Täuschungen 40 Das reich der Zwölf

So wie seine grenzenlose Erleichterung, so war auch das Fest überwältigend und berauschend gewesen.

Wilder Tanz (an dem er sich selbstverständlich trotz aller Euphorie nicht beteiligte), unglaubliche Zauberkunstvorführungen und köstliche Speisen und Getränke ließen die Nacht zu einem unvergesslichen Erlebnis werden.

Ihm war so wundervoll leicht ums Herz, fast trunken fühlte er sich. Alle Sorgen, alle Bedenken schienen weit, weit weg, wie in einer anderen Welt zurückgelassen. Das ging wohl nicht nur ihm so, denn warum sonst hätten die fremdartigen Gäste aus dem kühlen England so schnell alle Scheu fallen lassen und sich so unkompliziert unter das feiernde Volk mischen sollen? Der Sprachtrank, den ihnen Mbaba anbot, schuf rasch die nötigen Verständigungsgrundlagen, auch wenn die Grammatik wohl alles andere als korrekt und elegant war. Sie verstanden und wurden verstanden.

So machten sie im wahrsten Sinne des Wortes die Nacht zum Tag. Für die Mkemekos übrigens völlig normal. Sie gingen stets zu Bett, bevor die brennende afrikanische Sonne den Zenit erklomm und standen dann in der Abenddämmerung auf. Dabei leuchtete ihnen der Mond, unterstützt von einem Lichtzauber, der das Land in das seltsame sphärische Licht tauchte, dass sie schon erleben durften, als sie der goldene Pfad zur Stadt der Zwölf führte.

Als Hermine, Jean, Eileen und er nach einem sehr geruhsamen Schlaf am späten Nachmittag des nächsten Tages erwachten, waren Harry Potter und Ron Weasley verschwunden.

„Sie nur Gäste", zuckte Mbaba mit den Schultern, als sich Hermine überrascht nach ihren Freunden erkundigte.

„Wir müssten eigentlich auch nach Hause", meldete sich Severus nach einem ausgedehnten Frühstück, „Unsere Tochter Sera, mein Schwiegervater, unzählige Zähne, Schüler und Studenten warten auf uns."

„Ach, keine Sorge, dunkler Mann", winkte Mbaba fröhlich ab, „mit kleinem Zeittrank, Ihr seid vor Morgengrauen zurück in kaltem Schottland!"

„Zeittrank?", staunte Hermine und Eileen bekam ebenfalls große Augen.

„Ja, keine große Sache, leicht zu brauen!", lachte Mbaba die sehr beeindruckte Löwenfrau an.

Severus aber war wie vom Donner gerührt und zog die Älteste bei der nächstbesten Gelegenheit ein wenig beiseite, um ihr leise zuzuraunen, „Wenn Ihr einen Zeittrank brauen könnt, dann kann dieser Zeittrank doch sicherlich auch diese ganze furchtbare Geschichte ungeschehen machen oder uns wenigstens damit eine Möglichkeit geben, die Geschichte zu verändern?"

Mbaba nickte, legte aber den Kopf schief, „Ja, das kann er, aber denke gut nach, dunkler Mann, ob das gut!"

„Ich brauche wahrlich keine Sekunde, um diese Entscheidung zu treffen!", war sich Severus völlig sicher, aber Hermine, die ihre Ohren mal wieder überall hatte, legte ihm sanft die Hand auf den Arm und meinte, „Wir denken darüber nach, Mbaba und sagen Dir Bescheid!"

Severus schaute sie voller Unverständnis an. Wollte sie denn nicht auch, dass alles wieder so war wie früher, wollte sie nicht, dass ihre Albträume, wenn auch dank seines Trankes deutlich seltener und schwächer, endlich ganz aufhörten und alle furchtbaren Dinge dieses Sommers nicht nur vergessen, sondern gar nicht erst geschehen würden?

Er musste sogleich mit ihr darüber reden! Er wartete nur darauf, dass Mbaba mit Jean zu einer kleinen Exkursion aufbrach und Eileen der Einladung einiger Kinder zum Spielen nachkam.

„Kann ich Dich kurz sprechen?", fragte Severus mit zusammengezogenen Augenbrauen, als Mbaba um die nächste Ecke gebogen war.

