„Hide hat sich gemeldet, er will den Bericht diesen Mittwoch abholen", Hermine schaute mit zusammengezogenen Augenbrauen von der kurzen Nachricht auf, die sie eben beim Frühstück per Eule erhalten hatte.
„Das war abzusehen, wenn sie den Bericht wollen, haben sie entweder Sorge, dass Du etwas weißt, was Du nicht mehr wissen sollst, oder aber sie sind eben doch noch nicht am Ziel ihrer Pläne", Severus hatte seine Zeitung sinken lassen, als er das Firmenzeichen auf dem Umschlag entdeckt hatte, „Du solltest den Bericht abschreiben."
„Das habe ich bereits vorgestern getan und alle Streichungen sorgsam umsortiert", Hermine wischte Sera unter deren heftigen Protest den Marmeladenrand vom Kinn.
„Hast Du die Pergamente und den Inhalt des Berichtes auf andere Zauber oder Markierungen geprüft?", wollte Severus wissen und faltete die Zeitung zusammen.
„Natürlich", Hermine verdrehte die Augen, „an eine solche Möglichkeit hatte ich ebenfalls gedacht, aber es war nichts da, jedenfalls nichts, was ich finden konnte."
„Wenn Du nichts gefunden hast", schaltete sich Eileen seelenruhig ein, „dann ist auch nichts da!"
Beide schauten amüsiert auf ihre älteste Tochter, die ruhig und genüsslich die letzten Reste ihrer Eier mit Speck aufspießte.
„Danke mein Schatz", Hermine gab Eileen einen Kuss auf die Nasenspitze, „aber es soll tatsächlich noch unzählige Dinge auf der Welt geben, die ich nicht weiß und nicht kenne, darum muss ich auch immerzu lernen und forschen."
„Bist Du deswegen immer noch auf einer Schule?", überlegte Sera und schaute ihre Mutter treu an.
„Ja, und Dein Vater auch, der weiß nämlich noch viel mehr nicht, deswegen stellt er auch so viele Fragen!", lachte seine freche Frau.
„Ich bin nur gründlich", verteidigte sich Severus hoheitsvoll, „außerdem stellen diese beiden jungen Damen die allermeisten Fragen von uns vieren, daher müssen sie ebenfalls in eine Bildungsanstalt und das sofort, denn die Uhr sagt, es ist bald Zeit!"
„Ist der Kindergarten auch so ein Bildungsdings?", erkundigte sich Sera, während sie ihr Frühstück in ihre Tasche stopfte.
„Aber natürlich, eine unglaublich wichtige sogar, denn dort darf das Lernen noch uneingeschränkt Spaß machen!", flüsterte Hermine, sie zauberte noch schnell Seras Jacke herbei und reichte sie ihrer Jüngsten „Abby bringt Dich am Nachmittag zu Grandpa, Eileen kommt nach Schulschluss dann auch. Macht keine Dummheiten und helft Grandpa etwas beim Abendessenmachen, denn Grandma wird hier schlafen."
„Grandma bleibt hier?", in Seras Augen blitze es, „Sag ihr, sie darf in meinem Bett schlafen, wenn ich dafür bei Grandpa schlafen darf!"
„Das musst Du mit ihm selbst verhandeln!", hielt sich Hermine raus.
„Und mit mir, denn wenn eine von uns bei ihm schläft, dann ich, Du warst erst das letzte Mal dran!", stellte Eileen klar und entfachte damit eine muntere Diskussion über die zukünftigen und vergangenen Schlafplätze, die sicherlich noch eine Weile weiterging, aber Severus und Hermine mussten ebenfalls los.
„Ich halte heute zwei Vorseminare, bevor ich mich mit Mum treffe", informierte Hermine ihren Mann, während sie das Geschirr zusammenräumte.
„Gut, ich werde mir jetzt die fünfte Klasse Slytherin und Hufflepuff vornehmen, dann werde ich die ganzen Anträge von Slide nochmals prüfen", erwiderte Severus, „Ist Albus Dumbledore eigentlich wieder aufgetaucht?" Der ehemalige Schulleiter folgte eigenen Aussagen einigen interessanten Spuren und war schon seit Tagen weg.
