Täuschungen 36 Showdown

Er war unglaublich aufgeregt – aber nicht im Mindesten so wie sie!

Sie hatten in der Nacht vor dem 11. so gut wie kein Auge zugemacht, sondern sich unruhig hin und her gewälzt. Bis er es um drei Uhr morgens endlich leid war und einen leichten Schlaftrank aus seinem Labor holte. Immerhin mussten sie morgen beide fit sein.

Der Vormittag verging dann relativ schnell, er hatte mit den Siebtklässlern ein anspruchsvolles Unterrichtsprojekt durchgeführt, dass es ihm nicht erlaubte an etwas anderes zu denken und seine Frau hatte eine Vorlesung zu halten. Es war sicherlich nicht der beste Vortrag, den sie je dargeboten hatte, aber bei einer Hermine Granger war auch ein Annehmbar noch überdurchschnittlich.

Auch der Nachmittag verging wie gewohnt, sie holte gegen vier Uhr die Kinder in Tagesstätte und Schule ab und er widmete sich den Fünftklässlern aus Ravenclaw und Slytherin, wobei er sie zu einem Ausflug kreuz und quer durchs ganz Hogwartsgelände zerrte, denn er brauchte dringend Bewegung. Da war die Suche nach dem blauen Siebenfüßler doch eine gute Ausrede.

Schulaufgaben, Abendessen und Kinderzubettbringen. Alles wie immer und doch konnte auch er die drückende Sorge nicht gänzlich überspielen, die Hermine und ihn belastete, obwohl er ein bedeutend besserer Schauspieler war, als sie. Eileen und auch Sera schauten auch einige Male sehr kritisch von einem zum anderen und ihre Älteste fragte sogar zweimal nach, ob irgendetwas nicht stimmen würde.

„Nein Tochter, alles ist genau so, wie es sein soll!", verkündete ihr Vater und schickte sie zum Zähneputzen und dann ins Bett. Er bekam es sogar hin, ihnen noch eine kurze aber sehr ansprechende Gutenachtgeschichte vorzulesen, ließ sich aber auch durch viel Bitten und Betteln nicht dazu verleiten eine zweite hinterher zu schieben und selbst seine weichherzige Frau gab dieses Mal nicht nach.

Als sie zurück ins Wohnzimmer kamen, blieb ihnen noch eine knappe halbe Stunde, bevor die anderen eintreffen würden. Schnell fasste sie ihn bei der Hand und drückte sich an seine Brust. „Severus", begann sie und schlang ihre Arme um ihn herum, „Egal wie das alles ausgehen wird, ich gehe nicht, ohne dass ich das jetzt hier gesagt habe", sie löste sich von ihm und sah ihm fest in die Augen, „Ich möchte Dich für all den schrecklichen Kummer, den ich Dir bereitet habe, um Verzeihung bitten."

„Aber dafür konntest Du doch nichts", entgegnete er.

„Doch", widersprach sie, „ich habe lange darüber nachgedacht. Ich hätte meinen Job nicht über meine Familie stellen und Euch hier nicht sieben Wochen lang alleine lassen sollen."

„Ja", nickte Severus seufzend, „Das war in der Tat hart! Aber wir alle treffen Entscheidungen und können leider nicht immer absehen, wie sie enden!"

„Allerdings!", nickte sie heftig, „Aber ich möchte Dir auch danken, mein Lieber!"

„So? Und wofür?", fragte er erstaunt und küsste ihren Handrücken.

„Dafür, dass Du vertraut hast, wo man kein Vertrauen mehr hätte erwarten können."

„Deine Familie und Deine Freunde haben Dir vertraut, ich nicht. Was ich Dir entgegengebracht habe war kein Vertrauen, das war Misstrauen!", konkretisierte Severus brummelnd.

„Sag ich doch!", sah sich Hermine zufrieden bestätigt und zog ihn wieder fest an sich heran, um ihren Kopf in seine Halsbeuge zu schmiegen, „und ich danke Dir mit allem was ich habe und bin für Deine Liebe", murmelte sie ganz nah an seinem Ohr.

Severus seufzte erneut tief auf und presste sie an sich. Diese verflixte blöde und wundervolle Liebe machte ihn gerade völlig fertig. Sie drängte ihn mit Macht, sich diese Frau hier zu schnappen und an einen unbekannten Ort zu verschwinden, wo er die nächsten Wochen, Monate und Jahre nichts anderes tun wollte, als sie zu küssen, mit ihr zu streiten und zu arbeiten und noch ein oder zwei weitere Dinge mit ihr anzustellen. Oh ja!

