Brian wusste, dass dies was er tat eine Straftat war. Er wusste es würde Konsequenzen haben und er glaubte Craig wortwörtlich, dass dies ein Nachspiel haben würde.
Aber alle guten Dinge sind schließlich schwer einzukassieren oder?
Brian bereute es Justin überhaupt zu seinen Eltern oder besser gesagt zu Craig gebracht zu haben. Jennifer hingegen schien da ja liebevoller zu sein.
Und obwohl er wusste das er eigendlich keine Wahl hatte und das er ja nicht wissen könnte wie ehr es eskalieren würde bereute er es und haderte mit sich selbst.
In völliger Vergessenheit geraten war Justin der noch immer still und völlig verstört auf den Beifahrersitz des schwarzen Jeeps, oder besser gesagt des Prinzens schwarzer Kutsche saß.
Er war auf der einen Seite froh von Zuhause weg zu sein aber auf der anderen Seite vermisste er seine Mutter wo er sie doch gerade eben noch gesehen hatte. Er wollte nicht das sie weinte und es verstörte ihn nur noch mehr das sie es tat. Er wollte das sie glücklich war... glücklich wie... ja wie er und Brian es eigendlich sein sollten... .
Ihn strengte es an darüber nachzudenken. Und er wollte jetzt viel lieber das seine Mutter kam und ihn tröstete. Er wollte nicht von ihr getrennt sein. Er wollte sie dahaben in dem Prinzenschloss.
Und ohne es überhaupt verhindern zu können fing er an zu weinen. Er hatte keine Angst davor seinen Tränen freien Lauf zu lassen. Sein Vater war ja nicht da also könnte ihm doch auch nichts geschehen oder?
Und obwohl Brian merkte das sein Mitfahrer weinte konnte er sich jetzt nicht um ihn kümmern. Er brachte es einfach nicht zu stande ihn ein tröstendes Wort zu sagen. Denn er brachte es nicht zu stande zu lügen. Und er konnte ihm ebenfalls nichts Versprechen. Denn er hielt seine Versprechungen. Im Grunde genommen hatte er einfach Angst zur falschen Zeit das falsche zu sagen und Justin somit nur noch mehr zu verängstigen. Deshalb beließ er es dabei ruhig zu sein. Und das obwohl er weiß, dass es falsch war.
So falsch.
"Mama..." flüsterte Justin und weinte wieder. Er konnte es einfach nicht zurückhalten, er war zu erschöpft.
Brian wurde hellhörig. "Deiner Mama geht es gut da bin ich mir sicher." Warum fiel ihm bloß jetzt nichts aufmunterndes ein? Warum mussten ihm die richtigen Worte immer dann fehlen wenn er sie brauchte.
Er war es einfach nicht gewöhnt. Es war schließlich nichts alltägliches mit einem autistischem 17 jährigen verängstigten und dazu noch weinende Jungen auf seinen Beifahrersitz vor dessen Elternhaus zu fliehen und damit noch ganz Nebenbei eine Straftat zu begehen.
Er durfte einfach nicht daran denken. Er musste das tun was er für richtig hielt. Doch er hielt zur Zeit nichts für richtig. Ihm erschien alles falsch. Und immer mehr erinnerte er sich an seine durchlebte Kindheit. Und immer mehr tat ihm das weinende Bündel neben sich leid.
Und dann tat Brian etwas was sich endlich richtig anfühlte. Er hielt den Wagen am Straßenrand an und schaltete den Motor aus.
Er sah zu Justin rüber der ihn aus verquollenen rötlichen Augen ansah und leise weiter weinte.
Würde der Prinz nun böse werden weil er Schwäche zeigte?
Doch es geschah etwas worauf beide nicht vorbereitet waren. Und etwa was Brian sich selbst nie zugetraut hatte und was er selbst nicht verstand. Aber er konnte nichts dagegen tun. Sein Trieb danach schien ungebändigt zu sein. Er brauchte es. Justin brauchte es.
Zuneigung. Liebe.
Brian streckte die Hand aus und streichelte Justin vorsichtig über die rötlichen Wangen. Er strich ihm die Tränen weg. beugte sich vor küsste seine Stirn. Strich ihm die Haare von der Stirn. Schaute ihm tief in die blauen Augen. beugte sich noch näher hervor und sprach ganz nah an sein Ohr.
Ganz nah sodass nur sie es hören könnten. Denn es war nur für sie bestimmt. Nur für sie.
"Es ist okay." flüsterte Brian und seine Augen wurden überaschenderweise feucht.