„Sicher, lass uns in unsere Räume gehen, ich habe Durst", antwortete Hermine und zusammen machten sie sich auf den kurzen Weg zu ihrem Gästehaus.

Nachdem er einen Schutz- und Stillezauber über ihren Schlafraum gesprochen hatte, stellte er auch sogleich seine drängendste Frage:
„Warum musst Du noch darüber nachdenken, ob Du diese vermaledeite Geschichte ungeschehen machen willst?"

„Ach Severus", seufzte Hermine, goss in zwei Becher klares Quellwasser und trank einen tiefen Schluck, „Vielleicht weil ich gerade viel zu glücklich bin!"

„Das liegt an diesem Land, wie Du weißt", entgegnete Severus und dachte an Mbabas Ausführungen zu dem komplizierten Licht- und Schutzzauber, der das ganze Reich der Zwölf wie eine Hülle umgab und als interessante Nebenwirkung alle positiven Gefühle der Lebewesen innerhalb dieser Hülle verstärkte, „Aber das hindert Dich doch nicht daran, aus einem furchtbaren Sommer mit glücklichem Ende einen unbeschwerten und glücklichen Sommer zu machen!", argumentierte er weiter und schritt vor dem Kamin auf und ab.

„Im Grunde genommen hast Du ja recht, dieser Sommer war schrecklich und ein Teil des Herbstes war das Schlimmste, was ich je erlebt habe", stimmte Hermine zu und reichte auch ihm einen Becher, „Aber mein Gefühl sagt mir, dass wir diese Entscheidung nicht leichtfertig oder gar übereilt treffen sollten", sie sah zu ihm herauf, „Verstehst Du das?"

„Nein!", brummte Severus und trank ebenfalls einen kleinen Schluck, bevor er den Becher auf den Kaminsims stellte.

„Ich ehrlich gesagt auch nicht", gab Hermine seufzend zu, „aber je länger ich darüber nachdenke, desto sicherer bin ich mir", sie setzte sich auf einen Hocker und fuhr sich glättend durchs Haar, „Sag mir zum Beispiel, was Du als Erstes gerne verändert hättest?"

„Dass Du nach Afrika gegangen bist!", antwortete Severus wie aus dem Zauberstab geschossen.

„Hm, guter Gedanke", fand auch Hermine und dachte eine Weile mit gerunzelter Stirn nach, bevor sie entgegnete „aber dann wäre Slide sicherlich etwas anderes eingefallen, um mich aus dem Verkehr zu ziehen. Du erinnerst Dich, ich stand ihm im Ausschuss im Weg herum."

Das sah Severus ein. Aber zufrieden war er damit noch lange nicht! „Dann könnten wir mit einem Zeittrank doch wenigstens dafür sorgen, dass sie Dich hier in Afrika nicht quälen, foltern und vergewaltigen!", knirschte er und ihm wurde noch immer übel, wenn er an die Bilder aus ihrer Erinnerung zurückdachte.

„Ein noch viel besserer Gedanke, wirklich", flüsterte Hermine zitternd und sank in sich zusammen, „aber wer weiß, was ihnen dann in den Sinn gekommen wäre, Severus, denke daran, dass sie mich entsorgen wollten!"

„Das werde ich niemals vergessen!", grollte er, trat nahe zu ihr heran und zog sie zu sich herauf, um sie in seine Arme zu schließen, „Und dafür hätten diese Schweine wesentlich mehr verdient, als nur als goldene Statue zu enden!"

„Vielleicht, aber ich finde diese Strafe schon schlimm genug", murmelte Hermine und genoss es sichtlich, dass er leicht ihren Rücken hinauf und hinab streichelte.

„Außerdem will ich nie wieder sieben Wochen lang weg von Euch!", ergänzte sie und ihr Atem kitzelte auf sehr nette Weise seinen Hals.

„Sehr gut, ich werde Dich beizeiten daran erinnern, Frau Professor!", brummelte Severus und ihre Nähe und ihr Duft ließen ihn ruhig werden.

„Bitte tu das, manchmal ist mir einfach nicht zu trauen!", gestand Hermine und kraulte seinen Nacken.