Aber das ging ja leider nicht, denn das hier musste erst beendet werden und natürlich würde er auch nicht ohne seine Kinder gehen und sie schon gar nicht, daher seufzte er noch mal kurz, zog ihren Kopf zu sich herauf und begann schon mal mit dem Küssen. Nur zu gerne hätte er sich auch noch mit ihr herumgestritten und in seinem Labor mit ihr zusammen das ein oder andere gearbeitet, aber da klopft es schon und Jean kam herein, dicht gefolgt von Mister und Misses Potter, Minerva, Kingsley und Ronald Weasley.

Verdammt!

„Wenn wir das hier hinter uns gebracht haben", flüsterte er ihr leise ins Ohr, als er die letzten Dinge ordnete, „dann machen wir erst einmal Urlaub!"

„Wo immer Du willst, mein Lieber!", war ihre sehr aussichtsreiche Antwort.

Doch leider konnte er sich nicht allzu lange überlegen, wo sie einen solchen Urlaub verbringen konnten und vor allem nicht, mit was sie ihn füllen wollten, da mahnte die Wohnzimmeruhr schon, sich zu sputen. Alle begaben sich auf ihre Plätze und dann ging es ganz schnell:

Der Bleistift glimmte und sie hielt ihn fest in der linken Hand, mit der rechten prüfte sie kurz den sicheren Sitz ihres Zauberstabs, als die Wohnzimmeruhr viertel vor Acht schlug und der Bleistift zu glühen begann. Ein letzter Blick auf Severus, der bereits vor einigen Augenblicken seine Augen geschlossen hatte, um sich ganz auf seine Frau konzentrieren zu können, dann wurde sie auch schon in einen sich irrsinnig drehenden Strudel gezogen und verschwand wie von der Erde verschluckt in einer einzigen Millisekunde.

Drückende Schwüle umgab sie. Severus konnte förmlich spüren, wie augenblicklich der Schweiß aus all ihren Poren drang. Ängstlich und mit weit aufgerissenen Augen schaute sie sich hektisch um und zückte ihren Zauberstab. Aber außer Dunkelheit und dem vielfältigen und geheimnisvollen Geräuschen des Dschungels der sie ganz offensichtlich umgab, war nicht viel zu erkennen. Vorsichtig verlagerte sie das Gewicht ihres Körpers vom linken auf den rechten Fuß, um einen besseren Stand zu haben.

In ihrem Kopf überschlugen sich die Gedanken, sollte sie einen vorsorglichen Protego sprechen oder für etwas Licht sorgen, einen Ortungszauber sprechen oder besser gar nichts tun, um sich nicht zu verraten. Mitten in ihre Überlegungen flammten plötzlich vier Fackeln rund um sie herum auf und blendeten sie.

„Guten Abend, Professor Granger, schön, dass Sie unserer Einladung gefolgt sind", flüsterte eine ölige Stimme, die ganz zweifellos zu Albert Hide gehörte.

„Wo sind wir hier?", brachte Hermine heraus, „und was soll das?"

„Wir haben den Ort unserer kleinen Dankesfeier spontan verlegt. Uns erschien Afrika viel passender", erklärte Hide und kam mit seiner Fackel ein Stück näher an Hermine heran.

„Bitte, Professor Granger, folgen Sie uns", er machte eine einladende Bewegung, „Es wird ein unglaublicher Abend werden, das verspreche ich Ihnen!"

Hermine wollte sicherlich alles andere als diesem Menschen zu folgen, aber dennoch setzte sie sich zögernd in Bewegung. Als sie aber ihren Zauberstab schwang, um mit einem Lumos für bessere Sehverhältnisse zu sorgen, tat sich gar nichts. Sie versuchte es noch einmal. Wieder nichts.

„Ach, ich vergaß es zu erwähnen, Professor", säuselte Hide spöttisch, als er Hermine Versuche bemerkte, „Wir haben ein Kraftfeld erzeugt, dass es leider nicht zulässt, dass Sie hier Magie wirken."

„Warum?", fragte Hermine und blieb allarmiert stehen.

„Weil wir es für nötig hielten! Sie werden es sehr schnell verstehen, bitte kommen Sie jetzt, wir wollen uns doch nicht verspäten!"