Warum quälte ihn der Junge so? Warum empfindete er bei ihm diese Gefühle und warum WARUM waren sie füreinander bestimmt?
Zwei völlig verschiedene Welten?
Und es wäre eine Lüge zu sagen sie hätten keine Angst.
Und es wäre eine Lüge zu sagen sie würden es dennoch nicht genießen.
Und es wäre eine Lüge zu sagen sie liebten sich nicht.
Und es wäre eine Lüge zu sagen sie wüssten es.
Denn das taten sie nicht. Noch nicht.
Justin erstarrte er verkrampfte sich. Dann schaute er seinen Prinzen fragend an "Nei-Neiin, ich ich bin ni-nicht Okay! es es ist nicht okay!" Justin hatte schwierigkeiten feste zu sprechen. Er haderte, seine Stimme war brüchig und leise durch das weinen. Stockend durch das Schniefen. Und unsicher durch seine Verwirrung.
Doch es war keine Frage. Nein Justin wusste es. Es war eines der wenigen Dinge die er wusste. Und eines der wenigen Dinge wo er keine Angst hatte etwas falsches zu sagen.
Brian konnte nichts darauf erwiedern. Ihm fiel nichts ein. Er drängte sich dazu Justin zu verneinen doch er konnte es nicht. Er konnte es nicht. Er brachte es einfach nicht zu stande. Und er wusste nicht wie damit er weiterleben könnte. Denn... in Wirklichkeit... war... war denn nun Justin okay?
"Komm mir fahren zu mir." Brians Stimme war genauso brüchig. Er sagte nichts mehr zu Justins Offenbarung. Er schaltete den Motor wieder an und schaute danach zu Justin.
Lange, tief, aufrichtig.
"Ins Schloss." Seine Stimme war feste. Sie war ehrlich. Und er konnte noch nicht deuten was er gerade gesagt hatte. Es hatte ihn einfach übermannt. Er musste es. Sein inneres gab keine Ruhe. Fast schon schmerzhaft wollten die Worte nach außen dringen.
Und Brian gab nach. Er gab dem Gefühl vorerst nach einer größeren Macht zunieder zu sein.
Denn er konnte nichts dagegen tun. Nein, die wahre Liebe konnte man nicht wegdrängen.
Justin schaute seinen Prinzen nur lange an. Und erst als er nach etlichen minuten langsam, ganz zaghaft und unsicher nickte fuhr Brian los.
Nicht wissend was noch auf ihn zukommt. Nicht wissend durch welche Höhen und Tiefen er noch zu gehen vermochte. Und nicht wissend das dies was er tat nicht nur das einzig richtige sondern die einzig vorhandene Möglichkeit war nicht an der Welt zu zerbrechen.
Doch er schwor sich, er würde alles meistern wenn er nur in die blauen Augen seines Gegenübers sehen konnte. Und er wusste es würde schwer werden. Er wusste es. Sein Lebensstil passte einfach nicht zu Justin. Und er wusste es würde Differenzen geben.
Doch es war ihm egal. In diesem Moment zählte nichts mehr. Garnichts. Und das was er fühlte könnte kein Backroomhengst ersetzen.
Aber was er wusste war, dass er es auch nicht wollen würde.
Nicht wissend was dies überhaupt für seine Zukunft bedeutete.
"Du musst etwas essen Justin." Brian war der Verzweiflung nahe. Niemand hatte ihm gesagt es würde so schwer werden den Jungen überhaupt nur zum essen zu bewesen. Was würde denn sonst noch auf ihn zu kommen wenn diese einfache fast schon selbstverständliche Angelegenheit zur Tortour wurde.
Sie saßen schon seid geraumer Zeit am Esstisch in Brians Loft. Doch Justin weigerte sich die Nudeln die Brian mit großer Mühe und Flüchen zubereitet hatte.
Er war einfach kein Meister in Sachen Kochkünste.
Justin saß weiterhin still da und schaute auf den vollen Teller. Dann schüttelte er den Kopf.
Brian seufzte entnervt auf. Er nahm seinen Stuhl platzierte ihn direkt neben Justin der nun etwas erschrocken wirkte.
Was hatte der Prinz vor?
Doch Brian beruhigte ihn indem er ihn anlächelte und den Teller auf seinen Schoß nahm.
"Du hast noch eine einzige Chance. Entweder du wirst es selber essen oder ich werde es dir reinzwängen!" Brian schien langsam der Geduldsfaden zu reißen. Er merkte erst jetzt was er sich eigendlich für eine ernome Verantwortung da zugetragen hatte.
