Kapitel 32 – The best Day (Taylor Swift)
Die Welt war wieder rund.
So oder ähnlich konnte Marc sein Leben wieder beschreiben, da neben ihm in seinen Armen seine Freundin lief, auf dem Weg zu ihrer Mutter durch das vorweihnachtlich verschneite Berlin schlendernd.
Er konnte gegen das unentwegte Grinsen in seinem Gesicht nichts ausrichten, und auch die Leute in der S-Bahn werden ihn wohl für nicht ganz zurechnungsfähig gehalten haben, denn warum sonst würde man in einem überfüllten Wagon so selig Strahlen wie er es tat – oder auch Gretchen. Wobei sie ihr Lächeln hinter einem dicken lilafarbenen Wollschal gut zu kaschieren wusste. Nur ihre blauen Augen blitzten und glitzerten in der Wintersonne vor sich hin, als ob sie mit dem Schnee um die Wette strahlen wollten.
Und ihr Anblick machte ihn glücklich.
Sie zu sehen, sie berühren zu können und zwischenzeitlich einfach stehen zu bleiben um sie zu küssen, erfüllten ihn mit einer solchen Zufriedenheit, die er bis dahin in diesem Ausmaß noch nie so gekannt hatte.
An der Straßenseite des Bürgersteigs türmte sich vor einem Haus nahe des haasischen Anwesens eine große Schneewand, an der Gretchen einfach stehen blieb und ihr länger als nötig Aufmerksamkeit zuwendete.
Er schüttelte belustigt den Kopf, da sie begonnen hatte, wirre Muster in den Schnee zu malen, ging aber weiter seines Weges. Wenn es ihr gefiel einen Schneeberg zu bestaunen würde er sie dabei nicht stören.
Aber da war er wieder... dieser fade Beigeschmack, wenn er daran dachte, wo sie die letzten zweieinhalb Monate gewesen war, und auf so viele banale Dinge verzichten musste, was sie einfach nicht verdient hatte. Nachdenklich blinzelte er gegen die Sonne. Er wollte sie so vieles fragen, wie er ihr helfen konnte, welche Menschen er umbringen sollte, die ihr das angetan hatten, doch jedes Mal, wenn er nachfragen wollte, schien ihr diese Freude übers ganze Gesicht, die es ihm unmöglich machte, sie in dieser Situation mit der nahen Vergangenheit zu konfrontieren.
Doch dieses Gespräch... diese Gespräche würden kommen, und er würde darauf genauso wenig vorbereitet sein, wie auf ihre Inhaftierung, nur würde er diesmal einen kühlen Kopf bewahren, gar nicht für sich selbst, sondern für Gretchen...
Die noch immer nicht zu ihm aufgeschlossen war, obwohl er schon gute zwanzig Meter weitergelaufen war. Suchend blickte er sich um, nur um frontal einen festen Schneeball ins Gesicht gepfeffert zu bekommen.
Einzelne Eiskristalle verfingen sich in seinen Augenbrauen und auch auf den Wangen schmolz nur langsam das gefrorene Wasser. Bevor er die Augen wieder öffnete, hörte er seine Freundin schon lauthals lachen, sich zwischen ihrem kindlichen Gackern immer wieder entschuldigend, dass der Schneeball eigentlich nur seinen Rücken treffen sollte.
Als sie direkt vor ihm stand verzog sie die Lippen nur zu einem verschmitzten Lächeln: „Tut mir leid – wirklich!"
Marc nickte ebenfalls grinsend im Takt mit seinem Kopf: „Sicher! Komm her du...", seine kalten Finger zogen die Blonde an ihren Wangenknochen näher zu sich heran, damit er sie leichter küssen konnte. Dass sie sich auf die Zehen stellen musste und auch ihren Hals fast verrenkte, war nur ein kleiner Preis für diese Frechheit ihrem Oberarzt Slash Freund Slash – gut von dem wusste sie noch nichts – Ehemann in Spe Schnee mitten ins Gesicht zu werfen.
