Kapitel 17

„Von wem ist es ?", fragte Hermine voller Neugier und sah auf das Pergament. Harry schaute auf und reichte es ihr ratlos.

„Keine Ahnung Hermine. Es ist kein Absender darauf." Erwiderte Harry und sah plötzlich eine leichte Sorge in den Augen seiner besten Freundin.

Auch Ron runzelte nun die Stirn. Denn wer könnte was von seinem besten Freund wollen und schrieb dann nicht, wer es sei. Vielleicht war es ja eine Falle der Slytherins ? Doch zum Glück gab es ja Hermine. Der Lockenkopf betrachtete die Nachricht nun sehr genau und mit einem Funkeln der Erkenntnis lächelte sie Harry zu zurück.

„Keine Sorge Harry, ich glaube nicht, dass der Absender dieser Nachricht etwas Böses von dir will. Es ist schließlich Professor Mc Gonnagal."

Überrascht sah Harry Hermine an und dann auch das Pergament. Seine Freundin hatte Recht. Es war Mc Gonnagals Handschrift. Wie oft hatte er sie schon unter seinen Aufsätzen gesehen und nun doch nicht erkannt. Harry schaute zum Lehrertisch hoch und sein Blick traf auf den der neuen Direktorin. Mc Gonnagal nickte ihm unmerklich und gütigem Gesicht zu und Harry erwiderte, dass er verstanden habe.

Zehn Minuten später, die Lehrer und Vertrauensschüler waren dieses Jahr wirklich fix, standen also nur noch Harry und die Direktorin inmitten der Großen Halle. Und der Gryffindor wurde mit jedem Schritt, den die alte Hexe auf ihn zu kam, nervöser. Was wollte Mc Gonnagal nur von ihm ? Schließlich hatte Harry keine Ahnung, was er möglicherweise falsch gemacht haben soll.

„Schön Mr. Potter, dass sie es einrichten konnten, noch kurz zurück zu bleiben. Ich weiß ja, dass es am ersten Abend in Hogwarts immer eine Menge Dinge zu besprechen gibt. Doch mein Anliegen ist auch von gewisser Bedeutung und ich hoffe doch, ihre letzten Ferientage waren angenehm ?"

Harry nickte leicht und entspannte sich ein wenig, da es doch nicht ganz so schlimm sein konnte. Mc Gonnagal wäre sonst nämlich schon längst zum Punkt gekommen.

„Wie ich eben schon sagte, wollte ich etwas mit ihnen besprechen. Doch dafür sollten wir in mein Büro gehen."

Mit diesen Worten bedeutete die Direktorin Harry ihm zu folgen und beide verließen die Halle in Richtung von Dumbedore´s alten Büros. Auf dem Weg dahin beobachtete Harry die ältere Hexe, welche vor ihm lief, genau. Denn irgendetwas schien sie zu bewegen. Als sie schließlich an einer alten, schweren Eisentür vorbei kamen und man merkwürdige Geräusche hinter ihr hörte, passierte es dann zum ersten Mal. Mc Gonnagal wollte nachsehen, was den Radau verursachte und musste feststellen, dass die Tür sich, trotz mehrerer starker Zauber, nicht öffnen ließ.

„Nicht schon wieder", murmelte Mc Gonnagal leise zu sich selbst, doch Harry verstand sie und fragte, was sie damit gemeint hat. Die alte Hexe sah Harry nachdenklich an und machte danach etwas, dass Harry nun so gar nicht von ihr gewöhnt war. Mc Gonnagal atmete tief ein und sprach zu Harry, als wären sie nicht Lehrer und Schüler, sondern alte Freunde.

„Ach weißt du Harry, immer öfter kommt es mir so vor, als würde Hogwarts mich nicht als Direktorin akzeptieren. Ich weiß, es klingt für dich vielleicht komisch, doch es gibt Orte, die mir das Schloss verwehrt. Und dies sollte nicht so sein. Schließlich bin ich vom Ministerium bestätigt worden und sollte damit überall Zugang und Befehlgewalt hier im Schloss haben. Manchmal zweifle ich sogar an meinen Fähigkeiten und dies, obwohl mich Albus persönlich als seine Nachfolgerin bestimmt hat."

Harry sah seine frühere Hauslehrerin mit großen Augen an. Und dies nicht nur, weil sie so offen mit ihm sprach. Nein, es war die Tatsache, dass Mc Gonnagal plötzlich so menschlich auf ihn wirkte. Er sah sie an und erinnerte sich plötzlich an einen Satz den Dumbledore mal verwendet hatte.

