Brian schweifte mit seinen Gedanken langsam aber sicher fielen immer wieder die Augen zu. Er hatte die Zeit vollkommen vergessen bis er hochschrack und auf seine Armbanduhr schaute.
Nach Mitternacht.
Justin musste bestimmt schon lange schlafen. Er schritt zum Bett hinüber und schaltete ein leichtes Licht ein um ihn nicht versehentlich zu wecken.
Doch was er vorfand ließ ihn entnervt aufstöhnen. Justin lag noch immer wie er ihn verlassen hatte. Mit offenen Augen starrte er ausdruckslos mal zur Decke und mal zur Seite. Doch nie direkt in Brians Gesicht. Ob er ihn wohl bemerkt hatte?
Brian zwang sich zur Ruhe. Er atmete tief durch und schritt dann zur Holzvertafelung um sich darauf niederzulassen.
"Warum schläfst du denn nicht?" Er versuchte seine Stimme ruhig klingen zu lassen. Doch man konnte eine gewisse Anspannung dennoch heraushören.
"Gute Nacht... Geschichte?" Justin klang ein wenig verängstigt. Er wusste nicht wie der schöne Mann nun reagieren würde... . Sein Vater schrie ihn oft deswegen an. Er schimpfte, dass er doch ein großer Junge sei und solche "Gute-Nacht Geschichten" nicht mehr brauchte.
Meistens weinte Justin danach bis seine Mutter ins Zimmer kam und ihn vorschlug doch dabei zu sein wenn sie Molly, seiner kleinen Schwester, etwas vorlaß. Justin nahm das Angebot jedes mal strahlend entgegen und später wurde es sogar zur Angewohnheit. Manchmal schlief er sogar mit Molly im gleichen Bett, da er danach zu müde war um in sein eigenes zu gehen.
Doch das gefiel seinem Dad wieder nicht. Er kassierte oft heftige Ohrfeigen deswegen, und Justin verstand nicht warum er das tat. Er verstand auch nicht das weinen von Molly... und das kreischen von seiner Mutter.
Alles was er wollte war doch nur eine Gute Nacht Geschichte um danach vielleicht von seinem Prinzen zu träumen?
"Eine was?" Brian dachte sich verhört zu haben "Ich dachte du wärst 17? Da liest man doch Pornos und nicht irgendwelche Märchen." Er konnte sich ein kurzes Auflachen nicht verkneifen.
Justin sichtlich nervös und etwas ängstlich wieder geschlagen zu werden nickte nur und schaute wieder weg. Er wusste weder was Pornos waren noch verstand er den Prinzen warum es denn so ungewöhnlich war eine Gute Nacht Geschichte zu lesen. Wie sollte er denn anders von ihm träumen? Aber es würde bestimmt schon klar gehen... Schließlich war er ja jetzt hier bei ihm...
Aber nichts detrotz hätte er jetzt viel lieber eine Geschichte... und eine sanfte Mutterhand die ihm durch die kurzen blonden Haare strich...?. .
Er konnte nicht verhindern dass er eine Träne vergoss. Er wollte nicht im Bett weinen. Sein Vater hatte ihn auch deswegen schonmal ausgeschimpft. Aber Justin wollte jetzt viel lieber das Molly und seine Mutter kamen... hier zu seinem Prinzen.
Und da fiel Justin ein, dass er noch garnicht wusste wie sein Prinz hieß.
"Prinzen Name?" Justin gähnte herzhaft und blinzelte dann müde.
"Woher soll ich das denn wissen wie deine Prinzen vom Buch heißen." Brian ging weg und holte Justins Buch das er zuvor weggeräumt hatte. Er schritt wieder an die Holzvertafelung zu, und setzte sich nieder. Dann übergab er das alte abgewälzte Märchenbuch Justin.
"Hier, wenn du willst kannst du noch ein wenig lesen. Aber danach ist Schluss, dann musst du schlafen."
