Täuschungen 15 Aufgewacht

„Kann ich Ihnen helfen, Sir?", fragte die zugegebener Maßen ziemlich attraktive Vorzimmerdame in betont freundlichem Ton, aber dennoch so, dass es Severus, wie jedem anderen Besucher auch, völlig klar war, jede Störung ihres Chefs war in ihren Augen eine zu viel!

„Ich möchte zu Minister Shacklebolt, mein Name ist Severus Snape!"

„Erwartet Sie der Minister oder haben Sie einen Termin, Sir?", ihrem Blick gemäß wusste sie ganz genau, dass Severus über nichts dergleichen verfügte, aber Fragen schadete ja mal nichts.

„Leider nicht", Severus schaffte es nicht zur Gänze, ehrliches Bedauern in seine Stimme zu legen, „aber wenn Sie dem Minister mitteilen, dass es sehr dringend wäre und ich mich ansonsten genötigt sehen würde Ihr Ministerium in seine Einzelteile zu zerlegen, wird er sicherlich gerne etwas seiner kostbaren Zeit für mich erübrigen wollen!"

Die Dame wechselte die Gesichtsfarbe und starrte den großen, finstren Mann entsetzt an. Einigermaßen belustigt meinte Severus zu sehen, dass ihre rechte Hand zu ihrem Zauberstab hinüberzuckte, der unvorsichtigerweise außer Reichweite, auf einem Stapel Pergamenten und Memos lag.

Aber eine kleine unscheinbare Erhebung seiner rechten Augenbraue, zusammen mit einem winzigen Kopfschütteln, ließ sie mitten in ihrer Bewegung innehalten, tja, wer jahrelang Erstklässler eingeschüchtert hatte, dem widerstand auch keine Sekretärin.

„Höchstwahrscheinlich reicht es aber vollkommen, wenn Sie ihm sagen, wer ihn sprechen möchte!", setzte Severus spöttisch hinzu, nicht dass sie noch irgendeinen geheimen Alarm auslösen würde und er sich in wenigen Sekunden den gesamten Wachzauberern des Ministeriums gegenüber sah. Das wäre zwar durchaus interessant und abwechslungsreich, leider würde es aber auch viel zu viel seiner kostbaren Zeit verschwenden.

„Ich werde sehen, was sich machen lässt, Sir, bitte warten Sie hier", stotterte sie etwas ängstlich und verschwand hinter einer dicken Türe, die sich erst zeigte, als sie unhörbar einen kleinen Zauberspruch gesprochen hatte.

Es dauerte ganze 7 Sekunden, da stand Kingsley in seiner ganzen Größe bereits im Türrahmen und fragte erstaunt, „Severus? Ist etwas passiert?" Auch hier schien sein Erscheinen das deutliche Zeichen für eine Katastrophe zu sein. Er ging wohl wirklich zu selten aus dem Haus.

„Das kann man so sagen", nickte Severus bestimmt, was Kingsleys breites Grinsen rasch verblassen ließ.

„Gut, Priscilla, canceln Sie den nächsten Termin, machen Sie uns einen Tee und sorgen Sie dafür, dass niemand uns stört", wies er seine Assistentin an und winkte Severus in sein Büro.

Interessiert schaute sich der in dem großen Raum um, „Nicht übel, Kingsley, im Gegensatz zu Fudge hat es sich wirklich verbessert!"

„Ich hoffe nicht nur die Einrichtung, Professor!", schnaubte Kingsley, „Außerdem hatte ich eine gute Beraterin, wie Du weißt."

„Ja, ich erinnere mich, dass Hermine meinte, im Büro des englischen Zaubereiministers, sähe es aus wie bei ihrer Großtante Gertrud!"

„Richtig und so wie sie es sagte, schien es mir auch kein Kompliment zu sein!", lachte Kingsley, „Setz Dich und lass hören, was Dich beschäftigt, denn es muss etwas wirklich Wichtiges sein, sonst hättest Du bestimmt den Kamin benutzt."

„Richtig!", nickte Severus, wartete, bis dass Priscilla das Tablett mit Tee und appetitlich duftenden Sandwiches abgestellt hatte und jedem eine Tasse eingeschenkt hatte. Nachdem diese die Türe leise hinter sich verschlossen hatte, atmete er tief durch und begann Kingsley die Fakten darzulegen.

