Sorry, dass es nun doch so lange gedauert hat, aber das wirkliche Leben hat mich eingeholt. Ich werde diese Geschichte aber auf jeden Fall zu Ende übersetzten!

Mir gehören weder die Charaktere noch die Handlung, ich übersetze nur.

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Es war, als ob er zurück ins vierte Schuljahr transportiert worden wäre.

Harry erinnerte sich an das Gefühl unglaublicher Fassungslosigkeit, das ihn umhüllt hatte, als er endlich verstanden hatte, dass der Mann, den er zu vertrauen gelernt hatte und auf den er sich verlassen konnte, nicht Alastor „Mad-Eye" Moody war, sondern ein grausamer Betrüger, der ihn auf Schritt und Tritt benutzt und manipuliert hatte. Die fast zehn Monate, die er damit verbracht hatte, ihn respektieren und schätzen zu lernen und sogar den Mann als einen älteren, weiseren Onkel anzusehen, bedeutete nichts. Der Schock und Verrat war abscheulich gewesen.

Irgendwie war dies schlimmer.

Wenn ihn jemand gefragt hätte, hätte Harry wahrscheinlich gesagt, dass er sich nicht vorstellen konnte, sich um ein Haustier mehr zu sorgen als er sich um Hedwig sorgte. Sie war der zweite richtige Freund, den er je gehabt hatte (Hagrid war der erste) und seine einzige Begleiterin während der einsamen, beschwerlichen Monate bei den Dursleys.

Spartacus kam jedoch gleich an zweiter Stelle.

Nicht so wie Hedwig, die liebevoll war, aber auch temperamentvoll sein konnte, war Spartacus immer kühl, reserviert und ruhig. Harry fand das ruhige Auftreten beruhigend, sogar tröstend. Er hatte angefangen, seine ruhige Anwesenheit nach einem harten Tag voller Aufgaben, Nörgeleien und Misshandlungen zu schätzen. Er war zu einem Teil der Zuflucht geworden, die sein schäbiges, kleines Zimmer war. Seine gleichmütige Akzeptanz seiner ungeschickten medizinischen Versorgung hatte ihn berührt und inspiriert. Zu der Fledermaus zu sprechen hatte sich normal angefühlt und hatte eine große Last von Spannungen von Harry genommen. Die Anwesenheit der Fledermaus hatte Harry ein Gefühl der Stabilität gegeben.

Jetzt erfuhr er, dass das alles nicht wahr war. Spartacus war nicht echt – tatsächlich war er jemand gewesen, der ihn hasste, der sich nicht darum kümmerte, ob er, Harry, verletzt war. Harry fühlte sich, als ob der feste Boden, auf dem er stand, plötzlich das Schwanken anfing.

Er frage sich, ob Ron sich so gefühlt hatte, als er erfuhr, dass Krätze in Wirklichkeit Peter Pettigrew war.

Ein Schwall plötzlicher Übelkeit fuhr durch Harry und er schwankte auf seinen Füßen. Die schreckliche Szene mit Dudley und Piers, die heftige Angst um die Fledermaus in seiner Obhut, die furchtbare Vorahnung von Vernons Zorn, die Bestrafung an sich und die Nervosität darüber, gefolgt von der entsetzlichen Wahrheit über Spartacus trafen ihn alle auf einmal.

„Mir…mit wird schlecht!" keuchte er und Snape, der groß und riesig und irgendwie falsch in Harrys kleinem Zimmer aussah, beschwor schnell einen Eimer herauf und platzierte ihn vor ihm – keinen Moment zu früh, als Harry auf seine Knie fiel und sich heftig übergab, seine gebrochenen Rippen beanspruchend.

Er fühlte sich irgendwie beschämt, dass ihn Snape so sehen sollte, fühlte dann ein hysterisches Verlangen zu lachen – was für einen Unterschied machte es, ob Snape sah, wie er sich übergab? War das erniedrigender als zu wissen, dass der Mann alle seine tiefsten Gedanken gehört hatte und Zeuge seiner dunkelsten Geheimnisse war?

