Brian hielt Justin noch lange danach in seinen Armen. Selbst als dieser eingeschlafen war.
Denn er hatte einen Entschluss gefasst. Und er konnte, so sehr er es auch versuchte, nicht dagegen ankämpfen.
Himmel!
Was war bloß los mit ihm? Mit dem Star aller Schwulenpartys, mit dem Sexsymbol der ganzen Liberty Avenue? Seit wann ließ er sich auf so ein Drama ein?
Was hatte er sich dabei nur gedacht? Immer mehr schossen ihm diese Fragen in den Sinn.
Und wenn er nun an seine Entscheidung dachte, da fiel es ihm schwer daran zu glauben, dass er es war, WIRKLICH ER es war, der so gehandelt hatte.
So verantwortungslos und völlig ohne Verstand...
Aber mit Herz?
Brian wusste nicht was mit ihm los war. Wie konnte ein 17 jähriger Junge ihm so den Kopf verdrehen? Er hatte ja noch nicht mal etwas sexuell erregendes mit ihm angestellt! Wie denn auch?
Brian versuchte seine Gedanken zuordnen, versuche immer mehr, nicht mehr so stark an seine Vergangenheit zu denken, sondern eher daran was er denn nun mit dem Jungen machen sollte?
Er konnte ihn doch unmöglich behalten.
Was um alles in der Welt hatte er sich denn nur gedacht?
Brian kam es immer mehr vor, dass seine Entscheidung die er bei den Taylors getroffen hatte, eher einer Kurzschlussreaktion glich.
Er erinnerte sich daran, wie sein eigener Vater ihm damals behandelt hatte und sah es dann vor seinem geistigen Auge, als Craig Justin derart zurechtgewiesen hatte. Und obwohl er nicht schroff war, waren seine Worte verletzender als jeder Faustschlag gewesen, den Justin hätte einkassieren können.
Denn es war etwas, was Justin nicht ändern konnte... Es war sein Autismus... Und dies war ER!
Brian versuchte, seine Gedanken etwas in den Hintergrund zu stellen und stattdessen darüber nachzudenken, was er denn nun anstellen sollte.
Er brauchte auf jeden Fall Hilfe! Einen Anwalt sowieso. Denn es wäre kein Wunder wenn er demnächst vor Gericht landen würde, wusste Brian doch, dass alles, was er tat, falsch war.
Aber warum, warum um alles in der Welt fühlte es sich so richtig an?
Seine ganze Lebensweise war zwar auch anders als die Lebensweise, die Heterosexuelle, oder auch bekannt als "normale Menschen" führten. Aber nur weil sie anders war, war sie deshalb gleich falsch?
Und nur weil Brian anders gehandelt hatte, als es eigentlich von ihm erwartet wurde, war es deshalb auch falsch?
Aber warum fühlte es sich dann so richtig an?
Sollte er auf sein Gefühl oder auf seinen Verstand hören?
Brian schaute nicht auf das schlafende Bündel auf seinem Schoß. Er versuchte weg zu blicken. Ihn auszublenden. Sein Gefühl, Körper an Körper, zu vergessen. Doch er konnte es nicht. Alles in seinem Kopf drehte sich nur um Justin. Drehte sich nur um ihn.
Was hatte dieser Junge nur mit ihm angestellt?
Er konnte keine klaren Gedanken fassen und war nicht mehr in der Lage, nach einem richtigen Kontext zu handeln. Er sah auf sein Ebenbild als wenn er auf ein Mal aus seiner eigenen Haut gewichen wäre, fast wie ein völlig anderer Brian
Bestes Beispiel: Warum hielt er ihn so nahe an sich? Wo er doch keine so offensichtliche Nähe duldete... aus Angst die Menschen könnten ihn manipulieren?
Aber taten es die Menschen nicht tagtäglich auch bei Justin? Und warum ließ er so offen die Nähe zu?
Ja, suchte sogar danach?
Denn auch bei Mikey umarmte er ihn nicht gleich wenn was sein sollte. Da genügte auch ein einfacher Schulterklaps und ein aufmunterndes Wort, und der allgemein bekannte Brian Kinney wäre wieder zurück. Und das, obwohl er Mikey ein Leben lang kannte.
Schon seid 15 Jahren, Wow... Brian dachte nicht oft darüber nach, aber wenn er schon dabei war, hatte er ja wirklich schon seit er klar denken konnte mit Michael gescherzt, gelacht, ja selbst geweint.
