Täuschung 2 Warten

Leider war es ihm, verdammt noch mal, nicht gelungen eine solche Lösung zu finden.

Kingsley hatte sich wohl bemüht und sogar einen kleinen Stab an Leuten zusammengestellt, die sich über Lücken oder Schlupflöcher im Vertrag zwischen der Uni, Slideindustrie und dem Ministerium schlau machen sollten, gebracht hatte es allerdings gar nichts.

Zu Thomas Slide wurde er erst nach mehrfachen, hartnäckigen Anfragen vorgelassen. Der aalglatte Geschäftsmann hatte ihm dann mit vielen überaus freundlichen und wohlgesetzten Worten auseinanderlegt, warum er bedauerlicherweise auf gar keinen Fall diesen Vertrag lösen könne, es hinge einfach zuviel für ihn davon ab. Nach dem zwanzigminütigen Gespräch war sich Severus sicher, dass er den Mann nicht ausstehen konnte. Zudem kam er ihm irgendwie bekannt vor, er wusste nur nicht woher.

Auch seine mehrfachen Besuche an Ambros Carters Krankenbett brachten keine Wende. Die Vermutung, dass sich der führende Tränkemeister unter Englands Professoren selbst vergiftet hatte, schien immer wahrscheinlicher, denn seine Frau Kathrin hatte eine falsche Brille neben seinem Arbeitsplatz gefunden und zwei identische Glasflakons mit sehr ähnlich aussehendem Inhalt. Allein Ron Weasley, den er ebenfalls bei einem seiner Besuche im St. Mungos antraf, hatte noch Zweifel. Die er allerdings nur auf sein Gefühl zurückführen konnte – und wer gab schon etwas auf das Gefühl dieses unterbelichteten Weasleys? Selbst Hermine hörte sich die These ihres Freundes von einer wilden Verschwörung aufmerksam an, musste sie aber wegen Fehlens jeglicher Beweise leider verwerfen.

Also blieb ihm nichts anderes übrig, als sich zähneknirschend und mehr als widerwillig am Montag den 27. Juni im Morgengrauen für sieben lange Wochen von seiner Frau zu trennen.

Schweigend und mit versteinertem Gesicht begleitete er sie zum Apparierpunkt von Hogwarts, nachdem sie sich am Abend zuvor schon tränenreich von ihren untröstlichen Töchtern, von Minerva und Hagrid verabschiedet hatte.

Sie wirkte müde und niedergeschlagen. In der Nacht hatten sie beide kein Auge zugetan. Wie Ertrinkende hatten sie sich mehrfach geliebt und unzählige Male hatte er sie gebeten: „Bitte, geh nicht!"

„Ach, Severus, mach es mir doch nicht noch schwerer, als es eh schon ist!", hatte sie jedes Mal unglücklich geseufzte und sich ganz nah an ihn heran gedrückt.

„Was ist, wenn Dir was passiert?", hatte er ängstlich gemurmelt, „ich wüsste nicht, was ich ohne Dich machen würde!"

„Ich passe auf mich auf, versprochen!", hatte sie ihm fest versicherte, „Außerdem beruhigt es mich wirklich, dass Harry anstelle dieses zweifelhaften Maurice mitkommt."

Ja, dieser Maurice Petersen war ein echter Tollpatsch, daher hatte er bei Kingsley in letzter Minute erwirkt, dass er ausgetauscht würde. Der Held der Zaubererwelt war doch entschieden sicherer, wenn es um das Wohlergehen seiner Frau ging.

„Obwohl ich ein schlechtes Gewissen wegen Ginny und den Jungs habe!", hatte sie zugebeben, „noch eine Familie, die in diesem Sommer getrennt ist!"

„Das nächste Mal musst Du wirklich dafür sorgen, dass Ambros die Verträge besser aushandelt, es kann doch nicht so schwer sein, eine kleine Klausel einzubauen, die Euch vor solchen Situationen wie dieser hier schützt!", hatte er knurrend verlangt. Das hatte er seinem ehemaligen Zaubertrankmeister auch schon deutlich zu verstehen gegeben, zum Glück ging es diesem seit gestern schon wieder etwas besser, im St. Mungos musste er trotzdem noch eine Zeitlang bleiben, denn immer noch war er sehr schwach.

Als sie am Apparierpunkt ankamen, zog sie ihn wild in ihre Arme und barg ihr Gesicht an seiner Brust.

„Ich liebe Dich, vergiss das nicht, vergiss das nie!", wisperte sie dumpf und er presste sie noch etwas fester an sich.

