Hart war die Landung etwa 100 Yards von der Lichtung entfernt. Und auch Jean neben ihm musste einen kleinen Schmerzenslaut unterdrücken. Er schob grob ein Bein von seinem Gesicht und rappelte sich auf. Dann blitzte er seine Tochter und seine Schwiegermutter wütend an, „Seid gewiss! Darüber reden wir noch!"
„Wo sind wir?", fragte Eileen leise und drückte sich an ihren Vater heran.
„In Afrika, verdammt!", zischte er, „Und jetzt kein Wort mehr!"
Er schloss seine Augen und versuchte erneut mit seiner Frau Kontakt aufzunehmen.
Die kniete inzwischen neben dem leblosen Kind und hatte es zärtlich in die Arme genommen. Hide und Slide gingen mit gezückten Taschenuhren unruhig auf und ab, „Er wirkt nicht!", murmelte Hide besorgt.
„Er wirkt schon", war sich Slide sicher, „wir warten noch die paar Minuten, es sind noch keine zwölf um."
Severus öffnete seine Augen, griff nach dem Arm seiner Tochter und winkte auch Jean ihm zu folgen, dann zerrte er Eileen nicht besonders sanft auf den Lichtschein der Lichtung zu. Kurz bevor sie Sichtkontakt hatten, zückte er seinen Zauberstab und sprach einen Schweigezauber über seine Tochter, dann drückte er sie auf die Erde und schob sich zusammen mit ihr nah an den Saum des Waldes heran.
Sie kamen gerade recht, ein leichtes Zittern ließ den Boden unter ihnen erbeben und das schon bekannte Summen war erst ganz leise, dann immer lauter werdend zu vernehmen.
„Ha! Kommen Sie her!", befahl Slide Hermine, und als sie sich nicht schnell genug von der Person, die so aussah wie ihre Tochter Sera trennen konnte, riss Hide sie rüde weg.
Das Summen war mittlerweile ohrenbetäubend, trotzdem zupfte Eileen aufgeregt an seiner Robe und er wisperte ihr abweisend zu, „Nein, es ist nicht Sera!"
Doch das Zupfen wurde nicht weniger, ganz im Gegenteil „Was?", fauchte er ärgerlich und beugte sich zu seiner Tochter herab, die aufgeregt nach oben deutete. Bei Merlin, tatsächlich! Diese Felswand war gar keine Felswand, es war eine riesige Mauer mit mächtigen Türmen und der Felsspalt war in Wirklichkeit ein breites, reich verziertes Tor, das aus purem Gold im Schein des Feuers glänzte.
„Großer Gott!", raunte Jean links neben ihm tief beeindruckt.
„Na, also!", Slide umarmte Hide und verbeugte sich anschließend voller Hohn vor Hermine, „So, werte Professor Granger, jetzt müssen Sie nur noch eintreten. Bitte sehr!"
Hide unterstrich diese Einladung mit einem Stoß in ihre Rippen, was Eileen aufzucken ließ.
Langsam bewegte sich Hermine vorwärts. Als sie vor dem funkelndem Tor stand, strich sie ehrfürchtig über das blanke Metall und drückte dann gegen den rechten Flügel der Tür. Mühelos ließ es sich aufschieben. Das gleiche wiederholte sie auch bei dem linken Flügel und schnell standen beide Torhälften weit offen.
Severus beugte sich zusammen mit den beiden anderen vorsichtig nach vorne. Durch das Tor sah man eine wunderschöne Landschaft im sphärischen Licht des bleichen Mondes. Zwar immer noch unbestritten afrikanisch, aber lange nicht so wild und unbezähmt, sondern eher elegant und kultiviert.
„Gehen Sie schon, verdammt! Aber ganz langsam und denken Sie immer daran, wir haben hier noch was, was Ihnen gehört!", wies Hide zischelnd Hermine an, die staunend stehen geblieben war.
Doch sie ging nicht weiter, sondern drehte sich um, „Und warum tun Sie das nicht? Warum gehen Sie nicht rein?" fragte sie, „Sie haben doch jetzt alles, was Sie wollen, lassen Sie uns in Ruhe nach Hause gehen!"
„Oh, netter Versuch!", lachte Slide und leckte sich schon die Lippen, angesichts des zu erwartenden Schatzes, den Hermine ihm soeben auf dem Silbertablett präsentiert hatte, „Sie werden da hineingehen und wieder herauskommen. Dann erst werden wir Ihnen folgen!"
