Trotzdem viel Spaß
Euer Mr. Figgs
Kapitel 9Ein wenig unsicher betrat Harry die Praxis des Augenheilers und musterte das Wartezimmer genau. Zu seiner Überraschung stellte der Schwarzhaarige allerdings fest, dass hier rein gar nichts in irgendeiner Weise magisch anmutete. Es sah eher aus wie bei einem Muggelarzt und dies schien Harry noch ein wenig mehr zu verunsichern.
„Kann ich ihnen helfen ?", fragte eine weibliche, nette Stimme von rechts und Harry trat an eine Art Tresen heran. Dahinter saß eine junge Frau, höchstens fünfundzwanzig Jahre alt und lächelte ihm und Remus zu. Harry wurde daraufhin leicht verlegen und strich sich nervös über den Kopf. Dabei wurde er jedoch daran erinnert, wie er zur Zeit aussah und wandte schnell seinen Blick von der jungen Dame ab.
Es war ihm plötzlich peinlich, mit seiner Fastglatze und den versenkten Augenbrauen jemandem gegenüber zu treten. Die Frau hinter dem Tresen schien sein Aussehen allerdings weniger zu stören und als ihr Blick über Harry´s Stirn wanderte, stockte sie kurz an seiner Narbe. Sie begann zu lächeln und sagte,
„Ah Mr. Potter, seien sie herzlich willkommen. Ich denke der Doc wird sich gleich um sie kümmern. Nehmen sie doch derweil im Wartezimmer Platz."
Harry schaute die junge Dame an und lächelte leicht dankbar zurück. Irgendwie war er froh darüber, dass sie ihn trotz dass sie ihn erkannt hatte, ganz normal behandelte. Dies war ja schließlich nicht unbedingt überall so. Harry wandte sich zu Remus und beide setzten sich auf eines der bequemen Sofas.
Zehn Minuten später wurde Harry aufgerufen und betrat in Begleitung von Remus ein weiteres Zimmer. In diesem befand sich dann ein etwas älterer Mann, mit stark ergrautem Haar, einer rahmenlosen Brille und einem weißen Kittel.
„Ah Mr. Potter, oder soll ich sie Harry nennen ? Ich glaube, dass die Jugend von heute, dies lieber mag, als unsere antiquierten Auffassungen von Etikette."
Harry überlegte kurz und sagte, dass Harry reichen würde. Der Heiler lachte und bestand darauf, dass man ihn dann aber einfach nur Doc nannte. Danach drehte er sich zu Remus, lächelte verschmitzt und sah dem Werwolf ganz tief in die Augen. Harry fragte sich was dies sollte, doch da Remus den Blickkontakt nicht abbrach und zu überlegen schien, zögerte er, etwas zu sagen.
„Ist doch immer wieder gut, wenn man sieht, dass die eigene Arbeit die man leistet, auch noch nach Jahren gut aussieht."
Harry verstand zwar nicht, was der Doc meinte. Doch als Remus plötzlich anfing zu lächeln und der Heiler ihn mit seinem Spitznamen, nämlich Moony, ansprach, da wuchs die Neugier in Harry doch ein wenig.
„Sie... sie haben Poppy damals geholfen, richtig ? Ich meine, als ich bei einer meiner Verwandlungen fast erblindet bin."
Doc lächelte und nickte mit dem Kopf.
„Ja, ich war damals gerade Poppy besuchen und hatte eigentlich vor einen anderen Patienten von mir zu untersuchen. Doch dies musste ich dann verschieben. Du hattest es nötiger und hast dich sogar bei mir bedankt."
Dabei fasste sich der Heiler plötzlich an den Arm und offenbarte eine kleine, fast verblasste Narbe. Remus blickte daraufhin etwas schuldig auf den Unterarm und begann scheinbar Entschuldigungen in seinem Kopf zurecht zu legen. Doc meinte aber nur, es sei schon Ok und wandte sich an Harry zurück.
„So Harry, du hast also Probleme mit deinen Augen und Poppy hofft, dass ich dir vielleicht helfen könnte ?"
Harry nickte und folgte Doc´s Anweisungen, sich auf den Behandlungsstuhl zu setzten. Der Heiler bemerkte den unsicheren Blick des Schwarzhaarigen und sagte,
„Keine Sorge Harry, ich bin schon ein Zauberer. Doch glaub mir, was die Einrichtung von Praxen angeht, da sind die Muggel spitze. Außerdem verwende ich sehr viel ihres Know hows, da wir Zauberer manchmal noch im letzten Jahrhundert leben. Hier trink !"
