Epilog – The Best Thing (Relient K)

„...Would you tremble - If I touched your lips..."

Das konnte doch nicht wahr sein, dass man schon um – er spähte an die Wanduhr im Wohnzimmer – kurz nach sieben Uhr mit so viel Schmalz aus dem Radio zugedröhnt wurde.

Er schnaubte verächtlich.

Gretchen knuffte ihn, nachdem sie just in diesem Moment aus dem Badezimmer gekommen war, in seinen Oberarm: „Enrique ist heute morgen also nicht dein Fall?"

„Hmpf", machte er beleidigt, als sie auch noch leise begann mit zu summen.

„Können wir dann mal langsam losfahren, ich muss vorher... noch Dinge erledigen", er drückte den roten Knopf auf der Fernbedienung für die Stereo-Anlage, wandte sich zur Garderobe, zog sich seine Jacke an, und bemühte sich nicht darüber aufzuregen, dass seine Freundin Slash Assistenzärztin in sich hinein feixte.
„Kommst du jetzt, oder braucht Madame noch eine schriftliche Einladung?"

Sie rollte ungeniert mit den Augen, aber mit einem extra breiten Lächeln auf den Lippen.

Er öffnete ihr die Wohnungstür und schob sie mit sanfter, aber bestimmter Hand am Kreuzbein an sich vorbei in den Hausflur. Sie erschauerte bei einer so liebevollen Geste noch immer und bestätigte ihm dies mit einem liebevollen Kuss.

Doch der Gott der guten Laune meinte es an diesem kalten Januarmorgen einfach nicht gut mit ihm. Im alten Auto ihres Vaters dudelten auf allen Radiosendern nur kitschige Liebeslieder. Letztendlich blieb er bei Alanis Morisettes „Head Over Heals" hängen. Und nicht, weil er es besonders mochte, sondern weil es das einzige war, was nicht der neuen Welle von nichtssagenden Popsängerinnen angehörte, die sich alle irgendwie eh gleich anhörten.

Hinzu kam, wie an jedem Morgen, sein Missmut darüber, dass das hier nicht sein Auto war. Dass er selbst nicht mehr fuhr war eine Sache, aber keinen Stadtflitzer mehr zu besitzen eine ganz andere.

Als Gretchen den Kleinwagen zwar umständlich aber dafür rückwärts in eine freie Parklücke auf dem Krankenhausgelände gelenkt hatte, beeilte sich Marc aus dem Auto zu kommen. Ein weiteres Liebeslied, das ihm suggerierte, was er noch zu tun hatte, brauchte er nicht.

Egal wie oft ihm in den letzten vier Wochen beinahe etwas derartiges über die Lippen gekommen wäre, er war noch nicht bereit. Die Euphorie, die er beim Kauf des Ringes verspürt hatte, war noch nicht wieder aufgekommen – dies redete er sich zumindest gekonnt ein.

Sie stieg aus dem Auto und lächelte ihn über das Dach hinweg an.

Marc verzog seine Lippen zu einem halben Lächeln, was aber sofort wieder in der kalten Winterluft erfror, weil ein paar Autos weiter Maria Hassmann ebenfalls die Tür ihres Wagens öffnete und ihm unverkennbar Yazoos „Only You" entgegen fauchte.

„Können Sie Ihren Motor nicht endlich abstellen?", keifte er, schlug den Kragen seines Mantels hoch und wartete nicht auf Gretchen.

„Was hat'er denn?", fragte die Brünette pikiert, nachdem sie aus ihrem silbernen Passat-Kombi emporgestiegen war.

Gretchen seufzte theatralisch: „PMS? Was weiß ich denn, ich bin ja auch nur seine Mitbewohnerin, Assistenzärztin und Freundin!"

„Haase, wenn Sie so sarkastisch sind machen Sie ja fast einen souveränen Eindruck!"

Gretchen grollte, und ließ ihre überschüssige Heißluft an der Autotür aus, die sie besonders deftig zuschlug.

„Ärger im Paradies?", wollte Maria auf dem Weg zum Eingang wissen.

„Nein!", winkte Gretchen wohlwollend ab „Nur zu viele Lovesongs, die im Radio gespielt wurden."

