AN: So Endspurt, aber zum Ausgleich dafür, dass ich die Geschichte heute abschließe, gibt es noch kein kleines Kapitelchen extra. Vielen Dank euch allen, die ihr die Geschichte bis hier her begleitet habt – und einen extra großen Dank an alle, die nicht nur mitgelesen, sondern auch eine Review hinterlassen haben! Ihr wisst ja Reviews sind das Manna für die Schreiberseele und jedes Mal, wenn man nachsieht und es hat wieder wer geschrieben, schlägt das Herz höher!
Aber jetzt erst mal viel Spaß mit den letzten beiden Kapiteln! Und vielleicht lässt sich ja der ein oder andere zu einer kleinen Abschluss-Review hinreißen ;-)


Am nächsten Morgen war Chakotay in aller Herrgottsfrühe auf dem Weg von der Transporterstation zu Sevens Apartment. Kathryn und er hatten beschlossen, ihre Pläne sofort umzusetzen und so stand er nun mit Wanderausrüstung vor Sevens Apartment, um sie zu einem Überraschungs-Ausflug in die Berge zu entführen. Zum Glück war Samstag, ansonsten wäre es vermutlich schwierig gewesen, die Dekanin davon zu überzeugen, dass er sofort nach Dienstantritt einen freien Tag benötigte.

Als Seven die Tür öffnete, war offensichtlich, dass sie ihn nicht erwartet hatte. Anstatt der femininen Kleidung der letzten Tage trug sie einen ihrer alten Overalls von der Voyager, hatte die Haare wieder streng zurückgesteckt und sah einfach ganz beruhigend nach Seven aus.

„Guten Morgen", begrüßte Chakotay sie enthusiastisch. „Ich bin hier, um dich zu einem kleinen Ausflug abzuholen."

„Guten Morgen, Chakotay", sagte Seven. „Ich hätte nicht erwartet, dich nach unserer gestrigen Auseinandersetzung so schnell wiederzusehen. Mir war außerdem nicht bewusst, dass wir uns zu einem Ausflug verabredet hätten."

„Haben wir auch nicht", erklärte Chakotay. „Es ist eine spontane Idee. Das Wetter ist ideal und ich wollte dir schon lange einmal meine Lieblingstour aus meinen Zeiten bei der Akademie zeigen."

„Chakotay", hub Seven an und Chakotay sah, dass sie sich bemühte, eine Ausrede zu finden. Interessant – und keine Spur von einer der vielen seltsamen Seven-Persönlichkeiten, die ihm in den letzten Tagen begegnet waren.

„Keine Widerrede", grinste er. „Das ist ein Befehl, du wirst dich fügen."

Und Seven fügte sich tatsächlich.

=/\=

Der Aufstieg dauerte nun schon einige Stunden an und Chakotay war schmerzlich bewusst geworden, wie lange seine Zeit als Kadett bei der Akademie schon her war. Das heißt, vermutlich waren die Berge damals einfach nicht so verdammt steil gewesen. Schweigend liefen er und Seven nebeneinander her. Er, weil er mit seinem Atem haushalten musste, Seven vermutlich, weil sie nicht wusste, was sie sagen sollte. Chakotay registrierte allerdings mit einer gewissen Genugtuung, dass auch Seven begann, ein wenig derangiert auszusehen. Kleine Schweißbäche rannen über ihre Stirn und die eine oder andere vorwitzige Strähne hatte sich aus ihrer Frisur gelöst.

Doch selbst wenn er heute nichts erreichen sollte, hatte sich der Ausflug gelohnt. Seit sie vor zwei Stunden die Baumgrenze passiert hatten, waren sie mit einem atemberaubenden Ausblick nach dem anderen belohnt worden. Selbst nach all den Wundern, die ihnen auf ihren Reisen begegnet waren, konnte die gute alte Erde einen immer noch in ehrfürchtiges Staunen versetzen.

Trotzdem war er grenzenlos erleichtert, als sie schließlich den Gipfel erreichten. Um sie herum erstreckte sich ein grandioses Bergpanorama. Nach vorne hin wurden die Berge kleiner und weit in der Ferne konnte man den Küstenstreifen mit San Francisco und dem Ozean dahinter erkennen. Schweigend ließen Chakotay und Seven sich auf zwei Felsen nieder, genossen die Ruhe und Abgeschiedenheit hier und bewunderten die Aussicht.

„Möchtest du mir nicht sagen was los ist?", fragte Chakotay schließlich sanft.

„Ich weiß nicht, was du meinst", versuchte Seven auszuweichen.

„Dein Verhalten der letzten Tage entspricht nicht deinen gewohnten Parametern", imitierte Chakotay Sevens normale Ausdrucksweise.

Seven sah in die Ferne.

„Ich habe dich gerne, und ich mache mir ernsthaft Sorgen um dich", fuhr Chakotay fort. „Was auch immer los ist, du kannst mit mir sprechen."

Seven zuckte hoch. „Mein Verhalten war nicht dazu gedacht, dir Sorgen zu bereiten."

„Wozu war es dann gedacht?"

In Sevens Gesicht konnte Chakotay einen Wettkampf unterschiedlichster Emotionen beobachten.

„Dich zu nerven", brach es schließlich aus ihr heraus.

„Wie bitte?"

„Du solltest meiner Gesellschaft überdrüssig werden."

„Aber Seven, warum das?"

