Die vierte Erkenntnis, die er erlangte, war eine weitere Begegnung mit der Ältesten der Mkemekos. Einer … sehr speziellen … Begegnung, bei Merlin!
Sie trug sich am Samstag, den 08. Oktober, einem kalten und verregneten Frühherbsttag zu. Es war wohl gegen 15:00 Uhr am Nachmittag, als sie plötzlich, jedenfalls hatte er sie vorher nicht bemerkt, wie aus heiterem Himmel vor ihrer Couch im Wohnzimmer stand.
Das war aber nicht das eigentlich Schockierende.
Obwohl… wenn er es recht betrachtete… wäre sie höflicher gewesen und hätte vor der Türe auf ein ‚Herein' gewartet und hätte sie vor allem nicht so unerträglich wissend gegrinst, dann hätte er sicherlich nicht so schnell von der Couch aufspringen müssen und seiner Frau wäre diese schmerzhafte Kopfnuss erspart geblieben, die sie kurzzeitig ausknockte.
Verdammt!
Sein armer Kopf dröhnte ebenfalls fürchterlich und sein Hemd und seine Hose waren zudem sperrangelweit offen. Außerdem musste er sich dringend um Hermine kümmern, die ohnmächtig und mit entblößter Brust schwer auf seinem Oberkörper lag.
Zweimal verdammt!
„Sei gegrüßt, dunkler Mann!", war der belustigte Gruß der Alten gewesen.
„Ja, ja!", hatte er geknurrt, seine Frau sachte auf das Sofa gelegt, ihren blanken Busen notdürftig mit dem Erstbesten bedeckt was er finden konnte, dem Sofakissen und hektisch nach seinem Zauberstab gesucht. Als er ihn endlich fand, war sein erster Wisch aus lauter Hektik fehlgeschlagen und es bedurfte zweier Versuche, um endlich einen kühlenden Lappen und ein Flächen Riechsalz heraufzubeschwören.
Dreimal Verdammt!
Ersteres drückte er behutsam auf die sich unaufhaltsam bildende Beule an Hermines Schläfe, während er sie leise streichelnd anrief und fahrig das Fläschchen mit dem Riechsalz entkorkte.
„Brauchen Hilfe?", erkundigte sich die Älteste des versunkenen Volkes mitfühlend, was er lediglich mit einem Grunzen brüsk verneinte.
Immerhin zeigte das Riechsalz alsbald Wirkung und Hermine schlug flackernd wieder die Augen auf, „Oh, Severus", nuschelte sie verwirrt und fasste sich gleichzeitig an den Kopf und ihn am Kragen des offenen Hemdes, um ihn näher zu sich herunter zu ziehen, „Großer Gott, so stürmisch!", murmelte sie beeindruckt und küsste ihn verlangend.
Nun, das mit dem Küssen war ja im Grunde genommen überhaupt nicht schlecht, auch ihr gleichzeitig zielstrebiger Griff an seine Genitalien war unter normalen Bedingungen äußerst vielversprechend, wenn nur dieses verdammte Hologramm nicht neben ihm gestanden hätte und ihnen so schamlos zugesehen hätte. So verlor er leider jegliche sexuelle Erregung, aber gewann dafür unglaublich viel andersartigen Aufruhr.
Viermal verdammt!
Als Erstes machte er sich sehr bestimmt von seiner lüsternen Frau los und sorgte damit für großes Unverständnis: „Was ist denn?"
„Hermine, wir haben… einen Gast!", ließ er seine verwirrte Gattin wissen und deutete mit dem Daumen neben sich.
„Ach! Du alter Angsthase! Du siehst mal wieder Gespenster! Eileen und Sera können noch gar nicht zurück sein!", war sich Hermine lachend sicher und versuchte ihren widerstrebenden Ehemann wieder an sich zu ziehen.
„Es ist weder Eileen noch Sera!", zischte Severus aufgebracht und schob sich vor sie, damit sein Körper ihre Blöße verdeckte.
„Wer denn dann?", fragte Hermine und wischte ihr wildes Haar aus dem Gesicht.
„Ich!", kicherte Mbaba und räusperte sich vergnügt.
„Oh!", blinzelte Hermine allarmiert und war nun sehr dankbar, dass das Sofakissen nicht weit war.
„Wollte nicht stören!", beteuerte die Älteste, wendete sich aber keinen Augenblick vom Anblick der sich nervös ankleidenden Eheleute auf dem Sofa ab.
