Für die Rückkehr der Forschungsgruppe war ein pompöser Empfang in der Empfangshalle von Slideindustries geplant. Was Severus für vollkommen überflüssig hielt und ärgerlich obendrein, denn dieses ganze Brimborium trennte ihn und Hermine nur weitere unnötige zwei bis drei Stunden voneinander.
Hätte er sich aber geweigert mit den Potters und seinen Töchtern zusammen am 17. August nach Sligo zu gehen, hätten seine Mädchen ihm sicherlich die Hölle heiß gemacht, und seine Schwiegereltern ebenso, soviel war klar. Die Kinder fieberten diesem 17. August mehr entgegen, als ihren Geburtstagen oder dem Weihnachtsmorgen. Sie waren schon Tage vorher dermaßen aufgedreht und nervös, dass es fast nicht zum aushalten gewesen war.
Die stände Frage „Wie lange dauert es noch, Dad?" Wurde nur von den Fragen unterbrochen, „Was sollen wir anziehen", „Was mag sie uns mitgebracht haben?" und „Ob sie uns wohl vermisst hat?" Severus überlegte schon, ob er sie mit einem Schweigezauber belegen könnte, aber das würden sie sicherlich Hermine erzählen und dann bekam er Ärger.
Man hatte es eben nicht leicht als alleinerziehender Vater und er war sich nach diesen sieben Wochen nicht mehr ganz so sicher, ob ein weiteres Familienmitglied wirklich so erstrebenswert wäre. Nicht, dass es noch ein Mädchen würde!
Als sie in Sligo ankamen, war die Halle schon gut gefüllt, viele bunte Zelte schmückten den großen Raum, dessen elegantes Glasdach auf schlanken Säulen ruhte. In einigen dieser Stoffpavillons stellte die Firma ihre Produkte aus, aber in den meisten tummelten sich Attraktionen, welche die vielen großen und kleinen Besucher erfreuen sollten. Zu dem ausgelassenen Treiben spielte eine Band und das Ganze glich eher einem Volksfest, als einem Empfang für eine Forschergruppe, deren Ergebnisse – laut Hermines und Harrys einhelligen Berichten – als bestenfalls mittelmäßig, aber wohl eher unterdurchschnittlich zu bewerten waren.
Er brauchte sich nur umzusehen und wusste: Es war ein Fehler hierher zu kommen und er würde diesen Rummel so schnell wie möglich wieder verlassen.
Seine Töchter allerdings waren schier begeistert und nachdem sie hastig sein Einverständnis eingeholt hatten, waren sie auch schon mit roten Wangen und leuchtenden Augen mit den Potterjungs in der Menschenmenge verschwunden. Hoffentlich fand er sie später wieder – aber es gab ja noch Ortungszauber.
Unauffällig suchte er sich einen Platz, von wo er das Geschehen gut im Blick halten konnte, selber aber fast unsichtbar blieb. Für dieses bewährte Vorgehen eignete sich die rund um die Halle verlaufende Balustrade auf der ebenfalls Zelte aufgebaut waren, hervorragend.
Von dort oben ließ er schnaubend den Blick über die bunte Menge wandern. Alles was Rang und Namen hatte war anwesend. Vom Zaubereiminister und seiner Familie, über die gesamte Führungsriege des Ministeriums, bis zu allen wichtigen Firmenchefs und Unternehmern der unterschiedlichsten Sparten, sogar George Weasley mit seiner Frau Angelina und Draco Malfoy, der in der Zwischenzeit die Familiengeschäfte des Imperiums führte, war mit seiner Familie erschienen. Er nickte ihm kurz zu, als sich ihre Blicke trafen. Es würde sich sicherlich später die Gelegenheit finden, ein paar Worte miteinander zu wechseln.
Nach einer sich wie Sirup hinziehenden dreiviertel Stunde kam plötzlich Bewegung in die Menge und Mister Slide trat auf den Plan. Er stellte sich auf die in der Mitte des Raumes befindliche Bühne und bat um Ruhe, „Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Kinder, ich hoffe Ihnen ist die Wartezeit hier bei Slideindustries nicht zu lang geworden und unsere kleinen Amüsements konnten Sie ein klein wenig von der Aufregung um die Rückkehr unserer Forschungsgruppe ablenken!"
‚Na, ganz gewiss nicht, Du Blödmann!', schnaubte Severus in Gedanken und schob seine Augenbrauen zu einem Blick der finsteren Art zusammen.
„Aber jetzt hat das Warten ein Ende", verkündete Mister Slide und schaute lächelnd in die Runde, „denn wie ich gerade von unserem Verbindungsmann in Afrika höre, steht die Rückkehr jeden Augenblick bevor. Lassen Sie uns unsere Expeditionsmitglieder in fünf, vier, drei, zwei, eins: Jetzt, begrüßen!"
