Sternzeit: 27.07. 2012

Eintrag: Elli Smith

Lieber dreimalweiser Scheuch,

an Tagen wie diesem wünschte ich mir, ich wäre so dreimalweise wie du, mein Freund. Ich bin zwar auch nicht gerade auf den Kopf gefallen, aber so langsam weiß ich keinen Rat mehr.

Mein Plan, Verbündete für den Kampf gegen die vielen Probleme unserer Welt zu finden, war bis jetzt nicht sehr erfolgreich. Im letzten Monat habe ich meine Schwester Ann und ihren Mann Tim besucht, weil sie mir von allen immer am enthusiastischsten erschienen waren. Ich habe ihnen die Dringlichkeit meines Vorhabens geschildert, und auch, dass ich versucht habe, Kontakt mit dem Wunderland aufzunehmen.

Was haben die beiden gelacht. Anfangs hat Ann während meiner Erzählung nur leise gekichert, doch schon bald lachten beide so lauthals, dass ihnen die Tränen in die Augen stiegen. Ich verstehe die Welt nicht mehr. Ich erinnere mich, als wäre es erst gestern gewesen, wie die beiden auf ihren solarbetriebenen Maultieren durch die große Wüste bis ins Wunderland geritten sind, um gegen Urfin und seine Maranen zu kämpfen.

Aber sie hatten ihre eigene Geschichte vergessen! Und Ann meinte doch allen Ernstes, es seien nur fellbezogenen Schaukelpferde gewesen, auf denen sie und Tim in unserer Wohnstube um die Wette geschaukelt hätten. Was für ein ausgemachter Unsinn! Schaukelpferde! Ich weiß noch genau, dass ich grün vor Neid war, als ich von den mechanischen Wundertieren erfahren habe. Meine Schwester war ein wirkliches Glückkind mit ihrem treuen Maultier, während ich doch auf meiner ersten Reise in einem bescheuerten bescheidenen Wohnwagen ins Wunderland geflogen bin.

Auch bei meinem Cousin Fred hatte ich kein Glück. Er hat sich zwar das Lachen verkniffen, als ich ihm von unserer Reise zu den sieben unterirdischen Königen erzählte, meinte dann aber, dass ich wohl damals bei meinem Besuch zu viel von seinen Spezialkeksen gegessen hätte. Natürlich habe ich das nicht! Ich wusste doch schon immer, dass da was drin ist!

Ich wäre wohl schon vor Gram vergangen, hätte ich nicht vor drei Tagen Onkel Charlie getroffen. Er war sogleich begeistert von meinen Ideen und hat mir seine Unterstützung zugesagt. Nun musst du aber wissen, dass Onkel Charlie nicht mehr der Jüngste ist. Seit seinem Schlaganfall im letzten Jahr sabbert er ein bisschen, aber seine Geschichten sind immer noch so voller Feuer, dass mir ganz warm ums Herz ward.

Onkel Charlie mag kein großer Seefahrer mehr sein, und natürlich kann er mich nicht mehr drei Meter hoch in die Luft werfen, aber sollten wir demnächst ein Wüstenschiff brauchen, wird er nicht ruhen, bis er das Schiff mit meiner Hilfe zusammengezimmert hat.

Glaube mir, lieber Scheuch, auch wenn die Situation nicht allzu rosig aussieht, werde ich nicht verzagen. Onkel Charlie und ich werden uns auf die Suche nach dem großen Goodwin machen. Wenn irgendein Mensch diesseits der allumspannenden Berge sich mit der Zauberei auskennt, dann er.

Auf meinen letzten Brief an dich habe ich leider noch keine Antwort erhalten. Natürlich nicht. Die Flaschenpost ist sicher nicht die schnellste. Ich werde dennoch auch dieses Mal auf mein Glück vertrauen und meine Nachricht in einer gut verkorkten Flasche an dich senden.

Sei gegrüßt und geküsst,

Deine Elli


A/N: Liebe Leser! Auch wenn ich ein kleines bisschen verrückt bin, freue ich mich durchaus über ganz normale Reviews. Und über verrückte Reviews freue ich mich auch. Und selbst über Kritik freue ich mich. Solange nur jemand mal Piep sagt. Eure Lumos.