Täuschungen 17

Alle verabschiedeten sich nach und nach, Jean reiste per Portschlüssel nach London zurück, sie wäre zwar gerne geblieben, aber sie musste noch schnell eine Wurzelbehandlung um 8:30 Uhr und zwei Weisheitszähne und eine Klammer um 9:30 Uhr und um 10:45 Uhr einschieben, bevor sie bis gegen 15:00 Uhr keine Termine hatte. Daher vereinbarte sie mit Minerva, dass ihr Portschlüssel gegen 11:00 Uhr erneut aktiviert würde. Sie küsste liebevoll ihre Tochter, mahnte sie eindringlich sich zu schonen und schaute nochmals kurz bei den schlafenden Mädchen vorbei, dann verließ sie zusammen mit Minerva und Ron den Kerker.

Während Ginny ihren Umgang zu knöpfte und Hermine ihre Zettelsystematik erklärte, trat Harry an Severus heran.

„Professor, könnte ich Sie einen Augenblick unter vier Augen sprechen?", raunte er leise.

Severus hob erstaunt die Augenbrauen und hatte schon eine spitze Bemerkung auf der Zunge, aber er verkniff sie sich in letzter Sekunde, immerhin hatte Mister Potter heute schon genug einstecken müssen.

„Kommen Sie bitte in mein Büro", wies er Harry an und schritt zügig in den Nachbarraum.

Harry trat zögernd ein und schaute sich mit reserviertem Gesichtsausdruck um, „Irgendwie ist mir dieser Raum in keiner besonders guten Erinnerung", murmelte er leise.

„Es ist ja auch mein Raum, Mister Potter!", schnarrte Severus spöttisch und ließ sich hinter seinem Schreibtisch nieder, „Was kann ich für Sie tun?"

„Nun, es ist so", Harry wurde rot und fummelte nervös an seinem Hemdsaum herum, „Ich hätte gern … nein … ich glaube, … ach verdammt! Sie sollten sich da etwas ansehen." Seine Röte vertiefte sie noch um einige Grade.

„Und was ist das?"

„Das sage ich erst, wenn Sie die Türe verschlossen haben", verlangte Harry.

„Warum, haben Sie noch mehr Geheimnisse vor Ihrer Frau?"

„Bei Merlin, vielleicht können Sie einmal das tun, worum ich Sie bitte, ohne mich zu beleidigen oder schlecht von mir zu denken!", brauste Harry auf.

„Bedenken Sie Ihren Ton, Mister Potter, es besteht kein Grund mich hier anzuschreien!", zischte Severus tadelnd, trotzdem zückte er gnädig seinen Zauberstab und verschloss die Türe, „Soll ich auch noch einen Stillezauber sprechen?", fragte er sarkastisch.

„Nein, das wird nicht nötig sein!", schnaubte Harry. Er funkelte den Tränkemeister ärgerlich an, doch dann schöpfte er tief Atem und murmelte, „Bringen wir es hinter uns."

Schnell löste er seinen Gürtel und öffnete den Reißverschluss seiner Jeans.

„Was wird das?", fragte Severus entsetzt.

„Als Misses Granger vorhin das Zeichen erwähnt hat, da ist mir wieder etwas eingefallen, ich habe da nämlich noch ein Mahl und das ist mir auch erst nach Afrika aufgefallen."

„Und dafür müssen Sie die Hosen runterlassen?", bei Merlin, so unwohl hatte er sich ja schon lange nicht mehr gefühlt!

„Ja, leider und denken Sie ja nicht, dass mir das hier Spaß machen würde!"

„Da bin ich aber froh!", schnaubte er angewidert.

Harry zog auch seine Boxershorts herunter und deutete mit zusammengekniffenen Augen auf seinen Schritt, „es ist hier auf der linken Seite, ganz nah an der Peniswurzel."

Mit tief gefurchter Stirn und angeekeltem Gesichtsausdruck kam Severus näher und erst konnte er gar nichts erkennen, außer einer normal großen Ausstattung, die er ja bereits in Hermines Erinnerungen sehen musste. „Wenn ich etwas sehen soll, müssten sie ihr Glied schon etwas anheben, Mister Potter, denn das werde ich garantiert nicht für sie übernehmen!"

