Kapitel 20 – Testify To Love (Wynonna Judd)

Sie hatte das Gefühl zu verblöden.

Denn die einfache Aussage des Schließers überforderten ihre grauen Zellen maßlos.

„Frau Haase – ihr neuer Anwalt!", hatte der hochgewachsene Mann gesagt. Er war Anfang bis Mitte zwanzig und war einer der wenigen, denen Gretchen nicht sonderlich vertraute. Während die meisten Beamten, die hier rumliefen, immer darauf bedacht waren, die Höflichkeit und damit auch ihren Titel zu wahren, schafften es wenige einfach nicht dem Grundelement von Würde nachzukommen.

Und je länger sie dieses Spiel nun schon beobachten konnte, oder musste, wurde ihr eines sehr deutlich vor Augen gehalten: Sie würde in einem richtigen Knast niemals überleben. Sie war ja hier schon mit ihren Mitinsassinnen überfordert und die Umstände, dass so manche Frau die Nacht über schrie, umsichtrat und sich nur mit Beruhigungsmitteln wieder fangen konnte, machten den Eindruck nicht viel erträglicher, wenn sie daran dachte, die nächsten fünfundzwanzig Jahre mit diesen Menschen auf wenigen Quadratmetern zusammengepfercht zu werden.

Sie bemühte sich diese Gedanken weitestgehend zu streichen, es würde ihr nicht weiterhelfen, wenn sie sich das schlimmste ausmalte und dadurch ihr Leben, was jeden Tag vor sich hin tickte, nur noch unerträglicher werden würde, doch manchmal konnte sie sich gegen diese Ansichten einfach nicht wehren.

In Momenten, in denen sie händeringend nach einem neuen Anwalt suchte, weil sie auf gar keinen Fall einen Pflichtverteidiger haben wollte.

In Momenten, in denen sie nicht mehr darauf vertraute, dass die Menschen da draußen noch an sie dachten.

In Momenten, in denen sie sich wünschte, dass sie Alexis wirklich umgebracht hätte, damit dieses Martyrium nicht umsonst war.

Den Weg durch die einzelnen Korridore kannte sie bereits auswendig, auch wenn sie diese erst ein paar Mal gelaufen war. Während also einzelne Schließer die weiß lackierten Stahlgittertüren öffneten und hinter ihr wieder kräftig verschlossen, hatte sie genügend Zeit zu überlegen, ob die Menschen, die immer noch an ihre Unschuld glaubten einen besseren Anwalt als den letzten gefunden hatten.

Bedächtig ging sie nach dem Beamten durch den Türrahmen in das Zimmer, in dem sie schon das letzte Mal ungestört mit ihrem rechtlichen Beistand reden konnte, war aber mächtig irritiert, als ein Mann mit dem Rücken zu ihr gewandt dem Schließer durch eine abwinkende Geste bedeutete zu verschwinden, der dieser auch direkt nachkam, und unter leisen Flüchen den Raum tatsächlich mit einem lauten Türknallen verließ.

Gretchen biss sich unsagbar hart auf die Unterlippe. Das konnte doch nicht wahr sein, dass das schon wieder so ein furchtbar arrogantes Arschloch war, oder?

Doch noch während sie sich fragte, warum ihre Lieben da draußen anscheinend es nicht sonderlich gut mit ihr meinten, drehte sich dieser Mann zu ihr um, und bedachte sie mit einem Lächeln.

Ein Lächeln, was sie kannte.

Ein Lächeln, was sie Jahre lang vermisst hatte.

Ein Lächeln, was ihr Mut gab, aber auch gleichzeitig so emotional überwältigte, dass sie bevor ein lauter Schluchzer ihrer Lunge erklomm, ihre Hand auf ihren Mund presste.

Die ersten Tränen waren schon geflossen, noch bevor Steffi aufspringen konnte, um seine Freundin in den Arm zu nehmen.
„Na na... Nicht weinen, sonst muss ich auch...", brachte der ehemalige Blondschopf mit belegter Stimme hervor, während er sich in einer Bärenumarmung an Gretchen klammerte.

