Kapitel 13
Augenblicklich erstarb jeder Laut im Raum und die Blicke gingen entsetzt zu Mrs. Weasley. Am meisten schien es aber Arthur zu schocken. Denn woher konnte seine Frau diese Tatsache, die er doch selbst gerade erst erfahren hatte, wissen.
„Der Vampirvirus ?", fragte Hermine, während sie sich immer noch die Hand vor den Mund hielt und man konnte sehen, wie sich in Mollys Augen kleine Tränen bildeten.
„Oh Arthur", schluchzte sie und schaffte es nicht einmal ihrem Mann direkt in die Augen zu blicken. Offensichtlich fühlte sich die sonst so starke Hexe plötzlich sehr verloren. „ Ich wollte es dir so oft schon erzählen."
„Was erzählen ?", fragte Ron nun, denn er hatte sein Mum noch nie so unsicher und verängstigt gesehen.
„Ja Molly, was erzählen ?", fragte nun auch Mr. Weasley und wollte seinen Arm beruhigend um seine Frau legen. Doch diese wehrte ab und blickte zu Boden.
„Der Virus... Arthur", kam es mit leiser, zittriger Stimme, „... der Virus bei Bill stammt nicht von einem Biss oder so. Er wurde vererbt und lebt... lebt in jedem unserer Kinder. Der Virus... er stammt aus meiner Blutlinie."
Nun brach Molly vollends in Tränen aus und wollte nur noch raus hier. Sie schien sich plötzlich so zu schämen, dass sie keinem ihrer Kinder, ja nicht mal Harry, in die Augen blicken konnte.
Der Schwarzhaarige selbst brauchte auch einige Sekunden, um das Gehörte zu verstehen und bekam nur am Rande mit, wie Arthur plötzlich nach Molly griff... und sie ganz nah an sich heran zog. Dann wischte er mit seinem Daumen die Tränen aus ihrem Gesicht und sagte nach einem kurzen Kuss auf ihren Mund.
„Molly, soweit ich mich erinnere, habe ich dich geheiratet und nicht deine Blutlinie."
„Ja aber Arthur, hast du mich nicht verstanden ? Ich habe Vampirblut in mir." versuchte Molly ihr Unverständnis auszudrücken.
„Doch Molly, das habe ich. Und genau dieses Blut hat unseren ältesten Sohn gerettet und gibt mir, so ganz nebenbei, die Antwort auf die größte Frage meines Lebens."
„Welche ?", kam es von fast allen Anwesenden im Raum.
„Na die Frage, woher meine geliebte Frau nur ihr Temperament hat."
Auf diese Antwort von Mr. Weasley hin, mussten alle ein wenig schmunzeln und Harry bemerkte sogar, dass Mrs. Weasley ein wenig erleichterter schien und einen mehr als nur leichten Rotstich annahm. Ron machte dann schließlich den Anfang, stand auf und umarmte seine Mum ganz fest und lieb. Für ihn und auch die anderen Weasleys im Raum blieb die Frau doch immer seine Mutter und nichts anderes.
Allerdings wollten Ginny, Ron und auch Arthur danach wissen, woher der Vampirvirus kam und Molly bat alle sich zu setzen. Sie hatte eine Geschichte zu erzählen und wollte, dass alle sie auch richtig verstanden. Dies musste dann aber noch einige Minuten warten, denn bei mehreren Anwesenden meldete sich der Magen und so wurde erst einmal Frühstück gemacht.
Als dessen Vorbereitung dann fast fertig war, kam auch Madame Pomfrey aus dem Keller zurück. In ihrem Gesicht allerdings machten sich mehrere Ausdrücke breit. Zum einen glänzten die Augen der alten Heilerin vor Erleichterung, was bedeuten musste, dass es Bill gut ging. Dies war eine Tatsache, welche Fleur mit einem freudigen Aufschrei quittierte und nach unten lief.