Sie seufzte wohlig, nachdem er sich wieder von ihr gelöst hatte.
„Das bekommst du wieder", versprach er verheißungsvoll, sein warmer Atem so dicht an ihrem Ohr, dass es sie schon wieder erschauern ließ, obwohl sie sich noch immer sehr wund fühlte.
Sie an der Hand hinterherziehend bog er um die letzte Ecke in die Straße, in der das gelblich gestrichene Haus von Bärbel unter einer dicken Schneedecke verborgen war.
Sofern das Haus in Sichtweite war, verlangsamten sich ihre Schritte und sie blickte nachdenklich an ihrem ehemaligen Heim rauf und runter. Marc drehte sich zu ihr um: „Sie wird sich so freuen dich zu sehen, sie wird gar keinen Gedanken daran verschwenden, dass heute Samstag ist und du schon seit gestern... wieder draußen bist."
Gretchen schluckte schwer.
„Das... das ist es nicht", wehrte sie ab, traf er aber den Nagel zu fünfzig Prozent doch auf den Kopf.
„Nein?", fragte er irritiert.
Sie atmete tief ein: „Nicht ausschließlich."
Er runzelte die Stirn. Er musste ihr Zeit geben um sich zu erklären, trotzdem machte ihn die Unwissenheit gerade unruhig. Er umschloss die in seiner Hand liegenden Finger fester, was sie zu ihm aufblicken ließ.
„D-dieser Herzinfarkt, der ist am selben Abend passiert, an dem ich... abgeholt wurde. Also doch sicher wegen... der Nachricht, dass ich...", sie verstummte und schaute stur gen Boden.
Marc war in diesem „zwischen den Zeilen lesen" nie besonders gut gewesen, aber hier lag es auf der Hand, was Gretchen eigentlich dachte. Nicht der Nachricht wegen war Bärbel ein Bypass nicht erspart geblieben, sondern wegen ihr.
Was natürlich völliger Quatsch war.
„Hasenzahn, hör mir mal gut zu", bestimmend zog er ihren Kopf hoch, mit beiden Daumen leicht über ihre Wangen streichelnd: „du bist Ärztin, und wenn ich dich jetzt fragen würde, was es für Auslöser eines Myokardinfarkts gibt, dann könntest du mir zehn vernünftige und nicht emotionale Gründe liefern!"
In ihrem Arztgeist begann es schon nach Lehrbuch zu rattern, was sie ihrem Ausbilder zu den Faktoren eines Infarkts mitteilen könnte, welche möglichen äußeren Umstände dazu beigetragen haben könnten, aber wie auch die physische Konstitution eines Patienten ausschlaggebend war.
Sie seufzte.
„Vermutlich wäre Bärbel mit weitaus schlimmeren Problemen eingeliefert worden, wenn sie diesen Horrorfilm mitangesehen hätte, den dein Bruder und seine Freu-... Ex-Freundin sich angeschaut haben."
Gretchen verzog ihr Gesicht, ihre Lippen zuckten verdächtig nach oben, was Marc erlöst seufzen ließ: „Sie wird schon nicht noch einmal einen Anfall bekommen, nur weil die umtriebige Tochter zurückgekehrt ist", witzelte er und zwinkerte ihr schelmisch zu.
Es half, denn nun grinste sie richtig. Umtriebigwar wohl eine angemessene Umschreibung für Nachbarn und wissbegierige Leute, die sich gern über die „lustige Witwe" in der Nachbarschaft das Maul zerrissen.
„Nun, Hasenzahn, sind wir wirklich hier hergekommen, nur um fünf Meter vor dem Ziel den Rückzug anzutreten?"
„Dr. Hasenzahn, Marc. So viel Zeit muss sein", sie hakte ihren Arm bei ihm unter und schlich mit ihm den Bürgersteig zum großen Eisentor hinunter, das – wie immer bei Temperaturen unter -5° Celsius – außer Betrieb war, weshalb beide gleich direkt zur Haustür hinaufstiegen. Ihre Mutter hatte sogar Salz gestreut, bemerkte Marc unzufrieden. Hatte er Bärbel nicht mehrfach gesagt, dass sie sich schonen sollte?