Hermine schüttelte resigniert den Kopf und trat einen Schritt durch das Tor, nichts geschah, dann machte sie noch einen, zwei, drei, vier, fünf und sah sich voller Bewunderung um.
Einige Augenblicke genoss sie die herrliche Landschaft, aber dann seufzte sie auf, sie war nicht zum Vergnügen hier. Leider.
Sie wollte sich gerade wieder der Lichtung zuwenden, da erschien wie aus dem Nichts Mbaba vor ihr und verbeugte sich tief.
„Löwenfrau! Sei gegrüßt!", murmelte sie und lächelte Hermine liebevoll an, die sich ebenfalls verbeugte und den Gruß erleichtert erwiderte.
„Wer seid Ihr?", tat sie unwissend.
„Ich Mbaba, Erste des Ältestenrates und freue mich Euch zu sehen!"
„Ich freue mich ebenfalls…", Hermine wurde durch einen kleinen, unwilligen Laut abgelenkt, Slide machte sich ihr bemerkbar und sein Kopf ruckte zu der Stelle, an der das Sera-Double in Hides Armen hing, ein Messer lag an ihrer Kehle, Hermine schluckte nervös, „Mbaba hier sind einige Leute, die würden Euer wunderbares Land auch gerne sehen."
„Alle Freunde von Löwenfrau sind willkommen!", verkündete Mbaba deutlich.
Doch Slide und Hide schienen nicht so schnell bereit der Einladung zu folgen. Darum schickten sie zuerst einen der Helfershelfer vor. Der große Hüne mit den blonden Haaren war der, der Hermine vorhin festgehalten hatte, aber jetzt, als sein Gesicht zu sehen war, erkannte Severus ihn auch als den, der Hermine in ihren Erinnerungen Gewalt angetan hatte. Wütend knirschte er mit den Zähnen und erntete dafür sofort einen schmerzhaften Rippenstoß von Frau Dr. Kieferorthopädin.
Argwöhnisch ging der Mann auf das Tor zu und auch auf seinem Gesicht, spiegelte sich, wie bei Slide, Hide und allen anderen der Kampf zwischen Misstrauen und Begehrlichkeit wider. Aber es passierte gar nichts, als er die Schwelle zum Land der Mkemeko überschritt und sogleich wurde ein weiterer von Slides Leuten geschickt, der ebenfalls völlig unbeschadet die Schwelle zum Land der Zwölf überschritt.
Dermaßen ermutigt, folgten endlich auch Hide und seine Mutter Professor Broomberry, die sich bis jetzt unsichtbar im Hintergrund gehalten hatte und als Letzter ging auch Slide ins Land der Mkemekos.
Kaum hatte der aber das Tor passiert, schloss es sich blitzschnell und fast völlig lautlos und die ganze Gruppe wirbelte entsetzt herum.
„Verdammt!", wollte auch Severus gerade ausrufen, als er schon wieder dieses unangenehme Gefühl des Angelhakens unter dem Bauchnabel spürte und sich im nächsten Augenblick auf der anderen Seite des Tores in einem leider sehr stacheligen Gebüsch wiederfand. So schnell er konnte entwirrte er seine Glieder und rappelte sich hoch. Dabei hatte er schon vorausschauend im Aufstehen seinen Zauberstab gezückt.
Doch Merlin sei Dank, keiner der Slideleute hatte seine Anwesenheit bemerkt, die waren immerhin damit beschäftigt, besorgt zwischen Mbaba und dem nun geschlossenen Tor hin und her zu schauen.
„Was führt Euch ins Land der Zwölf?", hörte er gerade Mbaba fragen, was Slide, der sich in den Vordergrund schob auch sogleich beantwortete, „Wir sind Forscher und suchen schon seit Jahren nach einem Heilmittel gegen Malaria, wir wissen aus unzähligen Büchern, wie weise und mächtig Euer Volk ist, wir erbitten Hilfe und Unterstützung für unser Bemühen, den Kranken beizustehen!"
„Welch ehrbare Absichten", lobte die Älteste, „Alle anderen kommen wegen Gold und Macht!"
„Wir nicht!", wies Slide solch niedere Beweggründe weit von sich, „Aber vielleicht führt Ihr uns in Eure Stadt, dann können wir alles ganz genau und in Ruhe besprechen."