Doch Justin interessierte das Buch in dem Moment wenig. Er wollte viel lieber wissen wie der
"Prinz heißt" Justin sah ihn aus bittenden Augen an.
Brian seufzte und schaute in das Märchenbuch, er suchte in irgendeiner Seite einen verdammten Namen über irgendeinen verdammten Prinzen, damit der Junge endlich Ruhe gab.
Er stoppte auf einer Seite wo ein Mädchen mit wunderschönen langen blonden Haaren, warscheinlich Rapunzel, in einem Schloss ihren geflochtenen Zopf vom Fenster niederließ. Und unten, sieh an, sie an, stand ein Prinz.
Brian überflog die Zeilen und hoffte auf irgendeinen Namen den er dem wartenden Bengel geben konnte.
Doch mehr als "edler Prinz" oder "Königssohn" fand er nicht.
Justin schaute ihn erwartungsvoll an, und schien etwas enttäuscht zu sein, als der wunderschöne Prinz ihn wieder ansah und dann langsam dem Kopf schüttelte.
"Ich find keinen Namen, schlaf jetzt." er deckte den Jungen wieder richtig zu. Er stoppte dabei ihn kurz über die Haare zu streicheln.
Es war doch nicht richtig...
Justin war zu müde um zu wiedersprechen. Er wollte doch so gerne sagen, dass Brian sein Prinz war doch er schaffte es nicht mehr. Seine Augen fielen schwer wie Blei zu und er empfand eine ruhige Wärme die sich in ihm ausbreitete als er am Ende doch noch eine sanfte Prinzenhand in seinem Haar fühlte.
Er schnurrte wohlig und schlief kurz darauf ein.
"Jetzt weiß ich wenigstens wie man dich endlich zum schlafen bringt." Brian lächelte als er diese Worte flüsterte.
Er zog die Decke ganz vorsichtig weg und zog Justin Schuhe,Socken,Hose und T-Shirt aus damit Justin ruhiger schlafen konnte.
Er faltete alles ordentlich und legte es zusammen auf die andere Bettseite. Eigendlich war sie nie benutzt außer wenn ein paar Tricks kamen. Brian schlief ordnungsgemäß immer auf der Bettseite nahe dem Bad, wo nun aber Justin war.
Er dachte daran ihn, da er ja jetzt sowieso schlief, aufs Sofa zu tragen, doch er beließ es dabei.
Justin musste bestimmt erschöpft von den ganzen Trubel sein und er ließ ihn deshalb schlafen und schaltete das leichte Licht im Schlafbereich wieder aus, bevor er es sich auf der Couch gemütlich machte.
Doch an Schlaf war jetzt nicht zu denken.
Viel lieber dachte Brian über den blonden Bengel in seinem Bett nach.
Auch wenn er es nicht gleich zugeben wollte... er mochte ihn...Und irgenwie wollte er ihn auch da haben? Aber... er war minderjährig... er musste zu seinen Eltern... oder?Auch fand er ihn eigendlich ganz okay... selbst wenn er es nicht war... .
Denn Justin war nicht okay...
Bis zum nächsten Morgen war es ruhig im Loft. Ab und zu schreckte Justin vom Schlaf hoch und seufzte tief bevor er wieder einschlief.
Brian jedoch fand keinen Schlaf. Er hörte jedes einzelne Seufzen von Justin, jeden einzelnen Laut, er lauschte sogar manchmal nach den ruhigen Atem, selbst wenn er vom Wohnzimmer aus nicht zu hören war.
Bei Morgengrauen hiefte sich Brian hoch und schaute kurz nach Justin. Dieser schlief jedoch ruhig, jedoch hatte er sich anscheinend die Decke vom Körper gestrampelt.
Brian deckte ihn wieder zu und fühlte ihm vorsichtshalber die Stirn. Schließlich war er den ganzen Tag mit T-Shirt an einem kalten Wintertag draußen gesessen. Da war es ja wirklich kein Wunder wenn er sich erkälten würde.
