Brian und Melanie schauten sich wortlos an.
"Mr. Kinney, aufmachen!", hallte es wieder hinter der Lofttüre, gefolgt von weiteren starken Klopfen.
Auch Justin wurde langsam aufmerksam.
Wer klopfte denn da nur so laut?
Er schritt in den Wohnbereich, noch immer nur in Unterhose und voll bekleckst mit Farbe.
"Justin!" Brian flüsterte den Namen so leise es ging. Die Beamten durften nicht erfahren, dass er daheim war.
Er schritt langsam zu den Jungen, der durch das ständige Klopfen, und das unbewusste Zittern des Prinzen nur noch verstörter wirkte.
Brian nahm ihn ganz dicht an seine Brust und flüsterte ihm die Worte leise zu "Wir spielen jetzt ein Spiel hörst du?"
Justin spürte Brians Zittern am eigenen Leib. Er wollte den Prinzen beruhigen. Vielleicht ging es Brian ja besser wenn er mit ihm das Spiel spielen würde?
Justin nickte entschlossen.
"Wir müssen ganz leise sein bis ich 'Stopp' sage, dann dürfen wir wieder normal reden, alles klar?"
Er hoffte Justin würde sich darauf einlassen.
Und nach kurzer Verzögerung tat er es auch. Justin schaute seinen Prinzen aus großen Augen an und nickte dann zaghaft. Zwar fand er das Spiel nicht gerade spannend, aber wenn es dem Prinzen gefiel, dann war es schließlich okay.
"Okay, dann komm jetzt mit mir ins Schlafzimmer." Brian war erleichtert. Er hoffte nur alles würde gut werden.
Doch Melanie schien dies gar nicht zu gefallen. Sie schritt, ebenso leise auch in den Schlafbereich und zog Brian zur Seite.
"Brian was tust du de-?" Melanies Stimme war am Ende etwas lauter geworden, doch Brian legte ihr schnell eine Hand auf den Mund.
"Schhh!" Er führte sie ins Badezimmer "Halt gefälligst den Mund!" fauchte er sie dort leise an.
Doch Melanie schien davon unbeeindruckt zu sein "Brian, ich kann das nicht mehr verantworten! Das geht zu weit! Du kannst 15 Jahre einkassieren mit deiner ganzen Masche die du planst, wenn nicht noch mehr! Justin ist geistig krank! Du nimmst ihn sein Zuhause weg, seine Eltern - Verdammt, du hast keinerlei Rechte an ihm, und wirst sie auch nie bekommen!"
Ruhe. Völlige Ruhe.
Brian war klar, dass Melanie Recht hatte, doch wollte er es nicht hören. Nicht wahrhaben.
"Melanie ich kann nicht." Seine Stimme brach. Er wünschte sich es wäre nicht so kompliziert, doch es war zu spät. So oder so, er würde ohne Strafe nicht mehr davon kommen.
Also warum jetzt aufgeben?
Nein, das wäre nicht Brian Kinney. Denn Brian kämpfte bis zum Schluss. Und dies schien erst der Anfang zu sein.
Und am wichtigsten: Brian Kinney hielt seine Versprechen! Also warum nicht auch jetzt?
"Melanie, du hast jetzt noch die Chance, aus der Sache rauszusteigen! Geh, ich kläre es mit Justin alleine. Ich... ich werd mir etwas einfallen lasse-"
"BRIAN!" Ihre Stimme wurde lauter als zuvor schon, doch die Beamten vor der Türe schienen zum Glück noch nichts mitbekommen zu haben. "Was redest du denn da? Da gibt es nichts mehr zu klären! Komm endlich wieder zu dir, Verdammt! Was ist nur mit dir los!"
Melanie packte ihn an den Schultern und bugsierte ihn auf den geschlossenen Toilettendeckel.
"Brian, auch wenn wir uns nicht gut verstehen, kann ich dich nicht einfach so ins Verderben stürzen lassen. Du wirst alles verlieren! Alles was du dir aufgebaut hast wird weg sein, Brian! Wach endlich auf! Du kannst Justin nicht weiter bei dir verstecken!"
"Ich werd ihn woander-"
"Brian, halt endlich den Mund!" Melanie war schier verzweifelt und auch wütend. Was war denn bloß los mit Brian! Das war nicht er. Nein, es war eine völlig neue, eine völlig andere Person! "Du wirst es letztendlich bereuen Brian, bitte hör endlich auf mich. Es steht zu viel auf den Spiel. Justin wirst du sowieso nie behalten können! Und du wirst es auch nie wollen."