Doc reichte Harry ohne zu zögern und mit bestimmender Stimme einen Becher, gefüllt mit einer dunkellila gefärbten Flüssigkeit und erklärte dem Schwarzhaarigen seine nächsten Schritte. Harry konnte nur nicken, denn verstehen tat er ehrlich gesagt rein gar nichts.
„Hier riech mal", sagte Doc und hielt Harry prompt eine kleine Phiole unter die Nase. Was folgte war ein stechender Schmerz, der Harry vermuten ließ, man hatte ihm einen heißen Metallstab bis ins Hirn getrieben. Er wollte aufspringen, doch der Heiler drückte ihn zurück und fing einige der Tränen, die sich in Harry´s Augen gebildet hatten, auf.
Dann ließ er von Harry ab und schob das kleine Glasblättchen mit den Tränen in ein Mikroskop. Remus trat in der Zwischenzeit an Harry heran und beruhigte seinen jungen Freund.
„Keine Angst Harry, da musste ich auch mal durch und glaub mir, wenn ich sage, du hättest dir die Phiole nie freiwillig unter die Nase gehalten."
Harry schaute den Werwolf überrascht an, wurde im nächsten Moment aber wieder von Doc abgelenkt. Der Heiler war nämlich zurück an den Behandlungsstuhl gekommen und setzte sich nun Harry mit einer extrem komisch wirkenden und übergroßen Brille gegenüber. Harry wurde ein wenig mulmig, als man ihn so musterte und verschluckte sich fast, als der Heiler sagte,
„Weißt du Harry, dass du wunderschöne Augen hast ? Ja, man verliert sich förmlich in ihnen."
Der Gryffindor musste mehrfach husten, als er den Kommentar hörte. Remus und Doc lachten jedoch lauthals auf, als sie Harry´s rotes Gesicht sahen.
„Nein, Mr. Potter, ich wollte nicht mit ihnen flirten. Ich meinte dies aus rein medizinischer Sicht."
„Hähh", kam es sehr geistreich von Harry und der ältere Mann erklärte mit lachender Stimme.
„Was ich meine Harry ist, das deine Augen bis auf ihre kleine Sehschwäche fast perfekt sind. Die Farbe leuchtet wie die pure Natur und die Iris hat nicht den geringsten Makel. Ich denke, die Mädchen werden dir stets zu Füßen liegen."
Harry wurde noch einen Tick roter und fragte verstört, wie seine Augen so perfekt sein können, wo sie doch vom einen auf den anderen Moment kein Licht vertrugen und er sich übergeben muss.
Nach diesem Satz horchte der Heiler plötzlich auf und betrachtete den Jungen vor sich genau. Harry wurde ein wenig unwohl, als ihn die riesigen Augen, welche durch die Untersuchungsbrille schauten, förmlich zu durchleuchten schienen.
„Davon hat mir Poppy ja gar nichts gesagt. Aber wenn dies so ist, dann glaube ich, dass wir da noch einen anderen Test durchführen sollten."
Harry schaute zu Remus und dieser nickte kurz zurück. Allerdings schien der Werwolf ebenfalls ratlos zu sein und traute sich auch nicht zu fragen, was dies für ein Test sei. Doc begann allerdings zu grinsen und richtete seinen Zauberstab plötzlich auf die Wand hinter sich. Kaum war dies geschehen, erschienen vier Bilder, die jedoch alle durch je einen Vorhang verdeckt wurden. Dann drehte sich der Heiler zurück zu seinem Patienten und fragte,
„Harry, was siehst du auf dem ersten Bild ?"
Dabei schwang er seinen Zauberstab und der erste Vorhang verschwand. Sofort erkannte Harry ein Bild mit vielen verschiedenen Buchstaben. Er zählte sie nacheinander auf und Doc meinte „gut so". Dann kam das zweite Bild und Harry musste verschieden geometrische Figuren erkennen. Auch dies klappte und Harry fragte sich, was dieser Test bezwecken sollte.
Außerdem schien sich Doc plötzlich viel lieber mit Remus über alte Zeiten zu unterhalten, als nach seinem Patienten zu schauen. Und so kam sich Harry beim dritten Bild, welches nur Linien und Wellen zeigte, leicht veralbert vor. Er schaute kurz zu Remus und dieser lächelte.
„Ach übrigens, Harry, was hältst du von meiner Enkelin ?"
Bei dieser Frage verschwand der letzte Vorhang und Harry wurde kaum dass er das Bild betrachtete, knallrot. Denn auf dem Bild waren keine Kreise oder Zahlen. Nein, das letzte Bild war ein Gemälde und zeigte ein junges, bildhübsches Mädchen, splitterfasernacht und es räkelte sich lustvoll auf einem Sofa.