„Ich habe kein gutes Gefühl bei dieser Sache!", antwortete er und zog ihren Kopf zu sich herauf, um sie in einen letzten hungrigen Kuss zu verwickeln. Aus diesem musste sie sich gewaltsam lösen und ihr Atem ging schwer, als sie keuchte: „Ich vermisse Dich jetzt schon!"

„Benutz den Ring, dann komme ich und hol Dich, egal wo Du auch stecken magst!"

Sie wischte sich einige Tränen aus den Augenwinkeln und nickte ihm zu, „Und ich schreib Euch, jeden Tag, ich versprechs!"

Dann schluchzte sie kurz auf, presste die Lippen fest aufeinander, damit ihr Kinn nicht so zitterte, hob entschlossen ihren Zauberstab und kurz darauf war sie verschwunden.

Für sieben verdammt lange Wochen. Er hätte heulen können!

Die kommenden Wochen schleppten sich wirklich dahin. Das Wetter zeigte sich mehr als typisch englisch und er war nicht unglücklich, dass seine Schwiegereltern und auch die Potters da waren, sonst wäre seinen Töchtern und auch ihm, die Decke auf die Köpfe gefallen. So stromerten die Mädchen morgens mit den beiden Jungs los und kamen eigentlich nur zu den Mahlzeiten zurück. Im nahegelegenen Dorf gab es anscheinend genug Zerstreuung.

Er wechselte sich mit seinen Schwiegereltern und Ginny Potter darin ab, für adäquate Mahlzeiten zu sorgen und abends saßen sie meist auf der Terrasse oder im Wohnzimmer vor dem Kamin zusammen und tranken einen Tee, ein Glas Wein oder Scotch, spielten Schach oder lasen. Trotzdem fehlte etwas und das ungute Gefühl, dass er seit ihrem Abschied nicht loswurde, verfolgte ihn bis in den Schlaf.

Da war es ihm eine kleine, aber wichtige Beruhigung, ihre, wie versprochen regelmäßig ankommenden Briefe zu lesen. Darin berichtete sie von tagelangen, anstrengenden Wanderungen im schwülwarmem Klima des Dschungels und den spärlichen Erfolgen, die sie vorweisen konnten und immer wenn er ihre Handschrift sah, fühlte er sich ihr ein kleines Stückchen näher.

Einer solcher Abende war auch der 2. August. Die Kinder waren schon im Bett und erzählten sich wahrscheinlich wieder wilde Abenteuergeschichten – seine Tochter Sera war meisterlich im Erfinden und detailgetreuen Schildern der haarsträubendsten Storys. Er wusste wirklich nicht, wo sie die Phantasie dafür herholte.

Sein Schwiegervater reichte ihm gerade ein Glas Scotch, als ein plötzlicher, heftiger Schmerz seine rechte Hand durchzuckte. Mit einem kleinen Überraschungslaut ließ er das Glas fallen und rieb sich die Hand.

„Was ist los?" fragte Henry überrascht.

„Der Ring", Severus schaute den goldenen Reif mit den Gravuren und der eigenwilligen Gestaltung besorgt an, „er hat gebrannt und ist immer noch ein wenig glimmend."

„Und was hat das zu bedeuten?", auch Ginny kam näher und schaute gebannt auf den Ring, den der Tränkemeister jetzt abgestreift hatte und genau untersuchte.

„Es bedeutet: Gefahr!", murmelte er mit hörbarer Sorge in der Stimme und schon erhob er sich und war mit wenigen langen Schritten am Kamin, wo er eine Handvoll Flohpulver ins Feuer warf und deutlich sprach: „Zaubereiminister Shacklebolt, London."

Es dauerte auch gar nicht lange, da sah man wie ein Osterei im Nest, den runden, kahlen Kopf des Ministers im Feuer erscheinen. „Was gibt es Severus? Hallo Ginny, Hallo Misses Granger, Mister Granger!"

„Mein Ring hat sich gemeldet Kingsley, habt ihr Nachricht von unseren Afrikaforschern?"

„Nein, nicht dass ich wüsste, ich versuch mal was herauszufinden und melde mich dann. Lass das Feuer an!", und schon war er wieder verschwunden.

„Meinst Du, ihnen ist etwas passiert?", fragte jetzt auch Jean Granger und schaute ihren Schwiegersohn wachsam an.

„Das muss nicht zwangsläufig so sein, das Glimmen war schwach und kurz, es wäre auch möglich, dass sie sich vor Irgendetwas erschreckt hat oder ein Unglück passiert ist, an dem sie oder ihre Leute gar nicht beteiligt waren. Es sagt nur, dass sie große Angst hatte und dass ihr Unterbewusstsein mir das mitteilen wollte."

