Kapitel 31Rock And Roll Dreams Come Through (Meat Loaf)

Gerädert wachte er früh morgens auf, da Gretchen sich sehr unruhig hin und her wälzte, aber nicht aufwachte. Beruhigend, ohne sie aufzuwecken drückte er sich wieder näher an sie heran, hielt sie in seinen Armen, liebkoste immer wieder ihre Hand, die unter der Bettdecke hervorlugte. Und nach nur wenigen Minuten hatte sich ihre Atmung wieder normalisiert und sie rollte sich auf ihre Lieblingsposition, den Bauch. Diese Beständigkeit ließen ihn schwer schlucken. Einen kleinen sanften Kuss auf ihre Locken gedrückt, dann schälte er sich aus dem Bett hervor.

Der morgendliche Blick auf den Wecker, der in großen roten Zahlen die Uhrzeit von 5:45 angab, war für ihn ein fester Schlag mitten ins Gesicht. Er fühlte sich, trotzdem er – er rechnete nach – fast sieben Stunden geschlafen hatte, kraftlos und schlapp. Sein erster Weg führte ihn durch den Flur ins Bad, in dem er erst mal den Heizstrahler auf die höchste Stufe stellte, damit Gretchen, wenn sie aufwachte, nicht genauso fröstelte, wie er, als er seine morgendlichen Erledigungen beendete. Nach dem gründlichen Zähneputzen schaute er voller Ehrfurcht sein Spiegelbild an, das ihn zwar mit dunklen Rändern unter den Augen anstarrte, aber ein Zucken seiner Mundwinkel nicht verbergen konnte. Sein Gretchen war wieder da.

Ein vollwertiges Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus. Mit Grübchen, blitzenden Augen, aufgepolsterten Wangen und strahlenden Zähnen. Und er fühlte sich ebenfalls zurückgekehrt, fast so, als wenn auch er nach einem langen furchtbaren Traum endlich aufwachen durfte.

Mit fröhlicher Mine und nun auch nicht mehr ganz so müde sprang er in seine Klamotten und verließ die Wohnung. Nicht aber bevor er Gretchen direkt auf seiner Seite des Bettes einen Zettel gelegt hatte: „Bin Brötchen holen. Egal was du denkst, kneif dich meinetwegen, es ist kein Traum!" Was er nun damit meinte, ob er Brötchen kaufen gehen würde, oder die Tatsache, dass sie wirklich wieder hier bei ihm, in seinem... scratch that... in ihrerbeiderWohnung war, das wusste wohl nur sie selbst am besten.

Kaum zwanzig Minuten später war er als Eiszapfen zurückgekehrt, vollbepackt bis obenhin, mit den verschiedensten Sorten Brötchen, Brotaufstrich, Aufschnitt und sogar Süßkram, falls ihr danach war. Mit Leichtigkeit machte er sich daran den Tisch zu decken. Er war gewiss nicht sehr Detailverliebt, dennoch wusste er, dank jahrelanges Training bei seiner Mutter, dass Servietten ein Muss waren, ein Messer immer außen und mit der Schneide zum Teller auf der rechten Seite des Sitzes zu liegen hatte. Auch, dass eigentlich eine Untertasse mit dem oberen Rand des Frühstückstellers eine Flucht ergeben sollte wusste er, nur war ihm dies erst wieder eingefallen, nachdem er den Tisch schon mit allen möglichen Fressalien vollgestellt hatte und für Untertassen kein Platz mehr war.

Er seufzte. Perfekt war das gewiss nicht.

„Du bist wundervoll", erschrocken fuhr er herum, sah Gretchen im Türrahmen des Flurs stehen, der das Bad und Schlafzimmer vom Wohnzimmer mit der Küche und Essecke abtrennte. Nur mit einem abgewetzten, ausrangierten Hemd von ihm bekleidet, war sie ein ganz besonderer morgendlicher Anblick.

„Wie lange bist du denn schon wach?", fragte er perplex, sollte seine Frage vielmehr lauten, wie lange sie ihn schon beobachtete. Denn sein zurechtrücken der Teller auf dem Tisch durfte wirklich niemand mitangesehen haben.