Doch er wusste es war das einzig richtige. Er hätte ihn nicht bei seinen brutalen und außerdem noch völlig naiven Vater lassen können. Damit hätte er einfach nicht weiterleben können.
Justin ließ diese Aussage erstmal auf sich wirken und schüttelte dann aber bestimmend den Kopf.
Er hatte keinen Hunger. Er fühlte sich einfach nur gut, Sein Kopf schmerzte von den ganzen Gedanken und ihm war übel. Es war einfach viel für einen autistischen Jungen der dazu auch noch an Trennungsängsten litt.
Und obwohl Brian ihn versichert hatte es wäre okay fühlte sich Justin nicht so...
Er glaubte immer mehr das sein Vater recht hatte. Das es nicht okay war. Das... das er einfach nicht okay sonst würden es doch nicht alle sagen oder?
Und er wünschte sich immer mehr seine Mutter wäre jetzt hier. Er vermisste sie und ihre sanfte Hand die ihn streichelte. Er wünschte sich sie würde kommen, zu ihm und Brian. Und würde hier im Prinzenschloss bleiben.
Justin hatte immer gedacht er würde glücklich sein wenn er erstmal den Prinzen gefunden hätte, doch er fühlte ich dennoch nicht gut.
Er war zwar froh das Brian da war. Hatte er ja nur noch ihn, was für einen Jungen mit Trennungsängsten eine enorme Stressituation darstellte, zu wissen, dass er niemanden mehr hatte bzw. zu wissen, dass er sich nun von Personen die er lieb hatte trennen musste.
Und er musste es. Von seiner Mutter.
Aber nicht von Brian... nicht von Brian oder?
Brian seufzte tief bevor er den großen Löffel nahm, ihn mit Nudeln und Tomatensoße füllte und ihn dann nicht ganz sanft in Justins Mund stopfte.
Justin war im ersten Moment erschrocken und schaute seinen Prinzen aus undefinierbaren Augen an. Er spukte die Nudeln wieder aus und sprang auf. Schnell lief er in die ihm immernoch sicher erscheinende Wohnzimmer Ecke von seinem ersten Besuch, und kauerte sich dort schutzsuchend zusammen.
Er mochte es garnicht wenn man etwas tat was gegen seinen Willen war. Er hatte Angst davor. So große Angst.
Brian schien noch nicht ganz realisiert zu haben was passiert war. Auch verstand er die Reaktion von Justin nicht.
Das Justin die Nudeln ausgespukt hatte war das eine, und das war für Brian noch recht verständlich, auch wenn er gehofft hatte dies nicht zu erleben.
Doch das Justin sich in die berüchtigte Wohnzimmerecke gekauert hatte schien für Brian keinen Sinn zu ergeben.
Stellte er etwa eine Gefahr da?
Justin dachte derweil krampfhaft nach wo sein Märchenbuch war. Er hatte es anscheinend in seinen Elternhaus vergessen. Er fühlte sich unsicher. Verletzlich und völlig hilflos und die Tatsache das er sein gewohntes Buch nicht dabei hatte machte alles nur noch schlimmer für ihn.
Er schaute sich ängstlich einen wollte er zu seiner Mutter aber zum anderen wollte er auch nicht Nachhause. Der Grund war einzig und allein sein Vater. Er hatte auch so schon Angst vor ihm... aber nun schien er noch größere Angst vor ihm zu empfingen, oder besser gesagt vor seiner Reaktion.
Denn sein Vater mochte es nicht wenn man ihm wiedersprach. Sein Vater mochte auch sein Märchenbuch nicht... Sein Vater mochte ebenfalls den Prinzen nicht. Und sein Vater mochte es nicht wenn von Zuhause weglief. Aber ganz wichtig war, sein Vater mochte seinen Autismus nicht...
Sein Vater mochte ihn nicht?
Brian wusste er könnte hier nur durch viel Fingerspitzengefühl, Zuneigung, viel Nähe und sanfte Worte punkten.
All das was ein Brian Kinney eben nicht konnte!
Doch nichts detrotz versuchte er es. Er hatte keine Angst zu scheitern. Er hatte nur Angst Justin würde es dadurch noch schlechter gehen.
Doch er versuchte garnicht erst daran zu denken. Denn das konnte warten.
Er hatte wichtigeres zu tun. Er hatte Justin!
Brian schritt ganz langam zu Justin der noch immer in der Wohnzimmerecke kauerte.
Er streckte langsam die Hand nach ihm aus, ganz gleich als wäre er ein verwundetes Reh.
