Täuschungen 42 Epilog 2 Nächtliche Gespräche

„Mum?" wisperte eine leise, helle Stimme nahe an ihrem Ohr.

„Hm?", nein, wirklich wach war sie noch nicht.

„Ich kann nicht schlafen."

„Warum nicht?", nuschelte Hermine, wischte ihre Haare aus dem Gesicht und warf ein Auge auf ihren Wecker. Er zeigte fast Mitternacht.

„Weiß nicht", es klang sehr kläglich.

Hermine öffnete beide Augen und betrachtete ihre Jüngste mit zusammengekniffenem Blick. Normalerweise kamen ihre Kinder Nachts nie zu ihr, es war viel einfacher solche Sachen mit ihrem Vater zu verhandeln, der war schneller wach und schneller um den Finger zu wickeln.

Aber leider diese Woche nicht zu Hause.

Sie seufzte leise, „Hast Du Hausschuhe an?"

„Oh, hab ich vergessen", gab Sera schuldbewusst zu, wobei Hermine sich gar nicht so sicher war, ob das nicht pure Absicht gewesen war, ihre Tochter war ja nicht dumm.

„Dann komm sofort ins Bett", befahl Hermine energisch und hob ihre Bettdecke an, damit sich Sera nicht auf den kalten Steinfließen erkälten würde.

„Ist gut!", freute sich die auch viel zu froh und schlüpfte schnell unter die Decke. Hermine bekam einen mittelschweren Schock, als die Füße ihrer Tochter auf ihre Beine trafen.

„Meine Güte, Serafina, Deine Füße sind so warm wie Eisblöcke!", schimpfte sie leise und steckte die Bettdecke um ihre Tochter herum fest.

„Kann sein, Dad beschwert sich auch immer", erzählte Sera freimütig und kuschelte sich an den warmen Körper ihrer Mutter.

Allerdings war da dieser dicke Bauch im Weg. Vorsichtig strich sie über Hermines gewölbten Leib.

„Du, Mum?", begann sie und wartet darauf, ob Hermine schon wieder eingeschlafen war.

„Hm?", gut, sie war noch wach.

„Mum? Das neue Baby…", sie stockte und wusste wohl gerade nicht, wie sie ihre Gedanken in Worte fassen sollte, etwas, das bei Serafina Granger-Snape ein echter Seltenheitsfall war.

„Was ist mit dem Baby, mein Schatz?", forschte Hermine sanft und hörte sich bereits viel wacher an.

„Wie wird das sein, wenn wir dann zu dritt sind?", erkundigte sich Sera wispernd.

„Hm, wahrscheinlich so, wie es bei schon bei Eileen und dann bei Dir war", überlegte Hermine.

„Wie war das denn?"

„Nun, als Erstes war es ziemlich anstrengend, denn ihr habt beide ganz viel geschrien und rumgequengelt, immerhin konntet ihr ja noch nicht reden, also musste immer geweint werden, damit Euer Dad und ich wussten, das Deine Schwester oder auch Du etwas wolltet oder brauchtet."

„Wie frische Hosen und was zu Essen, nicht wahr?", ergänzte Sera mit erfahrenem Ausdruck in der Stimme.

„Richtig, aber oft habt ihr rumgemurrt, nur um geknuddelt oder durch die Gegend getragen oder angelacht und beschäftigt zu werden. Solche Sachen eben."

„Und dann?"

„Dann habt ihr ganz, ganz viel gelacht und lustige Stimmen gemacht und alle, alle waren ganz verrückt nach Euch", erinnerte sich Hermine lächelnd.

„Alexander Cohen aus meiner Gruppe behauptet, dass das mit den vielen Kindern super blöd wäre. Er wäre viel lieber ein Einzelkind!"

„Wie viele Geschwister hat er denn?"

„Fünf Stück!" antwortete Sera beeindruckt.

„Wow, das sind wirklich ganz schön viele!", stimmte Hermine zu, vor allem da Alexander maximal fünf Jahre alt sein konnte.

„Alexander sagt, es wären zu viele. Er hat erzählt, als er noch mit seiner Schwester allein gewesen wäre, hätten seine Mum und sein Dad noch viel mehr Zeit für sie und ihn gehabt, aber jetzt würden sie sich nur noch um die anderen kümmern."

„So?", murmelte Hermine, sie hatte langsam eine Ahnung, was ihre Tochter nicht schlafen ließ.

