Jeder im Raum bemerkte sofort, dass etwas mit Harry nicht stimmte. Und als sie seinem starren und entsetzten Blicke folgten, bemerkten alle den kleinen, mehr als nur heruntergekommen aussehenden Hauselfen.
„Dobby... was ist denn mit dir passiert ?" Fragte Harry geschockt und versuchte aufzustehen.
Madame Pomfrey warf dem Schwarzhaarigen aber einen strengen Blick zu und hielt ihn damit auf. Dobby nutzte diesen Moment und rannte auf Harry zu. Kurz vor dem Tisch warf er sich der Länge lang hin und begann laut und für viele Ohren sehr schmerzvoll, zu heulen.
„Es tut mir... leid... Meister. Dobby ist es nicht wert... zu... leeben, Harry Potter... Sir"
Harry sah den kleinen Kerl vor sich mit geweiteten Augen an. Was war denn geschehen, dass sein Freund, und Harry sah Dobby als einen solchen an, so verzweifelt zu sein schien ? Der kleine Elf nahm das Stillschweigen des Schwarzhaarigen scheinbar fälschlicherweise als eine Art Wut auf und schluchzte noch mehr.
„Bitte... Meister Harry Potter Sir... Dobby hat es nicht gewollt... nicht gewollt..."
Immer mehr Tränen kullerten aus den tennisballgroßen Augen und das dreckige Tuch, welches Dobby heute um seine Hüften hatte, schaffte es gar nicht mehr, sie alle aufzunehmen.
Schließlich hatte Harry sich ein wenig gefasst und sah sich fragend unter seinen Freunden um. Diese schienen allerdings ein wenig befangen zu sein und Harry musste mehrfach in Richtung Ron oder Remus fragen, bis sie anfingen unverständliche Sätze in Richtung des Schwarzhaarigen zu werfen.
Harry fing verschiedene Worte, wie „alte Gesetzte" und „bis ans Lebensende" auf. Doch so wirklich verstehen, konnte er das nicht. Dann fiel Harry´s Blick auf Hermine, die in solchen Sachen eigentlich immer eine Artwort hatte. Aber dies schien nicht der Fall zu sein. Nein, Hermines Blick war fast genauso voller Entsetzen, wie das von Dobby, der immer noch weinend am Boden lag.
Nun reichte es Harry, und egal ob Poppy ihn nachher wieder einsperren würde, er ging zu Dobby und kniete sich hin. Danach strich er seinem Freund sanft über den Rücken. Doch dies schien den kleinen Kerl nur noch stärker erschaudern zu lassen.
„Dobby, was ist los ?" Fragte er leise, doch der Elf schien nur unverständliche Worte in die Gegend zu brabbeln. Schließlich wurde es Harry zu bunt und er fuhr, sehr zur Überraschung aller, Dobby laut an.
„Das reicht Dobby, steh endlich auf und stell dich gerade vor mich. Ich möchte erfahren, was mit dir los ist."
Wenn Harry jetzt gedacht hätte, Dobby würde nur noch mehr weinen, dann ließ ihn die Reaktion des kleinen Hauselfen zusammen zucken. Denn Dobby sprang wie von der Tarantel gestochen auf, stellte sich wie beim Militär kerzengerade hin und wollte anfangen zu sprechen.
Doch ein lautes Aufstöhnen und der tödliche Blick von Hermine an Harry, lenkten ihn davon ab. Harry wurde von Moment zu Moment verwirrter und die Tatsache, das Dobby sich wie sein Diener verhielt, bestärkte den Schwarzhaarigen nur noch mehr in seiner Verwirrung. Schließlich aber hörte der Gryffindor leise die Worte des Hauselfen in seinen Ohren und seine Augen wurden immer größer.
„Meister Harry Potter Sir, ich habe es nicht gewollt... nicht mit Absicht gemacht. Aber der böse Elf... er hat sie beleidigt und gesagt, dass sie sterben... und dass Kreacher dann endlich den wahren Erben dienen kann."
Harry verstand noch immer nicht so recht, doch auf die Idee nach Kreacher, dieser verräterischen Kreatur, zu rufen. Darauf kam Harry auch nicht.
„... Und dann hat Kreacher, böser Kreacher gesagt, dass er geht und Dobby wollte ihn aufhalten. Und Kreacher hat sich gewehrt, hat Meister Harry Potter Sir beleidigt und da hat Dobby seine... Beherrschung verloren und ... hat ... hat niederträchtigen Kreacher mit eigenen Händen erwürgt..."