‚Versuch einen stablosen Zauber', bat Severus, sie mussten schnell herausfinden, ob das Kraftfeld, von dem Hide gesprochen hatte, sich auf alle Zauber bezog oder nur auf spezielle.

‚Accio Liane', befahl Hermine und konnte nur im letzten Augenblick der langen Schlinge ausweichen, die auf sie zu schnellte.

„Dann sorgen Sie bitte für mehr Licht, Mister Hide, ich wäre beinahe über eine Schlingpflanze gestolpert!", verlangte Hermine und schob geistesgegenwärtig die Liane von sich, als Albert Hide sich nach ihr umgedrehte.

„Aber Professor, wir wollen doch die stimmungsreiche Atmosphäre nicht kaputtmachen, Sie müssen eben etwas vorsichtiger sein", höhnte Hide, „Außerdem sind wir bald da."

Hermine atmete etwas beruhigt auf, diese Menschen dachten wohl, dass es reichen würde, ihren Zauberstab auszuschalten. Gut, sollten sie nur! Und während sie weiter durch den Dschungel stolperte, griff sie in ihre Umhangtasche und ließ den unscheinbaren Stein fallen, den Severus zuhause mit großem Geschick in einen Ortungspunkt verwandelt hatte.

Das kleine metallene Firmenzeichen am Bund ihres Slips hatten sie schon in Hogwarts aktiviert, es sandte in regelmäßigen Abständen kleine Signale, die Kingsley und die anderen auf einer detaillierten Karte der Berge von Soralina, die in seinem Büro hing, verfolgen konnten.

„Sie bewegt sich auf die unsichtbare Mauer der Mkemeko zu", berichtete Kingsley auch gerade Severus, der für ihn ganz untypisch, einen pechschwarzen Umhang trug, „Sie hat den Stein am südlichen Ende der Bergzunge fallen gelassen."

Severus öffnete die Augen und zog seine Taschenuhr hervor, „Wir warten noch fünf Minuten, dann sollten Potter, Weasley und Du, nacheinander folgen. Minerva, Ginny und Jean können die Stellung hier halten."

„Wann kommst Du nach?"

„Ich will sehen, wo sie sie hinbringen, um dann möglichst nahe an sie heran zu kommen."

Kingsley nickte grimmig, „Gut!", befand er und wandte sich wieder der Bürotüre zu.

Erneut schloss Severus seine Augen und hörte gerade noch, dass Hermine ihn auf den rötlichen Schimmer zwischen den Bäumen des Urwaldes aufmerksam machte. Es dauerte auch keine zehn Minuten, da standen sie am Rande einer kleinen Lichtung, die sich direkt vor dem Felsspalt auftat, wo Hermine das komische Summen damals hingeführt hatte.

Hermine musste schlucken, die Situation war auch zu ähnlich. Wieder brannte ein großes Feuer in der Mitte und beleuchtete den kleinen, freien Platz mit seinem flackernden Licht. Direkt hinter dem hoch aufragenden Felsen stand ein herrlicher, kreisrunder Mond, der mit seinem fahlen Glanz der ganzen Szenerie eine noch seltsamere Stimmung verlieh.

„Ah, da seid ihr ja schon!", meldete sich eine helle Männerstimme und Thomas Slide trat in das hell erleuchtete Rund, „Herzlich Willkommen, Professor Granger, wie schön, Sie zu sehen!"

„Mister Slide", nickte Hermine und sah sich suchend um, „Wo sind denn die anderen?"

„Ach, die anderen sind nicht nötig!", winkte Slide lässig ab, „Sie alleine sind der Schlüssel zu allem!"

„Was soll das heißen?", Hermine zog die Augenbrauen zusammen.

„Das ist doch ganz einfach", lachte Slide und die anderen fielen in sein Lachen ein, „Sie werden uns in das Land der Zwölf bringen!"

„Was…, aber das ist doch unmöglich, … wie sollte ich…" stammelte Hermine und ging einen Schritt zurück, allerdings stieß sie gegen einen hünenhaften Kerl, der direkt hinter ihr stand.

„Weil sie nun mal die Richtige sind", erklärte Slide und legte die Hände auf den Rücken, „Wir hätten es ja auch nicht vermutet, ein Schlammblut wie Sie!"

„Wie bitte!", machte Hermine doch etwas überrascht von dieser plötzlichen Beleidigung.