Sie schaffte es nicht, Steffi ebenfalls zu umarmen, vergrub sie ihr Gesicht deshalb einfach nur in die erlösende Armbeuge ihrer Freundin. Ihrer besten Freundin.

Es war ihr völlig egal, wie Steffi es geschafft hatte hier herein zu kommen, oder wie lange sie nur Zeit hatten, sie fühlte sich nicht mehr allein, denn es bedeutete etwas, dass er hier war. Dass er sich die Haare gefärbt hatte, in einem schicken Anzug mit einer Ausrede ein Anwalt zu sein. Doch egal was es war, sie würde ihm für diesen Augenblick, in dem sie wieder sie selbst sein durfte, in dem sie für einen Moment vergessen durfte, was in den letzten Wochen aus ihr geworden war, immer dankbar sein.
Ihr ganzer Körper zuckte in seinen Armen, so sehr weinte sie und konnte nicht aufhören, im Gegenteil, denn als Steffi begann ihr beruhigend über den Rücken zu streichen, schaffte sie es noch nicht mal mehr richtig zu stehen, so sehr freute sie sich, so sehr plagten sie die letzten Wochen.

„Komm", er zog hörbar die Nase hoch „setzen wir uns lieber, bevor die da draußen noch was mitbekommen!"

Ihr Gesicht noch immer an seiner Schulter vergraben warteten sie umständlich zur Mitte des Raumes um sich vor dem Tisch auf die umstehende Stühle niederzulassen.

Deshalb war es auch an der Zeit für Gretchen sich aus der beruhigenden Schwärze seiner Umarmung zu lösen, um die wertvolle Zeit, die sie hatten, nicht nur ausschließlich mit Heulen zu vergeuden.

Steffi streichelte ihr einmal von ihrer Wange über die Haare zum Hinterkopf, an dem er sie dann ganz nah zu sich heran zog, um ihre Stirnen aneinander zu legen.

Tief durchatmend schloss sie für einen kleinen Moment die Augen:
„In was für Schwierigkeiten hast du dich nur hineinmanövrieren lassen, Sweetie!"

Egal was sie gesagt hätte, Gretchen schluchzte schon wieder ungehemmt los, war sie doch einfach überfordert von so viel Mitgefühl und Sanftheit, wovon sie niemals gedacht hätte, dass nur ein paar Wochen ohne diese Geborgenheit, so schmerzen konnten.

Steffi bemühte sich wieder die erneuten Tränen von Gretchens Wangen zu wischen, versagte aber bei dem Versuch kläglich.

Es tat so unglaublich weh, Gretchen in diesem aufgelösten Zustand zu sehen. Noch nicht einmal letztes Jahr, als sie zu ihm gekommen war, hatte sie so geweint (vermutlich hatte sie das damals schon hinter sich gehabt), doch nun war das Ausmaß ihrer Situation so viel ungewisser, was auch Steffi maßlos ängstigte, obwohl er vor Marc sich so viel selbstsicherer gegeben hatte.

Es dauerte lange, bis Gretchen es geschafft hatte, diesen unsagbaren Fluss an Tränen Einhalt zu gebieten und mit matter Stimme sich dafür entschuldigte.

„Dummerchen, heul was das Zeug hält, solange es dir dadurch besser geht!", besänftigte Steffi abermals die kleine blonde Frau, die ihm verloren gegenübersaß.

„Wie... wie viel Zeit haben wir denn?", sie wischte sich mit dem Ärmel ihres Sweatshirts über die rotgeränderten Augen, konnte nun klarer sehen: „Und was hast du überhaupt aus dir gemacht? Und die noch wichtigere Frage, wie bist du hier..."
„Shhh", Steffi nahm Gretchens Hände in ihre, bemerkte wohl, dass diese eiskalt waren und noch immer stark zitterten, und sah ihr mit einer Gewissenhaftigkeit in die Augen, die nichts anderes konnte, als sein Gegenüber die Panik zu nehmen.