Sie sagte nichts und kam einfach weiter auf ihn zu, schmiegte sich in seine Arme, die er sofort um ihren Körper schlang. Tief atmete sie seinen ganz eigenen Geruch ein, den sie so liebte. Auch wenn er zu besonderen Anlässen Aftershave auflegte, so war es ihr so viel lieber einen frisch geduschten Marc mit seinem ganz eigenen Duft zu schnuppern. Es gab ihr einen Anflug von innerer Ruhe.
„Danke", flüsterte sie an seiner Halsbeuge, löste sich dann von seiner Schulter, nahm eine Armeslänge Abstand um ihm dann mit einem bezaubernden Lächeln die Spucke zu nehmen.

„Ich weiß nicht, wie ich das überstanden hätte, wenn ich nicht gewusst hätte, dass du hier draußen bist... und...", sie biss sich auf die Unterlippe. Der Punkt des Heulens sollte doch überwunden sein, oder?

„Gretchen, es ist okay, da..."
„Nein", unterbrach sie ihn heftig, krallte ihre Finger in seine Unterarme, brauchte einen tiefen Atemzug um sich zu sammeln: „Nein, es ist nicht okay, Marc. Danke, für das Durchhalten und den Brief, für gestern Abend, und das keine Fragen stellen, ich... ich wusste nicht, ob du noch... ob ich noch die selbe bin, doch... und", es rannen ihr schon wieder einzelne Tränen die Wange hinab, die sie barsch wegwischte: „danke, dass du mich erträgst!"

Auf seinem Gesicht machte sich ein eindringliches Lächeln breit, ehe er sich leicht nach vorn lehnte und die salzigen Tropfen aus ihren Mundwinkeln küsste. Danach lehnte er seine Stirn an ihre, schloss die Augen:
„Als ob ich es mir leisten könnte, dein Danke anzunehmen. Ich hätte hier ewig gewartet, nur um mich bei dir zu entschuldigen, für Wochen, für die ich ganz sicher keinen Dank verdient habe."

Sie atmete zittrig aus: „Aber ich..."

Er schüttelte leicht den Kopf, die verzogenen Lippen noch immer imminent: „Ich liebe dich, und selbst wenn hundert Mal ein Anwalt etwas falsch darstellt und ich mich bis zur Besinnungslosigkeit betrinke. Es macht mir nur deutlich, wie sehr ich schon von dir vereinnahmt bin, obwohl du noch nicht mal in der Nähe warst", witzelte er.

„Ich weiß nicht, ob ich noch... ich bin", sie lehnte beklommen ihren Kopf wieder in Marcs Halsbeuge, störte sich nicht an ihrer bizarren Position, vor der Kücheninsel stehend.

Mit einem abwegigen Kopfschütteln bemühte er sich ihre Zweifel zu zerstreuen: „Kaffee?"

Sie schluchzte kurz auf, liebte ihn dafür, dass er sich so unendlich viel Mühe mit ihr gab und ihr zu Liebe auch mehr als nur ein paar Sekunden seine ganz weiche und liebenswerte Seite zeigte.
„Von dirgemachter Kaffee", lachte sie unter Tränen.

Ein empörtes Rümpfen seiner Nase waren Antwort genug, damit Gretchen zufrieden lächelnd am Tisch Platz nahm.

„Ich denke ich habe alles da, was man sich für ein deutsches Frühstück wünschen kann", er grinste sie über den Tisch hinweg an, beobachtete wie sie den ganzen Tisch musterte und bei dem Korb mit den schon aufgeschnittenen Brötchen hängenblieb.

Sie atmete tief ein, verkniff sich die Tränen, aber an der bebenden Stimme konnte sie nichts ändern:

„Ich kann überhaupt nicht glauben, dass ich hier sitze und die Wahl zwischen Käse- und Kürbiskern-Brötchen habe", sie biss sich nachdenklich auf die Unterlippe, schaute Marc unverwandt in die Augen, suchte nach einem Hinweis, auf einen Traum, einen schlechten Scherz, oder das Unheil, welches vielleicht hinter jeder Träne, die sie weinte, hervorspringen könnte. Aber er stand nur vom Tisch auf, setzte sich neben Gretchen auf den Stuhl um kurz darauf ihre noch immer kalte Hand an seine Wange zu legen: „Du kannst auch beide essen", scherzte er.