So standen sie eine Weile und hingen ihren Gedanken nach, bis dass Severus die Stille unterbrach, „Und was ist mit dem Kind?", flüsterte er leise, „Du hast Dir ein Kind gewünscht, dass am Meer von Cornwall gezeugt wurde, weißt Du noch?"

Hermine versteifte sich erst und löste sich dann von ihm, um ihm lange tief in die Augen zu sehen, „Severus", begann sie schließlich eindringlich, „Du weißt, dass ich nichts mehr auf dieser Welt liebe als Dich und Du weißt auch, dass ich die Mädchen liebe, genau wie Du es tust. Aber dieses Kind hier", sie griff nach seiner linken Hand und führte sie zu ihrem Bauch, „hat in den wenigen Wochen seines Lebens schon so viel Furchtbares durchmachen müssen. Es wurde gegen den Willen seines Vaters und seiner Mutter gezeugt, seine Mutter wollte es nicht haben und der Ehemann seiner Mutter noch viel weniger. Für all das konnte es rein gar nichts, nicht für die Entscheidung den Verhütungstrank nicht mehr zu nehmen, noch für die Entscheidung nach Afrika zu gehen und schon gar nicht dafür, dass man seine Eltern gezwungen hat etwas zu tun, was sie nie, niemals aus freien Stücken getan hätten", ihre Augen füllten sich mit Tränen, „Severus, dieses Kind hat so schwer um sein bisschen Leben kämpfen müssen, ich denke, es hat ab sofort alle Liebe dieser Welt verdient, welches das ganze Leid, dass ihm geschehen ist, vergessen lässt", sie blickte zu Boden, als sie leise ergänzte, „Und es käme mir wie Unrecht vor, dass wir dieses winzige Wesen ungeschehen machen, um einfach ein neues zu zeugen."

Severus sah sie still an und dachte über ihre Worte nach, dabei hob er seine rechte Hand und wischte zärtlich ihre Tränen von den Wangen und Hermine zuckte entschuldigend mit den Schultern, „Es ist sehr eigenartig, Severus, aber egal wie dieses Kind entstanden ist und egal wie winzig und unfertig es noch ist, ganze elf, zwölf Wochen alt, es ist eine Persönlichkeit. Du hast ihr sogar schon einen Namen geben, einen sehr schönen und passenden Namen übrigens", sie schluckte schwer und nahm seine beiden Hände in ihre, „Aber Du sollst auch wissen, dass ich lange mit Ginny und Harry gesprochen habe. Wenn Du Dir nicht vorstellen kannst dieses Kind aufzuziehen, Severus, dann kann ich das verstehen und ich werde Deinem Wunsch entsprechen. Für diesen Fall haben wir die Vereinbarung getroffen, dass es bei den Potters groß werden kann."

„Bei den Potters?", Severus zog irritiert seine Augenbrauen zusammen, „Es wäre sicherlich eine geeignete Möglichkeit diese Geschichte in klare Bahnen zu bringen", überlegte er laut, bevor er stockte und sein Blick noch ernster wurde, „und es ist wirklich sehr ehrsam von den beiden, sich dazu bereit zu erklären, besonders von Ginny…"

Er löste sich gänzlich von Hermine und ging wieder einige Schritte im Raum umher, ehe er stehen blieb, seine Taschenuhr hervorzog und sie lange versunken betrachtete. Sein Daumen streichelte sachte über das Zifferblatt und sein Zeigefinger fand den kleinen Verschluss, der das geheime Fach im Deckel öffnete. Dort war nichts als eine kleine verschlungene Inschrift eingraviert, ein kurzes, abgegriffenes „Für Severus" und darunter die Initialen L.E..

Sie hatte ihm diese Uhr zum Schulabschluss geschenkt.

Lily.

Völlig unerwartet war dieses Geschenk gewesen, weil er sich schon wegen diesem Idioten Potter und seinen Kumpanen mit ihr überworfen hatte und er sah sie noch genau vor sich, damals, wunderschön, zart, etwas unsicher und scheu hatte sie ihn auf dem Bahnhof Kings Cross in London plötzlich abgefangen. Und er hörte noch ihre eindringlichen Worte, die sie ihm zugeraunt hatte, hastig und mit bittendem Unterton, „Verschwende Deine Zeit nicht mit Hass, Severus!". Ein sehr weiser Rat, dem er leider lange, lange nicht gefolgt war.