Das Verlangen zu lachen wich plötzlich einem Verlangen zu weinen. Er erinnerte sich, Spartacus gesagt zu haben (Merlin! War das erst letzte Nacht?), dass er wünschte, er könnte weinen, er errötete schmerzlich und zwang unwirsch das verräterische Gefühl weg. Derselbe grimmige Stolz, der Harry davon abgehalten hatte, aufzuschreien als Vernon ihn verprügelte, der ihn davon abgehalten hatte, sich McGonagall über Umbrigdes sadistischen Nachsitzstunden zuzuwenden, kam ihm jetzt zu Hilfe.

Es war aber schwer…das schreckliche Stechen in seinem Rücken war nichts gegen den Schmerz in seinem Herzen.

Accio Beruhigungstrank", hörte er Snape irgendwo über seinem Kopf sagen, und das lose Dielenbrett drehte sich um, als zwei Trankflaschen von dem Platz darunter in die Hand des älteren Zauberers flogen.

„Ich brauche ihn nicht", hörte sich Harry kalt sagen und zuckte weg, als Snape versuchte eine unterstützende Hand unter seinen Ellenbogen zu schieben.

„Nimm ihn, Potter", sagte Snape ruhig. „Ich selbst werde ihn auch nehmen. Ich habe hier Magie ausgeführt und das Ministerium wird ohne Zweifel jemanden zu einer Untersuchung hierher schicken. Wir müssten von hier fort sein und es ist essenziell, dass wir unseren Kopf bewahren und schnell handeln."

Harry zögerte; dann, er sah die Logik darin, akzeptierte er widerwillig eine der Flaschen. Er trank sie schnell aus und fast sofort spürte er, wie sein hämmernder Herzschlag sich verlangsamte, das Rauschen des Blutes in seinen Ohren verstummte und sein Atem sich vertiefte (er war näher am Hyperventilieren als er realisiert hatte). Er wurde einfacher, seine aufgewühlten Gedanken in eine mentale Box zu stecken, die er in einer dunklen Ecke seines Geistes versteckte. Als seine Gefühle aus seinen Gedanken und seinem Herzen zurücktraten, wie die Wellen an einem Ufer taten dies seine Sinne gleich und er fühlte sich, als ob er alles um ihn herum aus einer Distanz sehen und hören würde.

Als Harry zu Snape hoch blickte, sah er die schwarzen Augen des Mannes fest auf ihn gerichtet. Sein Ausdruck war seltsam unlesbar, ohne der gewöhnlichen Verachtung und Feindlichkeit.

Großartig, dachte Harry bitter, jetzt bemitleidet er mich. Er dachte, dass das fast schlimmer war als die Verachtung…oder vielleicht verachtete er ihn jetzt mehr als je zuvor. Der Retter der Zaubererwelt war von einem tyrannischen Muggel abhängig.

Snape hatte unterdessen seinen Trank getrunken. Er warf die Flasche beiseite, zog seinen Zauberstab hervor und beschwor etwas, was Harry sofort als Patronus erkannte. Der jüngere Zauberer war verblüfft, als er sah, dass der Patronus seines mürrischen Zaubertrankmeisters eine vorzügliche, silberne Hirschkuh war.

Snape schien für einen Moment schweigend mit der Hirschkuh zu kommunizieren, dann sprang sie mit einem Zucken seines Zauberstabes durch das Fenster und verschwand.

Snape drehte sich dann zu Harrys Koffer. Mit einem weiteren Zucken seines Zauberstabes sprang der Deckel auf. Er bewegte den Zauberstab in einer runden Bewegung und plötzlich war die Luft mit Harrys Besitztümer gefüllt, Kleidung flog aus dem Schrank, Bücher segelten vom Tisch herunter, Zauberstab, Fotoalbum, und Zaubertränke kamen aus dem kleinen Raum unter dem losen Dielenbrett hervor und alles platzierte sich ordentlich im Koffer. Sogar der Feuerblitz und der Eulenkäfig, die schrumpften als sie zum Koffer kamen, passten hinein.

Als alles gepackt war schloss Snape den Koffer und benutzte einen Verkleinerungszauber, um ihn auf die Größe einer Streichholzschachtel zu schrumpfen. Er hob ihn auf und steckte ihn in seinen Roben ein. Nochmals hob er seinen Zauberstab.

Accio Brille", sage er und Harrys Brille flog in seine Hand. Er hielt sie Harry hin; der Junge nahm sie mit seinen tauben Fingern und setzte sie linkisch auf.