„Ach! Und wie lange stehen Sie hier schon rum?", erkundigte sich Severus vorwurfvoll, als er endlich seine Hose geschlossen hatte.
„Warum?"
„Warum?", echote er ungläubig und funkelte die alte Frau böse an. Nebenher hob er den kühlenden Lappen auf, der in all dem Treiben auf den Boden gefallen war und drückte ihn seiner Frau in die Hand.
„Ja! Warum Du machst Geschrei! Schön, Liebende zu sehen. Sehe gerne!", erwiderte Mbaba, was dafür sorgte, dass Severus fast die Augen aus dem Kopf fielen. Grundgütiger, die Älteste der Mkemekos war eine Spannerin! „Aber empfehle Euch Teppich, viel bequemer als lederne Bank!"
„Oh, danke für den Tipp!", meinte Severus beißend und angelte nach seinen Schuhen, wobei er praktischer Weise gleich Hermines Slip fand.
„Gebe gerne Rat, bin Älteste", nickte Mbaba gut gelaunt, dann deutete sie auf das kleine schwarze Stückchen Stoff in seiner Hand, „Aber Du geben auch mir Rat, was ist das?"
„Ähm, das ist eine Unterhose", er war sich sicher, dass er ein wenig rot wurde, blitzschnell ließ er den Tanga in seiner Hosentasche verschwinden.
„Bah", Mbaba schüttelte vehement den Kopf, „nicht gut, ist zu klein für Dich! Viel zu klein!"
„Nun", mischte sich jetzt Hermine mit einem frechen Grinsen ein, sie war wieder einigermaßen bekleidet und brachte gerade ihr Haar in Ordnung, „Es ist ja nicht seine, es ist meine."
„So?", war Mbaba erstaunt, „aber auch zu klein für Dich, weise Löwenfrau."
„Na ja, eigentlich passt sie sehr gut", widersprach Hermine und musste etwas kichern, „findet auch mein Mann!"
Mbaba wollte gerade einen Kommentar zu solchen neumodischen Geschmacksverwirrungen abgeben, als Severus die ganze Sache zu bunt wurde und sie kurzer Hand abwürgte, „Können wir jetzt das Unterwäschenthema lassen und uns den wirklich wichtigen Dingen zuwenden? Sie sind doch bestimmt nicht von Afrika hierher gekommen um uns beim Sex zu beobachten oder sich über Kleidungsfragen zu unterhalten?"
„Entschuldigen Sie, Mbaba", fiel Hermine augenrollend ein und verwandelte die Couch wieder in Sitzkissen und den Wohnzimmertisch in ein kunstvoll gearbeitetes Tablett, „Er ist ziemlich schamhaft."
„Gar nicht!", beschwerte sich ihr gar nicht schamhafter Ehemann und nahm hoheitsvoll auf dem einzig verbliebenen Sessel platz.
Die Älteste wählte wieder den Platz am Kamin, dabei musterte sie Hermine und auch Severus wohlwollend, „Sehen viel besser aus heute, beide!", stellte sie zufrieden fest.
„Sie haben recht", nickte Hermine und schenkte Severus einen kurzen Blick, „wenn nur nicht dieser 11. Oktober wäre und ich wieder nach Afrika müsste", und sie erzählte der Ältesten, was in der Zwischenzeit passiert war.
Mbaba hörte sich alles sehr aufmerksam an, dann umspielte ein feines Lächeln ihre dunklen Lippen, „Du nicht wissen, Löwenfrau, aber Afrika sehr, sehr schön!", schwärmte sie, „warm und reich, ich werde zeigen!"
„Hm…", Hermine sah zwar nicht so aus, als wenn sie die Meinung der Mkemeko auch nur ansatzweise teilen könnte, aber sie war wohl zu höflich um offen zu widersprechen.
„Alles gut, weise Löwenfrau! Rat und ich haben Plan, kann nicht misslingen! Ich verspreche!", versicherte sie und streckte die Hand aus, „Dafür ich brauche mächtigen Zauber von Löwenfrau und dunklem Mann."
„Was meinen Sie?", Hermine schaute sie fragend an und auch Severus verstand nicht was sie wollte.
„Ringe", antwortete Mbaba und ergänzte beeindruckt, „sehr, sehr guter Zauber, große Macht, weil großes Herz und große Zuneigung!", sie schaute zwischen Hermine und Severus hin und her, der wurde schon wieder rot, „Soll das etwa heißen, dass Sie sich angesehen haben, was in Hermines Ring an Erinnerungen bewahrt werden?"