Doch Harry sah in Poppy´s Gesicht auch Verwunderung und fragte deshalb gleich nach, was die Heilerin so beschäftigte. Poppy sah Harry mit großen Augen an und sagte,
„Es sind seine Narben, Mr. Potter, sie sind vollständig verheilt. Und so etwas habe ich in meiner gesamten Laufbahn noch nicht gesehen."
Alle im Raum schauten überrascht zu Poppy und dann zu Molly. Doch keiner schien so recht zu wissen, was sie der alten Heilerin sagen sollten. Ohne Zweifel war die Heilung auf den Vampirvirus zurück zu führen. Denn jeder, der ein wenig schulisches Interesse an den Tag legte, hatte doch im Unterricht schon mal davon gehört, dass sich diese Kreaturen sehr schnell von ihren Verletzungen erholten.
Schließlich entschied sich Molly Poppy reinen Wein einzuschenken, erzählte ihr das Gröbste der letzten Minuten und reichte der alten Heilerin danach auch eine Tasse Tee zur Beruhigung. Dann sah Molly in die Runde und begann mit ihrer Geschichte.
„Also Arthur,... Kinder, die Geschichte der Familie der Prewetts ist sehr alt und umfassend. Doch sie beinhaltet auch ein Geheimnis, welches bisher nur an die Söhne und Töchter weiter gegeben wurde, wenn diese weise genug waren, es auch zu hüten."
Molly schaute nochmals in die Runde und sah, ob ihre Kinder und deren Freunde die Wichtigkeit dieses letzten Satzes verstanden hatten. Dann atmete sie noch mal durch und fuhr fort.
„Es muss jetzt fast über dreihundert Jahre her sein, da hatte sich meine Ahnin Mariam Lonegan, die jüngste Tochter von Horacio Lonegan, einem sehr angesehenen und gottesfürchtigem Waffenschmied aus dem Süden von Wales, in einen jungen Mann, namens Gregory verliebt. Seine Herkunft hat man zur damaligen Zeit als eher zweifelhaft bezeichnete. Denn er war Zigeuner und kam vom Kontinent oder besser gesagt, aus den Tiefen der Karpaten.
Viele hatten der jungen Mariam damals abgeraten auf den sehr charismatischen Fremden zu hören. Doch mit der Liebe ist das so eine Sache. Sie lässt die Menschen erblinden. Mariam ging nach einem heftigen Streit mit ihrem Vater fort und viele dachten schon, man würde sie nie wieder sehen.
Doch sie kam wieder, völlig verängstigt, ein wenig heruntergekommen und in ihren Armen trug sie ein Kind, sein Kind. Nun war dies eine Sache in der damaligen Zeit, welche überhaupt nicht akzeptabel war. Die Menschen in der Umgebung begannen sofort schlecht über Mariam zu reden und einige rieten sogar Horacio Lonegan, dass er seine Tochter fortjagen solle. Doch er tat es nicht. Sie war nun mal sein eigen Fleisch und Blut, von Gott gegeben und so vergab er seiner Tochter und nahm sie wieder bei sich auf.
Erst viele Jahre später erfuhr der alte Waffenschmied die wahre Geschichte, und dass Gregory in Wirklichkeit ein Vampir, alten, adligen Blutes war. Laut Mariam hatten sich beide geliebt und dies von ganzem Herzen. Ja, sie wollten sogar heiraten und Mariam hätte, allein aus Liebe sogar ihr Dasein geändert. Doch als ihr gemeinsamer Sohn geboren wurde und sein Großvater, der Großfürst des Vampirclans feststellte, dass das unschuldige kleine Geschöpf ein Sterblicher war, mit augenscheinlich keinerlei vampirtypische Merkmalen und sogar Magie besaß, da bestand höchste Gefahr für Beide, Mutter und Kind. Die Vampire wollten ihr unwürdiges Blut vernichten und damit jeden Beweis für Gregorys schändlichen Fehltritt.