Einen langen Moment betrachtete Snape Harry wortlos. Harry hatte das Gefühl, dass der Mann etwas zu ihm sagen wollte.

„Komm mit Potter", sagte Snape schlussendlich.

Harry fröstelte plötzlich und wickelte seine Arme um sich. Es war ein warmer Tag, aber er fühlte sich komplett kalt. Der Schmerz der Prügel und seine Rauferei mit Dudley waren einigermaßen verebbt, aber er fühlte sich schwach und krank, als ob hohes Fieber in Anmarsch war oder er sich gerade davon erholen würde. Er fühlte sich, nur mit Dudleys ausgeleierten Jeans bekleidet, die Taille mit einem Gürtel eingebunden, in ramponierten Turnschuhen, nackt und verletzlich. Der vernünftige Teil von ihm, der Teil, der jahrelang in Hogwarts von seinen Freunden und von sorgenden Erwachsenen aufgezogen worden war, ließen ihn eingestehen, dass das, was ihm zugestoßen war, nicht akzeptabel war; der Teil, der von den Dursleys während seiner Entwicklungsjahre geformt worden war ließen ihn beschämt fühlen, weil er andere die Male seiner Bestrafung sehen gelassen hatte – Male, von denen er dachte, er konnte nicht anders so zu fühlen, dass er sie irgendwie verdient hätte, obwohl er nichts anders gemacht hätte.

Etwas veränderte sich kurz in dem onyxfarbenen Blick des großen Professors und Snape zog plötzlich seinen sommerlichen Reiseumhang aus. Er schüttelte ihn einmal aus, wie wenn eine Hausfrau einen Vorleger ausschütteln würde, und er wurde magisch verkleinert. Sorgfältig legte er das leichte Material über Harrys Schultern und zog es um seinen dünnen Körper, so dass er bis zu seinen Knöcheln bedeckt war.

Harry schaute in Überraschung auf, ein Klumpen formte sich in seinem Hals – konnte Snape irgendwie erraten haben, wie er sich fühlte?

Er zog den Gedanken sofort wieder zurück. Der Mann wollte wahrscheinlich nur nicht, dass seine Verletzungen Aufmerksamkeit auf sich zogen.

„Komm mit", wiederholte Snape und Harry folgte ihm benommen aus dem Zimmer.

Ich frage mich, wohin er mich bringt, dachte Harry stumpfsinnig. Wahrscheinlich zum Grimmauldplatz.

Er konnte sich nicht dazu bringen, sich zu viel zu sorgen. Tatsächlich war der Gedanke, dort in sein Zimmer zu gehen und die Türe für alles und jeden zuzumachen seltsamerweise ansprechend.

Er hoffte, dass niemand da sein würde. Weil er jetzt wusste, dass er den letzten Monat mit Snape verbracht hatte, wollte er nicht einmal Hedwig in der Nähe haben. Er war sich nicht sicher, ob er sich jemals wieder dazu bringen konnte, mit ihr zu reden und dabei ein Gefühl der Sicherheit zu haben. Wie konnte er wissen, dass sie wirklich war, was sie vorgab zu sein?

Das plötzliche Abflauen seiner Stimmung leistete ihn eine willkommene Befreiung des Schmerzes, Spartacus verloren zu haben, was sich anfühlte, wie wenn die zwei Enden eines gebrochenen Knochens aneinander reiben würden, wenn er ging.

Onkel Vernon lag ächzend auf seinem Rücken am Fußende der Treppen. Snapes Mund straffte sich und er zuckte seinen Zauberstab. Augenblicklich verschwand der Gürtel, den Vernon immer noch in seiner rechten Hand hielt in einer Rauchwolke, die am Boden zu einem Aschehaufen zerfiel.

Tante Petunia kniete neben ihrem Ehemann. Ihr Gesicht war von Tränen überzogen, ihre Augen riesig und verängstigt. Erbärmliche wimmernde Geräusche kamen von ihrem mundlosen Gesicht hervor.

Harry schaute sie für einen Moment lang an. Ein kleiner Pfeil des Mitgefühls flackerte widerwillig in seinem verletzten Herzen.

„Professor."

Snape schaute über seine Schulte zu ihm zurück. „Potter?"