Denn bei Michael konnte er sich Schwächen erlauben. Schwächen die er sich bei keinem anderen erlauben wenn er sich bei niemanden Schwächen erlauben durfte, durfte er es dann bei Justin? Was machte ihn so anders als den Rest der Welt?
Was machte seine Nähe so speziell, so besonders... so...so okay?
Wie konnte dieses Bündel in seinen Armen einer 15 jähriger Freundschaft mit Michael standhalten, und ihm mehr an einem Tag geben, als dass er es in seinem ganzen Leben von allen Menschen die er bisher kannte bekommen hatte?
Ein Tag, und schon lachte,weinte, und wütete er in seiner Umgebung herum? Und haltet euch fest: Nur wegen ihm?
Nein... das war nicht er... es war nicht einfach nur er, es passte nicht zu ihm.
Zu jedem anderen aber nicht zu ihm!
Und zu Justin eigentlich doch auch nicht?
Warum ließ der Junge Brian so nah an sich heran? Warum vertraute er ihm so sehr? Nur weil er sein "Prinz" war? Aber so naiv konnte doch auch Justin nicht sein... Brian hätte alles mit ihm anstellen können... .
Brian wollte nicht länger darüber nachdenken, was wohl passiert wäre, hätte er Justin nicht die Nacht bei sich behalten... .
Und doch war es so verlockend einfach wieder zum alten Standard zurückzukehren.
Warum hätte er diesen Tag denn nicht einfach im Bett verbringen können? Es hätte so einiges einfacher gemacht.
Justin wäre sicherlich irgendwie wieder nach Hause gegangen... und wenn nicht, er wäre sicherlich gefunden worden...
Brian versuchte daran zu glauben, zweifelte aber schon nach kurzem an dieser Aussage.
Schließlich war der Junge von morgens bis abends in der Kälte gewesen.
Und wieder fühlte Brian flüchtig Justins Stirn. Vielleicht schlug der Kleine ja doch Fieber?
Wäre ja kein Wunder...
Aber ein Wunder war es, dass Brian sich darum kümmerte! Denn Justin war doch nicht seine Verantwortung oder?
Brian dachte nach und entschied sich für ein klares "Nein!".
Seine ganze Entscheidung war eine volle Kurzschlussreaktion gewesen. Er wusste selbst nicht was ihm an diesen Jungen so gefiel. Er war doch das komplette Gegenteil von ihm. Und das nicht nur vom Alter.
Außerdem könnte Brian ihm nichts bieten. Zwar hatte er genug Geld, doch nicht die passende Wohnung um zwei Menschen unterzubringen. Sein Loft war zwar groß, aber bestand eben nur aus einem großen Raum, unterteilt in mehrere Abschnitte. Es war eine Single Wohnung, und da gehörten weder Twinks, noch Familie, noch Freunde, noch autistische Jungs für immer rein.
Denn er lebte alleine! Er dachte nur an sich!
„No excuses, no apologies, no regrets."
Und Brian hatte sich offensichtlich nicht umsonst diese Aussage als sein berühmt und berüchtigtes Lebensmotto gemacht. Denn er hatte erfahren, dass wenn man sein Herz auf seiner Hand trug man immer verletzt werden würde. Immer! Daran gab es keine Zweifel.
Und Brian glaubte nun immer mehr daran, und wünschte sich einmal mehr daran gedacht zu haben, bevor er gehandelt hatte, denn dann wäre dieses ganze Dillema nicht passiert.
Denn Herzen zeigten immer den holprigen Weg an. Wenn man mit den Herzen spricht wird man immer verletzt. Immer.
Oder?
Brian war sich da selbst nicht mehr so sicher... er war müde und wollte der Welt einfach nur noch entfliehen. Ihm wurde immer mehr bewusst, was für eine enorme Verantwortung, durch seine leichtsinnige Entscheidung nun auf ihm lastete.
Himmel! Es war ja schon schwer genug, den Jungen überhaupt zum Essen zu bewegen! Oder zum Schlafen! Und wäre Justin nicht so erschöpft gewesen, hätten da sicherlich andere Töne aus Brian gesprochen, denn er hatte nun wirklich weder Nerven für eine Märchengeschichte, noch für irgendeinen Prinzen.
Denn er war nicht sein Prinz. Er war es nicht!
Er konnte es nicht sein...
