Titel: Missing you (deutsche Version)
Fandom: Cabin Pressure
Autor: lorelei_lee1968 (Lorelei Lee)
Pairing: Martin/Douglas, Martin/Theresa (erwähnt)
Rating: ab 16
Disclaimer:Mir gehört nichts. Cabin Pressure gehört John Finnemore und vielleicht noch Radio BBC.
Inhalt: Spoiler für Vaduz (Staffel 4, Episode 3) Irgendwann in naher Zukunft begegnen sich Douglas und Martin auf einem Flughafen in Singapur, wo Martin gesteht, dass er seinen ersten Offizier vermisst.
Missing you
oooOOOoooOOOoooOOOooo
Martins zufälliges Zusammentreffen mit Douglas lag nun schon 23 Tage zurück… nicht, dass Martin die Tage gezählt hätte… oder die Stunden. Es waren genau… Martin schüttelte über sich selbst unwillig den Kopf. Nein. Solche Gedanken waren genau das, was er nicht brauchte. Daher würde er aufhören, sie zu denken. Punkt. Er hatte mittlerweile seine mehr oder weniger festen Flugrouten, während Douglas in GERTI wie eine wilde Hummel kreuz und quer über den Erdball flog. Es war mehr als unwahrscheinlich, dass sie sich je wieder über den Weg laufen würden. Und falls doch… dann war er mit etwas Glück bereits verlobt und hätte diese unseligen Sehnsüchte sicher hinter sich gelassen.
Martin beschloss, sich zusammen zu reißen, nicht mehr an seinen früheren ersten Offizier zu denken und sich stattdessen auf die Auslage des Pariser Flughafen-Juweliers zu konzentrieren, vor dem er gerade stand. Bis zu seinem Weiterflug hatte er noch mehr als genug Zeit, um sich nach etwas Hübschem für Theresa umzusehen. Beim Anblick der Preisschilder – und nach kurzem Umrechnen der Euros in Britische Pfund - sank sein Mut allerdings wieder beträchtlich.
Dafür, dass Theresa es mit ihm aushielt, hätte sie den schönsten und größten Diamant-Ring verdient, doch obwohl er nun über ein festes Gehalt verfügte, lag ein Schmuckstück – wie es ihm angemessen erschien - immer noch außerhalb seiner finanziellen Reichweite.
Während er noch im Kopf sein Barvermögen überschlug, tippte ihm jemand auf die Schulter. Martins ohnehin schon unausgeglichene Stimmung schlug nun in Verärgerung um. Seine Uniform schützte ihn normalerweise vor solchen Zudringlichkeiten. Er drehte sich um und musste ein wenig den Kopf heben, doch dann blickte er direkt in Douglas' Gesicht.
„Captain Crieff, wie ich annehme?", sagte Douglas und brachte tatsächlich eine kleine, spöttische Verbeugung zustande.
„Hallo Douglas", erwiderte Martin tonlos. Warum nur? Warum nur musste ihm Douglas schon wieder über den Weg laufen? Wie groß waren noch gleich die Chancen gewesen, dass so etwas wieder passieren würde? Gering bis gar nicht vorhanden! Und doch stand Douglas vor ihm und sah ihn mit diesem spöttisch-amüsierten Blick an, von dem er nicht wusste – nicht wissen konnte… lieber Gott, lass es ihn auch nie wissen! – was er alles mit Martins Pulsschlag und seinen Knien anstellte. Das hätte nicht passieren dürfen! Hätte nicht passieren sollen! Warum also… oh… richtig. Er hatte sein fabelhaftes Pech vergessen.
Douglas' Blick glitt an ihm vorbei hin zu dem Schaufenster des Juweliers.
„Suchst du nach einer neuen Uhr? Möglicherweise nach einer Original Philippe Patek?", fragte er mit einem breiten Grinsen.
„Ha Ha Ha", machte Martin verdrossen. Es war ja klar gewesen, dass sich Douglas diese Gelegenheit nicht entgehen lassen würde um ihn mit dieser alten Geschichte erneut aufzuziehen. Warum nur fehlten ihm diese Neckereien so sehr? „Du warst schon witziger", schob er noch verärgert nach, während er spürte, wie seine Wangen warm wurden. Na toll. Jetzt wurde er auch noch rot. Vor Douglas! Dabei hatte der Tag so gut angefangen. Klarer Himmel über Frankreich, perfekter Start, beinahe perfekte Landung… aber nein. Das Schicksal hasste ihn so sehr, dass es ihm ausgerechnet jetzt Douglas über den Weg schickte. Martin schluckte etwas krampfhaft und fing an sich einzureden, dass die Röte seiner Wangen nur von seiner Verärgerung her rührten und nicht von etwas ganz anderem.