„Wir haben wohl etwa Zeit bis um achtzehn Uhr – dreieinhalb Stunden. Ich wäre ja schon gern früher hier gewesen, aber die Bürokraten am Eingang haben mich erstmal auf Herzen und Nieren geprüft, weil ein Anwaltsbesuch wohl nicht von dir erwähnt worden war. Und wie ich es geschafft habe, Sweetie: das willst du nicht wissen. Es ist auch egal, ich bin hier, um dich zu trösten, dir wieder ein bisschen mehr Mut zu zureden und..."
„Wie geht's Marc,... und Mama und Jochen und...", sie stockte, weil sie diese Namen schon so lange nicht mehr in den Mund genommen hatte. Es war fast ein fremdartiges Gefühl über die Jahre vertrauten Menschen so lange nicht mehr angesprochen zu haben. Und doch war diese Wärme, die sie empfand, als sie von ihnen dachte und auch sprach so bittersüß existenziell, wie die Luft zum Atmen.

Ihr rannen schon wieder Tränen über die Wange, doch wischte sie diese routiniert weg.

„Ihnen geht es gut, Hase, nun, sofern man den Aspekt außer Acht lässt, dass sie sich wahnsinnige Sorgen um dich machen! Wie geht es dir also?"

„Sie denken an mich?", brachte Gretchen kleinlaut heraus. Sie hatte nie wirklich daran gezweifelt, nur waren zwischen Nichtzweifeln und genau Wissen unendliche Unbekannte, die es sich lohnte zu hinterfragen.

„Natürlich", bestürzt zog Steffi Gretchen zurück in die Arme „Natürlich, denken sie, denken wir alle an dich. Marc und deine Mutter, Jochen, ja selbst dein knackiger Ex-Latino war gerade noch bei Marc und... Wir vermissen dich, und jeder weiß, dass diese Anschuldigungen erstunken und erlogen sind – egal mit wem dieser Mann gefickt hat, okay?"

Abrupt lehnte Gretchen sich zurück und schaute mit einem panischen Blick in Steffis hoffnungsvolles Gesicht: „Wer weiß davon?"

Der tiefe Seufzer, der seiner Kehle hinaufstieg, legte Gretchen das ganze Ausmaß offen, was dort draußen in ihrer Abwesenheit vorgefallen sein mag.

In einem Anflug von von erneuter großer Angst sprang sie auf und rannte ein paar Mal hin und her durch den Raum, starrte wie in Trance auf den Boden und biss sich immer wieder auf die Daumenkuppe.
„Hast du es ihnen erzählt, Steffi?"
„N-nein, nicht direkt und schon gar nicht „ihnen"!", er setzte mit seinen Fingern sogar kleine Anführungszeichen in die Luft.

„Gretchen, komm", er richtete sich ebenfalls auf, nur um sie wieder dazu zu bringen sich wieder hinzusetzen: „Es ist doch gar nicht schlimm. Es war ja nun nicht so, dass du von vorn herein von dieser Abartigkeit dieses Millionärs gewusst hast und au..."
„Es ändert nichts daran, dass ich mit diesem", Gretchen schüttelte es bei dem Gedanken bis ins Mark „Geisteskranken geschlafen habe. Das ist so wiederwertig und erniedrigend. Oh Gott, nicht nur, dass ich hier drin sitze, da draußen geht mein Leben auch den Bach runter, weißt du das! Marc wird..."
„Marc hat Verständnis, Gretchen", sein suchender Blick fing ihren nach mehreren Versuchen ein.
„Glaub mir, alles ist gut, wir stehen hinter diesen dicken Mauer allesamt geschlossen hinter dir. Und außer Marc weiß diesen Umstand eh noch niemand. Nur musste man ihm vor Augen halten, dass es hier um dich geht und nicht um ihn!"

Gretchen legte ihre Stirn in tiefe falten.
„Nicht Runzeln, gibt Falten", neckte er unbeholfen, zog Gretchen letztendlich aber wieder zu den Stühlen zurück.

„Was ist mit Marc?", fragte Gretchen matt.

„Ich will nicht zu viel vor weg nehmen, denn", Steffi ergriff aus seinem Sakko den Umschlag mit dem Brief, den Marc geschrieben hatte, und drückte diesen dann Gretchen unvermittelt in die Hand „er wird sich was dabei gedacht haben, dir einen Brief zu schreiben. Aber lass dir so viel gesagt sein: er liebt dich. Sehr.

