Täuschungen 31 Warum tun Menschen Böses?

Als Hermine nach einer knappen halben Stunde erwachte, konnte man an ihrer Nasenspitze ablesen, dass es ihr Erstens viel besser ging und Zweitens, dass sie sich wieder an alles erinnerte was vor dem Zauber gewesen war, denn sie reckte und streckte sich und als sich Severus neben sie setzte und sie auch Minerva bemerkte, war ihre erste Frage, „Und hat alles geklappt?"

„Aber ja, ausgezeichnet sogar, Du warst perfekt!", hatte ihr Mann hochzufrieden geantwortet und sie in die Arme genommen, was ihr wirklich sehr gut gefiel, aber dann musste er und Minerva ihr doch erst einmal alles haarklein erzählen.

Sie waren fast am Ende angelangt, da kamen ihre Mädchen zurück und waren ganz betrübt. „Mum, Dad, die Katze ist uns entwischt, kurz nachdem wir raus sind", beichtete Sera, „Wir haben überall gesucht!"

„Die findet bestimmt alleine zurück", war sich Minerva vollkommen sicher.

„Das hat Hagrid auch gesagt", Sera kletterte auf den Schoß ihrer Mutter, „Bist Du wieder besser drauf, Mum?"

„Klar", nickte diese und drückte ihre Jüngste fest an sich.

„Dürfen wir dann ein Kätzchen haben?", versuchte Sera die Gunst der Stunde zu nutzen.

„Nein!", kam es einhellig von ihrem Vater und ihrer Mutter.

„Mist!", grummelte sie, „aber dann erzählt Ihr mir wenigstens, warum Ihr hier Theater spielt", verlangte sie und auch Eileen sah ihre Eltern erwartungsvoll an.

„Es ist so, mein Schatz", antwortete Severus, nachdem die Erwachsenen einen schnellen Blick untereinander getauscht hatten, „Mister Hide und einige andere Menschen haben einen sehr bösen Plan geschmiedet und wir haben heute sehr gut dafür gesorgt, dass zumindest Mister Hide glaubt, dass wir von diesem bösen Plan absolut nichts wissen."

„Und weil Mum so schlecht im Lügen ist, hast Du ihr vorher mit einem Zauber gesagt, dass sie nichts weiß", schloss Eileen.

„Ganz genau!", nickte Severus stolz, „Er soll denken, dass Deine Mum und ich uns nicht mehr lieb haben, und dass es ihr und auch mir schlecht geht."

„Das ist aber ein superblöder Plan!", fand Sera empört.

„Solange Mister Hide ihn glaubt, ist es ein super guter Plan", stellte Hermine klar, „weil nämlich sein Plan unglaublich blöde ist und darum müssen wir auch dafür sorgen, dass er nicht gelingt!

„Haltet ihr deswegen diese ganzen Besprechungen ab?", erkundigte sich Eileen misstrauisch.

Hermine nickte, „Ja, ganz genau, denn dieser Mister Hide und seine Leute sind schlau, darum müssen wir schlauer sein!"

„Da haben wir aber Glück, denn Du bist doch die schlaueste Hexe überhaupt!", verkündete Sera im Brustton tiefster Überzeugung.

„In der Tat, Tochter! Und das ist manchmal äußerst hilfreich", bestätigte ihr Vater grinsend, aber seine Frau ergänzte seufzend, „Und manchmal alles andere als das!", stimmt, denn ohne ihren Verstand, wäre sie sicherlich nicht die ‚gar mächtige Frau'!

„Warum macht dieser Mister Hide denn eigentlich solche blöden Pläne?", verstand Eileen noch nicht.

Hermine schaute Severus bekümmert an, „Das ist wohl einer der Fragen aller Fragen, nicht wahr: Warum tun Menschen Böses?"

„Allerdings!", schnaubte Severus, „Da freust Du Dich gerade über den Untergang eines Despoten, da steht der nächste schon vor der Tür."

„Was ist ein Despoten?", fragte Sera.

„Das ist ein Unterdrücker, der sein Volk ausbeutet und ganz ungerecht und böse zu allen ist!", erklärte Minerva.

„Ah, so was wie der dunkle Lord, den Dad ausgehorcht hat!", nickte Sera verstehend.

„Ja, genau so in der Art!", seufzte Severus.

„Und wie ist das jetzt mit dem Bösen Mum?", lenkte Eileen das Gespräch wieder auf die eigentlichen Dinge zurück.

„Genau, das Böse!", nahm Hermine den Faden wieder auf, „Deine Großmutter hat mal sehr weise gemeint, dass es immer nur um Anerkennung, Ansehen und Zuneigung geht und dafür meinen nicht wenige, sei unbedingt Macht, Reichtum, Schönheit, Beliebtheit und so weiter nötig!"

