Täuschungen 30

An Schlaf war in dieser Nacht lange nicht zu denken. Er war viel zu aufgewühlt. Unzählige Kilometer legte er in den Stunden bis zum Morgengrauen vor seinem Kamin zurück.

Nachdem Mbaba weg war, verfiel Hermine in eine Art grüblerischer Lethargie, aus der sie erst das Schnarchen ihrer Mutter nach Mitternacht herausriss. Severus war ebenfalls erstaunt vor dem Sessel mit seiner Schwiegermutter stehen geblieben und blinzelte auf die Schlafende herab. Als sich sein Blick mit dem ungläubigen von Hermine kreuzte, murmelte er seufzend, „Also von ihr hast Du das!", was sie tatsächlich kurz lächeln ließ.

„Geh zu Bett, Hermine", mahnte er leise, „Du bist müde und morgen ist auch noch ein Tag!"

„Und was ist mit Dir?", entgegnete sie und rieb sich die Augen, „Dir würde Schlafen auch gut tun!"

Er schüttelte bedauernd den Kopf, „Noch nicht! Ich würde Dich nur stören."

Sie war dann nach einigem Überlegen widerstrebend seinem Rat gefolgt, hatte ihre Mutter geweckt, damit auch sie sich in Eileens Bett legen konnte und war mit einem herzhaften Gähnen und einem erneut bittenden Blick an ihn, zu Bett gegangen. Und am Morgen hatte er sich verflucht, dass er ihrem Beispiel nicht gefolgt war und zur Not einen Schlaftrank genommen hatte, denn sein Spiegelbild zeigte ihm einen alten, abgezehrten Kerl mit stoppeligem Kinn und rotumränderten Augen.

Allein seine Schwiegermutter war wach und voller Tatendrang, als sie um 7:30 Uhr fix und fertig vor ihm stand und ihn energisch unter die Dusche schickte. Auch ein weiser Rat, denn danach und nach einem guten Frühstück fühlte er sich deutlich besser.

„Wollen wir wirklich Ginny Potter fragen, ob sie sich morgen bei Hide für Dich ausgibt?", fragte er zwischen zwei Bissen Toast seine Frau.

„Nein, ich denke ich muss das selbst machen", antwortete sie und legte die schon erhobene Gabel wieder zurück auf den Teller, „aber ich werde einen Trank nehmen, denn sonst verderbe ich alles!"

„An welchen hast Du gedacht?", erkundigte er sich und bedeutete ihr, weiter zu frühstücken.

„An einen modifizierten Gedächtnistrank", antwortete sie langsam, bevor sie sich umständlich räusperte, „Aber eigentlich… also, es wäre mir lieber, Severus, wenn Du Dir vorstellen könntest, mein Gedächtnis zu blockieren, das wäre noch viel besser, aber das traue ich wirklich nur Dir zu!"

Er schaute sie eine Weile skeptisch an, „Darüber muss ich erst nachdenken", antwortete er schließlich, „wir reden heute Abend darüber, denn wenn ich mich recht erinnere, erwartet Dich in einer halben Stunde Dein Vorseminar über ‚Trankzutaten aus Abfallprodukten'."

„Mist, Du hast recht!", sie sprang auf, küsste ihn schnell und auch ihre Mutter bekam einen flüchtigen Kuss ab, bevor sie sich ihre Unterlagen schnappte und mit einem „Ich habe Euch beide sehr lieb!", im Kamin ihres Büros verschwand.

„Wir Dich auch!", lachte Jean und faltete langsam Hermines Tagespropheten zusammen bevor sie ihren Schwiegersohn eindringlich ansah, „Severus, Du weißt, wie schlecht sie im Lügen ist, darum würde ich Dir raten, alles zu tun, damit sie so natürlich wie möglich sein kann", sie schüttelte grinsend den Kopf, „Und nein! Du solltest nicht dabei sein und auch sonst keiner der Bescheid weiß", sie dachte einen Augenblick nach, „außer die Mädchen vielleicht, das wirkt natürlicher!"

„Ich bin aber gut im Lügen", gab Severus zu bedenken, „frag den dunklen Lord!"

Doch Jean winkte ab, „Vielleicht konntest Du damals diesen Egomanen täuschen, aber heute, rund zehn Jahre später, hat sich vieles verändert!"