Lily, Harrys Mutter.

Als er den Blick hob, sah er in Hermines sanfte braune Augen, die ihn bang beobachteten. Mit einem leisen Klicken schloss er die Taschenuhr und steckte sie zurück in seine Westentasche, dann streckte er den Rücken durch. Er hatte seine Entscheidung getroffen. Im Grunde schon vor langer Zeit!

„Ich bin mir wirklich sicher, dass die Potters gut für dieses Kind sorgen würden", erklärte er mit leiser, aber fester Stimme, „Ginny ist ein guter und liebevoller Mensch, es würde es gut haben dort", er griff nach Hermines Hand um sie kurz zu drücken, „Aber Du kannst es noch viel besser, Hermine. Du bist ihre Mutter, sie ist Deine Tochter. Und sie ist meine Tochter, denn Du bist meine Frau und wenn dieses Kind geboren wird, dann wird es in meiner Familie aufwachsen! Ohne wenn und aber! Stell das nie wieder in Frage!", er sah sie tadelnd an und verschränkte seine Arme vor der Brust, „Sie wird meinen Namen tragen und mit etwas Glück und Geschick unter Umständen eine Slytherin werden und dann zusammen mit ihren Schwestern diese Pottersippe beim Quidditsch in Grund und Boden stampfen!"

„Ach Severus!", schniefte Hermine erleichtert und sah ihn mit tränenverhangenen Augen liebevoll an. Er aber gab sich unnahbar und schimpfte weiter, „Es würde noch fehlen, dass diese Potters ihren desolaten Einfluss auf unsere Tochter ausüben würden! Noch mehr Raufbolde, Regelbrecher und Unfugtreiber! Es gibt eh schon genug von ihnen, irgendwer muss ihnen ja Einhalt gebieten und das ist traditionell Aufgabe der Grangers und der Snapes!"

„Ich liebe Dich, Severus!", wisperte seine so gescholtene Frau leise, löste seine Arme und schmiegte sich an seine Brust.

„So?", erkundigte sich Severus interessiert und betrachtete sie über seine lange Nase hinweg.

„Oh ja und nach diesem Sommer noch viel mehr als je zuvor!", bestätigte Hermine voller Inbrunst und küsste ihn. Severus wurde es ganz warm ums Herz, was sowohl an dem Kuss, als auch an ihren Worten lag und er breitete seine Arme um sie herum aus, damit er sie fest an sich ziehen und den Kuss gebührend vertiefen konnte.

„Lilian an die Potters geben", grummelte er nach einer kleinen glücklichen Ewigkeit zwischen zwei sehr schönen Küssen kopfschüttelnd, „Unglaublich! Auf was für Ideen Du kommst! Dir würde das Herz brechen! Vor Kummer würdest Du kläglich eingehen und ich hätte dann den Salat! Verrückte Frau!"

„Na, das letzte Kompliment kann ich aber eins zu eins zurückgeben, mein Lieber!", behauptete Hermine und schmiegte ihren Kopf wieder in seine Halsbeuge.

„Ich verbitte mir solche völlig aus der Luft gegriffenen Behauptungen!", antwortete er murmelnd und atmete tief ein und aus.

„Schade, sie machen Spaß!", grinste seine freche Frau, ergänzte dann aber wieder ernst werdend, „Ich danke Dir, Severus! Aber wir müssen hier und jetzt nichts übers Knie brechen, bitte denk in aller Ruhe darüber nach."

„Ich denke immer gründlich nach, bevor ich rede", entgegnete Severus hoheitsvoll, „ganz im Gegensatz zu anderen Menschen, die ich kenne", er schenkte ihr einen vorwurfsvollen Blick, „aber sollte ich tatsächlich zu einer anderen Auffassung gelangen, z.B. wenn dieses Kind in die Trotzphase kommt oder in diese grauenhafte Pubertät, dann werde ich Dir meinen Sinneswandel gerne sofort mitteilen!"

