Geringsten.

Snape grübelte darüber nach. Die Antwort lag vor ihm, so einfach wie Zwei und Zwei Vier ergaben…aber er in diesem Fall wollte er nicht, dass Zwei und Zwei Vier ergaben. Gab es keine andere Antwort?

Immer noch Grübelnd schlief er ein.

Er wurde von lauten Stimmen, die durch die Tür und die Distanz gedämpft waren, aus einem tiefen Schlaf gerissen.

Snape drehte seinen Kopf nach oben und zögerte, kletterte dann über den Hasendraht nach unten zum Boden des Käfigs und spitzte durch den Spalt in der Abdeckung.

Die Dämmerung war hereingebrochen; der Raum war in ein Dämmerlicht getaucht. Er konnte den Geruch von Essen vom Erdgeschoss wahrnehmen – Schweinekotletts, dachte er.

Es gab ein plötzliches Poltern, es könnte ein Stuhl gewesen sein, der auf einen gekachelten Boden umfiel, dann entwickelte sich Dursleys Stimme zu einem lauten Schreien:

„Nutzlos…wertlos…unnormal…Freak-!"

Snape zuckte unwillkürlich zusammen, als ein plötzliches krachendes Geräusch zu hören war, als wenn etwas Schweres auf den Küchentisch gekracht wäre; er konnte die Teller klappern hören.

Es gab einen Augenblick Stille, dann ein plötzliches Stampfen von Füßen, die die Treppen hinaufliefen. Vom unteren Treppenabsatz konnte er Dursleys Stimme hören, die sich jetzt näher anhörte.

„Und bleib da oben! Morgen gibt es kein Essen für dich und übermorgen auch nicht!"

Die Tür flog auf und Potter platzte in das Zimmer, sein Gesicht gerötet. In seiner linken Hand hielt er seine Brille. Seine rechte Hand bedeckte seine Nase, während Blut durch die Finger sickerte. Der Junge atmete schwer und stieß seinen Schreibtischstuhl aus dem Weg und schmiss sich auf das Fußende des Bettes. Seine grünen Augen zeigten Wut.

Bevor Snape die Situation genau erfassen konnte, kamen noch mehr Fußtritte die Treppe hoch – leichtere dieses Mal. Potter stand auf als sich die Tür öffnete und seine Tante kam, mit einem Lappen, der mit etwas gefüllt war – es sah wie Eis aus, ins Zimmer.

Petunia übergab den Eisbeutel ihren Neffen, der seine Brille hinlegte, um ihn nehmen zu können.

„Hier. Benutze das, um die Blutung zu stoppen. Lass das Blut nicht auf den Boden tropfen", sagte sie, ihre Stimme abgehackt und hart, aber nichtsdestotrotz ein wenig zitternd.

„Danke", sagte Potter eintönig, etwas undeutlich hinter seiner Hand.

Petunia zögerte, ihre Hand an der Tür, drehte sich dann um, um ihren Neffen anzusehen.

Warum musst du ihn reizen?" verlangte sie in einem rauen Flüstern, das auch irgendwie flehend klang. Ihre grauen Augen blickten gleichzeitig unglücklich, wütend und aufgebracht.

Potter protestierte. „Ich habe gar nichts gesagt, kein einziges Wort!"

Sie unterbrach ihn. „Es war der Blick und du weißt das! Du kannst es nicht so lassen wie es ist-"

Potters Stimme wurde auch lauter. „Er hat angefangen, hat meine Eltern mies gemacht, hat mich kritisiert, wie ich meine Aufgaben mache und du weißt, dass ich nicht trödle und ich soll nur leise sein und-"

„Das ist genug!" schrie Petunia. Sie biss auf ihre Lippe und sagte dann ruhiger „mach einfach nur das, was dir befohlen wird, keine Widerrede und keinen Trotz und um Himmels Willen versuche Vernon aus dem Weg zu gehen!"

Sie drehte sich zur Zimmertüre um, hielt noch einmal inne und fügte ohne Ton hinzu, während ihr Rücken immer noch zum Jungen hinzeigte.

„Es ist das mindeste, was du tun kannst, nach alldem was wir für dich getan haben, meinst du nicht auch? Es ist nicht so, als ob wir eine Wahl gehabt hätten, dich aufzunehmen."

Sie ging und zog die Tür hinter sich zu. Snape hörte, wie abgeschlossen wurde.

Potter stand für einen Moment still und ging dann zum Bett zurück. Er setzte sich, lehnte sich vorwärts und presste behutsam den Eisbeutel auf die Nasenwurzel. Er legte seine andere Hand hinten in den Nacken – offensichtlich ein Experte was das Stoppen von Nasenbluten anbelangt, dachte Snape.

Für vielleicht zwanzig Minuten war das einzige Geräusch im Raum Potters Atem, der stetig ruhiger wurde.

Letztendlich stand der Junge auf. Das Bluten hatte aufgehört. Er schmiss das Eis in den Plastikeimer, den er unter seinem Tisch hervorzog, wischte sich sein Gesicht und seine Hände mit dem feuchten Lappen sauber und legte ihn dann über den Rand des Eimers. Als er sich mit dem Gesicht zum Fenster drehte, konnte Snape sehen, dass seine Nase geschwollen war und sich ein blauer Fleck in Form einer Hand auf seinem Wangenknochen formte.

Nach einem Moment der Stille schien Potter plötzlich den Käfig wahrzunehmen. Er ging hinüber und zog die Abdeckung weg.

„Hey Spartacus", sagte er sanft.

Lange Zeit blickten sich Snape und der Junge an. Schließlich sprach Potter.

„Es tut mir leid, Spartacus…leider hab ich heute Nacht nichts für dich zum Essen. Ich hoffe, dass du vorhin genug bekommen hast."

Er pausierte für einen Moment und fügte dann hinzu „morgen… ich werde dich morgen füttern, irgendwie."

Dann ging er zum Bett und legte sich die Wand anblickend hin.

Er gab keinen Ton von sich.