Justin erschrack vom plötzlichen piepsenden Geräusch, war es doch davor so ruhig im Büro.

Brian schaute zum Schreibtisch wo Justins Handy lag... er würde anrufen... er musste es ... es war doch seine Aufgabe... schließlich war er selbst mehr oder weniger Vater eines Sohnes und wusste, dass man sich da Sorgen macht.

Brians Gedanken überschlugen sich. Er kämpfte mit "Gut und Böse", doch eine entgültige Entscheidung konnte er nicht treffen.

Er schaute auf den Jungen neben sich der nun wieder etwas verunsichert wirkte. Anscheinend hatte er das Gefühlschaos von Brian bemerkt, denn er wirkte wieder sehr in sich gekehrt. Er sagte weder ein Wort noch las er weiter in seinem Buch. Auch das Prinzenschloss war für den Moment vergessen. Das einzige was er tat war immer mal wieder scheue Blicke zu seinem Prinzen zu werfen, immer darauf bedacht bloß nicht erwischt zu werden... .

Denn er wollte nicht zurück. Er hatte Angst. Große Angst. Angst vor der Reaktion seines Vaters?

Angst davor, dass ihn seine Mutter und Molly nicht mehr lieben würden da er einfach weggelaufen war? Denn Jennifer hatte ihn schonmal vor so einem Versuch bewahrt und hatte ihm gedroht ihn nicht mehr zu lieben sollte er es eines Tages nochmal wagen von Zuhause wegzulaufen.

Doch das einzige worüber seine Eltern sich Sorgen machen würden waren der Tratsch von den Nachbarn... Denn sie waren schon lange überfordert mit Justin... Denn er war nicht okay.

Nein, das war er nicht.

"Bleib hier ich muss kurz weg." Brians Stimme war heiser und zittrig. Und bei besten Willen, er konnte seine Gefühle nicht unterdrücken. Nicht hier und vor allem nicht jetzt!

Was war denn nur mit ihm los? Er machte so einen großen Trubel wegen eines Anrufes für einen Jungen den er nicht mal kannte. Warum bedeutete er ihm so viel. Er hatte ihn bei sich für eine Nacht aufgenommen, und Brian wusste es war das einzig richtige gewesen, denn er hätte ihn nicht frierend an der Hauswand sitzen lassen können. Auch hätte er da nicht seine Eltern kontaktieren könnten, schließlich wusste er zu dem Zeitpunkt weder Nummer noch Adresse.

Aber nun, hier waren sie, Name;Nummer;Adresse.

Alles was er brauchte... Aber auch alles was er haben wollte?

Brian versuchte nicht mehr länger über die Situation nach zu denken. Er versuchte es schnell hinter sich zu bringen, um dann genauso schnell wieder in seinem alten Rythmus zurückzufinden.

Denn wenn er ehrlich war passte Justin so lieb er auch war nicht in sein Leben. Und vielleicht war das auch der Grund warum Brian das Zimmer verließ und im Vorraum, leise, darauf bedacht Justin würde nichts mitbekommen, einen wichtigen Anruf tätigte.

Mit Justins Eltern.

Was er nicht wusste war, dass Justin sehr wohl wusste mit wem er redete. Denn das Handy war nur dazu da um seine Eltern zu kontaktieren. Andere Nummern waren nicht drauf, was auch Brian bemerkte, als er nur eine Nummer auf den Handy fand.

Die seiner Eltern.

Justin versuchte irgendwo zu verschwinden doch der Turm war zu hoch. Er war gefangen und er hatte wirklich Angst das gleich die bösen Monster und vielleicht auch die Fesselpflanzen kamen und ihn wieder Nachhause brachten wo er für gefangen war.

Für immer... Ja, für immer und ewig?

Denn genau das passierte sobald jemand seine Eltern verstä war nicht das erste mal,dass er weglief. Aber sonst nicht so weit wie dieses mal. Meistens blieb er vesteckt in der Nachbarschaft. Hinter einem Busch,Baum oder manchmal legte er sich auch die Handflächen vor die Augen. Molly hatte ihm erzählt, dies würde ein Zaubertrick sein und wenn er es machen würde, könnte ihn niemand sehen.

Doch man hatte ihn immer wieder aufgespü musste er einen Zauberspruch dazu aufsagen? Und jedes mal hatte ihn sein Vater mit seiner bösen Wolfsklaue an seiner Wange verletzt. Nicht so wie in seinem Märchen. Denn da gab es so etwas nicht. Und jedes mal wusste Justin nicht warum er das tat. Doch dieses mal war es anders... denn der Prinz war da und ... und er würde ihn doch beschützen!