Nachdem er seinen Teller neben Gretchens gestellt hatte und sie sich genüsslich schon das erste Käsebrötchen mit Butter, Ei, Bacon und Salz belegt hatte, setzte sie sich mit dem Rücken an Marcs Seite gelehnt quer auf ihren Stuhl, ihre nackten Beine auf den nebenstehenden Stuhl, an der kurzen Seite des Tisches, abgelegt, biss sie ungeniert ungeduldig in ihr Brötchen – und seufzte wohlig auf.

Marc grinste, legte einen Arm um ihre Schulter und formte einen kleinen Kuss auf ihren Mittelscheitel: „So gut?"
Verträumt schaute sie zu ihm hinauf: „Fantastisch. Du hast keine Ahnung wie gut!", sie biss gleich noch einmal ab.

Er hatte eigentlich fest mit einem weiteren Ausbruch an Tränen und Schluchzern gerechnet, doch diese blieben aus.

Sie beugte sich zum Tisch nach vorn, um einen Schluck Kaffee zu probieren.

Marc kniff die Augen zusammen.

Durch ihren Rundrücken zeichneten sich unter dem Hemd ganz klar einzelne Wirbel ab. Sich ebenfalls nach vorn lehnend, küsste er einen der Th Brustwirbel. Erschrocken fuhr Gretchen zusammen, verschüttete beinahe das braune Gebräu: „Marc", kicherte sie benommen, hörte aber abrupt damit auf, als sie merkte, dass ihr Freund sein Gesicht in ihren Rücken verbarg. Die Kaffeetasse zurück auf den Esstisch stellend, suchte sie nach Marcs Händen, die sie vor ihrem Bauch mit ihren eigenen verknotete:

„Ich hab dich so vermisst!", sagte er beklommen.

Nur langsam lehnte sie sich wieder zurück in ihre Ausgangsposition, schloss die Augen und legte ihren Kopf auf die rechte Seite seiner Brust.

Er strich ihr mit seiner linken Hand eine Haarsträhne aus dem Gesicht hinters Ohr: „Deine Mutter wird mich lynchen, dass du nicht zuerst zu ihr gekommen bist, sondern hier her!"

Sie öffnete mit einem verschmitzten Grinsen die Augen: „Und mich erst, wo ich hier gestern nur rumgesessen habe, aber es nicht geschafft habe weder dich noch sie anzurufen!", sie seufzte wohlig auf, da Marc begonnen hatte mit der um ihren Körper geschlungenen Hand ihre Taille zu streicheln.
„Ich möchte, dass du hier offiziell einziehst!"

Sie zog ihre Stirn kraus: „Ich will nicht, dass du meinst das sagen zu müssen, weil du aus Mitleid..."
„Glaubst du wirklich, dass ich Mitleid mit dir habe?", fragte er verwirrt, das Tun seiner Hand nahm aber keinen Abbruch, ebenso wenig der intensive Blick, mit dem er sie bedachte.
„Respekt, sicher. Stolz, auf jeden Fall. Liebe, das weißt du. Du bist eine starke Frau, Gretchen, die alles andere als Mitleid verdient hat! Und wenn ich sage, dass du hier einziehen sollst, mit der Bestätigung des Einwohnermeldeamts und deinem Namen unten an der Klingel, dann, weil ich das exakt so meine. Schließlich sind eh all deine Klamotten schon in meinem Schrank!", endete er, beugte sich nun auch noch mal nach vorn um einen großen Hieb Kaffee zu trinken.

„W-woher weißt du...?", fragte Gretchen reuevoll. Sie war ganz still und heimlich bei ihm eingezogen, ohne großes Aufheben, und hatte sich dennoch nie getraut ihn darauf anzusprechen, ob sie dies überhaupt dürfte, geschweige denn seine Wohnung auch die ihre zu nennen.