„Oh, Entschuldigung", Harry war die Situation sichtlich peinlich, trotzdem kam er Severus Aufforderung nach und tatsächlich war dort ein weiteres Mahl zu erkennen, ganz ähnlich dem, hinter seinem Ohr und dennoch waren deutliche Unterschiede zu erkennen.

„Haben Sie es untersucht?", erkundigte sich der Tränkemeister.

„Nein, ich hielt es für ein Muttermahl oder etwas Ähnliches", murmelte Harry etwas kläglich.

Severus schüttelte den Kopf, der Retter der freien Zaubererwelt war in manchen Dingen schon ziemlich naiv und unbedarft, wie er immer wieder feststellen musste, was seine These unterstricht, dass sein Erfolg gegen den dunklen Lord unbedingt ein Zufall gewesen sein musste.

Severus sprach seufzend über diese Zeichnung die üblichen Prüfzauber und stellte fest, dass dieses Mahl ebenfalls magisch war und vom gleichen Zauberstab stammte, wie das hinter seinen Ohren.

„Nun, wie Sie sich denken können, brauche ich auch von diesem Zeichen eine möglichst genaue Abbildung", meinte er abschließend und ging wieder um den Schreibtisch herum.

„Bekommen Sie, aber könnten wir den Fundort bitte für uns behalten?", bat Harry mit hoch rotem Kopf und schloss seine Hose wieder.

„Ich werde es Ihrer Frau nicht sagen", versprach Severus, „aber Sie sollten das tun, ansonsten werden Sie noch mehr Ärger bekommen, als Sie schon haben, denken Sie nicht auch?"

„Meinen Sie wirklich, dass das eine gute Idee ist?", fragte Harry zweifelnd und fuhr sich durchs Haar.

„Natürlich, sie überaus mutiger Gryffindor!", spottete Severus, „Sie können doch gar nichts mehr verlieren, Ihre Frau weiß bereits, dass Sie ihre beste Freundin geschwängert haben!"

„Aber nie im Leben freiwillig!", beharrte Harry heftig.

„Dass dies keine freiwillige Tat war, Mister Potter, will ich auch für Sie und Ihr Leben hoffen!", knurrte Severus und nahm den Zauber von der Türe.

„Ein für alle Mal, Professor! Ich liebe meine Frau und ich würde sie nie in einer solchen Art und Weise hintergehen!", stellte Harry klar, „und ich liebe Hermine und will nicht, dass sie unglücklich ist und mit einem solchen Verhalten wäre sie immer unglücklich gewesen! Das hätten übrigens Sie, als der Kerl den sie mehr liebt als alles andere auf dieser Welt, direkt wissen müssen, anstatt ihr diese lächerliche Erklärung mit einer Affäre auch nur eine Sekunde lang zu glauben, geschweige denn, sie in diesem Zustand allein zu lassen, sich tagelang zu verkriechen und in elendigem Selbstmitleid zu versinken!"

„Treiben Sie es nur nicht so weit, Mister Ehebrecher!", knurrte Severus und seine Augen bohrten sich mit finsterem Blick in die grünen Harrys.

So starrten sich die beiden eine Weile lang schweigend an, bis dass Harry den Blickkontakt abbrach und leise seufzte, „So sehr ich es bedaure, Professor, aber ich habe leider keine Zeit mehr, mich noch länger mit Ihnen zu raufen, ich muss ja Ihrem Rat folgen und mich mit meiner Frau auseinandersetzen, dafür brauche ich meine ganze Kraft und Sie haben sicherlich auch noch das ein oder andere zu klären. Ich wünsche Ihnen eine gute Nacht."

Severus funkelte die schwere Holztüre an, die sich hinter Mister Potter geschlossen hatte. Bei Merlin, dieser Rotzlöffel wurde auch immer frecher.

Wobei er zugeben musste, dass er nicht unrecht hatte mit dem was er gesagt hatte. Nachdenklich lief er eine Weile vor seinem Schreibtisch auf und ab, bevor er das Licht löschte und zurück ins Wohnzimmer ging.

Dort war es sehr still, nur wenige Kerzen brannten noch, als er auch diese löschen wollte, bemerkte er, dass Hermine immer noch auf der Couch lag. Sie hatte ihre Augen geschlossen und ihr Atem ging ganz ruhig.