Es kam nicht ofr vor, dass Justin seine Sätze nicht in Fragen stellte und auch seine Gedankenwelt schien da nicht sehr von dem Prinzip zu weichen. Doch dieses mal war es eine klare Fassung. Er wusste es. Er war sich sicher.

Brian würde ihn retten. Denn Prinzen sind stark,hübsch und groß und und lesen... und lesen Pornos? Genauso wie Brian... Und er würde ihn beschützen...

Justin wollte es wirklich glauben... Aber immer öfter... ja immer öfter fragte er sich warum er dann das böse Telefon genommen hatte und weggegangen war. Genauso wie alle es taten wenn sie mit seinem Vater redeten.

Justin dachte nach. Und ihm fiel eine fast schon grandiose Idee ein.

Er lächelte zufrieden und machte sich sofort daran sie umzusetzen.

Brian hatte dagegen nichts zu lächeln. Nicht einmal ansatzweise.

Justins Vater Craig war von seinem Verhalten fast schon das Ebenbild von seinem eigenen Vater Jack. Außer vielleicht, dass dieser ihn nur schlug wenn er betrunken war. Justins Vater schien da Agressionsprobleme auch ohne Alkohol bewältigen zu müssen. Und das machte Brian langsam Sorgen... Sorgen um Justin.

"Craig! Hey Mister! Hallo? beruhigen sie sich!" Brian versuchte es nochmal den aufgebrausten Vater zu beruhigen. Doch so ganz gelingen schien es ihm nicht. Erst als er sich seine ganze Schimpftriade zur Vorbereitung für Justin angehört hatte, gab er so halbwegs Ruhe.

Brian nutzte diese seltene Gelegenheit "Craig, ich bin sicher Justin vermisst sie. Und ich bin mir ebenfalls sicher er würde sich freuen wenn sie ihm erst einmal sanft gegenüber treten, und später mit ihm in aller Ruhe über sein Vergehen reden. Das würde mehr helfen als ihn auszuschimpfen. Dann läuft er doch stadtdessen wieder weg!" Brian schien schier verzweifelt zu sein. Mit diesem Mann war aber auch wirklich nicht zu Reden.

Dieser Craig schaffte ihn. Und das schon am Morgen. War ja auch kein Wunder das Justin weggelaufen war. Aber darüber konnte.. NEIN... durfte er sich jetzt keine Gedanken machen. Dann würde er wieder an den Punkt "Richtig - und - Falsch" enden und auf diesen Gewissenskonflikt hatte er nun wirklich keine Nerven.

Justin gehörte zu seinen Eltern nicht zu ihm. Er war ja nicht mal verwandt noch befreundet mit seiner Familie. Noch kannte er sich mit Autismus und Trennungsängste aus. Und ... er würde einfach nicht reinpassen.

An das glaubte Brian anfangs noch strikt und ohne Wiederspruch doch je mehr er Craig zuhörte desto mehr kämpfte er mit sich selber, dem Drang, Justin erstmal bei sich zu behalten bis eine Lösung gefunden war nachzugeben.

Es würde einfach nicht gut gehen. Zwar glaubte Brian dies selber nicht aber er zwang sich dazu in dieser Weise zu denken. Er zwang sich dazu sich den Jungen nicht an die Brust zu nehmen. Mit den Vater war nicht gut Kirschen zu essen und er wollte sich nicht ausmalen welche Schimpftriade folgen würde wenn er den Vorschlag machen würde, Justin erstmal bei sich zu behalten bis sich die Lage etwas beruhigt hatte.

Doch diese würde für ihn gehalten werden und nicht für Justin.

Langsam aber sicher beruhigte sich Craig etwas, aber er redete noch immer voller Wut und Hass. Jedoch in einem leiseren Tonfall.

Immer wieder kamen Nachbarn, und was diese wohl denken würden wenn die eigenen Eltern ihr eigenes Kind nicht unter kontrolle hätten, in seiner Rede vor.

Wann holte dieser Mann denn eigendlich mal Luft? Brian hatte so gut wie nie die Möglichkeit Craig zu unterbrechen und ihn zu übertönen schien unmöglich zu sein.

"Ich bringe ihnen Justin vorbei und dann können wir erstmal den Konflikt klären. Ich bleibe auch dabei damit nichts außer Kontrolle gerät." Brian versuchte die Sache langsam und mit Gewissen anzugehen.

Doch Justins Vater lehnte strikt ab. Er wollte diese Angelegenheit alleine mit Justin klären, und nicht auch noch einen fremden Mann bei Familienangelegenheiten dabei haben. Er schien empört zu sein als seine Erklärung folgte, doch Brian ließ sich nicht abwimmeln.