Severus ganzer Körper spannte sich an und wie alle anderen in der Halle starrte er wie gebannt auf die, sich mit vielen Plops, materialisierenden Personen auf der Bühne.
Sein Adlerblick hatte sie natürlich sofort entdeckt, die junge, schlanke Frau in der zweiten Reihe, mit den braunen Locken, die sie zu einem dicken Zopf geflochten trug und deren hellbraune Augen sich augenblicklich suchend im Raum umschauten.
In der Menge erhob sich ein wildes Durcheinander. Die Angehörigen riefen froh nach ihren Müttern und Vätern, ihren Frauen und Männern und auch er meinte seine Töchter zu hören, die so laut sie konnten nach ihrer Mutter schrien.
Da, sie hatte ihn entdeckt, sie wusste halt, wo sie ihn suchen musste und das Strahlen, das sich daraufhin auf ihrem Gesicht ausbreitete, setzte sein Herz auf der Stelle in Brand und er wusste sicher, dass es ihr ähnlich ging. Mit einem leisen Seufzer atmeten sie fast gleichzeitig befreit auf.
Sie war zurück! Endlich!
Eine tiefe Ruhe breitete sich in ihm aus, jetzt konnte er warten, konnte es gut aushalten, dass sie erst in aller Gründlichkeit und Ausgiebigkeit ihre Töchter innig in die Arme schloss und küsste, Ginny fest an sich drückte und auch die Potterjungs froh begrüßte. Er hatte auch nichts dagegen, dass sie sich mit Kingsley längere Zeit unterhielt und auch nicht, dass sie mit George und Angelina Weasley flüsterte, denn es blieb ihm nicht verborgen, dass George zu einem Zelt am äußeren Rand deutete, das wohl als Materiallager seiner Firma diente.
Er hatte verstanden!
Einen Ignorierzauber auf sich legend, war er kurze Zeit später in besagtem Zelt verschwunden und linste gerade unauffällig durch einige Ritzen hindurch, damit er sie nur ja nicht verpassen würde, als ihn eine Stimme, die er unter tausend anderen erkannt hätte, leise ansprach.
„Erwarten Sie etwa jemanden, Professor?"
Bei Merlin! Sein Herz wechselte in eine weltrekordverdächtige Schlagsequenz.
Blitzschnell hatte er sich schon beim ersten ihrer Worte zu ihr umgedreht, um sie dann leise grollend anzufunkeln, „In der Tat, Miss Granger, sieben verdammte Wochen lang!"
Sie trat lächelnd bis auf Armeslänge an ihn heran und ihre Augen verschlangen ihn.
„Dann sollten Sie keine Zeit vertrödeln!", wisperte sie atemlos und schlang ihre Arme um seinen Hals.
„Verdammt, wer sagt denn, dass ich das tue?", murmelte er und er merkte, dass seine Stimme zitterte. Mit einem frohen Keuchen riss er seine Frau von ihren Füßen, um sie einmal übermütig herumzuwirbeln. Dann stellte er sie schnell wieder zurück auf die Erde und zückte seinen Zauberstab. Mit wenigen Bewegungen hatte er das Zelt gegen überraschenden Besuch gesichert und kaum hatte er einen Muffliator auf ihren Unterschlupf gelegt, da presste sie sich auch schon wieder fest an ihn und er fasste mit beiden Händen ihr Gesicht um sie gierig und voller Leidenschaft zu küssen. Ihren Mund, ihre Lider, ihre Wangen, ihre Stirn. Wenn es nach ihm gegangen wäre, hätte er sie am liebsten verschlungen, augenblicklich, ohne Zögern.
Bei Merlin, sie schmeckte noch genau so gut, wie er es in Erinnerung hatte. Er spürte ihren weichen Körper an seinem, genoss das Gefühl ihrer festen Brüste an seinem Oberkörper und seine Hände wanderten streichelnd über ihren Rücken hinab zu ihrem Po, um von dort über ihre Seiten wieder hinauf zu ihren Schulterblättern zu gelangen. Immerhin musste er prüfen, ob sie auch heil und gesund war. Nicht, dass noch ein wichtiges Teil beim Apparieren abgesplintert war.
Er hatte Glück, es war noch alles da wo es hingehörte und er wollte schon eine dahingehende Bemerkung machen, als er etwas irritiert bemerkte, dass seine Wangen von ihren Tränen nass waren.
„Küsse ich so schlecht, Miss Granger?", fragte er amüsiert und wischte sanft die nassen Spuren von ihrem lachenden Gesicht, „Bisher haben Sie sich noch nie darüber beschwert!"
„Ach, Professor", schniefte sie, „das waren nur die Entzugserscheinungen, beachten Sie sie gar nicht und machen Sie bitte schnellstens weiter!"