„Ja, und weißt Du, was schlimm ist?", Seras Stimme wurde zittrig.

Hermine schüttelte den Kopf und war ganz Ohr.

„Kinderkriegen tut furchtbar weh!"

„Allerdings", bestätigte Hermine nickend, „es ist zumeist kein bisschen angenehm! Und woher weißt Du das?"

„Das hat James und Albus erzählt. Als Tante Ginny vor zwei Wochen Lily bekommen hat, da hat sie ganz viel geschrien und furchtbar gestöhnt und das hat irrsinnig lange gedauert und wurde immer schlimmer und Onkel Harry ist die ganze Zeit wie wild umher gerannt und hat sich die Haare gerauft!"

„Du hast recht, mein Schatz, ein Kind auf die Welt zu bringen, ist nicht leicht, aber es geht vorbei und dann ist alles vergessen!", versuchte Hermine ihrer Tochter die Angst zu nehmen.

„Aber das ist noch nicht alles!", flüsterte Sera so leise, dass Hermine es fast nicht verstand.

„Was denn noch?"

„Kinderkriegen ist gefährlich!"

„Oh?", machte Hermine, da waren ja wirklich schwerwiegende Dinge, die ihre Tochter nicht schlafen ließen.

„Ja, ganz fürchterlich gefährlich, man kann dabei sogar sterben!", Sera drückte sich nahe an ihre Mutter heran und Hermine hörte ihr Herz laut klopfen.

„Wer sagt das, Alexander?"

„Nein, das hat Oliver Greengras letztens Dad erzählt, seine Mum ist dabei gestorben, als sie ihn geboren hat."

„Ja, das ist wirklich sehr, sehr schlimm!", seufzte Hermine und küsste ihre Tochter auf den Scheitel, dann rückte sie etwas von ihr ab und sah ihr durch das Halbdunkel des Zimmers fest in die Augen.

„Sera, ich verspreche Dir, dass Poppy und Dein Dad sehr gut auf mich aufpassen werden und dass nichts darauf hindeutet, dass es Probleme geben könnte, wenn das Baby kommt", sie gab ihr einen dicken Kuss auf die Wange und fügte hinzu, „Natürlich werden Dein Dad und ich mich am Anfang ganz besonders um Deine neue Schwester kümmern müssen, sonst bekommt sie ja nichts zu essen und fühlt sich hier bei uns nicht wohl. Aber das Tolle ist, Babys wachsen! Zwar langsam, aber jeden Tag ein bisschen und stell Dir mal vor, Du kannst Deiner neuen Schwester dann all Deine Geschichten erzählen und Du kannst ihr dabei helfen zu lernen und alles zeigen, was man so wissen muss. In ein paar Jahren kannst Du dann mit ihr spielen, wenn Eileen dazu vielleicht keine Lust oder keine Zeit mehr hat, und vielleicht mag Deine kleine Schwester auch all die Sachen, die Du auch magst und Du hast dann eine neue Freundin."

Sera schien sich Hermines Argumente sorgsam durch den Kopf gehen zu lassen, dann blitzte es auf einmal in ihren Augen und sie meinte aufgeregt, „Dann bin ich auch nicht mehr die Kleinste, dann bin ich ja eine große Schwester!"

„Ja! Ganz genau!"

„Das ist nicht schlecht", fand Sera bei näherer Betrachtung der Dinge, „darf ich dann auch so lange Aufbleiben, wie Eileen?"

„Netter Versuch, Sera Granger. Ich verspreche Dir, dass Du als zukünftige große Schwester länger aufbleiben darfst, als Deine kleine Schwester", lachte Hermine, da sprachen wohl gerade die slytherinschen Gene.

„Mist!", Sera schob enttäuscht die Unterlippe vor, was Hermine grinsen ließ. Sie legte sich etwas bequemer hin und schlang ihren Arm fest um ihre Tochter herum.

„Sera, mein Schatz, mach Dir bitte keine Sorgen! Wir haben Dich und Deine Schwester unglaublich lieb und das wird nicht weniger, wenn da noch jemand ist, den wir lieb haben, denn Liebe wird nicht weniger, wenn man sie teilt, sie wird sogar mehr!"

„Echt, wie geht das denn?", staunte Sera.

„Ganz einfach, das ist Magie!", lächelte Hermine verschmitzt.

„Ach so und warum geht das nicht bei Kuchen oder Schokolade?", wollte ihre schlaue Tochter mit dem Hang zu Süßigkeiten wissen.