„Guten Morgen, Frau Doktor!", begrüßte Sabine die wieder „heimgekehrte" Ärztin, wie all die Tage seit ihrer Freilassung zuvor, schon am Eingang.

Obwohl es Sabines entscheidendes Foto gewesen war, das Gretchen letztendlich aus dem Gefängnis befreit hatte, beharrte die untersetzte Schwester noch immer die Hierarchie im Arbeitswesen beizubehalten und sie mit „Frau Doktor" anzusprechen. Und dies, obwohl sie sich nun schon so lange duzten.

„Guten Morgen, Sabine." erwiderte sie freundlich.

Denn wenn Gretchen ehrlich war, ging es ihr fantastisch. Sie hatte eine wunderbare Familie, tolle Freunde, fantastische Kollegen und einen Freund, der eben nach fast vier Wochen Dauerstrahlen heute Morgen mal mit dem falschen Fuß aufgestanden war.

Mit niemandem in der Welt wollte sie tauschen, denn sie war dankbar für jeden einzelnen Tag, an dem sie ihn sehen, mit ihren kleinen Fingern seinen Nacken hinauffahren konnte um ihm dann ganz lange einfach nur in die Augen zu starren.

Und genau aus diesem Grund führte sie ihr erster Gang nicht wie jeden anderen Morgen zur Kaffeemaschine, sondern zu Marc, der am runden Tisch im Schwesternzimmer saß, um sich einige Patientenkurven durchzulesen.

Ganz ungeniert vor Publikum (Sabine, Knechtelsdorfer und Gabi) drückte sie ihm kommentarlos einen flüchtigen Kuss auf den Mund.

Langsam reckte er seinen Kopf von seiner Lektüre zu ihr hinauf: „Was? Gar kein Gezeter, dass ich unausstehlich bin?"

Sie grinste ihn verschmitzt an, ehe sie sich noch mal zu ihm hinunter beugte und ihm nun einen verharrenderen Kuss aufdrückte.

„Boah, echt jetzt. Sie sind nicht mehr zum Aushalten. Das hier ist schlimmer als im Pornofilm", kommentierte Frau Doktor Hassmann, nun in Kittel gekleidet, das Schauspiel der beiden.

Marc grinste, als Gretchen schuldbewusst rot anlief, löste den Blickkontakt mit ihr aber nicht, als er ohne mit der Wimper zu zucken konterte: „Wie im Pornoleben, Frau Dr. Hassmann. Kein Film."

Gabi steckte sich angewidert den Finger in den Hals und tat so, als ob sie würgen müsste.

Die klatschenden Hände des Chefarztes der Chirurgie holten alle wieder in die Realität zurück, der zur Visite aufrief, und auch seinen Schützling Margarethe Haase strafend anschaute, weil diese noch nicht in einen Kittel gehüllt war.

In einer unbeobachteten Sekunde während der Visite aber, zwinkerte ihr der beste Freund ihres Vaters fröhlich grinsend zu.

Es gab Tage, an denen einfach alles perfekt war...


… und dann gab es Tage, an denen zur Vormittagszeit Gordon einen neuen Patienten einlieferte, der im rüstigen Alter von zweiundsiebzig Jahren auf der Eisbahn ausgerutscht war und der Sanitäter seine Kurzinfo mit dem Verdacht auf Leistenbruch beendete.

Marc blieb einen Augenblick stehen, da Gretchen den langen Korridor erst heruntergelaufen kam, ein so breites und fröhliches Strahlen im Gesicht, als ob sie ein Heilmittel gegen die Dummheit der gesamten Welt gefunden hätte.

„Wo zur Hölle warst du?", keifte er ungeniert. Schließlich war er immer noch ihr Vorgesetzter und musste sich vor allen anderen Mitlaufenden besonders aufbrausend verhalten. Denn wenn er eines garantiert nicht wollte, dann das hinter seinem Rücken getuschelt wurde, dass er seine Freundin bevorzugen würde.

Ihr seliges Grinsen minderte seine Forschheit jedoch kein bisschen. Eher im Gegenteil, Marc hatte das Gefühl, sie würde vor guter Laune noch platzen.

Vielleicht hatte sie heimlich Lotto gespielt, und würde ihm vom gewonnenen Geld einen neuen Wagen kaufen... den sie dann fahren würde.