„Also keine Uhr", stellte Douglas gelassen fest und sah ihm dabei ruhig in die Augen.
Direkt in die Augen. Die flammende Hitze, welche Martin dabei ins Gesicht schoss, ließ sich weder unterdrücken, noch schönreden. Er suchte daher sein Heil in der Flucht nach vorne.
„Wenn du es unbedingt wissen musst… Ich suche nach einem Verlobungsring", schleuderte er Douglas fast trotzig entgegen und wandte seinen Blick ab.
„Martin!", rief Douglas aus. „Nach allem, was du mir gesagt hast…" Seine Stimme klang aufgebracht, aber keineswegs spöttisch oder gar sarkastisch – was Martin zumindest nicht so sehr überrascht hätte, wie diese ehrliche Besorgnis. Doch Martins Überraschung war nicht von langer Dauer, denn fast sofort gewann unbändiger Zorn die Oberhand.
„Du hast mir versprochen, diese Sache nie wieder zu erwähnen!", presste er zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor.
Doch Douglas blieb – wie immer – von diesem Wutanfall völlig unbeeindruckt.
„Habe ich das? Ich denke eher, dass ich dir ein solches Versprechen nie gegeben habe. Aber Sir weiß es natürlich am besten." Er räusperte sich und jeder Hauch von Ironie war aus seiner Stimme verschwunden, als er fortfuhr: „Du wirst Theresa also wirklich heiraten?"
„Sicher", erwiderte Martin lässig und war gleichzeitig stark damit beschäftigt, sich seine Verwirrung und Unsicherheit ob Douglas' Nachfrage nicht anmerken zu lassen. „Ihre ganze Familie und das halbe Land erwarten seit Wochen meinen Antrag. Meine Mutter und Simon und Caitlin hören nicht auf, mich damit zu nerven und…"
„Du könntest immer noch mit ihr Schluss machen", unterbrach ihn Douglas.
„Schluss machen!" Martin schnaubte. "Du sagst das, als ob das eine echte Option für mich wäre." Er hatte wohl hilfloser geklungen, als es ihm selbst bewusst war, denn warum sollte sich sonst diese tiefe Besorgnis auf Douglas' Gesicht ausbreiten?
„Aber es ist eine echte Option!", widersprach Douglas heftig. „Martin… seit ich dich kenne, hast du es noch immer fertiggebracht bei jedem Date Mist zu bauen… bei jeder einzelnen Beziehung Mist zu bauen. Warum machst du das jetzt bei Theresa nicht einfach wieder?"
Martin lachte nervös. Douglas' Blick war mit einer Intensität auf ihn gerichtet, die ihm völlig unangebrachte Schauer über den Rücken laufen ließ.
„Ich will es dieses Mal nicht versauen! Sie liebt mich wirklich!", rief Martin aufgebracht aus." Er hielt inne und erwiderte Douglas' Blick für einen Moment. Dann seufzte er. „Ich bin eben ein ausgemachter Pechvogel. Ich habe ja schon versucht… es kaputt zu machen", gab er kleinlaut zu. „Es hat nicht funktioniert." Er fuhr sich mit einer Hand über sein Gesicht und lachte bitter. „Immer wenn ich Erfolg haben wollte… dann habe ich es todsicher versaut. Aber jetzt, wo ich versagen will…du verstehst schon. Es ist wohl mein Schicksal, dass ich nie das bekomme, was ich will."
Ein Stirnrunzeln zeigte sich auf Douglas' Gesicht.
„Aber du wolltest Theresa doch…"
Martin hörte auf, seine Schuhspitzen zu mustern und sein Kopf ruckte nach oben.
„Ja! Ich weiß!", fauchte er wütend. „Danke, dass du mich daran erinnerst, dass ich mir selbst nicht trauen kann. Dass ich mich selbst nicht gut genug kenne um meine Wünsche richtig einschätzen zu können. Dass ich zu dumm bin um zu wissen, was ich wirklich will! Was ich wirklich brauche! Zu dumm um zu wissen, was wirklich gut für mich ist… bis es… zu spät ist." Martin rang nach Atem, doch Douglas sah ihn einfach nur mit einem merkwürdigen Blick an, den Martin nicht wirklich verstand. „Ja, es ist wahr! Ich wollte sie!", fuhr er etwas gedämpfter aber immer noch aufgeregt fort. „Ich wollte sie so sehr. Und jetzt, da ich sie habe… will ich sie nicht mehr." Ein kleines, verzweifeltes Lachen entschlüpfte seinen Lippen doch noch immer hielten seine Augen Douglas' Blick stand. „Erst jetzt habe ich begriffen, was ich wirklich will… wonach ich mich schon seit langer Zeit sehne…" Er unterbrach sich selbst und schüttelte den Kopf. „Ist ja auch egal", sagte er leise und senkte seinen Blick.