Er nahm ihr gegenüber im Sessel Platz und betrachtete sie genau. Alles an ihr war ihm so wunderbar vertraut: Das wilde, braune Haar, die langen, dunklen Wimpern, die winzigen Sommersprossen auf dem Nasenrücken, ihre Lippen, die ihn immer magisch anzogen, das kleine Grübchen am Kinn, ihr schlanker Hals. Alles hatte er tausendfach berührt und gekost, die weiche Haut unter seinen Fingerkuppen gespürt und ihren leicht blumigen Duft tief in sich eingesogen. Und niemals würde er von diesem Genuss genug bekommen, da war er sich sicher und genau so sicher wie der Tod, war die Tatsache, dass er nicht ohne sie leben konnte, Kingsley hatte ihn schon durchschaut und die anderen wahrscheinlich ebenfalls.

Und obwohl noch so vieles ungeklärt und widersprüchlich war und obwohl noch längst nicht alle Zweifel aus dem Weg geräumt waren, hatte sein Herz seine Entscheidung schon lange getroffen. Spätestens seit seinem Besuch in ihrem Kopf war es für ihn klar, dass Minervas Bedenken berechtigt waren und er ihr vielleicht Unrecht getan hatte, indem er ihren Worten viel zu schnell geglaubt und an ihr gezweifelt hatte.

Eine Hermine Granger machte zwar einige Dummheiten – zum Beispiel ohne Poppys Einwilligung von der Krankenstation zu verschwinden – aber sie übernahm auch die Verantwortung für ihr Handeln, alles andere würde sie selbst nicht ertragen können. Mister Potter kannte sie schon verflixt gut.

Langsam stand er auf und trat ans Sofa heran, um seine Arme vorsichtig unter ihren Nacken und ihre Knie zu schieben. Dann hob er sie behutsam hoch und trug sie ins Schafzimmer. Sie erwachte erst, als er sie aufs Bett legte.

Etwas benommen schaute sie sich um, „Was machst Du?"

„Nichts, ich bringe Dich nur in Dein Bett", antwortete Severus.

„Ich hätte auch auf der Couch geschlafen", murmelte Hermine und senkte den Blick.

„Ich weiß", Severus nickte langsam, „aber das werde ich nicht erlauben!"

„Bist Du Dir sicher, dass dies eine gute Idee ist?", flüsterte sie leise und ihr Blick wurde traurig.

„Bist Du Dir sicher, dass es keine gute Idee ist?", antwortete er mit einer Gegenfrage und sah ihr tief in die Augen.

Das leise Ticken des Weckers begleitete das anschließende kurze Schweigen der beiden, bis dass Hermine die Augen niederschlug und leise murmelte, „Bevor Du das tust, will ich Dir noch sagen, dass ich fest entschlossen bin, Dich zu verlassen, Severus."

„Was?", er starrte sie fassungslos an.

„Wenn ich Dich wirklich betrogen haben sollte, werde ich weggehen", präzisierte Hermine mit schmerzvollem Blick und zitterndem Kinn.

„Du willst weggehen? Wohin?", fragte er und versuchte den heftigen Stich in seiner Brust zu verdrängen, der diese Ankündigung ausgelöst hatte.

„Ganz weit weg, soweit es nur geht", wisperte sie mit dünner, brüchiger Stimme und zog ihren Morgenmantel enger, „denn das wäre die einzig angemessene Strafe für ein solches Verhalten! Alles zu verlieren, was einem wichtig und teuer ist!"

Er blinzelte sie an und dachte an seine eigenen noch nicht lange zurückliegenden zornigen Gedanken an Rache und Strafe und er war hin und her gerissen von seinen Gefühlen, die ihrem Vorschlag auf der einen Seite wirklich für sehr angemessen hielten, auf der anderen Seite wusste er aber auch genau, dass es ihm das Herz brechen würde.

So oder so!

„Und was ist mit den Mädchen, haben die auch eine Strafe verdient?", fragte er leise.

„Nein!", antwortete Hermine sofort, „natürlich nicht! Aber ich könnte es einfach nicht ertragen in Deiner Nähe zu sein, ohne wirklich bei Dir sein zu dürfen und ich könnte Dir die Mädchen niemals wegnehmen, das geht nicht, sie sind hier glücklich und das ist das Leben, das sie leben wollen und sollen."

„Dazu gehört aber auch eine Mutter!", gab er zu bedenken und merkte, dass bei aller Genugtuung die er vielleicht empfinden würde, alle nur verlieren würden, die Kinder, sie, er und die Potters mit eingeschlossen.