Gretchen atmete noch einmal tief durch, klingelte und beide warteten gespannt darauf, dass die Tür geöffnet wurde.
Hektisch und mit viel zu viel Vorfreude riss die Rothaarige die Haustür auf, und so schnell konnte Marc gar nicht gucken, umarmte die untersetzte Frau Gretchen in einem festen Griff.
Er verstand die Welt nicht mehr. Aber warum sollte man auch alles wissen, wenn es letztendlich doch egal war, weshalb Bärbel wohl schon mit der Ankunft ihrer Tochter gerechnet hatte, wenn sowohl Gretchen als auch der Mutter Freudentränen über das Gesicht liefen?
„Ich hab dich so vermisst, meine Große", schluchzte Bärbel und er hörte auch Gretchen irgendetwas nuscheln, was aber nur für Bärbel hörbar war, weil diese gleich noch mehr weinte und ihre einzige Tochter noch fester an sich drückte.
Marc räusperte sich nach gefühlten Stunden nur äußerst ungern, aber es wurde langsam doch etwas kalt hier draußen und die willkommene Wärme war nur einen kleinen Schritt entfernt und...
Auf einmal wurde die Tür wieder sperrangelweit geöffnet und nicht etwa, wie vermutet, stand Jochen dort sondern... Lilly?
Wäre er in einem witzigen Cartoon, wären seine Augen jetzt enorm groß geworden, wie bei Tom, wenn er mal wieder von der Hausherrin eins mit dem Besen übergebraten bekommen sollte, wenn Jerry etwas verbrochen hatte.
„Gretchen!", freute sich die Kleine und schob sich ungefragt neben Bärbel her, ein Stückchen freie Taille, das nicht von Mama-Haase in Beschlag genommen wurde, ganz fest an sich drückend.
Viel Zeit zum Überlegen hatte Marc gar nicht, denn da wurde die schon wieder angelehnte Tür abermals geöffnet und ein grinsender Mehdi mit Gwenny im Arm und Anna daneben wollten den Neuankömmling ebenfalls begrüßen.
Marc freute sich über die vier extra Anwesenden wirklich sehr nur: „... wir sollten reingehen, hier draußen ist es echt scheißkalt!"
Wie aus einem Mund, Gretchen aber mit einem breiten Lächeln und glänzenden Tränen auf dem geröteten Gesicht, mit Ausnahme von Lilly und Gwenny natürlich, straften ihn allesamt im Chor: „Marc!"
Es dauerte gefühlte Jahre (Marc schaute mehrfach auf die Uhr, es waren aber nur ein paar Minuten) bis sich die ganze Meute vom Hausflur ins Wohnzimmer begeben hatte. Unter Tränen, Umarmungen, noch mehr Tränen, mehr Umarmungen und Beteuerungen von Gretchen, dass es ihr gut ging. Allerdings sagte sie dies nur der Kinder wegen, was Mehdi und Anna mit einem stummen Nicken zur Kenntnis nahmen. Bärbel weinte noch mehr und wiederholte ganz oft, wie unendlich stolz sie auf „ihre Große" war. Marc konnte sich nicht einmal erinnern, dass Mutter-Haase ihre Tochter jemals so bezeichnet hatte.
Nachdem sich dann alle etwas umständlich auf die gelben Cordsofas niedergelassen hatten (Marc und Gretchen auf der Verlobtencouch, Familie Kaan etwas gequetscht zusammen auf dem Dreier und Bärbel im Sessel), nahm das Heulen keinen Abbruch. Ja sogar Anna weinte fast, was Marc unwohl registrierte. Das letzte Mal, dass er Anna so emotionsgeladen gesehen hatte, da war...