Und von allen, die wir warten, dass du hier endlich wieder rauskommst, misst er dich doch am meisten, obwohl ich mit deiner Mutter dicht folge!", grinste er, und Gretchen wischte sich schon wieder verstohlen einzelne Tränen aus den Augenwinkeln.


Am selben Abend saß Gretchen in der kleinen Zelle am Schreibtisch und hatte die schmächtige elf Watt Lampe angeknipst um in aller Ruhe diesen Brief zu lesen. Sie hatte unglaubliche Angst gehabt, dass man ihr den Brief vielleicht abnehmen könnte, und Steffi dann auch auffliegen würde. Doch selbst darauf war ihre Freundin bestens vorbereitet gewesen. Eine Sammelmappe gefüllt mit irgendwelchen Dokumenten, die Steffi wahllos ausgedruckt hatte, überreichte sie ihr, damit es so aussah, als ob Gretchen diese Papiere durchgehen sollte, da es ihr Verfahren betraf. Ja, und da biss die Maus keinen Schwanz ab – diese Unterlagen waren für die Schließer und andere Beamte tabu.

Gretchen biss sich auf die Lippe.

Sie hatte Steffi gefragt, ob sie den Inhalt des Briefes kannte, doch diese hatte nur ehrfürchtig den Kopf geschüttelt: „Ich bin vielleicht ein wenig wissbegierig, aber ich kenne meine Grenzen schon noch, Hase!"
Durch ihre einfache Art, ihre Steffi-Art, war der Abschied umso schwerer geworden, und Gretchen musste versprechen, dass egal was auch immer kommen mochte, sie niemals die Hoffnung verlieren dürfte.

Dies war einfacher gesagt als getan, wenn sie beim Abendessen schon wieder arg von den Mitinsassinnen gegängelt wurde – nur so viel brutaler als früher von Marc auf dem Schulhof.

Sie öffnete vorsichtig den Umschlag und erkannte sofort Marcs große geschwungene Schrift. Es hatte sich schon jetzt ein dicker Kloß in ihrem Hals gebildet. Das war Marc, der ihr einen Brief geschrieben hatte. Außer, dass er in irgendwelchen Patientenakten, Kurven oder die obligatorische Grußkarte für Geburtstage, Ostern oder Weihnachten den Füllfederhalter in die Hand genommen hatte, konnte sie sich nicht einmal daran erinnern, dass er etwas geschrieben hatte. Gut, ab und zu vielleicht mal etwas auf die Einkaufsliste gesetzt hatte, aber einen Brief? Einen handgeschrieben Brief über viele Zeilen lang?

Ihre Unterlippe bebte verdächtig und auch das bekannte Brennen in ihren Augen gestellte sich direkt dazu.

Vorsichtig, als ob dieses Stück geschriebenes das wertvollste auf der ganzen Welt war, entfaltete sie die Seiten und begann dann die Worte, die ausschließlich ihr galten - niemand anderem - zu lesen:


Liebes Gretchen,

du solltest am besten wissen, dass ich nicht einmal in meinem ganzen Leben einen Liebesbrief geschrieben habe. Noch nicht mal zu Schulzeiten. Auch wenn diese Zeilen weit davon entfernt sind die Eigenschaften eines solchen Liebesbriefes aufzuweisen, so fühlt es sich doch genau so an.

Die letzten Wochen sind mir in konkreter Situation vorgekommen, wie eine Ewigkeit. Doch bei genauerem Überdenken bemerkte ich, dass dem ganz und gar nicht so war. Die Zeit raste – doch leider nur an mir vorbei. Ich habe dich dafür regelrecht gehasst, dass du mich in diese Situation mit hineingezogen hast. Ich habe mich bemüht dir die Schuld zu geben, wohlweißlich, dass du zwar nicht schuldig im Sinne der Anklage warst und bist, aber den Umstand auch nicht gerade erleichtert hast, außer deinem ehemaligen Anwalt mitzuteilen, dass ich mir doch bitte eine neue Assistenzärztin und Freundin suchen sollte.

Ich weiß nicht genau wie dieses Missverständnis aufgekommen ist – doch seit gestern weiß ich das es nur das war. Ein Missverständnis.