Harry starrte mit offenem Mund auf das Bildnis und spürte förmlich, wie sämtliches Blut in seinem Körper sich aufteilte. Ein Großteil ging in sein Gesicht, sprich seine Hautfarbe konkurrierte mit den Haaren von Ron und der Rest wanderte südwärts. Auch versuchte Harry sofort seinen Blick peinlich berührt abzuwenden, doch das Mädchen war so schön, dass ihm dies vollkommen unmöglich schien.
„Ach Harry, könntest du mir bitte sagen wie sie heißt. Ihr Name steht da irgendwo unten am Bildrand."
Harry hörte zwar die Aufforderung des Heilers, der nun mit einer sehr amüsierten Stimme sprach. Doch nur sehr undeutlich kamen die Worte zu ihm durch. Er konnte einfach seinen Blick nicht abwenden und blinzelte deshalb nur ganz kurz nach unten. Da er aber nicht sofort den Namen erkannte und sich immer mehr darauf konzentrieren musste, bemerkte der Schwarzhaarige nicht, wie Doc plötzlich neben ihm stand und eine Lampe von oben auf Harry´s Gesicht richtete.
Was folgte, war ein Schmerzensschrei, der durch die ganze Praxis hallte. Danach folgte ein lautes Würgen und kurz darauf das Knallen einer auffliegenden Tür.
Remus sprang alarmiert auf und wandte seinen Blick in Richtung Ausgang. Dabei trafen seine Augen auf die von Hermine, denn das Mädchen stand mit gezücktem Zauberstab im Türrahmen und starrte ins Behandlungszimmer. Doc jedoch blieb unbeeindruckt, schaute nur kurz zu dem Lockenkopf mit dem entsetzten Gesicht und wandte sich dann zurück zu Harry, der sich freiweg in einen großen Eimer übergab.
„Ach her je Harry, du hättest mir doch sagen können, dass du noch einen Beschützer mit hast. Dann wäre meine Tür noch heile."
Lachte Doc und reichte dem Jungen einige Tücher, damit er sich das Gesicht säubern konnte. Harry hingegen war kurz davor auf dem Mann vor ihm loszugehen. Hatte der denn überhaupt eine Ahnung, wie scheiße weh das eben getan hatte ? Sicherlich nicht, denn er war ja schon wieder dabei, tief in Harry´s Augen zu sehen.
Dieser Blickkontakt dauerte mehrere Minuten und während dieser Zeit, spürte Harry, wie etwas in ihm versuchte heraus zu brechen. Doc schien dies auch zu fühlen und beendete seine Untersuchung. Er setzte die Brille ab und bedeutete Harry, sich zu Remus auf eines der Sofas zu gesellen. Dann schaute er zu Hermine und lächelte.
„Na meine junges Fräulein, möchten sie auch kurz mal untersucht werden ? Ich verspreche auch, dass es nicht weh tun wird."
Dabei grinste er so breit, dass Hermine leicht rot wurde und ihren Kopf schüttelte. Dann trat der Lockenkopf an Harry heran und bedachte ihn mit einem besorgten Blick.
„Geht es wieder, Harry ? Möchtest du ein Glas Wasser ?" Fragte Hermine und Harry spürte, wie sein Gesicht vor Scham rot wurde. Wieso sorgte sich seine beste Freundin nur so um ihm ? Und wieso machte es ihm plötzlich etwa aus, dass sie sich so um ihn sorgte ?
Harry´s Blick ging zu Remus und dann zu Doc. Die beiden waren gerade dabei sich jeweils einen Tee einzuschenken und beobachtete die beiden Teenager interessiert. Irgendwie war das Verhalten von Hermine ja auch so amüsant. Dann aber bemerkte der ältere Heiler den fragenden Blick des Schwarzhaarigen und räusperte sich.
„So, ach ja die Untersuchungsergebnisse. Also Harry, bevor ich dir eine genaue Antwort geben kann, muss ich dir eine Frage stellen. Nein, eigentlich sind es zwei Fragen."
Harry schaute überrascht, bedeutete Doc aber, dass er sie stellen konnte.
„Also Frage Nummer eins lautet. Darf ich in der Gegenwart dieser reizenden, jungen Dame deine persönlichen Gebrechen erläutern ?"
Harry blickte kurz zu Hermine, die nun leicht rot anlief und entschied danach, dass er vor ihr keine Geheimnisse haben wollte. Zumindest konnte ja an der Diagnose seiner Augen nicht irgendwas peinliches dran sein, wodurch er sich wünschte sofort im Erdboden zu versinken. Deshalb nickte er und bat den alten Heiler fortzufahren.
„Ok Harry, dann haben wir das geklärt und nun zu meiner zweiten Frage. Weißt du, oder hast du schon mal was vom magischen Kern des Menschen gehört ?"