Sein Blick fiel auf Lilly, die wie ein Wasserfall von allem Möglichen erzählte, von ihrem Hausarrest, von dem Verdacht ihrer Eltern, dass sie stehlen würde, von gemeinen Kindern, die sie jetzt in den Griff bekommen hätte, weil Moira ihr Rückendeckung gab, von dem sie, Lilly, aber eigentlich gar nichts wissen sollte, von so vielen Winzigkeiten, damit Gretchen auch ja auf dem Laufenden war – schließlich war sie die beste Aufpasserin der Welt, und dürfte nie wieder für andere aufopfernd so ganz spontan ohne Abschied nach Afrika reisen, um dort anderen armen Kindern zu helfen. Zumindest nicht, ohne sich zu verabschieden.
Und während Lilly noch stundenlang weitergeredet hätte, schaffte es Mehdi zwischendurch sie davon zu überzeugen, dass es doch megacooles („Papa, man sagt doch nicht mehr cool, das heißt heutzutage geil...") Wetter für den Bau eines Schneemanns wäre. Und wo Bärbel doch so einen schönen Garten hatte, könnte der sogar mehrere Tage überleben.
Enthusiastisch wollte Lilly auch Gretchen und Bärbel mit nach draußen schleifen, diese zogen sich aber mit dem Versprechen nachzukommen, sofern sie den Kaffee ausgetrunken hatten, nochmal aus der Affäre.
Marc erhob sich ebenfalls nur wiederwillig, wusste aber, dass dieses private Mutter-Tochter-Gespräch absolut notwenig war: ohne ihn.
Nachdem er sich als Letzter seine Jacke angezogen hatte, ging er nochmal zurück zu Gretchen, um ihr einen leichten Kuss auf den Scheitel zu drücken.
Gretchen schloss genießerisch die Augen und atmete tief ein, und als sie die Welt wieder sah, schloss Marc hinter sich bereits die Tür.
Bärbel saß schon neben ihr und drückte sie ganz fest.
Und für den Anfang würde das einfach erst mal reichen. Das... und das Heulen in den Armen ihrer Mutter, wie ein Kleinkind.
Sie wussten gar nicht, was sie sich zuerst erzählen sollten, dass sie beide einfach nur froh waren, dass Gretchen wieder draußen war, wütend gewesen waren, dass sie in erster Linie überhaupt weggesperrt worden war, oder die Tatsache, dass der fehlbare Sohn und Bruder sein Handy gestern Nachmittag vergessen hatte, und man ihn nicht erreichen konnte. Sie lachten darüber, wie ähnlich sich Jochen und Franz doch waren: zerstreute Professoren eben.
Gretchen erzählte unter Schluckauf-Schluchzern von den Geschehnissen der Anhörung, von einem verschwommenen Bild von Alexis, der gar nicht Alexis war und das dies einem Wunder glich, dass sie entlassen wurde. Nebenher erwähnte sie immer wieder, dass ihr die genauen Umstände selbst noch nicht so ganz klar waren, außer, dass wohl ein Privatdetektiv des Anwalts Sabine ausfindig machen konnte, die noch ein Foto von Alexis... also von dem Mann, der sich als Alexis ausgegeben hatte,... hatte?
Ihr schwirrte der Kopf, und die erste Amtshandlung wäre Montagmorgen noch einmal bei ihrem Anwalt anzurufen.
Und Dr. Rössel anrufen – falls das ihre Mutter nicht schon getan hatte? Auch Emanuel und Frau Fischer anrufen, scratch that, sie müsste (natürlich mit Marc) bei ihnen vorbeischauen. Sie würde wieder arbeiten, bald war Weihnachten, was bedeutete, dass sie Geschenke zu kaufen hatte und einen Baum für Marcs... ihrerbeider Wohnung. Sabine für eine Heiligsprechung in Rom vorschlagen...
„Gretchen?", fragte ihre Mutter besorgt, da die Blonde wie wild mit den Händen fuchtelte, immer schneller atmete und sich selbst vor und zurück wog.
„Um Gottes Willen, Kind. Warte ich hole Marc, alles wird gut, ja?"