„Bei Mehdi!", griente sie aufgeregt, und Marc erinnerte sich an seine Schulzeit zurück, als Gretchen mit ihrer damaligen Freundin wild auf und abgesprungen war, weil nur die beiden wussten, dass sie eine Klausur bestanden hatten, und der Rest der Klasse eher aufgeschmissen gewesen war.

Wenn sie also gleich wie ein wildgewordener Teenie angefangen hätte zu schreien, wäre er zumindest vorbereitet gewesen, wie peinlich seine nunmehr erwachsene Freundin sich benehmen konnte.

„Du wurdest angepiept! Und das garantiert nicht von der Gyn!", polterte er ungalant.

Aber auch das schien Gretchen überhaupt nicht zu stören, sie schnappte sich einfach die Kurve des Patienten aus Marcs Händen und las es sich immer noch grinsend durch.

Es machte ihn wahnsinnig.

Warum war sie bei Mehdi und strahlte dann so... unverfroren glücklich?

„Schmitz, wie in Schmitz?", fragte Gretchen Marc verwirrt, seine letzten Worte einfach ignorierend.

„Hast du mir überhaupt zugehört. Wenn du angepiept wirst, hast du sofort herzukommen!"

Gretchen stöhnte über seine Oberlehrerart, lief an ihm vorbei, wobei sie die Patientenkurve knallte sie ihm vor die Brust, und marschierte in schnellen Schritten Gordon und den Schwestern hinterher, um sich den Patienten genauer anzuschauen. Später konnte sie immer noch mit Marc Machtkämpfe ausüben.

Diesem stieg aber schon die Wutröte ins Gesicht.

„Knechtelsdorfer?", sagte er munter, hätte er sich in jeder anderen Situation über die Dreistigkeit seines Assistenzarztes aufgeregt, dass dieser das private Geplänkel zwischen ihm und Gretchen, ohne irgendwelche Anstalten zu machen zu gehen, mitangehört hatte. Doch wenn Gretchen meinte, so aufmüpfig ihm die kalte Schulter zu zeigen, dann würde sie das sicherlich nicht ungestraft tun.

„Ja, Herr Doktor?", fragte er in seiner gewohnt österreichischen, süffisanten Art.

„Lust auf einen Leistenbruch?"


„Sag mal spinnst du?", polterte Gretchen zehn Minuten später in Marcs Büro, ohne anzuklopfen. Er lehnte am geöffneten Fenster und quarzte angestrengt an einem Zigarettenstummel.

„Du kannst dem Knechtelsdorfer nicht einfach meine OP geben!"

Abrupt drehte sich Marc zu ihr um.

Wie sie mitten im Raum stand, die Hände auf die Hüften gestemmt...

Bis vor ein paar Monaten hatte sich ihr Kittel dabei immer über ihren Bauch gespannt, erfasste er mit einem merkwürdigen Gefühl von Bedauern.

Deine OP? Du warst bei der Ankunft des Patienten bei Mehdi, im Gegensatz zum Knechtelsdorfer!", bemerkte er scharf, schloss das Fenster und ließ sich in seinen Bürostuhl nieder.

Gretchen blähte die Wangen auf, war kurz vorm Platzen.

Sie patschte ihre Handflächen mit einem lauten Knall auf seinen Schreibtisch, sodass selbst Marc vor so viel Zorn zusammenzuckte.

„Ich weiß wirklich nicht, welcher Pups dir heute morgen quer gegangen ist, aber meine kleine Verspätung ist nicht der Grund für deine bescheidene Stimmung..."

„Kann ich nicht einfach auch mal schlechte Laune haben, Hasenzahn? Du darfst, ja? Immer Wenn du deine Tage hast, oder mal wieder keine Schokolade im Automaten mehr ist. Aber sofern ich-"

Sie fiel ihm einfach ins Wort: „Aber warum?", fragte sie ebenso laut wie er.

Marc schluckte einen dicken Kloß im Hals hinunter. Ja warum hatte er schlechte Laune? Etwa wegen der Verfolgung von schmalzigen Liedern, oder Gretchens Euphorie, dass der Herr Schmitz eingeliefert worden war, dessen Frau vor fast drei Jahren ihrer beider erster gemeinsamer Fall war? Dass sie glücklich von Mehdi zurückgekehrt war?