„Führwahr, es hat sich vieles geändert!", nickte er langsam und stand widerwillig auf, um den siebten Klassen zu zeigen, wie man den Tod verkorkt! Denn das war etwas Gutes, das sich tatsächlich nicht geändert hatte!

Am Abend, nach dem Abendessen fragte ihn Hermine nochmals, ob er sich ihre Bitte überlegt hatte.

„Ja, habe ich!", brummte er, „Wenn Du willst, werde ich es mit einem temporären Gedächtnisblocker, kombiniert mit einem Blendwerktrank versuchen."

„Sehr gut", atmete sie auf, „denn ein einfacher Gedächtnistrank reicht vielleicht nicht."

„Nein, höchstwahrscheinlich nicht! Komm eine Stunde vor der vereinbarten Zeit heim, dann spreche ich den Fluch. Ich sorge dafür, dass die Mädchen hier sind, Deine Mutter hielt das für eine gute Idee."

„Die Mädchen?", fragte Hermine überrascht nach, „Ich habe kein gutes Gefühl dabei, die zwei in die Nähe dieses Menschen zu lassen!", sie schaute auf die Uhr, „Aber ich lasse mir das durch den Kopf gehen. Wenn es Dir recht ist, gehe ich jetzt ein paar Bahnen schwimmen, Eileen macht noch Hausaufgaben und Sera ist bei Hagrid."

Die Stunden des nächsten Tages vergingen wie klebrige Harztropfen, langsam und zäh. Er hatte sich in der Bibliothek zwei Stunden eingehend mit dem Fluch beschäftigt, den er für geeignet hielt und sogar heimlich an Miss Pince getestet. Auch für Hermines Sorgen bezüglich ihrer Kinder hatte er eine Lösung gefunden und Hermine hatte sich einverstanden erklärt. So waren die Mädchen von Abby pünktlich aus Schule und Kindergarten abgeholt worden und spielten schon eine Weile mit einer hübschen getigerten Katze, die ihnen im Kerker über die Füße gelaufen war.

Alles schien gut vorbereitet.

„Wie lange wird die Wirkungsdauer sein?", erkundigte sich Hermine, als sie mit bleichem Gesicht auf seinem Besucherstuhl platz genommen hatte.

„Zwei Stunden", antwortete Severus, „Ich hoffe nicht, dass dieser Mistkerl länger bleibt!"

„Nein, ich denke, er will den Bericht und nebenher noch sehen, wie ich mit diesen Lockvögeln in meinem Gedächtnis umgehe." Sie zeigte auf die spielenden Mädchen im Wohnzimmer, „Die Katze ist doch nicht mal so eben zufällig erschienen oder?"

„Natürlich nicht!", grinste er, „Minerva ist zu Eurer Sicherheit da und wird sich zudem alles merken, denn Du wirst Dich nach Ablauf der zwei Stunden an diesen Zeitraum erst verzögert erinnern", erklärte Severus und zückte seinen Stab, „Bereit?"

„Warte!", bat Hermine und beugte sich über den Schreibtisch, „bitte, Severus, küss mich vorher, man weiß nie, wie diese Gedächtniszauber enden!", sie streichelte sanft seine Wange und kam seinem Gesicht sehr nahe, was sein Herz wild klopfen ließ „Und dann soll das Letzte was mir im Sinn bleibt, Dein Kuss sein!", flüsterte sie atemlos.

„Lässt sich einrichten", brummelte er und tat ihr natürlich gerne den Gefallen. Hm, wie wundervoll, ging es ihm durch den Sinn. Und als sie den Kuss vertiefte zückte er seinen Stab und schwang ihn in präzisen Bögen, während er in ihren Mund den Spruch flüsterte und ihr dann mit dem Trank zusammen sehr detailliert erklärte, wie verflixt vertrackt ihre Situation im Augenblick wäre.

Keine fünf Minuten später klopfte es bereits an der Türe.

„Oh, hallo Mister Hide!", begrüßte Hermine wenig enthusiastisch ihren Gast und bat ihn herein. Wenn sie ehrlich war, konnte sie ihn nicht besonders leiden, er war eindeutig komisch. Was übrigens gut zu ihrem Gesundheitszustand passte, denn auch ihr ging es ziemlich komisch und das schon seit einigen Tagen.

