Kapitel 6
„Ron, was ist hier los ?" Rief Mrs. Weasley mit einem Anfall von Furcht in ihrer Stimme und half ihrem Sohn unter Harry hervor.
Der Rothaarige erzählte schnell, was geschehen war und machte ein schuldiges Gesicht. Er hätte wissen müssen, wie sein Freund reagieren würde. Schließlich war es Snape gewesen, der ihm dies hier alles angetan hatte. So sah es dann auch Ron´s Mum und sie bedachte den Rothaarigen mit einem strafenden Blick.
Danach galt es aber erst einmal Harry unter Kontrolle zu bringen, denn irgendwie schien der Junge solche Energien zu entwickeln, dass man befürchten musste, der Starrezauber würde jeden Moment überwunden sein.
Harry auf der anderen Seite schrie in den Raum. Seine Augen waren starr und er wusste nicht, was mehr weh tat. Dieser Name Snape an sich. Die Tatsache, dass Remus Lupin scheinbar zu diesem Verräter hielt. Oder, dass dieser Verräter tot war und man ihn, Harry, um seine Rache gebracht hatte.
Immer wüstere Bezeichnungen schrie der Schwarzhaarige in den Raum und Ginny und Hermine, beide den anderen gefolgt, weinten bitterlich, als sie ihren Freund so sahen. Sein ganzer Körper zitterte und versuchte sich aufzubäumen. Vereinzelt waren sogar manche Narben wieder aufgebrochen und Blut begann zu laufen. Aber keiner wusste so recht, wie er mit dem Jungen umzugehen hatte. Molly war kurz davor einen verzweifelten „Stupor" abzufeuern, doch ihre Hand wollte nicht gehorchen.
Letztendlich tauchte dann endlich Madame Pomfrey im Zimmer auf. Und als sie ihren Patienten und seinen Zustand sah, zückte sie ihren Zauberstab und ließ ihn zwei drei Mal durch die Luft peitschen. Die dadurch hervorgerufenen laut, knallenden Geräusche schienen zu Harry durchzudringen und er stockte kurz. Dann trat die alte Heilerin an Harry heran und schrie zur Verwunderung aller Anwesenden ebenfalls.
„Harry James Potter, du wirst dich augenblicklich beruhigen, hinlegen und mit dieser versuchten Selbstverstümmelung aufhören. Hast du mich verstanden ?"
Der Schwarzhaarige blieb von einer auf die andere Sekunde still und sein Körper entspannte sich. Dann aber hörte man leises Schluchzen und wie Harry immer wieder einen Namen rief,... Remus.
Ron starrte geschockt auf seinen Freund. Dann zu Hermine und seiner Schwester. Schließlich war auch er den Tränen nah, denn dies hatte der Rothaarige nicht gewollt. Bevor er aber so richtig zu weinen begann, rannte Ron aus dem Zimmer und dabei fast seinen früheren Lehrer um.
Remus stand in der Tür und schaute sich verwirrt um. Was war hier geschehen ? Als dann aber Harry seinen Namen schluchzte, rannte der Werwolf zu ihm hin und zog den Jungen fest in seine Arme. Etwas, dass bei Poppy ein sehr tiefes Lufteinziehen verursachte. Schließlich galt es Wunden zu heilen und derartige Berührungen konnten dem nur entgegenwirken.
Remus war dies aber egal. Hier galt es dem Sohn seines besten Freundes zu helfen und das bei Wunden, die man von außen nicht sehen konnte. Die einzigste, die dies zu verstehen schien, war Mrs. Weasley. Sie bedeutete allen anderen sich leise zurück zu ziehen und Harry mit Remus und Madame Pomfrey allein zu lassen. Außerdem wollte sie sich um ihren Sohn kümmern, denn Ron sah nämlich ebenfalls so aus, als bräuchte er ein wenig Beistand.
Remus hielt Harry ganz fest und strich ihm über den Rücken. Daraufhin schluchzte der Junge noch lauter und der Werwolf flüsterte leise,
„Ist ja schon gut, Harry. Ich bin ja hier."
Sofort spürte er wie Harry sich regelrecht an ihn klammerte und mit erstickter Stimme fragte,
„Warum ? Warum du, Remus ? Dieses... dies... Monster... es wollte mich... tö... töten... so wie Dumble..."