Denn sein einstiger Mentor sagte damals, als sie über die Ablehnung von Tom Riddle als Lehrer sprachen, dass es in Hogwarts zu viele Geheimnisse gab, als dass man Voldemord hier längere Zeit verweilen lassen dürfte. Ja Dumbledore selbst hatte in Harrys viertem Jahr zu Igor Karkaroff gemeint, dass nicht einmal er selbst, sich anmaßen würde, alle Geheimnisse Hogwarts zu kennen. Und Harry hatte dem alten Zauberer schon damals geglaubt. Immerhin war das Schloss beinahe über tausend Jahr alt und wurde einst von den vier größten Zauberern und Hexe, die die Welt gesehen hat, gegründet.

Warum aber Mc Gonnagal so besorgt war, darauf konnte sich der Gryffindor keinen Reim machen. Alles was ihm blieb war, ihr Mut zuzusprechen und sie vielleicht auch ein wenig zu unterstützen.

Den Vorfall mit der Tür hinter sich lassend, waren die Zwei, nach einem kurzen Fußmarsch, vor dem Gargoyle, der die Treppe zum Büro des Direktors bewachte, angekommen. Mc Gonnagal sprach das Passwort und sie gingen hinauf. Dort bot die alte Hexe Harry einen Platz an und verschwand im darauffolgenden hinter einer kleinen Tür, direkt neben der nun verwaisten Stange von Fawks.

Beim Gedanken an den treuen Phönix von Dumbledore und die Umstände seines Todes, traten einige Tränen in die Augen des Schwarzhaarigen. Wie konnte Snape so etwas Grauenvolles nur tun. Phönixe galten als Wesen des Lichtes und jeder, der ein solches Tier tötete, sollte nach Harrys Meinung ein ebenso verfluchtes Leben haben, wie beim Töten eines Einhorns.

Nach einigen Sekunden, in denen Harry völlig in Gedanken versunken war, wanderte sein Blick durch den Raum. Kaum etwas hatte sich verändert. Mc Gonnagal wollte es wahrscheinlich auch gar nicht. Immer noch gab es die vielen silbernen Instrumente auf ihren storchbeinigen Füßen. Lediglich einige persönliche Sachen von Professor Mc Gonnagal und das Portrait des schlafenden Albus Dumbledore schienen neu zu sein.

Harry betrachtete den schlafenden Zauberer mit nachdenklichem Gesicht und fragte sich insgeheim, wie es wohl ist, wenn man stirbt und später als sein Bildnis irgendwo aufwacht. Und wieso gab es gleich mehrere Gemälde von Dumbledore hier im Schloss ? Die Antwort darauf kam von Professor Mc Gonnagal, die wieder ins Zimmer getreten war und Harrys fragenden Blick bemerkte.

„Ich denke, es war in seinem Sinne. Ich meine das Bild in der großen Halle. Albus hat stets seine Schüler geliebt und ihnen gern zugesehen, wenn sie unbeschwert in der Halle saßen und gemeinsam mit ihren Freunden gegessen haben."

Harry drehte sich zu Mc Gonnagal um und bemerkte, dass sie mehrere Sachen in ihren Händen hielt. Er erkannte eine hölzerne Schatulle, einen gelblich alt aussehenden Brief und zu seiner großen Überraschung, Dumbledore´s altes Denkarium. Was wollte Mc Gonnagal gerade jetzt damit ?

Harry sah die alte Hexe mit fragendem Blick an und verfolgte ihren Weg hinter den großen Arbeitstisch. Dort stellte die Direktorin die Gegenstände ab und blickt auf. Sie sah verwundert zu Harry und runzelte etwas die Stirn. Denn der Schwarzhaarige machte nun etwas, dass wirklich sonderbar war.

Harry bekam davon allerdings nicht ganz so viel mit. Denn seine Aufmerksamkeit galt binnen einer Sekunde nicht mehr den Dingen, die Mc Gonnagal auf dem Tisch abgelegt hatte. Nein, sein Blick hing an einer kleinen silbernen Schale, welche gefüllt war mit jeder Menge Zitronendrops. Aus irgendeinem Grund fühlte sich Harry mit aller Macht zu den kleinen Süßigkeiten hingezogen. Unaufhaltsam wanderte seine Hand in die Richtung der Schale und Harry, der in seinem bisherigen Leben noch nie einen der Drops von Dumbledore angenommen hatte, konnte sie förmlich auf seiner Zunge schmecken.

„Mr. Potter, Harry, ist alles mit ihnen in Ordnung ?"