Aufgeregt flitzte die Rothaarige zur Tür und rief in den Garten nach Marc, sich so gut es ging zusammenzureißen, um nicht die Kinder in Panik zu versetzen. Marc Meier wäre aber nicht Marc Meier, wenn er eine aufgescheuchte Bärbel nicht schon aus einhundert Metern gegen den Wind riechen würde, weshalb er schnellen Schrittes den Weg zum Haus durch den Schnee stapfend zurücklegte.
Er ließ sich sofort vor Gretchen in die Hocke, redete beruhigend auf sie ein, während Bärbel seiner ärztlichen Anordnung Folge leistete, eine Tüte oder Beutel aus der Küche zu holen.
Es war schon aberwitzig, und ein kleines Lächeln konnte er sich nicht verkneifen, als Gretchen ihm unter Atemnot von allen Dingen, die sie zu erledigen hatte, berichtete.
Okay, es würde wohl noch lange dauern, bis sich alles wieder auf den normalen Wahnsinn reduziert hatte, doch das war ihm völlig egal. Denn für ihn war nur die Tatsache wichtig, dass der normale Wahnsinn mitihr stattfinden würde. Auf den Rest konnte er scheißen (auch wenn ihm klar war, dass er von seinen Eltern gehörig die Leviten gelesen bekommen würde, weil die beiden wohl die Letzten waren, die von Gretchens Freilassung erfuhren).
Er streichelte vorsichtig ihre Wange, während er ihr den von Bärbel gebrachten Frühstücksbeutel vor Mund und Nase stülpte. Ihre Atmung wurde zunehmend ruhiger.
„Besser?", fragte Marc belustigt, was Gretchen ebenfalls ein schmales Lächeln abrang und sie nickte.
Einzig Bärbel spielte die Glucke und behauptete, dass es keineswegs lustig gewesen sei. Darauf erweiterten sich bei Marc und Gretchen nur noch die Lachfältchen um die Augen.
„Ich hole dir erst mal Wasser – Kaffee ist in deinemZustandgewiss nicht gut", abrupt erhob sich die Mutter, nahm Gretchens halbvolle Tasse mit, die Kaffeekanne leider auch, und ließ ein verdutztes Pärchen zurück.
„Das ist mir gestern schon passiert... das waren so viele Informationen und so viel... gestern... das fühlt sich schon so endlos lange an...", sie schaute auf die Finger in ihrem Schoß, das Lächeln auf ihren Gesichtszügen nicht mehr existent. „Ich... habe so selbstsüchtig gehandelt. Ich hätte sofort alle anrufen müssen und besuchen und...Warum grinst du so dämlich, Marc?"
„Es gibt viele Dinge, die unserVerhalten beschreiben würden, Hasenzahn, aber selbstsüchtig gehört garantiert nicht dazu! Fickerig, rattig, spitz, geil...", er verstummte durch einen flüchtigen Kuss, den sie ihm auf die Lippen drückte.
„Ich liebe dich", flüsterte sie leise.
Marc schluckte schwer.
„Gretchen ich..."
Die Haustür wurde mit Wucht aufgestoßen: „So'n Scheißwetter! Hallo Mama, ich bin wieder da! Sorry, dass ich mein Handy nicht dabei hatte. Hast du oft versucht anzurufen, ich hoffe nicht. Ma...", Jochen hielt mitten im Wort an, als er sich umständlich aus seiner Jacke schälte und dabei sein Blick am Kleiderhaken vorbei ins Wohnzimmer streifte: Er quietschte wie ein Mädchen, als er seine Schwester in trauter Zweisamkeit mit Marc auf dem altbewährten Sofa sitzen sah. Die Jacke einfach fallen lassend sprang er über die Lehne um seine Schwester zu begrüßen, die, wie sollte es auch anders sein, wieder begann zu heulen.
Als Marc sich erhob um den Geschwistern mehr Raum zu geben, drehte er sich herum und erspähte Bärbel, die ebenfalls wieder weinend im Türrahmen der Küche stand.