„Gerne! Unser Volk sehr freuen über Gäste! Feiern heute großes Fest!", strahlte Mbaba Hermine an und wies hinter sich, „Übrigens großes Glück für Euch!", ergänzte sie, „alle Menschen wegen Gold und Macht müssen sterben!"
Hide wurde bleich, „Sterben?"
„Ja, sterben. Sobald sie durch Tor treten!", Mbaba wies auf die goldene Mauer in ihrem Rücken.
„Na, dann ist es ja gut!", atmete Hide erleichtert auf, aber Dr. Broomberry fragte allarmiert nach, „Wie sterben sie denn?"
„Schlimmer, qualvoller Tod! Sie werden zu glänzendem Stein, wie Wächter", sie zeigte mit ihrem Stab rings herum. Als Severus den Kopf hob, sah er in dichter Reihe goldene Statuen am Rand der Zinnen stehen. Es waren hunderte, wenn nicht mehr.
„Sie sind verdammt, müssen wachen immerdar, weil Feinde meines Volkes", erklärte Mbaba weiter und drehte sich zu Hide, „Du weißt wovon Mbaba erzählt, Du schöne weiße Frau mitgenommen."
„Sie war meine Mutter!", mischte sich Slide aufgebracht ein, „Sie war ebenfalls nicht wegen des Goldes hier, sondern wegen der Forschung!"
„So?", Mbaba machte große Augen, „Zauber kann nicht getäuscht werden!"
„Der Zauber hat sich aber getäuscht, sie wurde zu Unrecht verflucht!", bestand Slide und funkelte die Älteste böse an.
„Treuer Sohn!", murmelte Mbaba mitleidig, was Thomas Slide nicht besonders zu gefallen schien, denn er setzte schon zu einer Erwiderung an, als er unterbrochen wurde.
„Mister Slide!", meldete sich der blonde Hüne mit panischer Stimme.
„Was?", Slide wirbelte herum.
„Ich weiß nicht, ich…" er brach ab, presste seine Hände mit gequälter Miene auf seine Körpermitte und starrte mit ungläubigem Staunen an sich herunter.
Da der blonde Helfershelfer mit dem Rücken zu Severus stand, konnte er nichts erkennen, und so fragte er aufgeregt Hermine, ‚Was geschieht da?' Diese keuchte erschrocken auf und wendete schon den Blick zu dem anderen Mann, der ebenfalls angstvolle Laute von sich gab und hilfesuchend auf Slide blickte.
‚Ihre Genitalien schwellen an!', antwortete sie dann erschüttert, ‚und … und sie sind aus
Gold'.
Ha! Bei Merlin! Beinahe hätte er laut seine Genugtuung herausgerufen, aber die würde wahrscheinlich erst dann komplett, wenn alle diese Verbrecher ein ähnlich qualvolles Ende nehmen würden.
„Was hat das zu bedeuten?", schrie Slide und wirbelte zu Mbaba herum.
„Strafe für sehr schlimme Taten!", antwortete diese leise und wies auf Hermine.
Blitzschnell zückte Hide seinen Zauberstab und richtete ihn auf Mbaba.
Slide aber sprang ähnlich schnell zu Hermine und hielt ihr seinen Stab an die Kehle, „Sie sorgen sofort dafür, dass das aufhört!", befahl er herrisch.
„Geht nicht!", antwortete Mbaba achselzuckend, „Zauber mächtig und alt, wir keine Macht über ihn!"
„Dann lass uns hier raus, augenblicklich!", auf Slides Oberlippe bildeten sich Schweißtropfen.
„Geht auch nicht", Mbaba schüttelte langsam den Kopf.
„Dann wirst Du und dieses Schlammblut hier eben sterben!", zischte Slide und zeitgleich mit dem ersten Wisch seines Zauberstabs zog Severus seinen und stürmte aus dem Gebüsch.
„Sie lassen Sie auf der Stelle los!", befahl er mit kalter Stimme, „alle beide!"
„Snape!", keuchte Slide und warf ihm einen hasserfüllten Blick zu, und seine Zauberstabspitze rückte noch näher an Hermines Hals heran.
„Gut erkannt", schnaubte Severus, „und nun tun Sie was ich sage, sofort!"
„Warum sollte ich?", antwortete Slide, „nur weil Du elendiger Betrüger es sagst?"
„Zum Beispiel", gab Severus zurück und ließ keinen der Beteiligten auch nur eine Sekunde aus den Augen, „aber vor allem, weil ich Sie sonst töten werde!"