„Das versteh ich nicht!", kam Eileen nicht mit.

„Es ist eigentlich ganz einfach", versuchte es ihre Mutter noch einmal und zog auch ihre Älteste auf ihren Schoß, „Der Mensch ist verrückt nach Liebe, danach, dass ihn einer oder besser noch ganz viele toll finden und unglaublich liebhaben. Die Menschen tun alles dafür, wirklich alles, von großen Heldentaten bis hin zu fürchterlich schlimmen Dingen, aber im Grunde genommen wollen sie immer nur das eine: Geliebt werden, angesehen und bemerkt werden!"

Eileen legte sinnend den Kopf auf Hermines Schulter, um über die Worte ihrer Mutter nachzudenken. Hermine küsste sie auf die Wange, „Das geht jedem so, ich versuch es mit einem Beispiel: Stellt Euch vor, Euer Dad oder ich würden Euch nicht mehr zuhören oder hätten keine Zeit mehr für Euch, weil alles andere wichtiger ist.", Eileen nickte langsam, „Dann wärt ihr sicher sehr traurig und dann würdet ihr vielleicht irgendwann wütend werden und uns ärgern wollen, denn auch wenn man mit jemandem schimpft, muss man Zeit erübrigen und Aufmerksamkeit, das ist dann schon mal besser als nichts." Sie flüsterte in Eileens Ohr, „Tante Ginny hat extra damals in der Schule mit einigen Jungs rumgeknutscht um endlich Onkel Harrys Aufmerksamkeit zu bekommen."

„Vielleicht würdet Ihr auch denken", fuhr sie fort und musste ob des Gesichtsausdrucks ihrer Ältesten grinsen, „dass Ihr Euch nicht genug angestrengt habt und dass darum Eurer Dad oder ich das Interesse an Euch verloren hätte. Dann überlegt Ihr Euch vielleicht, wie Ihr noch besser in der Schule werden könntet oder ganz reich werden könntet oder sonst wie berühmt, damit wir Euch bemerken und Euch loben", Hermine lächelte die beiden entschuldigend an, „so in etwa läuft das ab, übrigens nicht nur bei Kindern, auch bei Erwachsenen. Denkt mal darüber nach!" lachte sie, als sie die großen Augen ihrer Mädchen sah.

„Aber erst geht ihr Händewaschen", befahl Severus, „Ihr riecht nach Katze und ich habe Hunger!" und tatsächlich trollten sich die beiden eifrig miteinander flüsternd in ihr Zimmer.

„Ich habe übrigens meinen Rock gekürzt und den Ausschnitt beträchtlich vergrößert, damit dieser unglaublich tolle Quidditschspieler mich beachtet", seufzte Minerva und Severus fragte entgeistert, „und das hat was genützt?"

„Aber ja, er hat mich geheiratet!", schmunzelte seine Chefin stolz, „Ich hatte sehr schöne Beine müsst Ihr wissen und auch sonst einige Vorzüge." Sie schwelgte eine Weile in Erinnerungen, dann aber fiel ihr wieder etwas ein und sie wisperte aufgeregt, „Mister Hide hat übrigens keine Ahnung von Katzen und musste niesen, nachdem er mich sehr dilettantisch gestreichelt hat, ist Euch das aufgefallen?"

„Nein, ich kann mich noch nicht erinnern", antwortete Hermine bedauernd, „aber ich weiß dass Albert Hide Linkshänder ist!"

„Also ein prima Kandidat für den Anschlag auf Ambros!", schloss Severus grimmig. So langsam verbanden sich doch einige dieser unglaublich vielen und lästigen losen Fäden miteinander, die diese Geschichte am laufenden Band produzierte.

„Mum?", Eileen und ihre Schwester kamen mit sauberen Händen aus ihrem Zimmer „wir haben über das mit dem Ansehen nachgedacht", Aha, das wunderte keinen der anwesenden Erwachsenen, „wir finden, ihr solltet beide ganz viel Zeit mit uns verbringen, damit wir nicht traurig werden, oder wütend und dann auf ganz blöde Ideen und Pläne kommen, um das irgendwie zu ändern."

„Sehr guter Vorschlag, Tochter!", befand Severus, „aber bedenkt, die Quantität ist nicht immer entscheidend!"

„Was heißt Quantinät?", erkundigte sich Sera.

„Quantität bedeutet Menge oder Anzahl", erklärte Eileen ruhig, „Was meinst Du damit, Dad?"

„Sieh mal, ich verbringe mit meinen Schülern unglaublich viel Zeit, aber damit kann ich sie nicht unbedingt besser leiden!", er dachte da an einige Exemplare mit denen er nur zu gerne deutlich weniger Zeit verbringen würde und was ihrem gegenseitigen Verhältnis äußerst zuträglich wäre.