„Es hat seine Zeit gebraucht, bis ich deine Tagebücher gefunden habe, und bis dahin habe ich dein Zimmer durchsucht und keine Klamotten gefunden", erläuterte er.

Sie hatte die unbändige Ehre zu erröten, als das Wort auf ihre Tagebücher zu sprechen kam, was ihn zum Grinsen brachte.

„Es war wirklich aufschlussreich, was ich da so gelesen habe. Aber auch gefunden...", stichelte er liebevoll.

Gretchen zerknitterte ihre Stirn: „Was meinst du mit „gefunden"?"

„Die David Hasselhoff CD. Mit meinem Foto!", er strich ihr diese eine widerspenstige Locke schon wieder hinters Ohr und hob ihren beschämt nach unten gerichteten Kopf dabei wieder an.
„Warum hast du nie gesagt, dass du ein Foto gemacht hast?", flüsterte er heiser.

Sie schloss ergeben die Augen und lehnte sich wieder an seine Seite, mit dem Rücken an seinem rechten Arm und den Kopf entspannt an seine Brust gelehnt.

„Ich denke, weil ich nicht wollte, dass du dachtest, dass ich denken würde, dass da mehr gewesen war", gestand sie verwirrend, worauf Marc auflachte, aber direkt darauf mit belegter Stimme wieder ernst wurde.

„Und warum hast du mir nie gesagt, was vor einem Jahr passiert war?"

Sie drehte ihr Gesicht zu ihm hoch: „Weil ich dieses Erlebnis vergessen wollte!"

„Hm...", machte er unschlüssig.

„Es tut mir leid", gab sie reuevoll zu. Sie wollte gerade ansetzen um ihre Verschwiegenheit genauer zu erläutern, als er selbst wieder zu reden begann.

„Ich will, dass du mir immer alles erzählst, Hasenzahn. Von Allem! Von irgendwelchen bedrückenden Gedanken bis hin zu der Überlegung ob du dir Nagellack kaufst. Und auch wenn es der rettende Anker in meinem Sumpf war, dass ich deine Zeilen gelesen habe, so sind wir...", er brach ab, da ihre Augen schon wieder mit Tränen glänzten. Er zog sie deshalb noch dichter an sich heran und drückte ihr einen sanften Kuss auf die Schläfe.

„In Zukunft jedenfalls will ich alles wissen. Wann immer du dich danach fühlst, aber ich werde nicht aufhören Fragen zu stellen."

Gretchen wusste, was er damit meinte. Sie würde ihm wie einem Therapeuten von ihrem Gefängnisaufenthalt erzählen müssen, was sie mit zusammengepressten Lippen hinnahm, bevor sie wieder in einen Schluchz-Marathon ausbrach. So viel Empathie, auch wenn sie seine Freundin war, hatte sie dem Menschen Marc Meier nicht zugetraut.

Er bedachte sie mit einem herzlichen Lächeln, küsste sie auf die Stirn und biss belanglos von seinem eigenen Brötchen ab.

Fasziniert sah sie ihm dabei zu, war versucht sich jede einzelne Geste, jeden Atemzug, Rotieren seines Kiefers beim Kauen und Augenaufschlag genauestens einzuprägen.

Marc wiederum arbeitete hart daran, sich seine Unruhe unter ihrem mikroskopischen Blick nicht anmerken zu lassen.

„Ist es so interessant, mir beim Essen zuzuschauen, dass man sich dafür den Hals verbiegt?", witzelte er und schaute dann doch auf sie – noch immer mit dem Kopf entspannt an seiner rechten Brust gelehnt – hinab. Doch anstelle eines tränenverschleierten Blicks, oder eines schelmischen Lächelns, sah sie ihn intensiv und vereinnahmend an.

Zaghaft schob sie ihre kalten kindlichen Hände an seine Wangen und fuhr mit den Daumen seine Wangen entlang, schaute wie betäubt auf ihr Handeln, seine Lippen, um nach einem winzigen Niederschlagen der Augen den seinen zu begegnen. Mutig streckte sie sich zu seinem Gesicht herauf und verschloss seine warmen, von der Winterkälte spröden Lippen mit ihren.