"Ich will es!"
"Nein, du bist blind vor Liebe. Blind, geliebt zu werden." Melanies Stimme brach ebenfalls.
"Ich liebe ihn nicht!" Brians Worte waren leise, er schaute Melanie nicht in die Augen. Würde sie ihn glauben?
"Brian, hey schau mich mal an." sie drehte sein Gesicht vorsichtig wieder zu sich "das tut jetzt nicht zur Sache. Du kommst damit nicht durch, und ich kann dir später auch nicht mehr weiterhelfen!"
"Und jetzt könntest du es oder wie? Ich würde doch auch jetzt vor Gericht landen! Warum aufgeben Melanie, warum? Warum nicht einmal kämpfen? Kämpfen um das was wirklich wichtig ist?"
Melanies Geduldsfaden schien allmählig zu reißen. Wenn Brian eben nicht an sich dachte, was schon alleine ein achtes Weltwunder war, dann sollte er wenigstens an Justin denken!
"Brian, du zerstörst Justin nur noch mehr! Du denkst sein Vater tut ihm Unrecht? Was tust du denn dann! Justin kann nicht auf ewig so weiterleben! Brian, er ist jetzt schon ein verängstigter Autist! Er wird sich gerade in dieser Situation an dich binden, Brian. Er wird sich völlig an dich binden, und wie willst du ihm dann erklären, dass ihr euch trennen müsst? Du zerstörst ihn. Hör endlich auf damit. Es hat keinen Sinn mehr. Du wirst verlieren, und daran kann ich nichts ändern. Ich könnte dir jetzt noch helfen, aber später kann selbst der beste Anwalt nichts mehr für dich tun."
Die Worte taten Brian weh. Er versuchte sich nichts anmerken zu lassen, doch seine Fassade bröckelte. Es war eine völlig neue Situation für ihn, in der er nicht geprobt war, sein Pokerface aufzusetzen.
Er konnte nichts dagegen tun.
"Hör auf." Melanie strich ihm eine Träne von der Wange "Du schöner Prinz."
Brian überlegte kurzzeitig wirklich daran aufzugeben. Doch dann überkam es ihm wie ein Sturm.
Nein! Er konnte nicht. Er konnte es einfach nicht. Er würde es sich einfach nicht verzeihen. Eine innere Unruhe überfiel ihm bei den Gedanken Justin loszulassen.
Was war denn bloß mit ihm los?
Er nahm Melanies Hand, die noch immer auf seiner Wange ruhte, und schob sie weg.
"Nein!"
"Bri-"
"Wenn du mir nicht helfen willst dann geh! Geh jetzt! Ich lasse mich nicht umstimmen. Geh und verpfeif mich. Los!"
"Brian ich werde das nicht tun. Es liegt ganz alleine bei dir wann du endlich wieder in die Realität zurückkehrst."
Sie richtete sich wieder auf und schritt in den Schlafbereich. Dort sah sie Justin in exakt der gleichen Position wie sie ihn verlassen hatte.
Er stand noch immer vor dem Bett, unschlüssig was er nun tun sollte. Justin hatte gemerkt, dass die beiden im Badezimmer stritten. Immer wieder hörte er ihre Stimmen lauter werden, bevor es wieder ruhiger wurde. Er wollte zu Brian. Ihn beschützen, doch Melanie verängstigte ihn.
War sie etwa die böse Hexe, die die Liebe des Prinzen nicht akzeptierte?
Wie in seinen Büchern?
Aber sie würde weggehen. So war es immer. Denn er hatte gelernt, dass Liebe stärker war als alles andere. Sogar stärker als die bösen Mächte der Außenwelt.
Gelernt, von seinen Büchern?
Brian schritt ebenfalls vom Badezimmer in den Schlafbereich, schob Melanie zur Seite, und nahm Justins Hand.
Er führte ihn zum Bett. Ließ ihn sich hinsetzen.
"Erinnerst du dich daran, dass ich dir versprochen habe einen Ausflug zu machen?"
Justin nickte. Ja, er erinnerte sich daran. Brian meinte, wenn er jetzt mit Melanies Malbuch malte, würde er später einen Ausflug mit ihm machen.
"Und weißt du, ich breche meine Versprechen nicht." Er schaute damit zu Melanie, die dem Szenario nur kopfschüttelnd zusah.