Doch seine Stirn war nicht besorgniserregend warm, was Brian erleichtert die Luft ausatmen ließ. Er wusste selbst nicht warum er sich so sehr um den Jungen sorgte, aber in irgendeiner Hinsicht fühlte er sich verantwortlich für ihn. Wenigstens bis er ihn wieder bei seinen Eltern abgeben würde... Nur bis dahin?
Brian machte sich fertig und schaute danach kurz auf die Uhr.
8 Uhr.
Er musste langsam auf den Weg zur Arbeit.
Doch er konnte den Jungen doch nicht einfach hier alleine lassen?
Brian erinnerte sich an den Arztbericht. Litt Justin nicht an Trennungsängsten? Brian dachte nicht weiter darüber nach.
Stattdessen setzte er sich neben ihn und fing an ihn zu wecken.
Brian rüttelte erst leicht dann etwas williger an Justins Schulter bis dieser langsam die Augen aufschlug.
"Hmmm?" Er schien etwas verwirrt zu sein. Aber dann fiel es ihm wieder ein. Er war nicht bei seinen Eltern... er war bei seinem Prinzen... .
Brian lächelte kurz als er die müden Augen betrachtete. In einer ungesunden Weise fand er ihn auch süß.
"Na komm schon wir müssen los." Er stand wieder auf und half Justin beim anziehen.
"Wo... Wohin?" Justin gähnte nochmal herzhaft.
"Zu einem Handyladen. Wir brauchen ein Akku Gerät für dein Handy damit ich deine Eltern anrufen kann." Brian fiel es schwerer als gedacht diese Worte auszusprechen. Aber er hoffte darauf das vielleicht seine Hormone durch die Wechseljahre verrückt spielten? Wenn er überhaupt schon in den Wechseljahren war... .
Aber nein ... es war etwas anderes.
Justin sagte nichts mehr. Er schaute den Prinzen auch nicht mehr an. Die ganze weitere Fahrt war es still im Wagen.
Brian gab es auf Justin zum reden zu bringen. Selbst als er ihn vorschlug aus seinem Buch laut vorzulesen reagierte Justin nicht. Stadtdessen nahm er sein Buch und las demonstrativ leise.
Immer mal wieder schaute er zu dem Prinzen herüber, doch wenn dieser zu ihm schaute verstecke Justin sein Buch fest an seiner Brust.
Der Prinz durfte es nicht lesen...
Brian verstand Justin in dem Moment nicht. Doch er akzeptierte es. Dieses Buch war für Justin wie ein Heiligtum, das hatte Brian schnell bemerkt. Und anscheinend durfte nicht jeder von ihm lesen, selbst wenn er ihn noch vor einigen Stunden darum gebeten hatte ihm etwas vorzulesen.
Aber vor einigen Stunden wusste Justin schließlich noch nicht, dass sein Prinz ihn wieder Zuhause absetzen würde...
Er stoppte an einem Handyshop, nicht weit von Kinnetik entfernt und schaltete den Motor aus.
"Bleib solange hier ich komme sofort." Brian würdigte ihn nicht eines Blickes und stieg vom Wagen aus. Er schloss ihn vorsichtshalber ab. Denn wenn der Junge von Zuhause wegrannte wer sagte ihm denn, dass er es nicht jetzt auch tun würde?
Wusste er doch das es wieder dort hin zurück ging.
Das passende Gerät war schnell gefunden. Brian kaufte es ohne auch nur auf den Preis zu achten. Er schaute sich um und sah bei den Zubehör einen Schlüsselanhänger der ihm sofort ins Blickfeld stach.
Es war ein kleines Schloss aus einem weichen Material. Brian überlegte es zu kaufen. Er erinnerte sich an das Märchenbuch und an das Schloss von Rapunzel. Er würde Justin damit bestimmt eine Freude machen. Er hielt es für richtig...
Kurze Zeit später saß Brian wieder hinter dem Steuer die Tüte mit dem Akkugerät und dem Plüsch-Schloss auf den Armaturen Brett. Er hatte es Justin noch nicht gegeben... . Er wollte ihn nicht an sich binden... . Justin sollte ihn vergessen... . Denn Brian konnte nicht für ihn da sein... obwohl es falsch war...