Harry zuckte zusammen und sah leicht verlegen zu Mc Gonnagal auf.

„Ähm … na ja, … ich glaub schon", stammelte der Schwarzhaarige und schüttelte die Gedanken an die Zitronendrops aus seinem Kopf. Er schaute nun auf die drei Gegenstände vor sich und fragte die Direktorin war dies alles sei. Mc Gonnagal lächelte schwach und setzte sich hinter den Schreibtisch und begann zu erklären.

„Also, Harry, dies hier alles ist für dich. Es wurde während der Ferien hier im Büro gefunden, mit einer beigelegten Bitte, dir alles zukommen zu lassen. Es ist noch so ein Mysterium, welches Dumbledore´s Tod umgibt."

„Mysterium ?", fragte Harry, der die Wortwahl der Direktorin nicht so ganz verstand.

„Ja Mysterium, Harry. Jedenfalls sehe ich dies so, nachdem ich mir die ganzen Ferien so meine Gedanken machen konnte. Denn Albus Tod, einer der größten Verluste, die man in diesen schwierigen Zeiten, erfahren konnte, ist in meinen Augen zu verworren, als dass man ihn auf einen einfachen Verrat zurückführen kann."

Mc Gonnagal hatte nun einige Tränen im Gesicht und versuchte sie wegzuwischen. Dann fuhr sie mit leiser Stille fort. „ Ich meine, Albus und Severus, die beide kannten sich, seit dem sie Schüler und Lehrer waren. Severus hat immer zu ihm aufgesehen und Dumbledore wiederum hat ihm stets vertraut. Wie konnte er dies nur tun ?"

Harry sah die vor ihm nun weinende Hexe mit traurigen Augen an und ihm wurde mit einem Schlage bewusst, wie tief doch die Verbindung, die Freundschaft, zwischen Dumbledore und Mc Gonnagal reichte. Er stand auf und ging um den Tisch herum.

„Keine Sorge Professor..", sagte er sanft und legte beruhigend seine Hand auf ihre Schulter. „Wir werden es auch ohne Professor Dumbledore schaffen. Und was Snape angeht, niemand wusste wirklich, was in diesem Mann vor sich ging. Alles was ich erfahren durfte war, dass er stets machthungrig und voller Vorurteile gegenüber den Leuten, die nicht so dachten wie er, war."

Mc Gonnagal schaute auf und versuchte leicht zu lächeln. Dabei traf ihr Blick auf Harrys Hand und der Schwarzhaarige zog sie verlegen und leicht errötend zurück. Danach sah er rasch in Richtung der Fenster und fuhr fort.

„Wissen sie Professor, Peter Pettigrew sagte einmal, dass der dunkle Lord über Mächte verfügt, die es manchen Menschen unmöglich macht, ihm zu wiederstehen. Vielleicht sollten wir es Professor Dumbledore und Snape in ihrem jetzigen Leben überlassen, die Sache zu klären."

Harry bemerkte, dass Mc Gonnagal ihn plötzlich überrascht ansah und leise vernahm er auch ihre Frage.

„Pettigrew ? Peter Pettigrew ? Mr. Potter woher kennen sie diesen Namen ? Und wie wollen sie etwas aus seinem Munde gehört haben."

Harry sah die Direktorin nachdenklich an und verstand, dass Dumbledore ihr zwar im Zuge des Ordens gesagt hatte, dass Sirius unschuldig war. Jedoch nie die Geschichte seiner Flucht verraten hat. Dies wäre wohl bei Snape nur noch mehr Öl ins Feuer gewesen.

„Nun Professor", sagte Harry zögerlich. „Dies ist wohl eine Geschichte, die ich ihnen später mal erzählen werden muss."

Damit wanderte sein Blick wieder zu den Gegenständen auf dem Tisch und er fragte Mc Gonnagal, ob sie wisse, was es damit auf sich habe. Die alte Hexe sah den Schwarzhaarigen über ihre Brille hinweg an und sagte,

„Nun Harry, was ist dem Brief und in der Schatulle ist, kann ich dir nicht darüber sagen. In den Anweisungen von Albus stand nur, man solle es dir übergeben. Was aber das Denkarium angeht, da meinte er, du wüsstest schon, es weise zu nutzen. Und schließlich war da dann noch die Bitte, nein es klang eher wie eine Anweisung, ich solle dir Harry und auch Ms. Granger uneingeschränkten Zugang zur Bibliothek und zu jedem Buche hier in Hogwarts gewähren."