Doch Gregory konnte seinen Vater, der seinen Sohn wiederum über alles liebte, überzeugen, sie am Leben zu lassen und Mariam und das Baby nur zu verstoßen. Heimlich organisierte der junge Vampir die Überfahrt zurück nach England und ein wenig Geld, damit sich Mariam zu ihrer Familie durchschlagen konnte. Sie schaffte es schließlich auch, lebte wieder bei ihrem Vater und verliebte sich neu. Dieses Mal in einen jungen Zauberer namens Eduard Prewett und die Geschichte nahm ihren Lauf."
Der Raum war gefüllt mit erstaunten Gesichtern und Molly Weasley sah ein wenig unsicher in die Augen ihres Mannes. Arthur lächelte kurz, stand auf und drückte seine Frau ganz fest an sich.
„Und davor hattest du Angst, Molly ?"
„Ein wenig", erwiderte Rons Mum und Harry glaubte plötzlich Erleichterung in ihren Augen zu sehen. Bevor man aber weitere Fragen an Molly stellen konnte, kamen Bill und Fleur in die Küche. Beide strahlten und hielten Händchen, wie zwei frisch Verliebte. Ron konnte sich, ebenso wie Ginny, ein Schmunzeln nicht verkneifen, bevor er seinen älteren Bruder umarmte.
„Wie geht es dir ?" Fragte der Rotschopf und Bill antwortete, „Bestens". Dann ging sein Blick zu Remus und alle im Raum bemerkte plötzlich, dass der Werwolf unter dem eigentlich freundlichen Blick des ältesten Weasleysohns zusammenzuckte. Ja, der Werwolf schien regelrecht Angst vor Bill zu haben.
Harry fragte sich sofort, was dies zu bedeuten hatte, doch keiner der Beiden schien etwas sagen zu wollen. Vielleicht spürte der Werwolf ja seit der letzten Nacht das Vampirblut in Bills Adern ? Dieser Gedanke wanderte durch Harry´s Kopf. Und was wenn dies wahr wäre ? Sollte man Bill nun mit ein wenig Vorsicht behandeln ?
Bevor sich der Schwarzhaarige allerdings weiter den Kopf zerbrechen konnte, hatte Remus dann doch seine Sprache wieder gefunden und versuchte sich bei Bill für den Angriff zu entschuldigen. Rons Bruder wehrte allerdings ab, mit der Begründung, dass Remus ja wohl ein wenig mehr gelitten habe.
Aber auf die Frage hin, ob Bill nach der letzten Nacht irgendeine Veränderung an sich spürte, wurde der Rotschopf auf einen Schlag ruhig. Bill schaute plötzlich unsicher in den Raum und begann nervös mit den Füßen zu scharren. Jeder bekam dies mit und sah den junge Mann gespannt an.
„Was ist es, Bill ?" Fragte Molly besorgt und legte einen Arm beruhigend um ihren Sohn.
„Ich... ich habe mich aber verändert... Mum. Ich bin zu einem Werwolf geworden. Jedoch nicht so, wie sie das vielleicht dachten."
„WAS ?", riefen alle überrascht, jedoch keiner wich wirklich zurück.
„Es ist... ist... oh man... „
„Nun sag schon Bill. Du weißt, wir lieben dich so wie du bist." Ermutigte ihn Mr. Weasley und Harry war sich sicher, dass alle im Raum so dachten.
„Es ist... wie... wie bei einem Animagus, Dad. Ich kann mich verwandeln, wann immer ich will. Und was viel wichtiger ist, ich behalte meinen Verstand."
„Krass", sagte Ron laut und bekam sofort einen bösen Blick von seiner Mum zugeworfen.
„Ich denke, es ist der Vampirvirus, der den Werwolf beherrscht. Vampire töten zwar zum Überleben, doch sie sind keine Tiere, keine Bestien, so wie in diesen abstrakten Muggelfilmen. Glaubt mir, ich weiß wovon ich spreche. Ich hab mit ihnen als Fluchbrecher schon öfters zutun gehabt."