Eines konnte er aber mit Gewissheit sagen, dass sein Frust nicht daher rührte, dass sie drei Minuten später als Knechtelsdorfer zur Einlieferung gekommen war – verflixt noch eins.

Ehe er noch etwas sagen konnte, stieß sich Gretchen vom Tisch weg und entließ die aufgestaute Luft aus ihren Lungen: „Wenn du es weißt, kannst du mir ja Bescheid geben", endete sie lahm, machte sich auf den Weg zur Tür, und ließ beim Verlassen des Raums beiläufig die eigentlich so schönen Nachrichten von ihrer Zunge rollen: „Wir werden übrigens Paten. Anna ist schwanger!"

Nachdem die Bürotür hinter der Blonden ins Schloss gefallen war, öffnete Marc ruppig seine Tischschublade, kramte nach dem kleinen Samtkästchen, um es nur einen Atemzug später mit aller Wucht gegen die Wand zu werfen.

„Scheiße!", er fasste sich an seine Halsschlagader, sammelte das Döschen rasch wieder ein und schaute vorsichtshalber, ob der Ring noch ganz war.

Er seufzte, als er dieses kleine Ding betrachtete, genauso schön wie eh und je, aber noch immer nicht da, wo er hingehörte - an Gretchens Ringfinger.

Er verstaute die blaue Schachtel wieder in seinem Schreibtisch und wanderte über die Flure zur Station, damit er die OP-Planung neu besetzen konnte.

Es würde das Eheste sein, was er als Entschuldigung anzubieten hatte.


Marc brummte gequält, als neben ihm Anna Platz nahm, mit einem so glücklichen Lächeln im Gesicht, dass sein Magen den eben gegessenen Cafeteria-Fraß retour wieder ausscheiden wollte.

Nicht nur, dass Gretchen es vorzog mit dieser alten Oma ihre Mittagspause zu verbringen, bis die OP begann. Nein, Anna setzte seiner eh schon miserablen Laune mit ihrer Glückseligkeit auch noch die Krone auf.

Er schickte ihr mit seinen Augen tausend vernichtende Blitze, die sie aber alle weggrinste.

„Du hast dich mit Gretchen gestritten?"

„Hmpf", machte er und stocherte lustlos in seinem Blaubeernachtisch herum.

„Deshalb also die schlechte Laune?", griente sie.

„Hm..."

„Nicht?"

„Boah, Anna, du nervst! Aber Glückwunsch zum Dasein einer erneuten Brutmaschine."

Sie kniff die Augen zusammen, grinste und streckte ihm die Zunge dabei raus.

„Ich wusste, dass Gretchen dir davon erzählt hat. Sie hat sich so gefreut!... Im Gegensatz zu dir?"

Marc schaute sein Gegenüber perplex an: „Bitte?"
„Ja du scheinst dich nicht darüber zu freuen nochmal Patenonkel zu werden", fragte sie mit mehr Ernsthaftigkeit.

„Doch natürlich", er stöhnte, schob den Nachtisch von sich weg und stand auf.

Kaum einen Meter entfernt hörte er Anna ungeheuer laut den „Hochzeitsmarsch" von Mendelssohn-Bartholdy aus dem einen Sommernachtstraum summen.

Für einen kurzen Moment dachte er wirklich, dass er sich das nur einbildete, doch als er sich abrupt umdrehte war auf Annas Gesicht wieder dieses überdimensionale Strahlen zurückgekehrt, dass er wusste, dass sie wusste, dass er wusste, weshalb sie summte.

„Du warst schon immer unausstehlich, wenn du vor großen Entscheidungen gestanden hast. Kannst du dich noch daran erinnern, als du in die engere Wahl des Assistenzarztes hier am Elisabeth-Krankenhaus gekommen bist. Du hast alles und jeden angeschnauzt und warst, wenn ich mich recht erinnere so gar unglaublich schlecht auf den ehemaligen Professor zu sprechen, oder?"

Marc trat zurück an den Tisch: „Woher weißt du es?"