Auf diese Aussage hin musste Harry erst mal ein wenig schlucken und dann schlich sich ein Lächeln auf sein Gesicht. Die Bibliothek, ohne Beschränkung, das musste wohl der Himmel auf Erden für seine beste Freundin sein. Harry fragte sich schon, ob man Hermine jemals wieder aus den Gewölben von Regentin Price bekäme.

Auch Professor Mc Gonnagal schien ähnlich Gedanken zu haben, denn sie lächelte ebenfalls kurz. Dann wurde sie allerdings etwas ernster und sah Harry direkt an.

„Harry, was ich dir jetzt sage, bezieht sich nicht nur auf meine Verpflichtung als Direktorin dieser Schule. Sondern auch darauf, dass ich deine Eltern sehr gut kannte und schätzte. Du, und egal was es ist, kannst jederzeit zu mir kommen. Ich weiß zwar, dass ich niemals an die Weisheit von Albus Dumbledore heranreichen werde. Doch ich verspreche dir, soweit es in meiner Macht steht, immer ein offenes Ohr zu haben.

Harry sah die ältere Hexe mit großen Augen an. Sei es nun durch die Erwähnung seiner Eltern, oder weil Mc Gonnagal erneut in ihrer ungewohnt menschlichen Art gesprochen hatte. Der Schwarzhaarige nickte verstehend und sagte leise „Danke". Danach blickte er auf die große Wanduhr, rechts vom Arbeitstisch und stellte fest, dass es schon fast elf geworden war.

„Ähm Professor, ich sollte vielleicht gehen. Ich möchte ja nicht gleich am ersten Tag Punkte von Gryffindor verlieren."

Professor Mc Gonnagal lächelte und meinte, dass die Lehrer bescheid wüssten. Und, dass sich Harry keine Sorgen machen brauchte, da ja der einzigste Zauberer, der niemals mit sich reden ließ, nicht mehr hier ist.

Harry wusste sofort, dass Snape damit gemeint war und dass es für diesen eine Freude gewesen wäre, ihn, Harry Potter, nach der Sperrstunde noch auf dem Flur vorzufinden. Trotz alledem verabschiedete sich Harry von der Direktorin, warf einen letzten Blick auf den schlafenden Albus Dumbledore, die Schale Zitronendrops und ging mitsamt seinen neuen Erbstücken des alten Zauberers in Richtung Gryffindorturm.

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Harry lief die Gänge des Schlosses entlang und seine Gedanken waren immer noch bei dem eben geführten Gespräch. Er schaute während des Laufens auf die Gegenstände in seinen Händen und fragte sich was dies alles zu bedeuten hatte. „Mysterium", hatte Mc Gonnagal gesagt, als sie vom Tode Dumbledore´s sprach. Aber war es dies wirklich, ein Mysterium ? Nein, Harry wusste es besser. Es war Mord gewesen. Er war dabei und hatte es gesehen. Hatte zuschauen müssen wie Snape den Todesfluch sprach. Hatte gesehen welcher Hass und welche Wut in den Augen des Todessers funkelte, als der grüne Blitz sich vom Zauberstab löste.

Dann kamen Harry aber auch wieder Snapes Worte in den Sinn. Die Worte, welche der Mistkerl zu seiner Verteidigung hervorbrachte. Worte die immer noch in Harrys Kopf hallten. Worte wie, Dumbledore wäre nie wehrlos gewesen oder man dürfte ihn nicht als Heiligen sehen. Dies alles ließ Harrys Wut auf den nun toten, ehemaligen Zaubertranklehrer erneut aufflammen. Und so merkte der Gryffindor nur dunkel, dass er vor dem Portrait der fetten Dame angekommen war.

„Mut zur Wahrheit", sagte Harry leise und die übergewichtige, rosagekleidete Frau schwang mit einem Gähnen zur Seite. Harry war echt froh, dass Mc Gonnagal ihm noch im letzten Moment das Passwort hinterher gerufen hatte. Denn daran, dass seine Mitschüler schon zum größten Teil im Bett liegen könnten, daran hatte er in diesem Moment nicht gedacht.

Harry trat schwer beladen, und dadurch mit etwas Mühe, durch das Portraitloch in den Gryffindorgemeinschaftsraum und ward überrascht doch noch jemanden vorzufinden. Es war Damion, der, noch immer in seinen Reisesachen, am Kamin saß und in etwas schrieb, was Ähnlichkeit mit einem Tagebuch hatte. Der Braunhaarige schien Harry allerdings nicht gleich zu bemerken und so ging Harry langsam zum Kamin rüber.