„Tja, wie das Schicksal so spielt!", fuhr Slide ungerührt fort, „Ich wollte Sie ja eigentlich nur mitnehmen, damit Sie mir im Ausschuss nicht im Weg herumstehen oder gar dumme Fragen stellen, wie es sonst so gerne ihre lästige Art ist. Und natürlich nicht zuletzt um das verräterische Schwein mit dem Sie sich paaren mussten, etwas zu ärgern!", Slide lachte ein schmutziges Lachen, „Nicht wahr Al, sein Gesicht war zu schön, als er bei uns betteln kam, er wollte uns sogar Geld anbieten!"

„Allerdings", stimmte Hide gackernd zu und sah Hermine lauernd an, „Haben Sie ihm schon die ach so freudige Mitteilung überbracht, Professor Granger?"

„Ich weiß nicht, was Sie meinen!", stellte sich Hermine dumm.

„Die erfreuliche Nachricht, dass sie trächtig sind?"

„Trächtig?", Hermine wurde blass vor Empörung, wie konnten diese Menschen nur!

‚Bleib ruhig!', mahnte sie Severus beschwörend.

Hermine atmete tief durch, „Woher wissen Sie, dass ich schwanger bin?"

„Wir wissen alles, Verehrteste, wir wissen vor allem auch, dass Sie einen Bastard austragen!"

„Was erlauben Sie sich eigentlich?", keuchte Hermine und ihre Augen verengten sich vor Zorn förmlich zu Schlitzen.

„Ha!", lachte Slide, „Wenn Sie es genau wissen wollen: Alles! Ja, wir erlauben! Ganz recht! Wir haben hier das Sagen und wir haben Sie und ihr wertloses Leben in der Hand und ganz wie es eben die Art von solch minderwertigen Kreaturen wie Ihnen und Mister Potter ist, konnten Sie und dieser kleine Wicht ihre primitiven Triebe eben nicht unter Kontrolle halten, da sind solche Konsequenzen eben im Bereich des Möglichen!"

„Sie sind ein Lügner und Sie sind unerträglich!", spie Hermine aus und begann vor unterdrückter Wut zu zittern.

„Aber, aber, Verehrteste", flüsterte Hide bedrohlich, „Sie wissen es doch besser, sehen die Bilder jede verdammte Nacht, wie Sie sich mit ihm herumwälzen, sich von Ihrem sogenannten besten Freund durchficken lassen. Ihr schlechtes Gewissen frisst sie auf, jeden Tag ein bisschen mehr. Sie haben es mit Ihrem Freund getrieben, hinter dem Rücken Ihres Mannes. Sie sind eine Ehebrecherin und Sie sind eine Lügnerin! Und seien Sie ehrlich – Sie spüren ganz tief in sich, dass ich vollkommen recht habe, nicht wahr!"

„Nichts wissen Sie!", erboste sich Hermine und ballte ihre Hände zu Fäusten.

„Ja, leugnen Sie es nur! Schade ist nur, dass wir Sein Gesicht nicht sehen, wenn er es erfährt!", bedauerte Slide.

„Allerdings! Das wäre noch schöner gewesen, als sein Gesicht zu sehen, wenn wir sie doch, wie ursprünglich gedacht, entsorgt hätten", stimmte Hide mit leuchtenden Augen ein.

„Ja, darauf hatte ich mich schon sehr gefreut. Aber ich denke, mein Bester, wir sorgen schon noch dafür, dass er es erfährt, damit sich in seine rührende Sorge um seine heiß geliebte Frau ein gehöriges Maß an Wut auf sie und Mister Potter gesellt! Mal sehen wer von den beiden ehrenwerten Herren das überlebt! Haha!" Beide stimmten in ein Lachen ein, das sowohl Hermine, als auch Severus einen kalten Schauer den Rücken hinunter rieseln lief.

„Sie wollten mich also umbringen?", fragte Hermine und versuchte ihre Wut einigermaßen unter Kontrolle zu halten, „Warum?"

„Einfach weil Sie und Ihr feiner Ehemann es verdient haben!", antwortete Slide lapidar.

„Ja, Sie haben es verdient!", schleuderte Hide hinterher und wurde ganz rot im Gesicht, „Das und vieles mehr! Sie haben kein Recht darauf glücklich zu sein! Niemals wieder! Und darum habe ich die letzten Wochen und Monate genossen wie nichts zuvor. Es war herrlich Ihre verquollenen Augen zu sehen, das Weinen ihrer Tochter und den Zorn ihres werten Gemahls. Es war wundervoll! Sie haben all das mehr als verdient!"