Anna stützte lässig ihren Kopf auf ihren angewinkelten Unterarm auf dem Tisch: „Es gab zwei Möglichkeiten, wozu du ganz dringend Geld brauchtest. Entweder für noch mehr Alkohol oder gar Schlimmeres, oder aber für etwas Bleibendes. So etwas wie einen..."
„Halt. Die. Klappe, Anna!", fuhr er sie an, war ihm das Gespräch doch einfach entglitten und unter gar keinen Umständen wollte er, dass Gretchen durch den Gossip des Krankenhauses erfuhr, was er irgendwann einmal geplant hatte, bei Kerzenschein und in einem guten Restaurant. Vielleicht am Valentinstag. Oder so...

Er entließ einen undefinierbaren Laut aus seinem Mund, als die ehemalige Prostituierte ihn aber auch auf seine barschen Worte hin, nur weiterhin friedlich anlächelte.

Marc verließ im Stechschritt die Cafeteria, stieß dabei Mehdi an, murmelte eine Entschuldigung hervor und abermals Glückwünsche, ehe er sich auf den Fluren wiederfand und tief einatmete.

Luft, die er auch dringend nötig hatte, da Gretchen mit einer bei ihr eingehakten Frau Schmitz den Korridor auf ihn zu kam.

„Dr. Meier, wie schön, Sie zu sehen! Wie geht es Ihnen? Sie werden meinen Hermann doch sicher wieder hinkriegen, oder? Die Frau Dr. Haase hat nur in den höchsten Tönen von Ihnen geschwärmt!"

„Hat sie das?", fragte er süffisant, da Gretchen leicht errötete und betreten den Boden anstarrte, weil die alte Dame endlich begriffen hatte, dass sie eben doch eine Ärztin war und keine Schwester.

„Ja, reine Routine", bestätigte er der alten Dame und machte sich dann mit einer angedeuteten Verbeugung vom Acker.

Er hatte gehofft, dass Gretchen ihm nachgelaufen kam, was sie natürlich jedoch nicht tat.

Scheiße...


„Ich dachte, Knechtelsdorfer macht die OP", fragte Gretchen irritiert, nachdem sie sich die Hände im Waschraum vorschriftsmäßig eingeseift und abgespült hatte.

„Du glaubst doch nicht wirklich, dass ich den Ösi für so komplexe OP's einteile, für die ihm eindeutig die Fähigkeiten fehlen!"

Sie hob fragend die Augenbrauen, da sie gerade dabei war sich den Mundschutz am Hinterkopf zuzuknoten.

„Och Mensch, Hasenzahn, es tut mir leid!", gestikulierte er aufgebracht.

Gretchen schloss aber nur ergeben die Augen und seufzte.

„Was soll dein Seufzen jetzt heißen?", fragte Marc unfreundlich, nachdem er Gretchen in den Operationssaal gefolgt war und ihm eine der OP-Schwestern in die Handschuhe geholfen hatte. Er befand es als nicht gut, dass sie nicht wie sonst einen Titel vor ihrem Kosenamen erwartete.

„Können wir das bitte später diskutieren?"

„Wieso? Weiß doch eh jeder, das wir heute nicht gerade einen unserer Sternstunden-Tage haben!"

„Marc!", herrschte sie ihn an.

Abwehrend hielt er die Hände nach oben: „Gehen sie rein, Frau Doktor Hasenzahn."

Bevor Gretchen das Skalpell auf die Haut des Patienten ansetzte, beauftragte sie eine der Schwestern Musik anzustellen.

Marc stöhnte: „Muss das sein?"

„Das ist meine OP, also wird auch Musik gespielt, die ich mir ausgesucht habe!"

Und während die Blonde eine flüssige Handlung nach der anderen ablegte, dudelte im Hintergrund eine groteske Anzahl an seichten Tönen, die sich von Klassik bis New-Age erstreckten.


„Warum sagst du nichts?", fragte Gretchen zwischendurch, die Augen nicht vom Geschehen vor ihr abwendend. Marc hätte wetten können, dass sie sich so sehr darauf konzentrierte, was ihre Finger anstellten, dass sie sogar die Zunge unterm Mundschutz rausstreckte.

„Wenn ich nichts sage, machst du's perfekt."

Eine Mischung aus Grunzen und Lachen entwich Gretchen: „Ja sicher. Du musst nicht schleimen, Marc."

„Tu ich nicht!"

„Tust du wohl. Von wegen perfekt – Tupfer", bat sie den Kollegen Knechtelsdorfer.