„Bevor wir gehen, könnten Sie meine Tante wieder richtig machen, bitte?" Harry war erstaunt, wie dumpf seine Stimmte klang, sogar für seine eigenen Ohren.

Ein seltsames Flackern voller Emotionen fuhr durch Snapes Augen und verschwand so schnell wie Insekten, die über schwarzem Wasser aufleuchten.

„Warum?"

Harry dachte für einen Moment nach und sagte dann „ich mag es nicht, sie so zu sehen."

Harry konnte fühlen, dass Snape ihn begutachtete, aber er schaute nicht auf. Nach einem Moment wedelte der Zaubertrankmeister seinen Zauberstab und Tante Petunias Mund tauchte wieder auf. Sie ließ ein lautes Keuchen hören, schlug sich die Hände vor den Mund und begann hoffnungslos zu weinen.

Snape ging weiter ohne zurückzuschauen. Harry folgte ihm wortlos, seine Augen auf den Boden gerichtet.

Er führte Potter durch die Haustür von Nummer 4 und hielt am Gehweg an.

„Potter."

Der Junge sah auf. Der leblose Ausdruck in den grünen Augen entmutigte den Zaubertrankmeister mehr, als er zugeben wollte.

„Komm zu mir her." Snape hielt ihm seinen linken Arm hin.

Zu seinem Erstaunen und Fassungslosigkeit gehorchte Potter sofort und ohne Fragen zu stellen. Snape wusste, dass der Junge noch nie zuvor appariert war und seine sofortige Zustimmung zur Einladung, näher an seinen meist gehassten Professor für einen ungenannten Grund zu gehen, beunruhigten Snape.

Er sah den Jungen durch schmale Augen intensiv an. Potter sah aus, als ob er durch ein Kriegsgebiet durchgegangen wäre und Snape vermutete, dass er sich am Rande eines Schocks bewegte.

Hier konnte er nichts dagegen tun. Am Besten war es, den Jungen so schnell wie möglich wegzubekommen.

„Potter."

Der Junge hob seinen erschöpften, teilnahmslosen Blick wieder zu Snape.

„Halte meinen Arm so fest wie du kannst mit beiden deiner Arme und bleib eng bei mir."

Abermals gehorchte Potter wortlos. Snape drehte sich auf der Stelle, konzentrierte sich–

– und dann standen sie in einem alten Wald, große Bäume und verwachsene Büsche überall. Die Dunkelheit brach herein.

Potter stolperte leicht und ihm stockte der Atem, als sie landeten und für einen Moment war Snape belohnt, als Leben in das Gesicht des Jungen zurückkam, auch wenn es nur Erschrockenheit war – immerhin ist Angst besser als nichts – aber dann sah Potter zu ihm hoch und der blanke Ausdruck war zurück und seine Augen sahen wieder zu Boden. Wieder stellte er keine Fragen und Snape fand die Abwesenheit der Neugierde von dem normalerweise wissbegierigen Gryffindor besorgniserregend.

Er nahm sich einen Moment Zeit, um seinen Schützling zu beobachten.

Mit fast sechzehn Jahren war Potter in einem Alter, wo die Linien zwischen Junge und Mann langsam verschwammen. Während sein Onkel ihn verprügelte hatte er für Snape wie ein Mann gewirkt, sich selbst aufrichtig haltend, sein Kinn hochgereckt, es ablehnend, aufzuschreien. Jetzt, in Snapes Sommerumhang, der trotz des Verkleinerungszaubers, den der Zaubertrankmeister benutzt hatte, um ihn daran zu hindern auf dem Boden aufzuliegen, immer noch zu groß für ihn war, schaute er trotz des verstörenden toten Ausdrucks auf seinem verletzten Gesicht wie ein kleiner Junge aus.

Potters unordentlicher Haarschopf, der es bitter nötig hätte, geschnitten zu werden, verdeckte weder das blaue Auge noch den weiten, roten Striemen auf seiner Wange, Kiefer und Teile seiner Nase von wo sein Onkel ihm mit dem Gürtel ins Gesicht geschlagen hatte. Die aufgeplatzte Lippe war geschwollen und mit getrocknetem Blut überzogen.