Justin schien dies nicht zu gefallen. Er schaute seinen Prinzen ängstlich an und wimmerte laut.
Er mochte den hübschen Prinzen. Und er wusste alles war bei ihm okay... aber warum... ja warum fühlte er sich dann nicht so? Langsam zweifelte er an der Richtigkeit seiner selbst ernannten Theorie und immer wieder hallten die verletzenden Worte seines Vaters nach.
Als er daran zurückdachte fing er an zu weinen. Genauso wie seine Mutter es tat. Und er verstand nicht warum seine Mutter geweint hatte. Doch er verstand warum er weinte.
Denn er hatte Angst, große Angst. Und er fühlte sich alleine und zurückgelassen.
Seine Mutter hatte ihn verlassen, sein Vater hatte ihn verlassen, seine Schwester hatte ihn verlassen. Wer sagte dann nicht auch, dass sein Prinz ihn nicht verlassen würde?
Aber was Justin noch nicht verstand oder realisierte war, dass ER seine Familie verlassen hatte, und das der Prinz ihn nicht verlassen würde, wenn er es nicht tat oder wollte...
"Justin es ist okay. Schh." Brian sprach leise auf den Jungen ein und setzte sich dann in einiger Entfernung neben Justin, die Wand im Rücken.
Er ließ Justin erstmal mit dieser Umstellung klar kommen und sich ein wenig beruhigen. Er vermittelte ihn stumm, dass er keine Gefahr darstellte.
Und erst als Justin sich etwas beruhigt hatte und aufhörte zu wimmern, ihn stattdessen verunsichert anschaute fing Brian an zu reden.
leise um den Jungen nicht zu beunruhigen.
"Weißt du... es ist okay Angst zu haben..." Brian schaute Justin nicht direkt an "Und es ist auch okay wenn du jetzt weinst..." Er schaute zur Decke und seufzte einmal tief bevor er fortfuhr, keinen Blickkontakt zu Justin "Und es ist auch okay wenn du dich jetzt nicht so gut fühlst..."
Doch dann schaute er Justin tief in die Augen "Justin sieh mich an!" verlangte er wenn auch etwas rau.
"Und nimm dir das zu Herzen hörst du? Ich will das du das nie vergisst. Denn es wird dich immer begleiten. Wo du auch bist."
Er holte atmete tief ein und wieder aus.
"Du bist okay Justin!" er schaute ihn ungebrochen an. Er hatte nicht lange gebraucht um dies zu erfassen. Hatte nicht gezögert, als er es für richtig empfand es Justin mitzuteilen. Ehrlichkeit völlige Ehrlichkeit spiegelten seine Worte.
Doch Justin glaubte nicht wirklich daran. Er schaute Brian, seinen Prinzen fragend an.
Erwiedern konnte er nichts. Nicht jetzt.
"Du bist okay hörst du?" Brian wiederholte es und ihm traten Tränen in die Augen. Er versuchte nicht einmal sie zurückzuhalten. Er versuchte es nicht einmal.
Er wusste das Justin okay war, er wusste das Justin sich alleine fühlte und er wusste das Justin sein ganzes Leben lang schlecht behandelt wurde. Er wusste das Justin das nicht verdient hatte. Den Justin war okay. Und wenn dafür alle anderen nicht okay sein mussten
JUSTIN WAR ES!
Der Moment schien greifbar zu sein. Und dann geschah etwas worauf niemand gefasst war. Und das selbst nachdem Brian diese Offenbarung verkündigt hatte war er nicht darauf gefasst was Justin nun tat.
Er krabbelte zu seinen Prinzen schaute ihm tief in die Augen.
"Du bist auch okay!" Seine Stimme zeigte keine Unsicherheit Stottern. keine Zeichen von Autismus? Keine Zeichen von dem verängstigten Jungen von gerade eben war nicht mehr viel zu sehen.
Doch dann brach Justin weinend in Brians Armen zusammen. Er weinte seinen ganzen Frust aus, sein Glück, seine Trauer, seinen Schmerz aus.
Und Brian hielt ihn. Hielt ihn dicht an sich. Ließ ihn gewähren. Ließ ihn weinen, seine Schwächen offen zeigen.
Er fragte ihn nicht warum er weinte, redete nicht mit ihm, versuchte erst garnicht ihn zu beruhigen. Versuchte erst garnicht ihn zum schweigen zu bringen. Er trocknete weder seine Tränen ab noch kümmerte er sich darum, dass sein Shirt von Justins unbändigen Tränen nass wurde.
Denn Worte waren überflüssig. Das hatten sie gemeinsam.