„Nun gut, wenn es denn sein muss", grinste er und erfüllte ihre Bitte sogleich.
Wahrscheinlich ständen sie immer noch in diesem Zelt, sich leidenschaftlich küssend und streichelnd, leise Kosungen austauschend und mit sich und der Welt im Augenblick mehr als zufrieden, wenn Hermine sich nicht irgendwann losgemacht hätte und mit deutlich lustgetränktem Blick genuschelt hätte: „Ich muss noch mal fort, Severus, es sollen noch Photos gemacht werden und der Tagesprophet hat ein Interview erbeten."
„Aber Du bist doch gerade erst zurück!", protestierte ihr Tränkemeister voller Kummer.
„Und ich geh auch so schnell nirgends mehr hin!", versicherte ihm Hermine entschieden, „Gib mir eine Stunde, die Mädchen sind bei George, Du solltest vielleicht darauf achten, dass sie nicht ihr ganzes Taschengeld für Dummheiten ausgeben!"
Seine Hände dachten aber gar nicht daran, sie so widerstandslos ziehen zu lassen, sondern umfassten fest ihre Taille. Mit aufmerksamen Blick musterte er ihr Gesicht, „Du siehst müde aus, Hermine", er küsste ihre, dank der afrikanischen Sonne wieder deutlich zu erkennenden, Sommersprossen und dann nochmals die Augenlider, deren Brauen sich etwas zusammenzogen.
„Das sieht leider nicht nur so aus, Severus, ich glaube ich war in meinem ganzen Leben noch nicht so müde, wie in diesen sieben Wochen", seufzte sie und lehnte ihren Kopf an seine Brust.
„Wie schade", klagte Severus betrübte in ihr Haar, „denn ich hatte - gewisse Aktivitäten - für heute Abend geplant, die doch etwas anstrengend sein könnten."
„Hm", überlegte Hermine ihren Kopf hebend, „meinst Du denn, dass es sich lohnt, für diese Aktivitäten wach zu bleiben?"
„Also, die Frau, die normalerweise in den Genuss dieser Zuwendungen kommt", meinte er sehr hochmütig, „findet es in der Regel sehr befriedigend."
„So, tut sie das? Bist Du Dir da auch ganz sicher?", lachte Hermine und kippte ihr Becken aufreizend nach vorne an seines heran.
„Nun, sie behauptet es jedenfalls immer und immer wieder, aber wie Du weißt, sind Frauen im Vortäuschen mancher Zustände uns Männern weit überlegen."
„Ah, ja…" machte Hermine grinsend und verwickelte ihn noch einmal in einen verlangenden Kuss, bevor sie ihn sanft, aber bestimmt von sich schob.
„Ich muss jetzt gehen!"
„Aber nicht, bevor ich einen Abschwellzauber über Deine herrlichen Lippen gesprochen habe, meine Liebe, sonst denken die da draußen noch, Du hättest mit irgendeinem dunklen Typen heimlich in einem der Zelte rumgeknutscht!", entschied Severus und zückte auch schon seinen Zauberstab.
„Ich hätte nichts dagegen, dass sie es wissen", meinte Hermine, „ich habe immerhin ein offiziell anerkanntes Recht diesen dunklen Typen überall und jederzeit zu küssen, mein Lieber!" Und das tat sie dann auch gleich noch einmal ausgiebig.
Bei Merlin, so half auch der beste Abschwellzauber nichts!
„Geh besser, sonst erinnert Dich der dunkle Typ noch an die ehelichen Pflichten auf die er auch ein offiziell anerkanntes Recht hat und fordert sie sogleich von Dir ein!", grollte Severus dunkel, was ihr eine sichtbare Gänsehaut bescherte.
„Hm, ist das ein Versprechen?", ihr Blick ließ keinen Zweifel daran, dass sie seine Drohung sehr verheißungsvoll fand.
„Worauf Du Dich verdammt noch mal verlassen kannst!"
Aber bevor Severus wieder nach ihr greifen konnte, hatte sie sich schon winkend verabschiedet und verließ das kleine Zelt so, wie sie es auch betreten hatte. Er wartete seufzend eine kleine Weile, bis er sie wieder im Blickfeld hatte und folgte dann, um sich unauffällig nach seinen Töchtern umzusehen.
Er gab ihr genau eine Stunde und eine halbe, in denen er sich mit Mister Potter kurz, mit Draco Malfoy etwas länger unterhielt und ein kleines Vermögen bei Weasleys Zauberhaften Zauberscherzen ausgab (natürlich nur, damit seine Töchter das nicht mussten!) bevor er mit einem genervten Blick auf seine Taschenuhr beschoss, dass er wahrlich gesellig genug gewesen war.