Remus begann nur langsam zu verstehen, was Harry meinte und strich ihm erneut über den Rücken. Dann drückte er Harry fest an sich und sagte mit einigen Tränen in den Augen,
„Wir haben es ihm geschworen, Harry. Wir haben es Dumbledore geschworen."
Dies ließ den schwarzhaarigen Jungen plötzlich stocken. Er drückte Remus von sich weg und fragte mit entsetztem Gesicht.
„Geschworen ? Warum ? Wann ?"
Harry konnte, nein er wollte es nicht begreifen. Dieser Mann war ein Mörder, ein Todesser, und doch wurde er behandelt, als wäre er ein rechtschaffender Mensch gewesen. Harrys Blut begann wieder zu rasen und eine gewisse Wut gegenüber Remus und sogar Dumbledore baute sich in ihm auf.
Remus, als letzter der Rumtreiber und Mann, der wahrscheinlich am besten verstand, was gerade in Harry vorging, sah den Jungen vor sich an und sagte leise.
„Es war vor etwa drei Monaten, Harry, als Dumbledore uns zu einem Meeting rief. Snape war an diesem Abend nicht dabei, denn Voldemords hatte ihn zu sich gerufen. Und in diesem Meeting forderte uns Dumbledore auf, einen Eid zu leisten der besagte, dass jeder Mann und jede Frau, die dem Orden des Phönix angehört, eine schwere Last zu tragen hat. Und dass wir, egal wie sich ein Mitglied im Verlaufe dieses verwirrenden Krieges entscheidet, es bei seinem Tode zum dem wird, was er bei seiner Geburt war... ein Mensch."
Harry wollte etwas erwidern, doch Remus hob nur leicht die Hand.
„Ich weiß Harry, du wirst es vielleicht nicht verstehen. Aber ich denke, Dumbledore hatte in gewisser Weise recht. Snape mag sein Mörder gewesen sein. Doch irgendwas an Dumbledore´s Rede damals, sagte mir, dass der alte Zauberer vielleicht mehr wusste, als wir alle zusammen. Deshalb ließ er es uns schwören und Harry glaub mir, ich habe Dumbledore zu viel zu verdanken, als dass ich diesen Wunsch nicht respektieren würde. Wir haben Snape in aller Stille, in seinem Garten in Spinner´s End, begraben. Ebenso wie den jungen Draco Malfoy."
„Malfoy ?" rief Harry überrascht und Remus schien ein leicht trauriges Gesicht zu machen.
„Ja Harry, auch Draco ist tot. Sie sind beide in der Nacht umgekommen, als Snape versuchte dich zu töten. Scheinbar ist das Feuer um und in deinem Kessel außer Kontrolle geraten. Es muss alles wahnsinnig schnell gegangen sein und sie sind beide bei lebendigem Leibe verbrannt. Lediglich die Zauberstäbe und ihre Koffer mit einer Menge persönlicher Dinge haben den Brand mehr oder weniger unbeschadet überstanden. Mein Gott Harry, wir brauchten drei der erfahrendsten Auroren und eine Vielzahl von Gesichtsrekonstruktionszaubern, um ihre Identität eindeutig feststellen zu können."
„Koffer ?", fragte Harry überrascht.
„Ja Harry, Koffer", sagte Remus. „Und einen illegalen Portschlüssel, der nach einer Untersuchung des Ministeriums, das Ziel Brasilien angab. Scheinbar wollten beide verschwinden, als sie mit dir fertig waren. Doch so wie es aussieht, wurde daraus nichts mehr. Du hast sie aufgehalten und wir sollten sie von nun an in Frieden Ruhen lassen. Glaub mir, Dumbledore würde Ähnliches wollen."
Harry sah den älteren Zauberer mit großen Augen an und beruhigte sich langsam. Schließlich hatte er ja doch irgendwie seine Rache gehabt und der Gedanke daran, dass sein Mentor es ebenfalls wie Remus sehen würde, machte ihm die Entscheidung ein wenig leichter. Snape war also tot und Dumbledore gerächt.
Mit diesen Gedanken umarmte Harry den Werwolf noch mal ganz fest und plötzlich wurden ihm seine Wunden wieder bewusst. Ein lautes Stöhnen entfuhr seinem Mund und nun hatte Madame Pomfrey ihre große Stunde. Sie stauchte Harry nach allen Regeln der Kunst zusammen und war auch nicht gerade zimperlich beim Versorgen der Wunden. Remus hatte fast schon ein wenig Mitleid mit Harry, half der alten Heilerin aber so gut es ging.