Er war nicht der Richtige für Justin. Justin brauchte professionelle Hilfe, die Brian ihm nicht bieten konnte.
Er brauchte viel Geduld, Zeit und Zuwendung, was bei Brian auf Dauer auch ein enormes Problem darstellte, allein durch seine Agentur wäre dies gar nicht möglich!
Ebenfalls brauchte Justin Erfahrung,Halt und Verständnis.
Und Brian hatte weder das eine noch das andere. Er hatte zwar Verständnis für Justins Lage, doch er konnte sich nicht für immer damit herum schlagen. Er hatte ja nicht mal Erfahrung. Er kannte sich nicht aus mit Autismus, auch nicht mit Trennungsängsten. Weder hatte er die Zeit dies zu erlernen, noch dsich dauerhaft um Justin zu kümmern.
Selbst wenn, wie sollte er denn vor Gericht gewinnen? Er hatte nicht die besten Chancen... . Und das nicht nur weil er schwul war. Er war doch weder verwandt noch befreundet mit Justins Familie. Er kannte Justin kaum, noch kannte er sich mit seinem Krankheitsbild aus. Justin war minderjährig, und gehörte zu seinen Erziehungsberechtigten. Er hatte keine Chance... nicht mal Ansatzweise?
Es würde nicht gut gehen. Und er wollte Justin nicht verletzen.
Doch er hatte es schon.
Unwiderruflich. Und Brian wurde schmerzhaft bewusst, dass er das alles nicht mehr rückgängig machen konnte.
Und sooft er auch durch Sachen hindurch geschlüpft war, im wahrsten Sinne des Wortes, und sooft er sich auch irgendwie hindurch gemogelt hatte, er würde diesmal auf seine Kosten kommen.
Doch wieso mussten es auch Justins sein?
Brian tat es weh... er konnte sich nicht länger belügen. Ihm bedeutete dieser Junge etwas. Er berührte ihn da wo ihn noch nie jemand berührt hatte. In seinem ganzen Leben hatte er noch nie etwas derartiges gespürt. Und er wusste, er war in dem Sinne nicht erfahrener als Justin.
Denn er hatte noch nie Liebe empfunden. Und ihm wurde schmerzlich bewusst, dass man dieses Gefühl nicht betäuben konnte. Man konnte es nicht heilen, nicht heraus zwängen oder verdrängen. Es würde ihn immer begleiten...
Für immer und ewig?
Brian schaute nochmals auf die unschuldig schlafende Gestalt in seinem Schoß. Er zog ihn näher zu sich. Umarmte ihn fordernd aber dennoch sanft.
Hauchte ein "Es tut mir leid" in sein Ohr.
Und er unterdrückte jede einzelne Träne, jeden einzelnen Laut der ihn verraten könnte.
Denn er war Brian Kinney. Und ein Brian Kinney weinte nicht. Und liebte nicht?
Brian schob Justin sanft von sich und trug dann seinen erschlafften Körper in sein eigenes Bett. Ja, er ließ ihn selbst auf seiner eigenen Bettseite weiterschlafen.
Er schaute nach draußen und dachte daran, dass es sowieso erst 14 Uhr war, und er sicherlich noch nicht jetzt schlafen würde. Doch er konnte es Justin auch nicht verübeln. War er doch ziemlich erschöpft von den ganzen Trubel. Und irgendwo hatte er mal gehört, dass sich Menschen im Schlaf mit Stresssituationen auseinandersetzten. Vielleicht würde Justin dies gerade tun?
Er hoffte es. Denn er wusste nicht wann seine Fassade brechen würde. Er konnte nicht der verständnisvolle, sanfte Brian Kinney bleiben. Das war nicht er. Und selbst wenn es sich richtig anfühlte, wusste er, dass er es nicht durchhalten könnte.
Denn wer sein Herz auf seinen Händen trug, wurde verletzt. Und er hatte es getan, als er Justin aufgenommen hatte, und nun hatte er das Dilemma.
Brian atmete noch einmal tief durch. Er brauchte Zeit zum Nachdenken. Auch wenn er es nicht gerne zugab, die ganze Sache schien ihm über den Kopf zu steigen. Und sein Verstand mogelte ihm die Lösung vor seinen Augen, doch sein Herz machte ihn blind.
Zeit zum Lieben?
Langsam, um Justin nicht im Schlaf zu stören, zog er ihm Schuhe,Socken,Hose und T-Shirt aus.