„Ach?", auch Hermines Stimme überschlug sich, „Und wodurch, wenn ich fragen darf?"

„Tse, Tse, meine Teuerste, wo bleibt denn ihre Contenance?", höhnte Slide und klopfte Hide beruhigend auf die Schulter, „außerdem sagte ich es doch bereits, sie hören es vielleicht nicht gerne, aber er ist ein verkommener, schmutziger Verräter und Betrüger und Sie sind einfach nur wertloser Abschaum, Müll der magischen Gemeinschaft so etwas muss entsorgt werden, das werden Sie doch verstehen!"

„Sie sind Todesser!", schloss Hermine angewidert und funkelte Slide und Hide böse an.

„Wir sind Getreue!", fuhr Hide wütend dazwischen, „unser Mal ziert keinen treulosen Unterarm, sondern das Zeichen des dunklen Lords ist in unser Herz selbst gebrannt!"

„Ach, Al!", meinte Slide bedauernd zu seinem Verbündeten, „Das versteht sie sowieso nicht!"

„Da haben Sie völlig recht", spie Hermine ihm entgegen, „das verstehe ich nicht, aber ich verstehe auch nicht, warum Sie dann Ihren feinen Plan nicht in die Realität umgesetzt haben? Wo Sie sich doch schon so darauf gefreut haben!"

„Weil es so viel amüsanter war", lachte Hide wie von Sinnen, „all das schöne Geheule und Geschreie, es war herrlich! Köstlich, wie schön Sie winseln und betteln konnten, als wir uns mit Ihnen etwas … beschäftigt haben!"

„Beschäftigt?", höhnte Hermine voller Wut, „Gefoltert trifft es doch wohl eher, Sie Widerling!"

Hide schleuderte ihr einen Fluch direkt vor die Füße, der das Gras um sie herum in Flammen aufgehen ließ, Hermine hüpfte erschrocken zur Seite, „Nennen Sie es wie Sie es wollen, Professor Granger, aber Sie sollten Ihre lose Zunge im Zaume halten!"

„Allerdings!", nickte Slide grinsend, „Aber Teuerste, Sie leben auch nur noch, weil Sie uns noch nützlich sein werden und damit kommen wir von den netten Dingen des Lebens zu den eigentlichen Dingen des Lebens! Das wunderbare Reich der Zwölf!"

„Ich soll Sie also, wie auch immer, in dieses geheimnisvolle Land bringen, nur damit Sie mich hinterher ermorden", rekapitulierte Hermine aufgebracht, „Sie spinnen ja! Warum sollte ich das denn tun?"

„Ja, warum nur, lassen Sie mich mal überlegen! Ah ja! Vielleicht, weil wir das hier haben!", in Slides Augen blitzte es und er winkte einem Fackelträger zu, der ein Bündel trug und achtlos vor Slide auf den Boden fallen ließ. Dabei entwich aus dem Packen ein jämmerliches Stöhnen.

„Sera!", schrie Hermine entsetzt und Severus riss erschrocken die Augen auf. Sie wollte zu der kleinen bewusstlosen Gestalt auf dem Boden eilen, wurde aber von zwei starken Händen zurückgehalten.

„Jean!", brüllte Severus in den Kerkern von Hogwarts aufgeregt und stieß schon die Kinderzimmertüre auf, hektisch murmelte er ein Lumos und zerrte am Bettzeug seiner Jüngsten.

„Was ist denn los Dad?", murmelte Eileen aufgeschreckt und rieb sich verschlafen die Augen.

„Severus?", seine Schwiegermutter stand im Türrahmen und sah ihn fragend an.

„Grundgütiger!", krächzte Severus und versuchte sein wild schlagendes Herz zu beruhigen. Seine Jüngste drehte sich gerade um und blinzelte ihren Vater sehr missbilligend an, „Dad, mir ist kalt!", nuschelte sie und griff sich die Decke, die ihr Vater ihr so rüde weggerissen hatte.

Merlin sei Dank! Sein Herz schlug ihm bis zum Hals.

„Entschuldigt, ich war kurz eingenickt und hatte einen Albtraum!", ächzte er und löschte mit zitternden Händen das Licht, „Schlaft weiter, gute Nacht!"