Voller Unruhe tigerte er die nächsten zwei Stunden im Wohnzimmer auf und ab, dann endlich meldete sich sein Kamin wieder. Sofort waren alle zur Stelle.

„Severus?", rief Kingsley.

„Ich bin hier, was hast Du herausgefunden?", sein Herz klopfte ihm bis zum Hals.

„Du kannst Dich beruhigen, Severus. Es ist mir gelungen mit Albert Hide zu sprechen, dem Forschungsleiter von Slideindustries. Er sagt, dass alles im Lager ruhig wäre, allerdings wäre vor zwei Stunden ein heftiges Gewitter auf sie herabgegangen und man hätte wirklich Angst haben können, dass die Welt unterginge. Ich habe mich nach Hermine und Harry erkundigt und er wollte sie schon wecken gehen, aber ich habe gesagt, dass dies nicht nötig sei."

„Hm, ein Gewitter?", überlegte Severus, Hermine fürchtete sich zwar nicht vor Blitz und Donner, aber wenn das Unwetter sie ihm Schaf überrascht hatte, konnte sie das schon erschreckt haben. „Nun gut, ich danke Dir Kingsley, eine gute Nacht und grüße Deine Frau!"

„Mach ich, Euch allen auch noch einen schönen Abend!"

Die Grangers, Ginny Potter und er hatten sich lange angesehen, dann hatte Ginny für sie alle beschlossen, „Wir schicken sofort eine Eileule los und wenn die nicht innerhalb von 2 Tagen eine ausreichende Nachricht bringt, in denen die Beiden uns selbst berichten, dass es ihnen gut geht, werden wir was unternehmen!"

Genau das war auch seine Ansicht, daher schickte er sie eine halbe Stunde später mit zwei kurzen Briefen zum nächsten Eulenpostamt. Wofür war sie eine der besten Jägerinnen der englischen Quidditschliga!

Die Anspannung, die die nächsten zwei Tage über dem kleinen Sommerhaus an der rauen Atlantikküste von Cornwall lag, war fast greifbar.

Eileen, die ein feines Gespür für Stimmungen hatte, fragte ihren Dad ein ums andere Mal, was denn los sei. Dieser aber hüllte sich in Schweigen, wie auch alle anderen Erwachsenen sich in fadenscheinige Erklärungen flüchteten.

Und alle atmeten auf, als am dritten Tag ein Falke am Horizont auftauchte, der ungeduldig erwartet zwei Briefe brachte, den einen reichte Severus Ginny Potter, die ihn sofort aufriss und hektisch überflog, den anderen öffnete er selbst mit zitternden Händen. Er bemerkte noch nicht einmal, dass Jean Granger sich dicht an ihn heran drängte um mitzulesen, was ihre Tochter so schrieb.

‚Liebster Severus', stand da in Hermines klarer, schnörkelloser Schrift,

‚bist Du Dir sicher, dass der Ring sich gemeldet hat? Hier ist jedenfalls alles beim Alten, außer, dass es vielleicht noch etwas heißer, noch etwas feuchter und noch etwas fruchtbarer ist, als in den Wochen zuvor. Es wird unbedingt Zeit, dass wir endlich hier fertig werden und heim kommen, dieses Klima macht mich fertig, ich bin ständig todmüde und habe morgens den Eindruck, gar nicht geschlafen zu haben, Harry geht es ähnlich, den anderen scheint diese Wetterlage nicht so viel auszumachen.

Wenn ich nur nicht immer diese grauenhaften Albträume hätte, ich sehe schreckliche Dinge, an die ich mich aber beim besten Willen nicht mehr erinnern kann, sobald ich schreiend aufgewacht bin. Misses Broomberry, mit der ich mein Zelt teile, fällt jedes Mal aus ihrem Feldbett. Alle vermuten, dass dies mit diesem seltsamen Ort zusammenhängt. Die Zauber, die hier am Werk sind, sind uralt und wahrhaft mächtig und daher ist es wirklich nicht verwunderlich, dass uns der große Wurf noch nicht gelungen ist. Ich wundere mich nur, dass Albert Hide so zufrieden ausschaut, ich an seiner Stelle würde mich mit einer solch geringen Ausbeute nicht nach Hause trauen.