„Na, Angst nach oben zu gehen ? Oder haben sie dich gleich aus dem Schlafsaal verbannt ?" Fragte Harry mit der Gewissheit im Hinterkopf, dass sein rothaariger Freund allen von ihrem ersten Treffen im Zug berichtet hat.

Damion zuckte erschrocken zusammen und klappte rasch das kleine ledergebundene Büchlein zu. Zusätzlich steckte er es noch zwischen sich und die Sessellehne und sah danach Harry mit großen Augen an. Der Gryffindor konnte nicht anders und musste schmunzeln.

„Ähm nein, nicht wirklich", sagte Damion, nachdem er sich gefangen hatte. „Allerdings wurden mir die Fragen und Blicke deiner Freunde ein wenig zu viel."

Harry hob die Augenbrauen leicht und Damion sagte schnell, „Du weißt schon, wegen meinen Augen." Der Schwarzhaarige verstand und meinte, „ja, besondere Merkmale können manchmal ein Fluch sein."

Dabei deutete Harry sachte auf seine Stirn und beide lachten kurz auf. Dann ließ sich Harry in den Sessel neben Damion fallen und sagte,

„Aber du musst zugeben, dass sie schon etwas ungewöhnlich sind. Deine Augen meine ich."

Damion schaute Harry nachdenklich an und antwortete nach wenigen Augenblicken,

„Das stimmt Harry. Aber ich hab mich in den letzten Wochen an sie gewöhnt..."

„Die letzten Wochen ?", fragte Harry überrascht dazwischen.

„Ja, Harry, normalerweise habe ich braune Augen. Doch irgendwann, es muss so im März gewesen sein, hatte ich einen kleinen Unfall mit einem Zaubertrank..."

Damion sah, wie Harrys Augen immer größer wurde und sich in ihnen zum Teil Entsetzten, aber auch Mitleid wiederspiegelte. Deshalb wiegelte er schnell ab.

„Keine Sorge Harry, ich hab´s überlebt. Nur war der Unfall doch sehr erheblich und ich lag, wie mir Dad gesagt hat, gut zwei Monate im Koma. Die Heiler hielten es für angebracht, damit sich meine Narben, die Knochen und auch alle anderen Wurden wieder vollkommen verheilen konnten. Ich muss wirklich schlimm ausgesehen haben und meine Dad meint sogar, es ist vielleicht besser, dass ich mich an den Vorfall und die Zeit danach, nicht wirklich so richtig erinnern kann."

Harry war immer noch ein wenig von der Rolle, als Damion mit seiner Ausführung endete. Soviel hatte der Schwarzhaarige nicht gedacht, noch heute abend zu erfahren. Doch dann wiederum war Harry froh darüber. Es gab also noch jemanden dessen Leben in letzter Zeit nicht nur reines Zuckerschlecken gewesen war und so brannte Harry nun nur noch eine Frage auf der Zunge. Etwas, dass der Gryffindor unbedingt noch wissen musste, bevor er seinem Gegenüber ein wenig aufgeschlossener werden konnte.

„Du Damion, ich weiß, wir hatten heute im Zug vielleicht einen schlechten Start. Doch da ich in den letzten Wochen auch eine Menge durchgemacht habe, bin ich halt ein bisschen vorsichtiger geworden. Deshalb gibt es da noch ein, nein zwei Dinge, die ich gern wüsste."

Der Braunhaarige sah Harry mit leicht gerunzelter Stirn an und wollte zwei Sekunden später den Gryffindor dazu auffordern, seine Fragen zu stellen, als er plötzlich in seinen Bewegungen stockte und seine Augen suchend durch den Raum gingen. Dann hob er zusätzlich seine Nase in die Luft und meinte dann zu Harry.

„Weißt du Harry, vielleicht hast du Recht. Und vielleicht war mein Auftreten auch nicht ganz das, was ich sonst getan hätte. Doch ich denke, wir sollten mit dem Beantworten deiner Fragen noch einige Augenblicke warten und Hermine zu uns herunter bitten. Vielleicht will sie ja auch was beisteuern."

Harry sah den Braunhaarigen überrascht und fragend an und wandte dann seinen Blick in Richtung der Treppe zu den Mädchenschlafsälen. Von dort kam eine noch leicht verschlafen wirkende Hermine hereingeschlurft und sah ebenso überrascht in den Raum.