Wann würde Brian endlich begreifen, dass er keine Chance gegen das Gesetz hatte!
Wenn es zu spät war? Wenn zwei Menschen gebrochen waren? Oder waren sie es jetzt schon?
Justin schaute Brian aus erwartungsvollen Augen an.
Dieser bückte sich vor um ihm etwas zu zuflüstern. "Heute Abend geht es los, aber Schhh. Nicht laut sagen, okay?"
Justin nickte wieder, und schaute zu der bösen Hexe. Er mochte sie nicht. Warum war sie denn immer noch hier? Im Prinzenschloss durften doch nur gute Menschen rein. Menschen die ihn nicht verletzten! Menschen die ihm keine Angst machten. Menschen... Ja, Menschen wie Brian!
Justin fühlte sich nicht gut, bei dem Anblick von Melanie. Er hatte Angst sie würde alles zerstören. Er hatte gehört, wie sie im bunten Diner mit Brian geredet hatte. Er hatte gehört, wie sie dem Prinzen gesagt hatte, er müsste wieder nach Hause.
Doch er wollte nicht! Er empfand einen unbändigen Schmerz wenn er an sein Elternhaus dachte. Er verband nichts gutes. Die einzigen glücklichen Erinnerungen waren mit seiner Mutter. Aber er wollte dennoch nicht zurück. Er wollte diese Angst nicht mehr spüren. Ertrug es nicht mehr.
Alleine der Gedanke daran löste in ihm eine Unruhe aus, sodass er sich an die Hand von Brian klammerte.
Dieser im Begriff aufzustehen, kniete sich wieder vor Justin.
"Was hast du denn?" Der Griff von Justin war stark. Stärker, als Brian ihm es zugetraut hätte.
Er tat beinahe schon weh, doch Brian jammerte nicht. Er schaute seinen Schützling aus aufmerksamen Augen an und versuchte sich einen Reim auf die Situation zu machen.
Hatte er ihn und Melanie etwa im Badezimmer reden gehört?
"Ni.. Nicht gehen!" Justins Stimme zitterte. Er empfand immer wieder einen unbändigen Schmerz, wenn er daran dachte von seinem Prinzen getrennt zu werden. Einen unbändigen Schmerz, der nicht zu stillen war, außer durch Brians Nähe.
Ein großes Loch, dass nicht gefüllt werden konnte, außer von Brian.
Brian dachte lange über diese Worte nach. Bevor er den Entschluss fasste, sie Justin mitzuteilen.
Ganz egal, ob Melanie anwesend war oder nicht.
"Ich bleibe immer bei dir." Sein Blick brach nicht, genauso wenig wie seine Stimme. "Versprochen!"
Das Klopfen an der Tür hatte schon längst aufgehört, ebenso wie die Rufe. Sie würden wiederkommen. Schon bald. Und Brian musste weg. Schon bald.
"Brian, ich bin weg. Linds wartet schon auf mich." Melanie schaute Brian aus tiefgründigen Augen an. "Viel Glück." hauchte sie, und schaute noch einmal zu den blonden Jungen auf dem Bett. Sie verabschiedete sich nicht von ihm. Was würde es schon bringen.
"Warte kurz Justin." flüsterte ihm Brian zu und begleitete Melanie zur Türe.
Doch als diese rausschreiten wollte hielt Brian sie am Arm zurück. Melanie würdigte ihn keines Blickes, ließ es aber zu, dass er sie wieder ins Loft zog. Die Lofttür noch immer geöffnet. "Weißt du, auch wenn wir uns eigentlich hassen." begann er und suchte Melanies Blick "Will ich nicht, dass unsere Wege so voneinander schreiten."
Melanie wurde hellhörig. "Voneinader schreiten? Was hast du vor Brian?" Sie riss sich von seinem Griff los und drückte ihn gegen die Wand "Hör mal zu du kleiner Scheißer, wenn du es auch nur wagst einen Schritt zu machen ohne es mir vorher mitzuteilen, dann hängt dein wohlgeformter Hintern demnächst über meinem Kamin, verstanden?" Ihre Stimme zeigte ehrliche Wut.
Brian war anfangs zu perplex um reagieren zu können.
Hatte ihm Melanie gerade auf ihre eigene persönliche Art ihre Hilfe angeboten?
Oh ja, das hatte sie.
Er konnte es nicht verhindern und lächelte. "Wehe du bringst uns da nicht mit deinen Satanshörnern heil raus." warf er ihr gespielt wütend vor.