„Aber ja!", lachte Mbaba, „sehr schön, gut für traurige Seele von Löwenfrau."
Severus schloss für einen Augenblick ergeben die Augen, er wollte lieber nicht darüber nachdenken, was die alte Frau alles über ihn wusste, dann räusperte er sich aber umständlich und fragte skeptisch, „und wenn wir Ihnen unsere Ringe geben, was tun Sie dann damit?"
„Ich gebe Zauber hinzu!", antwortete Mbaba, als wenn es das Selbstverständlichste auf der Welt wäre, „Mkemeko Zauber, auch großer, guter Zauber. Geht aber nur, wenn großes Vertrauen herrscht."
„Na dann!", Hermine lächelte ihrem Mann liebevoll zu und streifte sofort ihren Ring ab, um ihn der Ältesten zu reichen „Und was ist das genau für ein Zauber?", fragte sie.
„Spiegelzauber, wirkt zwölf Nächte lang, dann vorbei", erklärte Mbaba und nahm Hermines Ring ehrfürchtig in die Hand, sofort durchzuckte es sie und sie schloss mit einem seligen Ausdruck auf dem Gesicht die Augen. Als sie sie aufschlug, lachte sie, „sehr, sehr schön!"
Severus wurde es schlecht und er verschränkte seine Arme vor der Brust, „Also meinen Ring bekommen Sie unter gar keinen Umständen!"
„Dann ich nicht kann Zauber sprechen, der Dich mitnimmt nach Afrika!", Mbaba zuckte bedauernd mit den Schultern.
„Was? Soll das heißen, mit diesem Zauber kann ich dabei sein, wenn Slide sie nach Afrika verschleppt?", fragte Severus überrascht.
„Aber ja, ist Sinn von Zauber, Du siehst durch Augen von Löwenfrau und Löwenfrau durch Augen von dunklem Mann."
„Oh! Ich glaube ich habe davon gelesen", überlegte Hermine aufgeregt, „man kennt diesen Zauber nur vom Hörensagen. Er soll eine Art Verschmelzung zweier Menschen bewirken und ermöglicht so, dass beide miteinander im Kontakt sind. Man kann sehen, was der andere tut, hören, was er denkt und die beiden können sich ohne Worte und an zwei völlig verschiedenen Orten miteinander verständigen."
„Sehr gut!", lobte Mbaba Hermines hervorragendes Gedächtnis.
Hm, das war wirklich interessant, aber er musste sich das Ganze einige Augenblick durch den Kopf gehen lassen, eilig stand er auf und machte einige Schritte auf und ab, dann blieb er vor seiner Frau stehen.
„Ich bleibe also hier, bin aber doch bei ihr?", fragte er nachdenklich.
„Ja!", Mbaba grinste ihn an, „keine Angst, dunkler Mann!"
„Ich habe keine Angst!", schnappte Severus und zog seine Weste gerade, „ich habe nur gerne eine Privatsphäre!", es genügte schon, dass Hermine Jean alles brühwarm erzählen musste und er wollte lieber nicht wissen, was Ginny Potter so alles wusste, oder Minerva oder Poppy! Verdammt!
Wieder huschte sein Blick zu seiner Frau, die ihn bittend ansah, dann sah er auf seinen Ring und streckte den Rücken durch, „Ich lasse Dich nicht allein!", schnell streifte er den Ring ab und reckte ihn der Alten entgegen, aber bevor er ihn in ihre Hand fallen ließ, verlangte er, „Wehe es erfährt sonst noch jemand was davon!"
„Keine Sorge, sehr verschwiegen!", schwor Mbaba mit hoheitsvollem Gesicht. Na, hoffentlich!
Seufzend ließ er den Ring los und als sich ihre knochigen Finger um den silber-goldenen Reif legten, wiederholte sich das leichte Zucken, das durch ihren Körper ging und auch der Gesichtsausdruck war gleich beglückt, als sie ihre Augen wieder aufschlug.
Finster starrte er auf die alte Frau, die in herzlich anlächelte, „Warum Du Sorge, dunkler Mann, vieles gerade so wie bei Löwenfrau! Außer…" Sie musste herzhaft lachen.
„Gut, also, wie geht es jetzt weiter, wo Sie alle unsere intimen Momente kennen?", unterbrach sie Severus, bevor sie hier noch konkrete Gegebenheiten ausplauderte.