„Harry, was macht ihr noch hier unten ? Habt ihr mal auf die Uhr geschaut ?" Fragte der Lockenkopf und wischte sich mit der rechten Hand vorsichtig den Schlaf aus den Augen. Eigentlich war Hermine ja nur aufgestanden, weil der Kürbissaft vom Willkommensfest gedrückte hatte. Doch dann waren da die Stimmen aus dem Gemeinschaftsraum an ihre Ohren gedrungen und weil sie Harry erkannt hatte, war sie ihnen auch gefolgt. Hermine stand nun also mitten im Gemeinschaftsraum und wartete auf eine Antwort auf ihre als Vertrauensschülerin gestellte Frage.

Eine Antwort blieb allerdings aus. Denn alles was dem Lockenkopf entgegenstach, waren die beiden immer roter werdende Gesichter der zwei Jungen. Bei Harry noch mehr, als bei Damion und somit war es dann auch der Braunhaarige, der anfing amüsiert zu grinsen, kurz pfiff und sagte,

„Eyh man ich glaube der Hut hat doch eine gute Wahl getroffen. Ich meine, ich habe schon vom überragenden Mut der Gryffindors gehört, aber das ist... ist... boar"

Hermine sah Damion fragend an und bemerkte erst im nächsten Moment beiläufig, dass der Blick ihres besten Freundes, nämlich der von Harry, nicht wirklich bei ihr auf Augenhöhe war. Sie schaute kurz an sich herab und im nächsten Moment hallte ein lautes „SHIT", durch den Raum.

Hermine hatte doch glatt in ihrer Neugier vergessen, dass sie nur ein dünnes, leicht rosa Nachthemd trug, welches ihren Körper nicht mal zu zehn Prozent, wie die sonstige schwere Schuluniform verdeckte.

Sofort schoss ihr das Blut ins Gesicht und hastig versuchte sie mit Händen und Armen das schlimmste zu verdecken. Dabei half es auch nicht, dass Harry es kaum schaffte, seine Augen von ihr zu nehmen. Nicht mal die Stimme in seinem Kopf, die ihm versuchte klar zu machen, dass dies dort seine beste Freundin war, brachte ihn davon ab.

Damion schien es lockerer zu nehmen. Gut, er war ebenfalls rot, musterte allerdings den Körper des Mädchens mit einem leicht lustvollen Blick. Doch dann wiederum schien er so gut erzogen zu sein, dass er aufstand und Hermine eine Decke vom Sofa reichte. Der Lockenkopf nahm diese hastig und dankbar an und wickelte sie ganz fest um sich.

Erst da erwachte Harry aus seiner Starre und schaute im nächsten Augenblick beschämt und mit leuchtend roten Ohren zu Boden. Hermine nutzte dies und setzte sich in den Sessel gegenüber des Schwarzhaarigen. Dann sah sie Damion, der immer noch grinste, an und fragte, was das denn für Fragen gewesen waren. Scheinbar wollte sie schnell ablenken. Und hier waren nun alle irgendwie froh, dass das Thema gewechselt wurde. Harry räusperte sich.

„Nun Hermine, ich wollte Damion gerade noch zwei Fragen stellen, bevor wir nach oben gehen. Und zwar währe die eine gewesen. Was er damit meinte, er habe die unverzeihlichen Flüche offiziell gelernt ? Dazu waren wir ja im Zug nicht mehr gekommen. Und dann wollte ich noch wissen, warum er vorhin so geschockt war, als der Hut ihn nach Gryffindor geschickt hat ?"

Hermine verstand und schaute zu Damion auf. Auch sie interessierte die Antworten auf die beiden Fragen, schwirrten ihr ja in ähnlicher Form auch in ihrem Kopf herum. Damion schien jedoch schon damit gerechnet zu haben und daher kam er sehr schnell zum Punkt.

„Also Harry, Hermine, was die Unverzeihlichen angeht, da habe ich mich wohl etwas unglücklich ausgedrückt. Ich habe sie zwar studiert und auch ihre Theorie verstanden. Doch das, was ich bisher zustande bekommen habe, war maximal der Anfang oder besser gesagt eine vereinfachte Form des Imperiusfluches. Für den Cruciatus und den Todesfluch fehlt mir nämlich, laut meinen Dad, die wichtigste Grundvoraussetzung. Ich meine der Wille jemanden zu töten oder zu quälen."

Harry beobachtete jede Bewegung des Braunhaarigen und versuchte zu erkennen, ob er die Wahrheit sagte. Er sah den Jungen vor sich an und kaum einer bemerkte, wie die Augen des Schwarzhaarigen anfingen, leicht zu glühen. Lag wohl daran, dass Harrys Brille reagierte und sich etwas abdunkelte.