„Professor Granger!", erwiderte Albert Hide und trat ins Wohnzimmer der Granger-Snapes, „Danke, dass Sie Zeit für mich haben!"

„Die habe ich Ihnen doch versprochen", antwortete Hermine und meinte zu ihren Töchtern, „Eileen, Sera, wir haben einen Gast, sagt Mister Hide ‚Guten Tag' und seid bitte etwas leiser!"

Höflich kamen die beiden Mädchen dem Wunsch ihrer Mutter nach, bevor sie sich eiligst wieder dieser lustigen Katze widmeten.

„Bitte nehmen Sie Platz, möchten Sie etwas trinken?", erkundigte sich Hermine.

„Nein, danke, sehr freundlich von Ihnen", Hide schüttelte sein schütteres Haupt, „ich will Sie und ihre bezaubernde Familie nicht unnötig stören, wir benötigen in erster Linie Ihren Bericht."

Hermine stutzte, „Und was ist die zweite Linie?", fragte sie und sah Hide aufmerksam an.

Der lächelte hintergründig und setzte sich dann doch, „Es ist eine kleine Überraschung, Professor Granger, wir wollen uns bei all unseren Weggefährten nochmals herzlich für die großartigen Leistungen bedanken und bitten natürlich auch Sie, werte Professor Granger am 11. Oktober zu uns in die Firmenzentrale nach Sligo."

„Oh, Mister Hide", seufzte Hermine, „das ist aber wirklich nicht nötig!", sie hatte wahrhaftig keine Lust auf ein nochmaliges Revuepassieren all der ermüdenden und schwülwarmen Tage, deren dürftige Ergebnisse sie auch nicht froher machte.

„Aber natürlich", Albert Hide sah sie beschwörend an, „Sie müssen kommen, alle haben ihre Zusage bereits gegeben, es würde etwas Entscheidendes fehlen, wenn Sie nicht dabei wären!"

„Auch Harry Potter?", erkundigte sich Hermine, das wäre wenigstens ein kleiner Lichtblick. Obwohl, die Sache mit Harry…

„Natürlich auch Mister Potter!", grinste Hide und funkelte sie an.

„Ach, ich weiß nicht… Was ist der 11. denn für ein Tag", vielleicht hatte sie ja Vorlesung oder ein spätes Semimar, beides wären tolle Ausreden. Sie fühlte sich matt und ihr war flau.

„Es ist ein Dienstag und es würde uns wirklich viel bedeuten, wenn Sie kommen würden, Professor Granger!", er sah sie flehend an.

Mist, dienstags hatte sie früher frei, „Na gut, um wie viel Uhr soll ich denn da sein?"

„Sehr schön!", freute sich Hide und griff in seine Tasche, „Um 20:00 Uhr wollen wir beginnen, hier ist der Portschlüssel, er ist für 19:55 Uhr programmiert."

„Danke! Legen Sie ihn doch dort aufs Regal!", seufzte Hermine und erhob sich, während Hide den silbrig glänzenden Bleistift mit einem ganz offensichtlich angekauten Gummiradierer auf das Regal neben dem Kamin legte, „Wenn Sie sich einen Augenblick gedulden wollen, ich hole schnell meinen Bericht."

„Sehr aufmerksam von Ihnen, Professor Granger!", flötete Hide und zuckte zusammen, als sich die Tigerkatze der Mädchen an seinem Bein rieb.

„Ist `ne tolle Katze, nicht wahr?", strahlte Sera, „Wir wollen sie Tigerchen nennen! Du kannst sie ruhig streicheln, sie tut nichts!"

„Hm", machte Hide widerwillig und tätschelte ein, zweimal den Rücken der Katze.

Als Hermine mit der dicken Mappe zurückkam und mit gerunzelter Stirn einige lose Blätter zurechtrückte, erkundigte sich der Expeditionsleiter fürsorglich, „Ich habe noch gar nicht gefragt, wie es Ihnen geht, haben Sie sich von den Strapazen der Reise gut erholt?"

„Hm, ja, ja", murmelte Hermine und reichte ihm die Unterlagen, sie musste diesem Hide ja nichts von ihren Schlafstörungen, der ständigen leichten Übelkeit und den seltsamen Gedanken erzählen.