Seine Mädchen im Schlepptau suchte er ihre Nähe und raunte ihr leise ins Ohr: „Deine Zeit ist abgelaufen, meine Schöne, jetzt gehörst Du mir!"
Laut sagte er: „Kingsley, Du kannst morgen oder übermorgen in Ruhe mit ihr sprechen. Aber jetzt muss ich meine Frau entführen, denn ihre Eltern warten in unserem Sommerhaus auf uns und außerdem willst Du doch morgen keine Schlagzeilen im Propheten lesen a la „Zaubereiminister Shacklebolt schläfert Hermine Granger ein", oder?"
„Oh, Du hast recht, Severus! Entschuldige, Hermine, Du musst müde sein", der Zaubereiminister sah sehr schuldbewusst in ihr abgespanntes Gesicht, zurecht, wie Severus fand, darauf hätte er doch auch selbst kommen können.
„Komm doch einfach vorbei, wenn Du Zeit hast", bat Kingsley und begleitete die Familie Granger-Snape zum nahegelegenen Apparierpunkt.
Dort umarmte er sie zum Abschied noch einmal fest und beugte sich zu Eileen und Sera herunter, um mit einem schnellen Blick auf Hermine erleichtert festzustellen: „Nicht wahr? Wir sind sehr froh, dass sie alle gesund und munter wieder hier sind!"
Da konnte er nur aus vollstem Herzen zustimmen und seine Töchter nickten so stark, dass er Sorge hatte, ihre Köpfe könnten abfallen.
„Ich spreche in der nächsten Zeit mit Ambros und komme danach zu Dir, ich schick Dir eine Eule mit dem genauen Termin, Kingsley!", versicherte Hermine und winkte schnell noch der Familie Potter zu, die sich auch schon langsam auf den Apparierpunkt zu bewegten.
Severus hatte schon Seras und Hermines Hand ergriffen, um mit ihnen endlich nach Hause zu apparieren, als er einen recht kleinen Mann mit sehr lichtem schwarzen Haupthaar auf sich zueilen sah.
„Professor Granger!", rief er etwas atemlos „Entschuldigen Sie, aber ich habe ganz vergessen zu fragen, wann wir mit Ihrem Abschlussbericht rechnen können?"
Hermine seufzte leise auf und ließ Severus Hand los, „Ich denke, in drei bis vier Wochen, Mister Hide."
„Oh, so lange", ein besorgter Zug huschte über seine angespannten hageren Gesichtszüge, „ist es nicht möglich uns den Bericht schon in der nächsten oder übernächsten Woche zukommen zu lassen?"
„Nein, tut mir leid", Hermine schüttelte bestimmt den Kopf, „aber in der nächsten Woche mache ich endlich Ferien und dann will ich meine Unterlagen ordnen und ins Reine schreiben, zudem halte ich es für angebracht, dass Professor Carter noch einen Blick darauf wirft."
„Natürlich, natürlich!", Mister Hide verbeugte sich schnell vor Hermine, „aber dann erlauben Sie mir, in drei Wochen bei Ihnen vorstellig zu werden, um vielleicht einen Zwischenbericht zu bekommen und Ihnen den Weg nach Sligo zu ersparen."
„Wie Sie wollen, Mister Hide, aber schneller wird der Bericht dadurch auch nicht fertig", meinte Hermine und schenkte dem Expeditionsleiter einen durchaus genervten Blick.
„Ich möchte Sie natürlich nicht unter Druck setzten, Professor, aber für uns ist dieser Bericht von großer Bedeutung, Ihre Forschungen waren äußerst hilfreich und runden unsere Ergebnisse und Erkenntnisse erst richtig ab!", versuchte Hide es noch einmal werbend.
Hermine versuchte ihren Unglauben, was die Wichtigkeit ihres Berichtes anbelangte, nicht zu offensichtlich erscheinen zu lassen, was ihr natürlich nicht besonders gelang und beendete das Gespräch, in dem sie ihm umgehend die Hand hinstreckte „Machen Sie es gut, Mister Hide, ich schicke eine Eule, wenn der Bericht fertig ist!"
Albert Hide sah man deutlich an, dass er mit Hermines Antwort nicht zufrieden war und ihm noch so einige Argumente auf der Zunge langen, die eine schnellere Erledigung berechtigte, besann sich aber eines Besseren und meinte knapp, „Sie ebenfalls, Professor", dann verbeugte er sich noch einmal vor ihr und sehr kurz vor Severus und eilte dann zurück zum Glaszelt.
Als er wieder Hermines und Seras Hand ergriffen hatte und den Zauberstab schwang, durchzuckte ihn die Erkenntnis, dass dieser Hide ihm nicht einmal in die Augen geschaut hatte.