„Damit es dir leichter fällt, ein Ende unserer Beziehung zu akzeptieren. Ich bin zu der Schlussfolgerung gelangt, dass diese Beziehung auf die Dauer nicht erfolgversprechend ist und habe nach einem Weg gesucht, sie zu beenden ohne dir größere emotionale Schäden zuzufügen. Scheinbar war dieser Plan fehlerhaft, da du die Frequenz unseres Zusammenseins noch erhöht hast, anstatt wie geplant Abstand zu nehmen. Ich sehe nicht, was daran komisch ist", unterbrach Seven sich selbst, als sie bemerkte, dass die Zuckungen ihres Begleiters entgegen ihrer ersten Annahme nicht auf einen emotionalen Zusammenbruch hinwiesen, sondern unterdrücktes Gelächter waren. Obwohl unpassendes Gelächter natürlich durchaus auch ein Anzeichen für einen Zusammenbruch sein konnte.

„Oh, Seven, du bist so unglaublich", sagte Chakotay. „Das war deine Vorstellung davon, wie man eine Beziehung auf nette Art beendet?"

„Das war in der Tat der Plan", antwortete Seven steif. „Du hast dich allerdings in deiner Zuneigung als wesentlich persistenter erwiesen als vorab prognostiziert."

Chakotay wurde wieder ernst. „Ich weiß deine Bemühungen ehrlich zu schätzen, aber es gibt wohl keine nette Art für das Beenden einer Beziehung. Es ist immer ein schmerzhafter Prozess, den man am besten mit Ehrlichkeit übersteht. Und nun will ich auch ehrlich zu dir sein: Ich schätze dich sehr und habe unsere Zeit zusammen sehr genossen, dennoch war ich schon vor einiger Zeit zu derselben Schlussfolgerung wie du gelangt, unsere Beziehung hat keine Zukunft und wir sollten sie beenden."

„Dann sind wir nun kein romantisches Paar mehr?", verlangte Seven zu wissen.

„Nein, das sind wir nicht mehr", bestätigte Chakotay.

„Dann ist es gut."

„Das ist es."

Und gemeinsam blieben die beiden noch ein ganzes Weilchen auf ihren Felsblöcken sitzen bevor sie sich einträchtig an den Abstieg machten.

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In San Francisco war unterdessen auch Kathryn Janeway nicht untätig gewesen und war nun wie ein Racheengel in einem gewissen Büro im medizinischen Forschungskomplex der Sternenflotte aufgetaucht. Selbstverständlich war es für Admiral Janeway, Heldin des Delta-Quadranten, ein Leichtes gewesen, den arroganten Assistenten mit einem Todesblick das Fürchten zu lehren und ohne Umschweife zum Doktor durchgelassen zu werden.

„Doktor, was ist aktuelle Lektion von Sevens Trainingsprogramm?"

Das ehemalige MHN der Voyager schrumpfte unter dem Blick seiner ehemaligen Kommandantin zu einem kläglichen Häufchen Photonen.

„Admiral, ich muss schon sehr bitten, das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und…"

„Hören Sie mir gut zu Doktor", Kathryn brachte ihre Nase ganz dicht vor die des Doktors. „Seit gut einer Woche macht Seven mit ihrem seltsamen Verhalten Commander Chakotay vollkommen verrückt und ich habe festgestellt, dass sie Sie seit genau diesem Zeitraum regelmäßig aufsucht, außerdem will Seven sich nicht über den Inhalt besagten Trainingsprogramms äußeren. Der Verdacht liegt also nahe, dass Sie hinter der ganzen Sache stecken und wenn Sie mir nicht auf der Stelle sagen, was da vor sich geht, werde ich B'Elanna bitten, Ihr Programm zu dekompilieren – Zeile für Zeile. Und glauben Sie mir, B'Elanna wird das gerne tun. Sie macht sich nämlich fast genauso viel Sorgen um Chakotay wie ich um Seven. Also raus mit der Sprache."

„Also wirklich, Admiral…", versuchte der Doktor noch schwach einzuwenden, doch ein weiterer Janeway-Todesblick brachte ihn zur Raison. „Wie werde ich ihn los in zehn Tagen", grummelte er.

„Wie bitte?"

„Wir haben ein Programm erarbeitet, dass dem Commander die Trennung von Seven of Nine so einfach wie möglich machen sollte."

Kathryn war für einen Moment fassungslos. „Soll das heißen, Seven führt das ganze Theater auf, weil sie sich von Chakotay trennen will?"

„Natürlich", sagte der Doktor überheblich. „Auf die Dauer war diese Partnerschaft doch zum Scheitern verurteilt."

„Und warum hat sie es ihm nicht einfach gesagt?"

„Sie wollte ihn nicht verletzen."

„Stattdessen hat sie ihn mit ihrem Verhalten in Angst und Schrecken versetzt. Er musste glauben, dass entweder er oder sie gerade den Verstand verliert." Kathryn rieb sich die Schläfen.

„Ich versichere Ihnen, das war nicht unsere Intention", beeilte sich der Doktor zu sagen. „Was können wir tun, um den Schaden wieder gutzumachen?"

„Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit", sagte Kathryn. „Seven muss Chakotay reinen Wein einschenken."

„Aber wird der Commander nicht furchtbar enttäuscht sein? Immerhin konnten wir ihn nicht dazu bringen, Seven freiwillig zu verlassen."

Wider Willen fing Kathryn an zu kichern. „Enttäuscht? Eher nicht."

Der Doktor begann zu strahlen. „Also hat unser Plan gewirkt. Der Commander möchte die Beziehung beenden?"

Kathryn seufzte. „Doktor, das wollte er schon die ganze Zeit. Wenn Sie nicht dazwischen gefunkt hätten, wäre die Beziehung der beiden schon lange auch offiziell vorbei. Vielleicht überlassen Sie in Zukunft die Counseling-Arbeit dann auch tatsächlich einem Counselor."