„Es ist so, dass ich feststellen musste, dass meine Frau mit einem manipulierten Gedächtnis von einer Forschungsreise zurückgekommen ist, auf die eigentlich ein anderer hätte gehen sollen, der aber kurz vor der Abfahrt unter mysteriösen Bedingungen erkrankt ist", setzte er an, aber Kingsley unterbrach ihn allarmiert:

„Was? Jemand hat in Hermines Kopf Veränderungen vorgenommen?", er stellte seine Teetasse hart auf den Unterteller.

„Ja, es sind Ereignisse nachhaltig gelöscht und dann sorgsam versteckt worden", erklärte Severus, „außerdem gibt es falsche Fährten und Ablenkungssplitter, die höchstwahrscheinlich den Zweck haben sollen, uns alle eine Zeit lang in Schach zu halten."

„Was meinst Du konkret?", die satte, dunkle Hautfarbe des Zaubereiministers hatte sich deutlich aufgehellt.

Severus schaute Kingsley eine Weile nachdenklich an, er hatte eigentlich nicht vor gehabt, dem Zaubereiminister von der Schwangerschaft oder der Intimität zwischen Mister Potter und Hermine zu erzählen, andererseits war dieser einer seiner wenigen Freunde und ein enger Vertrauter seiner Frau.

„Du bist der Zaubereiminister und für Hermine und auch für mich ein wichtiger Weggefährte, Kingsley, trotzdem möchte ich, dass das, was ich Dir jetzt erzähle unter allen Umständen vertraulich behandelt wird."

„Du hast mein Wort!"

„Nun, es ist wohl das einfachste, wenn ich Dir sage, dass Hermine nicht nur mit einem veränderten Gedächtnis aus Afrika zurückgekommen ist, sondern auch ein Kind erwartet, von dem ich mir sicher sein kann, dass es nicht von mir ist!"

„Wie bitte?", Englands Zaubereiminister wurde noch etwas blasser, „Das ist nicht wahr, Du musst Dich irren!"

„Du kannst Madam Pomfrey fragen oder auch Hermine selbst, sie gibt es zu, eine Affäre mit Harry Potter gehabt zu haben."

„Mit Harry?", Kingsleys berühmte Gleichmütigkeit und Gelassenheit ging gerade die Themse herunter, „Das glaub ich nicht! Nie im Leben!"

Severus legte die Fingerspitzen aufeinander und lächelte ihm freudlos zu, „Du wirst mir zustimmen, dass eine solche Nachricht ein verdammt gutes Ablenkungsmanöver wäre, nicht wahr?"

Kingsley starrte ihn einige Augenblicke erschüttert an, dann murmelte er, „Severus, wenn eine solche Ungeheuerlichkeit ein Ablenkungsmanöver ist, was ist dann das, wovon es ablenken soll?"

„Das ist genau die Frage!", betätigte Severus grimmig, „und ich weiß noch nicht, ob es nur einen Zweck oder mehrere Beweggründe für all das gibt."

„Mehrere Beweggründe?", wiederholte Kingsley entsetzt und ließ sich in seinen Sessel zurückfallen.

„Sehr richtig!", Severus stand auf und ging im Büro des Zaubereiministers auf und ab, so wie er es auch in seinem Büro gemacht hätte, „Es kann selbstverständlich auch sein, dass die Schwangerschaft eher unbeabsichtigt erfolgte, die konnten ja nicht wissen, dass Hermine den Trank seit einigen Wochen nicht mehr nahm."

„Bei Merlin", schüttelte Kingsley den Kopf, „Du glaubst an ein Komplott?"

„Ja, mittlerweile, aber erst nachdem mir Minerva und Jean Granger den Kopf zurecht gerückt haben", schnaubte Severus, „denn eigentlich stand ich kurz davor, mich von Hermine zu trennen."

„Dich trennen? Du kannst doch gar nicht mehr ohne sie leben!", warf Kingsley betroffen ein, „und Hermine nicht mehr ohne Dich!"

„Das musst Du mir nicht erst sagen", meinte Severus bitter, „aber überleg Dir, was Du gedacht und getan hättest, wenn Deine Frau nach einer überstürzten mehrwöchigen Reise nach Hause gekommen wäre, mit einem ungeborenen Kind, dass nicht von Dir sein kann?"

