Sternzeit: Das ist doch wirklich ärgerlich! Kann mir niemand erklären, was Sterne sind?

Eintrag: Der, der immer Schuld hat

Sehr geehrter Herr Platon!

Ich habe die letzten drei Tage genauestens in mich hineingehört und muss gestehen, Sie hatten Recht. (Wahrscheinlich hören Sie das öfter, aber ein wenig Schmeichelei hat nur selten geschadet.) Ich war selbst überrascht von meiner Entdeckung, aber der eindringliche Ton ist in Wirklichkeit ein Gedanke. Besonders verwegen kam mir der Gedanke nicht vor; es war eher eine nette Idee zu einer Geschichte.

Nun kann ich wohl behaupten, dass es schon genug schlechte Geschichtenschreiber auf dieser Welt gibt, da bräuchte ich nicht auch noch meinen Senf hinzuzugeben. Doch je länger ich über meine Idee nachdenke, umso besser gefällt sie mir. Ich habe nun schon die ein oder andere Stunde über den möglichen Inhalt meiner Geschichte nachgedacht und bin der Meinung, dass es eine vortreffliche Feuergeschichte werden könnte. Um ehrlich zu sein, baut meine Idee auf einer anderen Feuergeschichte auf; mir etwas ganz und gar Neues auszudenken, liegt leider außerhalb meiner kreativen Möglichkeiten.

So will ich nun eine Feuergeschichte über Mut, Freundschaft und natürlich die Liebe schreiben. Ja, es könnte eine unglaubliche Liebesgeschichte werden – allein der Gedanke daran erfreut mich zutiefst. Da ich mir aber denken kann, dass Sie an einer Feuergeschichte nur wenig Interesse zeigen würden, möchte ich Sie an dieser Stelle beruhigen, denn ich werde hier und da einen weisen Satz einfügen, damit der geneigte Leser etwas daraus lernen kann. Die weisen Sätze möchte ich hierzu aus meinen Lieblingsgeschichten entleihen, sodass mir hoffentlich kein grober Fehler unterlaufen wird.

Herr Platon! Ich habe Ihr Höhlengleichnis und Ihre Skizze noch immer vor Augen, so sehr, dass mich schon mancher Alptraum plagte. Was für einen gräulichen Zustand Sie beschreiben! An einer Höhlenwand angekettete Menschen, die nicht einmal ihren Kopf wenden können, damit Sie den ganzen Tag die wie von Zauberhand geschaffenen Schattengeschichten anschauen. In Ihrem Höhlengleichnis reiht sich wirklich ein großes Unglück an das nächste, und der Einzige, der in der Lage wäre, an der misslichen Situation etwas zu ändern, wird am Ende gemeuchelt.

Was sind Sie nur für ein schrecklicher Pessimist! Ja genau das sind Sie. Ein Miesepeter! Wie kann man die Welt nur so schwarz malen, dass einem das Herz darüber ganz schwer wird. Werfen Sie doch einmal einen genauen Blick auf meine Höhle und Sie werden leicht erkennen, wie viel sich in den letzten gut 2000 Jahren geändert hat:

Bereits zu Beginn wird Ihnen auffallen, dass nur noch wenige Menschen an der Höhlenwand kurz angekettet sind. Die Ketten sind so lang geworden, dass man bequem in der Höhle umherlaufen kann. Die meisten Menschen wissen nicht einmal, dass sie noch angekettet sind, da sie nicht das Verlangen verspüren, wirklich weit zu laufen. Es gibt sogar Menschen, die ihre Ketten aus freiem Willen abgelegt haben. Ich gehöre ebenfalls dazu und bin jeden Tag dankbar über diese Freiheit, auch wenn ich kaum dazu komme, viel in der Höhle umherzureisen. Doch wenigstens in Gedanken bin ich frei und kann dort jeden Ort besuchen, der mir in den Sinn kommt.

In unserer Höhle kann auch jedermann seinen Kopf wenden, wohin es ihm gelüstet. Ich muss gestehen, es ist etwas komisch anzusehen, doch die meisten Menschen entscheiden sich sehr früh für nur eine Richtung und schauen dann tagein tagaus entweder nur nach rechts oder nur nach links. Ich hingegen bin etwas aus der Art geschlagen. Ich schaue zwar am liebsten nach links, weil mir diese Seite farbenfroher erscheint, aber wenn an besonders tristen Tagen schaue ich so weit nach rechts, dass mir selbst angst und bange wird. Nun, in diesem Fall versuche ich mich daran zu erinnern, dass ich ein guter Mensch sein will, und das hat noch jedes Mal geholfen.

Es gibt auch besondere Stunden, an denen ich nach oben oder nach unten schaue. Aber an Decke und Boden hat sich seit tausenden Jahren nicht viel geändert. Dort gibt es außer rauem Gestein nicht viel zu sehen.

Ich hoffe, ich konnte Sie mit meinen Zeilen davon überzeugen, dass es in unserer Geschichte doch vorangeht. Und glauben Sie mir, wenn wir noch einmal 2000 Jahre warten, wird irgendeine neugierige Seele auch den Ausgang aus der Höhle finden, den Sie in Ihrem Text beschrieben haben.

So es denn diesen Ausgang gibt. Verstehen Sie mich nicht falsch, aber ich bin ganz sicher, dass wir Menschen schon jeden Winkel unserer Höhle abgelaufen sind und bis jetzt hat keiner einen solchen entdeckt.

Nichts für ungut,

Der, der immer Schuld hat


A/N: Gibt es vielleicht Philosophen unter euch, die mir ein Review schreiben wollen? Wenn nicht, reicht mir auch ein kurzes Dankeschön. Eure Lumos!