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Eintrag: Severus Snape

Ich habe ein Päckchen erhalten, heute morgen. Die Eule flog direkt auf das Fensterbrett des Schulleiterbüros und starrte mich von dort so lange an, bis ich sie hereinließ. Das Päckchen passte gerade auf meine Handfläche. Es war nicht sonderlich schwer. Eine Stunde lag es bereits ungeöffnet auf meinem Schreibtisch.

Ich starrte es an.

Es starrte zurück.

Es ist außergewöhnlich, welche Ängste ein Mensch im Angesicht eines solch profanen Gegenstands entwickeln konnte. Ich kannte die Handschrift. Und selbst wenn ich sie nicht gekannt hätte, wäre der Absender offensichtlich gewesen. Stand doch auf dem braunen Packpapier in mitternachtsschwarzer Tinte: Von Albus lch profanen Gegenstands entwickeln konnte. Angesicht und starrte mich von dort so lange an, bis ich sie herein.Percival Wulfric Brian Dumbledore.

Und auf der anderen Seite, in eben derselben mitternachtsschwarzen Tinte: An Severus Snape.

Albus Percival Wulfirc Brian Dumbledore war tot. Er starb durch meine Hand. Und doch hatte der größte aller Zauberer es geschafft, mich an meinem ersten Tag als Schulleiter von Hogwarts durch diese einfache Geste derart zu verletzen, dass ich seit genau einer Stunde kaum Luft bekam.

Ich fühlte mich beobachtet. Das Portrait des alten weißen Mannes mit seinem langen Bart hing genau hinter mir. Ich wusste, dass der Alte schlief. Es konnte noch Tage dauern, bis das Portrait schließlich zum Leben erwachte. Der Gedanke daran jagte mir eine Gänsehaut über die Arme.

Mechanisch fingerten meine Finger nach dem rauen Flachsband, lösten den doppelten Knoten, suchten die scharfe Kante des Papiers und rissen es herunter. Eine kleine mahagonifarbene Holzkiste kam zum Vorschein, die sich ohne Weiteres öffnen ließ. In der Holzkiste lag – auf ein wenig Holzwolle gebettet – eine Münze. Ich holte sie mit unsteter Hand heraus und legte sie vor mir auf den Tisch.

Ich wusste genau, dass sich noch ein Brief in dem Kästchen befand, denn ich habe das mehrmals gefaltete Papier, das mit einem Fixierzauber gerade unter dem Deckel angeheftet worden war, gleich beim Öffnen bemerkt. Dennoch ignorierte ich die Botschaft des alten Mannes für weitere fünfzehn Minuten.

Ich hatte Angst. Vor einem Toten.

Natürlich wußte ich schon vorher, dass mich Albus Dumbledore für den Rest meines Lebens verfolgen würde. Ich hätte jedoch nicht gedacht, dass der Alte mir derart nachsetzen würde. Ich holte das Papier heraus und entfaltete es.

Lieber Severus!

Ich nehme an, dass du wie geplant, den Posten des Schulleiters von Hogwarts übernommen hast. Ich möchte mich nun mit einer äußert wichtigen Bitte an dich wenden. Wie du sicher leicht nachvollziehen kannst, werde ich dieses Jahr nicht in der Lage sein, persönlich meine Wette auf den Sieg eines Teams bei der Quidditchmeisterschaft von Hogwarts zu plazieren. Da es mir jedoch ein persönliches Anliegen ist, genau dies zu tun, möchte ich dich bitten, an meiner statt meinen Wetteinsatz bei Sybill Trelawney abzugeben.

Mein Tip für dieses Jahr: Sieg Hufflepuff

Herzlichste Grüße und viel Glück,

Albus

Auch jetzt noch, da ich dieses Zeilen in mein Tagebuch schreibe, kann ich mich erinnern, wie in jenem Moment alle Kraft von mir wich. Eine Art von Hilflosigkeit übermannte mich. Und Wut.

Voldemort hatte das Ministerium übernommen. Seine Todesser waren überall. Und das Einzige, woran der größte Zauberer aller Zeiten denken konnte, war sein Wetteinsatz bei der alljährlichen Quidditchwette der Lehrerschaft von Hogwarts. Wer gab schon einen Dreck darauf, welches Haus in diesem Jahr die Quidditchmeisterschaft gewann! Sie würden froh sein können, wenn sie am Ende des Jahres noch am Leben waren.

Ich habe so viele Fragen. Dringliche Fragen. Überlebenswichtige Fragen.

Und dann dies! Fand der Alte das irgendwie witzig?

Mir ist aber nicht zum Lachen zu Mute!