„Ich will lieber wissen, was Du gemacht hast", entgegnete Kingsley allarmiert, „und wie es Hermine geht und Harry."

„Keine Sorge!", winkte Severus ab, „uns geht es allen, wie man so schön sagt, den Umständen entsprechend. Allerdings weiß Poppy Pomfrey noch nicht, ob Hermine das Kind nicht verliert, sie hat sie zur Vorsicht in einen Heilschlaf versetzt."

„Bei Merlin, das ist ja alles grauenhaft!", fasste Kingsley das Gehörte zusammen, dann stand er ebenfalls auf und trat zu Severus heran, „Was können wir tun, Severus? Was kann ich tun?"

„Schön, dass Du fragst!", lächelte Severus schmal, „ich möchte Akteneinsicht in alle verfügbaren Papiere, die die Aktivitäten der Firma Slide-Industrie betreffen und alles was das Ministerium über Thomas Slide und seine Führungsriege weiß.

„Slide?", Kingsley hob erstaunt seine Augenbrauen, „Du glaubst Slide ist der Drahtzieher hinter dem Ganzen?"

„Ja, das glaube ich, aber mehr kann ich Dir dazu noch nicht sagen, mir fehlen jegliche Beweise. Wirst Du mir uneingeschränkte Akteneinsicht gewähren?", hakte Severus nach.

Kingsley wanderte einige Male hin und her und blieb schließlich vor einer Fotographie stehen, die eine junge, strahlende Frau mit braunem, wildem Haar zeigte, umringt von zwei kleinen Mädchen, einem mit schwarzem und einem mit ebensolchem Haar wie ihre Mutter und einem düster dreinblickenden Mann mit großer Nase.

„Hermine hatte es nicht nötig sich einen anderen zu suchen, denn sie hatte was sie wollte", sagte er leise, „und selbst wenn sie in Harry Potter verliebt gewesen wäre, hätte sie sich trotzdem nie im Leben mit ihm in einer solchen Weise eingelassen, denn das hätte nicht nur ihre Familie zerstört, sondern auch die der Potters!" Kingsley drehte sich schwungvoll zu Severus herum, „Du bekommst die Akteneinsicht, Severus, allerdings nur für genau 24 Stunden, ab diesem Augenblick gerechnet. Nutze sie gut, Priscilla wird alles Nötige arrangieren!"

„Danke!"

„Du bist mein Freund, Severus, auch wenn Du das von Deiner Warte aus nicht so sehen solltest. Und Hermine ist es ganz genau so!"

Severus erhob sich und schnappte sich noch ein Sandwich, „Die Potters und einige Weasleys haben ebenfalls Aufträge weitere Informationen zusammentragen, wir halten heute Abend eine Art Ergebnisbesprechung in Hogwarts ab. Wenn Du Zeit hast, sei um 20:00 Uhr bei uns."

„Ich werde da sein und nachher werde ich noch nach Deiner Frau sehen."

„Das wird sie freuen!"

Kingsley geleitete ihn zur Tür hinaus, wo er seiner Vorzimmerdame die nötigen Anweisungen gab, dann reichte er Severus die Hand „Bis heute Abend!"

„Bis heute Abend", nickte Severus, „Und übrigens, Kingsley, von meiner Warte aus betrachtet, schätze ich unsere Beziehung ebenfalls so ein!"

„Oh, das freut mich sehr!", strahlte der Zaubereiminister.

Er verbrachte den gesamten Nachmittag in einem winzigkleinen Raum in einem der untersten Stockwerke. Priscilla ließ ihn wissen, dass diese Etage seit einiger Zeit leer stände, man müsse die Räume renovieren, nachdem ein Halbtroll seine Wut über eine Entscheidung des Zaubergamots an der Inneneinrichtung ausgelassen hätte. Man sei aber noch nicht dazu gekommen.

Zu Severus Glück war wenigstens der Stuhl und der Schreibtisch unbeschädigt und Kingsley sorgte auch dafür, dass nicht nur der Nachschub an Aktenbergen, sondern auch die Verpflegung nicht abbrach.

Trotzdem war er wie gerädert, als er mit vielen Notizzetteln versehen, kurz nach sechs wieder zurück in Hogwarts war. Sein erster Weg führte ihn auf die Krankenstation.