Es liegt vielleicht an Steffis Einfluss, an ihren Adleraugen und ihrer Fürsorge, dass ich gewillt war meine Meinung zu überdenken. Dass ich nicht mehr den Weg des geringsten Widerstand gegangen bin und mich der Realität stellte. In vielerlei Hinsicht.

Denn, nur du schaffst es, Gretchen, dass ich mich in einer Depression wiedergefunden hatte und dass ich Alkohol trank. Viel Alkohol.

Es begann mit dieser Nachricht, mit dem Wissen, dass du nicht da warst, mit dem Bewusstsein, dass ich irgendjemandem die Schuld geben musste, damit ich mich besser fühlte. Damit der taube Zustand in dem ich mich seit dem Abend, an dem ich dich das letzte Mal gesehen hatte, geringfügiger wurde.

Und je mehr ich mir deine Schuld eingeredet hatte, desto wütender wurde ich auf dich, doch viel schlimmer war die Traurigkeit über meine Gedanken, über dein Verhalten, über das friedvolle Gelabere von Menschen, die es mit mir, aber in erster Linie mit dir, gut meinten.

Angefangen bei Mehdi, unseren Eltern und Steffi. Wobei nur letztere es geschafft hatte mich auf längere Zeit wieder nüchtern zu kriegen und meine Gedanken durch ihre vereinnahmende Art wieder klarer werden zu lassen.

Doch wie so oft warst ganz allein du meine Rettung.

Es hat dir damals in der Schule schon unglaublichen Spaß gemacht mir meine Noten durch deine Hausaufgaben zu retten, oder dass viele Stunden in denen ich geschwänzt hatte, nicht im Klassenbuch eingetragen worden waren. Und kaum fünfzehn Jahre später sieht man sich wieder und schon an deinem ersten Arbeitstag hast du nicht nur einer Patientin das Leben gerettet, sondern mir auch meinen Allerwertesten.

Und mit der Erlaubnis deiner besten Freundin habe ich deine Tagebücher gelesen. Ich weiß wohl, dass es falsch war, denn auch egal wie sehr ich dich damit aufziehe, so weiß ich doch, dass deine intimsten Gedanken neben mir auch noch in deinen Büchern platz finden.

Wenn ich es früher belächelt habe, so bin ich jetzt wirklich froh, dass ich diese Möglichkeit hatte. Denn die letzten Einträge vom September des vergangenen Jahres waren die mit Abstand lehrreichste Lektüre, die ich jemals gelesen habe.

Sie war über dich, nur dich und mit allem, was du erlebt hattest, wolltest du nicht aufgeben. Ich verstehe leider nicht, warum du mir zwischen all den ernsteren Gesprächen, die wir geführt hatten nicht einmal etwas von dieser Nacht erzählt hast, doch das ist nebensächlich. Deine Worte waren es, die mich wachgerüttelt hatten. Denn du hattest damals ganz recht, als du geschrieben hast, dass du eine Wahl hattest, dein Vater aber nicht!
Und diesmal hast du keine Wahl – ich schon.

Deshalb sei dir gewiss, dass ich hier sein werde, wenn wir diesmal gemeinsam, zwar auf unterschiedlichen Positionen, diese Situation gemeistert haben.

In Liebe Marc

PS: Du hast Moira unseren Wohnungsschlüssel zum Blumengießen gegeben? Wirklich gut gedacht, Dr. Hasenzahn, denn wenn deine Mutter sich über die Yucca-Palme hergemacht hätte, wäre sie ersoffen.

Bei meiner Pflege allerdings ist sie leider eingegangen.


Gretchen hatte schon bei den ersten Worten angefangen zu weinen, doch bei seinem letzten Abschnitt musste sie unweigerlich jauchzen. Es war unheimlich entspannend ein bisschen Lachen zu können.

Mit den Papierseiten bewaffnet machte sie sich auf in ihr Bett, drückte sie fest an ihre Brust, ein kleiner Kuss auf die DIN a4 Seiten und kaum ein paar Minuten später war sie friedlicher als jemals zuvor in diesen Gemäuern eingeschlafen.


Original Writing: 28. September 2011

Original Air-Date: 06. März 2012

lg

manney