"Mister Taylor." er stoppte selbst kurz und verzog das Gesicht angesichts seiner höflichen Ansprache. Aber anscheinend war diese völlig in Ordnung. Denn er hörte ein ruhiges "ja" am anderen Ende der Leitung "Ich habe Justin vor meiner Haustüre frierend und erschöpft aufgefunden, habe mich um ihn gekümmert. Da möchte ich doch wohl dabei sein wenn der Konflikt geklärt wird. Denn um ehrlich zu sein, möchte auch ich abschließen mit der Sache und das gelingt mir nur wenn ich weiß das ..." Er machte eine kurze Pause "Das Justin okay ist?"

Stille... Craig sagte lange kein Wort. Nur das Atmen war in der Leitung zu hören.

"Okay.." Er sagte nichts weiter dazu. Seine Stimme war kalt, emotionslos. Und Brian wusste nicht, was er mit diesem einzigen Satz angestellt hatte.

Denn Justin war nicht okay... Nicht okay für Craig, Nicht Okay für den Rest der Welt.

Doch für Brian... Ja, für Brian war er okay.

Brian ließ sich noch einmal die Adresse geben, hatte er sie bei Craigs ganzem Temperament völlig vergessen. Kurz darauf legte er auf. Er verabschiedete sich nicht von Craig.

Nein er hatte wichtigeres zu tun. Und dieses wartete in seinem Büro auf seinem Italienischem neu eingebautem Hartholz Boden, mit Stiften von Cynthia, gestohlen von Teds Büro, und Blättern von dem Vorlesungsmappen.

Völlig unschuldig... Und... Und okay?

Doch als er eintrat war weit und breit kein Justin. Er schaute sich nochmals um, rieb vorsichtshalber nochmal über seine Augen. Doch auch da änderte sich nichts, bis er ein leises kichern von unter seinem Schreibtisch hörte.

Brian musste unwillkürlich lächeln, denn in Gegenwart des blonden Jungens schien es schier unmöglich für den sonst so gefühlskalten Brian seine Emotionen zu unterdrücken. Er fühlte sich bei ihm einfach am richtigen Platz.

Er lief langsam, ganz langsam zum Tatort und schob langsam, ganz langsam den Bürostuhl zur Seite.

Verdächtig ruhig blieb er dort stehen.

Justins unterdrücktes Kichern war noch immer zu hören.

Und ganz plötzlich bügte sich Brian zu Justin "BUH!"

Justin schrack verschreckt auf und wollte ängstlich rausstürmen, doch als er Brians Lachen hörte beruhigte er sich etwas. Ihm würde nichts passieren. Es war der Prinz. Und wenn der Prinz da war dann war alles okay.

Selbst er ...Ja, selbst Justin war dann Okay.

Er fiel ihn Brians Lachen mit ein.

"Na komm schon, raus mit dir." sagte Brian in einem gespielt bösen Ton doch er lachte immer noch.

Justin schien etwas verwirrt deswegen zu sein. Wie konnte man Lachen und trotzem wütend sein?

Doch es war der Prinz. Und wenn es der Prinz tat dann war es schließlich okay.

Als Justin unter dem Schreibtisch hervorgekrabbelt kam schritt Brian schnell hinter ihm. Er warf ihn sich über die Schulter. Justin konnte nichts tun außer erschreckt aufzujapsen. Es war viel zu schnell zum reagieren gewesen, denn schon im nächsten Moment lag er auf der Couch, Und Brian über ihn der ihn nun durchkitzelte und selber lachen musste.

Als sie sich etwas beruhigt hatte strich Brian den noch immer lächelnden Justin einige Strähnen aus der blassen Stirn. Er schaute ihm tief in die strahlenden glücklichen Augen und versuchte, mit aller ihm gebliebenen Macht, sich nicht darin zu verlieren.

Denn das würde er sich nicht verzeihen. Es war doch nun aus. Aus und vorbei. Für immer... Ja für immer und ewig?

Brian beugte sich etwas näher zu Justin und stützte sich mit einem Arm ab, um den zierlichen Jungen nicht zu sehr zur Last zu fallen.

"Du musst wieder zurück Nachhause." Brian hatte es leise gesprochen. Und wäre es nicht so still, und sie nicht so nah beieinander, so hätte man es nicht gehört.

Justins Lächeln erstarb. Er schaute völlig verstört zu dem Prinzen herauf. Er wusste was Zuhause bedeutete.

Ja, er wusste es nur zu gut...