„Weil Kuchen und Schokolade im Überfluss nicht gut für Euch sind, aber zuviel Liebe kann es gar nicht geben!"

„Schade! Aber das mit der Schokolade stimmt", gab Sera nach einigem Überlegen zu, „weißt Du noch, als Albus bei meinem letzten Geburtstag viel zu viel davon gegessen hatte und sich dann übergeben musste!"

„Wie könnte ich das vergessen, immerhin hat er sich auf meinen Umhang übergeben!" erinnerte sich Hermine ungern.

„Und dann auch noch auf Dads Schuhe!", kicherte Sera, sie dachte wohl gerade an das ungläubige Gesicht ihres Vaters, als der zweite Potterspross einen weiteren Teil des Kuchenbuffetts auf seinem Schuhwerk reproduziert hatte.

„Wann kommt Dad eigentlich wieder heim?", wechselte Sera ganz überraschend das Thema.

„Schon übermorgen, mein Schatz!", Hermine war froh wenn er wieder da war, eine Wärmeflasche war kein Ersatz für einen warmen Männerkörper.

„Gut, kann ich dann heute Nacht noch in seinem Bett schlafen?", bettelte Sera listig, sie würde sicherlich eine Slytherin werden.

„Ja, das geht klar", erlaubte Hermine gern.

„Hast Du eigentlich keine Angst, dass Dein Bauch bald platzt?", erkundigte sich Sera einfühlsam, während sie über Hermine in Severus Betthälfte krabbelte.

„Nein, eigentlich nicht, obwohl es sich ab und an schon so anfühlt", lachte Hermine.

„Alexander meint, dass seine Mutter immer ausgesehen habe, wie ein Wahlross."

„Ich glaube, Du solltest mal mit anderen Kindern spielen", war sich Hermine sicher, dieser Alexander schien nicht der beste Umgang zu sein.

„Aber er hat ganz tolle Spielsachen und ich sage ja auch nicht, dass Du aussiehst wie ein Wahlross, Mum!"

„Oh, wie nett von Dir, und wie sehe ich Deiner Meinung nach aus?"

„Nun", musste Sera nur kurz überlegen, „eher wie ein Kugelfisch, würde ich sagen."

„Auch nicht viel besser!", befand Hermine seufzend, „und bevor Du Dich hier weiter um Kopf und Kragen redest, Serafina, solltest Du besser die Augen und den Mund zumachen und schlafen!"

„Na, gut", gähnte ihre Jüngste unbeeindruckt, „dann sage ich Dir aber auch nicht, was Dad meint, wie Du aussiehst!"

„Oh, wo hast Du denn gelernt, so zu verhandeln?", wollte Hermine kopfschüttelnd wissen.

„Na, bei Dir Mum, das machst Du doch auch immer so mit Dad!", antwortete Sera wie aus der Pistole geschossen.

Da hatte sie wohl recht, aber das sollte man wohl besser hier und jetzt nicht vertiefen.

„Trotzdem wirst Du jetzt schlafen, aber vorher sagst Du mir doch noch, wie Dad findet, dass ich aussehe!"

„Hihi", kicherte Sera, sie konnte sowieso nicht lange ein Geheimnis bewahren, dafür war sie viel zu mitteilsam, „Er sagt, Du erinnerst ihn an einen Kürbis".

„So?", na, das würde aber Ärger geben, soviel war klar.

Sera beugte sich noch mal zu ihr herüber, schlang ihre Ärmchen um ihren Hals und gab ihr einen dicken Kuss, „Schlaf gut, Mum, ich hab Dich super lieb!" Dann hob sie die Bettdecke an und rief in die dunklen Tiefen von Hermines Bett, „Schlaf auch Du gut, kleine Lillian!"

Hermine lachte leise vor sich hin und drückte ihre Noch-Jüngste fest an sich, „Ich habe Dich auch super lieb, mein Schatz! Schlaf auch Du gut und träum was Schönes!"

Und das taten sie dann auch.

Alle drei.

ENDE!

So, das war es nun endgültig für dieses Mal.

Herzlichen Dank an alle treuen Leser und die, die so nett waren eine Rückmeldung zu geben.

Wenn Ihr wollt lesen wir uns um Ostern herum wieder, natürlich mit einer neuen Geschichte rund um unseren Kerkermeister und seine Frauen.

Eure Efraimstochter