Hermine packte ein paar Bücher in ihre Tasche „Nein, er soll sich in London aufhalten, meint jedenfalls Minerva."
„Das gefällt mir nicht! Er ist schon so lange fort", murmelte Severus und trank seinen Tee aus, „Sei wenigstens Du wieder pünktlich hier, damit wir alles vorbereiten können. Außerdem hat Poppy gestern nach Dir gefragt, sie will sich selbst davon überzeugen, dass es Dir gut geht!"
„Es geht schon, Severus!", erwiderte Hermine und versuchte ein schwaches Lächeln, „ich habe Mum versprochen gegen sechs Schluss zu machen, dann bleibt mir noch eine Stunde Zeit um eine Runde schwimmen zu gehen, vielleicht fällt mir ja zu diesem Spruch noch was ein."
„Schwimmen ist gut!", brummte Severus und sah sie prüfend an, „Aber geh nicht unter!"
„Ich werde mich bemühen", sie wischte sich über die Augen und sah einen Augenblick furchtbar müde und abgekämpft aus, „obwohl ich denke, dass mir das Wasser in letzter Zeit bis zum Hals steht!"
„Genau darum musst Du auch den Kopf immer oben behalten!", flüsterte Severus und legte ihr den Zeigefinger unters Kinn, um ihren Mund zärtlich zu küssen, er schmeckte nach Brombeermarmelade. Dann richtete er sich zu seiner vollen Größe auf und kommandierte streng, „So, alle weiblichen Mitglieder dieser seltsamen Familie verlassen augenblicklich die Gemächer um sich fortzubilden, bzw. um Geld mit der Fortbildung zu verdienen!"
Seine Töchter hatten sich zwar immer noch nicht geeinigt, wer heute Abend in Grandmas Bett schlafen durfte, winkten Ihrem Dad aber dennoch ein fröhliches „Tschüss Dad, quäl die armen Schüler nicht zuviel!", zu und stiegen kichernd nach und nach mit ihrer Mum zusammen in den Kamin.
Tzz, Weiber!
Obwohl Schüler auch nicht besser oder einfacher waren, wie er sehr genau wusste. Man musste seine Augen überall haben und durfte die Zügel nie zu locker lassen.
Das bekamen dann auch gleich die Fünftklässler aus Slytherin und Hufflepuff zu spüren und büßten mal locker 40 Punkte ein, natürlich nur die Hufflepuffs, die Slytherins kamen mit 20 weg. Trotzdem waren sie generell alle nicht so angetan davon, dass ihr Tränkeprofessor wieder unterrichtete.
Völlig im Gegensatz zu Oliver Greengrass, der junge Tränkemeister, der seit einigen Monaten die unteren Klassen unterrichtete, er war jedenfalls heilfroh, dass Severus wieder im Dienst war und überreichte seinem Kollegen erleichtert einen großen Stapel Hausaufsätze. Als wenn er nicht schon genug Papiere auf seinem Schreibtisch herumliegen hätte. Leider konnte er Professor Greengrass für diese Ärgerlichkeit keine Punkte abziehen.
Und noch ärgerlicher war es, dass er von der Abarbeitung dieses Stapels auch noch gestört wurde, denn eine Stunde vor dem Mittagessen klopfte der Quidditsch-Kapitän seiner Slytherins an seine Bürotüre, um mit ihm die Mannschaftsaufstellung der neuen Saison zu besprechen. Gut, das war wichtig, außerdem konnte er bei der Gelegenheit dem jungen Mann unmissverständlich klar machen, dass er in diesem Jahr eine deutlich bessere Leistung der Mannschaft, aber auch des Kapitäns erwartete.
„Mister Pomeroy, trainieren Sie stärker die Angriffszüge und machen Sie hinten die Verteidigung zu, der Gegner kann viel zu lange überlegen und dann selbst den Zeitpunkt des Agierens bestimmen, während Sie nicht wissen was er tun wird und nur noch reagieren können!", dozierte er mit düsterem Blick.