Bitte mach Dir keine Sorgen um uns und verbring Deine Zeit lieber damit, Dir ernsthafte und kreative Gedanken darüber zu machen, wie wir beide … adäquat … unser Wiedersehen feiern können. Ich jedenfalls tue das jeden Tag ausgiebig und ehrlich gesagt, ist es das, was mich hier aufrecht erhält und mir sind da schon einige sehr nette Dinge eingefallen."

An dieser Stelle lachte Jean amüsiert auf, was ihr einen peinlich berührten Blick des Tränkemeisters einbrachte, den seine Schwiegermutter aber nicht groß zu stören schien.

Sie bot ihm sogar noch freundlich an: „Wenn Du willst, geb ich Dir einige Tipps!"

„Nein, danke!" das fehlte noch, dass ihre Mutter ihm Ratschläge für sein Liebesleben machte, großer Merlin!

Mit zusammengezogenen Augenbrauen las er weiter:

„Sag Eileen, dass sie nicht solche wilden Flugversuche mit Ginnys Rennbesen unternehmen soll – mir wurde schon vom Lesen ihrer sehr plastischen Berichte schlecht und sag Ginny, dass sie ebenfalls auf solch gefährliche Spielzüge verzichten soll, sie weiß schon warum!

Und bitte Sera, sie soll mir die Fortsetzung ihrer wirklich sehr spannenden Geschichte über den einsamen schwarzen Zauberer schicken, ich will doch wissen, ob es ihm gelingt, diese begabte Prinzessin aus den Klauen des ungarischen Hornschwanzes zu erretten. Harry ist auch schon gespannt. Er sagt, sie könne gerne einige praktische Tipps für den Kampf zwischen den beiden von ihm bekommen." Hm, diese Geschichte kannte er auch noch nicht, er würde gleich heute Abend mal nachfragen!

Den restlichen Brief über verteilte seine Frau noch diverse weitere Ratschläge an ihre Familie, bis sie mit den Worten schloss:

„Es sind nur noch 15 Tage, Severus und ich danke jeden Abend dafür, dass es wieder einer weniger ist. Ich vermisse Euch schmerzlich und diese Feldbetten sind nicht nur schmal und ungemütlich, sondern vor allem einsam.

Ich liebe Dich und alle die gerade um Dich herum stehen auch,

Deine Hermine"

Na, wenigstens schien ihr nichts Ernstliches passiert zu sein, und wenn sie sich nicht mal daran erinnern konnte, ihn benachrichtigt zu haben, war es vielleicht wirklich ein Fehlalarm gewesen. Trotzdem blieb ein kleiner Rest der Besorgnis als beklemmendes Gefühl zurück.

Verdammt, sein Bett war zwar durchaus bequem, aber mindestens so einsam wie ihr Feldlager – naja, wenn man davon absah, dass seine Töchter darin regelmäßig die Nacht verbrachten und ihre dünnen Arme und Beine im Schlaf in seinen Rücken und in seine Brust rammten. Nur mit größter Mühe hatte er wenigstens diese Pottersprösslinge davon abhalten können, ebenfalls bei ihm zu übernachten. Das fehlte noch, dass sein Bett zu einem Feriencamp verkam.

Sein Blick ging zu Ginny Potter, die ebenfalls dicht neben ihm stand und versucht hatte einige Zeilen von Hermines Brief zu erhaschen, anscheinend konnte sich ihr Ehemann kürzer fassen. Na! Kein Wunder!

„Was schreibt der Held der Zaubererwelt?", wollte er wissen, als er den Brief mit nachdenklichem Blick zusammenfaltete und in die Innentasche seiner Weste steckte.

Ginny zuckte mit den Schultern, „Das alles o.K. sei und er sich nur denken kann, dass es ein Fehlalarm war."

„Hermine auch", murmelte Severus und als er dieses verschmitzte, unschuldige Grinsen im Gesicht von Misses Potter sah, setzte er sehr bestimmt hinzu: „Und nein, ich will auch keine Tipps von Ihnen!"

„Schade!", feixte Ginny, konnte sich aber nicht verkneifen zusammen mit Jean in albernes Gekicher zu verfallen, als sich Severus mit möglichst großer Würde in sein Labor aufmachte.

Weiber!

Danach hatte der Ring sich nicht mehr gemeldet. Aber sein ungutes Gefühl blieb ihm treu erhalten. Daran vermochten auch ihre Briefe, die nach wie vor regelmäßig eintrafen, nicht das Geringste zu ändern.

15 Tage…

Er verbrachte in diesen letzten zwei Wochen ihrer Abwesenheit viel Zeit in einer verborgenen Ecke nahe der Steilküste, von dort hatte man einen herrlichen Blick aufs Meer, dessen Rauschen ihn seltsam beruhigte. Er hatte eine kleine, bequeme Bank heraufbeschworen und ließ sich den Wind durchs Haar wehen.