Harry schaute Doc fragend an, während Hermine scharf die Luft einzog. Das machte den Schwarzhaarigen stutzig. Doch andererseits, so dachte Harry plötzlich. Was gab es, von dem seine beste Freundin noch nicht gehört hatte. Deshalb ging sein Blick weiter zu Remus, doch auch der alte Rumtreiber schien in dieser Angelegenheit ratlos zu sein.
„Wie ich sehe, kennst du die Theorie also nicht." Sagte Doc und stand kurz auf. Dann ging er zu seinem Schreibtisch und holte ein alt aussehendes Buch hervor.
„Vielleicht solltest du dann bei Gelegenheit mal in dieses Buch hier hinein schauen. Es wurde vor vielen Jahren von einem Ahnenforscher geschrieben und heißt, Der Kern der Magie oder die Sprünge der Evolution ".
Kaum hatte Doc den Titel genannt, sprang Hermine auf und rief laut,
„Aber... aber es ist ein verbotenes Buch. Es steht auf dem Index des Ministeriums, weil es schwarze Magie ist."
„Das stimmt, meine Liebe, es steht auf der Liste der verbotenen Bücher. Doch ist es weit entfernt von der schwarzen Magie. Neeiinn...", sagte Doc plötzlich mit tiefer Stimme. „... dieses Buch ist verboten worden, weil es die Grundüberzeugung der reinblütigen Zauberer bis ins Tiefste erschüttert hat."
Harry war sprachlos und blickte zwischen Hermine und dem älteren Herren hin und her. Was war denn an diesem Buch so besonders, fragte er sich und Doc begann auch gleich zu erzählen.
„Weißt du Harry, dieser alte Forscher, sein Name war Pierre de Garvanes, hat herausgefunden, dass jeder Mensch und alle anderen Lebewesen einen inneren magischen Kern besitzen, der deren Existenz ermöglicht und das persönliche Wesen eines jeden Einzelnen ausmacht. Dies an sich ist ja nicht unbedingt schockierend. Doch was die Zauberer vor gut vierhundert Jahren entsetzte, war die niedergeschriebene Theorie, dass nicht die Zauberer die höhere Stufe der Evolution waren, sondern die Muggel und Squilbs. Denn de Garvanes behauptete, dass Zauberer nur Magie wirken konnten, da ihr innerer Kern verletzt worden sei und die Magie nun durch magische Kanäle nach außen dringen kann."
Die drei Nichtmediziner schauten den alten Heiler mit großen Augen an und keiner schien so recht zu glauben, was dieser da von sich gab. Es war dann Hermine, die vorsichtig nachfragte, wie dies gemeint war. Doc lächelte über die Neugier des Lockenkopfs und sagte,
„Nun, meine Liebe, es ist so zu verstehen, dass die magischen Kerne der Muggel im eigentlichen Sinne perfekter sind, als die der Zauberer, welche leichte Brüche aufweisen. Nur dadurch können wir zaubern und verstoßen unbeabsichtigt gegen den von der Natur vorgesehenen Plan. Oder glaubst du, dass Mutter Natur wollte, dass Menschen weit über hundert Jahre alt werden ? Oder dass wir fliegen können ?"
„Ja, aber fliegen können die Muggel doch auch .." Warf Harry ein. Worauf Doc den Finger hob.
„Das stimmt Harry. Doch haben sie es durch ihre Erfindungen geschafft und nicht durch Magie. Oder ist es in deinen Augen natürlich, dass ein dicker Stock und ein Bündel Reisig der Schwerkraft trotzt ?"
Harry überlegte, wie Doc dies meinte und kam irgendwo tief in seinem Geiste zur selben Erkenntnis, wie der ältere Mann vor sich. Allerdings fragte sich Harry, was dies nun mit dem Verbot eines Buches zu tun haben sollte. Doc sprach in der Zwischenzeit weiter und wandte sich dabei an die beiden anderen Personen im Raum.
„Seht ihr, de Carvanes beschreibt in seinem Buch mehrere Stammbäume alter reinblütigen Familien und weißt darin Gemeinsamkeiten und Unterschiede auf. Er spricht davon, dass Zauberer eigentlich, und er meint dies rein aus medizinischer Sicht und bezogen auf den Kern, schwächer sind als Muggel. Und das Squilbs die wahren Höhepunkte der Evolution sind. Schließlich haben sich ihre magischen Kerne, trotz dass sie von Zauberern abstammen, wieder verschließen und heilen können."
„Und deshalb wurde es verboten ?" Fragte Hermine, die nur sehr grob das eben Gehörte verarbeitet hatte und nicht wirklich einen Sinn für das Verbot darin sah. Doc blickte sie nachdenklich an und antwortete.