„Aber keine, die ihre Familie bei der erst besten Gelegenheit hintergeht, vor allem nicht mit ihrem besten Freund, dessen Frau ihre Trauzeugin war!", schniefte Hermine.

Er sah sie mit durchdringendem Blick eine Weile an, dann räusperte er sich umständlich, „Sei Dir gewiss, solltest Du mir wirklich die Treue gebrochen haben, Hermine, werde ich Dich gehen lassen!" Er zog die Augenbrauen fest zusammen und setzte nach, „jedenfalls für eine gewisse Zeit, denn die Mädchen können trotzdem nichts dafür." Er reichte ihr sein Taschentuch, „außerdem glaube ich nicht mehr daran, dass Du mich betrogen hast."

„Ich wünschte, Du hättest recht!", murmelte Hermine aus tiefstem Herzen.

„Vergiss nicht, dass ich immer recht habe!", kommentierte er arrogant, was ihren betrübten Blick ein wenig aufhellte.

„Allerdings", er sah sie etwas verunsichert an, während er ihr aus dem Morgenmantel half, „wenn Du lieber alleine schlafen möchtest, dann nehme ich selbstverständlich die Couch."

Hermine schüttelte augenblicklich den Kopf, „Nein, das erlaube ich nicht, das ist Dein Bett Severus, außerdem bekommst Du von dieser Couch immer Rückenschmerzen."

„Ich muss Dich leider verbessern, Hermine, aber das hier ist unser Bett und ich bekomme auch keine Rückenschmerzen von dieser Couch, sondern lediglich von den Aktivitäten, die Du ab und an mit mir dort zu unternehmen geruhst und für die dieses Möbel nun mal nicht ausgelegt ist!"

„Na, gut", ein schwaches Grinsen huschte über ihr Gesicht und sie kuschelte sich in die Kissen, „dann bleibe ich eben."

„Sehr gut!", er schaute sie zufrieden an, als ihm ein Gedanke kam, „Hermine, wo ist Dein Zauberstab?"

„Noch auf der Krankenstation, Poppy hat ihn an sich genommen", auf Hermines Stirn zeigte sich eine kleine Falte.

„Ausgezeichnet, dann versuch doch bitte, mir auf irgendein beliebiges Körperteil ein Symbol Deiner Wahl zu zeichnen."

„So wie das Mahl hinter Harrys Ohr?", erkundigte sich Hermine und sie legte ihre Stirn in tiefere Falten.

„Genau, es ist auch völlig egal was es ist."

„Ohne Stab ist das aber nicht so einfach, außerdem fühle ich mich noch nicht besonders", gab sie zu bedenken.

„Aber genau darum geht es ja", Severus setzte sich auf den Bettrand, „Ich glaube nämlich nicht, dass Du einen Zauberstab hattest, während Du die Zeichnung ausgeführt hast und außerdem könnte ich mir vorstellen, dass es Dir auch zu diesem Zeitpunkt nicht besonders gut gegangen ist."

Sie sah ihn einige Augenblicke nachdenklich an. Dann schloss sie die Augen und an den Falten auf ihrer Stirn und den kleinen Schweißtröpfen auf ihrer Oberlippe konnte man ihre Anspannung und Anstrengung ablesen. Ihre Lippen bewegten sich fast unmerklich und kurz darauf zwickte es Severus empfindlich am Knie. Schnell zog er sein Hosenbein hinauf und sofort entdeckte er die kleine schwarze Schlange die seine Frau ihm gerade zukommen gelassen hatte.

„Sehr beeindruckend, Miss Granger!", war Severus anerkennender Kommentar, „Das bringen nicht viele Zauberer oder Hexen zustande!"

„Ich heute auch nicht mehr!", murmelte Hermine erschöpft und man sah ihr deutlich die Mühe an, die es sie gekostet hatte.

„Brauchst Du auch nicht mehr", Severus strich ihr zärtlich eine Strähne aus dem Gesicht und zog ihr die Bettdecke über den Körper, „Bitte ruh Dich aus, ich komme auch gleich."

Kaum hatte er sich erhoben, da war sie auch schon eingeschlafen. Doch bevor er sich der riesengroßen Verführung hingab, sich ebenfalls zur Ruhe zu legen, gab es noch das ein oder andere zu tun.