Täuschungen 7 Vertrauensbruch

„Was ist geschehen?", auch seine Stimme zitterte, als er einige Schritte auf sie zu machte, und mit einem schnellen Schwenk seines Zauberstabes für etwas Licht sorgte.

Keine Reaktion.

„Hermine?", sie drehte sich wie in Zeitlupe zu ihm herum und er erschrak, als er in ihr leichenblasses Gesicht sah. Nie zuvor hatte er sie so gesehen, ihr Blick war leer und es tropften Tränen unbeachtet von ihrem Kinn.

In seinem Magen bildeten sich schon wieder diese Klumpen.

„Was hat der Heiler gesagt?", presste er mühsam beherrscht hervor, sein Herz klopfte ihm mittlerweile bis unter die Haarspitzen.

Sie schaute ihn nicht an, als sie leise und irgendwie leblos zu sprechen begann, „Die wichtigste Grundlage in jeder Beziehung, egal ob Freundschaft oder Liebe", sie stockte und schloss für einige Augenblicke sich sammelnd ihre Augen, bevor sie fort fuhr, „ist gegenseitiges Vertrauen."

Ihr Kinn zitterte, so mühsam unterdrückte sie ein Schluchzen. „Ich musste heute feststellen, Severus", ihre Stimme wurde noch etwas leiser und kratziger, „dass ich dieses Vertrauen, dass Du in mich gesetzt hast, gebrochen habe."

„Du, ich…", Severus musste sich mühsam beherrschen, um sie nicht zu schütteln, „ich verstehe kein Wort von dem was Du sagst!"

„Es ist ganz einfach", sie fuhr sich fahrig über die geröteten Augen, „ich habe Dich betrogen, Severus, ich habe mich in Afrika mit einem anderen Mann eingelassen und anschließend dafür gesorgt, dass ich alles wieder vergesse." Jetzt konnte sie ein Schluchzen nicht mehr unterdrücken.

Er wich entsetzt von ihr zurück, „Du hast was?", trotz seiner dunklen Vorahnungen auf Grund des Gespräches mit ihrer Mutter, war er wie vor den Kopf gestoßen und starrte sie ungläubig an.

„Du hast mich schon verstanden", flüsterte sie matt und mit hängenden Schultern starrte sie ihren Schoß an, „erspar es mir, es noch einmal wiederholen zu müssen."

In seinem Kopf begann alles umherzuwirbeln, vor seinen Augen flirrten weiße Flecken und die Klumpen in seinem Magen tanzten eine Jig. Nur das Ticken der alten Standuhr schien die einzige Konstante in all dem Chaos.

„Warum?", würgte er voller Unglauben heraus.

„Ich weiß es nicht mehr. Vielleicht aus Langeweile, vielleicht unter Alkohol, vielleicht aus Einsamkeit?", murmelte sie und der Tränenstrom wurde noch größer.

„Aus Langeweile?", Unglaube und Entsetzen ließen ihn erschaudern und seine Stimme hatte eine Kälte, die ihn selber erschreckte, „Die Hermine Granger, die ich kenne, hätte sich nie aus Langeweile oder aus sonstigen, billigen und fadenscheinigen Gründen wie eine dreckige Straßenhure dem erst besten Kerl feilgeboten!"

Ihr Kopf ruckte herum, so als wenn seine Worte sie auch körperlich getroffen hätte. Er ballte seine Fäuste.

„Und die Hermine Granger, die ich meinte zu kennen, hätte ganz gewiss nie wegen ihrer niederen Triebe das Glück ihrer Familie aufs Spiel gesetzt", fügte er angewidert hinzu.

„Vielleicht kennen wir beide die wahre Hermine Granger nicht!", schluchzte seine Frau bebend.

Er schaute sie voller Verachtung an. „Nein, offensichtlich tun wir das nicht!"

Nach einer langen Pause, die er dazu verwendete diese Klumpen in seinem Magen zu beruhigen, atmete er tief ein, er musste es aus ihrem Mund hören: „Wer war es?"

Hermine presste ihre Lippen entschlossen aufeinander. „Das werde ich Dir nicht sagen! Ich möchte nicht, dass Du eine Dummheit begehst!"

„Ach, wer redet denn hier so großspurig über Dummheiten?", schrie er sie an und sie zuckte zusammen.

„Es reicht, wenn einer sie macht und sei Dir sicher, ich werde es Dir nicht sagen!", ihre Stimme wackelte zwar hörbar, aber ihm war klar, dass sie nicht freiwillig nachgeben würde.