Erkennen konnte Harry bei Damion allerdings nichts und dies war wiederum auch etwas seltsam. Denn wenigstens einen leichten Schimmer, den jede magische Person besitzt, hätte er bei ihm sehen müssen. Bevor sich der Gryffindor aber weitere Gedanken machen konnte, erhob Hermine das Wort und fragte nachdenklich.

„Ja aber warum hast du überhaupt angefangen, die Unverzeihlichen zu lernen ?"

Damion sah den Lockenkopf an, strich sich übers Kinn und sagte lächelnd.

„Nun Hermine, zum einen wollte ich später einmal, wie mein Dad, ein Jäger werden. Sei es nun für Artefakte oder aber für Verbrecher. Und dann hab ich euch doch gesagt, dass es ist anderen Ländern, wie zum Beispiel Indien, sogar Sitte ist, ganz bestimmten und behördlich tausend mal durchgecheckten Personen den Imperiusfluch beizubringen."

„Indien ? Wie kommst du nach Indien ? Ich denke du warst in Australien ?" Fragte Harry dazwischen und bekam von Hermine, die förmlich an den Lippen des Braunhaarigen hing, einen bösen Blick zugeworfen.

„Ganz einfach Harry, mein Dad und ich sind so gut wie in jedem Land auf der südlichen Halbkugel gewesen. Dad war immer auf der Jagd nach Artefakten und ich muss sagen, dass es sowohl in den asiatischen, als auch in den südamerikanischen Ländern nur so von ihnen wimmelt. So hat es uns auch gut zwei Jahre nach Indien verschlagen, bevor wir uns letztendlich in Australien wiederfanden. Und genau dort, nämlich in Indien habe ich die Erlaubnis für den Fluch bekommen."

„Warum dort ?", fragte nun Hermine, die die Geschichte regelrecht aufgesogen hatte.

„Weil es in Indien am leichtesten war. Ja, dort wird sogar manchen älteren Kinder, ab dem vierzehnten Lebensjahr, die vereinfachte Form des Fluches gelehrt, damit sie nicht Gefahr laufen, mit den Behörden der Muggel in Berührung zu kommen."

„Wieso das denn ?", fragte Harry, der nicht so recht verstehen konnte, worauf der Braunhaarige hinaus wollte.

„Weil in Indien, die Muggel eine sehr eigenwillige Kultur haben und an die Wiedergeburt glauben. Daher sind dort auch viele Tiere, wie zum Beispiel die Kühe heilig und du solltest sie nicht mal von der Straße jagen. Und genau das hat vor fast über hundert Jahren, der unwissende Sohn des indischen Zaubereiministers gemacht und sollte dafür in ein Muggelgefängnis. Daraufhin hat das indische Ministerium nach einer Möglichkeit gesucht, damit dies nie wieder passieren kann und wiola die entschärfte Form des Imperiusfluches entstand. Harry, du musst mir glauben, der Fluch hat bei mir nie mehr als für ein Tier gereicht. Ich weiß wirklich nicht, wieso die zwei Gorillas darauf reagiert haben."

Die letzten Worte von Damion waren regelrecht bittend und Harry sah den Braunhaarigen mit nachdenklichem Gesicht an. Dann ging sein Blick zu Hermine und es sah so aus, als wüsste der Schwarzhaarige nicht, ob er dies alles so glauben sollte. Seine beste Freundin nahm es scheinbar besser auf und nickt Harry leicht zu.

Jetzt galt es nur noch Harrys zweite Frage zu klären und auch hier schien der Braunhaarige schon eine Antwort parat zu haben. Damion sah Harry und Hermine vorsichtig an und sagte schließlich.

„Was nun den Schock von vorhin angeht, da müsst ihr erst einmal wissen, dass ich erst seit gut zwei Monaten weiß, dass ich dieses Jahr hier in Hogwarts verbringen soll. Und als ich dies erfahren habe, besorgte ich mir sofort etwas Hintergrundlektüre über diese Schule in England. Dad empfahl mir damals die Geschichte Hogwarts und ich muss sagen, es ist wirklich eines der besten Bücher, welches ich gelesen habe ..."

Harry grinste plötzlich zu seiner besten Freundin rüber und war sich in diesem Moment hundertprozentig sicher, dass Damion damit bei Hermine seine Überprüfung bestanden hatte. Der Lockenkopf hielt die Geschichte Hogwarts nun mal so heilig, wie manche Muggel die Bibel. Hermine schaute zu Harry und bemerkte das Grinsen. Sofort im nächsten Moment kam ein Kissen in Richtung des Schwarzhaarigen geflogen und dies rief nun verwirrte Blicke bei Damion hervor. Als er aber offensichtlich keine Erklärung für das Verhalten der Zwei bekommen würde, fuhr er fort.