Harry sah Dobby mit schockierten Augen an und realisierte nur sehr langsam, was man ihm eben mitgeteilt hatte. Kreacher, der alte hauself der Blacks, war also tot. Doch wieso war dann Dobby so verzweifelt und benahm sich wie ein Sklave. Ihm musste doch klar sein, dass keiner den Verräter wirklich vermissen würde.
Zu Harry´s Hilfe kam Hermine, die den fragenden Blick des Schwarzhaarigen richtig zu deuten schien. Sie kam zu Harry herüber und fragte leise.
„Du weißt es nicht, nicht wahr, Harry ?"
„Was ?", fragte der Schwarzhaarige etwas unsicher.
„Na, dass Dobby nun dir gehört. Es ist ihr Gesetz, eines das mir persönlich doch sehr weh tut und es besagt, dass sollte ein freier Hauself einen anderen, an eine Familie gebundenen, Vertreter seiner Art absichtlich töten, dann muss er dessen Platz einnehmen. Sein Leben und seine Freiheit gehört dann dem Besitzer des getöteten Elfen."
Harry sah überrascht in die Runde und dann in die rehbraunen Augen von Hermine.
„Ja aber wieso hat er dann solche Angst. Dobby weiß doch, dass ich ihn ohne zu zögern freilas..."
„Nein Harry...", unterbrach ihn Hermine sofort wieder energisch. „ sein Leben, verstehst du, nicht seine Arbeitskraft, gehört dir. Dobby kommt durch diese Tat erst wieder durch seinen Tod frei."
Harry blickte nun entsetzt zwischen dem Lockenkopf und dem kleinen Elfen hin und her. Dann kniete er sich leicht mühsam hinab und hob den schluchzenden Elf hoch. Harry sah tief in die gelben Augen seines kleinen Freundes und sagte,
„Dobby, hab keine Angst. Niemand wird dir etwas antun und ich bin dein Freund. Freunde halten sich keine Sklaven. Du magst jetzt an mich gebunden sein, doch bleibst in meinen Augen immer noch ein freier Elf und kannst tun und lassen, was du willst."
Dobby sah tief in die grünen Augen seines neuen Meisters und fragte mit weinerlicher Stimme,
„Dann... dann darf Dobby bei ihnen bleiben und Harry Potter Sir dienen ?"
Harry sah den Elfen mit seinen erwartungsvollen Augen an und antwortete mit leicht unwohler Stimme,
„Ja Dobby du bist von nun an mein treuer Diener und wirst jeden meiner Wünsche erfüllen."
Das nächste was der Gryffindor spürte waren die kräftigen kleinen Arme von Dobby, welche sich fest um sein rechtes Bein legten. Und den extrem spitzen Ellenbogen einer gewissen Hermine Granger, die sich bei ihm aufgrund des eben gesagten Satzes, in der Seite verewigte. Der Rest des Tisches musste daraufhin lauthals loslachen und übertönte dabei das Husten des Jungen, der lebt.
Die nächsten Tage verliefen sehr ruhig und Harry erholte sich in Anbetracht seiner Verletzungen sehr gut. Dies konnte man aber auch der Pflege von Molly Weasley zuschreiben, die ihn mit jedweder Art von Kraftfutter voll stopfte. Andererseits lag die gute Frau ja auch unter einem gewissen Termindruck, denn in der zweiten Augustwoche stand die Hochzeit von Bill und Fleur an. Und zu dieser sollte Harry ebenso gesund sein, wie der Rest der Familie auch.
Es war dann schließlich Samstag, genau eine Woche nachdem Harry wieder erwacht war, als Professor Mc Gonnagal zusammen mit Remus im Grimauldplatz auftauchten und Harry baten, zu versuchen, einige Sachen vom Beginn seiner Ferien, zu erzählen.
Remus führte den Gryffindor dazu ins Wohnzimmer und nahm neben der derzeitigen Direktorin von Hogwarts platz. Harry folgte den beiden schweren Schrittes und fühlte sich am Anfang noch etwas unwohl, die Ereignisse dieser sehr schmerzvollen Nacht mit Snape wiederzugeben. Doch da er darauf bestanden hatte, dass Ron, Ginny und Hermine auch mit erfahren sollten, was geschehen war und vor allem der braune Lockenkopf Harry dabei half, die richtigen Worte zu finden, fiel es ihm nach den ersten Sätzen gar nicht mehr so schwer.