„Das klingt aber nicht so, fehlt Ihnen etwas, Professor Granger?", hakte Hide lauernd nach und nieste laut.

„Gesundheit!", riefen die Mädchen unisono.

„Nein, alles in Ordnung, wirklich", winkte Hermine schnell ab, „mir macht mein Magen nur hin und wieder Kummer!"

„Das sollten Sie unbedingt abklären lassen!", riet Hide sofort bester Laune und putzte sich die Nase mit dem Taschentuch, dass ihm Sera gereicht hatte, „Sie können gerne auf unsere Heiler zurückgreifen, sie kennen sich gut mit solchen Expeditionsfolgen aus."

„Vielen Dank, Mister Hide, aber das ist nicht nötig, unsere Schulheilerin wird sich darum kümmern, wenn es nicht bald einfach von selbst besser wird."

„Natürlich, natürlich!", Hide steckte das Taschentuch in seine Umhangtasche und den Bericht in seine Aktentasche, dabei bemerkte er wie nebenher „Ich habe gehört, dass Sie und Ihr Mann sich eine zusätzliche Woche Urlaub erbeten haben, das war sicher eine gute Idee!"

„Ja", gab sie zu und seufzte leise, „wir hatten ja nur zwei Wochen, von denen ich eine fast verschlafen habe."

„Mir ging es ähnlich, auch ich war ziemlich geschafft", lachte Hide leicht hämisch, „außerdem kann ich mir vorstellen, dass man sich auch wieder ein wenig zusammenraufen muss, wenn man so lange weg war", er sah Hermine scharf an.

„Was meinen Sie denn damit, Mister Hide?", fragte Hermine und runzelte die Stirn.

Hide hob beschwichtigend die Hände, „Nichts bestimmtes, wirklich nicht, Professor Granger."

„Vielleicht meint Mister Hide ja", erklang da von seinem Büro aus die dunkle Stimme ihres Mannes, „dass es sehr schwer ist, fast zwei Monate in zwei Wochen nachholen zu wollen", Hermine schaute mit sichtbarem Unbehagen ihren übellaunigen Mann an, der mit überkreuzten Armen im Türrahmen stand.

„Professor Snape", Hide zuckte zusammen.

„Allerdings!", höhnte Hogwarts Tränkemeister und funkelte den Expeditionsleiter finster an, „vielleicht können Sie mir ja sagen, warum meine Frau nicht isst und nicht schläft und ständig in Gedanken versunken scheint?"

„Severus, bitte!", Hermine schaute ihren Mann entsetzt an.

„Was denn?", fauchte der und wurde laut, „vielleicht kann er Dir ja weiterhelfen, er und seine Firma musste Dich ja auch auf diese wundervolle Reise schicken!"

„Mum? Dad? Streitet Ihr Euch?", Eileen hatte das Spiel mit der Tigerkatze aufgegeben und stand jetzt mit besorgtem Blick vor ihren Eltern.

„Nein, nein! Geh wieder spielen, mein Schatz", antwortete Hermine und sah ihren Mann flehend an.

„Ich will aber nicht, dass Ihr wieder streitet!", ließ sich Eileen so schnell nicht vertreiben und sah auffordernd ihre kleine Schwester an. Auch Sera hatte aufgehört die Katze zu streicheln und mit ihr Fangen zu spielen und stellte sich nun nickend neben ihre Schwester, die beschützend ihren Arm um sie herum legte.

„Wir streiten nicht, geht wieder spielen!", knurrte Severus bissig und zückte seine Taschenuhr, „Ich muss jetzt leider gehen. Einen schönen Abend noch, Mister Hide!", damit rauschte er mit einem letzten bösen Blick auf seine Frau und den Expeditionsleiter zur Tür hinaus.

„Entschuldigen Sie, aber mein Mann ist etwas angespannt", versuchte Hermine das unhöfliche Verhalten zu erklären und fuhr sich durch Haar, „Ich würde gerne einen Tee trinken, wollten Sie wirklich keinen?"

„Nein, danke, Professor Granger", schüttelte der den Kopf. Gespannt wartete er darauf, dass Hermine in der Küche verschwunden war, bevor er sich den Mädchen zu wandte und mitfühlend meint, „Es ist schlimm, wenn sich Eltern streiten, nicht wahr?"