„Haha!", lachte Slide kurz auf, „Vielleicht kannst Du alten Männern den Gnadenstoß geben, Snape, aber wir wissen doch alle, dass Du ansonsten ein kleiner, jämmerlicher Feigling bist!"
„Nicht!", mahnte Hermine mit kicksender Stimme, sie hatte das Zucken in seinen Augen richtig gedeutet und tatsächlich, es hätte nicht viel gefehlt und er wäre auf Slides Provokation eingegangen. Verdammt!
„Ja!", höhnte Hide, „hören Sie auf ihre Frau, sie ist wie immer so herrlich besorgt um Sie!"
„Richtig, richtig", amüsierte sich Slide, „genau so besorgt wie vor wenigen Wochen, als sie Dich bei der erst besten Gelegenheit mit einem anderen betrogen hat, Snape!"
„Hat sie nicht!", presste Severus mühsam beherrscht zwischen den Zähnen hindurch, er hing immer noch bei dem ‚Feigling'.
„Ach nein?", lästerte Slide, „wer hat ihr dann das Kind gemacht, dass sie trägt? Oder wusstest Du es noch gar nicht, dass Deine, Dich liebende Frau einen Bastard erwartet?"
„Doch, das ist mir bekannt, es ist von Harry Potter", antwortete Severus schlicht, „und wir wissen auch sehr genau wie das geschehen ist. Meine Frau hat es doch vorhin schon gesagt: Sie haben Sie gefoltert und ihr Gewalt angetan und dann haben Sie sie gezwungen die Zeichen zu suchen. Das mit Harry Potter war wohl ein kleiner netter Zeitvertreib im öden Dschungelleben. Eine abartige Abwechslung für kranke Gestalten, wie Sie und Ihre Kumpane es sind. Und für all dies werden Sie bestraft werden und wenn es nach mir geht, erleiden Sie alle hier einen äußerst unangenehmen und schmerzhaften Tod!"
Hide und Slide tauschten einen schnellen Blick und Albert Hide wurde etwas bleich, was aber auch daran liegen konnte, dass die goldenen Genitalien der beiden Helfershelfer sie unter stetigem Stöhnen, Ächzen und Schreien zu Boden zogen, dort wälzten sie sich mittlerweile in Qualen wie Aale. So was konnte schon etwas ablenken.
„Sie hat Sie angelogen", fing sich die Broomberry als erste, „Schlammblüter können doch nichts anderes als lügen und Weiber, die ihre Triebe nicht im Griff haben versuchen immer ihren Kopf mit haarsträubenden Geschichten aus der Schlinge zu ziehen."
„Ich stimme Ihnen zu, Professor Broomberry, diese Geschichte ist mehr als wild, aber leider ist sie nicht gelogen, ich würde es mir wahrlich wünschen", entgegnete Severus und Hermine musste seufzen, bevor sie mit leiser, aber fester Stimme das Wort ergriff.
„Wir wissen eigentlich alles. Wir wissen dass Sie, Mister Hide, Amos Carter vergiftet haben, Ihre Katzenallergie und der Umstand, dass Sie Linkshänder sind, haben Sie verraten. Außerdem konnten wir herausfinden, dass Professor Broombrerry Mister Hides leibliche Mutter ist und immer schon eine Affinität für Voldemort hatte, immerhin spricht man davon, dass einer der Todesser des inneren Kreises ihr Vater ist. Und vor allem wissen wir, dass Sie, Mister Slide, ungeheure Mengen an kostbaren, meldepflichtige Trankzutaten in Alltagstränken schmuggeln, ein Vergehen, das Sie für viele Jahre hinter die Mauern von Askaban bringen wird. Denn im Grunde ging es wohl immer nur um das Übliche: grenzenlose Macht, Gold in unbegrenztem Umfang und primitive Rache!"
„Du unnützes Schlammblut", schrie Slide, „wenn Du schon alles zu wissen meinst, dann weißt Du sicher auch, dass Dein Ende da ist!", er schwang seinen Zauberstab, „Avada Kedavra!"
Doch Hermine war vorbereitet, schon als Severus aus dem Gebüsch gestiegen war, hatte sie mit einem unbemerkten Accio ihren Zauberstab aus Slides Tasche gezaubert. So konnte sie nun relativ gelassen agieren. „Protego incendium!", rief sie deutlich und sogleich erschien zwischen ihr und Slide eine Feuerwand, die den Todesfluch schluckte, aber Slide durch das Feuer und die entstandene Explosion schreiend zurückweichen ließ.