Eine halbe Stunde später schwebte Harry dann wieder friedlich einen Meter über dem Boden und dieses Mal ging Poppy ganz auf Nummer sicher. Sie verstärkte den Starrezauber und verabreichte ihrem Patienten zusätzlich noch einen leicht überdosierten Schlaftrank. Außerdem waren sie und Molly die einzigsten Personen, die von nun an Zutritt zu Harry´s Raum hatten und das für die nächsten drei Tage. Denn solange würde die Genesung nach dem heutigen Durcheinander noch mindestens dauern. Danach galt für Harry alles langsam anzugehen und mit Hilfe seiner Freunde ins Leben zurück zu finden. Denn dann galt es die inneren Wunden zu heilen.
Molly Weasley führte ihr Tochter und deren beste Freundin aus dem Zimmer. Beide Mädchen weinten bitterlich und liefen, kaum das der Raum hinter ihnen lag, in ihr Zimmer hoch. Molly hielt sie auch gar nicht erst zurück. Sie wusste, dass Ginny und Hermine stark waren und sich gegenseitig halfen. Nein, Mollys Sorge galt im Moment eher einer anderen Person, ihrem jüngsten Sohn... Ron.
Noch nie hatte sie ihn so aufgelöst gesehen. Klar hatte der Rotschopf früher auch mal geweint. Doch dieses Mal schien es Ron wirklich ans Herz zu gehen, dass sein bester Freund, kurz nachdem er eh schon so viel durchgemacht hatte, seinetwegen litt.
Molly trat an Rons Zimmertür heran und klopfte leise. Ein etwas lauteres Schluchzen, was wohl auch „ja" hätte bedeuten können, erklang und Mrs. Weasley ging hinein. Ron lag auf seinem Bett und hatte ein Kissen fest an sein Gesicht gedrückt. Dunkle Flecken verrieten aber, dass er schon eine Weile weinte und so fragte Molly.
„Ron, ist alles Ok ?"
„Nein", sagte der Rothaarige mit erstickter Stimme. „Es ist meine Schuld, meine... dass er so daliegt."
Molly wusste, dass wenn sie jetzt sagen würde, dass es nicht an dem sei, Ron nur um einiges lauter zurück schreien würde, dass dies nicht stimmt. Deshalb setzte sie sich auf die Bettkante und strich ihrem Sohn über den Kopf.
„In gewisser Weise ja, mein Lieber. Doch sie es doch auch mal anders, Ron. Harry ist dein Freund und hat ein Recht auf die Wahrheit. Und auch wenn diese manchmal weh tut, so ist es doch das, was wirkliche Freundschaft ausmacht."
Der Rotschopf hob seinen Kopf an und schaute leicht ungläubig aus seinen von Tränen geröteten Augen.
„Echt ?", fragte seine leicht erstickte Stimme und Molly lächelte ihren Sohn an.
„Natürlich Ron und glaub mir, Remus ist jetzt bei ihm und wird Harry schon helfen und ihm alles erklären. Wie es unser kleiner Held allerdings aufnimmt, dass hängt dann ganz von ihm ab. Doch ich denke, Harry ist stark genug und wird sich schnell beruhigen."
Diese Wort schienen bei Ron eine ganze LKW-Ladung Steine vom Herzen fallen zu lassen und er richtete sich leicht auf seinem Bett auf. Molly nutzte dies und zog ihren Sohn in eine ihrer knochenbrechenden Umarmungen und strich sanft über seinen Rücken. Dann verzogen sich ihre Lippen zu einem Grinsen und sie meinte.
„Das nächste Mal aber, mein kleines Unsensibelchen, hoffe ich jedoch, dass dein Timing für solch eine unangenehme Nachricht, ein wenig besser ist. Ansonsten bringt dich zumindest Poppy nämlich eigenhändig um."
Ron zuckte zurück und sah seine Mutter entgeistert an. Molly lachte los und kam dann dazu, sich eine Strafe für Ron´s bulldozerhaftes Mitgefühl einfallen zu lassen. Sie bestand dann letztendlich aus der Aufgabe, den Tisch fürs Mittagessen zu decken und Ron, der kurz leicht schockiert war, machte sich überraschenderweise sehr schnell daran, sie zu erledigen.