Danach deckte er ihn zu und faltete die Sachen ordnungsgemäß, bevor er sie auf die andere Bettseite ablegte.
Und wieder einmal wurde Brian bewusst, wie verantwortungs- und gewissenlos er gehandelt hatte.
Der Junge hatte ja nicht mal Wechselsachen dabei. Keine Zahnbürste, oder seine privaten Sachen, wenn er denn außer dem Märchenbuch noch etwas so derart wichtiges besaß.
Er wusste nicht mal, was Justin gerne aß. Nudeln anscheinend nicht.
Aber das war ja wohl die Kleinste aller Sorgen.
Brian musste unbedingt überlegen, wie er den Tag überstehen sollte. Er musste den Jungen zum Essen bewegen. Denn er trug nun, ob er es wollte oder nicht, die Verantwortung für den Jungen. Wenigstens bis er wusste, wie er mit ihm weiter vorgehen würde.
Denn bei ihm bleiben konnte er nicht. Vorübergehend vielleicht, aber doch nicht für immer!
Und Brian musste sich eingestehen, dass er einfach Angst hatte, er würde seine Aufgabe nicht meistern.
Aber am meisten... er würde sich noch mehr verlieben?
Ohne zu wissen, dass er schon unsterblich und bedingungslos in Justin verliebt war.
Denn Liebe kannte keine Grenzen. Und da war es egal ob es einen sexsüchtigen,egoistischen Brian Kinney oder einen autistischen, schüchternen Jungen namens Justin Taylor treffen würde.
Denn genauso wie Familie nicht beim Blut aufhörte, hörte Liebe nicht beim Verstand auf.
Da gab es schon weitaus mehr.
Brian hatte noch immer Justins Handy und überlegte, vielleicht ein Gespräch mit Mister Taylor zu führen.
Doch er vergaß den Gedanken schneller als er ihn überhaupt fassen konnte. Denn er hatte genug gehört. Mehr als nötig sogar.
Justin konnte, nein, durfte nicht zu diesem Craig zurück. Dessen Verhalten hatte er einfach nicht verdient. Genauso wie Brian Jacks Verhalten nicht verdient hatte?
Eine weitere Gemeinsamkeit?
Brian betrachtete die schlafende Gestalt und ohne es verhindern zu können bildete sich ein leichtes Lächeln, auf dem sonst so markanten, ernsten Gesicht.
Dieser Bengel schaffte selbst den berühmt und berüchtigten Brian Kinney!
Dieser schritt jetzt langsam wieder in den Wohnraum und ließ sich völlig erschöpft auf die Couch sinken.
Er bereitete sich schon mal mental auf einen Gerichtsbeschluss vor. Er wusste, dieser Craig würde ihm das nicht durchgehen lassen.
Er und sein Bild von einer scheinheiligen Familie. Denn in Wirklichkeit war seine Familie doch genauso kaputt wie Brians eigene.
Und da hatten die beiden wieder etwas gemeinsam.
Brian brauchte auf jeden Fall einen Anwalt. Er brauchte ebenfalls die Hilfe seiner Freunde. Denn ob er es nun zugeben mochte oder nicht. Er schaffte es nicht alleine.
Und er fluchte leise, aber nur um Justin nicht wecken, aber dennoch so effektiv wie möglich auf, als er daran dachte, dass er Melanie um Hilfe bitten müsste.
Denn sie hassten sich wie Hund und Katz. Und noch schlimmer!
Brian stöhnte frustriert auf. Er hasste es Hilfe zu verlangen. Und dann auch noch von ihr!
Aber er hatte wohl keine andere Möglichkeit.
Er könnte sich zwar auch einen anderen Anwalt nehmen, jedoch verwarf er den Gedanken schnell wieder.
Er konnte sich nichts vormachen. Er brauchte Melanie. Er brauchte einfach ihre Hilfe, denn niemand setzte sich so sehr für Schwulenrechte ein wie sie. Und ebenfalls kannte sie seinen Lebensstil, als auch Lebensweise. Aber sie wusste dennoch, wie sie diesen vor Gericht verschönerte.
Aber diesmal ging es schließlich um Kindesentzug und nicht um Schwulenrechte... würde ihm da noch Melanies ausgeprägtes Verteidigungssystem helfen?
Denn Mel war eben eine gute Anwältin. Und Brian kam nicht darum herum, sie um Hilfe zu bitten.
Bei dem Wort "bitten" musste er nochmal hart schlucken.