„Du Hure!", brüllte Hide entzürnt und schaute besorgt zu seinem weggesprengten Freund, der sich über die blutende Nase wischte und sich beeilte die angesengten Stellen seines Umhanges auszuklopfen, „das wirst Du büßen!"
„Nein, Sie werden das büßen!", entgegnete Severus voller Zorn und schleuderte ihm einen Vagusfluch auf den Hals der Hides dürren Körper in schmerzhafte Krämpfe und Zuckungen hüllte und ihn schreiend zu Boden warf.
„Das ist für meine Frau, Du Mistkerl!"
„Severus!", tadelte Hermine entsetzt, hatte aber gerade damit zutun, einen teuflischen Fluch von Slide abzuwenden. Es wäre ihm im Augenblick auch ganz egal gewesen, denn sein Zorn hatte sein Gewissen gerade völlig überrollt. Hätte Professor Broomberry nicht einen Fluch auf ihn geschleudert, er hätte den Varus so schnell nicht von Slide genommen! Ganz gewiss nicht!
Mühsam rappelte sich Hide wieder auf, „Tut gut, nicht wahr Hide?", fragte Severus und versuchte einen „Sectumsempra!" an ihm. Leider war Hide noch zu flink und wich dem Fluch im letzten Augenblick stöhnend aus.
Er hörte, dass Hermine aufatmete und ein „Oppugno!" in den Ring warf, womit sie den beiden Männern unzählige Skorpione auf den Hals hetzte. Professor Broomberry schrie wie am Spieß, sie stand wohl nicht so auf diese schwarzen Tierchen, schaffte es aber ein zitterndes „Duro!" zu sprechen und sich und ihren Gefährten etwas Luft zu verschaffen.
In den nächsten Minuten war das sonst so friedliche Land der Zwölf der Schauplatz eines erbitterten Kampfes. Skurriler Weise beteiligte sich Mbaba überhaupt nicht, sondern stand wie ein Zaungast mal hier, mal da auf ihren Stock gestützt. Gefährliche Flüche flogen ihr nur so um die Ohren, es schien sie nicht zu kümmern. Wahrscheinlich war sie eh nur ein Hologramm, ging es Severus durch den Sinn. Ihr Blick galt allein Hermine und allem Anschein nach, hatte sie nicht den Eindruck, dass ihre Hilfe von Nöten sei.
Und sie hatte recht! Die gar mächtige Löwenfrau lief nämlich gerade zur Höchstform auf.
Unauffällig hatte sie sich zu Severus vorgearbeitet und kämpfte nun Seite an Seite mit ihm gegen Slide, Hide und Broombrerry. Und obwohl es drei gegen zwei stand und selbst die beiden Schergen trotz ihrer erkennbaren Qualen noch die Dreistigkeit hatten den ein oder anderen Fluch beizusteuern, brauchte man kein ausgewiesener Kampfexperte zu sein, um zu erkennen, dass hier eine sehr machtvolle, kluge und gut vorbereitete Hexe und ein ihr in diesen Dingen ebenbürtiger Zauberer am Werk waren.
„Geben Sie auf Slide!", rief Hermine irgendwann etwas außer Atem, „Es wird Ihnen eh nichts nützen und Sie werden das gleiche Schicksal erleiden, wie Ihre Mutter!"
„Das werden wir ja sehen, Du kleines Dreckstück!", zischte Hide an seiner Stelle. Thomas Slide war wohl auch gerade zu beschäftigt um zu antworten, denn Severus hatte die Erde unter ihm erbeben lassen und er war mal wieder zu Boden gefallen.
„Das Gleiche gilt auch für Sie Hide", versuchte es Hermine erneut und blockierte geschickt den Zauber von Broomberry, ihre Stirn zeigte dabei tiefe Konzentrationsfalten und sie blutete leicht an der Oberlippe und am rechten Arm, „Ich an Ihrer Stelle würde mich am Ende meines Lebens lieber Besinnen und versuchen etwas von all dem vielen Unrecht wieder gut zu machen, das ich anderen angetan habe."
„Dann hätte ich wohl noch fünf Kerle holen sollen, um Dir diesmal ohne Gedächtniszauber zu zeigen, wo Dein Platz ist, Du Schlammblut", spie er ihr entgegen und probierte einen weiteren Todesfluch, der nur einen armen Baum in brennholzgroße Stücke zertrümmerte.