„Wenn ich nichts sage, machst du nichts falsch", wiederholte er seine Aussage noch einmal.

„Das klingt schon mehr nach dem Oberarzt, der heute Abend in unserer Wohnung auf der Couch schlafen wird!"

Bei den weiblichen Anwesenden im Raum machte sich ein kleines Kichern breit.

Unwohl räusperte Marc sich.

„Weißt du, es muss ja auch nicht jeder Tag perfekt sein, oder du jeden Tag bester Laune, auch nicht nachdem was wir schon gewuppt haben", lenkte Gretchen ein.

„Nicht?", fragte Marc erstaunt und schaute Gretchen, anstelle der Operationswunde, an.

„Nein. Denn wäre ab jetzt an immer alles perfekt, würde ich Angst haben, dass uns irgendwann die Langeweile packt und wir es nicht mal bis zum Dreijährigen miteinander aushalten! Aber ich würde schon gerne wissen, was dich so in Rage bringt – Tupfer, Knechtelsdorfer! Nicht da wo es hin fließt sondern wo es herkommt!"

Diese bescheuerte Jazz-Musikerin im Hintergrund hatte Marc gerade völlig mit ihrem Text gefangen, als ihm Gretchens Worte ins Unterbewusstsein sickerten.

Es musste nicht immer alles perfekt sein?

Nicht bei Kerzenschein?

Nicht mit sanfter Geigenmusik?

Er in einem feinen Smoking und sie in Seide gehüllt am Valentinstag?

Konnte es ein steriler OP-Raum sein, mit einem Haufen Arbeitskollege, ohne teuren Goldring, sondern nur mit dem Versprechen, das hinter seinen Worten stehen würde?

Völlig unromantisch?

Das krasse Gegenteil von dem, wie es die beiden Voranwärter auf den Platz des Mr. Right in Gretchen Haases Leben versucht hatten?

„Fertig", sagte sie, schaute zu ihm auf und war leicht verwirrt, dass er nicht so etwas sagte, wie, dass er diese OP in kürzerer Zeit genauso gut, wenn nicht besser, hinbekommen hätte.

„...I Do Believe In Love.", endete Katie Melua.

„Ich will dich heiraten..."

Ein Ruck ging durch das Team und versetze die restlichen Anwesenden in eine Art Schockstarre, nur Gretchen rührte sich und strahlte ihn über ihre Maske hinweg mit ihren blauen Augen so atemberaubend liebenswert an, dass es Marc die Luft zum Atmen raubte, weil er wusste, dass der Rest, der käme, schön werden würde.

Die Bässe von Peter Maffay's Lied „Das Leben ist ein Würfelspiel" erklangen.


Original Writing: 01. – 22. Februar 2012 DD-Geburtstag FINISHED 23:55! ficken noch eins bin ich gut! Eeecht, jetzt!

Original Air-Date: 10. Mai 2012

a/n:

Ende.

Und ich habe alle Leser um Gretchens Antwort gebracht :D

Danksagung:

Nobody13x,

die als erste die Geschichte mit einem Review beehrt hat. Das erste Kommentar wird immer etwas ganz besonderes sein. Danke.

Lala, Redy, sassi, sonckad, Nicki662, (Angst)-Haase, Chrisi, LOLII, SteffiMN, Jana55 und Schneewittchen

für das Melden und Mühe machen von einzelnen Kommentaren – Dankeschön.

skippingheart

für die Wertschätzung meines Geschreibsels und das Posten von zwei wirklich einzigartigen Kommentaren, die mich bestärkt haben, die Situation Marcs' richtig geschildert zu haben. Vielen Dank für die aufbauenden Worte, dass Qualität noch immer über Quantität steht.

Andie91 a.k.a. Andrea

Liebe Andie-chan, ich weiß nicht wo ich anfangen soll dir zu danken, für unerbittliches Durchhaltevermögen, für analytische Fähigkeiten genau das zu verstehen, was ich zwischen den Zeilen ausdrücken will oder einfach für das Paradebeispiel, dass man auch ein Jahr nach Baby Love noch genauso enthusiastisch dabei geblieben ist, und sich durch einen AU-Plot gequält hat, obwohl ich dich von deiner rosaroten Wolke (gleich mehrfach) geschubst habe. Für alles: ein riesengroßes Danke.