„Ich habe also das Buch gelesen und mir Gedanken gemacht, in welches Haus ich wohl kommen würde. Ich hab sogar meinen Dad und deren Freunde gefragt und immer wieder kam nur eine Antwort ... Slytherin. Alle meinten, dass es einmal durch Mum und Dad vorgegeben sei, da sie auch dort waren. Und dann wiederum gäbe es gar keine andere Möglichkeit, da mein theoretisches Wissen um die dunklen Künste doch sehr umfangreich ist. So habe ich mich also seelisch und moralisch auf Slytherin eingestellt und nun stellt euch mal vor, wie es ist, wenn einen das ganze Gegenteil erwischt."

Harry sah den Jungen vor sich nachdenklich an und versuchte dessen Worte zu verarbeiten. Wie würde er sich fühlen, sollten man ihn ab morgen zu den Schlangen stecken ? Oder wie hätte er sich gefühlt bzw. was wäre aus ihm geworden, wenn er damals nicht auf den Hut eingeredet hätte ? Diese Gedanken schossen dem Schwarzhaarigen durch den Kopf und eine Antwort prellte ihm sofort gegen die Hirnwand. Er hätte Hermine heute nicht in ihrem Hauch von nichts gesehen.

„Scheiße, wo kam das denn her ? Vergiss das ja wieder schnell Potter." Und ohne dass Harry wusste wieso, ging sein Blick rüber zu Hermine und versuchte ein wenig mehr vom Körper des Lockenkopfes zu erwischen. Dieser hatte jedoch die Decke so eng um sich gelegt, dass alle Versuche vergeblich waren. Harry fragte sich im nächsten Moment, was dies überhaupt soll und richtete seinen Blick schnell auf was anderes.

Es waren dann die Sachen, welche er von Professor Mc Gonnagal bekommen hatte und im nächsten Augenblick wurde sich Harry auch wieder bewusst, wie spät es war und auch, dass er unbedingt den Brief noch lesen wollte. Er stand auf und meinte, dass es nun wirklich Zeit war, ins Bett zu gehen.

Hermine stimmte dem mit einem Gähnen zu und erhob sich vom Sessel. Lediglich Damion schien ein wenig verunsichert zu sein und Harry traf es. Der Braunhaarige war also doch noch nicht wirklich oben im Schlafsaal gewesen. Schnell wünschte Harry Hermine eine gute Nacht und dann drängte er Damion, ihm zu folgen.

Der Braunhaarige zögerte anfangs, doch als ihm Hermine zurief, dass nichts geschehen würde, kam doch ein wenig Bewegung in seinen Körper. Harry schnappte sich seine Sachen und beide liefen die steilen Treppen zum Turm hinauf. Oben angekommen öffnete Harry sachte die Tür und sie schlichen hinein.

Der Raum war dunkel und kühl, was wohl daran lag, dass sämtliche Fenster geöffnet und der Mond hinter den Wolken versteckt waren. Man konnte kaum was erkennen und so konzentrierte sich Harry zum ersten Male bewusst darauf, seine Augen zu verändern. Er spürte ein kurzes Kribbeln und nur wenige Wimpernschläge später kam es ihm so vor. Als hätte jemand das Licht eingeschaltet.

Harry ließ seinen Blick wandern und fand schließlich sein Bett und das von Damion. Sie standen aus einem ihm unerfindlich Grund fast zusammen und nur weil Rons ebenso nah stand, runzelte der Schwarzhaarige nicht die Stirn.

„Komm Damion, ich führe dich." Sagte Harry leise, um keinen seiner Mitschüler zu wecken.

Der Braunhaarige sah suchend in die Dunkelheit und ertastete schließlich die Schulter des anderen. Fünf Minuten später lagen beide in ihren Betten und zogen die Vorhänge zu. Allerdings gab es danach einen gewaltigen Unterschied. Denn während Damion nach anfänglichem wildem hin und her Gewerfe schließlich in den Schlaf glitt, lag Harry immer noch wach da und hielt den Brief von Dumbledore in den Händen.

Was würde wohl darin stehen ?

Und mit dieser Frage, und mit immer stärker zitternden Hände, brach der Gryffindor das rote Wachssiegel auf ...

TBC