Dort stöberte ihn irgendwann Mitte August Misses Potter auf und fragte leise: „Darf ich mich zu Ihnen setzen Professor, oder störe ich?"

„Natürlich stören Sie, Ginny, aber Sie dürfen sich trotzdem setzen!", er gab es nicht gerne zu, aber er fand die kleine Weasley ziemlich erträglich.

„Das ist ein wirklich schöner Ort", stellte Ginny fest, sog tief den Duft der See in die Lungen, nahm neben ihm platz und schloss, die Sonnenstrahlen genießend, ihre Augen. So saßen sie eine Weile schweigend nebeneinander und beinahe hätte Severus seine Banknachbarin schon vergessen, als diese sich räusperte, „Sie vermissen sie sehr, nicht wahr?"

„Ja, das tue ich", hatte er mit einiger Verzögerung leise geantwortet, er war sich nicht sicher, ob er ein solches Gespräch wollte.

„Und sie machen sich nach wie vor Sorgen."

„Auch das ist richtig", Severus schaute aus den Augenwinkeln zu ihr herüber, „Aber Ihnen geht es doch ähnlich oder irre ich mich da?"

„Nein, Sie irren sich nicht, Severus, ich kann erst wieder ruhig schlafen, wenn ich ihn wohlbehalten in meine Arme schließen kann!", seufzte Ginny.

Ja, auch er ersehnte diesen Augenblick mit aller Kraft herbei! Selbstverständlich nicht mit Harry Potter, sondern mit Hermine! Grundgütiger!

Dann fragte er unvermittelt: „Weiß er es schon?"

„Was soll er wissen?", Ginny schaute ihn fragend an, als Severus aber den Blick erwiderte und seine Augenbraue wissend nach oben schnellen lies, wurde sie rot und senkte den Kopf,

„Nein, ich habe es erst wenige Tage vor seiner Abreise selbst erfahren, er wäre sicher nicht gegangen, wenn er es gewusst hätte."

„Dann bräuchten Sie ihn aber auch jetzt nicht zu vermissen und sich um ihn zu sorgen!", entgegnete Severus leise.

„Nein, das müsste ich nicht, aber dann hätten Harry, Ron, ich und vor allem Sie, Professor, noch viel mehr Angst um Hermine, oder etwa nicht?", stellte Ginny klar.

„Ach, es lebe Gryffindors selbstlose Freundschaftsliebe!", spottete er, doch Ginny schien ihn zu durchschauen, denn sie grinste ihn frech an, „Sehr richtig, Professor Snape! Und was hat Slytherin zu bieten?"

„Hm, lassen Sie mich überlegen", Severus hob arrogant die Augenbraue nach oben, „was halten Sie von einem sehr bekömmlichen ?"

„Oh", seufzte Ginny, „das wäre wirklich klasse!"

„Denken Sie sich nur nichts Gutes dabei, ich möchte lediglich, dass Sie morgens schneller aus Ihrem Bad herauskommen, ihre Jungs stören mich dauernd beim Rasieren!"

Ginny lachte ihn an, „Albus behauptet auch, dass Ihre Badewanne bequemer sei als unsre!"

„Aber nicht mit drei Leuten darin! Das ganze Bad stand unter Wasser", murrte Severus, denn auch seine Jüngste liebte es mit ihrem Dad zu baden und wo Sera war, da konnte Albus nicht weit sein!

Ginny gluckste froh vor sich hin, sie stellte sich bestimmt gerade die Übervölkerung der snapschen Badewanne vor, „Ich gehe Jean fragen, ob sie meine Hilfe beim Mittagessen braucht!", Ginny stand auf und schöpfte noch einmal tief Luft. Sie war schon einige Meter Richtung Haus gegangen, als die Stimme ihres gestrengen Ex-Tränkelehrers sie zurückhielt.

„Ginny?"

„Ja, Professor?", sie schaute ihn immer noch lächelnd an.

„Hermine will, dass Sie mit den halsbrecherischen Flugmanövern aufhören."

„Ach", seufzte sie resigniert, „vor ihr kann man auch nichts geheim halten!"

„Nein, das kann man nicht!", stimmte Severus leise lächelnd zu, dann schaute er ihr fest in die Augen: „Und bevor ich es vergesse: Herzlichen Glückwunsch!"

„Danke, Severus!"

Dann war sie aus seinem Blickfeld verschwunden.