In diesem einem Jahr, das sie zusammen gewesen waren, konnte sie sich nicht einmal daran erinnern, dass ein Kuss mit ihm so zärtlich gewesen war. So völlig ungezwungen und jeglicher Anspannung und Schnelligkeit entbunden. Was jedoch nichts an Marcs Geschicklichkeit einbüßte, der ihrer stupsenden Zunge sofort seinen eigenen heißen Muskel entgegen schob.

Die Hand um ihre Taille wanderte wie von Geisterhand hinauf zu ihrer Brust, die ebenfalls sehr langsam die Aufmerksamkeit zugesprochen bekam, die ihr in den letzten drei Monaten verwehrt geblieben war und... auch das Ende dieses Kusses einleitete.

Gretchen stemmte abrupt die Hände gegen Marcs Schultern und löste sich aus der Umklammerung: „Stopp! Warte!", rang sie nach Atem, da ihr kleines Zungenspiel doch weitaus mehr von ihr abverlangt hatte, als anfangs vermutet.

Wie ein begossener Hund, den man bei strömenden Regen in die Hundehütte verbannt hatte, fragte Marc ungehalten: „Was? Jetzt? Warum?", schob seine Hände aber gefährlich nah ihren Oberkörper hinab zu ihren Hüftknochen, die schon immer eine besonders erogene Zone gewesen waren.

„Nein... warte", stöhnte die Blonde kehlig. „Wir müssen noch abräumen und ich muss mich wirklich dringend bei meiner Mutter melden – persönlich. Bei Jochen, und Werner, Mehdi und... wir haben dafür zu wenig Zeit und...", sie entriss sich seinen geschickten Händen, nahm die Teller vom Tisch, um sie in den Geschirrspüler an der Kücheninsel einzusortieren.

Mit Augen so groß wie Teller versuchte Marc ihre gesagten Worte in verständliche Informationen umzuwandeln. Sie verschmähte Sex mit ihm für ihre Mutter und ihren Bruder, für ihren gemeinsamen Chef und den verweichlichten Gynäkologen? Das konnte unmöglich ihr Ernst sein, oder?
Verschämt schob er seine Hand über die Brust zu seiner pulsierenden Halsschlagader, die er obligatorisch prüfte.

Er hatte so lange gewartet, sie zu küssen, hatte so unendlich lange auf Erlösung gewartet, nicht einmal selbst Hand angelegt, weil er wusste, dass es wichtigeres gab. Doch nun wo seine... der Amerikaner würde von Blauen Bällen reden, fast der Vergangenheit angehörten, stieß sie ihn weg, weil ihr Gewissen sie daran erinnerte, dass es auch noch andere Menschen gab, die sie zu Gesicht bekommen wollten? Es mochte vermessen und egoistisch klingen, aber er konnte auf andere Freunde, Verwandte und Bekannte gerade echt scheißen.

Die nächsten Stunden würde er sie nicht teilen.

Mit diesem Gedanken zog er schon mal seinen Pullover über den Kopf und erhob sich...


Gretchen hatte sich auf Zehenspitzen über die Arbeitsplatte gebeugt, damit sie auf der anderen Seite der Kücheninsel einen unbenutzten Teelöffel verstauen konnte, was sich Marc zu Nutzen machte, indem er sich in seiner gewohnt schleichenden Katzenart von hinten an sie anpirschte. Ein spitzer Schrei entwich ihr, da Marc mit filigranen Fingern seitlich in ihren Slip unters Hemd fuhr, um diesen einen winzigen Augenblick später ungeduldig zu zerreißen.

„Marc", kreischte sie, als sie seinen Atem an ihrem Ohr spürte, weil er sich über sie gebeugt hatte, um sie zwischen seiner Brust und der Metallplatte festzuhalten.
„Du hast gesagt wir haben wenigZeit. Nicht aber keine.", raunte er, fischte in seiner Gesäßtasche nach seinem Portemonnaie, um daraus ein Pariser zu entnehmen. Die leichte Reibung seines Schoßes war ein willkommener Nebeneffekt. Hektisch küsste er sich von ihrem Ohr hinab zu ihrer Halsbeuge, schob die Flut an goldglänzenden Haaren beiseite, fuhr dann mit einer Fingerkuppe geschickt über das kleine Fleckchen und pustete aufreizend die freigelegte Stelle Haut.