„Ich kann es nicht leiden, wenn sich Leute streiten", flüsterte Sera betrübt.

„Unser Dad macht sich Sorgen und ist wütend, weil er nicht weiß, warum unsere Mum so komisch ist, seit sie aus Afrika zurück ist!", entgegnete Eileen und sah ihre Schwester an, die anscheinend nicht ganz verstand warum ihre Mum komisch sei und dies auch sofort anmerken wollte, aber da fuhr Eileen schon fort, „Sie streiten jeden Abend ganz laut darüber und dann geht Dad weg und Mum weint ganz viel, aber das dürfen wir keinem sagen."

Sera riss erstaunt die Augen auf, aber ein weiterer Blick ihrer Schwester ließ sie auch weiterhin schweigen.

„So?", Hide schien jedenfalls begeistert, „Natürlich ist Euer Geheimnis bei mir gut aufgehoben, aber wisst ihr auch worüber sie streiten?"

Eileen schaute sich sorgsam um, ob ihre Mutter schon wiederkam, dann beugte sie sich zu Hide hin und flüsterte, „Es geht um so Liebessachen, Rumknutschen und so, Mum hat da im Augenblick keine Lust drauf und Dad versteht das nicht!"

Seras Mund stand schon wieder offen, „Echt?", stammelte sie, „Woher weißt Du das?"

„Das hat Mum Onkel Harry erzählt, aber es ist ein Geheimnis!", raunte Eileen verschwörerisch.

„Natürlich! Ich verrate es keinem!", versicherte Hide mit glänzenden Augen und setzte sich wieder gerade hin, denn Hermine kam mit einer großen Tasse Kräutertee aus der Küche zurück. Sie hatte rot geränderte Augen.

„Ich sagte doch, dass Ihr spielen gehen sollt", meinte sie unwillig, als sie ihre Mädchen bei Hide stehen sah. Dieser Mensch war nicht der richtige Umgang für ihre Töchter, „bringt diese Katze nach draußen, denn sie ist gewiss Hagrid, nachher macht sie noch ihr Geschäft auf den Teppich."

Die beiden schoben ihre Unterlippen vor und wollten die Katze auf den Arm nehmen, um dem blöden Wunsch ihrer Mutter nach zu kommen, doch diese entwand sich fauchend Eileens Griff, sprang mit einigen großen Sätzen quer durchs Zimmer und schließlich auf das Regal am Kamin und so galt es zuerst einmal sie wieder einzufangen.

„Kann ich sonst noch etwas für Sie tun, Mister Hide?", erkundigte sich Hermine mit ärgerlichem Blick auf das Durcheinander in ihrem Wohnzimmer und setzte sich seufzend auf einen Stuhl.

„Nein, das ist schon alles, Professor Granger, vielen Dank für Ihre Mühe und natürlich für Ihren Bericht!", Hide stand auf und verbeugte sich vor ihr.

„Ich habe die Unterlagen Professor Carter zur Prüfung gegeben, hatte dann aber keine Zeit mehr sie nochmals abzuschreiben", erklärte Hermine müde, „Sie müssen die vielen Flecke und Streichungen entschuldigen."

„Kein Problem, ich sagte ja, das dies nicht nötig ist!", freute sich Hide, „Nochmals Danke und einen schönen Tag noch, Professor Granger, wir sehen uns am 11. wieder, ich kann es kaum erwarten."

„Auch Ihnen einen schönen Abend", erwiderte Hermine und atmete erleichtert auf, als sich die Kerkertüre hinter dem Expeditionsleiter schloss.

Kaum war Hide weg, ging Severus Bürotüre wieder auf und ein unglaublich gut gelaunter Tränkemeister trat in sein Wohnzimmer, eilte an seiner erstaunten Frau vorbei zu seiner Ältesten und nahm sie fest in die Arme, „Ausgezeichnete Leistung, Tochter!", lobte er und Eileen strahlte, „Es war eigentlich ganz leicht, Dad!"

„Was hat Eileen denn getan?", fragte Sera überrascht, „Und was war ganz leicht?"

„Deine Schwester erklärt Dir das gerne!", er wies auf die Katze, die es sich auf dem Regal am Kamin bequem gemacht hatte und ihr Fell leckte, „Jetzt schnappt Euch diese Katze und bringt sie nach draußen, dann wascht Euch, denn es ist bald Zeit für das Abendessen."