Als er wieder im Wohnzimmer stand, atmete er erst einmal tief ein und aus. Unglaublich! Diese Schweine! Diese dreckigen, verdammten Schweine!

„Was ist geschehen?", Jean trat neben ihn und strich über seinen Arm.

„Sie behaupten, dass sie Sera haben", erklärte er abwesend und versuchte sich eilig zu beruhigen, dann schloss er erneut seine Augen.

Auf der kleinen Lichtung in Afrika spielten sich in der Zwischenzeit dramatische Szenen ab. Hermine versuchte sich mit aller Kraft aus dem Griff der sie hielt zu befreien und rief ihre vermeintliche Tochter an.

‚Hermine', versuchte er Kontakt aufzunehmen, ‚hör mir zu, es ist nicht Sera!'.

Er kam nicht durch.

‚Hermine Granger! Verflucht! Es ist bestimmt ein Zauber oder sie haben Vielsafttrank oder etwas anderes genommen, ich habe nachgesehen!' Jetzt schien es zu klappen.

‚Bist Du Dir sicher', glaubte ihm seine Frau trotzdem nicht so recht.

‚Ganz sicher, ich habe mit ihr gesprochen', versicherte ihr Severus. Diese erlösende Botschaft drang aber nur Stück für Stück durch ihren angstvernebelten Geist.

Es dauerte, bis Hermine sich beruhigte und mit mühsam beherrschter Stimme fragte, „Was haben Sie ihr angetan?"

„Nichts dramatisches, sie ruht sich ein bisschen aus, nachdem Albert ein klein wenig mit ihr … gespielt hat!", Slide lachte den anderen zu, „So, wie wir auch mit Ihnen zuweilen etwas … gespielt haben!"

„Sie elendiger, gemeiner Hurenbock!", schrie Hermine, Hides Warnung bezüglich ihrer Beschimpfungen völlig vergessend, was ihr diesmal mehrere gut gezielte und sehr schmerzhafte Flüche einbrachte.

„Unglaublich, wie vergesslich so ein ungemein gescheites Schlammblut sein kann! Sie sollten sich besinnen und dafür sorgen, dass wir nicht auch noch ihren anderen Sonnenschein bemühen müssen", riet ihr Slide hämisch, was Hermine voller Wut einen Büschel Grünzeug ausreißen ließ, das unglücklicherweise neben ihr wuchs.

„Was wollen Sie, verdammt?", knirschte sie schließlich, als sie sich wieder berappelte und mühsam aufrichtete.

„Ihre geschätzte Kooperation, was sonst", säuselte Slide.

„Ich soll Ihnen also helfen, nur damit sie mich dann umbringen und meine Tochter gleich mit?", erboste sich Hermine.

„Ja, das dürfen Sie, Gnädigste", feixte Slide, „denn dadurch ersparen Sie sich, aber vor allem Ihrer süßen Kleinen hier große Schmerzen."

„Sie haben die Wahl, Professor", zischte Hide, „verdienen Sie sich und ihrem Balg einen schmerzlosen Tod."

‚Geh darauf ein', riet Severus eindringlich, ‚sonst demonstrieren sie Dir nur ihre Überlegenheit.'

Aber seine Frau schien noch mit sich zu ringen, ihr Blick huschte immer wieder zu der kleinen Gestalt am Feuer, die so täuschend echt aussah und mit ihrem wirren Haar und den vielen kleinen Wunden ihr Herz bluten ließ. Doch schließlich gab sie sich einen Ruck und sie streckte den Rücken durch.

„Was muss ich tun?", presste sie mühsam beherrscht zwischen den zusammengebissenen Zähnen hindurch.

„Wirklich nicht viel", rieb sich Slide die Hände und auch die anderen lachten leise, „kommen Sie näher und sprechen Sie den Zauberspruch der hier auf diesem Pergament steht."

Die Hände, die ihre Oberarme in einem schraubstockähnlichen Griff gehalten hatten, ließen sie los und sie stolperte vorwärts. Einem ersten Impuls folgend, wollte sie sich dem bewusstlosen Kind widmen, aber Slide hielt sie zurück. „Na, na, Professor, das können Sie später tun, sie läuft ihnen nicht weg!", und er hielt ihr grinsend ein Stück Papier entgegen, das sie ihm mit einem verächtlichen Blick aus der Hand riss.

Schnell überflog sie das Blatt und dort stand fast wörtlich der Zauberspruch, den sie schon rekonstruiert hatten, auch die nötige Stabbewegung war beschrieben.