Nein, Harry spürte regelrecht, wie ihm eine Last von den Schultern genommen wurde. Und in dieser Stunde der Aufarbeitung wurde Harry auch klar, was er für gute Freunde hatte. Auch wenn einige von ihnen nun auch andere Interessen, außer dem großen Harry Potter, hatten. Namentlich waren dies Ron, dessen Hals von Tag zu Tag immer mehr kleine Blutergüsse bekam. Und Ginny, die es scheinbar wirklich geschafft hatte, mit ihm abzuschließen. Denn der Rotschopf war kaum noch im Haus zu sehen und kam mit nicht weniger Anzeichen freudig-stürmischer Liebesbekundungen jeden Abend heim.
Was nun Hermine anging ? Da wusste Harry nicht so recht. Sie schien die ganze Sache etwa anders zu verarbeiten. Kaum sprach Harry´s beste Freundin noch über die Schule und dies trotzdem Harry sich entschieden hatte, weiter nach Hogwarts zu gehen. Nein, der braune Lockenkopf schien immer öfter in Gedanken zu schwelgen und etwas bedrückte sie. Aber Harry wusste nicht so recht, ob er Hermine darauf ansprechen sollte oder nicht.
Etwas Ablenkung bekam sie dann aber scheinbar, nachdem Harry etwas mehr über die Horkruxen verriet und sich Hermine regelrecht in die überaus beachtliche Bibliothek der Familie Black stürzte.
Gegen Ende Juli dann, es war zwei Tage vor seinem Geburtstag, geschah allerdings etwas, dass Harry´s und auch die Gefühle der anderen in Wallung brachte. Harry befand sich gerade mit den anderen am Frühstückstisch und der Schwarzhaarige – ja, man konnte ihn in Anbetracht des leichten Haarflaums ansatzweise wieder so nennen – unterhielt sich mit seinem besten Freund über ein Thema, dass bisher nie irgendwie relevant gewesen war. Es ging ums Rasieren, da aus irgendeinem Grund Mutter Natur beschlossen hatte, dass Harry´s Haare ihre persönliche Rache an ihm sein sollen.
Sie wuchsen unaufhaltsam und entlockten Mr. Weasley, der ja nun am kompletten Gegenteil litt, jedes Mal wenn er Harry sah, ein neidisches Lächeln. Also, Harry und Ron sprachen gerade über mögliche Zauber, als die Posteulen eintrafen und den heutigen Tagespropheten, und auch den Klitterer, auf dem Tisch abluden.
Jeder versuchte als erster die Zeitung zu ergattern und Harry´s Blick fiel dabei auf einen kleinen Artikel, ganz weit unten auf der ersten Seite des Propheten. Er schnappte sich die Zeitung aus Remus Hand und las.
Schande über die Zaubererwelt
Ja, meine lieben Leser, ich bin bedrückt, empört und zutiefst verletzt, wenn ich hören muss, dass es Menschen, ja erwürdige Zauberer, unter uns gibt, die noch tiefer sinken können, als die ruchlosen Anhänger des Unsäglichen. Warum ? Ich werde es ihnen sagen.
Gestern Nacht, und im Schutze der Dunkelheit, sind unbekannte Zauberer gewaltsam auf einem Grundstück in Spinner´s End eingedrungen und haben zwei der dort neu angelegten Gräber geschändet. Die Särge wurden auf brutalste Weise aus dem Boden gerissen und danach in Brand gesteckt. Dann schmierten die Unbekannten, oder vielleicht auch nur eine einzelne Person, das Wort „Verräter" auf die Grabsteine und verschwand. Meine lieben Leser, ich persönlich finde dies verabscheuungswürdig.
Wer die dort begrabenen Verstorbenen waren, das können und würden wir ihnen nicht mitteilen. Doch wer auch immer dort lag, sie hatten ein Recht auf ihren Frieden und es ist wahrhaftig eine Schande für die Zaubererwelt, dass so etwas geschehen kann.
Nähere Angabe und was die Mitarbeiter des Ministeriums, die sich nun um eine neue Ruhestätte für die Opfer dieses Anschlages kümmern, dazu sagen, finden sie auf Seite fünfzehn.