„Oh, nein, mein Lieber!", schüttelte Hermine belustigt den Kopf, „in guten, wie in schlechten Zeiten, das gilt auch bei Kindern", sie küsste die kleine Kuhle unter seinem Ohr, „wenn wir dieses Land verlassen, sollten wir eine Entscheidung getroffen haben."

„Ja, damit bin ich einverstanden!", stimmte Severus zu und drückte sie noch einmal kurz, bevor er die Schutzzauber aufhob, „Dann lass uns jetzt einen Blick auf dieses spannende Reich der Zwölf werfen. Mbaba erzählte was von einem interessanten Experiment drei Häuser links von der Versammlungshalle."

„Gerne, vielleicht bekommen wir doch noch Ferien!", freute sich Hermine.

Und sie sollte recht behalten.

Volle drei Wochen blieben sie bei den Mkemekos. In diesen herrlichen drei Wochen machte Mbaba ihr Versprechen war und zeigte Hermine und ihrer Familie ihr Afrika. Ein ganz besonderes Geschenk, denn dieses Land hatte so viele Schätze und Herrlichkeiten zu bieten, dass die Grangerfrauen aus dem Schwärmen nicht mehr herauskamen. Severus hielt sich mit seinen Gefühlsäußerungen selbstverständlich weit mehr zurück, war allerdings ähnlich angetan.

Für ihn waren die Abendstunden am schönsten, denn dann schlenderte er nach einem reichhaltigen Frühstück zu den verschiedenen Lehrstätten und diskutierte dort mit den Meistern über Tränke und Zaubersprüche und es dauerte nie lange, da gesellte sich seine Frau hinzu, die stets mit hoher Ehrerbietung begrüßt wurde und sich sogleich eifrig an den Fachgesprächen beteiligte. So machte ihm das Forschen und Lernen, das Diskutieren und Debatieren noch einmal soviel Spaß. Eileen saß ab und an mit einigen anderen Kindern dabei und die Bewunderung und der Stolz, die aus ihren Augen für ihre Mutter und ihren Vater sprach, machten ihn froh. Sie würde eine prächtige Hexe abgeben, egal welcher Profession sie sich verschreiben würde.

Jean verbrachte viel Zeit in langen Gesprächen mit Mbaba. Die beiden Frauen verstanden sich ausgezeichnet und man sah sie oft bis spät in die frühen Morgenstunden hinein miteinander beratschlagen und erzählen. Dabei ging es weniger um außergewöhnliche Zauber und Tränke, sondern vielmehr um Fragen der Gesellschaft, der Ethik und des Kultes.

Aber so schön und spannend dieses Land auch war, schließlich überwog die Sehnsucht nach Tochter und Schwester, nach Mann und Arbeit und ließ sie schweren Herzens Anfang November Abschied nehmen. Und wieder versammelte sich das ganze Volk, um sich von Hermine, Severus, Eileen und Jean gebührend zu verabschieden. Tanz und ein Festessen beherrschten den Abend vor der Abreise. Wehmut den Morgen der Trennung.

Mbaba hatte Tränen in den Augen, als sie im Morgengrauen die Grangers und Snapes zum großen Tor begleitete.

„Meine Freunde", begann sie und griff in ihre Tunika, „Volk hat viel gelernt und dankt Euch von Herzen für kostbare und reiche Zeit", sie schluckte, „nehmt dies, als kleine Zeichen von Verbundenheit und Zuneigung", sie reichte Hermine ein kleines Fläschchen mit rötlichem Inhalt.

„Was ist es Mbaba?", erkundigte sich Severus und lugte über Hermines Schulter auf den Trank.

„Geburtstrank, muss am zweimal zwölftem Tag im dritten Mond getrunken werden, so für Löwenfrau keine großen Schmerzen", erklärte Mbaba und zwinkerte Hermine zu.

„Sie wird am 24. März auf die Welt kommen?", staunte Hermine und wechselte mit Severus einen schnellen Blick.