DanySahne a.k.a. Daniela (Danni)

*Dany Sahne von Danone, davon krieg ich nie genug, der hat mehr als Schokolade, oh ja die Milch, die tut mir so gut – Jetzt mit dem extra Sahne Plus*

Liebe Danni, bei dir weiß ich glücklicherweise sofort, wo ich anfangen kann. Du bist lieb, nicht nett, bist wahnsinnig, aber nicht verrückt, fair aber kritisch, begeisterungsfähig aber genau das Reiskorn, was die Wage nicht zum Überlaufen bringt, damit mein Ego nicht vollends in die Luft geht. Kurz um: Eine fantastische Beta-Leserin, mit der ich mich rundum wohl und sicher fühle. Für die Zeit, die Mühe, die Hingabe, die du in deine Korrekturen legst kann ich dir gar nicht genug danken, ich versuche es aber trotzdem mal ganz einfach: Vielen herzlichen Dank!

Greta a.k.a. Antonia (Toni)

Liebe Greta-san, mit was für einer inbrünstigen Verspieltheit und Aufgeregtheit du auf jedes neue Kapitel gewartet hast, war... atemberaubend. So fühlt es sich also an, wenn man einen ganz persönlichen Groupie hat. Es gefällt mir XD! Deine so unglaublichen Kommentare, die vor Freude und Erwartungen nur so strotzten haben mich jedes Mal immer wieder aufs Neue Schmunzeln und darauf hoffen lassen, dass das folgende Kapitel einen ähnlichen Euphorie-Schub bei dir auslöst. Mit mehr Kommentaren als Kapiteln, die ich geschrieben habe, bist du wohl das beste Beispiel dafür, dass es vollkommen egal ist, wie viele Schwarzleser man hat, wenn man nur einen so wunderbaren Leser wie dich, seinen Kommentator nennen darf. Für all deine Zeit, Mühe und Gedanken, an denen du mich teil haben hast lassen, Arigato gozaimasu Greta-san.

Jelika a.k.a. Sofia

Liebe Jelly-chan, meine minderjährige Leserin, meine – bisher – einzige öffentliche Kritikerin, mein ganz persönlich wahr gewordenes Utopie, in dem ich mit Komplimenten überhäuft, meine Musikauswahl gehört und kritisch begutachtet wurde. All meine Worte hast du gelesen, verstanden, haben dich selbst zum Nachdenken angeregt und du hast dich nicht gescheut mich über Ereignisse in deinem Leben, Augenblicke und Intuitionen zu informieren. Mir vermittelt, dass ich der Realität nahe gekommen bin, meine Beschreibungen realistisch genug waren, ich also letztlich das geschafft habe, was ich immer wollte: Eine FF, die so mitreißt, weil sie so wahr ist. Mit deinen Kommentaren, jedes einzelne wieder aufs Neue, hast du mich außergewöhnlich belohnt, weil ich bei dir einfach wusste, dass da hinter diesen Zeilen, ein Mensch sitzt, der trotz seines jungen Alters, einfach versteht. Mahalo nui loa Jellylein.

last (but certainly not least)

MarcieMarc a.k.a. Amira

Liebe Amira für das Beta-Lesen der ersten acht Kapitel und deine ehrliche Meinung, tausend Dank. Es war anfangs schwer zu verstehen, warum ausgerechnet so ein sensibler Mensch wie du es einer bist, die Geschichte nicht mochtest, und auch schwer dies zu verknusen, aber: Es ist auf dem langen Weg ein guter FF-Autor zu sein auch sehr wichtig mit Nicht-Mögen und Abneigung umzugehen.

So... perhaps the next one? The Sequel to the Sequel ;) One Year... I really do hope so.

Dem Rest, dem ich danken muss, schreibt sich von selbst: Der besten Freundin... die vicky. Luv ya.

Für mehr als 100 Schwarzleser, für mehr als insgesamt 20.000 Hits/Klicks auf ff. de, ff. net, und ddff. de, 92 Favoriten-Einträgen, 35-Alerts-Benachrichtigungen und Internationalen Lesern aus Amerika, Spanien, Frankreich und Tschechien. Ein aller letztes Mal für diese Geschichte

lg

manney