Er hatte noch nicht lange an ihrem Bett sitzend verbracht, trotzdem reichte ihr Anblick ihn unglaublich nervös zu machen. Der Trank, dessen Wirkzeit noch mindestens 24 Stunden anhalten sollte, ging wohl langsam in die Knie. Pünktlich, nur wenige Minuten nachdem Hogwarts Schulglocke zum Abendessen geläutet hatte, regte sich seine Frau in ihrem Krankenbett.

Langsam und offensichtlich etwas orientierungslos schlug sie ihre Augen auf und als sie ihn erkannte, hielt sie inne und schaute ihn ganz still mit einem seltsamen Gesichtsausdruck an.

Dann begann ihr Kinn zu zittern, erst unmerklich, schließlich immer heftiger, bis dass sie ein lautes Schluchzen nicht mehr unterdrücken konnte. Ihre Augen füllten sich mit heißen Tränen, die sich unaufhaltsam ihren Weg auf das weiße Kopfkissen suchten.

Verdammt. Er hatte es noch nie ertragen können, sie weinen zu sehen und zum Glück tat sie das auch nicht allzu häufig. Und wenn, dann ging er sogar soweit zu sagen, dass sie wesentlich häufiger vor lauter Freude, Rührung und Ergriffenheit Tränen vergoss, als vor Kummer. Eine Tatsache auf die er sehr stolz war, immerhin hatte er vielen Menschen - vor allem aber sich selbst - geschworen, sie glücklich zu machen.

Das sie jetzt weinte, war ja auch nicht seine Schuld, aber ob es ihre war, das glaubte er eben auch nicht mehr.

Sie wollte beschämt die brennenden Augen schließen, als er sich nah zu ihr hinbeugte und fast unhörbar nur ein einziges Wort murmelte:

„Hermine."

Anscheinend brachte aber dieses eine kleine Wort ihre mühsam aufrecht erhaltene Beherrschung zum Einsturz, denn sie schluchzte jetzt heftig und unkontrolliert.

„Es tut mir so leid, es tut mir so leid…" wisperte sie nur und war im Begriff sich von ihm wegzudrehen, als er auch schon bei ihr war. Er setzte sich zu ihr aufs Bett und zog sie sachte, aber bestimmt zu sich heran.

Sofort vergrub sie ihren Kopf in seiner Armbeuge. Ihr Schluchzen wurde zwar leiser und dumpfer, aber ihr schmaler Rücken, den er sanft streichelte, konnte ihr Weinen nicht verleugnen.

Er hielt sie nur fest, sprach kein Wort und ließ ihr alle Zeit der Welt, die sie brauchte, um sich langsam zu beruhigen.

Als er spürte, dass die Tränen allmählich versiegten, atmete er tief durch und brachte seinen Mund ganz nahe an ihr Ohr.

„Hermine, wir müssen reden", flüsterte er sachte, was ihren Körper sogleich in eine erneute Anspannung brachte.

„Ach, Severus", hauchte sie verzweifelt, „was soll ich Dir schon sagen, außer, dass es mir unendlich leid tut und ich wirklich nicht weiß, wie ich so etwas nur tun konnte!"

„Aber ich vielleicht", antwortete er und erzählte ihr alles, was er in den letzten Tagen an Fakten und Ungereimtheiten, an Mutmaßungen und Hypothesen herausgefunden hatte. Sie hörte ihm gespannt und sehr aufmerksam zu und als er geendet hatte, fragte sie verwirrt, „Du glaubst an eine Intrige oder Verschwörung?" Dass er in ihren Geist eingedrungen war, schien ihr im Augenblick tatsächlich nicht von Bedeutung.

„Vielleicht, aber vor allem glaube ich an Dich und Deinen Verstand!", entgegnete er, „Wenn Du mich betrügen wolltest, hättest Du es entweder klüger angestellt, so dass ich es nie erfahren hätte, oder aber Du hättest Dich ganz offiziell von mir getrennt, da bin ich mir sicher!"

„Ich will Dich aber gar nicht betrügen und ich will Dich auch ganz bestimmt nicht verlassen", Hermine ließ traurig die Schultern hängen, „dachte ich jedenfalls immer."