„Natürlich, schließlich hätte diese Theorie alles, was wir reinblütigen Zauberer immer vertreten und gepredigt haben, mit einem Schlag vernichtet. Jede alte Familie, die eine mehr, die andere weniger erzieht doch schon seit Generationen ihre Kinder so, dass sie sich niemals mit Muggeln einlassen. Aus Furcht, sie könnten dadurch schwächer werden."
„WIR Reinblütigen ?" fragte Harry plötzlich entsetzt nach und bedachte den Heiler mit einem Male mit einem sehr skeptischen Blick.
„Ja Harry WIR", sagte Doc mit ernstem Gesicht, da er spürte, dass sich Harry plötzlich von ihm distanzierte. „Denn auch ich gehöre einer sehr alten und reinblütigen Zaubererfamilie an. Und soll ich dir was sagen ? Ich bin sogar persönlich sehr stolz darauf. Genauso stolz, wie ich es auf meinen jüngeren Bruder bin, der eine Muggelgeborene liebt und geheiratet hat. Oder wie ich auf die kleine Emily da draußen im Vorzimmer stolz bin. Wusstest du, dass sie eine Muggel ist ? Ja, es stimmt, sie kann nicht zaubern, ja sie hat bis vor drei Jahren, als sie einen jungen Zauberer kennen gelernt hat noch nicht mal etwas von unserer Welt geahnt. Und doch, ist sie die beste Hilfe, die mir je begegnet ist."
Doc war mit den letzten Worten immer lauter geworden, ja richtig rasend in seiner Rede und Harry merkte, dass er mit seiner Voreingenommenheit ein wenig in ein Fettnäpfchen getreten war. Dies hatte er nicht so gewollt, zumal Doc bis jetzt ein doch sehr angenehmer Mensch gewesen war. Rasch senkte Harry beschämt seinen Blick und versuchte eine Entschuldigung zusammen zu bekommen.
Doc bemerkte den Blick des Schwarzhaarigen und senkte seine Stimme ein wenig. Ihm selbst schien sein Ausbruch gerade ein wenig peinlich zu werden. Doch auf der anderen Seite hatte der alte Heiler dies vielleicht auch mal gebraucht. Denn zu oft schon hatte er in der letzten Zeit Patienten verloren, weil er entweder so stolz auf seine Herkunft und Meinung war. Dies waren dann meist Leute, die dachten, er denke wie Voldemords Anhänger. Oder das ganze Gegenteil, die reinblütigen Familien kamen nicht mehr zu ihm, da er zum Beispiel Emily beschäftigte oder auch muggelstämmige Zauberer und Hexen behandelte.
„So, genug von mir. Ich denke, wir hatten etwas Anderes zu besprechen" Brach der alte Heiler plötzlich das Thema ab und sah nun Harry direkt an. „Also Harry, was deine Augen angeht, da verhält es sich folgendermaßen. Wenn du dich zu stark auf etwas Bestimmtes konzentrierst, wie zu Beispiel meine Enkelin, die es nicht wirklich ist..."
Doc deutete noch mal mit einem Grinsen auf das Gemälde hinter sich, woraufhin Harry wieder rot anlief. Sein Blick galt allerdings nicht der nackten Schönheit, sondern Hermine, die zuerst mit weiten Augen ebenfalls zur Wand geschaut hatte und nun Harry mit einem Blick bedachte, der den Schwarzhaarigen sich wünschen ließ, im Boden zu versinken.
„Also Harry, wenn sich deine Augen auf etwas Bestimmtes konzentrieren müssen und dann plötzlich noch etwas anderes von ihnen abverlangt wird. -Wie in unserem Fall, die Suche nach dem Namen. – Dann versucht dein Körper die fehlenden Reserven mit dem Öffnen eines magischen Kanals zu kompensieren. Oder einfacher gesagt, stell dir deinen magischen Kern als eine Art Kugel im Innersten deines Körpers vor, die an ihrem Bruch mit nichts anderem als mit deinem Zauberstab verbunden ist. Durch diese Verbindung kannst du Magie wirken und dein Stab funktioniert dabei wie eine Art Focus. Und zusätzlich reguliert dieser Focus die dabei freigesetzte Energie wie eine Drossel."
„Eine Drossel ?", fragte Hermine dazwischen.
„Ja Miss... Wie heißen sie eigentlich, junge Dame ?" Fragte Doc mit einem Grinsen und Hermine nannte ihren vollständigen Namen.
„Also Ms. Granger, die Drosselwirkung hängt von der Intensität des Willens ab, den jeder Zauberer in seine Zaubersprüche legt. Was nun bei Harry passiert ist ungewöhnlich. Denn während sich unser junger Freund vorhin auf etwas sehr Interessantes konzentriert hat und...", jetzt grinste Doc wieder leicht amüsiert, „... nicht wirklich davon los kam, hat sein Körper, um schneller meine nächste Frage zu beantworten, einen weiteren Kanal und zwar zwischen seinem magischen Kern und seinen Augen geöffnet."