Das nächste Mal, dass Harry wieder zu Bewusstsein kam, war genau zwei Tage später und der Schwarzhaarige spürte sofort, dass sich etwas verändert hatte. Er lag nämlich nicht mehr mit dem Gesicht nach unten und jemand machte sich an seiner Brust zu schaffen.
Vielleicht war es ja diese geheimnisvolle, weiblich Person von letztens. Aber andererseits vermisste Harry heute den lieblichen Geruch von damals. Nein, heute roch es eher nach Seife und Desinfektionsmittel. Harry öffnet also leicht enttäuscht die Augen und schaute in das Gesicht von Madame Pomfrey. Die alte Heilerin war gerade dabei Harry´s Schlafanzugoberteil zuzuknöpfen und lächelte ihren Patienten an.
„Na, Mr. Potter, sind wir endlich zurück ins Leben gekommen ?" Fragte sie in ihrer heilertypischen Art und Harry konnte nicht anders, als ebenfalls zu lächeln.
„Aber natürlich Madame Pomfrey, es wäre ja sonst ein Negativpunkt in ihrer Akte, den sie nie wieder wegbekämen."
Poppy schaute den vor sich liegenden Jungen mit einem scharfen Blick an und merkte bald, dass Harry es eher als Scherz gemeint hatte. Da sich ihrer Augen aber nicht entspannten, wusste Harry, dass da irgendwann noch mal eine Rache kam und er beschloss, sich in Zukunft ein wenig vorzusehen.
Einige Minuten später war Poppy dann mit ihren Untersuchungen und dem Herrichten des Zimmers fertig. Harry beobachtete sie dabei und war insgeheim froh, dass er, als er so an sich herunter sah, noch geschlafen hatte, als ihn die alte Hexe den Rest des Schlafanzuges angezogen haben muss. Allerdings fühlte sich der Stoff auf seiner Haut wie eine schwere, kratzende Decke und so machte der Schwarzhaarige eine Menge Anstalten, um nicht all zu oft damit in Berührung zu kommen.
„Das vergeht bald, Mr. Potter. Doch wenn man bedenkt, dass ihrer Haut fast gekocht und völlig enthaart war. Dann haben sie es noch relativ gut getroffen. Ich hatte schon andere Patienten, die konnten bei ihren Verbrennungen nicht mal die sie umgebende Luft an ihre Haut lassen."
Harry schaute die alte Heilerin mit großen Augen an und Poppy meinte, dass er noch mal eine Menge Glück gehabt hat. Dann ging sie plötzlich zur Tür und mit dem Wink ihres Zauberstabes ließ sie die Sperrzauber verschwinden. Danach betraten Molly und Remus, gefolgt von Ron und den beiden Mädchen das Zimmer.
Sie alle strahlten im Gesicht und kamen rasch an Harry heran getreten. Zwei Minuten später folgten dann auch Mr. Weasley und Tonks. Beide ließen ein großes Bett ins Zimmer schweben und stellten es vor Harry ab. Der Schwarzhaarige beachtete es aber kaum, sondern sein Blick war an Sirius Cousine kleben geblieben. Vorsichtig versuchte Harry nach dem Parfum zu riechen und wurde von einem auf den anderen Moment immer verwirrter.
Denn der Duft kam scheinbar aus allen Richtungen. Er roch ihn auch bei Ginny, dann bei Hermine und zu seinem Entsetzten auch bei Mrs. Weasley. Letztendlich gab Harry seine Bemühungen auf und tat es als eine Nachwirkung des tiefen Schlafes ab. Er sah langsam in die Runde und lächelte allen anderen zu.
Harry´s Besucher hingegen schienen von seiner Aktion etwas verunsichert und die Tatsache, dass sie sich nicht wie üblich auf ihn stürzen konnten, um Harry zu umarmen, ließ vor allem die Damen etwas zögernd von einem Bein aufs andere tretend dastehen.
Letztendlich war es dann Mr. Weasley, der die Regie übernahm und Poppy, Remus und Tonks aufforderte, sich auf Harry zu konzentrieren. Sie alle zogen ihre Zauberstäbe und während sich Poppy und Remus um Harry selbst kümmerten, ließen Arthur und Tonks das mitgebrachte Bett unter den Schwarzhaarigen gleiten. Dann setzten die beiden anderen Harry vorsichtig ab und zum ersten Male, seit gut drei Wochen, lag der Junge, der lebt wieder auf festem Untergrund.