Auch Melanie lächelte leicht.
Ja das war schon eher Brian Kinney wie sie ihn kannte. Kein Dankeschön, kein Bitteschön, keine Entschuldigungen, und am besten: Keine überflüssige Sentimentalität!
"Hau rein." Sie boxte ihm feste gegen die Schulter bevor sie rausschritt und die Lofttür hinter sich zuzog.
Erst draußen wurde ihr das Ausmaß ihrer Aussage bewusst.
Was um alles in der Welt hatte sie da nur getan! Es war gegen alles an was sie glaubte! Gegen alles was sie gelernt hatte. Selbst gegen ihre Berufung!
Aber nun gab es sowieso kein zurück mehr. Sie steckte da mit drinnen. Melanie hoffte es würde keine Auswirkungen auf Linds und Gus haben. Sie hoffte es würde alles gut gehen, die Sache würde sich irgendwie klären.
Craig würde nachgeben...
Aber ihre Hoffnungen landeten gleich der Aufzugfahrt immer weiter unten, und sie würden nicht wieder hochgehen, außer sie tat etwas daran.
Der Abend kündigte sich mit der obligatorischen Dämmerung an. Das Loft wurde durch die letzten Sonnenstrahlen wärmend erhellt.
Brian schaltete die Lichter an. Im Schlafbereich beließ er es bei der großen Wandbeleuchtung die über seinem Bett hing, und ein warmes, leicht orangfarbendes Licht ausstrahlte.
Er schaute auf die schlafende Gestalt. Er hatte Justin vor kurzem wegen der Farbe geduscht, hatte ihm eine frische Unterhose und ein frisches Shirt angezogen bevor er ihn schlafen legte, nachdem er bemerkte, dass Justin leicht fieberte.
Brian konnte sich darauf keinen Reim machen, doch er beließ es dabei. Vielleicht war es die Aufregung? Der Stress? Er hoffte nur, dass Justin nicht krank wurde. Das würde ihnen nun wirklich auch noch fehlen!
Er deckte Justin sanft zu, der sich sofort im Schlaf in die angebotene Decke einkuschelte.
Auch Brian duschte schnell, und zog sich eine frische dunkelblaue Jeans, mit einem grauen lockeren Langarmshirt an.
Er schaute nochmal nach Justin, doch dieser schlief noch immer. Brian ließ ihn, und schritt in den Wohnbereich.
Dort nahm er sein Handy in die Hand. Es wurde Zeit.
Jetzt oder nie.
Das Telefonat ging rasch. Melanie hatte ihm da schließlich schon die ganze Arbeit abgenommen indem sie es Michael und dessen Partner Ben erklärt hatte.
Die beiden waren nicht beeindruckt von Brians Idee. Ben war sofort strikt dagegen. Er wehrte sich mit allem was ihm zustand.
Doch Michael konnte ihm da nicht so recht zustimmen.
Es ging schließlich um Brian. Seinen besten Freund seit seiner Kindheit. Sie gingen zusammen durch dick und dünn. Überwanden Höhen und Tiefen.
Und sie würden sich nie im Stich lassen.
Egal was kommen sollte.
Denn sie hatten es sich versprochen. Genauso wie in Michaels Comicbüchern seine Superhelden zusammenhielten, so würden sie es auch tun!
Michael brauchte jedoch lange, um Ben seine Zustimmung vertraut zu machen. Denn dieser war noch immer dagegen, stimmte jedoch am Ende, wenn auch unfreiwillig, ein.
Er gab zu, dass er es nie für Brian tun würde. Und auch nicht für 'diesen Justin'! Nein, er tat es ganz alleine für seinen Liebhaber Michael.
Brian packte so leise wie möglich eine Reisetasche. Er packte nur das nötigste ein. Und es musste schnell gehen. Michael würde ihn gleich mit seinem Auto abholen.
Denn er würde das Loft schweren Herzens vorerst verlassen müssen. Und wo sollte er denn anders hin, außer zu Michael?
Er konnte in kein Hotel. Er hatte Angst, die Polizei würde es herausfinden. Es wäre zu öffentlich.
Bei Michael würden sie früh oder später sicherlich auch suchen, aber bis dahin blieb wenigstens noch etwas Zeit. Etwas Zeit um nach zu denken. Etwas Zeit um sich etwas Neues einfallen zu lassen. Etwas Zeit um wieder zur Besinnung zu kommen.
Immer wieder schaute Brian auf seine Armbanduhr. Er hoffte es würde gut gehen.