Seine Eltern wurden angerufen, die es sich nicht nehmen ließen ebenfalls zum Haase-Anwesen zu kommen. Und auch wenn seine Mutter und Bärbel zivilisiert miteinander umgingen, so war es Marc doch sehr unangenehm, dass Elke in das Heim des Professors... förmlich eindrang. Ebenfalls noch am selben Abend stand eine eingeschneite Steffi vor der Haustür, die zwischendurch und klamm heimlich von Jochen angerufen worden war. Vielsagende Blicke zwischen dem kleinen Bruder und Marc wurden gewechselt, als die beiden Mädelsin inniger Umarmung abermals heulten. (Die Niagarafälle hatten an diesem Tag einen neuen Standort: Berlin!)
Irgendwann zwischen einem hervorragend aufgetischten Abendbrot für alle (Marc fragte sich mehr als einmal, wie Bärbel das noch geschafft hatte) und einer sehr ausgelassenen Runde, stellte Marc fest, dass alle glücklich waren. Alle freuten sich, Steffi und Bärbel neben ihm selbst wohl am allermeisten, der Kaan-Clan und auch seine Eltern waren zufrieden und freuten sich mit. Er saß mit Menschen an einem Tisch, von denen er sagen konnte, dass sie alle, ausnahmslos, glücklich waren. Er selbst eingeschlossen.
Und doch wurmte es ihn ungemein, dass Jochen genauso strahlte wie Gretchen, wenn sie verliebt in den Tag hinein träumte.
Original Writing: 09. Januar 2012
Original Air-Date: 03. Mai 2012
a/n:
es folgt der Epilog
fertiggestellt 07. Februar 2012!
Liebe Leserinnen,
auch wenn ich mich eigentlich freuen sollte, dass so viel Interesse am Smut-Teil des letzten Kapitels gezeigt worden war (9 PM's (dd. ff), 97 e-Mails) hier meine Eindrücke, weshalb ich mir ernsthaft überlege die Tastatur als FF-Autor an den Nagel zu hängen:
Da wurde in haufenweise Einzeilern noch nicht mal ein „Hallo manney,..." vorweg geschrieben. Von Lesern, die ich vorher durch Stats (Hits/Klicks/Alerts) nur vermutet hatte!
Dass man ein neuer Leser wäre und meine gesamte Geschichte (mit oder ohne Baby Love?) seit dem Posten aber in einem Rutsch in nur einer Nacht durchgelesen haben will, war eine extrem häufige Phrase – hmm, warum ausgerechnet jetzt?
Dass man ein stiller Leser wäre, soll also neuerdings eine schönere Umschreibung für einen Schwarzleser sein, ja? Warum ließt man denn dann nicht einfach still weiter – hmm, weil Sex anscheinend so viel mehr wiegt, als ein rein platonisches Gefühl von Marc, wenn er begreift, was wichtig ist. Wenn ihr mich fragt: traurig, wenn euch nur Horizontales Geplänkel wirklich interessiert.
(von allen „geouteten" Schwarzlesern hat es nur eine einzige geschafft mir hinterher auch ihre Meinung mitzuteilen – vielen Dank noch mal an dieser Stelle!)
Dass man aber geradezu ein Recht darauf hätte den Erotik-Part zu lesen, und ich ihn selbstverständlich ohne Aufforderung an die Leserin zu schicken hätte, war dann noch mal eine ganz besondere Erfahrung (und nein – Ironie war das sicher nicht, oder man hätte es dran schreiben müssen).
Zu guter letzt noch ein Gesamteindruck:
Höflichkeit wird im WWW wohl gänzlich vergessen, oder?
Mit nur ein paar außergewöhnlich tollen Ausnahmen von allen eingegangen PM's und Mails haben mehr als ¾ von euch allen es nicht geschafft, das Wort BITTE („schickst du mir bitte den Smut-Teil") zu schreiben - peinlich, peinlich!
Noch weniger konnten sich hinterher mit einem DANKE revanchieren.
Danke für die Aufmerksamkeit – nachdem ich den Dampf jetzt ablassen konnte, geht es mir viel besser!
lg
manney