Denn schließlich war er doch Justins Prinz... obwohl er es nicht einmal wusste. Aber selbst das würde nichts daran ändern... Oder?
Brian saß hinter seinem Schreibtisch in seinem Büro in Kinnetik. Immer wieder schaute er auf den blonden Jungen der auf den Boden saß und malte.
Brian hatte das Handy ins Akkugerät angedockt. Er wartete bis es aufgeladen war.
Justin fühlte sich hier in Kinnetik nicht so wohl wie im Prinzenschloss. Hier waren fremde Menschen die immer mal wieder ins Büro kamen und von irgendwelche Kunden und Vorstellungen sprachen.
Er fand es zu hektisch und er wollte viel lieber wieder im großen Prinzenbett schlafen.
Cynthia kam ins Zimmer und übergab Justin der noch immer auf den Boden saß und malte ein paar weitere Buntstifte. Er schaute den Prinzen fragend an. Dieser nickte nur und Justin nahm die Stifte freudig an.
"Und was sagt man?" Brian konnte selbst nicht glauben was er da gerade fragte. Er war schließlich kein Sugar-Daddy aber diese Aussage glich einem.
"Da...Danke?" Justin schaute erwartungsvoll zu dem Prinzen der wiederrum nur nickte und ihm ein kurzes Lächeln schenkte was Justin strahlen ließ.
Cynthia lächelte ihn ebenfalls an.
"Brian du hast später noch eine Vorstellung. Soll ich sie absagen?" Sie schaute bei dem letzten Teil des Satzes erklärend zu Justin.
Brian verstand "Nein lass sie, Sag Ted er soll für mich einspringen. Falls jemand fragt ich habe persöhnliche Probleme zu erledigen."
Und das war Justin. Sein persöhnliches Problem. Dieser jedoch schaute nur staunend zu Cynthia. Jetzt wusste er wie sein Prinz hieß.
Brian!
Er schaute wieder zu dem Jungen hinüber und wies dann Cynthia an zu gehen. Diese tat ihrem Chef den Gefallen.
Brian schritt kurzerhand zu Justin und setzte sich neben ihm. Er hatte sich anders entschieden. Er wollte das Justin sich an ihn erinnerte.
Er übergab Justin das kleine Plüsch-Schloss das er zuvor versteckt hinter seinem Rücken gehalten hatte.
Justins Augen strahlten was Brian hart schlucken ließ. Er war wunderschön.
So wunderschön und... und unschuldig?
"Prinzen...Prinzenschloss?" Justin strahlte Brian an. Dieser nickte nur und schaute Justin wieder bewundernd an.
Ja... er war es... Er war wunderschön.
Justin schaute das kleine Plüsch-Schloss in seinen Händen an und blickte danach zu seinem Buch neben sich.
Er nahm es in die Hand und schlug es auf.
Er schlug die Seite auf die er Brian zuvor im Auto verwehrt hatte. Justinübergab es Brian und dieser schaute ihn zuerst verwundert an. Doch dann verstand er.
Er nahm das Buch vorsichtig an sich, ohne auch nur ein Wort darüber zu verlieren.
Vorsichtig, ganz vorsichtig, wusste er doch wieviel es Justin bedeutete.
Er schaute Justin wieder an und sah Vertrauen in den wunderschönen Meeren seiner Augen.
Ohne auch nur ein weiteres Wort zu sagen laß er laut vor und ließ es zu, dass Justin sich an ihn schmiegte. Und so saßen sie auf den Boden und amüsierten sich beim lesen während sie immer mal wieder vielsagende Blicke miteinander wechselten.
Brian wusste selbst nicht was er da gerade tat. Aber er wusste das es sich gut anfühlte... Es war richtig...
So richtig!
Bis ein erbarmungsloser Ton sie unterbrach.
Justins Handy war vollständig aufgeladen...