Sie blickte auf und funkelte Slide an, „Wie soll ich das denn machen, wenn mein Zauberstab hier nicht funktioniert?"

„Wir heben gleich den Bann auf", antwortete Slide und winkte Albert Hide heran, „aber vorher tragen wir noch Sorge dafür, dass Sie nicht auf dumme Gedanken kommen."

Hide bückte sich zu der falschen Sera herab und flößte ihr geschickt ein kleines Fläschchen mit rosaroter Flüssigkeit ein. „Dieser Trank enthält Nundu-Atem und Ihre süße, kleine Tochter wird in der nächsten halben Stunde sehr, sehr qualvoll sterben, wenn Sie sich nicht beeilen, oder aber Ihren Stab für andere Dinge missbrauchen sollten. Wenn Sie aber so klug sind und kooperieren, Professor, dann gebe ich ihr nachher vielleicht das Gegengift. Haben Sie das verstanden?"

„Ja, habe ich, Sie elendige Kreatur!", tobte Hermine, womit sie sich einen neuerlichen Fluch einhandelte.

‚Lass das, verdammt!', rügte sie Severus ärgerlich, ‚willst Du, dass Du so geschwächt bist, dass Du nicht mehr agieren kannst, wenn es gilt?'

‚Schon gut!', fauchte Hermine und rappelte sich wieder auf.

‚Außerdem solltest Du wissen, dass Nundu-Atem gelb ist, wie sollte dieser Trank also rosa werden?'

‚Dann ist es vielleicht etwas anderes Teuflisches. Ist auch vollkommen egal, womit sie dieses arme Kind da quälen', entgegnete Hermine wütend.

Dann zückte sie mit verabscheuendem Blick auf Slide und Hide ihren Stab, hielt sich das Stück Pergament vor die Nase und sprach laut und deutlich den Spruch. Doch kaum hatte sie den letzten Schlenker ihres Stabes getan, flog er ihr auch schon aus der Hand. „Wir wollen Sie doch nicht in Versuchung führen, Professor!", höhnte Slide und steckte ihn in seine Tasche.

„Das Gegengift!", verlangte sie und deutete auf das Kind.

„Das hat noch Zeit, erst wollen wir sehen, ob Ihr Spruch wirkt!", entschied Hide.

Alle starrten gebannt auf die unscheinbare Felswand, aber es tat sich gar nichts.

Diese Wartezeit nutzte Severus, stand behände auf und eilte in sein Büro, „Ist der Portschlüssel fertig?"

„Ja, hier ist er", Minerva reichte ihm mit spitzen Fingern einen alten Socken. Bei Gelegenheit musste er sich mal eingehend Gedanken darüber machen, warum Portschlüssel immer alt, gammelig und eklig sein mussten, dieser hier roch sogar noch streng.

„Aktiviere ihn sofort", wies er Minerva an, die auch sofort seinem Wunsch nachkam.

„Ich komme mit Dir mit, Severus!", verkündete Jean überraschend und fasste ebenfalls einen Zipfel der Socke an, die gerade zu glimmen anfing.

„Was? Auf keinen Fall!", rief Severus entsetzt und versuchte ihr den Socken wegzuziehen.

„Auf jeden Fall!", entgegnete Jean fest und es entspann sich ein kleines Sockentauziehen, „Das ist meine Tochter und ich werde sie da unten nicht alleine lassen!"

Er wollte gerade den Mund aufmachen, um ihr gründlich die Meinung über ihr idiotisches Vorgehen mitzuteilen, da wurde er unterbrochen.

„Dad?", Severus wirbelte herum und sah seine Tochter Eileen in der Tür stehen.

„Verdammt! Was tust Du hier, geh sofort ins Bett!", schnauzte er seine Älteste an und versuchte seiner Schwiegermutter weiterhin die Socke zu entreißen, die immer heller leuchtete.

„Ich werde nicht gehen!", widersprach auch Eileen entschieden und kam sogar näher.

Bei Merlin, waren denn alle verrückt geworden, das hier war doch kein Spaß!

„Ich werde es garantiert nicht erlauben, dass…", setzte er an, da aktivierte sich der Portschlüssel auch schon und er sah nur noch aus den Augenwinkeln heraus, dass der Arm seiner Tochter hervorschnellte, dann hakte sich etwas in die Gegend seines Bauchnabels ein und zog ihn in einen wilden Strudel.