Harry war gelinde gesagt entsetzt. Denn sofort als er den Ort gelesen hatte, wusste er, wer dort lag. Sein Blick ging zu Remus und auch sein älterer Freund schien immer blasser im Gesicht zu werden. Wer tat so was ? Diese Frage schienen sich alle am Tisch zu fragen und die wildesten Gerüchte kamen auf. Einige meinten, es waren Leute, die wussten, dass Snape dort lag und wollten ihn für seine Tat nicht ungeschoren davonkommen lassen. Doch dann fragte Ron, ob es nicht vielleicht Todesser gewesen waren.
Der ganze Tisch drehte sich zu ihm und der Rotschopf weitete seine Haarfarbe auf den Rest seines Gesichtes aus. Remus widersprach dem jüngsten Weasleysohn aber mit der Begründung, dass dann das Dunkle Mal am Himmel zu sehen gewesen wäre. Schließlich hätte Voldemord ja sein Zeichen setzen wollen.
Da sich aber keiner wirklich einen Reim drauf machen konnte und der Appetit sogar bei Ron verflogen war, beendeten die Bewohner des Grimmaultplatzes wenige Augenblicke später ihr Frühstück und gingen ihren täglichen Beschäftigungen nach.
Gegen drei Uhr, nachdem Harry seinen von Poppy angeordneten Mittagsschlaf absolvierte hatte, tauchten dann die Zwillinge auf. Und da sie eine Menge Kisten schleppten, denen man ihre Explosivität regelrecht ansah, hielt sich Harry auch nach einer kurzen, jedoch sehr herzlichen Begrüßung von ihnen fern.
Allerdings ahnte der Schwarzhaarige, dass es ohne Zweifel etwas mit seinem Geburtstag zutun haben musste. Denn Mrs. Weasley blieb ungewohnt gelassen und wuselte lieber in der Küche herum, als dass sie ihre beiden Söhne aufs strengste kontrollierte. Harry nutzte dies und schlich langsam die Treppe in den Keller hinab. Dort fand er dann auch den alten Trainingsraum, von dem ihm Sirius mal erzählt hatte und setzte sich, wenn auch sehr mühsam, auf das alte, hochgebockte Fahrrad.
Vorsichtig begann er zu strampeln und Wellen des Schmerzes jagten die Nervenbahnen vom Fuße an bis ins Gehirn hin hoch. Doch es nutzte nichts. Bisher konnte Harry allen ein wenig vormachen, doch die Schwächeanfälle, die ihn meist nach den für ihn langen Wegen vom und zum Essen, überkamen, mussten aufhören. So viel war sicher. Wie sollte er sonst jemals Voldemord bezwingen, wenn er schon beim aufs Klo gehen, vor Schmerzen winselte.
Harry trat weiter in die Pedalen, begann langsam zu schwitzen und bemerkte in seinem Eifer nicht, dass sich ihm jemand von hinten näherte. Diese Person stellte sich genau hinter den Schwarzhaarigen und leicht schwer atmenden Jungen, stemmte ihre Arme in die Seite und nur wenige Sekunden danach brach die Hölle im Keller des Grimmaultplatzes los.
Es war Hermine, die Harry gefolgt war und der es in der Seele weh tat, ihren Freund so zu sehen. Aber der Lockenkopf hatte auch Poppy´s Worte verstanden und da hieß es eindeutig Ruhe.
„Was glaubst du, was das hier wird, Harry Potter ? Reichen dir die Schmerzen der Narben noch nicht ? Willst du, dass sie wieder aufbrechen ?"
Harry, der neben seinem Training der Füße auch noch eine kleine Hantel in der Hand hatte, schreckte hoch und schleuderte das schwere Stück Metall von sich weg. Fast wäre es gegen den großen Spiegel an der gegenüberliegenden Wand geknallt. Doch Harry streckte seine Hand aus und schrie „Stop"
Dies war für die nächsten Minuten das Letzte Wort, was man im Raum hörte. Denn sowohl Harry als auch eine extrem überraschte Hermine schienen ihre Interpretation eines Goldfisches zu üben. Ihre Münder standen offen und die Augen waren fest auf einen Punkt gerichtet. Jener Punkt war die Hantel, welche mitten in ihrem rasanten Flug gestoppt und nun nur wenige Zentimeter vor dem Spiegel schwebte.