Snape wünschte sich, er hätte Zeit, den Jungen sauber zu machen. Was er wirklich wollte, war, seine Schmerzen zu heilen – seine körperlichen jedenfalls – aber das müsste warten, bis sie an einem sicheren Ort waren.

Er beobachtete den Jungen und fühlte eine unbekannte Sehnsucht in seinem Herzen.

Alles hatte sich für ihn verändert, aber nichts hatte sich für Potter verändert. Er, Snape, hatte Wochen Zeit, über das Herz, die Gedanken und die Seele des Jungen zu lernen. Potter wusste andererseits nichts mehr über Snape, als das, was er am Ende des letzten Schuljahres sowieso schon gewusst hatte, außer dass Snape seine privaten Gedanken gehört hatte und Zeuge geworden war, was er dachte, es wären seine schwächsten Momente. Dies würde Snape schwerlich bei ihm beliebt machen und vielleicht würde der Schaden, den Snape angehäuft hatte, seit der Junge das erste Mal in der Schule angekommen war, zusätzlich zu seinem neuesten Vertrauensbuch, permanent sein.

Snape realisierte jetzt, dass er mehr als ein Beschützer für Lilys Kind sein wollte. Es schmerzte ihm, als Harry von seiner Berührung in Ligusterweg zurückgeschreckt war, obwohl er verstand, warum der Junge dies getan hatte. Aber er wollte nicht, dass Lilys Kind ihn hasste und Angst vor ihm hatte.

Der praktische, Slytherinteil von Snapes Gehirn übernahm die Führung. Du kannst an diesem Ort nichts dagegen tun. Tu deine Pflicht und bring den Jungen an einen sicheren Ort. Was danach kommt, wird werden.

„Folge mir jetzt, Potter."

Snape ging ohne zurückzuschauen. Einen Moment später hörte er die leisen Schritte des Jungen hinter ihm.

Sie gingen etwa eine halbe Stunde. Es war jetzt fast ganz dunkel und Snape holte seinen Zauberstab hervor und sprach den Lumos-Zauber, während er Potter sanft drängte, es ihm gleichzutun.

Sie umrundeten ein letztes Wäldchen und traten wieder einmal ins Freie. Eine weite Fläche öffnete sich vor ihnen und enthüllte ein gewaltiges Gebäude mit beleuchteten Fenstern etwa einen knappen halben Kilometer entfernt.

„Nein!"

Snape wirbelte herum. Potter stand bewegungslos, starrte das Hogwarts-Schloss mit einem Blick aus purem Horror auf seinem Gesicht an.

„Potter. Was–?"

„Warum sind wir hier? Ich dachte – ich dachte, sie würden mich zum Grimmauldplatz bringen!"

Der Ton des Jungen war anklagend und vor Panik fast schrill. Nach fast einer Stunde seiner schweigsamen Gleichgültigkeit erwischte dies Snape auf dem falschen Fuß.

„Grimmauldplatz?" sagte er langsam. „Vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt…aber jetzt müssen wir zum Schullei–"

„Nein!"

Snape war so erschrocken, als sich Potter umdrehte und den Weg, den sie gekommen waren, zurückstürzte, so dass er den Jungen beinahen zwischen den Bäumen verloren hatte, bevor ihm es gelang, ihn zu stoppen.

„Protego!" schrie Snape und Potter rannte so hart gegen den Schutzzauber, dass er niedergerissen wurde.

Snape hasste es, ihm das anzutun, weil der Junge sowieso schon so viel Schmerzen hatte, aber er wagte es nicht, Potter wegzulassen…nicht in diesem Zustand.

„Potter!" Wie immer äußerte sich Snapes Angst als Wut und sein Tonfall war viel barscher, als er es beabsichtigt hatte. „Was in aller Welt ist los mit d–"

„Ich werde nicht zu ihm gehen, ich kann nicht! Professor, bitte, bitte machen Sie das nicht…ich will nicht, dass er es weiß! Ich will nicht, dass irgendwer es weiß!"

Snape starrte den Jungen an. Sein Gesicht war so blass, dass es in der Dunkelheit leuchtete, seine grünen Augen waren riesig und ängstlich in seinem dünnen, verletzten Gesicht. Er sah bei dem Gedanken, Dumbledore könnte wissen was ihm widerfahren war, ängstlicher aus, als da, als sein Onkel, mit dem Gürtel in der Hand, ihn überragend da stand und der Zaubertrankmeister fühlte, wie sein Herz zerriss.