Er schloss seine Augen, um sich zu sammeln und um in seinem Gehirn die losen Fäden, in die er sich zusehends immer stärker verstrickte, einigermaßen zu entwirren.

„Hermine, bis vor wenigen Stunden war ich der Meinung, dass Du glücklich in dieser Beziehung wärst." Nur mühsam bezwang er seine unterdrückte Wut, die sich in immer wiederkehrenden Wellen immer stärker in ihm ausbreitete. „Dann willst Du einen Heiler aufsuchen, damit er herausfindet, warum Du ständig müde und ohne Appetit bist, aber anstatt dort hin zu gehen und mit einer Antwort zurückzukommen, sitzt Du hier und erzählst mir, dass Du mich betrogen hast. Wie passt das alles zusammen?"

„Severus, ich war bei einem Heiler und ich habe genau diese Antwort auf meine Fragen bekommen!", ihre Stimme war tränenerstickt.

„Was soll das heißen?", fuhr er sie voller Zorn an. Ein weiterer loser Faden.

„Ich erwarte ein Kind, Severus!", ihre Selbstbeherrschung brach wie ein Kartenhaus in sich zusammen und sie schluchzte laut auf, „Ich erwarte ein Kind!"

Er wich noch ein Stück von ihr zurück und die weißen Lichtpunkte tanzten wieder vor seinen Augen.

„Was? Wann?", keuchte er atemlos.

„Ende April, Severus! Und nicht nur Du und ich können rechnen, sondern Heiler Melone auch, außerdem hatte er mich untersucht, bevor wir aufgebrochen sind, da war ich definitiv noch nicht schwanger!"

Die Klumpen in seinem Magen nahmen gigantische Ausmaße an und hinderte ihn daran vernünftig Atem zu bekommen. Verzweifelt zerrte er an seinem Hemdkragen, was aber keine große Abhilfe schaffte.

„Wer?", war daher alles, was er heraus würgen konnte, ohne dass die Übelkeit ihn übermannte.

„Ich sage es Dir nicht!", schluchzte Hermine aufgelöst, „Ganz gewiss nicht!"

‚Nein', wollte er sie anschreien, ‚Du brauchst mir gar nichts zu sagen! Ich weiß, mit dem Du es getrieben hast und wessen Bilder Du nicht aus deinem Kopf heraus bekommst. Aber was ich nicht weiß und nicht verstehe, warum gerade jetzt und warum mit dem kalkulierbarem Risiko einer Schwangerschaft?'

Severus starrte sie an, in seinem Kopf rauschte das Blut und ihm war hundeelend, als ihn plötzlich eine jähe Erkenntnis traf.

Mit letzter Kraft richtete er sich auf und drückte den Rücken durch,

„Gut!" seine Stimme war plötzlich seltsam ruhig, „Aber Du solltest Dir ehrlich überlegen, ob Du dort in Afrika nur Deinen Trieben oder aber eher Deinem Herzen gefolgt bist, Hermine!"

„Was willst Du damit sagen?", stammelte seine Frau mit geweiteten Augen.

„Das ist doch ganz einfach, so einfach, dass selbst Du darauf kommen wirst, wenn Du es schaffst, wenigstens ehrlich gegenüber Dir selbst zu sein!"

Mit einem letzten verächtlichen Blick auf das zusammengesunkene Häufchen Elend dort in dem Sessel, drehte er sich zur Tür und hob die Sicherungszauber auf, kurz bevor er den Knauf der Türe herumdrehte, sagte er so sachlich, als wenn er mit einer Fremden redete:

„Du wirst verstehen, dass die Sachlage für mich unerträglich ist, daher halte ich es für angebracht, dass ich bereits heute nach Hogwarts zurückkehre. Allein, versteht sich, damit Du Zeit hast, Dir über alles klar zu werden. Außerdem würden Dir die Mädchen eine weitere Abwesenheit übel nehmen. Gute Nacht, Hermine."

Mit diesen Worten und ohne sich noch einmal umzudrehen, öffnete er die Tür und verließ den Raum.

Wie er nach Hogwarts und vom Apparierpunkt auf dem Gelände in sein Wohnzimmer gekommen war, wusste er wirklich nicht zu sagen. Aber als er dort mitten im Raum stand und sich verstört umsah, bemerkte er nicht nur schmerzlich ihren Duft, der auch nach all den Wochen immer noch in der Luft lag, er spürte auch die grauenhafte Übelkeit wieder, die ihn jetzt und hier einfach überrollte. Mit allerletzter Kraft schaffte er es noch ins Bad. Dort übergab er sich heftig.