Er legte seinen Arm um sie herum und fühlte sich so gut, wie schon seit vielen Tagen nicht mehr. Still genossen beide die Gegenwart des anderen, bis dass Hermine leise fragte, „Was wird denn jetzt, Severus?"

Ein kleines, tiefes Seufzen entwich seiner Brust, „Ich weiß es nicht, aber ich werde nicht eher ruhen, bis ich die Wahrheit kenne. Und egal wie sie aussieht Hermine, ich für meinen Teil stehe zu meinem Wort, das ich Dir damals gegeben habe: ‚In guten, wie in schlechten Tagen'.

„Na, das hier sind eindeutig unglaublich schlechte Tage, wie mir scheint", murmelte Hermine.

„Allerdings! Aber egal ob gute oder schlechte Zeiten", fuhr Severus fort, „solange wir dabei vor uns selbst und miteinander ehrlich sind, kann ich mit vielem leben, wenn Du es auch kannst."

Sie hob den Kopf, „Kannst Du auch mit einem fremden Kind leben?", fragte sie bang und ihre Stimme zitterte hörbar.

Er horchte einen Augenblick lang tief in sein Herz hinein, denn das hier war eine ganz zentrale Frage für ihre gemeinsame Zukunft. Egal ob wissentlich oder Opfer einer Intrige, sie erwartete das Kind eines anderen. Er schöpfte tief Atem und zog sie noch etwas näher an sich heran und brummte, „Ich habe keine Ahnung."

Sie nickte langsam, immerhin wusste sie um die Wirkung des Cardioamoris und er nutzte die Stille, um sie nun leise zu fragen, „Kannst Du es denn, Hermine?"

„Mit Dir zusammen, ja", flüsterte sie sogleich und er fühlte wieder, wie sein Hemd, dieses Mal an der anderen Schulter von ihren Tränen nass wurde.

„Lass uns morgen oder übermorgen darüber reden, jetzt ruh Dich bitte noch einige Stunden aus. Wenn es Dir morgen etwas besser geht und Poppy es erlaubt, wäre ich Dir dankbar, wenn Du mir für einige Fragen, die sicherlich gleich bei unserer Besprechung und bei unseren Recherchen morgen noch auftauchen, zur Seite stehen könntest."

„Ihr trefft Euch? Wer? Warum?", fragte sie und nahm sein Taschentuch dankbar an, dass er ihr reichte.

„Deine Mum, Minerva, Kingsley, die Potters und Ronald Weasley kommen gegen acht, wir tragen unsere Ergebnisse zusammen und beraten das weitere Vorgehen."

Sie wollte gerade etwas entgegnen, als Poppy hereinkam und sie kritisch musterte, einige Zauberstabbewegungen ausführte und dann streng befahl: „Severus, lass es für heute gut sein, sie braucht Ruhe und wenn sie die bekommt, dann kann ich Dir mit großer Wahrscheinlichkeit versprechen, dass Sie morgen schon wieder viel fiter ist", sie machte einige scheuchende Gesten, „Also sieh zu, dass Du in Deine Kerker kommst, Deine Töchter wollen bestimmt ihren Vater noch vor dem Schlafengehen sehen."

„Bitte gib ihnen einen Kuss von mir, ich vermisse sie sehr", bat Hermine und hauchte auch ihm einen auf die Wange.

„Mach ich! Sie werden sich freuen! Ich komme morgen früh vorbei, dann können wir gemeinsam Frühstücken, bevor ich nach London aufbreche", versprach er, denn er konnte sich schon denken, dass seine neugierige Frau darauf brannte, die neuen Erkenntnisse der anstehenden Besprechung zu erfahren.

Sie legte sich nickend in die Kissen zurück und er fand immer noch, dass sie schrecklich blass und müde aussah, doch Poppy schien mit ihrer Patientin zufrieden, denn sie sah recht zuversichtlich aus, als sie ihn zur Tür des Krankenflügels brachte und ihm leise zuraunte: „Das hast Du sehr gut gemacht, Severus, ihre Werte sind viel besser und sie hat zum ersten Mal wieder etwas Glanz in den Augen."

„Das waren Tränen!", brummte Hogwarts Tränkemeister zweifelnd.

„Auch, aber dahinter war Hoffnung und Mut, das ist das Entscheidende", war sich Poppy sicher und klopfte ihm anerkennend auf die Schulter.

Nun, wenn sie das sagte!