„Einen weiteren ?", fragten Hermine und Remus zeitgleich und bedachten Harry mit einem nachdenklichen Blick. Doc bedeutete ihnen ruhig zu sein und fuhr fort.
„Ja einen weiteren Kanal, durch den er versuchte den Namen, unten auf dem Bild, zu lesen. Allerdings funktionierte dieser Kanal nicht ganz so wie sonst der Zauberstab, der nur in eine Richtung wirkt. Sondern sein Magiefluss ging unkontrolliert in zwei Richtungen. Dies ist eigentlich eine sehr positive Sache. Denn damit stehen dir, Harry, eine Menge Möglichkeiten offen, Magie zu wirken. Etwas, das ich bisher nur bei einem anderen Menschen gesehen habe."
„Wer ?" kam es zögernd aus Harry´s Mund. Zögernd deshalb, weil Harry befürchtete die Antwort zu kennen. Schließlich hatte er schon früher einige Gemeinsamkeiten mit einer bestimmten Person feststellen müssen und dies gefiel ihm nicht unbedingt.
„Wer ? Das kann ich dir nicht verraten Harry." Sagte Doc nachdenklich und mit fester Stimme. „ Denn auch unter uns Heilern gibt es so etwas wie den Eid zur Verschwiegenheit. Doch keine Angst, ich weiß, dass dieser Patient diese Fähigkeit seiner Augen sehr schnell gemeistert hat und schon seit Jahrzehnten nicht mehr bei mir in Behandlung war."
Die drei Zauberer sahen den alten Heiler fragend an und jeder einzelne schien sich so seine Gedanken über diese mysteriöse Person zu machen. Remus und Hermine bemerkten allerdings den verdunkelten Blick ihres schwarzhaarigen Freundes und betrachteten ihn daher sehr vorsichtig von der Seite. Scheinbar ahnten sie, wen Harry im Sinn hatte.
Es war dann schließlich Hermine, die Doc ansah und fragte, wieso Harry aber solche Schmerzen habe und sich ständig übergeben muss. Der Heiler sah Harry noch mal musternd an und sagte dann mit einem Lächeln.
„Nun, die Schmerzen kann man auf die fehlende Drosselfunktion in diesem Kanal zurückführen. Harry wird nämlich jedes Mal, nachdem Aufbau, mit einer Unmenge an Informationen regelrecht bombardiert. Und all diese Infos und da die Magie der Umgebung auch nicht ganz ohne ist, führen zu einer Überlastung seiner Sinne. Deshalb versucht Harry´s Körper aus reinem Selbstschutz, in einer Art Reflex heraus, die unbewusste Konzentration auf den neuen Kanal zu unterbrechen. Bei Harry äußert sich diese Reflexaktion halt im Verschenken seiner letzten festen Mahlzeit."
Einmal mehr schauten die drei Zauberer auf den älteren Heilern und dieser grinste, zumal Harry wieder vollends auf Verlegenheit und Scham spielte und knallrot anlief.
„Und was kann man da machen, Doc? Fragte Remus, nachdem er das Gehörte langsam verstand.
„Nun ja, Mr. Lupin. Zum einen würde ich Harry raten, sich mit seinem Körper auseinander zu setzten und zu versuchen, seine Augen mit Hilfe eines speziellen Trainings, welches ich ihm noch zusammenstellen werde, zu meistern. Es kann ja schließlich nicht angehen, dass unser junger Freund seiner zukünftigen Freundin erst schöne Augen macht und danach alles in einem lauten Würgen den Bach runter geht."
Harry starrte den Heiler voller Entsetzen an und blickte danach total beschämt zu seiner besten Freundin. Hermine schaute zu ihm zurück und schien im Moment nicht so recht zu wissen, wie sie reagieren sollte. Lachen, und damit Harry noch verlegener zu machen und ihn möglicherweise zu verletzen ? Oder aber Mitgefühl zeigen ?
Hermine entschied sich für eine Zwischenlösung. Sie lächelte leicht, legte ihren Arm um Harry´s Schulter und fragte Doc, ob es nicht wenigstens eine andere Lösung gäbe, bis sich das Training bemerkbar macht. Der alte Heiler lächelt und sagte,
„Natürlich gibt es eine Lösung und zwar in Form einer Brille."
„Eine Brille ?", fragte Harry, der sich eigentlich schon gefreut hatte, dass seine Augen besser geworden waren und er dieses Relikt aus alten Zeiten nicht mehr benötigte.