„Ja, Sir, ich geb mein Bestes!", knurrte Dennis Pomeroy wild entschlossen, er war nämlich Jäger und hatte sich im vergangenen Jahr mehr als einen solchen Fehler erlaubt. Wenn es nach Severus gegangen wäre, hätte es in diesem Jahr einen anderen Kapitän gegeben, aber Hermine war der Ansicht gewesen, dass er ihm noch eine Chance geben sollte, um zeigen zu können, dass er aus seinen Fehlern gelernt hatte.
Es würde sich zeigen, ob das eine gute Taktik war, dachte er seufzend. Nicht, dass seine Gryffindor-Ehefrau ganz andere Ziele mit solchen Tipps verfolgte!
Recht zufrieden mit diesem Gespräch ging er zum Mittagessen und durchdachte gerade einige der von ihm vorgeschlagenen Spielzüge, als er abrupt stehen blieb und zwei Drittklässler aus Slytherin fast in ihn hineingelaufen wären.
Er bedachte sie mit einem finsteren Blick, was sie erschrocken „Entschuldigung Sir, aber Sie sind einfach so stehen geblieben!" murmeln ließ.
„Dann passt man trotzdem auf und jetzt machen Sie, dass Sie zum Mittagessen kommen!", blaffte er sie an und die zwei suchten eilig das Weite.
Severus aber zog seine Augenbrauen eng zusammen und starrte dann völlig unsinnig eine ganze Weile den kleinen Riss in der Wand vor seinen Augen an. Ihm wurde nämlich gerade klar, dass er drohte wie Mister Pomeroy zu werden.
Zögerlich und Angstvoll. Eine Marionette, wie Hermine es ausgedrückt hatte! Verdammt!
Das war wirklich ganz und gar nicht das, was er wollte. Weder im Qudditsch noch im realen Leben.
Er hatte überhaupt gar keine Lust darauf auf irgendwelche Spielzüge von Slide und seinen Konsorten zu warten, sondern er würde besser seine eigenen Ratschläge befolgen und selbst den Zeitpunkt und die Art des nächsten Schrittes bestimmen. Warum darauf warten, dass der sie, wann auch immer, in eine Falle lockte? Er würde lieber ihm eine solche stellen und sie dann erbarmungslos zufallen lassen!
Bei Merlin! Genau das würde er tun!
Er schlug seine rechte Faust bekräftigend in die linke Handfläche und setzte seinen Weg schnell fort. Er hatte es eilig, sehr eilig sogar, denn Erstens warteten noch die Anträge von Slide auf seinem Schreibtisch, direkt neben dem riesigen Stapel an Hausaufsätzen der 4 bis 7. Klassen und dann galt es einen Plan auszuklügeln, der diese Schweine von Slide und Hide mit seinen Helfershelfern bitter für all das büßen ließen, was Hermine und seine Familie wegen ihnen erduldet hatten und noch erduldeten.
Als pünktlich um 18:00 Uhr der Kamin in Hermines Büro zischte und so das Heimkommen seiner Frau und seiner Schwiegermutter anzeigte, war er leider seinem Ziel noch nicht nennenswert näher gekommen!
„Severus wir sind wieder da!", rief sie ihm vom Wohnzimmer aus zu.
„Ich bin hier", antwortete er brummend und legte seine Notizen schnell in einen Umschlag.
„Mum nimmt ein Bad und ich geh schwimmen, danach gehen wir zu Minerva, um mit ihr zusammen zu Abend zu essen", Hermine steckte ihren Kopf durch seine Bürotüre, „Was ist mit Dir, gehst Du mit?"
Severus schüttelte den Kopf, „Nein, ich mach das hier noch fertig und lass mir eine Kleinigkeit bringen."
„Gut!", Hermine hatte schon fast die Türe zu, als ihr noch etwas einfiel, „Ach ja, ich sag es Dir besser gleich, wir haben sehr interessante Dinge herausgefunden!"