Das gewünschte Ergebnis folgte: ein tiefes Stöhnen entwich ihrer Kehle.

Ruppig beförderte er beide wieder in die Senkrechte, schob eine seiner Hände über ihre Oberschenkel unters Hemd, auf ihrer Haut entlang zu ihren Brüsten, die er geschickt stimulierte. Unbeholfen biss sie sich auf die Unterlippe, war sich bewusst, dass jeder weitere Laut ihn nur noch beflügeln würde, weiter zu gehen. Sie noch mehr zu reizen, bis sie sich nicht mehr wehren konnte.

Was dachte sie denn nur: das war doch schon längst passiert – sie konnte sich gar nicht mehr wehren!

Sie wollte es genauso sehr, wenn nicht sogar noch mehr, als er selbst.

Devot legte sie ihren Kopf an seine Schulter, schloss die Augen und ließ sich von seinen forschen Zärtlichkeiten in nahezu ekstatische Sphären befördern, da seine Finger Unglaubliches zwischen ihren Schenkeln anstellten. Doch kurz bevor sie fiel, dem Trieb endgültig unterlag und nach schier endlos langer Zeit der Abstinenz wieder das Gefühl von wahrhaftiger Geborgenheit verspürte, ließ er von ihr ab. Wie durch eine Wand aus Watte nahm sie ihr eigenes resigniertes Keuchen wahr, nachdem sie sich mit den Händen vornüber auf der Arbeitsplatte abgestützt hatte, da sie das Gefühl hatte, ihre Beine würden jeden Moment nachgeben.

Doch noch bevor sie sich erholen konnte, zog Marc sie an der Hüfte zurück und drang ruckartig von hinten in sie ein.

Sie schrie.

Und vergoss sogar ein paar Tränen, als er ihren Oberkörper während seines Rhythmus wieder in die Senkrechte zog, um sie zu küssen.

Es war gewiss nicht das, was man sich in kitschigen Liebesromanen vorstellte, wenn zwei Menschen nach so einer Durststrecke des Beisammenseins wieder miteinander schliefen, aber Gretchen war trotzdem in diesem Moment, in der sich ihre Bauchdecke verdächtig spannte, die glücklichste und ausgefüllteste Frau, die es unter der Sonne gegeben hatte. Es mochte vermessen klingen, aber dieses Blitzen vor ihren Augen, das Ziehen in ihren Muskeln und der leichte Wasserfilm auf ihrer Haut lösten in ihr nur ein einziges, angenehmes Gefühl von Wärme aus.

Verbissen kniff sie die Augen zusammen, als alle Geschehnisse der letzten Monate wie in einer großen Flutwelle weggeschwemmt wurden, um dem berauschenden Dasein Platz zu machen, von Marc Meier überrollt zu werden.

Unter seinen haltlosen letzten Stößen kam sie zu einem gewaltigen Höhepunkt, mit seinem Namen auf den Lippen.

Hilfesuchend klammerte sie sich an seine Unterarme, die er über ihren Bauch gepresst hatte, damit gerechnet hatte, dass ihre Knie wohl doch noch nachgeben könnten.

Er hatte selten das Bedürfnis verspürt beim oder nach dem Sex zu lachen, auch wenn er sich immer ein wenig über ihre Prüderie lustig machte, doch dieses unsagbar schöne Kribbeln in seinem Körper und diese verdammte Freude und das Glück, was wie durch eine Droge in Massen in seinen Körper gepumpt wurde, ließen ihn von Herzen Grinsen: „Ich hab dich so vermisst", flüsterte er, versiegelte dann aber sofort wieder seine Lippen mit ihren.

Unablässig streichelte er ihren Körper, damit sie von dieser Wolke, auf der sie schon Minuten zu schweben schien, nicht einfach so herabfiel.