Nie wieder hatte er es erwähnen wollen. Nie wieder hatte er darüber nachdenken wollen, was – oder besser gesagt – wen er tatsächlich wollte. Nach wem er sich sehnte. Wie hatte er nur so dumm sein können, Douglas seine Gefühle zu gestehen? Wieso hatte er sich dazu hinreißen lassen? Er hatte die vage Hoffnung besessen, es würde ihm hinterher besser gehen… er würde dieses Kapitel damit abschließen können… doch stattdessen hatte er mit seinem Geständnis alles nur noch schlimmer gemacht. Peinlich berührt stellte er fest, wie seine Augen feucht wurden. Entschlossen blinzelte er die aufsteigenden Tränen fort. Wenn ihm auch sonst nichts gelang… diese Blöße würde er sich nicht geben. Er – als Captain - würde nicht mitten in Paris, mitten in einem Flughafen, vor einem ersten Offizier in Tränen ausbrechen.
„Aber du kannst sie nicht heiraten!", rief Douglas aus. Es klang gleichermaßen entsetzt und erbost und Martins angeborener Widerspruchsgeist regte sich.
„Ach ja? Und warum sollte ich das nicht?", gab er mit kalter Würde zurück. „Sie ist fantastisch und sehr liebenswert. Abgesehen davon ist sie die einzige Frau, die mich jemals gewollt hat. Zur Hölle damit – sie ist das einzige menschliche Wesen auf der großen weiten Welt, das sich jemals für mich interessiert hat. Wenn ich sie heirate, dann werde ich niemals wieder allein sein. Ich werde zu einer Familie gehören, die mich akzeptiert… die sogar stolz auf mich ist. Ich könnte selbst Vater werden… eigene Kinder haben. Ich könnte eine eigene Familie gründen." Martin reckte entschlossen sein Kinn vor und strafte seinen schlanken Körper. Er richtete seinen Blick ohne alle Gefühlsregung direkt auf Douglas. „Theresa ist meine letzte und einzige Chance für all das. Ich kann einfach nicht mit ihr Schluss machen. Wohin sollte ich gehen, wenn ich sie tatsächlich verlassen würde? Zurück nach Fitton? Wo ich immer nur einsam und unglücklich war?" Seine Stimme klang brüchig, doch Martin würgte den Kloß, der ihm im Hals saß, wieder hinunter und sprach gefasst und ruhig weiter. „Douglas… ich kann nicht zurück. Ich kann es einfach nicht. Ich will nie wieder so verdammt elend und einsam sein. Nie wieder… in meinem ganzen Leben nicht."
Er musterte Douglas aufmerksam, doch seine Worte schienen nicht wirklich einen bleibenden Eindruck hinterlassen zu haben, geschweige denn einen Sinneswandel bewirkt zu haben. Warum auch… Douglas hatte ja noch nie auf ihn gehört.
„Aber du wirst mit ihr nicht glücklich sein!", brachte Douglas schließlich hervor, nachdem er mehrere Sekunden nach den passenden Worten gesucht hatte.
„Und wenn schon!", schleuderte ihm Martin entgegen. Seine Geduld war nun auch am Ende. Douglas wollte nicht verstehen? Wollte nicht begreifen, wie vernünftig Martins Argumente waren? Gut – dann eben mit dem Vorschlaghammer!
„Dann bin ich eben nach ein paar Jahren Ehe ein kleines bisschen unglücklich! Na und?! Das ist doch bei allen Ehen so! Es gibt für mich keinen anderen Weg. Es gibt für mich niemand, zu dem ich sonst gehen könnte! Du hast mir ja sehr deutlich zu verstehen gegeben, dass du nicht an mir interessiert bist!"
Es hatte wehgetan diese Worte zu formulieren. Es hatte geschmerzt, diese Worte auszusprechen – die Worte jedoch auch noch zu hören wie er sie selbst aussprach, war eine Pein gewesen, mit der Martin nicht gerechnet hatte. Doch es war ihm nichts anderes mehr übrig geblieben. Douglas wollte ihn nicht. Von daher hatte er kein Recht, ihm vorzuschreiben ob oder wen er zu heiraten hatte. Die nächsten Worte, die der andere Mann jedoch äußerte, zogen Martin den frischgewonnen Boden sofort wieder mit einem Ruck unter den Füßen weg.
„Das habe ich nie gesagt…", äußerte Douglas mit einem versonnenen Gesichtsausdruck.