„So", Severus zog seine Augenbraue empor, „was sind das denn für interessante Dinge?"
„Das erzähle ich Dir erst heute Abend, wenn alle da sind, sonst komme ich wieder nicht dazu einige Bahnen zu schwimmen!"
„Dann geh und halt mich nicht länger davon ab, ebenfalls einige Erkenntnisse zu gewinnen!", entgegnete Severus arrogant und machte scheuchende Bewegungen.
„Ich könnte Dir schon jetzt sagen, was Du an Erkenntnissen aus diesen Schüleraufsätzen erlangst, Severus!", grinste Hermine und winkte ihm zu, „aber ich will Dir den Spaß nicht verderben, also finde es selbst heraus!"
„Wer redet denn hier von Spaß?", knurrte Severus und schaute nachdenklich hinter ihr her.
Er musste zugeben, sie hielt sich wirklich gut, obwohl ihr Schaf noch nie so unruhig gewesen war. Gestern Nacht hatte sie wieder zwei Albträume gehabt, es hatte über eine Stunde gedauert, bis sie sich wieder beruhigt hatte und eingeschlafen war. Er wusste, dass solche Folgen ihr noch eine ganze Weile erhalten bleiben würden. Wenigstens schien sie sich mit jedem Traum an einige weitere Einzelheiten zu erinnern. Er presste seine Kiefer fest aufeinander und ballte seine Hand zur Faust. Bei Merlin, diese Verbrecher würden dafür büßen und er schnappte sich wütend die erste Pergamentrolle.
Aber allem Anschein nach, war es ihm an diesem Tag nicht vergönnt seine Aufgaben in Ruhe abzuarbeiten, denn er hatte erst fünf oder sechs Aufsätze korrigiert, als es erneut an seiner Türe klopfte, „Herein", bellte er ungehalten.
„Hallo Professor", Ginny Potter stand im Türrahmen und schaute sich um, „Ist Hermine da?"
Er schaute verwundert auf die Uhr, es war erst kurz nach halb sieben „Sie ist noch schwimmen, wollen Sie hereinkommen und im Wohnzimmer auf sie warten?"
„Nein, wenn es Ihnen recht ist, geh ich mal nach ihr sehen", doch anstatt tatsächlich zum Pool zu gehen, blieb sie unschlüssig stehen, bevor sie sich einen Ruck gab, tief einatmete und die Türe schloss, „Es war schrecklich!", flüsterte sie und fuhr sich über die Augen.
Severus verstand sofort was sie meinte, er ließ die Schreibfeder sinken und nickte langsam, „Allerdings!"
„Wie kann man nur solche Dinge tun, Severus, es wäre doch gar nicht nötig gewesen!", ihr traten Tränen in die Augen.
„Wir wissen nicht, ob sie nicht doch für diese Menschen nötig waren", antwortete Severus bitter, „aber es ist auch egal, denn Sadismus und Spaß am Quälen anderer braucht nicht zwangsläufig Gründe!"
„Nein, das braucht es wohl nicht!", bestätigte Ginny, dann hob sie den Blick und sah ihm fest in die Augen, „Aber wir werden ihnen das nicht durchgehen lassen, oder Severus?"
„Nein!", er erwiderte ihren Blick mit der gleichen Entschlossenheit, „Das werden wir ganz gewiss nicht und wenn es das Letzte ist, was ich tue!"
„Gut!", Ginny trat dicht an seinen Schreibtisch heran, „Dann geben Sie mir die Hand darauf, Professor, für Hermine und das Kind!"
Severus zögerte einen winzigen Augenblick, dann schlug er ein, „Für Hermine und das Kind, Ginny!"
Ihr Blick besiegelte dieses gegenseitige Versprechen mehr, als es der anschließende Händedruck je gekonnt hätte. Sie nickte abschließend mit wilder Entschlossenheit, dann drehte sie sich um und verließ ohne ein weiteres Wort sein Büro.