„Lass dieses Pack, sie sind unverbesserlich!", wies sie Severus genervt an, dass sie auch immer noch an das Gute im Menschen glaubte, unmöglich! Er hätte viel lieber seinen Zauberstab weggeworfen und diesen Typen ganz ohne Magie genüsslich den Hals herumgedreht, als ihnen weise Ratschläge für ihr Seelenheil zu geben.
„Ich habe mich eh gewundert", ließ Hermine sich aber wie erwartet nicht von ihren missionarischen Versuchen abbringen, „dass Sie das nicht selbst erledigt haben, Mister Hide", sie parierte einen Fluch von Slide und schickte sofort einen Erstarrungszauber zurück, der sein Ziel immerhin streifte und Slides ganze linke Seite unbrauchbar machte.
„Er wird wohl nicht nur einen Mangel an Gehirn und Gewissen, sondern auch an Potenz haben!", schlug Severus vor.
„Du Schwein!", schrie Hide rasend und versuchte Slide mit seinem Körper zu schützen, „mir mangelt es an gar nichts, aber ich mache mir doch an einem solchen Stück Dreck wie Deinem Weib nicht die Finger schmutzig!"
„Ach nein?", schnaubte Hermine angewidert und schickte ihm einen Zauber auf den Hals, der ihn innerhalb von wenigen Sekunden bis zum Hals in stinkendem Dung versinken ließ.
„Sehr kreativ, meine Liebe!", lobte Severus und rümpfte die Nase, „aber mit einem Avada hätten wir ein Problem weniger gehabt!"
„Severus", schalt Hermine ihren Ehemann, „wie oft muss ich Dir noch sagen, dass ich mich nicht mit solchen Menschen auf eine Stufe stellen möchte?"
„Ich hoffe wohl immer, dass Du Deine Meinung dahingehend änderst", grummelte der so Gescholtene und bekam sofort einen schmerzhaften Rippenstoß als Antwort.
Das lenkte ihn leider einen winzigen Augenblick ab und so traf ihn der Gliseo im falschen Augenblick. Er versuchte sich noch zu fangen, aber der urplötzlich spiegelglatte Untergrund ließ ihn nur einige unnütze und tölpelhafte Ruderbewegungen machen und er krachte schmerzhaft zur Erde, dabei riss er auch noch seine Frau mit sich, von der er im letzten Moment ein Stück Robe erwischte.
Verflucht!
„So, jetzt ist Schluss!", bestimmte Misses Broomberry mit bebender Stimme und baute sich mit hasserfülltem Blick über den beiden am Boden liegenden auf, „Wenn Sie sich zur Abwechslung noch Besinnen wollen, Kindchen, dann wäre jetzt die letzte Möglichkeit!"
Sie schwang ohne weiter zu zögern ihren Stab und murmelte dabei einige unverständliche Worte. Dabei sah sie Hermine so gehässig und siegessicher an, dass er wirkliche Angst bekam.
Und seine gottesfürchtige Frau schien doch tatsächlich dem Rat der Broomberry zu folgen und schloss die Augen, dabei griff sie nach Severus Hand und es dauerte nur wenige Millisekunden, da spürte er ein wunderbares Kribbeln am ganzen Körper und eine große Wärme erfüllte ihn. Seltsam, Besinnen tat allem Anschein nach sehr gut und nur zu gerne hätte er ebenfalls die Augen geschlossen, um diesen angenehmen Zustand besser genießen zu können, aber das gleißende Licht, dass seine Frau und auch ihn plötzlich umgab, fesselte seine Aufmerksamkeit und so sah er, wie das Licht und die Wärme sich von ihnen her ausbreiteten.
Gleichzeitig sah er aber auch den Fluch aus der Stabspitze der Broomberry fließen und an seiner Farbe konnte man die Tödlichkeit des Zaubers erkennen.
Doch als sich beide Zauber trafen passierte gar nichts und er wollte schon die Gelegenheit nutzen um sich wieder hoch zu rappeln, als Hermines fester Griff ihn am Boden hielt und dann erkannte er, dass der tödliche Fluch von Hermines Zauber regelrecht eingesogen wurde
und sich blitzschnell zu einem unglaublichen Feuerball wandelte, der wuchs und wuchs und eine unerträgliche Hitze ausstrahlte.