Danach kam er, der Mutterinstinkt, bei Molly und sie fragte mit besorgter Stimme, ob Harry Hunger hätte, ob die Kissen weich genug seien, oder ob sie irgendwas für Harry tun könne. Als dann auch noch Harry´s Magen plötzlich laut in den Raum schrie, sah man vom eigentlichen Familienoberhaupt der Weasleys nur noch einen Kondensstreifen.
Arthur und die anderen grinsten. Jedoch nicht ohne selber einige Fragen auf den Lippen zu haben. Harry hatte aber in dem Moment, da sein Körper aus der Starre und der Schwebe gerissen wurde, ein ganz anderes Problem. Eines, dass bei all den erwartungsvollen Gesichtern vor ihm, eher einen roten Kopf verursachte, als dass er es hier ansprechen konnte.
Einzig Ron schien den immer verlegener werdenden Blick richtig zu deuten und nickte in Richtung einer kleinen Tür zu seiner Rechten. Harry nickte leicht zurück und sein Freund verstand. Ron drehte sich zu Madame Pomfrey und fragte,
„Poppy, kann Harry schon aufstehen ?"
Alle sahen den Rothaarigen mit entsetzten Augen an. Denn bisher hatten eigentlich nur die Lehrer Hogwarts, oder vielleicht Molly Weasley, die alte Heilerin so genannt. Doch da diese in einem eher freundlicherem Tone, als erwartet, „Ja" sagte, blieb es erst einmal bei dieser Verwunderung.
Ron allerdings war über diese Antwort sehr erleichtert und begann plötzlich alle mit fester Stimme aus dem Raum zu schicken. Ginny und Hermine protestierten sofort los. Doch als ihr Freund sagte, dass Harry das Folgende nur ohne sie meistern könne, verstanden sie und gingen mit hochrotem Kopf aus dem Zimmer.
Kaum waren sie allein, half Ron Harry auf die Beine und geleitete ihn vorsichtigen Schrittes ins Bad. Das nächste was Harry dann spürte, war das Gefühl einer Erleichterung, die nur jemand verstand, der wusste, wie es ist, kurz vorm Zerbersten zu stehen.
Eine halbe Stunde später war dann Frühstück angesagt und alle aßen in der großen Küche des Grimmaultplatzes 12. In der Mitte der Tafel und auf einem weichen Sessel saß Harry, umringt von seinen Freunden. Sie alle feierten regelrecht, die Genesung des Jungen, auch wenn keiner etwas von geschehenen Dingen ansprach. Harry war ihnen dafür sehr dankbar und starrte gedankenverloren in die Tasse in seinen Händen.
Er betrachtete das kleine Spiegelbild, wie schon zuvor im Bad und eine kleine Träne tropfte in den grünlich schimmernden Tee. Hermine, die sich neben ihm befand, legte ihren Arm vorsichtig um seine Schulter und flüsterte ihrem besten Freund ins Ohr.
„Harry, glaub mir, alles wird gut. Du wirst schon bald wieder wie früher aussehen und kannst immer zu mir kommen. Das selbe gilt für Ron und jeden anderen hier im Raum. Wir mögen und lieben dich, egal wie du aussiehst."
Harry sah ihr in die rehbraunen Augen und lächelte. Hermine wusste irgendwie immer, was er dachte und wie sie ihn wieder hoch holen konnte. Er sagte leise „danke" und küsste sie sanft auf die Wange. Etwas, das bei der klügsten Hexe Hogwarts einen mehr als nur deutlichen Rotschimmer verursachte.
Den Rest des Frühstücks sprachen die Mitglieder des Phönixordens über ihr weiteres Vorgehen und dass man auf jedem Fall nicht einfach sang und klanglos verschwinden durfte. Harry stimmte dem zu, obwohl er sich an den weiteren Gesprächen nicht weiter beteiligte. Nein seine Gedanken waren schon wieder in einer Erinnerung, bis sein Blick auf ein Lebewesen fiel, dass zitternd in der Ecke des Raumes stand und schlimmer aussah als zu seinen schrecklichsten Zeiten. Und dieses Wesen war... Dobby.