„Ja eine Brille, Harry. Du hättest eh wieder eine Seehilfe von mir verpasst bekommen. Denn die Seeschwäche, die du seit deiner Geburt hast, ist nicht verschwunden. Nein, sie wurde nur zeitweise geheilt und zwar durch die Zaubertränke, die du, wie ich unsere liebe Poppy kenne, literweise trinken musstest."
Auf diesen Satz hin lachten alle im Raum laut auf und Doc ging kurz mal zu seinem Schreibtisch. Dort entnahm er einen hölzernen Koffer und brachte ihn zum Tisch beim Sofa.
„So Harry, dann wollen wir mal schauen, ob wir dir nicht eine schöne und deine grünen Augen betonende Brille verpassen können. Hast du irgendwelche Wünsche ?"
Harry sah den Heiler und den Koffer mit verdutztem Gesicht an. Was meinte Doc? Was für Vorstellungen ? Er brauchte eine Brille und bisher war er mit seiner alten immer sehr gut zurecht gekommen. Bevor der Schwarzhaarige allerdings dies sagen konnte, meldete sich Hermine zu Wort und sagte,
„Also Harry, wenn du mich fragst, dann ist es höchste Zeit, dass wir dir einen leicht veränderten Stil zulegen. Ich meine, die Brille, die du getragen hast, war doch noch aus deiner Kindergartenzeit. Was hältst du davon, wenn ich dir helfe, die richtige zu finden ?"
Harry schaute seine beste Freundin an und wusste nicht so recht, was er sagen sollte. Hermine auf der anderen Seite schien jedoch regelrecht heiß darauf zu sein, ihm zu helfen. Dies entging auch nicht den beiden Erwachsenen. Die darauf ein leichtes, wissendes Lächeln im Gesicht bekamen. Einige Sekunden stimmte Harry Hermine zu und der braune Lockenkopf ging voll in seinen Ideen auf. Ja sie begann richtig zu schwärmen und sagte, nachdem sie Harry noch einmal tief in die Augen gesehen hatte.
„Also, ich wäre ja für eine rahmenlose Brille, vielleicht mit achteckigen Gläsern, denn das würde Harry´s Augen nicht hinter einem klobigen Gestell verstecken. Oder aber er nimmt eine Brille mit Gestell. Doch dies sollte dann aber sehr fein gearbeitet sein und aus Gold."
Harry starrte seine beste Freundin mit großen Augen an und fragte sich, ob sie denn seine Gedanken gelesen hatte. Irgendwie war es dem Schwarzhaarigen unheimlich, denn fast genau so hatte auch er sich seine neue Seehilfe vorgestellt. Ok, er wäre lieber für Silber gewesen. Doch dann fiel Harry ein, dass dies ja die Farbe der Slytherins war und so schaute er fragend zu Doc.
Der alte Heiler grinste nur über das Verhalten der beiden Teenager vor sich und erschuf mit seinem Zauberstab die eben beschriebene Brille. Dann reichte er sie Harry zur Anprobe und allen im Raum entfuhr ein „Wow". Das lauteste kam übrigens von einer gewissen Brünetten und Harry wurde leicht rot.
„So, ich denke, dies wäre wohl ein eindeutiges Zeichen", sagte Doc und legte seinen Zauberstab zur Seite. Dann öffnete er ein kleines Fläschchen, welches ebenfalls im Koffer steckte und tropfte etwas von der grünlich schimmernden Flüssigkeit darin, in eine kleines leeres Reagenzglas.
„So Harry, nun kommen wir zu den Besonderheiten dieser Brille. Dazu benötige ich allerdings etwas von deinem Blut. Denn schließlich muss sie hundertprozentig auf dich abgestimmt sein."
Damit hielt der ältere Mann dem Schwarzhaarigen plötzlich ein kleines spitzes Metallstäbchen hin und bedeutete Harry, dass er sich kurz mal in den Finger damit stach. Harry tat es und betrachtete die winzige Wunde und das Blut, welches aus ihr hervor trat.
Doc schien nicht ganz so fasziniert vom leuchtend roten Lebenssaft zu sein und fing rasch einige Tropfen mit dem Reagenzglas auf. Dann schüttelte es die Mixtur und legte mehrere Zauber darauf. Schließlich veränderte sich die Flüssigkeit, sie wurde rabenschwarz und schien sämtliches Licht näheren Umfeld zu absorbieren.
„Ahh, es hat geklappt", sagte Doc und nahm mit einer Pipette etwas aus dem Glasröhrchen ab. Dann tropfte er es auf die achteckigen Brillengläser und Harry klappte der Mund auf. Denn was nun geschah wollte nicht in seinen Verstand. Denn wo man normalerweise vermutete hätte, dass die Flüssigkeit von den gewölbten Gläsern gelaufen wäre, da sogen sie die Flüssigkeit regelrecht auf.