„Tu mir das nicht an, Douglas", flüsterte Martin mit erstickter Stimme. Sein Herz schlug dumpf und schwer in seiner Brust. In seinen Ohren dröhnte es und er musste erneut hektisch Blinzeln um die Feuchtigkeit in seinen Augen einzudämmen. „Tu das nicht… es mag für dich vielleicht amüsant sein – aber nicht für mich. Das ist kein gigantischer Witz… das ist mein Leben!"
Martin sah, wie Douglas den Mund zu einer Erwiderung öffnete, doch in diesem Moment hallte eine Durchsage der Lautsprecheranlage des Flughafens durch das ganze Gebäude.
„Erster Offizier Douglas Richardson, melden Sie sich bitte an Gate 12. First Officer Douglas Richardson, please announce yourself at gate 12. Premier Officier Douglas Richardson, s'il vous plait…"
„Verdammt, ich muss los", fluchte Douglas inbrünstig, dann wandte er sich mit einer solch drängenden Intensität an Martin, dass dieser automatisch ein wenig zurückzuckte. „Martin… tu's nicht. Versprich mir, dass du ihr keinen Antrag machen wirst!"
„Was… wieso… Ich verstehe nicht…", stammelte Martin und spürte, dass Douglas mit seinen beiden Händen die Finger seiner rechten Hand umschlossen hatte.
„Rasch - wohin fliegst du nächste Woche?", fragte Douglas immer noch hastig, drängend.
Martin blinzelte verwirrt, doch seinen Flugplan herunterzubeten war seine leichteste Übung – auch unter Stress.
„Montag: Toronto. Dienstag: Berlin. Freitag…" weiter kam er nicht.
„Ausgezeichnet! Dann werde ich das Vergnügen haben, Sir in Berlin wieder zu sehen."
„Berlin? Wieso…" Doch dann entschwand Martin diese Frage wieder aus seinem Gedächtnis, denn plötzlich kam ihm ein ganz anderes Problem viel wichtiger vor. „Douglas… warum berührst du meine Hand?"
Ein tiefes, dunkles Lächeln, welches nicht dazu beitrug Martins Pulsschlag wieder zu normalisieren, huschte über Douglas' Lippen.
„Ich berühre sie nicht… ich halte sie", raunte er mit dieser tiefen, tiefen Stimme, die Martins Knie zuverlässig weich werden ließen. Jedes verdammte Mal.
„Halten? Du-du-du hältst Händchen mit mir?", quietschte Martin leise. „Warum solltest du mit mir Händchen halten wollen?" Seine Augen weiteten sich in nervöser Panik und erst jetzt fiel es ihm ein, seine Hand diesem tröstlichen, warmen Griff hastig zu entziehen. „Lass das! Um Gottes Willen. Hier könnten Paparazzi sein!", zischte er ihm völlig aufgelöst zu und sah sich hektisch um.
Douglas zog eine Augenbraue in die Höhe.
„Papparazzi, Martin? Das ist jetzt nicht wirklich dein Ernst", meinte er trocken.
„Mein vollster Ernst", erwiderte Martin im Brustton der Überzeugung. „Ich bin immerhin der Freund der Prinzessin von Liechtenstein. Ich bin eine Person des öffentlichen Lebens."
Ein zärtlich-spöttischer Ausdruck trat in Douglas' Augen.
„In Liechtenstein vielleicht. Hier in Frankreich bist du höchstens ein öffentliches Nervenbündel."
„Letzter Aufruf! Erster Offizier Douglas Richardson, melden Sie sich bitte an Gate 12. Last call! First Officer Douglas Richardson, please announce yourself at gate 12. Premier Officier Douglas Richardson, s'il vous plait…"
Douglas schenkte dem Lautsprecher in ihrer Nähe einen entnervten Blick und wandte sich zum Gehen.
Als er schon einige Meter entfernt war, drehte er sich im Laufen noch einmal um und winkte Martin zu.
„Bis Dienstag! Wir sehen uns in Berlin!"
Martin brachte nur eine sehr schwache Geste der Erwiderung zustande. Douglas' strahlendes Lachen beim Abschied hatte ihm wieder die Knie weich werden lassen. Wie sollte er in diesem Zustand seinen Rückflug bewältigen? Wie sollte er die Tage bis Dienstag überstehen? Und vor allem… was sollte er jetzt tun?
Zutiefst verwirrt und voller aufgewühlter Sehnsüchte starrte Martin auf den breiten Rücken seines ehemaligen ersten Offiziers, bis dieser in der Menschenmenge der Fluggäste unterging.
oooOOOoooOOOoooOOOooo
Fortsetzung folgt…