Er bemühte sich, seine Stimme ruhig zu halten.

„Potter…sicher realisierst du, dass der Schulleiter darüber bescheid wissen muss."

„Warum?" schrie Potter. Snape konnte fühlen, wie er versuchte, sich unter Kontrolle zu halten. Und scheiterte.

„Ich war lange genug im Ligusterweg, die Schutzzauber sollten jetzt intakt sein", sprach der Junge weiter, während er versuchte, seine Stimme stabil klingen zu lassen. „Ich kann den Rest der Ferien im Fuchsbau verbringen, oder im Grimmauldplatz, wenn das für die Weasleys sicherer ist. Nächstes Jahr bin ich volljährig und ich muss nur noch einmal zurü–"

„Zurück!" Jetzt war es Snape, der darum kämpfte, sich selbst unter Kontrolle zu halten. „Glaubst du wirklich, dass du für einen Moment dorthin zurückkehren wirst, geschweige denn einen ganzen Sommer? Falls du solange lebst? fügte er mit spöttelnd hinzu, die eigenen Worte des Jungen ihm entgegenschmetternd.

Potter errötete bis zum Haaransatz, dann sackten seine Schultern zusammen.

„Was gibt es sonst noch für Möglichkeiten", sagte er erschöpft, während er mit einer Hand unter seine Brille griff, um seine Augen zu reiben. „Ich muss zurück. Ich weiß es. Dumbledore weiß es auch…und er weiß wahrscheinlich sowieso über das hier bescheid", fügte der Junge hinzu, seine Augen verhärtet. Er winkte mit seiner Hand vage über sein Gesicht, und wies auf das blaue Auge und was dies repräsentierte, hin.

Snape verstummte. Für einen Moment hörte man nichts außer den Wind durch die Bäume des Verbotenen Waldes heulen.

„Glaubst du das wirklich, Harry?" frage Snape ruhig.

Zum ersten Mal hatte er Potter bei seinem Namen genannt. Als Antwort darauf wurden die Augen des Jungen für einen Moment lang feucht, bevor er entschlossen die Tränen zurück zwang. Snape bewunderte widerwillig seine Kontrolle.

Potter schluckte hart und drehte sich weg. Als er sprach war seine Stimme fest.

„Ich denke…er weiß fast alles, was hier passiert. Ich denke, er hätte mich nicht dort gelassen, wenn es einen anderen Weg gegeben hätte. Er musste…das tun, was langfristig das Beste ist, denke ich. Es war nicht leicht für ihn."

Snape war sprachlos. Potter äußerte seine Angst, dass Dumbledore von den Misshandlungen wusste oder es vermutete…befürchtete sogar, dass Dumbledore dachte, dass er es „brauchte" oder „verdiente". Aber Snape kreidete diese Ängste den nächtlichen Unsicherheiten eines verängstigten, wütenden, misshandelten Jungen an. Sicherlich glaubte er dies nicht wirklich.

Aber als er den jungen Zauberer anblickte, der in die Ferne in den dunkel werdenden Himmel blickte, einen geliehenen Umhang um seinen unterernährten Körper flatterte, realisierte Snape plötzlich, dass es genau das war, was Potter glaubte…er fühlte ein seltsames, tiefes Gefühl in seinem Magen und Mitgefühl dem Jungen gegenüber tauchte auf.

Er wartete einen Moment, bevor er sprach, sagte dann langsam und deutlich „Albus Dumbledore würde niemals erlauben, dass ein Schüler von ihm verletzt wird, wenn er es verhindern kann. Insbesondere gilt das für dich, Potter. Ich sollte es wissen, ich habe die übermenschlichen Anstrengungen gesehen, dich in Sicherheit zu wissen. Und ungeneigt wie ich bin, dir deine Illusionen dazu zu rauben, der Mann ist nicht allmächtig und allwissend. Ich wünschte, dass er es wäre."

Er seufzte, aber bevor er weitersprechen konnte, unterbrach ihn Potter mit einem verzweifelten Blick voller Hoffnung auf seinem Gesicht.