„Ja, dann will wunderbare kleine Füchsin von Löwenfrau geboren werden!", bestätigte Mbaba und ließ allen Zeit, diese Nachricht zu verdauen. Severus sah seine Frau lange an und auch sie hatte sofort verstanden, was die Älteste der Mkemekos ihnen damit sagen wollte. Der 24. März war fast exakt einen Monat vor dem eigentlichen Geburtstermin. Das hieß, dass das Kind noch vor der Afrikareise hätte gezeugt werden können. Keiner müsste Zweifel an der Vaterschaft hegen. In Hermines Augen leuchtete es erleichtert und froh.

Derweil reicht Mbaba Severus ebenfalls ein Fläschchen „Und was ist das?", brummte der und war noch ganz mit der anderen Erkenntnis beschäftigt.

„Das ist der Zeittrank, um den Du gebeten, dunkler Mann, er ist ein Jahr lang haltbar, danach verliert er Macht."

„Danke!", nickte Severus und verneigte sich leicht, „Aber wir haben entschieden, dass wir ihn nicht benötigen!"

„Oh! Gut, sehr gut!", freute sich Mbaba und musste über Hermines erleichtertes Durchatmen lächeln.

„Als letzte Gabe, ich lege Zauber auf Euch. Er Schutz für Euch und uns. Alle werden vergessen Land der Zwölf, bis auf Euch, aber auch Ihr dürft niemals darüber sprechen was ihr erlebt zu anderen, darum auch gewisser Zauber über Euch."

„Schade, Henry war so gespannt auf Euer Land", bedauerte Jean murmelnd.

‚Und ganz besonderer Zauber' hörten Severus und Hermine Mbabas Stimme plötzlich in ihrem Kopf, ‚lässt alle alles vergessen, was hier in Bergen von Sorilana Schlimmes geschehen, nur Ihr beide, der mächtige Zauberer, der kleine Spiegel vor Augen trägt und seine Frau dürfen nichts vergessen', erklärte Mbaba.

‚Ja! Das dürfen wir nicht!', nickte Hermine und griff nach Severus Hand.

„Sehen wir uns wieder?", fragte sie anschließend und Jean schaute ebenfalls sehr traurig auf die Älteste.

„Vielleicht", lachte Mbaba und zwinkerte Jean zu, „in unserem Land gibt es viele kostbare und seltene Trankzutaten."

„Wie wahr!", entschied Severus und nickte Hermine und ihrer Mutter zu, „dann sollte meine Frau für das nächste Jahr eine neue Reiseetappe einplanen. Und da sie mit einem so kleinen Kind wohl überfordert wäre, müssen wir Hilfe erbitten!"

„Echt? Darf ich nächstes Jahr endlich mit auf Zutatenreise?", freute sich aber Eileen und strahlte mit leuchtenden Augen abwechselnd Vater und Mutter an.

„Hmpf!", grollte ihr Vater, „Vielleicht hätten Deine Mutter und ich es im nächsten Jahr erwogen, Dich mit auf eine Etappe unserer Reise zu nehmen, aber da Du Dir einen solchen Ausflug schon in diesem Jahr – nun sagen wir mal – erwirkt hast, sehe ich für eine solche Vergünstigung keinen Spielraum!"

„Oh, man Dad!", schmollte Eileen und schob ihre Unterlippe vor. Aber sie hatte natürlich schon den kleinen belustigten Unterton in der Stimme ihres Vaters wahrgenommen. Das Thema würde sie gewiss zu gegebener Zeit erneut aufgreifen, da war er sich sicher.

Hermine legte ihren Arm um Eileens Schulter und reichte Mbaba die Hand, „Ich danke Dir und Deinem Volk von Herzen und wünsche Euch eine gute und friedvolle Zukunft!"

„Das auch unser Wunsch für weise, tapfere Löwenfrau!", nickte Mbaba, ergriff Hermines Hand, schüttelte sie etwas ungelenk, bevor sie sich tief vor Hermine und ihrer Familie verneigte.

Mbabas Zauber war rasch gesprochen und schon aktivierte sich Kingsleys Notfallportschlüssel. Alle fassten sich an den Händen und nickten Mbaba ein letztes Mal zu, dann glühte der Knopf an Hermines Umhang und der große Angelhaken unterhalb des Bauchnabels zog sie in den bunten, gewaltigen Strudel, um sie Sekunden später sicher in ihrem Wohnzimmer in den Kerkern von Hogwarts wieder auszuspucken.