„Dürfen wir sie nicht behalten, Dad? Sie ist so süß!", bettelte Sera mit großen flehenden Augen.

„Nein, sie ist nicht süß und nein, sie will nicht behalten werden, denn sie hat bestimmt viel wichtigere Dinge zu tun, als von Euch den ganzen Tag geknuddelt zu werden.

„Oh, man! Wie doof!", maulte Sera, reckte sich aber, um die Katze noch mal zu streicheln.

Seltsamer Weise ließ sich die Tigerkatze nun ganz leicht fangen und beide Mädchen machten sich auf den Weg zu Hagrid.

„Erklärst Du mir jetzt auch, was Dich plötzlich so guter Laune sein lässt?", verlangte Hermine und starrte ihren zufrieden grinsenden Mann mit großem Unverständnis an.

„Aber gerne!", antwortete der und ihm war nach einem kleinen Schluck Feuerwhiskey, denn wenn er ehrlich war, hatte er vor diesem Gespräch doch etwas Sorge gehabt, „Du wirst es zwar nicht verstehen Hermine", begann er, als er sich einen Fingerbreit Whiskey ins Glas schüttete, „aber auch Du hättest nicht besser agieren können, ich bin wirklich sehr zufrieden!"

„Ich weiß absolut nicht was Du meinst!", verflucht, was war hier eigentlich los?

„Das kannst Du auch nicht, denn wir mussten Dein Kurzzeitgedächtnis etwas modifizieren, aber mach Dir keine Sorge, es ist nur ein Temporärzauber, in ungefähr einer halben Stunde kannst Du Dich wieder an unseren Plan erinnern."

„Ihr habt mein Gedächtnis modifiziert? Warum zum Kuckuck? Und was ist das für ein Plan?", das wurde ja immer schöner!

„Mister Hide war nicht nur hier, um den Bericht abzuholen, Hermine, er war vor allem hier um Dich auszuhorchen. Er war nämlich zu neugierig, ob sein Plan funktioniert", erklärte Severus gerne und nahm einen winzigen Schluck.

„Er hat auch einen Plan?", verstand Hermine die Welt nicht mehr, „was sind das denn für komische Pläne?"

„Dir die ganze Geschichte zu erzählen, würde wirklich zu weit führen. Sie ist lang, äußerst unerfreulich und sehr kompliziert, außerdem fällt sie Dir ja bald wieder von alleine ein."

„Na, da bin ich ja froh!", höhnte sie, stand auf und funkelte auf ihren Mann herab, „Habe ich in diese Modifikation eingewilligt, Severus Snape?"

„Natürlich", entrüstete sich Severus, „es war sogar Deine eigene Idee."

Er sah sie mit zusammengezogenen Augenbrauen an, „Hat Hide Dich zu einem Treffen eingeladen oder will er noch mal herkommen?"

„Lenkst Du jetzt vom eigentlichen Thema ab?", ereiferte sich Hermine wütend und merkte dass ihr wieder übel wurde.

„Nein! Vertrau mir, Hermine!", bat er leise und zog sie zu sich herab, „Ich habe noch nie etwas getan, was Dir geschadet hätte", flüsterte er, „außer Dich auf diese verfluchte Expedition gehen zu lassen!", fügte er murmelnd an.

„Severus! Wir wollten doch darüber nicht wieder streiten", erwiderte Hermine genervt und wischte sich über die Augen.

„Schon gut, hatte ich vergessen! Aber will Hide nun ein Treffen?", wiederholte Severus seine Frage.

„Ja, am 11., es gibt eine kleine Feier in Sligo, auf dem Regal liegt der Portschlüssel. Aber ich…"

„Verdammt!", unterbrach Severus sie fluchend und sprang auf, mit zwei Schritten war er beim Regal und zückte seinen Zauberstab, dann sprach er einige Diagnosezauber und knirschte mit den Zähnen.

Da klopfte es an der Türe. „Komm rein!", rief Severus wütend und Minerva McGonagall trat ein.

„Ah, Du hast ihn schon gefunden!", sagte sie, als sie Severus an dem Regal stehen sah, „Ich denke er hat eine Art Einwegespiegel oder etwas ähnliches eingebaut, ich habe versucht ihn so zu drehen, dass die Bücher die Sicht versperren."