„Ich spreche Zauber!", antwortete Mbaba und wischte sich einige Lachtränen aus den Augen, bevor sie sich konzentrierte und beide Ringe in ihre linke Hand nahm. Diese schloss sie fest um die Ringe und führte sie dann zum Mund, wo sie hineinhauchte, wie man es im Winter tat, wenn man kalte Finger hatte. Der Atemhauch entfachte sogleich ein Feuer, ein gleißendes Strahlen das zwischen den dunklen Fingern der Mkemeko hervorbrach. Sie murmelte dabei ununterbrochen stumme Worte, bis das Licht nach und nach schwächer wurde und schließlich erlosch.
Vorsichtig legte sie die Ringe auf das Tablett und sah zu Hermine und ihm auf, „Bitte! Zauber gelungen."
Sie schloss die Augen und erst jetzt bemerkte Severus, dass sie heftig schnaufte und ihr runzliger Körper glänzte. Der Zauber schien sehr anstrengend gewesen zu sein, aber das war wohl auch kein Wunder, immerhin hatte die Mkemeko die komplizierte Magie durch ein Hologramm hindurch wirken müssen. Eine Leistung sondergleichen!
Severus reichte Hermine ihren Ring und wollte auch seinen wieder an den Finger seiner rechten Hand stecken, da schlug die Alte ihre Augen erneut auf und murmelte leise, „Noch nicht, ich erkläre!", sie schöpfte ein zwei mal tief Atem bevor sie fortfuhr, „Zauber braucht eine Nacht, dann er kommt. Einer muss schließen Augen, sonst beide wirr. Ihr müsst lernen mit Zauber umgehen. Dauert etwas! Wenn zu viel, einer legt Ring ab", sie erhob sich, „Muss gehen, Kraft erlischt."
Sie verbeugte sich vor Hermine und flüsterte warm, „Wir sehen einander, weise Löwenfrau, große Freude!"
Im Hinausgehen grinste sie Severus wie bei ihrer ersten Begegnung an, „Keine Sorge, dunkler Mann, alles gut!"
Dann öffnete sie die Kerkertüre und war verschwunden.
Severus und Hermine schauten sich eine Weile verwundert an, dann streifte sie seufzend ihren Ehering wieder an die Hand und atmete tief ein und aus.
„Ich hoffe inständig, dass sie recht hat und wirklich alles gut wird!", murmelte sie und ihr Blick fiel auf die Wohnzimmeruhr.
„Wenn dieses Volk im Wahrsagen nur halb so gut ist, wie im Zaubern, dann müssen wir uns keine Gedanken machen", war sich Severus sicher.
„Ja, sie sind außergewöhnlich!", nickte Hermine und stemmte ihre Hände auf die Hüfen, während sie sich umsah.
„Genau wie Du!", grinste Severus, denn wenn er sich nicht ganz täuschte kannte er diesen ganz speziellen Blick seiner Frau.
Die schenkte ihm einen wunderschönen Augenaufschlag und schaute ihm tief in die Augen, „Wie ich das sehe, Severus Snape, haben wir noch genau eine Stunde, bevor Deine Töchter zurück kommen. Ich finde, wir sollten den weisen Rat der Ältesten eines ungeheuer weisen und mächtigen Volkes beherzigen und den Teppich ausprobieren, was denkst Du?"
Severus schüttelte belustigt den Kopf und steckte auch seinen Ring zurück an seinen Platz, „Kann es sein, dass Du nicht nur außergewöhnlich klug, mächtig und schön bist, sondern vor allen Dingen außerordentlich lüstern?"
„Ja, das könnte unter Umständen hinkommen", Hermine zuckte entschuldigend mit den Schultern, „Das sind bestimmt die verflixten Hormone!"
„Sicher", knurrte er amüsiert, „diese Dinger sind bei Euch Frauen immer für eine Entschuldigung gut!", er trat nahe an sie heran.
„Neidisch?", grinste sie provokant und knöpfte bereits sehr verführerisch ihre Bluse wieder auf.
„Natürlich!", nickte ihr Mann und sein Blick klebte an ihrem Ausschnitt, „wir Männer sind immer nur Tiere und erliegen unseren niederen Trieben!"
„Bei Gott! Ich liebe Deine niederen Triebe, Severus Snape!", verkündete Hermine inbrünstig und funkelte ihn an.
„Ganz eindeutig die Hormone!", murmelte Severus und ließ sich gerne von ihr auf den Teppich vor den Kamin ziehen.