Sofort waren sie von Minerva, Ginny und den anderen umgeben, die sie mit neugierigen Blicken und Fragen gerade zu überfielen,

„Wie war es bei den Mondmenschen?" „Was ist genau mit Slide und den anderen geschehen?" „Stimmt das, dass Drumble da mit drin hing?"

Severus richtete noch leicht benommen seine Robe, sein Blick auf die Wohnzimmeruhr sagte ihm, dass es kurz nach Mitternacht war und er wollte schon den Mund aufmachen, als Jean ihm bereits zuvor kam, „Ich sag Euch, es war sagenhaft!"

„Das trifft es wirklich exakt!", stimmte Severus zu und sie setzten sich alle und erzählten von Anfang bis zum Ende, wobei sowohl Hermine, Jean und auch Severus schon sehr genau den Zauber der Mkemeko bemerkten. Einiges wollte einfach nicht über ihre Lippen. Trotzdem waren es noch wahrlich genug unglaubliche Neuigkeiten, die der gründlichen Betrachtung und Besprechung bedurften.

Mitten in die Schilderung der Kampfszene kam auch Kingsley wieder hinzu.

„Hast Du Drumble gut nach Hause gebracht?", erkundigte sich Hermine mit besorgtem Unterton. Etwas das er für völlig übertrieben hielt, immerhin wollte dieser Verrückte sie alle umbringen, egal ob mit einem Zauber belegt oder nicht.

„Ja und ich dachte, ich nehm mir mal ein Bespiel an Euch Granger-Snapes und spiele etwas Theater", grinste Kingsley und beschwor noch einen Sessel herauf.

„Was meinst Du damit?", fragte Severus und reichte ihm einen Feuerwhiskey.

„Ich habe ihn sorgsam in seinem Privatlabor auf die Erde gelegt und für eine kleine, feine Explosion gesorgt", er zuckte zufrieden mit den Schultern, „Diese Älteste hat doch gesagt, dass er sich nicht mehr an die letzten Wochen erinnern kann, das ist doch ein ganz anständige Begründung für solche Gedächtnislücken."

„Und bei diesem Kerl völlig normal und sehr, sehr realistisch!", knurrte Severus.

Und dann wollte natürlich auch Kingsley genau wissen, was weiter geschehen ist. Aber es dauerte keine Stunde, da überkam alle eine plötzliche, riesengroße Müdigkeit und einer nach dem anderen verließ gähnend die Kerker oder Hogwarts und flohte oder apparierte nach Hause.

„Das ist garantiert die zweite Stufe des Zaubers der Mkemekos", war sich Jean sicher, als sie ebenfalls das Flohpulver in den Kamin warf.

„Ein sehr wirkungsvoller Zauber", meinte Hermine und rieb sich die Augen, „ich bin nämlich ebenfalls hundemüde! Bitte grüß Dad von mir, ich komme in den nächsten Tagen vorbei, ich glaube ich habe Sehnsucht nach ihm."

„Sag ich ihm, aber erst morgen", grinste Jean, „denn ich habe auch große Sehnsucht nach ihm", dass sie dabei einen ganz verruchten Blick aufsetze versuchte ihr Schwiegersohn tunlichst zu übersehen und winkte ihr zum Abschied schnell zu.

Als aber auch Eileen ganz unauffällig in ihr Zimmer schleichen wollte, hielt ihr Vater sie zurück, „Augenblick, junge Dame! Es ist Dir natürlich klar, dass Dein Ungehorsam Konsequenzen für Dich hat!"

„Oh, außer, dass ich nächstes Jahr nicht mit Euch mit darf", stöhnte Eileen zerknirscht und schaute ihren gestrengen Vater schuldbewusst von unten herauf an.

„Ja, allerdings", meinte Severus und hob mahnend den Zeigefinger, „Du wirst am nächsten Wochenende zusammen mit Deiner Großmutter, die ebenfalls nicht auf mich hören wollte, einem Aufsatz über all das schreiben, was Du wegen Deines Ungehorsams erlebt hast! Nicht weniger als 25 Zoll erwarte ich und natürlich so, dass Du der Bitte der Ältesten nach Verschwiegenheit nicht widersprichst!"