Die Broomberry keuchte erschrocken auf und wich eilig mit gerunzelter Stirn und hektischen Abwehrzaubern zurück. Doch es nutzte nichts, Hermines Zauber war unerbittlich und erfasste sie schließlich, ein gellender Schrei war die einzige Antwort zu der sie noch in der Lage war, bevor sie in Flammen stand und alles Fleisch sich von ihren Knochen löste um nur noch ein goldenes Skelett übrig blieb.
Hide und Slide schrien entsetzt auf und ihre Gesichter verzerrten sich vor Angst und Wut.
„Das wirst Du büßen", hörte Severus Hide wie von Sinnen schreien, während sie verzweifelt versuchten zu fliehen.
„Grundgütiger!", murmelte Hermine und auch Severus war geschockt. Er zog Hermine noch näher an sich heran.
Und der Zauber war wahrlich noch nicht zu Ende. Weiter und weiter dehnte er sich aus, gleißend war sein Licht, und die Hitze die er entfachte, brachte die Luft zum Flirren.
Aber alles Fliehen und Flüchten half nichts. Er ergriff nicht nur nach und nach die beiden teilvergoldeten Helfershelfer, die nicht mehr laufen konnten und unter furchtbarem Schreien ihr Leben ließen, sondern schließlich erreichte er auch Hide. Der hatte vor lauter Angst und Hektik den Weg zum Tor eingeschlagen und stand jetzt mit gezücktem Zauberstab mit dem Rücken zur Mauer. „Komm doch und hol mich, ich fürchte mich nicht!", schrie er, aber sein schlotternder Körper führte seine Worte ad absurdum. Der Zauber allerdings verharrte tatsächlich einen winzigen Augenblick vor ihm, baute sich vor ihm auf, ballte sich zu einer riesigen Wand auf, aus der plötzlich dünne Feuerseile stoben und gleich einer Peitsche Albert Hides Körper zeichneten.
Es war grauenhaft, unter Brüllen und Schreien schlug das Feuer immer wieder zu, hüllte ihn in unaussprechliche Qualen, bis es schließlich über ihm zusammenschlug und ihn bis auf das goldene Skelett vergehen ließ.
Slide hatte dem entsetzlichen Akt wie versteinert zugesehen und wachte erst wie aus einer Trance auf, als der Zauber sich jetzt ihm zuwandte. Bebend fiel er auf die Knie und flehte Mbaba und Hermine an, den Zauber zu beenden, „Tut doch was, macht das es aufhört!", jammerte er, und wirklich hielt der Fluch inne.
Doch Hermine rief erschüttert, „Das können nur Sie selbst tun, Slide! Sie müssen ihn beenden! Ihr Herz muss es beenden!"
„Was soll das heißen?", verstand er nicht.
„Sie müssen es bereuen!", mahnte Hermine eindringlich.
„Was soll ich bereuen? Es gibt nichts zu bereuen!"
„Dann kann Ihnen keiner helfen!", wisperte Hermine und schüttelte voller Bedauern den Kopf.
Und es dauerte keine zwei Sekunden, da überrollte wie auf ein Kommando hin, der Fluch Thomas Slide und ihm war das gleiche entsetzliche Schicksal beschieden, wie seinen Freunden und Helfern.
Hermine schloss sich schüttelnd die Augen und drückte sich bebend an Severus Brust.
„Großer Gott! Das wollte ich nicht", schniefte sie, „wirklich nicht!"
„Was war das für ein Zauber?", staunte Severus mit ebenfalls nicht wenig Entsetzen in der Stimme. Er setzte sich auf und zog seine Frau auf seinen Schoß.
„Ein Purgatorium. Ich hatte gehofft sie entscheiden sich anders!", antwortete Hermine, während sie sich die Tränen aus den Augen wischte und Severus anerkennend durch die Zähne pfiff.
„Nicht Du getötet, Löwenfrau", hörten sie plötzlich Mbaba leise sprechen, „Böses von bösen Menschen hat allein getan, sonst Himmelsfeuer wäre nicht schlimm gewesen" und wie zum Beweis, richtete sie ihren Stab auf den immer noch umherschwirrenden Feuerball und fing ihn ein. Als er sie umhüllte atmete sie tief durch und schloss mit demütig gesenktem Haupt die Augen. Als sie sie wieder öffnete, klopfte sie mit dem Stab auf die Erde und das Feuer erlosch.
„Du sehen, Löwenfrau", lächelte Mbaba, „Nur ihre Schuld!"