Harry konnte es nicht fassen und in dem Moment, wo er auf seine ausgestreckte Hand starrte und nicht mehr zur Hantel schaute, schien die Magie auch schon verpufft zu sein. Mit einem lauten Scheppern schlug das Eisen auf den Holzfußboden und rollte danach noch einige Zentimeter zurück zu Harry.
„ Ha... Harry, was war das ?" Fragte Hermine leise und der Schwarzhaarige zuckte zusammen. Immer noch blickte er auf seine Hand und wusste nicht so recht, was geschehen war.
„Ich... ich weiß nicht, Hermine ?"
Der Lockenkopf hingegen änderte blitzschnell seinen Gesichtsausdruck, schaute Harry in der nächsten Sekunde mit einer Art Bewunderung an und fragte dann vorsichtig.
„Könn... Könnte dies stablose Magie gewesen sein, Harry ?"
„Stablos ?", fragte Harry ungläubig zurück und ihm wurde leicht mulmig bei dem Gedanken, dass es wieder etwas gab, dass nicht unbedingt zur Norm gehörte.
„Na ja, Harry, du weißt schon, Zaubern ohne Zauberstab, oder die Möglichkeit der Beherrschung eines Elements, all solche Sachen halt."
Harry blickte seine Freundin mit großen Augen an und überlegte, woher dies nun wieder kam. Hermine hingegen schien es mit einem Male in den Fingern zu jucken, um in einem Buch nachzuschlagen. Und als sie dies Harry auch vorschlug, stimmte der Schwarzhaarige sofort und mehr als nur aufmunternd schnell zu. Hermine ging los in Richtung Tür, stockte allerdings plötzlich in ihren Bewegungen und sie drehte sich an der Tür noch mal um.
„OH nein, Harry Potter, ich weiß ganz genau, was du eben vor hattest. Doch ich war noch nicht fertig mit dir, mein Lieber."
Hermine stemmte wieder ihre Hände in die Seite und schimpfte Harry aus, wie man es sonst nur bei Molly sah. Immer wieder kamen die Argumente, dass er dies seinem Körper noch nicht zumuten darf. Oder, dass er erst zu Kräften kommen muss.
Harry musste diese Tirade stoppen und ging deshalb ganz nah an Hermine heran. Dann zog er sie in seine Arme und versprach hoch und heilig, sofort etwas kürzer zu treten. Denn der Schwarzhaarige war nach der kurzen Zeit, hier unten im Trainingsraum, selbst zu der Erkenntnis gekommen, dass er noch nicht soweit war.
Hermine, die nun in Harry´s Armen lag, begann zu schluchzen und Harry bekam urplötzlich ein sehr komisches Gefühl im Bauch. Alles begann zu kribbeln und kleine Feuer schienen seine Wirbelsäule nach oben zu wandern.
Hermine schien die Veränderung an Harry´s Verhalten zu bemerken und blickte auf. Sie sah in seine wunderbar grün leuchtenden Augen und verlor sich fast darin. Schließlich bewegte sich ihr Kopf immer weiter nach oben, während Harry nur starr zu ihre herab schaute.
Dann aber schob Harry Hermine plötzlich von sich, rannte in Richtung Tür und... voll dagegen.
Ein schmerzhaftes Aufstöhnen, gefolgt von einem lauten Würgegeräusch erfüllten den Raum.
„Oh verdammt, Harry. Was ist mit dir ?" Fragte Hermine völlig panisch, nachdem ihr bester Freund erst wie blind gegen die Tür gerannt war und sich nun vor ihren Augen übergab.
„Meine Augen...", war en die einzigsten Worte, die der Schwarzhaarige hervorbrachte. Dann überkam ihn eine neue Welle und des Schmerzes, gepaart mit heftigen Schüttelfrösten. Harry sank auf seine Knien und Hermine öffnete schnell die Tür und schrie panisch nach Hilfe.
Diese kam dann auch in Form einer entsetzt und extrem besorgt wirkenden Molly Weasley und beide, sie und Hermine kümmerten sich um den Schwarzhaarigen. Molly rückte mit ihrem Zauberstab ein altes Sofa, welches im Raum stand, zurecht und Hermine half Harry sich darauf zu legen. Dann ließ sie das Erbrochene, welches mit seinem beißenden Geruch und der blutroten Farbe am Boden lag, verschwinden.