Auf diese Aussage des Rothaarigen hin, machten alle Anwesenden große Augen und bei manchen schien die Kinnlade kurz vorm Runterklappen zu sein.
Arthur war dann der Erste, der wieder reden konnte und fragte, ob es möglich wäre, diese Animagusform mal zu sehen.
„Arthur", brauste Molly auf und stellte sich schützend vor ihren ältesten Sohn. „Glaubst du nicht, dass Bill schon genug durchgemacht hat. Musst du ihn jetzt auch noch um mehr bitten."
Molly schien sich nicht wieder einzukriegen. Zumal sie diese Frage eher von Ron oder sogar Ginny erwartete hätte, nicht aber von ihrem Mann. Und in ihrer Tirade versunken, bekam Mrs. Weasley nicht mal mit, wie sich Bill leicht von ihr entfernt hatte und etwas freien Raum suchte.
Harry beobachtete die ganze Sache mit Argusaugen. Und auch Remus Blick wurde kalkulierend. Bill schien sich allerdings ganz stark zu konzentrieren und als erstes verfärbten sich seine Augen. Sie wurden Schwarz wie die Nacht und glänzten gefährlich. Danach ging alles sehr schnell. Bills Haare wuchsen am ganzen Körper und er zitterte. Denn knackten die Knochen im Brustbereich und das Skelett schien sich zu verformen. Das Ganze dauerte vielleicht zwanzig Sekunden und Harry tat es schon vom Zusehen weh.
Molly schreckte auf die Blicke der Anderen herum und wurde leichenblass. „Oh mein Gott", war das einzigste, was sie heraus bekam, als plötzlich ein über zwei Meter großer, fast schwarzer Werwolf vor ihr stand. Ja sie zuckte sogar ein wenig zurück, als dieser näher kommen wollte. Und erst als Fleur, die keineswegs überrascht schien, auf den Werwolf zuging und ihn streichelte, entspannte sich die Lage, Molly trat wieder an ihren Sohn heran.
„Bill, bist du das ?" Fragte Molly das eigentlich Offensichtlichste und rief damit einige stimmungsentspannende Lächeln hervor.
Kurz danach trauten sich auch Ginny und Hermine in die Nähe des Tieres und strichen ihm über das weiche Fell. Der Wolf begann leicht knurren und streckte sich wie ein Hund, förmlich in die Liebkosungen. Ron konnte einfach nicht wiederstehen und sagte, zu seiner Bald-Schwägerin,
„Ich wette, sonst kann er nicht so schnell mit dem Schwanz wedeln."
Dies brachte Harry ein Schmunzeln, rote Ohren und Ron einen Klaps von seiner Mutter ein. Einige Minuten später verwandelte sich Bill schließlich wieder zurück und Fleur küsste ihn liebevoll auf den Mund. Danach drehte sie sich aber kurz zu Ron um, kam ganz nah an ihn heran. Dort hauchte sie dem Teenager lustvoll ins Ohr.
„Wedeln kann er nicht, aber er tut Sachen, die dir zur Zeit nur feuchte Träume bereiten. Vielleicht sollte ich mal mit Parvati über diese Fantasien reden."
Ron verschluckte sich fast und Harry drehte hochrot seinen Kopf weg. Aber nur, um im nächsten Moment in Mollys empörtes Gesicht zu blicken. Die rothaarige Hexe sah ihr zukünftige Schwiegertochter mit großen Augen an und meinte, dass die Jungs noch viel zu jung für solche Dinge waren.
Fleur stimmte ihr nicht wirklich ernstgemeint zu und wandte sich dann wieder Bill zu. Harry konnte förmlich fühlen, wie froh die Französin war, dass es ihrem Liebsten einigermaßen besser ging. Die restliche Zeit bis zum Mittagessen beriet man sich, wie man mit Bills Verfassung umgehen wollte. Es war dann schließlich Mr. Weasley, der vorschlug alles erst einmal geheim zu halten. Vielleicht konnte man es ja später einmal als Vorteil einsetzten.