Er küsste sich an ihrem Wangenknochen zum Ohr hinab zur Halsbeuge, die sie ein letztes Mal erzittern ließ.

„Oh Gott, ich liebe dich so sehr", presste sie hervor, worauf er unverhohlen gegen ihre Haut grinste.

„Mich, oder den da oben?", fragte er belustigt, ließ sich aber keineswegs von seinem Tun, ihr einen waschechten Knutschfleck zu verpassen, abbringen.

Sie gluckste zufrieden, schmiegte sich noch näher an seine Brust heran, war an seiner frechen Meier-Art absolut desinteressiert, da sie sich noch immer so leicht wie Schoko-Kuss fühlte.

„Dich natürlich", flüsterte sie matt.

„Schläfst du mir hier gleich im Stehen ein?"

Sie grinste mit geschlossenen Augen, schüttelte aber dann den Kopf.

Sich ein wenig von ihr lösend, zog er sich aus ihr zurück, was sie mit einem kleinen Seufzer quittierte. Alleine Stehen war ihr zumindest nun möglich.

Irritiert öffnete sie die Augen, da Marc begonnen hatte das Kondom zu zuknoten.
„Warum hast du eigentlich ein Gummi benutzt?", wollte sie neugierig wissen. In dem Jahr in dem sie zusammen waren konnte man diese Male in denen Marc sich freiwillig „einquetschte" - wie er es gerne nannte – an einer Hand abzählen. Dennoch wusste sie das er für den „Notfall" immer ein Kondom in seinem Portemonnaie aufbewahrte. Wunderte sich aber dennoch über sein Handeln.

Er grinste sie vielsagend an, schmiss das Kondom in den Mülleimer, wusch sich die Hände an der Spüle ab, um gleich darauf wieder vor ihr zu stehen, sie bei den Wangen zu seinem Gesicht hochzuziehen und sanft zu küssen.

„Weil ich jetzt Bock habe dich zu Lecken", griente er ungeniert, worauf Gretchen feuerrot erstrahlte und sich dieser Farbton über ihren gesamten Körper ausbreitete: „Marc!", schallt sie ihn, doch er ging schon in eine leicht gebeugte Haltung, schob seinen linken Unterarm unter ihre Kniekehlen, den rechten Arm schlang er um ihren Rücken, damit er sie auf den Armen ins Bett tragen konnte.

Während ihrer laut geäußerten Versuche Marc und auch sich selbst davon zu überzeugen, dass es keine gute Idee wäre, jetzt noch einmal..., breitete sich ein von Vorfreude gespicktes Lächeln auf ihrem Gesicht aus, welches ihre blauen Augen zum Strahlen brachte, wie Marc es noch nie so wahrgenommen hatte.


Nicht ganz drei Minuten später kam Marc in Windeseile aus dem Schlafzimmer in die Küche gerast, öffnete eine Schranktür neben dem Herd und fischte mit gierigen Fingern den Absinth heraus. Er drehte hastig den Deckel ab und wäre er nicht gerade so immens erregt gewesen, hätte er sich wahrscheinlich schon allein nur beim Geruch des Anis übergeben wollen.

Ohne Umschweife entleerte er eilig die Flüssigkeit im Spülbecken...

Sein Gretchen war wieder da.


Original Writing: 08. November 2011

Original Air-Date: 24. April 2012

a/n:

fertiggestellt 8. Januar 2012

„seine morgendlichen Erledigungen beendete" und „Schoko-Kuss"

Beide Phrasen/Worte kommen nicht von mir, sondern von Danni, meiner wunderbaren Beta-Leserin ;) Ehre dem, wem Ehre gebührt.

an dieser Stelle noch mal ein extrem großes Danke an meine neue Beta-Leserin, die sich so viel Mühe gemacht hat und auch durch das Ergänzen des ein oder anderen Wortes/Satzes den Ablauf noch genauer und verständlicher gemacht hat.

Und ohne große Ansprüche zu stellen, ich würde mir wirklich wünschen, dass meine lieben Leserinnen das wirklich würdigen, dass sie das so toll und so schnell macht.

lg

manney