„Dann sagen Sie es ihm nicht, wenn er es nicht weiß, Sir. Er ist genug beschäftigt–"

„Potter. Du hörst augenblicklich mit diesen Argumenten auf. Ich habe ihn mit meinen Patronus informiert, dass wir auf dem Weg sind."

Das war nicht ganz die Wahrheit. Snape hatte tatsächlich seinen Patronus so verzaubert, Dumbledore wissen zu lassen, dass er, Snape, am Leben und ihm treu geblieben war und auf dem Weg, einen Bericht zu erstatten.

Die Wahrheit war, dass Snape sich davor fürchtete, Albus erzählen zu müssen, was in Potters zuhause in Surrey ablief. Er wusste, dass es den alten Zauberer schrecklich schmerzen würde, dass er sich die Schuld geben würde für das, was Potter ertragen hatte. Aber es war nicht zu ändern. Snape hatte als Potter Lehrer die Pflicht, den Schulleiter darüber zu informieren, was mit seinem Schüler los war und keine Menge an Flehen des Jungen, wie viel ihn Snape auch immer schuldig war, würde ihm von diesem Kurs abbringen.

Potter musste Snapes Entschluss gespürt haben, weil er bereit aussah – dummerweise, dachte Snape mit einem Kräuseln seiner Lippe – zu flüchten.

„Potter." Sein Ton war tief und gefährlich. „Wir werden jetzt zum Schulleiter gehen. Du kannst das nicht vermeiden", fügte er spitz hinzu, und stoppte den Jungen, bevor sich die Bitte, die sich auf seinen Lippen formte, aussprechen konnte. „Mir wird gehorcht werden."

„Warum kümmern Sie sich überhaupt darum?" schrie der Junge. „Haben Sie nicht schon genug getan, mich über Wochen hin ausspioniert, haben mich denken lassen, dass Sie etwas waren, was sie gar nicht sind? Sie können es wahrscheinlich gar nicht erwarten, allen Ihren Slytherins zu erzählen, wie berühmt Harry Pot–"

„Genug!" Snapes Schrei bewirkte, dass der Junge zusammenzuckte. „Ich habe keine Bedenken, dich zu betäuben, Potter und dich zum Schloss schweben zu lassen, wenn es das ist, was benötigt ist! Und ich denke nicht, dass du noch hilfloser erscheinen willst, als du es heute sowieso schon getan hast."

Sobald diese Worte seinen Mund verlassen hatten, wünschte Snape, dass er sie zurücknehmen konnte – insbesondere als Potter zurückschrak, als ob Snape ihn geohrfeigt hätte und sein Gesicht an Farbe verlor.

Genug.

Snape zeigte mit seinem Zauberstab in Richtung Schloss. „Geh vor mit, wo ich ein Auge auf dich haben kann."

Für einen langen Moment starrte Potter ihn an. Dann wurde sein Ausdruck blank und ohne ein Wort hob er seinen Kopf hoch und fing an, zum Schloss zu laufen. Er sah wie ein Mann aus, der zum Galgen geführt wird, aber entschlossen, mutig zu sein, weil es keinen Ausweg gab.

Der Gang schien eine Ewigkeit zu dauern.

Als sie die Eingangshalle betraten, fragte sich Snape kurz, wie es für Potter sein muss, während des Sommers im fast verlassenen Schloss zu sein.

Dem Wasserspeier vor dem Eingang zum Schulleiterbüro gab Snape das Passwort: „Kanariencreme."

Der Wasserspeier sprang beiseite und Snape winkte Potter, sich auf die drehenden Stufen vor ihm zu stellen – er ging kein Risiko ein, dass der Junge sogar jetzt noch flüchten könnte. Auf dem Treppenabsatz angekommen, klopfte er einmal.

„Herein", kam Albus' Stimme durch die Tür.

Snape öffnete die Tür, trat zurück und winkte den Jungen, zuerst einzutreten. Obwohl es jetzt viel zu spät war, warf ihm Potter einen letzten, flehenden Blick zu. Bei Snapes erbarmungslosem Ausdruck holte er tief Luft, straffte seine Schultern und ging mit am Zaubertränkemeister vorbei in das Büro, das Kinn nach oben gereckt.

Diese mutige und irgendwie ergreifende Geste berührte Snapes Herz mehr, als der Junge jemals wissen würde.