Brian machte sich da weniger Gedanken um den Rest der Community. Diese müsste nur einmal in Justins süßes Gesicht und in seine aufrichtigen Augen sehen, und sie würden sich in ihn verlieben. Da war sich Brian sicher.
Er gluckste auf, als er an Debbies bevorstehende Reaktion dachte. Sie hätte dann endlich wieder jemanden, den sie mit ihren Leckereien verwöhnen könnte.
Und das war Brian ganz recht so. Denn wenn sie es schaffte, den Bengel zum Essen zu bewegen, dann brauchte er es schließlich nicht tun.
Brian wurde langsam bewusst, wie sehr er eigentlich an seine Freunde angewiesen war, und wie sehr er sie mochte. Denn was würde er gerade jetzt ohne sie machen?
Auch, wenn noch niemand von Brians Problem wusste, erleichterte es ihn, zu wissen, dass er nun nicht alleine da stand.
Denn er war nicht alleine.
Und umso mehr dachte er daran, wie sich wohl Justin jetzt fühlen müsste.
Alleine, ohne seine Familie beziehungsweise seiner Mutter, weswegen er sogar im Auto geweint hatte?
Und da fiel es Brian wie Schuppen von den Augen!
Was hatte er da eigentlich getan? Seit wann um alles in der Welt war er so nah am Wasser gebaut? Und seit wann zeigte er so viele Gefühle an einem Stück? Einem Jungen, den er seit einem Tag kannte!
Und Brian wurde es nun bewusst. Er wusste es mehr als alles andere auf der Welt.
Er war sich so sicher, er hätte seine Hand jederzeit dafür ins Feuer gelegt, und noch mehr!
Er wusste es. Ob es ihm nun gefiel oder nicht, war eine völlig andere Sache. Aber er wusste es. Und das konnte er zwar anderen verleugnen, aber sich selber nicht.
So sehr er es auch versuchte zu unterdrücken oder einfach nur davon weg zu kommen, da war nichts auszurichten.
Und Brian wusste es. Und er sagte es laut, im Gewissen daran, dass ihn sowieso keiner hörte.
Er richtete sich auf dem Sofa etwas auf. Überdachte alles nochmal. Überdachte... war er sich wirklich sicher?
Er stand langsam auf ging mit kleinen Schritten zum Bett. Brauchte lange um dort anzukommen, denn er war immer wieder stehen geblieben, aus Angst vor dem Entschluss.
Vor dem endgültigen Entschluss.
Er schritt weiter und stellte sich neben Justin, der noch immer unschuldig schlief.
Brian schaute auf das hübsche Jungengesicht herunter. Er dachte nach. Lange und ausgiebig. Er ließ sich Zeit. Alle Zeit der Welt.
Überdachte alles lieber einmal zu viel, als einmal zu wenig.
Er schaute noch ein letztes Mal in Justins Gesicht. Auf seine geschlossenen Augen, die im wachen Zustand Meeren glichen.
Und schloss die Augen.
Er öffnete sie wieder.
Ja er war sich sicher. Und es gab kein Zurück mehr. Denn es war entschlossen.
Bedingungslos und unwiderruflich.
"Du bist okay!"
Und obwohl es nur ein einziger Satz war. Ein einziges Geständnis, hatte es mehr Aussagekraft, mehr Macht und mehr Ehrlichkeit in sich, als alles was Brian in seinem Leben gesagt,getan und gehört hatte. Und er musste nicht verstehen, warum es so war. Es war ihm bei näherer Betrachtung eigentlich auch egal. Denn er ließ es zu.
Jedes Geständnis würde nie diesem hier gleichen.
Denn es spiegelte völlige Ehrlichkeit wieder. Und Brian wurde langsam aber sicher bewusst, dass er es mit mehr als nur Craigs und Justins Autismus aufnehmen musste.
Doch er fasste dennoch einen Entschluss.
Einen letzten klaren Entschluss, bevor seine Gedankenwelt in ein wirres Spektakel herüber schwamm.
Er fasste einen Entschluss. Und dieser war endgültig. Er musste es tun. Er konnte nicht anders. Und er musste aufhören sich zu belügen. Denn er schaffte es nicht, die Fassade weiter aufrecht zu erhalten.
Es glich einem Tornado der Brian überrollte. Einen Hurrikan, der aus dem Nichts erschien. Doch Brian gab nicht nach, fiel nicht um.
Er stand fest auf seinen Beinen.