Der ganze Vorgang dauerte mehrere Sekunden und danach war von dem Schwarz nichts mehr zu sehen. Doc lächelte ein weiteres Mal und reichte Harry seine Brille. Der Schwarzhaarige setzte sie auch sofort auf und war erstaunt, wie klar er plötzlich sehen konnte. Nun dies sollte nicht heißen, dass er vorher blind war. Doch irgendwie war es noch ein bisschen besser geworden.
„Und, wie ist es ?" Fragte Hermine mit erwartungsvollem Blick.
„Sehr gut", antwortete Harry und sah ihr direkt in die rehbraunen Augen.
Remus und Doc beobachteten dies wieder mit einem Lächeln, bis der alte Heiler seine Chance ergriff und Harry, der nun scheinbar in Hermines Augen gefangen schien, eine „Lumos" direkt vors linke Auge hielt.
Das Ergebnis verblüffte sogar ihn. Denn wo Harry vor einer halben Stunde noch vor Schmerzen zu Boden gegangen wäre, verdunkelten sich die Brillengläser im Bruchteil einer Sekunde. Harry bekam davon nicht einmal was mit, denn seine Augen erkannten keinen Unterschied in der Intensität des ihn umgebenden Lichtes. Einzig der erstaunte Blick seiner besten Freundin und dass sie den Blickkontakt abbrach, da sie das Licht blendete, holte den Schwarzhaarigen zurück in die Realität.
„Was ist los ? Und wieso kneift ihr alle die Augen so zu ?" Fragte Harry und mit einem „Oops" hob Doc seinen Zauber auf.
„Es ist wirklich erstaunlich Harry, wie gut deine Augen und die Brille zusammenarbeiten. Solch ein Ergebnis hatte ich noch nie, geschweige denn, dass ich es erwartet hätte. Ok, solche Augen wie deine sind ja auch nicht alltäglich. Doch nun noch zu einem anderen Test. Versuch doch mal mit deinen Gedanken, die Brille wieder aufzuhellen."
Harry sah den Heiler verwundert an, da er wie gesagt nicht einmal wusste, dass seine Brillengläser rabenschwarz geworden waren. Er konzentrierte sich jedoch trotzdem und stellte sich vor wie seine Brille im Original aussah und keine Sekunde später waren seine grünen Augen auch wieder für alle gut sichtbar.
„Heißt das, ich kann sie auch nur so zum Spaß verdunkeln. So wie eine normale Sonnenbrille ?"
„Jepp kannst du Harry." Sagte Doc und bekam ein leises „cool", zu hören.
Die nächsten Minuten verbrachten Harry und der Heiler noch mit einigen Tests und Abweisungen im Gebrauch von Harry´s neuster Errungenschaft. Schließlich war dann nur noch ein Punkt zu klären und man kam zum finanziellen Teil der Behandlung. Hier erlebte Harry allerdings eine weitere Überraschung. Denn während er schon dabei war seinen Geldbeutel heraus zu holen. Sprang Hermine plötzlich auf, umarmte ihn und sagte mit freudiger Stimme,
„Alles Gute zum Geburtstag."
Harry war ein wenig überrascht. Sei es da er selbst schon wieder seinen Ehrentag vergessen hatte. Oder weil ihn Hermine so stürmisch umarmte und er ganze genau spürte, dass sie langsam kein kleines Mädchen mehr war.
Was war das denn ? Fragte sich Harry im selben Moment, wo der Gedanke seine Hirnwindung verlassen hatte. Schnell versuchte er sich davon abzulenken und schaute zu Doc und den Zettel in seiner Hand.
Bevor Harry jedoch die Rechnung des Heilers lesen konnte, hatten sich Hermine und Remus das Pergament aber auch schon geschnappt und beglichen es. Alles was Harry noch zu hören bekam war, dass es sein Geburtstagsgeschenk sei und er es damit bewenden lassen soll.
Harry schluckte kurz und murmelte ein leicht verstörtes „Danke." Dann sah er auf die Uhr an der Wand hinter Hermine und ihm fiel plötzlich ein, wie spät es geworden war. Schließlich wollte er noch zu Ollivander und dann warteten die Weasleys mit Sicherheit schon im Tropfenden Kessel auf ihn.
Rasch verabschiedeten sie sich von Doc und dankten ihm noch mehrmals für seine Hilfe. Der alte Heiler lächelte und bat sie noch einen schönen Gruß an Poppy mitzunehmen. Danach verließen sie die Praxis und teilten sich auf. Remus und Harry gingen auf die Suche nach einem neuen Zauberstab und Hermine wollte auch noch etwas erledigen.