„Ja, Sir", seufzte seine Älteste mitleiderregend, doch in ihren Augen glitzerte es, das war eine Strafe ganz in Eileens Sinn, sie wusste bestimmt schon ganz genau, wie sie es schreiben würde und Jean würde ihr sicherlich viele nützliche Tipps geben können. Mit einem breiten Grinsen wünschte sie ihren Eltern eine gute Nacht.

Auch Severus war sehr zufrieden mit sich und schaute seine lächelnde Frau mit hochgezogenen Augenbrauen an, „Was?"

„Nichts, nichts", wehrte sie frech ab und daher schnappte er sie sich mal wieder und trug sie eilig in ihr Bett, vielleicht war sie ja doch noch nicht so müde.

Tatsächlich wusste am nächsten Tag weder Minerva noch Poppy oder sonst jemand etwas von dem nächtlichen Ausflug und so wie Sand zwischen den Fingern zerrinnt, so verschwand mit jeder Stunde auch jede Erinnerungen an die Ereignisse der vergangen Wochen und um das sagenhafte Land der Zwölf.

Sehr interessant! In der Tat!

Wie gut Mbabas Zauber tatsächlich war, durften Sie sehr eindrücklich erleben, als Eileens spannender Erlebnisbericht über das sagenhafte Volk der Mkemekos, den sie bereits am Freitagnachmittag zusammen mit ihrer Großmutter verfasst hatte, bei Minerva McGonagall unglaublich großen Anklang fand und sie sich spontan an ein altes Märchenbuch in der Bücherei erinnerte, dass die Vorgängerin von Irma Pince vor 30 Jahren beinahe weggeworfen hätte, weil sie es für absoluten Humbug hielt. Sie bot Eileen begeistert an, es zusammen mit ihr in der Bibliothek suchen zu gehen. Eileen machte ihr die Freude und ließ sowohl Madam Pince, als auch ihre Patentante einen halben Nachmittag nach dem Buch forschen, bevor sie es wohl leid war und vorschlug es in der Muggelabteilung zu probieren.

Severus war übrigens ebenfalls sehr angetan von Eileens und Jeans Bericht, fertigte sogar eine Kopie an, die er im nächsten Jahr Mbaba vermachen würde.

Ein weiteres, äußerst befriedigendes Nachspiel dieser Geschichte fand dann in der nächsten Sitzung der Kommission zur Bewilligung von Heiltränken ihren Anfang. Hermine steckte Amos nämlich geschickt ihre durchgearbeiteten Unterlagen zu allen Slidetränken mit auffälligen Zutaten zu und der brachte damit einen der größten Wirtschaftsskandale der internationalen Zauberergemeinschaft ins Rollen. Gleichzeitig reichte er seinen Rücktritt aus dem Ausschuss an und schlug Phönix Drumble als Nachfolger vor – allerdings erst, wenn der von einem zweimonatigen Kuraufenthalt zurückkehren würde. Er litt unter Gedächtnisproblemen…

Der durch Amos Enthüllungen ausgelöste anschließende Prozess vor den höchsten Zaubergamots Englands und Irlands führte übrigens dazu, dass Slide Industries so viele Strafegaleonen zahlen musste, dass das Unternehmen kurze Zeit später Konkurs anmelden musste.

Schade nur, dass weder Thomas Slide, noch Albert Hide für diese Vergehen zur Rechenschaft gezogen werden konnten, sie waren und blieben nämlich wie vom Erdboden verschluckt.

Welch ein Wunder!

Severus beschloss hämisch, sich eine Kopie des Pfändungsbescheids zu besorgen und sie im nächsten Jahr mit in das Land der Zwölf dort in den geheimnisvollen Bergen von Sorilana zu nehmen, um sie den Skeletten von Slide, Hide und Broomberry genüsslich unter die goldenen Nase zu halten, vielleicht konnten auch zu Stein gewordene Verbrecher lesen!

Ha! Genau das würde er ihnen antun!

Bei Merlin!

- Ende -

Es folgen noch zwei Nachklänge zu dieser Geschichte…, wenn Ihr noch Lust an dieser Story habt…