Harry hingegen wusste nicht so recht, was mit ihm geschah. Eben noch schaute er tief in die rehbraunen Augen seiner besten Freundin, dann kribbelte es am ganzen Körper und schließlich glaubte er zu verbrennen. Alles was danach folgte bekam Harry nur noch verschwommen wahr. Seine Augen schmerzten und sein Magen schien eine Aversion gegen das eigentlich so leckere Frühstück zu haben.
Jetzt lag er hier auf dem Sofa und hörte die leicht aus der Ferne erklingenden Stimmen von Hermine und Mrs. Weasley und wie sie sich besorgt um ihn herumwuselten. Vorsichtig versuchte Harry seine Augen zu öffnen, doch mit jedem Millimeter, wo das Licht in seine Augen eindringen konnte, brannten diese wie die Hölle. Was war nur geschehen ?
Molly und Hermine hingegen wussten nicht so recht, was sie tun konnten. Körperlich, so sagte es jedenfalls Molly´s Zauberstab, war Harry in Ordnung. Deshalb schickte sie Hermine kurz in den Salon, um Poppy zu kontaktieren und richtete dann ein wenig das Zimmer her. Schließlich wusste man ja nie, ob Harry bewegt werden konnte.
Hermine war kaum zwei Minuten weg, da bemerkte Mrs. Weasley, wie Harry versuchte seine Augen zu öffnen. Als sie aber sah, wie er sich dabei vor Schmerzen verkrampfte, sprach sie den Jungen, der wie ein Sohn für sie war, an.
„Harry, was ist los ? Sind es deine Augen ?"
„Ja, Mrs. Weasley, sie brennen wie die Hölle, wenn ich ins Licht schaue." Antwortete Harry schwach und Molly kam auf eine Idee. Sie sagte, Harry solle mal kurz warten und löschte das Licht im Raum. Glücklicherweise war dies hier ein Kellerraum und so musste sie nicht noch die Fenster verdunkeln.
„So Harry, als erstes nennst du mich von heute an Molly. Und dann kannst du es noch mal versuchen, deine Augen vorsichtig zu öffnen."
Harry, etwas überrascht über das erste Angebot sagte leise „danke" und machte sich dann aber daran, wenn auch mit ein wenig Furcht, die zweite Bitte von Rons Mum zu erfüllen. Ganz langsam bewegte er die Lider und stellte überrascht fest, dass es dieses Mal keinen Schmerz gab. Immer weiter öffnete er seine Augen und sie wurden dabei auch immer größer. Denn wo Harry jetzt vermutet hatte, nur wenige Schatten zu sehen, konnte er Molly´s Gesicht bis hin zu kleinsten Sorgenfalte erkennen.
Wie dies nun wieder möglich war, das wollte dem Schwarzhaarigen nicht in den Sinn. Er starrte Mrs. Weasley an, doch diese reagierte nicht. Sie schien nur in seine Richtung zu blicken und hatte einen wartenden Gesichtsausdruck. Harry fragte sich wieso. Bis ihm einfiel, dass es ja eigentlich stockdunkel hier im Raum war.
„Alles in Ordnung, Mrs. Wea... Molly" sagte Harry und war froh, dass die älterer Hexe jetzt nicht sah, wie rot er geworden war.
„Das ist schön zu hören Harry. Wir sollt... NEIN"
Molly brach mitten im Satz ab und rannte zur Tür, durch die Hermine, Poppy und jede Menge Licht herein kamen. Doch bevor sie das schwere Türblatt wieder zuwerfen konnte, rief Harry laut „Stop".
Sofort lagen alle Blicke auf ihm und sahen den Schwarzhaarigen verwundert an. Molly, weil er sie aufhielt und die beiden anderen, weil Harry schon wieder auf war.
„Lasst die Tür ruhig offen", sagte Harry mit erleichterter Stimme. „Es geht wieder und fragte mich nicht wieso, aber das Licht hat plötzlich wieder die normale Wirkung auf mich."
„Normale Wirkung ?", fragte Poppy überrascht und musterte zuerst den Jungen und dann den Raum. Scheinbar ahnte sie im folgenden Moment, was dies hier für ein Zimmer war und was hier unter abgegangen war. Sie bedachte Harry daraufhin mit einem strengen Blick und zog scharf die Luft ein.
„So, Mr. Potter, wir dachten also, meine Anweisungen müssten nicht eingehalten werden ?"