„Kann mir endlich mal einer erklären was hier abgeht?", verlangte Hermine schrill und raufte sich die Haare.

„Nachher", winkte Severus ab, „Jetzt ist das hier wichtiger. Wir gehen in mein Büro, würdest Du bitte diesen Portschlüssel nehmen und ihn in die unterste Schublade Deines Schreibtisches legen."

„Ach? Soll ich das!", tobte sie.

„Bitte!", Severus sah sie eindringlich an.

Verflucht, warum konnte sie diesem Mann einfach nichts abschlagen, zum Teufel? Sie versuchte sich zu konzentrieren, nicht einfach, wenn es einem leicht schwindlig war, sie sollte sich besser setzten, aber dann konnte sie ja diesen Portschlüssel nicht weglegen. Was hatte Minerva gesagt, es wäre auch eine Art Einwegespiegel? Sie nahm tief Luft.

„Es ist mir zwar immer noch völlig unklar, was hier gespielt wird", knurrte sie bitter und ergänzte beißend, „aber ich weiß schon: Mir fällt ja alles bald wieder ein!"

„Sie ist wütend!", bemerkte Minerva überflüssiger Weise und sah Hermine kritisch an.

„Ja, stell Dir vor, ich bin wütend und mir ist schlecht!", bestätigte Hermine sarkastisch, „falls Euch das, bei all diesen seltsamen Plänen, überhaupt interessiert".

„Aber natürlich interessiert uns das, aber es ist auch kein Wunder", beruhigte sie Severus und zog seine Chefin zu seinem Büro.

Hermine stemmte die Arme auf die Hüften und blitzte den beiden hinterher „Ach, und warum nicht?"

„Erst den Portschlüssel, dann die Erklärung!", wiederholte Severus bestimmt und schloss die Türe.

Mit grimmigem Blick angelte sich Hermine den Bleistift, der hinter ein Buch gerollt war, grummelte einige unflätige Verwünschungen auf ihren Mann und eilte in ihr Büro, um den Bleistift ärgerlich in die letzte Schublade ihres Schreibtisches zu pfeffern.

Dann ging sie zurück ins Wohnzimmer und funkelte die beiden an, „Also, ich höre? Warum ist es kein Wunder, dass mir schlecht ist?"

„Ganz einfach: Du hast den Trank heute Morgen nicht genommen", antwortete Severus.

„Was für einen Trank?", warum verstand sie in letzter Zeit eigentlich nichts mehr? Sie galt doch in der Regel nicht als Begriffsstutzig.

„Den !"

„?" keuchte sie fassungslos und es schien ihr augenblicklich noch viel schlechter zu gehen, die Glitzerpunkte vor ihren Augen waren zwar sehr schön, aber wenig hilfreich.

„Anti", korrigierte Severus und führte sie zum Sofa, wo er ihr ein Fläschchen in die Hand drückte, „Nimm ihn und ein Problem ist erledigt."

„Ich bin schwanger?", nuschelte Hermine und entkorkte fassungslos die Medizin, „Aber so schnell? Ich bin doch erst Mitte August zurückgekommen."

„Ja, aber Du bist auch nicht hier, sondern schon in Afrika schwanger geworden, von Harry Potter übrigens, aber auch daran wirst Du Dich erinnern."

Hermine musste würgen und ihr traten fast die Augen aus dem Kopf, „Was?"

„Das war wirklich nicht nötig, Severus Snape!", tadelte ihn seine Chefin und sah Hermine ängstlich an, „nachher fällt sie uns auch noch um oder erbricht sich hier auf dem Sofa!"

„Sie wollte es doch wissen!", verteidigte sich der Tränkemeister, half aber seiner völlig erstarrten Frau dabei den Trank an die Lippen zu setzen. Dann bat er, „Komm, leg Dich ein wenig hin, gleich klärt sich alles!"

„Hm…", machte Hermine ergeben, in ihrem Gehirn war völlige Leere, widerstandslos ließ sie sich auf die Couch verfrachten, wo sie nur noch murmeln konnte, „Die Bilder, daher die Bilder", dann fielen ihr auch schon die Augen zu und ein gnädiger Schlaf umfing sie.