„Da hat Euer Dad völlig recht, ich finde fünf Minuten mit ihm auf unserer Couch auch viel besser, als alle Zeit, die ich mit ihm in seinen Klassen verbracht habe!", grinste Hermine.

„Das meine Liebe, kann ich auch aus vollem Herzen von Dir behaupten!", nickte Severus sarkastisch und ihm kamen sogleich einige ihrer altkluge Antworten in den Sinn und vor allem dieser nervige rechte Arm in der Luft.

„Spielst Du dann wenigstens heute Abend mit uns eine Runde ‚Snape explodiert'?", seufzte Eileen.

„Mal sehen! Wir gehen jetzt erst einmal essen", entschied Severus ausweichend, „der Magen Eurer Mutter knurrt mich schon eine ganze Weile an, nicht dass er noch anfängt mich zu beißen."

„Aber Dad, Mägen können doch gar nicht beißen!", kicherte Sera.

„Bei dem Magen Deiner Mutter weiß man das nicht!", gab Severus zu bedenken, „Er wird viel zu selten gefüttert, so was macht aggressiv."

So machte sich der ganze Granger-Snape Clan inklusive Schulleiterin auf den Weg zum Abendessen, natürlich nicht, ohne die ereignisreichen zurückliegenden Stunden eingehend zu besprechen, wobei die Themen sehr unterschiedlich waren. Die Katze hatte bei den Mädchen die tiefsten Eindrücke hinterlassen und beide waren sich schnell einig, dass sie bei nächster Gelegenheit erneut nach ihr forschen wollten.

Kurz vor der großen Halle raunte Severus Minerva und Hermine leise zu, „Ich habe übrigens auch über das mit dem Ansehen nachgedacht!" Er übersah die spöttischen Blicke der beiden Frauen, „Mister Potter sollte herausfinden, wer Misses Broomberrys Eltern waren und ob sie Kinder hat oder hatte, vor allem heimliche, oder ob es Gerüchte gab, dass sie was mit Irgendwem hatte. Auch soll er alles über die Familie dieses Hide ausgraben, zwischen Hide, Broomberry und Slide gibt es eine Verbindung die dicker ist als nur Reichtum, da bin ich mir ganz sicher!"

„Ich werde ihm nachher eine Eule schicken", versprach Minerva.

„Dieser Portschlüssel macht mir auch Sorge", meinte Hermine bedrückt, als ihr Mann galant die Türe öffnete um seine Chefin, seine Töchter und sie hindurch zu lassen.

„Ja, uns auch", stimmte Severus zu, „Wir haben vorhin schon darüber gesprochen, als Du noch ein wenig zu Dir kommen musstest. Hoffentlich hat dieses Ding nicht noch weitere Funktionen, außer dass es Bilder übermittelt."

„Was haben denn Deine Diagnosezauber ergeben?", erkundigte sich Hermine und nahm auf ihrem Stuhl am Ende des Lehrertisches platz.

„Das er schwarz-magisch ist und die silberne Schicht auf der Oberfläche ein Spiegel ist. Aber mehr konnte ich so schnell nicht herausbekommen", er reichte Eileen den Krug mit Kürbissaft herüber.

„Kingsley könnte über solche Dinge mehr wissen, oder seine Leute", überlegte Hermine und nickte Sera lobend zu, weil sie beim Einschütten nicht gekleckert hatte, „ich werde ihn morgen fragen."

„Es gibt noch so viel zu tun und wir haben nur noch drei Wochen! Ich habe den Eindruck, dass uns die Zeit davon rast", knurrte Severus und biss verdrießlich in sein Brot", und das mit den losen Fäden wurde auch nicht besser, kein bisschen, kaum war einer verbunden, tauchten zwei neue auf.

Mitten in diese sorgenvollen Gedanken, legte sich unauffällig eine warme Hand auf seinen Oberschenkel und ließ ihn etwas zusammenzucken, „heute haben wir einen wichtigen Schritt getan, Severus, lass uns das genießen, bevor uns die Sorgen wieder einholen", flüsterte seine Frau und sah ihn lächelnd an.

„In der Tat", stimmte er zu und hob sein Glas, „übermorgen ist auch noch ein Tag um sich Sorgen zu machen!"

Hermine hob ebenfalls ihre Tasse, „Wir sollten feiern, was denkst Du?"

„Eileen will ‚Snape explodiert' spielen", erinnerte sie Severus grinsend.

In Hermines Augen blitzte es „Ja, das ist auch eine Möglichkeit", antwortete sie langsam und zog nachdenklich ihre Augenbrauen zusammen. Wenn ihn nicht alles täuschte, sah sie aus, als wenn er sie gerade auf eine interessante Idee gebracht hätte.

Es fragte sich nur welche!