Sie hatten noch wenige Minuten, bis Michaels Anruf folgen würde, dass er angekommen sei.
Brian packte schneller. Versuchte immer wieder einen klaren Gedanken zu fassen. Sich auf das wesentliche zu konzentrieren. Im Jetzt zu leben, und nicht an die Zukunft zu denken.
Er würde es zwar nie vor versammelter Mannschaft zugeben, doch er hatte Angst.
Angst um sich, um seine Freunde die er nun auch mit rein gezogen hatte, aber am meisten um Justin.
Denn wegen ihm tat er es doch! Um ihn zu schützen. Um ihn zu retten! Denn er war doch sein Prinz!
Brian hoffte Michael würde sich nicht umentscheiden. Er wartete schon lange auf den Anruf, doch es blieb ruhig. Auch von den Panaromafenstern war Michaels Auto nicht zu erkennen. Hatte Michael sich anders entschieden? Würde er ihn hängen lassen?
Brian schritt wieder in den Schlafbereich.
Plötzlich!
Der ersehnte Anruf kam wie ein Schlag. Brian schreckte auf. Er nahm schnell sein Handy in die Hand und nahm ihn an.
Hoffentlich war Justin nicht aufgewacht! Es würde seinen Plan durchkreuzen.
Kurze Worte wurden ausgetauscht, bevor schon Michael mit seinem Notfallschlüssel ins Loft schritt und die gepackte Tasche an sich nahm.
Die beiden schauten sich lange an. Bevor Michael seinen Freund in eine schnelle aber innige Umarmung zog. "Zusammen durch Höhen und Tiefen, richtig?"
Brian nickte schwach in Michaels Halsbeuge, bevor er sich wieder aus der Umarmung befreite.
"Geh." flüsterte er Michael zu.
Dieser verstand, und schritt mit der Tasche wieder zurück zum Wagen um sie zu verstauen.
Brian hingegen machte sich daran, Justin so sanft wie möglich auf seine Arme zu hieven.
Jeweils ein Arm unter seinen Schultern und einer unter seinen Kniekehlen.
Zusammen mit der blauen Steppdecke hob er ihn hoch und trug ihn, darauf bedacht ihn bloß nicht zu wecken, mit dem Aufzug nach unten.
Er hatte beschlossen, Justin dabei nicht zu wecken. Er würde nur unnötig Angst bekommen.
Zwar wusste er auch, dass Justin es sowieso spätestens am nächsten Morgen merken würde, dass er nicht mehr im Prinzenschloss war, aber Brian hoffte, ihm würde bis dahin etwas eingefallen sein, dass er Justin vorgaukeln könnte.
Michael öffnete die Autotür, als er Brian mit dem blonden Bündel auf seinen Armen erkannte.
Es war frostig, und Brian versuchte so schnell wie es ihm seine Last erlaubte, ins Auto zu steigen.
Er ließ sich auf den Rücksitz nieder, und nahm Justin mit Michaels Hilfe zur Hälfte auf den Schoss. Justins leicht angewinkelte Beine bugsierten Michael und Brian ebenfalls auf die Rückbank. Brian deckte ihn nochmals richtig zu und fühlte ihm flüchtig die Stirn. Sie war noch immer warm, doch er hoffte es würde sich am Morgen legen.
Michael umrundete derweil den Wagen anschließend, um sich auf den Fahrersitz niederzulassen.
"Alles okay dahinten?" Michaels Stimme war nur ein flüstern um den schlafenden Jungen nicht zu wecken.
"Fahr schon." Brians Stimme war ebenfalls leise, aber dennoch befehlend.
Michael beließ es dabei. Es war nun mal Brian Kinney. Und wann dankte er einem schon mal?
Jedenfalls selten.
Michael startete den Motor, und richtete den Rückspiegel im inneren des Wagens so, dass er Brian beobachten konnte.
Michaels Lächeln wurde von seinem langjährigen besten Freund erwidert.
"Na dann, rein ins Verderben."
Michael verdrehte bei Brians Aussage die Augen. Doch er war insgeheim froh, dass Brian langsam wieder sein altes "Ich" zum Vorschein brachte, hatte er doch bei Melanies Offenbarung anfangs kaum glauben können, dass dieser Brian der auf seiner Rückbank saß, eine solche Tat hätte vollbringen können.
Aber es spielte nun auch keine Rolle mehr.
Denn nun gab es kein Zurück mehr.