Harry blickte leicht beschämt zu Boden und war sich sicher, dass dies noch ein Nachspiel haben würde. Poppy allerdings interessierte es vielmehr, was Harry mir seinem Satz von eben gemeint hatte und fragte noch einmal nach dem Licht.
Harry erklärte ihr daraufhin, was in den letzten Minuten geschehen war und Madame Pomfrey sah den Schwarzhaarigen plötzlich mit einem kaum zu definierenden, jedoch sehr skeptischen Blick an. Sie zückte ihren Zauberstab und ließ einige Analysezauber wirken. Danach verabreichte sie Harry noch einige Tränke und ermahnte ihn, vorsichtiger zu sein. Bevor sie aber wieder ging, sagte sie allerdings etwas, dass den Schwarzhaarigen mehr als nur überraschte.
„So Mr. Potter, eigentlich müsste ich sie für ihr ungebührliches Verhalten für weitere fünf Tage auf Eis legen. Doch da sie übermorgen volljährig werden und ich weiß, dass an ihrem Geburtstag eine Menge auf sie zukommt, erspare ich ihnen dies. Allerdings lege ich ihnen an Herz, mit ihren Verletzungen nicht zu flachs umzugehen und wenn sie schon mal in die Winkelgasse kommen. Das sie dann dort einen Studienfreund von mir besuchen. Er hat sich auf Augenleiden spezialisiert und könnte ihnen vielleicht helfen."
Harry schaute die alte Heilerin überrascht an und fragte leise, „Winkelgasse" ?
„Ähm ja, Harry...", meldete sich Molly zu Wort. „Du musst an deinem Geburtstag dorthin, um mit Gringotts deine Familienangelegenheiten klären."
„Familienangelegenheiten ?", fragte Harry weiter und bemerkte, dass Molly plötzlich einen leicht traurigen Gesichtsausdruck bekam. Scheinbar dachte sie, dass sie Harry verletzt hatte.
„Ähm na ja, das Testament deiner Eltern und so weiter. Ich glaube Remus wollte dich begleiten, wenn es soweit ist."
„Ich verstehe", sagte Harry und sah leicht bedrückt zu Boden. Doch schon im nächsten Moment spürte er, wie ihm jemand tröstend über den Rücken strich. Es war Hermine und sie sagte,
„Keine Sorge Harry, so schlimm wird es schon nicht. Und wenn du willst, dann helfen wir dir. Ich meine Ron, Ginny und mich."
Harry sah auf und ein leises „Danke" kam über seine Lippen. Dann drehte er sich zu Molly und unterbreitete ihr den Vorschlag, dass doch alle an seinem Geburtstag in die Winkelgasse gehen könnten. Dort könnte man ein wenig bummeln und anschließend würde er, Harry Potter, persönlich, die gesamte Familie Weasley und Remus und Tonks zum Essen einladen. Als kleines Dankeschön, wenn man es so nennen wollte.
Molly wollte protestieren. Doch dann versagte plötzlich ihre Stimme, als sie in Harry´s Augen sah. Sie strahlten mit einem Male förmlich vor Freude und diese wollte Molly ihm auf gar keinen Fall zerstören. Sie stimmte letztendlich zu und machte sich dann auf den Weg in die Küche.
Auch Madame Pomfrey verabschiedete sich und so blieben nur Harry und Hermine zurück. Der Schwarzhaarige betrachtete seine Freundin aufmerksam und stellte sich ihr dann direkt gegenüber. Hermine schaute auf und wieder verloren sich ihre Blicke in seinen Augen.
„Hermine, ich möchte dir danken. Dir und auch Ron, wenn ich ihn sehe, für all das, was ihr für mich getan habt. Ich weiß, dass ohne Freunde wie euch... nein, ohne eine Freundin wie du, ich schon lange nicht mehr am Leben wäre."
Harry war nun ganz nahe an den Lockenkopf heran getreten und konnte tief in die rehbraunen Augen des Lockenkopfes blicken. Er sah das leichte Feuer in ihnen, die kaum sichtbaren Bewegungen der Iris und schließlich ...
„Oh verdammt", fluchte Harry laut, denn dieses Kribbeln war wieder da, dicht gefolgt vom Brennen. Dieses Male schaffte der Schwarzhaarige es allerdings bis ins Bad und über das große Telefon.
Hermine stand unterdes nur leicht zitternd im Trainingszimmer und eine kleine Tränen lief über ihr Gesicht...
